[Liebe]Mit geschlossenen Augen

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Mit geschlossenen Augen

Beitragvon Natania » 10.10.2013, 10:25

So, da bin ich nun und habe endlich den Mut gefunden, hier meiner erste Kurzgeschichte hochzuladen. Ich bin sehr neugierig, wie sie bei euch ankommt. Ich schreibe noch nicht lange Kurzgeschichten und fühle mit noch etwas unsicher. Deshalb bin ich für jeden Kommentar dankbar!
LG
Natania



Mit geschlossenen Augen

Sie streckte ihre Hand nach einer alten, ledergebundenen Ausgabe von Sinn und Sinnlichkeit aus. Ihr Lieblingswerk von Jane Austen.
Wie einen Schatz trug sie es vor sich auf den Händen zur Leseecke in der Nähe des Eingangs. Ihr Blick glitt über den Arbeitsplatz, den alle Bibliothekangestellten nutzten. Doch noch saß die ältere Dame dort, die sie immer mit diesem seltsamen Blick ansah. Als kannte sie ihre Sünden.
Sie wusste, dass sie sich nicht auf diese Seite des Tisches setzen sollte. Nicht dorthin, wo sie die Tür im Blick hatte.
Doch sie setzte sich auf diese Seite.
Mit fahrigen Händen schob sie das Buch vor sich und schlug es auf. Sie kannte es gut; hatte es sicherlich schon mehr als fünfzig Mal gelesen.
Schnell vertiefte sie sich in die Geschichte, die für sie nur aus Sehnsucht bestand.
Sie kannte das Gefühl gut. Es fühlte sich an, als würde in ihrem Innersten etwas fehlen. Als würde sich ihr ganzes Sein strecken, um es zu fassen zu bekommen.
Das leise Klicken der Tür katapultierte ihre Gedanken in die Gegenwart. Ein Ruck ging durch sie hindurch, als sich ihr Körper aus der Starre löste.
Langsam hob sie den Kopf und sah zum Eingang.
Ihr stockte der Atem. Ihr Herz setzte aus, dann schlug es weiter; mit dreifacher Geschwindigkeit. Sie konnte es fühlen wie die schnellen Flügelschläge eines Schmetterlings.
Er war da.
Hungrig glitt ihr Blick über ihn; nahm die langen Haare wahr, die er heute zu einem Zopf zusammengebunden trug. Sie waren dunkel und lockig und gaben ihm ein gefährliches Aussehen. Manchmal erinnerte er sie an einen Piraten und sie stellte sich vor, wie er ihr Schiff enterte.
Sie sah nur seinen Rücken, denn er sprach mit der älteren Dame, die ihre Tasche packte und sich von ihrem Arbeitsplatz erhob. Er legte seinen ledernen Rucksack auf den Tisch, ließ sie vorbei und verabschiedete seine Kollegin in den Feierabend.
Fast schnappte sie nach Luft, als er sich endlich zum Raum umdrehte. Seine Augen, so dunkel und geheimnisvoll, glitten über die Lesenden. Sein Blick blieb nicht an ihr hängen, obwohl sie ihn anstarrte.
Sie konnte nicht anders. Immer, wenn er in ihrer Nähe war, war sie nicht fähig, sich auf etwas Anderes zu konzentrieren, als auf ihn. Er war wie ein Magnet. Er zog ihren Blick auf sich. Und sie konnte nichts dagegen tun.
Seit jener ersten, seltsamen Begegnung ergriff er von ihr Besitz, wann immer er sich mit ihr in einem Raum aufhielt.
Sie verschlang ihn gierig mit den Augen. Betrachtete die braungebrannte Haut, die stilvolle Kleidung, den silbernen Ohrring mit der Feder, den er am linken Ohr trug. Musterte die Kette aus großen Gliedern um seinen Hals.
Sie rang mit sich. Ihr verlangte es alles ab, den Blick auf die Seiten des Buches zu senken. Die Buchstaben, die auf sie sonst eine beruhigende Wirkung hatten, waren plötzlich verhasst. Wieder und wieder las sie denselben Absatz, ohne ein Wort zu bemerken.
Sie war sich des Gefühls sehr bewusst, dass er mit ihr im Raum war. Dass er ihr nah war.
Ungeduldig rieb sie ihre Finger.
Es wurde spät. Um sie herum leerten sich die Tische und bald brannte nur noch eine Leselampe irgendwo näher bei der Tür.
War es jetzt soweit? Kam der Moment, auf den sie wartete und von dem sie jede Nacht träumte? Nach dem sie sich verzehrte?
Die Minuten verstrichen. Es wurde ihr unerträglich. Warum quälte er sie so?
Plötzlich stellten sich ihre Nackenhaare auf. Ein Schauder der Vorfreude fuhr ihr den Rücken hinab.
Sie wusste, was nun geschehen würde!
Sie hielt ganz still. Reglos, ja ohne Luft zu holen, erwartete sie ihn.
Eine Hand legte sich über ihre Augen.
Ihr Herz blieb stehen. Ein Adrenalinstoß schoss durch ihren Körper wie ein Stromschlag. Ihre Haut prickelte.
Sie blieb still sitzen, rührte sich nicht.
„Lass deine Augen geschlossen.“
Die Stimme war direkt neben ihrem Ohr. Sie spürte seinen Atem an ihrem Hals und schauderte.
Es war keine Bitte, es war ein Befehl. So wie jedes Mal.
Und sie konnte nicht anders, als zu gehorchen. „Ja“, sagte sie wohl zum hundertsten Mal.
Durch ihr Augenlicht beraubt fühlte sie sich verwundbar und verletzlich. Es war wunderbar aufregend.
Er nahm die Hand von ihren Augen und fuhr mit den Fingern über ihren Hals. Seine Hand packte ihren Nacken. Sie gehorchte ihrer Forderung und erhob sich. Willig ließ sie sich von ihm führen und hielt die Augen geschlossen, während sie gingen.
Überrascht keuchte sie. Er hatte seine Hand an ihre Hüfte gelegt und schob sie nach rechts. Sie spürte die Regalwand im Rücken, als er sie dagegen presste.
Atemlos wartete sie, was er tun würde. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, bis er ihre Lippen mit dem Finger berührte. Nur ganz leicht. Dann war das Gefühl fort.
Jetzt fuhr er ihren Hals hinab. Sie erschauderte.
Weich wie eine Feder in seinen Händen beugte sie sich ihm. Sie wusste, dass er es spürte. Dass er spürte, dass sie sein war.
Sie fühlte seine Lippen an ihrem Hals und legte den Kopf in den Nacken. Die hauchzarten Berührungen waren fast mehr als sie ertragen konnte. Sie verschwanden abrupt.
Jetzt spürte sie seinen Atem auf ihren Lippen. Es durchzuckte sie. War es endlich soweit? Würde er sie küssen?
Diese Fragen hatte sie sich schon hundert Mal gestellt. Und nie hatte er es getan.
Auch jetzt geschah nichts.
In der Stille wurde ihr das keuchende Atmen bewusst. Es kam von ihr. Sie konnte längst nicht mehr klar denken.
„Tu es.“
Das war neu. Das hatte er noch nie gesagt.
Ihr Verstand war umnebelt. „Was tun?“
„Das, was du jedes Mal tun wolltest, aber nie getan hast.“
Zu ihrer eigenen Überraschung öffnete sie nicht die Augen. Stattdessen glitten ihre Hände über seinen Oberkörper hinauf bis zu seinem Gesicht.
Sie zog seinen Kopf zu sich hinunter und küsste ihn leidenschaftlich.
Und mit geschlossenen Augen.
Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. (Seneca)
Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. (Mark Twain)
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon FrozenBambi » 10.10.2013, 15:56

Hach Natania,

weißt du ich hasse es eigentlich so ein fieser Kritiker zu sein. Aber es bringt nichts, wenn ich dir das jetzt schön rede. Also ich meine es nicht böse ;)
(Und aller Anfang ist schwer!)

Zuerstmal gehe ich querbeet durch den Text und zeig dir ein paar stilistische Sachen, die mir als Leser auffallen:


Sie streckte ihre Hand nach einer alten, ledergebundenen Ausgabe von Sinn und Sinnlichkeit aus. Ihr Lieblingswerk von Jane Austen.


Ich finde das als einleitenden Satz ... gruselig. Ich bin jetzt nicht der Typ, der meint, dass einen der erste Satz umhauen muss, aber der motiviert so gar nicht zum Weiterlesen.
Du könntest es - passend zu deinem Inhalt - sinnlicher gestalten. Beschreib wie ihre Finger über das Leder streifen, wie ihre Nase den 'animalischen' Geruch aufnimmt. Gestalte es meinetwegen wie das Vorspiel einer sexuellen Handlung (sex sells), um deinen Leser dann auf die schockierende Tatsache zurückzuführen, dass es nur um ein Buch geht *g*


Doch noch saß die ältere Dame dort, die sie immer mit diesem seltsamen Blick ansah. Als kannte sie ihre Sünden.


Also ich glaub es heißt 'als kenne sie ihre Sünden'. Ich finde das ehrlich gesagt etwas zu platt. Du gibst schon zu viel preis. Außerdem hat dieser Satz bei mir kein fragendes, sondern viel eher ein irritiertes Fragezeichen über meinem Kopf erzeugt.
Schreib doch unverfänglicher sowas wie: 'Als kenne sie den wahren Grund, warum sie Tag für Tag hierher kam'


Sie wusste, dass sie sich nicht auf diese Seite des Tisches setzen sollte. Nicht dorthin, wo sie die Tür im Blick hatte.Doch sie setzte sich auf diese Seite.


Pardon, aber abgesehen von der Wiederholung (fett markiert), klingt das gruselig. Ich weiß nicht mal, wer da die Tür im Blick hat. Es könnte auch die Bibliothekarin sein. Und nachdem nicht alle Menschen in ner Biblio waren, kann ich zB es mir echt net vorstellen. Im Endeffekt ist es wurschtpiepegal, wo sie sitzt. Schreib doch nur, dass sie (die Protagonistin) schaut, dass sie derartig sitzt, das sie den Eingang im Blick hat.


Schnell vertiefte sie sich in die Geschichte, die für sie nur aus Sehnsucht bestand.
Sie kannte das Gefühl gut. Es fühlte sich an, als würde in ihrem Innersten etwas fehlen. Als würde sich ihr ganzes Sein strecken, um es zu fassen zu bekommen.


Wenn der Inhalt des Buches eine Rolle spielt, dann wäre es sinnvoll eine wichtige Passage vllt kurz anzureißen. Nicht jeder kennt das Buch und eine Geschichte, die nur aus Sehnsucht besteht, das klingt sehr vage.


Das leise Klicken der Tür katapultierte ihre Gedanken in die Gegenwart. Ein Ruck ging durch sie hindurch, als sich ihr Körper aus der Starre löste.
Langsam hob sie den Kopf und sah zum Eingang.
Ihr stockte der Atem. Ihr Herz setzte aus, dann schlug es weiter; mit dreifacher Geschwindigkeit. Sie konnte es fühlen wie die schnellen Flügelschläge eines Schmetterlings.


Woah too much. Das kannst du bringen, wenn sich vor ihr die Hölle auftut. Aber nachdem sie den Typen ja schon besser kennt, denke ich kriegt sie keinen halben Herzinfarkt mehr.
- Ein leises Klicken lässt sie aufmerken, aber katapultiert keinen aus seinen Gedanken. Da müsste er die Tür schon derartig auf/zuhämmern, dass der Tisch unter ihr erzittert. :D
- Entscheide dich für Atem stocken oder Herzstolperer, beides zusammen wirkt übertrieben
- 'dreifache Geschwindigkeit' ist unschön. Du verwendest im nächsten Satz so ein schönes Bild, matsch es doch in der vorherigen Satz mit ein. 'Ihr Herz schien auszusetzen, ehe es wie die schnellen Flügelschläge ...' oder so.


Hungrig glitt ihr Blick über ihn; nahm die langen Haare wahr, die er heute zu einem Zopf zusammengebunden trug.


Hungrig werte ich als rein sexuelle Begierde. Das passt so überhaupt nicht zu deiner scheinbar schwer verliebten Protagonistin.


Sie waren dunkel und lockig und gaben ihm ein gefährliches Aussehen. Manchmal erinnerte er sie an einen Piraten und sie stellte sich vor, wie er ihr Schiff enterte.


Man mag sich darüber streiten, aber ich finde nicht unbedingt das dunkles, lockiges Haar einen gefährlich aussehen lässt. Das wäre ja eine regelrechte Stigmatisierung. :D
Das Bild mit dem Schiff entern finde ich aber sehr klasse!


Sie verschlang ihn gierig mit den Augen. Betrachtete die braungebrannte Haut, die stilvolle Kleidung, den silbernen Ohrring mit der Feder, den er am linken Ohr trug. Musterte die Kette aus großen Gliedern um seinen Hals.


Du weckst hier langsam echt das Bild eines Obermachoprollotypen - sowas arbeitet als Bibliothekar? *g*
Aber ich darf nicht urteilen - war noch nie in einer.
Und ein kleiner aber feiner Tipp. Es ist viel 'süßer' wenn die Protagonisten eben nicht perfekte Abbilder Gottes sind.


Wieder und wieder las sie denselben Absatz, ohne ein Wort zu bemerken.


bemerken finde ich unpassend. Schöner fände ich 'aufzunehmen' o.ä.


Sie war sich des Gefühls sehr bewusst, dass er mit ihr im Raum war. Dass er ihr nah war.


Das klingt seeeeehr seltsam. Ich weiß was du meinst, aber du schreibst es nicht wirklich.
Ich denke du willst sowas schreiben wie: 'Das Bewusstsein, dass er mit ihr im Raum war, nahm ihr ganzes Denken in Anspruch' o.ä.


Es wurde spät. Um sie herum leerten sich die Tische und bald brannte nur noch eine Leselampe irgendwo näher bei der Tür.


'irgendwo' ist so ein schreckliches Füllwort, das hier nur den Lesefluss stört.


Plötzlich stellten sich ihre Nackenhaare auf. Ein Schauder der Vorfreude fuhr ihr den Rücken hinab.
Sie wusste, was nun geschehen würde!


Thelepathie oder was? Lass ihn ein Geräusch verursachen, welches ihr sagt, dass er jetzt kommt. Außer sie hat übersinnliche Fähigkeiten oder so.

Ihr Herz blieb stehen. Ein Adrenalinstoß schoss durch ihren Körper wie ein Stromschlag. Ihre Haut prickelte.


Du übertreibst schon wieder, versuchst den Leser mit tausend Eindrücken umzuhauen, um ihm etwas zu versinnbildlichen. Aber nachdem du die ganze Zeit uns aufs Auge drückst wie sehr sie sich nach ihm verzehrt, ist das kaum noch nötig.


Den Rest des Textes bewerte ich mal in einer Gesamtübersicht.
Du schaffst Interesse (erwähnte ich schon sex sells? ;) ), du machst deutlich, das tun die schon zum x-ten Mal. Ich wage mal anzunehmen, nachdem er ihr wie einer Sexsklavin Befehle erteilen kann, haben sie regelmäßig etwas mehr als Kuscheln miteinander.
Und dann löst du das Ganze mit einem total kitschigen Kuss auf. (Sie haben sich noch nie geküsst?)
Damit schaffst du es wunderbar den Leser zu überraschen. Aber leider - in meinem Fall - nicht so, dass man denkt 'was für eine tolle Wendung', sondern 'man wie unglaubwürdig'.

Die Geschichte hat einen gewissen Unterhaltungswert, den ich mal auf die sexuellen Elemente schiebe. Technisch bist du keine Anfängerin mehr, aber hier und da schadet dir ein wenig Übung nicht. *g*

Was ich schade finde ist, dass ich der KG keine Moral/positives Gefühl oder sonstwas entnehmen kann. Ich erwarte von einer KG dasselbe wie von einem Roman. Dass ich sie nicht sofort wieder vergesse, geistig zur Seite lege, sie schlicht 'uninteressant' war. Ich will berührt werden, gerade bei einer Liebesgeschichte!

Aber diese beiden Typen, die sich tagtäglich in der Bibliothek miteinander vergnügen und nicht fähig waren sich zu küssen - die werfen bei mir nur die Frage auf, wie man so sein kann :D

Aber für deine erste KG fand ich es wirklich in Ordnung.

LG

Bambi
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon Natania » 12.10.2013, 09:13

Hi Bambi, danke für deine Kommentare! Und ich bin dir nicht böse. Es hilft mir ja, wenn du mir sagst, was nicht gelungen ist. Es hat lange gedauert, aber inzwischen habe ich gelernt, mit Kritik umzugehen. :wink:

Also, das mit dem ersten Satz, tja. Verdammt wahr. ^^ Ich bin immer wieder überrascht, was man so alles an den eigenen Texten nicht sieht. Werd ich direkt mal spannender gestalten.

FrozenBambi hat geschrieben:

Doch noch saß die ältere Dame dort, die sie immer mit diesem seltsamen Blick ansah. Als kannte sie ihre Sünden.


Also ich glaub es heißt 'als kenne sie ihre Sünden'. Ich finde das ehrlich gesagt etwas zu platt. Du gibst schon zu viel preis. Außerdem hat dieser Satz bei mir kein fragendes, sondern viel eher ein irritiertes Fragezeichen über meinem Kopf erzeugt.
Schreib doch unverfänglicher sowas wie: 'Als kenne sie den wahren Grund, warum sie Tag für Tag hierher kam'


Ja, meine Version klingt tatsächlich sehr abgedroschen.

FrozenBambi hat geschrieben:Das leise Klicken der Tür katapultierte ihre Gedanken in die Gegenwart. Ein Ruck ging durch sie hindurch, als sich ihr Körper aus der Starre löste.
Langsam hob sie den Kopf und sah zum Eingang.
Ihr stockte der Atem. Ihr Herz setzte aus, dann schlug es weiter; mit dreifacher Geschwindigkeit. Sie konnte es fühlen wie die schnellen Flügelschläge eines Schmetterlings.


Woah too much. Das kannst du bringen, wenn sich vor ihr die Hölle auftut. Aber nachdem sie den Typen ja schon besser kennt, denke ich kriegt sie keinen halben Herzinfarkt mehr.
- Ein leises Klicken lässt sie aufmerken, aber katapultiert keinen aus seinen Gedanken. Da müsste er die Tür schon derartig auf/zuhämmern, dass der Tisch unter ihr erzittert.
- Entscheide dich für Atem stocken oder Herzstolperer, beides zusammen wirkt übertrieben
- 'dreifache Geschwindigkeit' ist unschön. Du verwendest im nächsten Satz so ein schönes Bild, matsch es doch in der vorherigen Satz mit ein. 'Ihr Herz schien auszusetzen, ehe es wie die schnellen
Flügelschläge ...' oder so.


Deine Worte im Hinterkopf hab ich beim Nochmallesen gesehen, dass es tatsächlich etwas übertrieben ist. Ich mache das gerne, übertreiben. Darauf muss ich echt aufpassen. ^^

FrozenBambi hat geschrieben:Sie waren dunkel und lockig und gaben ihm ein gefährliches Aussehen. Manchmal erinnerte er sie an einen Piraten und sie stellte sich vor, wie er ihr Schiff enterte.


Man mag sich darüber streiten, aber ich finde nicht unbedingt das dunkles, lockiges Haar einen gefährlich aussehen lässt. Das wäre ja eine regelrechte Stigmatisierung.


Da muss ich wohl noch ein bisschen spezifischer werden, was genau ihn so gefährlich macht.

FrozenBambi hat geschrieben:Sie verschlang ihn gierig mit den Augen. Betrachtete die braungebrannte Haut, die stilvolle Kleidung, den silbernen Ohrring mit der Feder, den er am linken Ohr trug. Musterte die Kette aus großen Gliedern um seinen Hals.


Du weckst hier langsam echt das Bild eines Obermachoprollotypen - sowas arbeitet als Bibliothekar? *g*
Aber ich darf nicht urteilen - war noch nie in einer.
Und ein kleiner aber feiner Tipp. Es ist viel 'süßer' wenn die Protagonisten eben nicht perfekte Abbilder Gottes sind.


An der Stelle musste ich dann beim Nochmallesen lachen. Ich wollte natürlich keinen Obermachoprollotypen, aber ich hab ihn leider. :lol:


Zu deiner Gesamtübersicht muss ich sagen, dass das eben nie weit gegangen ist und sie ihm mit dem Kuss so nahe kommt, wie noch nie. Es hat immer nach wenigen Augenblicken schon aufgehört und er war weg. Das muss ich wohl noch verdeutlichen.

Ich danke dir für deine Worte!

LG
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon Sandi » 27.10.2013, 19:23

Hallo Natania,

erst einmal vielen Dank dafür, dass du den Mut gefunden hast, deine Kurzgeschichte hochzuladen! Ich kann den Beginn mit Sinn und Sinnlichkeit ganz gut nachvollziehen. Das ist eines meiner Lieblingsbücher :D

Ich hätte es am Anfang auch ganz spannend gefunden, wenn es zuerst „falscher Alarm“ gewesen wäre. D.h. wenn die Protagonisten zuerst den Traummann erwartet zum Eingang sieht- er aber doch noch nicht da ist und quasi erst beim zweiten Mal kommt. Vielleicht bekommt die Protagonistin ja die Sorge, dass er „heute“ gar nicht mehr kommt…

Ach ich finde Männer mit dunklen langen Haaren eigentlich ganz spannend :oops: das mit dem Piraten und seinem Schiff hat mich echt zum schmunzeln gebracht.

Vielleicht könnte die Protagonistin als er ihr die Augen zugehalten werden auch noch ein wenig Angst haben, dass vielleicht einer der wenigen Leser oder die Bibliothekarin auf sie aufmerksam werden. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass ein Bibliotheksbesucher einem anderen einfach die Augen zuhält und denjenigen hinter die Bücher zerrt :lol:
Es wäre auch ganz spannend gewesen, wenn die beiden fast ertappt worden wären… indem z.B. ein Buch hinunterfällt, als er sie an das Regal drückt.

Danke für den Kuss am Ende. Das wäre echt fies :wink: gewesen, wenn ich den nicht hätte lesen können.

Also mir hats gefallen! Bin auf deine weiteren Kurzgeschichten gespannt.

Liebe Grüße,
Sandi
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon Natania » 01.11.2013, 08:50

Hi Sandi,

vielen Dank für deine Kommentare! Deine Anregungen zum Handlungsablauf fand ich sehr interessant und werde mal darüber nachdenken.
Mir juckt es ja schon in den Fingern, aber ich bin gerade dermaßen im Umzugsstress, dass ich froh bin, wenn ich abends noch weiß, wie ich heiße. ;-)

Aber das ist ja nun abzusehen und ich freue mich, wenn alles steht und ich wieder ein bisschen Zeit für andere Dinge als Packen und Räumen habe. ;-)

Viele liebe Grüße,
Natania
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon neska » 20.07.2014, 20:00

Hallöchen :)

Das ist mein erstes Kommentar, darum sei mir nicht böse, wenn ich mich versehentlich zweideutig ausdrücke oder noch nicht so richtig weiß, wie alles funktioniert. :P

Hier sind meine Anmerkungen (jedenfalls einige, ich wollte nicht alles wiederholen, das schon gesagt wurde):

Mit geschlossenen Augen


Den Titel finde ich für die Kurzgeschichte, falls es keine anderen Teile mehr gibt, in denen das noch wichtig wird oder so ähnlich, nicht übertrieben ansprechend, dennoch reichte es, um auf deine Geschichte zu klicken bei der Auswahl. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man aus dem Titel noch mehr rausholen kann. (Liegt natürlich auch stark am Geschmack)


Sie streckte ihre Hand nach einer alten, ledergebundenen Ausgabe von Sinn und Sinnlichkeit aus. Ihr Lieblingswerk von Jane Austen.


Wie schon erwähnt, ist der erste Satz nicht so mitreißend gewesen. Da du das aber schon kommentiert hast, sag ich da nicht mehr zu. :P

Wie einen Schatz trug sie es vor sich auf den Händen zur Leseecke in der Nähe des Eingangs.


Mir gefallen einige deiner Formulierungen sehr, und diese gehört eindeutig dazu. Finde ich ein super Beispiel! :)


Doch noch saß die ältere Dame dort, die sie immer mit diesem seltsamen Blick ansah. Als kannte sie ihre Sünden.


Auch das wurde schon erwähnt. Das mit den Sünden ist irreführend und nichtssagend. Welche Sünden? Ein wenig genauer. " Den Grund, weshalb sie Tag für Tag wieder dieses Buch las." Oder so ähnlich..

Das leise Klicken der Tür katapultierte ihre Gedanken in die Gegenwart. Ein Ruck ging durch sie hindurch, als sich ihr Körper aus der Starre löste.
Langsam hob sie den Kopf und sah zum Eingang.
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Auf die Übertreibungen musst du echt aufpassen. :D
Einzeln wären sie vielleicht sogar ganz passend, alle auf einmal jedoch überrumpeln einen schon und sind nicht glaubwürdig. Die Formulierungen an sich gefallen mir jedoch.

Ist ein wenig schade, dass aufgrund der Übertreibungen ihrer Gefühlsausbrüche die schöne Schmetterlingsbeschreibung etwas untergeht. Versuch sie herauszuheben! :)

nahm die langen Haare wahr, die er heute zu einem Zopf zusammengebunden trug. Sie waren dunkel und lockig und gaben ihm ein gefährliches Aussehen.


Find' ich super, dass dein Kerl mal anders aussieht als die ganzen blonden Surfertypen mit den blauen Augen. :P (nicht, dass die schlimm wären)

Sie sah nur seinen Rücken, denn er sprach mit der älteren Dame, die ihre Tasche packte und sich von ihrem Arbeitsplatz erhob.


Hier stört mich ein wenig, dass du die Dame ständig als "ältere Dame bezeichnest". "... mit der Dame" "...mit der Bibliothekarin" "...mit seiner Kollegin" , irgendwie solltest du sie auch anders bezeichnen.

Seit jener ersten, seltsamen Begegnung ergriff er von ihr Besitz, wann immer er sich mit ihr in einem Raum aufhielt.


Welche erste, seltsame Begegnung denn? :)
Wird sie in der Fortsetzung beschrieben, ist es völlig okay, sie jetzt noch nicht zu nennen. Ansonsten wäre eine kurze Beschreibung vielleicht ganz passend, oder irre ich mich da?
Ich kann mich gerade selber nicht entscheiden, ob ich da eine haben will oder nicht. :D

Die Buchstaben, die auf sie sonst eine beruhigende Wirkung hatten, waren plötzlich verhasst.


Den Satz find ich wieder unglaublich toll.

Wieder und wieder las sie denselben Absatz, ohne ein Wort zu bemerken.


"...zu bemerken" klingt komisch. "...ohne ein Wort zu verstehen" "...aufzunehmen" "...zu realisieren" vielleicht.


Durch ihr Augenlicht beraubt fühlte sie sich verwundbar und verletzlich.


Auch eine tolle Beschreibung ! :)

Die Geschichte finde ich fürs erste Mal sehr gelungen, auch wenn ich nicht ganz verstanden habe, wieso sie weiß, was passiert. Ist es alles nur ein immer wiederkehrender Traum oder ist es Realität? Eigentlich ist es aber auch spannend, sich das selbst du überlegen. Da es eine Kurzgeschichte ist wird es wohl keine Teile mehr geben (oder doch?). Darum kann man sich in die Geschichte selber viel hineindenken und -interpretieren.

Ist dir super gelungen ! :)

Liebe Grüße
neska :)
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Re: Mit geschlossenen Augen

Beitragvon Natania » 20.07.2014, 21:58

Hallo neska,

vielen Dank für deine Kommentare! Ich habe schon lange keine Kurzgeschichte mehr geschrieben und jetzt juckt es mich regelrecht in den Fingern. Danke dir dafür!

Es tut gut, hin und wieder auf seine verqueren Satzbauten und Beschreibungen aufmerksam gemacht zu werden und dein Kommentar war mir hilfreich und willkommen!

Ob ich mich wohl jetzt gleich einem blinkenden Cursor auf weißer Seite aussetzen werde ...? ;-)

Liebe Grüße und danke,
Natania
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