Mitleid (Psychologie)

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Mitleid (Psychologie)

Beitragvon fantasywriter2102 » 05.11.2015, 23:35

Hey ihr Schreiberlinge!

Ich suche die Psychologie-Experten unter euch; habe einige Fragen für mein aktuelles Fantasy-Projekt.

Eine für die Handlung sehr wichtige Person erleidet einen schweren Schicksalsschlag. Nun stellen sich mir einige Fragen Thema "Mitleid". Ich hoffe, ihr könnt mir da ein wenig weiterhelfen :)

1.) Wie kommt Mitleid überhaupt zustande?
2.) Was löst Mitleid bei den betroffenen Person psychisch aus?
3.) Ist es besser, kein Mitleid mit jemandem zu haben oder ist ein gewisser Grad an Mitleid "gesund"?
4.) Können Menschen besser mit Schicksalsschlägen umgehen, wenn sie Mitleid von anderen Personen bekommen?

Danke schonmal für eure Hilfe und ich bin gespannt auf die Antworten! :)
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Bastet » 06.11.2015, 18:55

Guten Abend,

ich bin zwar kein Psychologie-Experte, aber trotzdem kann ich mich zu deinen Fragen äußern.

Wie kommt Mitleid überhaupt zustande?
Ich denke, das ist ein normales Gefühl, das Menschen mit einer gesunden Psyche empfinden können. Wenn wir etwas Trauriges erzählt bekommen oder gar sehen, fühlen wir mit dieser Person.

Was löst Mitleid bei den betroffenen Personen psychisch aus?
Ich bin mir nicht sicher, ob du nun die Person meinst, die leidet oder die, die das Traurige erzählt bekommt, darum gebe ich meine Meinung zu beiden Punkten zum Besten.
Die Person, die an der traurigen Begebenheit nicht beteiligt ist, wird vermutlich der klagenden Person helfen wollen.
Die leidende Person ist oft wütend bei Mitleid, weil sie nicht schwach wirken will, manchmal sind Leute, die Mitleid ernten, auch so frustriert, dass sie sich in ihrem Elend suhlen. Kommt wohl auf den jeweiligen Charakter an.

Ist es besser, kein Mitleid mit jemandem zu haben oder ist ein gewisser Grad an Mitleid "gesund"?
Ob es gesund oder ungesund ist, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber ich denke, wie bereits zu Frage 1 erwähnt, dass es ein normales Gefühl ist, dass Menschen empfinden sollten. Wenn jemand bei einer traurigen Sache keinen Funken Mitleid empfindet, halte ich denjenigen für ziemlich gefühlskalt oder ignorrant. Daher denke ich schon, dass es wichtig ist, Mitleid empfinden zu können.

Können Menschen besser mit Schicksalsschlägen umgehen, wenn sie Mitleid von anderen Personen bekommen?
Ob er nun den Verlust eines geliebten Menschen besser überwinden kann, wenn jemand ihm sein Beileid ausdrückt, wage ich zu bezweifeln, denn Verlust ist Verlust, egal, was man tut. Aber es tut ja auch gut, wenn man liebevoll umarmt wird, wenn es einem nicht gut geht, dann ist es ganz sicher auch eine kleine Aufmunterung, wenn jemand Interesse an seiner Not zeigt und Mitleid zeigt.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.

LG Bastet
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Velvet Huhn » 12.11.2015, 22:34

Ich bin jetzt auch keine Expertin für dieses Thema, aber die Fragen sind Interessant und ich habe genug Halbwissen mich dazu zu äußern.

1.) Wie kommt Mitleid überhaupt zustande?
Mitleid ist ein wichtiger Charakterzug Der Charakter eines Menschen wird geformt durch eine Mischung aus Erfahrungen (gelernter Anteil) und genetischer Veranlagung (Temprament bzw. vielleicht für Mitleid nicht unerheblich: Spiegelneuronen)

2.) Was löst Mitleid bei den betroffenen Person psychisch aus?
Die "betroffene" Person leidet im wahrsten Sinne des Wortes mit. Erzählt jemand etwas trauriges fängt ein Mitleidender Mensch auch an zu weinen. Wenn jetzt eine Person bestraft werden sollte und beispielsweise gefoltert wurde und ihr Peiniger Mitleid hat dann begnadigt er sie vielleicht weil er sich hineinfinden kann in die Situation und versteht dass foltern unzumutbar ist.

3.) Ist es besser, kein Mitleid mit jemandem zu haben oder ist ein gewisser Grad an Mitleid "gesund"?
siehe oben, mit Leuten die kein Mitleid haben können stimmt was nicht. Es gibt Syndrome die Mitleid unterbinden.

4.) Können Menschen besser mit Schicksalsschlägen umgehen, wenn sie Mitleid von anderen Personen bekommen?
Das ist eine schwierige Frage. Viele Leute können glaube ich am besten damit umgehen wenn sie sich mit Leuten austauschen die ähnliche Schicksalsschläge erlebt haben. Mitleid von anderen Personen hilft dennoch sekundär da der Eindruck geweckt wird nicht allein mit dem Schicksalsschlag zu stehen.

Hoffe das hilft noch!
LG
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon fantasywriter2102 » 15.11.2015, 01:24

Vielen Dank euch schonmal für diesee nützlichen Antworten! Sie haben mir bereits sehr in meinem Projekt weitergeholfen
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon KillerKirsche » 15.11.2015, 02:06

Hallo fantasywriter,

bei meinen Recherchen bezügl möglichen Gründen für Menschen zu Psychopathen/Soziopathen zu werden, bin ich auf die sogenannten "Spiegelneuronen" gestoßen, die im Gehirn für die Empfindung "Mitleid" zuständig sein sollen.

Bei Menschen, die kein Mitleid empfinden, sind diese Neuronen gestört, weswegen derjenige das Leid des anderen nicht in seinen eigenen Empfindungen wiederspiegelt.
Das Forschungsgebiet ist jedoch recht neu und noch ziemlich unklar und wage, finde den Gedanken aber sehr spannend und irgendwie unheimlich.

Keine Ahnung, ob das für deine Gesichte interessant sein kann, aber falls ja:

http://www.planet-wissen.de/natur/forsc ... en100.html

VG
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Desperado » 15.11.2015, 10:07

Kein Mitleid empfinden zu können ist schon ein krankhafter Zug und weist auf eine psychische Störung hin.
In vielen Filmen stellt man die Killer so dar.
Ihr Vorteil: Sie können agieren ohne Skrupel und Gewissensbisse.
Der Nachteil: solche Menschen sind eigentlich nicht gesellschaftsfähig

Spezielle Fragen von dir? Frag! :wink:
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Padrion » 15.11.2015, 13:13

Desperado hat geschrieben:Der Nachteil: solche Menschen sind eigentlich nicht gesellschaftsfähig

Da bin ich nicht so sicher. Psychopaten kommen meist sehr gut in der Gesellschaft zurecht, wenn sie einigermaßen Intelligent sind. Führungspositionen sind überdurchschnittlich oft mit Psychopaten besetzt. Mitleid zu zeigen bringt einem nur selten gesellschaftliche Anerkennung und wenn doch, kann man es heucheln. Normalerweise empfinden diese Menschen ihre fehlende Empathie auch nicht als Einschränkung.
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Desperado » 15.11.2015, 15:31

Padrion hat geschrieben: [Führungspositionen sind überdurchschnittlich oft mit Psychopaten besetzt.


Okay - hast gewonnen ;)
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Aradir » 15.11.2015, 15:48

Also erstmal sind das ja recht allgemeine Fragen, auf die dir niemand eine "konkrete" Antwort geben kann.
Das nur als Vorwarnung.
1.) Wie kommt Mitleid überhaupt zustande?
Die kurze Antwort: Das weiß man nicht.
Die lange: Es hat sicher was mit dem Aufbau des Gehirns zu tun, aber die genaue Funktionsweise des Hirns wird noch kaum verstanden.
Sehr wichtig und gut nachgewiesen ist, dass die Erfahrungen, die ein Mensch macht ihn stark beeinflußen. Kinder, die missbraucht oder traumatisiert sind, fehlt oft (teilweise) die Fähigkeit Empathie zum empfinden, sprich sich in einen Menschen hereinzuversetzen. Also auch das was man vereinfacht, als Mitleid beschreibt. Gleichzeitig kann durch diverse Faktoren, wie Entmenschlichung des Gegners, Gewöhnung, etc. das Empathieempfinden deutlich reduziert werden. Z.b. wird ein Soldat mit einem anonymen Feind, der auch auf ihn schießt wenig "Mitleid" empfinden, aber wenn sein Kind sich verletzt, dann tut ihm das höchstwahrscheinlich auch weh. Ähnliches gilt auch für aktiv am Holocaust Beteiligte: Viele von denen waren liebevolle Familienmenschen, sind dann zur Arbeit gegangen und haben KZ-Häftlinge zu Tode gequält. Es gab mal einen sehr interessanten Bericht ich glaube im Spiegel, wo Holocaustüberlebende erzählt haben, dass die neuen Wachen "eingearbeitet" wurden. Ihnen wurde befohlen einen Häftling zu treten. Beim ersten Mal haben die noch gezögert. Daraufhin wurden sie dann vom "Ausbilder" beschimpft und ihnen wurde befohlen "für den Führer" etc. richtig zu treten. Mit jedem Mal fiel dem Neuling das leichter, bis er den Häftling am Ende völlig enthemmt zusammengetreten hat.

2.) Was löst Mitleid bei den betroffenen Person psychisch aus?
Das ist eine Frage, die du dir selbst beantworten kannst. Was empfindest DU, wenn sich ein Freund/Verwandter/Bekannter/ eine völlig fremde Person verletzt?

3.) Ist es besser, kein Mitleid mit jemandem zu haben oder ist ein gewisser Grad an Mitleid "gesund"?
In unserer Gesellschaft wird ein gewissen Maß an Empathie gefordert. Es gilt als ausgesprochen verachtenswert z.B. ein kleines Kind zu schlagen.

4.) Können Menschen besser mit Schicksalsschlägen umgehen, wenn sie Mitleid von anderen Personen bekommen?
Na klar! Wenn dir jemand nach einem Schicksalsschlag sein Beileid ausdrückt, mag das erst mal nicht so bedeutungsvoll erscheinen.
Aber stell dir mal vor, niemand würde Notiz davon nehmen.
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon cass » 15.11.2015, 19:33

Kurzer Einwurf: nicht die Begriffe (und Störungsbilder) Psychopath und Soziopath verwechseln. Psychopathen können durchaus die Emotionen anderer verstehen, sie ignorieren sie aber bewusst. Häufiggeht das auch mit Narzissmus (Narzisten sind meines Wissens auch eher die, die vielfach in deutschen Führungetagen sitzen, nicht zwingend Psychopathen) und fehlendem Gewissen und ggf. auch mit Impulsivität einher. Die Impulsitivität und das fehlende Gewissen sind die Komponenten, die sie gefährlich machen können. Sie sind aber tatächlich sehr gut in der Lage, sich in die Gesellschaft zu integrieren, wie padrion schon sagte.

Soziopathen dagegen können die Emotionen anderer tatsächlich nicht verstehen und auch die eigenen oft schwerer kontrollieren, deswegen fallen sie in der Gesellschaft schneller durch gestörtes Verhalten gegenüber Mitmenschen auf.
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon Ankh » 15.11.2015, 21:53

Menschen, die kein Mitleid emfinden können, sind nicht automatisch unfähig, in der Gesellschaft zu funktionieren. Es gibt eine sogenannte "kognitive Empathie", das heißt, der Mensch hat verstanden, wann es angebracht ist, gewisse Verhaltensweisen zu zeigen; beispielsweise jemanden zu trösten, der traurig ist, auch wenn man selbst kein Mitleid empfindet. Menschen mit einer hohen kognitiven Empathie aber ohne die passenden Gefühle können in manchen Situationen sogar besonnener reagieren als andere, beispielsweise Ärzte, die ihre Arbeit machen können ohne von emotionalem Ballast überschwemmt zu werden. Ob man andere quält oder ihnen hilft ist immernoch eine bewusste Entscheidung.
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Re: Mitleid (Psychologie)

Beitragvon fantasywriter2102 » 18.11.2015, 14:52

Danke an euch alle, eure Antworten haben mir sehr weiter geholfen!

@Desperado

Wenn du so fragst, fallen mir natürlich noch spezielle Fragen ein :wink:

Erst einmal ist der Aspekt einer psychischen Störung sehr interessant, aber an dieser Stelle will ich noch einmal ein wenig nachhaken: Hast du ein Beispiel für eine psychische Störung, bei der solche Symptome (also keim Mitleid empfinden) der Fall sind? Welche Folgen hat diese psychische Störung noch, außer, dass man kein Mitleid hat? :mrgreen:
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