[Liebe]Mitternacht

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Mitternacht

Beitragvon Mondschwester » 11.09.2013, 09:10

Hallo Ihr Lieben,
nun bin ich mal mutig und stelle den Prolog meiner Geschichte Mitternacht ein. Ich habe sie noch nie jemanden gezeigt und würde mich riesig über Kommentare freuen. Habt ganz herzlichen Dank dafür!

Mitternacht

Prolog I

Das Meer summte leise seine Melodie, während es seine Geheimnisse an den Strand trug. Meines aber war tief bis auf den Grund meiner Seele versunken und würde niemals an die Oberfläche gespült werden. Alles schien so friedlich, so unwirklich zu sein. Die Narben an meinem Körper waren zwar nicht mehr zu sehen, aber ich wusste dass all das wirklich passiert war, denn in meinem Herzen spürte ich sie umso deutlicher. Mit der Zeit waren die Wunden, die die Vergangenheit hinterlassen hatte, einfach wieder zusammengewachsen. An manchen Stellen wulstig, an anderen nur hauchdünn, so dass sie immer wieder aufrissen. Um diese zu heilen, war ich hier hergekommen. In dieses kleine Hotel direkt am Strand, in dem sich mir damals die ganze Wahrheit offenbarte und mein Leben für immer veränderte. Nichts war einmal mehr wie es war. Jeden Abend, wenn der Tag sich verabschiedete und die Nacht hereinbrach, kam mit ihr die Sehnsucht, der Schmerz, die Hoffnung.
Ich ging auf den Balkon, der zum Meer hin gelegen war. Das Rauschen der Wellen trug mich in meinen Gedanken davon, war so beruhigend. Als wollten sie mich trösten: „Sei nicht traurig Claire, sei nicht traurig."
Besinnlich ließ ich meinen Blick über den weiten Horizont schweifen, der sich von einem dunklem blau, langsam in die schwärze der Nacht verwandelte. Sanft glitten schmale Wolkenstreifen am Himmel entlang, die sich nur durch den Schein des halbvollen Mondes zu erkennen gaben. Mir war, als würde ich in seine Augen schauen, als die aufgehenden Sterne zu strahlen begannen. Da war sie wieder, die quälende Sehnsucht nach ihm. Für einen kleinen Moment schloss ich meine Lider, in der Hoffnung, wenn ich sie wieder öffnete, das er dann bei mir war - vergebens, noch immer stand ich allein auf dem Balkon und schaute auf den einsamen Strand.
„Wo bist du?“, flüsterte ich leise in die aufkommende Dunkelheit hinein. „Komm zurück.“ Doch meine Frage und Bitte blieb wie immer ungehört. Nur der Wind und das Meer antworteten mir auf ihre Weise. So würde es für immer sein. Es war an der Zeit dies endlich zu akzeptieren. Schwerfällig drehte ich mich um. Der Weg zurück in mein Hotelzimmer, war für mich gleichbedeutend mit dem letzten, begleitenden Gang auf einer Beerdigung, denn nichts anderes würde ich nun tun. All die Erinnerungen an ihn, an unsere gemeinsame Zeit, zu Grabe tragen. Diesen Moment fürchtete ich so sehr, das ich ihn schon lange Zeit vor mir her geschoben hatte. Wenn ich mein Leben wieder leben wollte, musste ich jetzt Abschied von der Vergangenheit nehmen. Von ihm.
Die Balkontür ließ ich angelehnt, damit die Wärme des Tages mit der kühlen Luft der Nacht tauschen konnte. Der salzige Duft des Meeres, das schönste Parfum für die Luft, wehte seicht getragen vom Abendwind in mein Zimmer. Auf dem Beistelltisch stand eine kleine Lampe, die ihren zarten Schein auf den Karton warf, der auf dem Sofatisch stand. Es war nicht einfach ein braunes, zusammengeklebtes Stück Pappe, sondern der wertvollste Schatz meines persönlichen Lebens, gefüllt mit Gegenständen die so wichtig für mich waren, wie der Schlag meines Herzens. Der Inhalt war Teil meines Wesens und Daseins. Zögernd nahm ich den Karton vom Tisch und setzte mich auf den Boden. Etwas in mir begehrte auf, versuchte mich davon abzuhalten die Schachtel zu öffnen.
„Gib nicht auf, such weiter nach ihm“, es war mein Herz was da sprach, aber mein Verstand rückte die Tatsachen wieder zurecht. Er hatte mich verlassen, gleichgültig was ich dabei empfand. Hatte mich bewusst dem Schmerz und der Verzweiflung ausgesetzt. Normalerweise sollte ich einen solchen Menschen nicht einer Träne nach weinen, doch der Liebe war es egal. Einen Ozean hatte ich bereits vergossen. In mir stieg kribbelnd die machtvolle Energie der Wut auf, die mir neue Kraft gab. Für diesen heutigen Abend, würde ich ihn noch einmal lebendig werden lassen. Mein Herz und meine Seele zum letzten Mal die Möglichkeit geben um ihn zu trauern.
Mit einem tiefen Atemzug hob ich den Deckel von dem Karton. Ganz oben auf lag mein Tagebuch. Sanft strich ich mit meinen Fingern über den Ledereinband. Wie oft hatte es mich vom Schmerz befreit, mit mir meine glücklichsten Momente geteilt. Als sei es erst gestern gewesen, sah ich mich mitten in der Nacht am Küchentisch sitzen und all meine damaligen Verzweiflungen niederschreiben. Damals legte ich den Zeitungsausschnitt zwischen die Seiten und dort war er noch bis heute. Vorsichtig faltete ich ihn auseinander. Das Foto der zerrütteten Villa, die darauf abgebildet war, versetzte mir einen ersten Stich. So hatte damals alles seinen Anfang genommen. Ich begann den Bericht unter dem Bild zu lesen:

Alte Herrenhausvilla samt Land verkauft
„Jetzt ist es amtlich, die Verträge sind unterschrieben“, verkündete gestern Bürgermeister Reihmann freudestrahlend der Presse und seinem Ratsmitgliedern. „Die alte Villa ist mit ihrem gesamten Grundbesitz verkauft worden. Es ist ein Freudentag für unsere Stadt“, jubilierte Reihmann.
Schon seit vielen Jahren steht die Villa, die außerhalb der Stadt liegt leer. Lange wurde angestrebt das Objekt samt Land zu verkaufen, doch bisher hatte sich leider kein Käufer für das Haus mit dem riesigen Grundbesitz finden lassen. Die letzten Renovierungsarbeiten liegen Jahre zurück. Demnach befindet sich die Villa, die Anfang des 18 Jahrhundert gebaut wurde, in keinem guten Zustand. Aber wie der Bürgermeister heute mitteilte, werde der neue Besitzer die Villa komplett restaurieren und renovieren lassen. Reihmann sagte weiter: „ Das wir den kompletten Grundbesitz doch noch verkaufen würden, daran hätte wohl keiner mehr geglaubt. Vielleicht zieht es so noch mehr wohlhabende Leute in unsere bescheidene Gegend”, scherzt der Bürgermeister.Was mit dem Verkaufserlös genau passieren wird, darüber konnte Bürgermeister Reihmann leider noch keine Auskunft geben. Im Gespräch sei aber eventuell einen Teil für die Außenanlage des Freibades anzulegen, umso das Schwimmbad zur Sommerzeit noch attraktiver zu machen. Über den Beschluss des Rates werden die Bürger zu gegebener Zeit selbstverständlich informiert werden.

Damit hatte meine Reise in die Vergangenheit begonnen...

Danke fürs lesen.

LG Mondschwester
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Re: Mitternacht

Beitragvon YuliaFederkiel » 15.09.2013, 21:44

Hallo Mondschwester,

erst einmal ein Lob für deinen Prolog - und für deinen Mut, ihn online zu stellen. Ich habe mich bisher noch nicht getraut, also bist du mir da definitiv voraus :wink: . Aber zum Thema...

Die Melancholie und die innere Zerrissenheit deines Charakters Claire konnte ich sehr gut spüren und die ganze Szenerie hat sich in meinem Kopf zu einem Bild zusammengesetzt, in das ich eintauchen konnte. Der erste Eindruck ist also wirklich positiv.

Nun zu den Details.
Dein Charakter Claire ist bereits zu Beginn in einer Konfliktsituation gefangen: Ihr Verstand treibt sie dazu, in das Hotel am Meer zurückzukehren und endlich mit der Vergangenheit abzuschließen, ihr Herz allerdings scheint dazu noch nicht wirklich bereit zu sein.
Das macht mich natürlich neugierig.
Wie wird sie sich entscheiden? Wer ist überhaupt ihre ehemalige große Liebe und wieso hat es damals nicht funktioniert? Und wird es ein Happy End geben?
Mich hast du damit als Leser schon quasi „im Sack“, ich möchte gerne mehr erfahren und weiterlesen.

So, als nächstes ein paar Worte zu deinem Stil.
Du schreibst flüssig und hast eine Wortwahl, über die man beim Lesen nicht „stolpert“, sodass man den Prolog ohne Unterbrechungen lesen kann. Mir gefallen auch deine Beschreibungen, wie du das Meer und die Nacht einfließen lässt und mit der Gefühlslage deiner Protagonistin verwebst.
Allerdings kommt es mir hier manchmal so vor, als wäre es zu viel des Guten. Du brauchst zum Beispiel gleich im ersten Absatz neun Sätze, um zu erzählen, dass Claire aufgrund eines gebrochenen Herzens in dieses Hotel zurückkommt. Klar möchtest du dem Leser Claires Gefühlswelt nahebringen, aber es ist immer ein schmaler Grat zwischen diesem „Zauber“ und Langatmigkeit.
Das liegt, wie ich glaube, auch teilweise an deiner häufigen Benutzung von Adjektiven und Adverbien.
Beispiel:
Besinnlich ließ ich meinen Blick über den weiten Horizont schweifen, der sich von einem dunklem blau, langsam in die schwärze der Nacht verwandelte. Sanft glitten schmale Wolkenstreifen am Himmel entlang, die sich nur durch den Schein des halbvollen Mondes zu erkennen gaben.

All die fett gedruckten Wörter blähen diesen Satz auf. Der Horizont z.B. ist immer weit, und dass „gleiten“ nicht ruckartig und im Highspeedtempo verläuft, kann man sich auch vorstellen. Also wieso nicht einmal ohne versuchen?

Ich ließ meinen Blick über den Horizont schweifen, der sich von einem dunklen Blau in die Schwärze der Nacht verwandelte. Schmale Wolkenstreifen glitten am Himmel entlang, die sich nur durch den Schein des Mondes zu erkennen gaben.

So viel schlechter?
Auch zum Beispiel den Teil mit der Schwärze der Nacht klingt für mich ein wenig blumig.

Nächstes Beispiel:
Auf dem Beistelltisch stand eine kleine Lampe, die ihren zarten Schein auf den Karton warf, der auf dem Sofatisch stand. Es war nicht einfach ein braunes, zusammengeklebtes Stück Pappe, sondern der wertvollste Schatz meines persönlichen Lebens, gefüllt mit Gegenständen die so wichtig für mich waren, wie der Schlag meines Herzens.

Die Größenbeschreibung für die Lampe dürfte ich eigentlich gar nicht kritisieren, baue ich solche Worte doch selbst viel zu gerne ein und muss mich immer daran erinnern, sie zu streichen. :D
Auch der „zarte Schein“ ist aufgebläht. Eine Glühbirne hat nicht viel mehr drauf, als zu leuchten – mit viel Glück das noch in verschiedenen Dimmungen. Aber zart ist sie nicht, auch wenn das Wort zur Stimmung deiner Protagonistin passt.
Als nächstes, ihr „persönliches“ Leben. Da habe ich spontan überlegt, was du dir unter ihrem „unpersönlichen“ Leben vorstellst.

Okay, ich denke, den Standpunkt habe ich deutlich gemacht, also zum nächsten Teil. Und da bin ich mir gerade selbst unsicher, ob die Kritik überhaupt gerechtfertigt ist.
Es geht um den Zeitungsartikel.
Gut, das Thema ist deutlich, der Inhalt klar strukturiert, wie man es bei einem Zeitungsartikel eben erwarten würde. Auch das „Gefühlvolle“ aus den vorherigen Absätzen hast du aus diesen Zeilen verbannt.
Nur, mir kommt das immer noch nicht wie ein richtiger Zeitungsartikel vor. Und ich kann dir nicht einmal genau sagen, weshalb.
Vielleicht sind es die wertenden Formulierungen des Reporters, Sätze wie
(…) doch bisher hatte sich leider kein Käufer für das Haus mit dem riesigen Grundbesitz finden lassen.

Das Bedauern passt hier nicht so ganz, weil es ja vielleicht Leser gibt, die gegen den Verkauf waren. Und „riesig“ ist nicht nur eher Umgangssprache, sondern für jeden Menschen mit einer anderen Größenvorstellung versehen. Ein Bettler findet bereits eine Zweizimmerwohnung „riesig“, ein milliardenschwerer Ölmagnat hätte da wohl schon ganz andere Vorstellungen.

Auch ist ein Zeitungsartikel für gewöhnlich gut und exakt recherchiert, z.B. wieder der „riesige Grundbesitz“: vielleicht wäre hier eine (gerundete) Angabe in Hektar oder Quadratmeter passender? Oder aber die Passage über den Verkaufserlös… das „eventuell“ zeigt ja schon, dass hier spekuliert wird – ob der Bürgermeister oder der Journalist das macht, sei dahingestellt – aber eine Formulierung wie

In der engeren Auswahl für die Investitionen steht auch die Außenanlage des Freibads, um dieses in der Sommerzeit noch attraktiver zu machen.

klänge auf jeden Fall sachlicher.


Das war’s dann aber auch schon an Kritik von meiner Seite. Positiv möchte ich noch erwähnen, dass du mit der Einbindung des Zeitungsartikels noch einmal neugierig gemacht hast. Was hat die Villa mit Claires Geschichte zu tun?
Genau das würde mich antreiben (bzw. treibt mich an, falls du mehr hier online stellst), weiterzulesen.

In Sachen Rechtschreibung habe ich spontan ein bisschen was gesehen, allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich gerade zu müde bin, um Fehlerfee zu spielen. Es wird sich sicherlich noch jemand erbarmen und dir da auf den Zahn fühlen.

Liebe Grüße
Yulia
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Re: Mitternacht

Beitragvon Mondschwester » 16.09.2013, 13:49

Liebe Yulia,

hab vielen, vielen Dank für Deine Antwort. Ich freue mich wirklich riesig darüber :mrgreen: und bin für jede Kritik und Anregung dankbar. Als ich eben gesehen habe, das ich ein Kommentar zu meinem Text bekommen habe, war ich ganz schön aufgeregt - und dann so ein positives :hooray:

Immer wenn ich den Prolog gelesen habe (und das war so oft, das er mich schon in meinen Träumen heimsuchte :groggy:) war da etwas, was noch nicht so ganz passte... Vielleicht hast Du Recht und es ist etwas zu langatmig, bzw. zu viele von den bösen Adjektiven und Adverbien :twisted: . Danke für den Hinweis.

Den Zeitungsartikel zu schreiben ist mir ehrlich gesagt ziemlich schwergefallen. Deine Hinweise sind auch hier sehr hilfreich.
Falls sich jemand damit auskennt und mir hier noch ein paar Tips geben könnte... :love:

Wenn Du möchtest, kann ich gerne etwas von Deinem Text Probe lesen.

Also nochmal vielen Dank für Deine Antwort.

Ganz liebe Grüße

Mondschwester
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Re: Mitternacht

Beitragvon leseli » 17.09.2013, 18:26

Hallo Mondschwester, dann möchte ich dir in Sachen Zeitungsartikel auf die Sprünge helfen. Dem Rest der (positiven) Kritik von Yulia kann ich mich uneingeschränkt anschließen.

Die Idee des Zeitungsartikels ist toll. Nur sollte hier noch ein mehr journalistischer Stil ´rein, und dabei will ich dir helfen. Eine Meldung wie diese beginnt normalerweise mit den dürren Fakten. Meiner Meinung nach sollte danach erst die Äußerung des Bürgermeisters kommen. Was mir auch auffällt: Es gibt keinen Namen für diese Villa.Wenn sie aber eine Erwähnung in der Zeitung wert ist, dann müsste sie den Lesern schon irgendwie bekannt sein oder aber bekannt gemacht werden, zum Beispiel, indem man ihr einen Namen gibt und/oder den Grund erwähnt, warum sie so bedeutsam ist.

Beispiele für die Schlagzeile:

Herrenhaus der von Arnstedts endlich verkauft
Denkmalgeschützte Villa von Investor gerettet
Stadt verkauft Baudenkmal aus 18. Jahrhundert

HIer liegt auch noch ein kleiner Fehler:

Reihmann sagte weiter: „ Das wir den kompletten Grundbesitz doch noch verkaufen würden, daran hätte wohl keiner mehr geglaubt. Vielleicht zieht es so noch mehr wohlhabende Leute in unsere bescheidene Gegend”, scherzt der Bürgermeister.


Wenn "Reihmann weiter sagt", ist es nicht nötig, noch ein "scherzt der Bürgermeister" hinter die direkte Rede zu setzen. Auch ist "Scherzen" genau so wie "Jubilieren" für eine Zeitungsmeldung kein geeignetes Verb, da es zu viel Wertung mit einbringt. Zeitungsstil ist stattdessen eher so:

Reihmann weiter: "Dass wir bla bla ..." Also ohne jedes Verb.

Ansonsten bin ich sehr gespannt auf die Geschichte. Es ist dir gelungen, Neugier und Spannung zu erzeugen.
Ich freue mich auf eine Fortsetzung ...

LG Leseli
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Re: Mitternacht

Beitragvon babs » 03.02.2014, 01:44

Hallo

Dann will ich mich auch an einem Kommentar für deinen Prolog versuchen.

Neugierig auf deine Geschichte hat mich der Titel gemacht, und mich hoffen lassen, es möge bitte, bitte keine Vapirstory sein (ich hege ein epersönliche Abneigung gegen dieses spezielle Genre 8) ).

Prinzipiell gefällt mir dein Text, und hat mich neugierig genug gemacht, um weiterlesen zu wollen.
Dabei bewegen mich jede Menge Fragen:
- Warum ist Claire so schwermütig?
- Hat sie wirklich einen so traumatischern Verlust erlitten, wie sie da tut, oder neigt sie nur zur Übertreibung?
- Warum hat ihre Freund sie verlassen?
- Was hat das mit dem Hotel am Meer zu tun
- Was ist sonst noch in dem Karton?

Das gefällt mir ganz gut. Ich mag es wenn es zu anfang einer Geschichte jede Menge Fragen gibt, und ich versuchen kann mir meine Antworten zusammenzureimen.

Anders als meine beiden "Vorschreiber" muss ich gestehen, dass ich deinen Prolog allerdings doch als etwas langatmig empfunden habe.
Ich habe zwar nichts gegen Beschreibungen und neige selber zur großzügigeren Verwendung von Adjektiven, aber das ganze war mir dann doch etwas zu blumig, fast schon pathetisch.

Ich nehme mal an, dass das, zumindet zu einem Teil, Absicht war, weil Claire eben eine etwas theatralisch veranlagte Person zu sein scheint.
So etwas muss man mögen oder eben nicht.
Daher ist hier meine Kritik auch sehr subjektiv.

Wenn ich Recht habe, und Claire ist tatsächlich eine Person die, die Dinge mit sehr viel Emotion und einem gewissen Hang zumr Theatralik betrachtet, dann hast du das sehr gut herausgearbeitet.
Trotzdem würde ich hier versuchen etwas sparsamer damit umzugehen.

Sehr gut gefällt mir die Idee mit dem Zeitungsartikel, und auch, dass er bedeutend sachlicher formuliert ist.
Allerdings stimme ich leseli zu, so ganz hundertprozentig ist es noch kein Zeitungsartikel.
Wobei es hier widerum darauf ankommt ob es sich um eine größere Zeitung handelt oder ein kleines "Provinzblatt".
Eventuell kannst du darauf ja im Text einen Hinweis geben. Wenn das Blatt sich "Kleinödendorfer Gazette" oder ähnlich nennt, kann man sich schon vorstellen, dass da keine Spitzenreporter am Werk sind :wink:

Jetzt mal zu den Stellen, die mir besonders aufgefallen sind.
Alles schien so friedlich, so unwirklich zu sein.
Mir würde "Alles schien mir so friedlich, so unwirklich zu sein." besser gefallen, das ist aber wohl Ansichtssache.
Allerdings frage ich mich hier, warum scheint alles unwirklich zu sein?

Ich bessere jetzt mal direkt im Text aus, was ich ändern würde: rot ist was ich dazufügen würde, was ich weglassen würde nehme ich einfach raus (finde die Formatierung für Durchstreichen leider nicht.)
Die Narben an meinem Körper waren nicht mehr zu sehen, aber ich wusste dass all das wirklich passiert war, denn in meinem Herzen spürte ich sie umso deutlicher. Mit der Zeit waren die Wunden, die die Vergangenheit hinterlassen hatte, wieder zusammengewachsen. An manchen Stellen wulstig, an anderen hauchdünn, sodass sie dort immer wieder aufrissen. Um diese zu heilen, war ich hier hergekommen.

Hat sie tatsächlich Narben an ihrem Körper? Denn im weiteren Text kommt es mir so vor als ginge es eher um ihre seelischen Narben.
Außerdem frage ich mich, wenn ihre Narben nicht mehr zu sehen sind, wie können sie dann wulstig sein bzw. wieder aufreißen?
Außerdem kling das
Um diese zu heilen
so, als würde es sich auf die Narben beziehen, und Narben kann man ja nicht heilen ;-)

Nichts war einmal mehr wie es war.
Entweder: "Nichts war auf einmal mehr, wie es war." oder "Nichts war mehr wie es einmal war."

Besinnlich ließ ich meinen Blick über den weiten Horizont schweifen, der sich von einem dunklem blau, langsam in die schwärze der Nacht verwandelte. Sanft glitten schmale Wolkenstreifen am Himmel entlang, die sich nur durch den Schein des halbvollen Mondes zu erkennen gaben.

Das war eine Stelle die mir "zu viel" war.
Kann man besinnnlich seinen Blick schweifen lassen? Für mich ist Weihnachten besinnlich ;-)
Außerdem ist der Horizont genaugenommen nur eine Linie. Daher gefällt mir da die Beschreibung mit dem Farbwechsel nicht so.
Ich würde das ändern:
Ich ließ meinen Blick über den Horizont schweifen. Das dunkle Blau des Himmels verwandelte sich langsam in die Schwärze der Nacht. Langsam glitten schmale Wolkenstreifen vorüber, (die sich nur durch den Schein des Mondes zu erkennen gaben.)
Auch hier bin ich pingelig, wenn der Himmel erst langsam schwarz wird, wieso sehe ich die Wolken nur wegen dem Schein des Mondes?
Außerdem ist mir ganz egal ob der Mond halb oder voll ist (außer demnächst kommt ein Werwolf um die Ecke :wink: )

Mir war, als würde ich in seine Augen schauen, als die aufgehenden Sterne zu leuchten begannen. (gefällt mir hier besser als strahlen, das ist mir in diesem Zusammenhang zu fröhlich behaftet) Da war sie wieder, die quälende Sehnsucht nach ihm. Für einen kleinen Moment schloss ich meine Augen, in der Hoffnung, wenn ich sie wieder öffnete, wäre er bei mir - vergebens, noch immer war ich allein und schaute auf den einsamen Strand.

„Wo bist du?“, flüsterte ich leise in die aufkommende Dunkelheit hinein.
Auch hier wieder meine Pingeligkeit :oops:
Wenn schon die Sterne leuchten ist es eigentlich schon dunkel. Nur die Venus (genaugenommen kein Stern) ist manchmal schon vorher gut zu erkennen.

Doch meine Frage und Bitte blieben wie immer ungehört.



Nur Wind und Meer antworteten mir. So würde es für immer sein.
Gefällt mir so besser.


Wenn ich mein Leben wieder leben wollte, musste ich jetzt Abschied von der Vergangenheit nehmen, und von ihm.
Klingt runder, finde ich


Die Balkontür ließ ich angelehnt, damit die Wärme des Tages mit der Kühle der Nacht tauschen konnte.



Der salzige Duft des Meeres, das schönste Parfum für die Luft, wehte seicht getragen vom Abendwind in mein Zimmer. Auf dem Beistelltisch stand eine kleine Lampe, die ihren zarten Schein auf den Karton warf, der auf dem Sofatisch stand. Es war nicht einfach ein braunes, zusammengeklebtes Stück Pappe, sondern der wertvollste Schatz meines persönlichen Lebens, gefüllt mit Gegenständen die so wichtig für mich waren, wie der Schlag meines Herzens. Der Inhalt war Teil meines Wesens und Daseins.
Ich muß gestehen gerade das war eine der Stellen, an denen ich geneigt war die Augen zu verdrehen, weil es mir wirklich zu viel der Theatralik wurde. :oops:

Ich versuche jetzt mal es nach meinen Vorstellungen umzuformulieren:
Der salzige Duft des Meeres, wehte, seicht getragen vom Abendwind, in mein Zimmer. Die Nachttischlampe warf ihren zarten Schein auf den Karton am Sofatisch. (Nicht perfekt, da Wortwiederholung "Tisch") Für mich war es nicht einfach ein braunes, zusammengeklebtes, Stück Pappe, sondern der wertvollste Schatz meines Lebens, gefüllt mit Gegenständen die so wichtig für mich waren, wie der Schlag meines Herzens. Der Inhalt war Teil meines Wesens und Daseins.


Normalerweise sollte ich einem solchen Menschen nicht eine (nicht einer) Träne nachweinen, doch der Liebe war es egal.
Besser würde mir gefallen:
Einem solchen Menschen sollte ich keine Träne nachweinen, das wusste ich, aber der Liebe war das egal!


Auch der Satz hier ist für mich zu viel des Guten:
In mir stieg kribbelnd die machtvolle Energie der Wut auf, die mir neue Kraft gab.
Versuch es mal mit
"Wut stieg in mir auf, und gab mir neue Energie."

Für diesen heutigen Abend, würde ich ihn noch einmal lebendig werden lassen. Mein Herz und meine Seele zum letzten Mal die Möglichkeit geben um ihn zu trauern.[/quote] Hier habe ich ein Problem mit der Logik.
Sie wird wütend. Ist ok, gut für sie :-)
Aber wenn sie wütend ist, dann würde sie doch wohl eher den ganzen Lram verbrennen wollen, o.ä., und nicht extra nochmal um ihn trauern?

Ganz oben auf lag mein Tagebuch.
Entweder ganz oben, oder oben auf, das reicht dann schon :wink:

Sanft strichen meine Finger über den Ledereinband.
Kürzer, elenganter, und sagt das Gleiche aus :wink:

Wie oft hatte es mich vom Schmerz befreit, wie oft meine glücklichsten Momente mit mir geteilt.
hier würde ich ein weiteres "wie oft" einbauen, um den Schwez vom Glück besser zu trennen, und dann das "mit mir" hinten anstellen.


Hier hattest du ein Zeiten-Problem, das ich so versucht habe zu umgehen:
Als sei es gestern gewesen, sah ich mich mitten in der Nacht am Küchentisch sitzen und all meine Verzweiflung niederschreiben und den Zeitungsausschnitt zwischen die Seiten legen, wo bis heute war.
(Sonst hätte es nämlich heißen müssen: damals hatte ich den Zeitungsausschnitt zwischen die Seiten gelegt...)

Zerrüttet Villa gefällt mir nicht. Ehen sind zerüttet, aber Bauwerke?
Vielleicht besser baufällig.

Außerdem würde ich eher schreiben "Da Foto der baufälligen Villa, versetze mir einen Stich." als "Das Foto der zerrütteten Villa, die darauf abgebildet war, versetzte..."
Du verwendest generell gerne zu umstänliche oder passive Formulierungen, kommt es mir vor. Sie hat ja den Zeitungsartikel schon in der Hand, und dass darauf auch schon mal Fotos abgebildet sind, ist klar.
Ich begann den Bericht zu lesen:
unter dem Bild kannst du getrost weglassen.

Zum Zeitungsartikel wurde ja schon einiges gesagt. Daher nur kurz wie ich es in etwa machen würde:
(Jetzt mal ausgegangen von einem Provinzblättchen):
Villa der van Houtens am Stadtrand endlich verkauft
Wie Bürgermeister Reihmann gestern verkündete, wurde bereits letze Woche der Kaufvertrag unterzeichnet.
Die mittlerweile baufällige Villa der van Houtens stand bereits über zwanzig Jahren leer, und schon lange war die Stadt bestrebt, das 10 Hektar große Anwesen zu verkaufen.
Der neue Besitzer habe vor, das Anfang des 18, Jahundert gebaute Gebäude komplett renoviern zu lassen, so der Bürgermeister.
Er habe nicht mehr daran geglaubt, noch einen Kaüfer für die Liegenschaft zu finden, gab Bürgermeister Reihmann zu.
Über die Verwedung des Verkauserlöses wollte Reihmann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genaue Auskunft geben. Unter Umstände werde eine Investition in die Außenalnage des örtlichen Schimbades, in Betracht gezogen, so der Bürgermeistern, um es auch für die Somemrzeit attraktiv zu machen.

Als letze Anmerkung noch, versuche noch, deinen Text in ein paar Absätze zu gliedern. Das mach ihn um ein Vielfaches angenehmer zu lesen.

Ich hoffen ich habe nicht zu viel " gemeckert".

LG babs
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Re: Mitternacht

Beitragvon Mondschwester » 23.03.2014, 14:15

Hallo Babs,

erst mal vielen Dank für Deine Antwort. Meine erfolgt leider etwas spät, da ich vergessen habe, hier die E-Mail Benachrichtigungen anzuschalten.

Dieses Buch begleitet mich jetzt schon einige Jahre ... Und ich weiß nicht wie oft ich diesen Prolog schon gelesen habe. Wahrscheinlich zu oft, zigmal überarbeitet, aber trotzdem nie wirklich den Mut gefunden zu streichen. Ist mir irgendwie ans Herz gewachsen und hat meinen Blick verschleiert. Aber dank Euch, hat er sich wieder geöffnet :dasheye:
Nach der letzten Überarbeitung habe ich den Prolog umgeschrieben und den Adjektiven (böse Zungen würden sagen, den Schmalz) den Garaus gemacht. :darthvader:

Jetzt ist das Buch endlich fertig und ich warte gespannt auf den Probedruck. Gott, bin ich aufgeregt ...

Die Sache mit dem Titel finde ich wirklich spannend. Leider kann ich es nicht nur Mitternacht nennen, da es den Titel schon gibt. Darum wird es nun "Blut um Mitternacht" heißen und Dein Gefühl hatte recht. Es handelt sich um einen Vampirroman (aber jetzt bitte nicht umbringen). Er ist sehr dicht an der Realität und für Erwachsene geschrieben. Durch die ernsten Hintergrundthemen - Alkoholismus in der Familie, Gewalt, Selbstaufgabe - grenzt er sich schon sehr zu Jugendbüchern ab. Aber gut, jeder hat seine Vorlieben und Abneigungen. Sonst wäre das Leben ja auch langweilig.

Also, nochmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

LG Mondschwester
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