Mordgedanken

Mordgedanken

 
Geschichte wurde fortgesetzt.

Kalte Wut kocht in mir. Diesen Mistkerl müsste man einfach den Garaus machen. Hat er sich einmal Gedanken gemacht, welche Auswirkungen sein Handeln auf seine Mitmenschen, besonders auf seine Kinder, hat? Ich glaube nicht. Er ist einfach nicht fähig dazu. Hat es nie gelernt, musste es nie. Oder wollte es nie? Dachte immer nur an sich, wie er mit dem Arsch an die Wand kommt. Solche Leute fallen immer wieder auf die Füße.

Da tröstet es nicht, wenn man mir sagt: Auch er bekommt seine Strafe. Wann, frag ich dich, wann? Am Tag des jüngsten Gerichts? Wieviel Leid fügt er in Zukunft noch zu? Wieso kommt er immer damit durch? Wo ist die Gerechtigkeit - gibt es sie überhaupt? Fragen über Fragen, die ich mir täglich stelle.

Ich denke immer wieder, der Kerl ist weit weg, er kann dir gar nichts, aber doch holt es mich immer wieder ein. Denke mir ein Szenario nach dem anderen, wie ich ihn am besten ausschalten kann, aber ich schaff es nicht allein, brauche Hilfe. Wen soll ich fragen? Soll ich mir überhaupt die Finger an ihm schmutzig machen?

Bin ratlos und wütend wie am Anfang.

Anklage


Kann wiedermal nicht schlafen. Raubst mir immer noch die wohlverdiente Ruhe. Dachte eigentlich, ich hätte schon längst mit dir abgeschlossen, aber nein! Sogar jetzt noch verschwende ich Gedanken an dich, die du gar nicht verdient hast. Wer bist du eigentlich, daß ich das zulasse? Mischst dich immer noch in mein neues Leben ein, was soll das? Dir geht es doch gut, also lass mich in Ruhe!

Hast doch genug Geld gescheffelt, wo immer du konntest; alles nur für dich - die anderen waren dir doch egal, dafür hattest du nichts übrig. Nur, so lange sie dir von Nutzen waren, hast du den Freund gemimt - hättest Schauspieler werden sollen mit dem Talent! Bis sie merkten, wer du in Wirklichkeit warst. Dauerte ja nicht sehr lange...

Konnte dir keiner mehr nutzen, ließt du ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Bei Geld hörte sogar die Familie auf zu existieren. Traurig eigentlich! Jetzt sitzt du auf deiner Kohle, lässt dir die Sonne auf deinen Bierbauch scheinen und bist glücklich? Ich glaub nicht, eigentlich bist du ein armes Schwein, seelisch verkrüppelt, ohne Freunde und Familie. Wenn du mal zurückdenkst, was hast du vorzuweisen? Ich sags dir: nichts, rein gar nichts! Darum könntest du mir fast schon leid tun, aber eben nur fast, denn meinen Plan hab ich noch lange nicht aufgegeben. Wenn schon niemand anderes für Gerechtigkeit sorgt, muss ich es wohl doch selbst in die Hand nehmen.


Fortsetzung folgt (irgendwann mal).

von Landunter

 
Hi Landunter.

Zu Beginn ein kleiner Fehler, der mir aufgefallen ist:

"Diesen Mistkerl müsste man einfach den Garaus machen."

Müsste "diesem" heißen. Ansonsten sind mir keine Fehler aufgefallen.

Nun zu deinem Text: nach dem - ja doch recht martialischen - Titel hatte ich einiges erwartet; von den düstersten, akribisch vorbereiteten Fantasien in "Saw" Manier bis hin zu der Beschreibung einer sehr intensiven und sensiblen Gefühlslage. Dann las ich deinen Text und war - sorry, wenn das hart klingt - einigermaßen enttäuscht. Das liegt zunächst daran, dass du zwar andeutest, was die Person, die dein erzählendes Ich zu ermorden gedenkt, getan hat, doch deswegen wird nicht gleichbedeutend Spannung erzeugt. Ich würde mir wünschen, dass da noch etwas mehr Details zum Vorschein kommen, auch, um dem Titel gerecht zu werden. Denn so lässt sich einfach zu viel interpretieren; es könnte eine frustrierte Ehefrau sein, die rausgefunden hat, dass ihr Mann sie betrügt, es könnte ein Mann sein, der mitbekommt, dass sein Nachbar Dreck am stecken hat, usw. Das sollte deutlicher werden.
Dann finde ich es zu Beginn des zweiten Abschnittes etwas verwirrend, dass du schreibst: "Wann, frag ich dich, wann?"
Wird hier plötzlich der Leser angesprochen? Schreibt da jermand gerade einen Brief? Oder führt er/sie Selbstgespräche (wenn ja wäre das "frag ich dich" eher unangebracht).

"Ich denke immer wieder, der Kerl ist weit weg, er kann dir gar nichts, aber doch holt es mich immer wieder ein. Denke mir ein Szenario nach dem anderen, wie ich ihn am besten ausschalten kann, aber ich schaff es nicht allein, brauche Hilfe. Wen soll ich fragen? Soll ich mir überhaupt die Finger an ihm schmutzig machen?"

Dieser Abschnitt wirkt auf mich nicht "dramatisch" genug - immerhin handelt es sich hier um "Mordgedanken." "Ausschalten" z.B. klingt nicht nach der persönlichen Betroffenheit deines Protas (die überdies auch noch wesentlich mehr hervorgehoben werden müsste), sondern eher wie die Gedanken eines Attentäters.

Insgesamt ist die Thematik ja sehr interessant, aber mich wirklich in den Kopf deines potentiellen Mörders hineinzuversetzen - obwohl er ja anscheinend einen triftigen Grund für seine angehende Tat hat - will mir irgendwie nicht gelingen.

Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu harsch, denn das war nicht meine Absicht. Dein Schreibstil an sich ist recht flüssig und lässt sich gut lesen, aber dem Text fehlt einfach der persönliche Bezug.

Beste Grüße

Benni

von Benni

Re: Mordgedanken

 
Landunter hat geschrieben:Diesen Mistkerl müsste man einfach den Garaus machen.

"Diesem Mistkerl..." müsste es heißen. Sonst ist mir in Sachen Grammatik nichts weiter aufgefallen (keine groben Fehler o.ä.) und dein Text lässt sich wirklich gut und flüssig lesen.

Allerdings lese ich da keine richtige Kurzgeschichte, finde ich, sondern vielleicht mehr einen Ausschnitt daraus. Auf mich wirkt das ganze, ehrlich gesagt, fast wie ein Tagebucheintrag.
Mir fehlt ein konkreter Hintergrund - bis jetzt sind es "nur" Gedanken. Was hat ihr der Mann angetan, dass sie so wütend ist? Wo sind die "Mordgedanken" was hat sie in der Richtung ganz konkret für Gedanken? Wie handelt sie letzlich, hat sie einen richtigen Plan der ist sie nur sauer? usw.

von Nelinett

Re: Mordgedanken

 
Hallo Nelinett und Benni,

danke, daß Ihr Euch die Zeit genommen und meinen Schreibversuch gelesen und kommentiert habt. Ich muss zugeben, daß das n ein Tippfehler war bei diesem(n) Mitskerl, das hab ich nicht mitbekommen, sorry. Grammatisch bin ich eigentlich ganz gut bewandert.

Ihr habt schon recht mit Eurer Kritik und ich seh das auch keinesfalls als zu harsch, es war wirklich nur ein Versuch, regelrecht so geschrieben, als würd ich meine Gedanken zusammenfassen.

Ich werd sicher nochmal dran arbeiten und ggf. fortführen, das Thema gibt ja eine Menge her.

Gruß
Landunter

von Landunter

Re: Mordgedanken

 
Hallo Landunter,

habe gerade beim Stöbern Deinen Text gelesen. Die Idee und Erzählform finde ich gut. Der Einstieg nimmt einen sofort mit: „Kalte Wut“ sind zwei sehr passende Begriffe für den Beginn – gerade in ihrer innewohnenden Widersprüchlichkeit. Eine Tagebuchform fände ich besonders interessant, weil sie die Subjektivität der Erzählung besonders betont und so der Geschichte viel Raum läßt.


Wenn ein Leser beim Textbeginn mit einer bestimmten Erwartungshaltung oder sogar dem Gedanken an einen bestimmten Autor einsteigt, ist die Enttäuschung natürlich nicht nur im Wortsinne vorprogrammiert. Dies würde mich nicht beeindrucken, willst Du doch wie Landunter schreiben und wie niemand sonst, oder?

Wer Saw lesen will, soll Saw lesen – und sich nicht wundern, daß andere Autoren andere Texte schreiben (das hat was mit Authentizität zu tun). Und dafür, daß dieser Leser so enttäuscht ist, stellt er sich eine ganze Menge Fragen über Deinen Textausschnitt. Das sehe ich als Kompliment an Deine Geschichte an.

Die Fragen, die sich Nelinett stellt:

„Mir fehlt ein konkreter Hintergrund - bis jetzt sind es "nur" Gedanken. Was hat ihr der Mann angetan, dass sie so wütend ist? Wo sind die "Mordgedanken" was hat sie in der Richtung ganz konkret für Gedanken? Wie handelt sie letzlich, hat sie einen richtigen Plan der ist sie nur sauer? usw.“

sehe ich als gute Anregung bei der Entwicklung Deiner Geschichte. Beide scheinen allerdings nicht verstanden zu haben, was eigentlich offensichtlich ist: es ist der Auszug einer längeren Geschichte. Vielleicht machst Du dies noch im Titel oder als Vorbemerkung deutlicher.

Ich fände es schön, wenn Du diese Geschichte weiter führst und die offenen Fragen mit Antworten erfüllst.

Gruß

.dotcom

von .dotcom

Re: Mordgedanken

 
Hallo .dotcom,

vielen Dank, daß Du den Text so ausführlich kommentiert hast. Du hast es auch richtig erkannt, es ist nur ein Auszug. Allerdings war mir das beim Schreiben noch gar nicht bewusst, ich hab einfach drauf los getippt. Sicherlich werd ich weiterschreiben, fragt sich nur wann. Ist ja nicht so, daß die Mordgedanken verflogen sind...


Ging schneller als ich dachte, habe in der Nacht nochwas dazugefügt.

LG
Landunter

von Landunter

Re: Mordgedanken

 
Hallo!

Liebe Landunter, ich schließe mich vóll und ganz .dotcom an. Ich finde deine Geschichte sehr schön. Besonders den ersten Absatz. Man wird sofort in die Geschichte mithineingerissen schon beim ersten Satz stellen sich Fagen (Warum ist er so wütend?), von denen man unbedingt die Antwort wissen muss. Das finde ich sehr gelungen, denn als muss man einfach weiterlesen.

Landunter hat geschrieben:Kalte Wut kocht in mir. Diesen Mistkerl müsste man einfach den Garaus machen. Hat er sich einmal Gedanken gemacht, welche Auswirkungen sein Handeln auf seine Mitmenschen, besonders auf seine Kinder, hat? Ich glaube nicht. Er ist einfach nicht fähig dazu. Hat es nie gelernt, musste es nie. Oder wollte es nie? Dachte immer nur an sich, wie er mit dem Arsch an die Wand kommt. Solche Leute fallen immer wieder auf die Füße.


Wundervoll. Hier stellen sich sehr schöne Fragen: Wer ist dieser "Mistkerl? Was hat er getn? Welche Folgen hatte das? . Damit machst du ziemlich neugierig und gleichzeitig charakterisierst du den Sprecher schon etwas. Das finde ich sehr gelungen. (Entschuldige mich bitte, wenn ich mich allzu oft wiederhole.)
Jedoch habe ich eine klitzekleine Winzigkeit auszusetzen:

Landunter hat geschrieben:Anklage


Ich verstehe nicht ganz, was damit gemeint ist und ich verstehe auch den Kontext dieses Wortes nicht. Übrigens hätte ich einen Punkt hinter das Wort gesetzt. Vielleicht bin ich dumm aber mir ist das nicht ganz klar. Aber sonst finde ich, dass deine Geschichte sehr gelungen. (Ich wiederhole mich ständig! :oops: )

Liebe Grüße hioly!

von hioly

Re: Mordgedanken

 
Hallo hiloy,

auch an dieser Stelle nochmals danke fürs Lesen und Kommentieren. Wie schon erwähnt, musste ich den Text "zerpflücken" und deshalb habe ich beim ersten Teil diese Änderung vorgenommen und das ganze mit "Anklage" überschrieben, welches ja eigentlich schon der zweite Teil war.

Ich klage ihn praktisch an, diese Dinge mir angetan zu haben, das ist damit gemeint. Ich hoffe, Du kannst es nun besser verstehen; falls nicht, frag einfach nochmal nach.

LG
LU ;)

von Landunter

Re: Mordgedanken

 
Freut mich, daß ich Dir damit helfen und es verständlicher machen konnte.

Aber so selbstverständlich ist das Lesen und Kommentieren ja doch nicht. Mir hilft es jedenfalls weiter und es macht mir Mut, am Text weiter zu arbeiten. Nochmals danke.

LG

von Landunter