[Fanty]Morgengrau

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[Fanty]Morgengrau

Beitragvon Yorinde » 29.06.2015, 13:19

Hallo, liebe Leser!
Ich hab nach längerem Überlegen mich dazu entschlossen, die erste Seite eines Projektes einzustellen, das schon fünf Jahre immer wieder ein kleines oder großes Maß meiner Zeit in Anspruch nimmt. Momentan arbeite ich intensiver an einem anderen Projekt und habe deshalb über die letzten Monate den Bezug zu diesem hier etwas verloren. Ich hoffe, dass ich wieder einen Zugang zu der Geschichte finde, wenn ein paar andere Augen draufgeschaut haben. Deshalb hab ich jetzt auch bewusst den letzten Arbeitsstand genommen und hier eingestellt. Hab zwar grad schon zwei, drei Sachen gesehen, über die ich gestolpert bin, aber ich lass sie mal so stehen, denn vielleicht stolpert ihr gar nicht darüber sondern über ganz andere Dinge. Ich bin gespannt. :-)

Langsam drangen die Eindrücke in sein Bewusstsein vor. Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihnen ein grauer Himmel. Eigentlich konnte er den Himmel nicht sehen, denn sein Kopf hing kraftlos vor seiner Brust und feuchte Haarsträhnen klebten auf der Stirn und den hohlen Wangen. Aber in der Pfütze vor seinen Knien spiegelte sich der Himmel und dieses Bild streichelte seine Seele wie die Sonnenstrahlen längst vergangener Tage.
Viele Monate schon hielten sie ihn fest in ihrem Verlies unter der Erde, in fast völliger Dunkelheit. Und auch wenn ganz Hadria schon seit Jahren die Sonne nicht mehr gesehen hatte, glich dieses trübe Licht für ihn dem schönsten aller vergangenen Sommertage.
Elf weitere Gefangene waren mit ihm auf den Platz gebracht worden. Der Tag der öffentlichen Auspeitschungen. Eine Mischung aus Spektakel für die Bevölkerung und Abschreckung. Eine Regierung, die keine Regierung war, wollte ihren Untertanen zeigen: So ergeht es euch, wenn ihr nicht auf unserer Seite steht!
Er stand nicht auf ihrer Seite. Immer noch nicht.
Seine Unterarme waren mit Ledermanschetten fest an das Gestell aus Metall gefesselt. Leicht nach vorn gebeugt kniete er also da, unfähig seinen Peinigern zu entkommen.
Der Platz war voller Menschen. Tuscheln und Raunen, kaum einer sprach ein lautes Wort. Er konnte sie nicht sehen, nur ihre Füße nah bei seinem Gesicht. Es gab keine Absperrung für die Schaulustigen, sie sollten so nahe an die Gefangenen herantreten können, wie ihnen lieb war.
Jemand schlug ihm unsanft auf die Schulter. Direkt neben seinem Kopf knallte die Peitsche durch die Luft, er konnte den Luftzug spüren.
„Dann wollen wir mal!“ Die raue Stimme eines rauen Gesellen im schwarzen Mantel der Wächter holte ihn vollends in die Wirklichkeit. Zwanzig Hiebe standen ihm bevor. Er hatte diese Strafe schon einmal bekommen, er würde es auch diesmal überleben, irgendwie.
Der erste Schlag war der Schlimmste. Aufbäumend warf er den Kopf in den Nacken, doch er konnte sich vor den weiteren neunzehn Schlägen nicht in Sicherheit bringen.
Er verkniff Augen und Mund, biss sich die Lippen blutig. Stumm zählte er mit. Als die Wächter ihn gefangen setzen und seiner Würde beraubten, hatte er sich eins geschworen: Niemals würden sie in die Genugtuung kommen, dass er um sein Leben betteln würde. Er würde alles, was sie ihm antun wollten, stumm über sich ergehen lassen.
Schrecklich schaurig zerschnitt die Peitsche die Luft und grub sich tief in seinen Rücken. Achtzehn, neunzehn, zwanzig. Er sackte zusammen. Keuchend presste er die letzte Luft aus seinen Lungen. Die Menge spottete, schrie und jubelte. Sie hatten noch elf weitere Bestrafungen vor sich.
Er begann zu zittern. Sein Körper brannte wie Feuer, mit jeder Faser sehnte er sich nach Linderung der Schmerzen. Verstohlen rann ihm eine Träne die Wange herunter und vermischte sich mit Schweiß und Blut. Da nahm er plötzlich eine leichte Berührung in seinem Gesicht wahr. Obwohl sein Körper durch den Schmerz bis zum Äußersten gespannt war, entging es ihm nicht. Mühsam öffnete er die Augen. Vor ihm kniete ein Mädchen und sah ihn an. Seine Träne hatte sie mit ihren Fingern fortgewischt. Sie saß so nah bei ihm, dass es ihn unwillkürlich durchzuckte. „Du solltest so etwas nicht sehen!“, flüsterte er.
Mit großen braunen Augen blickte sie ihn an, als würde sie verstehen. Und für wenige Augenblicke hatte er das Gefühl, diese Augen gewährten ihm einen tiefen Blick in eine alte Seele, die Hoffnung versprach. Für Hadria.
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Re: Morgengrau

Beitragvon KatieScarlett » 29.06.2015, 14:31

Hallo Yorinde :)

Ich werde mal versuchen ein paar Worte dazu zu sagen, was mir so aufgefallen ist. Also erstmal finde ich die Szene an sich interessant. Man fragt sich gleich, was der Mann denn verbrochen hat, um diese Bestrafung zu verdienen. Allerdings gab es auch ein paar Stellen, an denen ich etwas verwirrt war. Aber jetzt gleich mehr dazu :)

Langsam drangen die Eindrücke in sein Bewusstsein vor.

Die Eindrücke finde ich etwas schwammig formuliert. Vielleicht eher "die Umgebung" oder so.

Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihnen ein grauer Himmel.

Hier war ich schon zum ersten Mal verwirrt. Wieso auf einmal ihnen? Bis jetzt weiß man nur, dass ein "jemand" auf dem Marktplatz ist.

Eigentlich konnte er den Himmel nicht sehen, denn sein Kopf hing kraftlos vor seiner Brust und feuchte Haarsträhnen klebten auf der Stirn und den hohlen Wangen.

Vorher konnte er das schon noch. Ich würde vielleicht den darauf folgenden Satz (der mit der Pfütze) mit dem vorherigen Satz zusammenfügen. Also etwas in der Art wie: Er kniete auf dem Marktplatz, in der Pfütze vor seinen Knien konnte er den sich spiegelnden Himmel sehen. Das ist jetzt nicht perfekt, aber ich würde die Sätze irgendwie zusammenfügen.

Viele Monate schon hielten sie ihn fest in ihrem Verlies unter der Erde, in fast völliger Dunkelheit.

Das hört sich durch das "schon" so an, als wäre er immer noch im Verlies.

Und auch wenn ganz Hadria schon seit Jahren die Sonne nicht mehr gesehen hatte, glich dieses trübe Licht für ihn dem schönsten aller vergangenen Sommertage.


Da musste ich auch zweimal drüber lesen, um zu verstehen, dass Hadria anscheinend das Land ist. Durch die Personifikation habe ich zuerst angenommen, dass es ein Mensch ist.

Eine Mischung aus Spektakel für die Bevölkerung und Abschreckung.

Würde hier vielleicht eher "eine Mischung aus Spektakel und Abschreckung für die Bevölkerung schreiben.
Ansonsten liest es sich meiner Meinung nach etwas holprig.

Eine Regierung, die keine Regierung war,

Das verstehe ich nicht. Wie kann eine Regierung, keine Regierung sein? Auch wenn es eine Diktatur ist, ist es ja noch immer eine Regierung. Eine Ein-Mann oder Eine-Partei-Regierung, aber immer noch eine Regierung.

Leicht nach vorn gebeugt kniete er also da, unfähig seinen Peinigern zu entkommen.

Das "also" würde ich weglassen.

Tuscheln und Raunen, kaum einer sprach ein lautes Wort.

An diesem Satz stört mich persönlich auch etwas. Ich vermisse nach den Tuscheln und Raunen noch irgendeine Beschreibung wie z.b. Tuscheln und Raunen lief durch die Menge oder so ähnlich.


Die raue Stimme eines rauen Gesellen im schwarzen Mantel der Wächter

Hier hast du zweimal rau in einem Satz

Er verkniff Augen und Mund
,
Mir persönlich würde er kniff Augen und Mund zusammen besser gefallen.

Schrecklich schaurig

Schaurig alleine würde reichen.


Sie saß so nah bei ihm, dass es ihn unwillkürlich durchzuckte.

Zuckt er vor ihr zurück oder wie meinst du das mit es durchzuckte ihn?

Ich hoffe dir helfen ein paar Sachen davon, wenn nicht, dann auch gut. :)
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Re: Morgengrau

Beitragvon Veniya » 29.06.2015, 18:08

Hallo Yorinde,

dein Text hat mich berührt. Deswegen möchte ich dir ein Feedback geben, auch wenn ich schon länger keine Texte mehr kommentiert habe und vielleicht etwas eingerostet bin. :wink:

Alles, was ich hier anmerke, sind meine Eindrücke, die du auf der Basis verstehen solltest, dass dieser Ausschnitt deines Werkes mein Interesse geweckt hat und ich an dieser Stelle weiterlesen würde.

Schreibstil, Ausdruck, Sprache
Du schreibst an vielen Stellen sehr bildlich, benutzt aussagekräftige Verben, in meinem Kopf entsteht beim Lesen eine Szene wie in einem Film. Ich kann mich gut in die Situation hineinversetzen. An manchen Stellen erscheinen die Sätze allerdings umständlich oder sogar holprig. Du schwächst Aussagen ab, indem du Worte wie „eigentlich“ oder „fast“, verwendest, oder auch, indem du verschachtelt formulierst. Auch wirkt der Schreibstil etwas eintönig, obwohl der Inhalt es ganz und gar nicht ist. Überprüfe mal die Anzahl der Worte in den Sätzen. Sind sie häufig ähnlich lang? Dann variiere mehr. Gerade an sehr emotionalen Stellen kannst du mit kurzen, abgehackten Sätzen mehr Tempo in den Text bringen.

Inhalt: Charaktere, Handlung, Logik
Der Charakter wirkt sympathisch, obwohl man kaum Hintergrundinformationen über ihn bekommt, allein anhand der beschriebenen Situation und der Interaktion mit dem Kind. Er ist dir gut gelungen, finde ich. Mich mach er zumindest neugierig, sodass ich mehr über ihn erfahren möchte. Vor der Regierung und „Hadria“ habe ich ein wenig Angst, dass es dort ähnlich zugeht, wie in so vielen anderen aktuellen Büchern. Aber das würde mich zunächst nicht abschrecken.

Rechtschreibung
Ich konnte keine Fehler finden, habe aber auch nicht extra danach gesucht. Da sie mir normalerweise ins Auge springen, ein Pluspunkt, weil ich mich so auf den Inhalt konzentrieren konnte. :D

Zitate, Beispiele und Vorschläge

Yorinde hat geschrieben:Langsam drangen die Eindrücke in sein Bewusstsein vor. Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihnen ein grauer Himmel. Eigentlich konnte er den Himmel nicht sehen, denn sein Kopf hing kraftlos vor seiner Brust und feuchte Haarsträhnen klebten auf der Stirn und den hohlen Wangen. Aber in der Pfütze vor seinen Knien spiegelte sich der Himmel und dieses Bild streichelte seine Seele wie die Sonnenstrahlen längst vergangener Tage.


Insgesamt ergibt sich hier ein Bild. Allerdings etwas holprig und um mehrere Ecken. Der erste Satz ist mir als Einstieg zu unpräzise. Das „vor“ am Ende stört mich. Die Betonung liegt auf Langsam und vor. Willst du das? Welche Eindrücke? Werde konkreter.

Dann der Wechsel in die Mehrzahl. Bisher sah ich den Mann alleine auf dem Marktplatz, jetzt sind es mehrere? Ich muss das Bild in meinem Kopf zurechtrücken, es wird dabei unklarer.
Den hängenden Kopf und die Haarsträhnen würde ich vorziehen. Sie ergeben ein Bild. Das „eigentlich“ streichen, die Sätze verbinden. Der letzte Satz ist sehr schön.

Yorinde hat geschrieben:Viele Monate schon hielten sie ihn fest in ihrem Verlies unter der Erde, in fast völliger Dunkelheit. Und auch wenn ganz Hadria schon seit Jahren die Sonne nicht mehr gesehen hatte, glich dieses trübe Licht für ihn dem schönsten aller vergangenen Sommertage.


Hier stolpere ich über das „ihrem“. Warum „fast“ dunkel? Der letzte Satz erscheint mir wieder umständlich „glich für ihn“ eine eher unschöne Formulierung.

Yorinde hat geschrieben:Elf weitere Gefangene waren mit ihm auf den Platz gebracht worden. Der Tag der öffentlichen Auspeitschungen. Eine Mischung aus Spektakel für die Bevölkerung und Abschreckung. Eine Regierung, die keine Regierung war, wollte ihren Untertanen zeigen: So ergeht es euch, wenn ihr nicht auf unserer Seite steht!


„für die Bevölkerung“ würde ich weglassen, da du die Untertanen im nächsten Satz erwähnt und „Eine Mischung aus Spektakel und Abschreckung“ einfach mehr Power hat.

Yorinde hat geschrieben:Er stand nicht auf ihrer Seite. Immer noch nicht.


Gefällt mir! Kurz, aber aussagekräftig, mit Bezug auf den vorhergehenden Absatz.

Yorinde hat geschrieben:Seine Unterarme waren mit Ledermanschetten fest an das Gestell aus Metall gefesselt. Leicht nach vorn gebeugt kniete er also da, unfähig seinen Peinigern zu entkommen.


Welches Gestell?

Yorinde hat geschrieben:Der Platz war voller Menschen. Tuscheln und Raunen, kaum einer sprach ein lautes Wort. Er konnte sie nicht sehen, nur ihre Füße nah bei seinem Gesicht. Es gab keine Absperrung für die Schaulustigen, sie sollten so nahe an die Gefangenen herantreten können, wie ihnen lieb war.


Besser: Der Platz war voller Menschen, Tuscheln und Raunen. Kaum einer sprach ein Wort.

Interessant, dass es keine Absperrung gibt. Vielleicht bringst du noch die Gefahr mit ins Spiel. Wenn ich so hautnah bei einer Auspeitschung dabei bin, kann ja auch mal ein Hieb daneben gehen? Würden die Schaulustigen nicht auch aus Angst freiwillig zurücktreten?

Yorinde hat geschrieben:Jemand schlug ihm unsanft auf die Schulter. Direkt neben seinem Kopf knallte die Peitsche durch die Luft, er konnte den Luftzug spüren.


Besser: Direkt neben seinem Kopf spürte er den Luftzug der Peitsche.

Yorinde hat geschrieben: „Dann wollen wir mal!“ Die raue Stimme eines rauen Gesellen im schwarzen Mantel der Wächter holte ihn vollends in die Wirklichkeit. Zwanzig Hiebe standen ihm bevor. Er hatte diese Strafe schon einmal bekommen, er würde es auch diesmal überleben, irgendwie.


„eines rauen Gesellen im schwarzen Mantel der Wächter“ liest sich schwer, zu kompliziert. Zweimal rau soll vermutlich als Stilmittel gedacht sein, finde ich hier aber zu viel.

„holte“ finde ich hier zu schwach (zerrte, riss)

Du schreibst „diese Strafe“ und beziehst dich im nächsten Satz darauf mit „es“. Ist nicht falsch, aber ich stolpere erneut. Lass das „es“ weg. Ansonsten gefällt mir, das angefügte „irgendwie“, weil es klarmacht, dass es nicht leicht werden wird. Dass er weiß, was auf ihn zukommt, verschärft die Situation. Schön dargestellt.

Yorinde hat geschrieben:Der erste Schlag war der Schlimmste. Aufbäumend warf er den Kopf in den Nacken, doch er konnte sich vor den weiteren neunzehn Schlägen nicht in Sicherheit bringen.


Das „Aufbäumend“ gefällt mir nicht, es ist zu hart, erinnert mich an ein Pferd. Den Kopf in den Nacken werfen, drückt das gleiche aus und ist hier, meiner Meinung nach, ausreichend.

Yorinde hat geschrieben:Er verkniff Augen und Mund, biss sich die Lippen blutig. Stumm zählte er mit. Als die Wächter ihn gefangen setzen und seiner Würde beraubten, hatte er sich eins geschworen: Niemals würden sie in die Genugtuung kommen, dass er um sein Leben betteln würde. Er würde alles, was sie ihm antun wollten, stumm über sich ergehen lassen.


Er kniff Augen und Mund zu, biss sich die Lippen blutig, zählte stumm mit.
Danach musst du in die Vorvergangenheit wechseln. Die Gefangennahme und das Berauben der Würde ist bereits abgeschlossen. Wie haben sie ihn seiner Würde beraubt? Indem sie ihn gefangen nahmen oder indem sie ihn das erste Mal auspeitschten. Reicht das aus, einem Menschen die Würde zu nehmen? Haben sie ihn gebrochen? Ich denke nicht.

Yorinde hat geschrieben:Schrecklich schaurig zerschnitt die Peitsche die Luft und grub sich tief in seinen Rücken. Achtzehn, neunzehn, zwanzig. Er sackte zusammen. Keuchend presste er die letzte Luft aus seinen Lungen. Die Menge spottete, schrie und jubelte. Sie hatten noch elf weitere Bestrafungen vor sich.


„Schrecklich schaurig“ klingt nach Kinderbuch. „Zerschneiden“ ist super! „Graben“ auch. Wie auch der restliche Absatz.

Yorinde hat geschrieben:Er begann zu zittern. Sein Körper brannte wie Feuer, mit jeder Faser sehnte er sich nach Linderung der Schmerzen. Verstohlen rann ihm eine Träne die Wange herunter und vermischte sich mit Schweiß und Blut. Da nahm er plötzlich eine leichte Berührung in seinem Gesicht wahr. Obwohl sein Körper durch den Schmerz bis zum Äußersten gespannt war, entging es ihm nicht. Mühsam öffnete er die Augen. Vor ihm kniete ein Mädchen und sah ihn an. Seine Träne hatte sie mit ihren Fingern fortgewischt. Sie saß so nah bei ihm, dass es ihn unwillkürlich durchzuckte. „Du solltest so etwas nicht sehen!“, flüsterte er.


Er zitterte, anstatt „begann zu“.

Nach „Linderung“ kannst du den Punkt setzen, dass es die Schmerzen sind, die gelindert werden sollen, versteht sich auch so.

Spürt er wirklich die Träne? Kann ich mir nicht vorstellen, zumal sein Körper angespannt ist. Bei der Berührung würde ich ihn zusammenzucken lassen. Vielleicht sieht er anschließend die Kinderhand mit seinem Blut daran.

Du charakterisierst ihn schön, indem du ihn zuerst an das Wohl des Kindes denken lässt, nach all dem, was gerade passiert ist. Sie haben ihm nicht seiner Menschlichkeit beraubt.

Yorinde hat geschrieben:Mit großen braunen Augen blickte sie ihn an, als würde sie verstehen. Und für wenige Augenblicke hatte er das Gefühl, diese Augen gewährten ihm einen tiefen Blick in eine alte Seele, die Hoffnung versprach. Für Hadria.


Schöner Abschluss.

Fazit
An deiner Stelle würde ich das Projekt auf jeden Fall weiter verfolgen. Es gelingt dir gut, die Stimmung der Situation einzufangen, ohne aufdringlich zu werden. Das Kind ist genau die richtige Dosis Emotion, ohne kitschig zu sein. Der Hauptcharakter besitzt die richtige Mischung aus Stolz und Realismus. Mich hat das Ende überrascht und – wie ich schon am Anfang geschrieben habe – berührt.

Ich hoffe, mein Feedback hilft dir.

Liebe Grüße,
Veniya
Wer zu genau weiß, was er will, bewegt sich ständig nur in eine Richtung. (Antonia Michaelis - Nashville)


Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!
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Re: Morgengrau

Beitragvon Sionna » 30.06.2015, 13:42

Hallo Yorinde!
Um nicht zu wiederholen, was du bereits von anderen an Kritik erhalten hast, versuche ich mein Feedback eher kurz zu fassen.
Gleich vorneweg: Bitte zeig uns mehr davon, da will ich weiterlesen!
Warum das?
Ich liebe es, wenn Texte spannend beginnen und Fragen aufwerfen!
Diese Kriterien erfüllt dein Anfang wunderbar- ein Protagonist, der durch die gezeigte Szene der Auspeitschung als dramatischer Held gezeigt wird, ein Schreckensregime, und die Fragen, die dadurch entstehen: Wie kam der Prota in diese Situation? Warum hat dieses Regime ihn gefangen? Wofür steht IHRE Seite, was wollen sie von der Bevölkerung ? usw.
Ich hoffe du wirst die Spannung halten und den Leser nach und nach aufklären.
Am Anfang wirkt dein Text am holprigsten, aber je weiter es geht, desto besser gefällt es mir.
Auch ich wage mich an ein paar kleine Tipps:

Langsam drangen die Eindrücke in sein Bewusstsein vor.


Vielleicht liest es sich flüssiger, wenn man einfach dass „die“ durch „verschiedene“ Eindrücke ersetzt. Oder erstmal einen Eindruck nimmt, der langsam in sein Bewusstsein vordringt. Zum Beispiel das Getuschle der Menschen.
Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihnen ein grauer Himmel. Eigentlich konnte er den Himmel nicht sehen, denn sein Kopf hing kraftlos vor seiner Brust und feuchte Haarsträhnen klebten auf der Stirn und den hohlen Wangen.


Du könntest zum Beispiel das eigentlich weglassen und den Leser erfahren lassen, dass der Himmel grau ist, wenn der Prota in die Pfütze blickt.

"Eine Regierung die keine Regierung war"- ich glaube, du willst damit ausdrücken, dass es keine FAIRE Regierung ist. Vielleicht kannst du etwas schreiben wie: „ Eine Regierung, die auf Angst und Unterdrückung basierte“ (ist jetzt klischeehaft, aber als Beispiel)
Als die Wächter ihn gefangen setzen und seiner Würde beraubten, hatte er sich eins geschworen: Niemals würden sie in die Genugtuung kommen, dass er um sein Leben betteln würde.


Ich glaube du meinst gefangen nahmen. Auch mir würde etwas wie "niemals würde er ihnen die Genugtuung geben" besser gefallen.

Schrecklich schaurig zerschnitt die Peitsche die Luft und grub sich tief in seinen Rücken.


Schrecklich schaurig- Wenn du auf das schaurig bestehst, könnte die Peitsche auch mit einem schaurigen Laut oder Zischen die Luft zerschneiden. Ein schrecklich schauriger Laut klingt für mich nach ein wenig zu viel des Guten.

Die Menge spottete, schrie und jubelte. Sie hatten noch elf weitere Bestrafungen vor sich.


Das klingt für mich, als würde die Menge selbst bestraft werden. Vielleicht wäre etwas wie „Sie würden noch elf weitere Bestrafungen zu sehen bekommen“ passender.
Ich bin kein Fan davon, wenn Szenen zu stark in die Länge gezogen werden, aber irgendwie ist es mir, wenn es Zwanzig Hiebe sind, ein wenig zu schnell vorbei. Ich kann hier als Leser nicht so ganz mitempfinden, wie furchtbar zwanzig Peitschenhiebe wirklich sind. Da würde ich mir als Leser sogar ein wenig ausführlichere Dramatik wünschen. Wie geht es ihm zum Beispiel beim fünften Schlag, und beim zehnten Schlag? Ist er nahe dran ohnmächtig zu werden, reißt sich aber aus Stolz zusammen? Rinnt das Blut seinen Rücken hinab? Gibt es einen Moment, indem ihm beinahe ein Laut entkommt, obwohl er sich doch so fest vorgenommen hat, nicht zu schreien? usw.

Den letzten Absatz wiederum finde ich sehr schön atmosphärisch, und die letzten beiden Sätze überhaupt ganz wunderbar.
Ich hoffe ich konnte auch ein wenig helfen und freue mich auf weiteres aus deiner Schreibhand!
Alles Liebe, Sionna
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Re: Morgengrau

Beitragvon Libelle » 30.06.2015, 16:53

Hallöchen,

auch wenn du schon eine Menge Kommentare erhalten hast, schreibe ich dir trotzdem was zu deinem Text.

Erst einmal finde ich ihn wirklich sehr stimmungsvoll geschrieben. Deine Geschichte beginnt vom ersten Satz an interessant, ich bin sofort in der Situation drin und möchte wissen, wie es weitergeht. Und das schreibe ich nicht, um mal kurz die Sandwich-Regel abzuarbeiten, sondern weil ich es so meine. Bis auf Winzigkeiten habe ich nichts daran zu bekritteln.

Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihm ein grauer Himmel. Genau genommen konnte er den Himmel nicht sehen, […].

Ich weiß noch nicht, wieviele Figuren es in der Szene gibt, aber ich finde »ihm« stimmiger, da sich der Erzähler gerade auf diese eine Figur konzentriert.
»Genau genommen« ist sicherlich eine Geschmacksfrage. Ich finde, dass sich »eigentlich« sprachmelodisch hier nicht so schön in die Atmosphäre integriert.

Aber in der Pfütze vor seinen Knien spiegelte sich der Himmel

Hier muss man sich entscheiden, denke ich: Entweder er sieht den Himmel, oder er sieht ihn nicht. Wenn du trotzdem beides behalten willst, würde ich das Spiegelbild verzerren, um die Erinnerung (»wie die Sonnenstrahlen längst vergangener Tage«) zu betonen.

Elf weitere Gefangene waren mit ihm auf den Platz gebracht worden.
[…]
Eine Regierung, die keine Regierung war, wollte ihren Untertanen zeigen: So ergeht es euch, wenn ihr nicht auf unserer Seite steht!
Er stand nicht auf ihrer Seite. Immer noch nicht.
Seine Unterarme waren mit Ledermanschetten fest an das Gestell aus Metall gefesselt. Leicht nach vorn gebeugt kniete er also da, unfähig seinen Peinigern zu entkommen.
Der Platz war voller Menschen.

Hier tummeln sich für meinen Geschmack zu viele »war« und »waren«.
Das mit den Manschetten könntest du im Aktiv formulieren, z.B.: Ledermanschetten pressten seine Unterame fest an das Gestell aus Metall.

Er verkniff Augen und Mund, biss sich die Lippen blutig.

Das stelle ich mir gerade schwer vor. Wenn er die Zähne zusammenbeißt, sind die Lippen wohl eher nicht auf den Zähnen, zumal sein Gesicht vor Schmerz verzerrt ist, nehme ich an. Wenn die Lippen nicht wichtig sind, könntest du die Innenwände der Wangen und/oder die Zunge nehmen.

Als die Wächter ihn gefangen setzen und seiner Würde beraubten, hatte er sich eins geschworen:

Erstens: Setzen ihn die Wächter jetzt gerade gefangen und berauben ihn seiner Würde? Oder ist das ein Ereignis in der Vergangenheit, also Plusquamperfekt-Zeit?
Zweitens: »Seiner Würde berauben« klingt für mich nach Vergewaltigung. Das kannst du so belassen, wenn du dem Leser diese Interpretationsfreiheiten lassen willst. Falls nicht, würde ich an deiner Stelle konkret benennen, was die Wächter mit ihm gemacht haben.

Schrecklich schaurig zerschnitt die Peitsche die Luft und grub sich tief in seinen Rücken.

»Schrecklich schaurig« finde ich sehr, sehr komisch. Das hat mich total aus dem Lesefluss gebracht. Es klingt für mich irgendwie nach Kabarett. Zudem weckt es kein Bild in mir. Was ist überhaupt schrecklich schaurig? Das Heulen eines Schlossgespenstes?
Insofern würde ich »zischend zerschnitt die Peitsche die Luft« oder so schreiben, weil ich damit etwas verbinden kann: Geschwindigkeit, Unheil.

Keuchend presste er die letzte Luft aus seinen Lungen. Die Menge spottete, schrie und jubelte. [Absatz]
Sie hatten noch elf weitere Bestrafungen vor sich.

Hier würde ich einen Absatz machen, weil ich mich am Ende kurz fragte, ob er noch elf Bestrafungen an diesem Tag vor sich hatte, bevor ich mich daran erinnerte, dass da irgendwas mit elf war, bevor es Klick machte. Durch den Absatz trennst du ihn von einem Ereignis, das ihn nicht mehr betrifft.
Weiterhin würde ich eine Alternative für »hatten« suchen, denn an dieser Stelle muss das Wort nicht sein. Etwa: »Sie freuten sich noch auf elf weitere Bestrafungen an diesem Morgen.« Oder so.

Mit großen braunen Augen blickte sie ihn an, als würde sie verstehen.

Abgesehen davon, dass es für mich sehr kitschig klingt, fragte ich mich, ob man nicht auch mit kleinen Augen gucken kann, als ob man einen versteht. Oder mit blauen.

Die letzten beiden Abschnitte finde ich ungewohnt kitschig. Befand ich mich eben noch in einer ernsten »Actionszene«, kommt jetzt eine liebreizende Dame mit Rehaugen vorbei – im Übrigen eine typische Szene. Dazu irgendwie seltsam, weil der Mann ja quasi ein Regimekritiker ist und sich das Mädchen ihm nähert, im Gesicht rumfummelt, also ziemlich intim wird. Die öffentliche Auspeitschung dient doch dazu, dem Mann die Würde vor Publikum zu rauben. Wenn sich dann jemand derart mitleidig nähert, dann hat die öffentliche Bestrafung ihr Ziel verfehlt. Schließlich werden die Wachen vielleicht auf das Mädchen aufmerksam, sehen eventuell einen Komplizen in ihm. Da würde ich mir irgendwas Glaubwürdigeres und vor allem weniger … Abgedroschenes wünschen. Sprachlich finde ich den Abschluss aber völlig in Ordnung.

Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung. Ich lese Fantasy eher selten und gehöre vermutlich auch nicht zu deiner Zielgruppe, auch wenn ich mich von deinem Erzählstil und der Auspeitschungsszene angesprochen gefühlt habe. Ich schreibe dir aber trotzdem meine Ansicht für den Fall, dass deine angestrebte Zielgruppe doch eher auf »Ernsthaftigkeit« steht.

Aber wie geschrieben: Ansonsten finde ich deine Geschichte sehr gelungen.

LG
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Re: Morgengrau

Beitragvon Yorinde » 30.06.2015, 21:47

Wow, so viele Reaktionen an einem Tag hätte ich nicht erwartet. Danke dafür!
Ich würde gern zu zwei, drei Sachen Stellung beziehen. Vorweg: Seid mir nicht böse, wenn ich die überarbeitete Fassung nicht poste, ich möchte vorsichtshalber nicht zu viel Material haben, das als veröffentlicht gilt. Aber besonders eure sprachlichen Tipps werde ich mir sehr zu Herzen nehmen, man bekommt eben doch schnell einen Tunnelblick.
Ich fange mal hinten an:

Libelle hat geschrieben:Die letzten beiden Abschnitte finde ich ungewohnt kitschig.


Liebe Libelle, das dieser Absatz für deinen Geschmack zu kitschig ist - völlig in Ordnung. Vielleicht als kleine Erklärung: Die "junge Dame" ist ein Kind von 11 Jahren, also kein Liebesgedöns schon im ersten Absatz. :-) Auch auf die Gefahr hin, dass es kitschig wirken mag, kann ich auf diese Szene leider nicht verzichten - es ist bereits eine erste Schlüsselszene, wo gerade die Träne und das "im Gesicht rumfummeln" wichtig ist.

Libelle hat geschrieben:»Schrecklich schaurig« finde ich sehr, sehr komisch.


Tja, dann seht ihr das alle so wie ich. :-) Das war eine der Stellen, über die ich beim Lesen gestolpert bin (hab den Text ein Jahr lang nicht angerührt). Schön, das wird ersetzt.

Veniya hat geschrieben:Überprüfe mal die Anzahl der Worte in den Sätzen. Sind sie häufig ähnlich lang? Dann variiere mehr.


Hallo Veniya, vielen Dank für diesen Tipp. Den finde ich sehr gut und werde ihn gleich mal anwenden.

Veniya hat geschrieben:Dann der Wechsel in die Mehrzahl. Bisher sah ich den Mann alleine auf dem Marktplatz, jetzt sind es mehrere? Ich muss das Bild in meinem Kopf zurechtrücken, es wird dabei unklarer.


Total nachvollziehbar, danke.

Veniya hat geschrieben:Danach musst du in die Vorvergangenheit wechseln. Die Gefangennahme und das Berauben der Würde ist bereits abgeschlossen.
.

Da hast du schlicht einen Tippfehler entdeckt. Es sollte "gefangen setzten" heißen, nicht "setzen".

KatieScarlett hat geschrieben:Das verstehe ich nicht. Wie kann eine Regierung, keine Regierung sein? Auch wenn es eine Diktatur ist, ist es ja noch immer eine Regierung. Eine Ein-Mann oder Eine-Partei-Regierung, aber immer noch eine Regierung.


Hallo Katie - das stimmt. Über diese Stelle bin ich selber beim Lesen gestolpert - wie ich ja schon geschrieben hatte. Das werde ich noch mal überdenken. Muss anders formuliert werden. Danke.

Wie schon gesagt - einige eurer Verbesserungsvorschläge nehme ich gern an und werde sie einarbeiten. Mal schauen, wie viel weiteren Text ich noch hochladen kann, ohne dass mir das irgendwann auf die Füße fällt... Was denkt ihr?
Zuletzt geändert von KleineLady1981 am 12.07.2015, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bezug auf gelöschten Kommentar entfernt
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Re: Morgengrau

Beitragvon Diavolo » 03.07.2015, 14:28

Hallo yorinde

Yorinte hat geschrieben: Ichh hoffe, dass ich wieder einen Zugang zu der Geschichte finde, wenn ein paar andere Augen draufgeschaut haben.


Das hoffe ich für dich auch :)

Auch ich schreibe dir hier meine Anmerkungen, ohne, dass ich die Kommentare davor gelesen habe, denn ich will mir meine eigenen Meinung bilden. Aber vielleicht ist deshalb doch vieles doppelt gemoppelt. Aber nichts für ungut. Also, ich lege mal los, wenn es recht ist.

Yorinde hat geschrieben:Langsam drangen die Eindrücke in sein Bewusstsein vor.


Vielleicht nicht so ein guter Einstieg. :oops: Vielleicht hier so, wenn nicht anders: Die Eindrücke kamen zurück, sein Bewusstsein erinnerte sich an die Eindrücke,… Aber auch nicht wirklich gut. Dir fällt sicher etwas Spannenderes ein.

Yorinde hat geschrieben:Er kniete auf dem schlammigen Marktplatz, über ihnen ein grauer Himmel.


Hier wechselst du von einer Person in mehrere Personen.

Ich würde vielleicht hier dann, den ersten Satz mit dem zweiten verbinden:

Auf dem schlammigen Marktplatz kniend, kamen seine Erinnerungen zurück

Yorinde hat geschrieben:Eigentlich konnte er den Himmel nicht sehen, denn sein Kopf hing kraftlos vor seiner Brust und feuchte Haarsträhnen klebten auf der Stirn und den hohlen Wangen


Warum erwähnst du den grauen Himmel davor? Würde ich dann lieber beides weglassen. Nimmt auch ein bisschen die Spannung.

Würde dann weiterfahren mit Sein Kopf…..

b]vor seiner Brust [/b hier wäre es vielleicht besser auf seiner Brust

Hier frage ich mich, ob er so lange Haare hatte.

Hier vielleicht eher so: Nach Brust einen Punkt und dann: Feuchte Haarsträhnen zierten seine Stirn und klebten auf seinen hohlen Wangen.

Yorinde hat geschrieben:Aber in der Pfütze vor seinen Knien spiegelte sich der Himmel und dieses Bild streichelte seine Seele wie die Sonnenstrahlen längst vergangener Tage.


Warum hier das Aber am Satzanfang :oops:

Hier kommst du erneut auf den Himmel zurück, ist der in deiner Geschichte so wichtig, wenn jemand im Dreck kniet?

Yorinde hat geschrieben:Viele Monate schon hielten sie ihn fest in ihrem Verlies unter der Erde, in fast völliger Dunkelheit.


Aber war er vorher nicht draußen auf dem Marktplatz und hat in der Pfütze den Himmel gesehen?

Yorinde hat geschrieben:Aber in der Pfütze vor seinen Knien spiegelte sich der Himmel und dieses Bild streichelte seine Seele wie die Sonnenstrahlen längst vergangener Tage.

Yorinde hat geschrieben:Und auch wenn ganz Hadria schon seit Jahren die Sonne nicht mehr gesehen hatte, glich dieses trübe Licht für ihn dem schönsten aller vergangenen Sommertage.


Finde ich persönlich ein bisschen zu schnulzig. :oops:

Yorinde hat geschrieben:Elf weitere Gefangene waren mit ihm auf den Platz gebracht worden. Der Tag der öffentlichen Auspeitschungen.


Ach, hier kommt die Auflösung, warum von einer Person auf mehrere gewechselt wird. Das solltest du überarbeiten.

Der zweite Satz ist auch nicht wirklich spannend, geht das auch noch anders, so dass, das mich als Leser zum Weiterlesen animiert.

Yorinde hat geschrieben:Eine Mischung aus Spektakel für die Bevölkerung und Abschreckung.


Auch hier finde ich es leider ein bisschen langweilig und würde spätestens jetzt dein Werk auf die Seite legen. Vielleicht ein bisschen mehr Motivation, Spannung oder was auch immer.

Yorinde hat geschrieben:Eine Regierung, die keine Regierung war, wollte ihren Untertanen zeigen: So ergeht es euch, wenn ihr nicht auf unserer Seite steht!


Warum war sie keine Regierung?

Was diese Regierung, ihren Untertanen sagen will, würde ich auch auf den Punkt bringen.

Yorinde hat geschrieben:Er stand nicht auf ihrer Seite. Immer noch nicht.


Sonst wäre er ja sicher nicht auf diesem Platz, oder :?:

Yorinde hat geschrieben:Seine Unterarme waren mit Ledermanschetten fest an das Gestell aus Metall gefesselt.


Was für ein Gestell aus Metall? Kann ich mir nichts darunter vorstellen, sorry.

Yorinde hat geschrieben:Leicht nach vorn gebeugt kniete er also da, unfähig seinen Peinigern zu entkommen.


Auch hier wieder ein kleiner Widerspruch, plötzlich kniet er nur leicht nach vorne gebeut, dabei hängt sein Kopf runter und die Haare fallen ihm ins Gesicht.

Yorinde hat geschrieben:Der Platz war voller Menschen. Tuscheln und Raunen, kaum einer sprach ein lautes Wort. Er konnte sie nicht sehen, nur ihre Füße nah bei seinem Gesicht. Es gab keine Absperrung für die Schaulustigen, sie sollten so nahe an die Gefangenen herantreten können, wie ihnen lieb war.


Hier würde ich wieder das Buch zuschlagen. Es ist nicht wirklich spannend, kann man das anderes ausdrücken? Vielleicht so, oder ähnlich: Kein Laut war zu hören, obwohl der Platz voller Menschen war. Aus den Augenwinkeln sah er ihre Füsse… (er blickt ja in den Schlamm, oder?

Yorinde hat geschrieben:Jemand schlug ihm unsanft auf die Schulter. Direkt neben seinem Kopf knallte die Peitsche durch die Luft, er konnte den Luftzug spüren.


Schlug ihm hier die Peitsche unsanft auf die Schulter oder wer? :shock:

Yorinde hat geschrieben:„Dann wollen wir mal!“ Die raue Stimme eines rauen Gesellen im schwarzen Mantel der Wächter holte ihn vollends in die Wirklichkeit


Hier würde ich nach den Anführungszeichen einen Absatz machen.

Im zweiten Satz wird es sehr rau, erst die raue Stimme dann der raue Geselle. Nach Mantel würde ich einen Punkt setzen. Aber das alles ist auch nicht wirklich spannend :oops:

Vielleicht fängst du mal am Anfang an, deine Geschichte zu überarbeiten und ein bisschen Spannung für den Leser einzubringen, dann werde ich mir gerne noch den Rest anschauen, denn als ich diesen gelesen habe, habe ich festgestellt, dass ich mich nur wiederholen kann.

Nichts für ungut, ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen und ein paar Gedankenanstöße geben und wenn nicht, mit meinem Kommentar einfach ab, in den großen Kübel

Liebe Grüße
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Re: Morgengrau

Beitragvon Yorinde » 04.07.2015, 14:45

Nochmals viele Dank für die Kommentare. Ich hoffe, ich kann darauf auch in einigen Wochen noch zurückgreifen, denn der Sommer wird für mich so arbeitsintensiv, dass an Schreiben leider nicht zu denken ist.

Ich werd noch einen weiteren Teil der Story reinstellen. Viel Spaß beim Lesen. :-)
Zuletzt geändert von KleineLady1981 am 12.07.2015, 10:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bezug auf gelöschten Kommentar entfernt
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