Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

Diskussion zum Schriftsteller-werden.de Blog

Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend zu schreiben

Wo spielen deine Geschichten?
Warum spielen sie nicht woanders?

von © Jacky

 
Schoener Text und Thema, das mir auch sehr gerne sauer aufstoesst. Da schreibt eine Diana Gabaldon einen Zeitreise-Roman, der in Schottland spielt. Sie war noch nie da, und schon schafft ihr Trupp zu Pferd die Strecke Fort William-Inverness und darueber hinaus innerhalb einer Nacht. Whoarrrrrrr. Dennoch wird das Buch ein Hit (aber nicht in Schottland, dort wurde sie durchschaut und belaechelt). Und jetzt sprudeln Jahr fuer Jahr hunderte Zeitreise-Schnulzen aus Amerika, die zu 80% in Schottland spielen und die KEINE Ahnung haben, aber egal, der Zug rollt, die Sachen verkaufen sich, und die gelangweilten amerikanischen Hausfrauen machen Geld damit. Bravo.

Ich habe als Kind ueber Indianer geschrieben. Meine Mutter war immer begeistert davon. Heute schreibe ich ueber meine Heimat - aber das Interesse fuer selbige wurde erst geweckt, als ich im Ausland lebte. Was Recherche nicht einfach macht - wuerd ich noch bei Mutti und Vati leben, genuegte gelegentlich ein Besuch im oertlichen Museum oder in der Lokalbibliothek. Diese Moeglichkeit habe ich nicht. Aber ich weiss immerhin, wann wo welche wichtigen Haeuser standen (fuer Historie nicht unwichtig) und wie schnell man mit welchen Mitteln wohin kommt. Wohoo. (Neben meiner Geschichte ueber die Pfalzgraefin trage ich derzeit Material zusammen und erplotte mir eine Geschichte, die im Dreissigjaehrigen Krieg bzw dessen Nachwehen in Quedlinburg spielt - um das Leben des "einfachen Mannes" und die Entstehung so vieler toller Fachwerkbauten zu skizzieren.)

Uebrigens gibt es auch sehr gute Beispiele von Buechern, wo Autoren ueber einen Ort geschrieben haben, der nicht wirklich zuhause ist. Mein Lieblingsbeispiel betrifft dabei wieder Quedlinburg, und zwar das Buch "Du suesse sanfte Moerderin" von H Glaesener, die irgendwo im hohen Norden Deutschlands lebt. Wowwww. Das Buch spielt im 14. Jahrhundert (oder 13.? Ist ne Weile her) und handelt von einem Kriminalfall vor dem Hintergrund der Entstehung diverser Bauwerke der Stadt. Ich wusste immer genau, wo in der Stadt (der heutigen, die immerhin anders aussieht) sie grad war. Ich war begeistert!

Das ist aber - im Hinblick auf Jackies Blog - wirklich eine Ausnahme. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich mich bei biografischen und halbbiografischen Sachen immer am besten aufgehoben sehe. Sei es Adeline Yen Mah ("Falling Leaves"), Jung Chang ("Wild Swans"), oder sogar Emmy Kraetke-Rumpf ("Die Aerztin aus Quedlinburg - aus dem Leben der Dorothea Christiane Erxleben" - erste promovierte deutsche Aerztin und auch ein Jahrhundert lang die einzige).

von © rixa

 
Hi Jackie!
Erstmal: Ich liebe deinen Blog. Ernsthaft. Ich habe noch nie so viele gute Ratschläge geballt auf einem Fleck gesehen, weder in einem Lehrer noch in einem Buch. Vor allem die Charakterentwicklung ist klasse, und es macht total Spaß, solange an den Protagonisten zu werkeln und zu basteln, bis man sie besser kennt als sich selbst. Ganz, ganz dickes Lob!

Also, zum Thema: Ich hatte bis jetzt die merkwürdige Angewohnheit, meine Geschichten in Irland spielen zu lassen. Es war wie ein Tick; ich war noch nie in Irland, aber es fasziniert mich i-wie. Na ja, jedenfalls habe ich mich nach der Lektüre des Textes dazu entschlossen, mein aktuelles Projekt nach Deutschland zu verlegen. Das war leichter als ich dachte, die englischen Namen mussten nur ins Deutsche übersetzt werden, ohne das sie dabei an Wohlklang verloren haben, z.B. aus Kathleen wurde Katharina, hört sich auch schön an. Ein paar Namen habe ich beibehalten, etwa Ben und Rebekka, aber die sind ja auch in Deutschland gebräuchlich. Man kann viel besser schreiben, wenn man irgendetwas vertrautes hat, in diesem Fall eben deutsche Sitten und Gebräuche usw., die man nicht groß recherchieren muss. Ich hätte zum beispiel nicht die geringste Ahnung, wie man in Irland Weihnachten feiert, in Deutschland - kein Problem.
Vielen, vielen Dank, hast mir sehr geholfen :D

von © Biene

 
So, ich spiele mal nun ein bisschen den Querschläger ;)
Erstmal schließe ich mich aber an, wirklich schöner Blogeintrag mit sehr fundierten und guten Gründen und Anmerkungen.

Mein Problem ist, dass ich zu dem Land in dem ich geboren wurde und in dem ich (noch) bin, keinen Bezug habe. Ich wohne hier, aber ich lebe nicht und ich kann den Tag nicht erwarten an dem ich endgültig hier weg bin. Es ist nicht weil ich Deutschland hasse oder etwas in der Art, ich fühle mich hier nur schlicht nicht zu Hause.
Das ist auch einer der Gründe warum die meisten meiner Geschichten eben nicht hier spielen.
Ein Teil meiner Geschichten ist in Amerika angesiedelt (ja, ich war schon ein paar Mal dort, ich lese hauptsächlich Literatur aus den Staaten und habe Freunde und Bekannte dort, die ich zur Not immer fragen kann).
Das hat sich einfach so ergeben. Es war keine Verhandlungssache, als ich angefangen habe diese eine Geschichte zu schreiben, hat es einfach dort gespielt. Dass es aus praktischen Gründen war, weil ich die weiten Amerikas "brauchte" und es von der Kultur her passte (z.B. ist die Wicca-Religion in den USA eine anerkannte Religion während es hier noch als Kult abgetan wird).
Allerdings habe ich nie mit einem Wort erwähnt, dass es dort spielt und es werden auch kaum Merkmale genannt, die einen Bezug nehmen lassen wo es spielt, abgesehen von den Namen meiner Charaktere, die aber alle aus anderen Ländern kommen und von überall stammen können, da es meistens alte keltische Namen sind.

Meine neue Geschichte spielt in Dublin. Dort war ich auch mehrmals und ich werde nächstes Jahr ein paar Monate dort verbringen, was mir mehr hilft mich einzuarbeiten, weil es dieses Mal wichtiger ist und die Iren ja ein sehr eigenes Volk sind.

Langer Rede, kurzer Sinn: Man sollte nicht zwangsläufig alles da ansiedeln, wo man sich auskennt. Man sollte den Ort nehmen, von dem man weiß, dass die Geschichte dort spielt, der Ort, der sich RICHTIG anfühlt.
Gerade im Schreiben hat man diese Freiheit und man sollte sie nutzen. Recherche ist sicher unerlässlich, aber es ist doch gerade das Schöne neue Welten zu entdecken und diese zu beschreiben.

Ich denke es ist, wie du am Ende deines Blogs beschrieben hast, man kann und sollte nicht immer nur über das Schreiben, was man kennt. Ich glaube sonst gäbe es viel weniger gute Literatur. Denn ich glaube kaum, dass z.B. Steven King all das getan hat, was er in seinen Büchern beschreibt ;)
Aber wenn man über etwas schreibt, dass man nicht persönlich kennt, MUSS man sich informieren, sei es durch einen Besuch, das Internet, Bücher oder Austausch mit Menschen, die sich auskennen.
Regeln biegen ist schließlich das Tollste an ihnen.

von © freakingmuse

 
Mein Problem ist, dass ich zu dem Land in dem ich geboren wurde und in dem ich (noch) bin, keinen Bezug habe. Ich wohne hier, aber ich lebe nicht und ich kann den Tag nicht erwarten an dem ich endgültig hier weg bin. Es ist nicht weil ich Deutschland hasse oder etwas in der Art, ich fühle mich hier nur schlicht nicht zu Hause.


Dieses Gefühl kenne ich zu 100%. Schön, dass es noch jemandem so geht wie mir.

Ich finde an Deutschland einfach nichts, was mir wirklich gefällt. Ich kann nichts dafür. Meine Geschichte, auf die mein Hauptaugenmerk momentan liegt, soll in Schottland spielen, genauer gesagt in der Stadt Montrose. Bisher habe ich nur per Internet recherchiert. Geplant sind aber noch Austausch via Mail mit Einheimischen, eventuell Telefonate und zu guter Letzt: ein Besuch dort. Mein Freund und ich wollen eh nach Schottland mal zelten gehen, wenn das Kleingeld stimmt.

Aus diesem Grunde wird es noch sehr lange dauern, bis diese Geschichte mal fertig wird. Schottland, Irland und....Schweden, das sind so die Länder, die mich interessieren. Dafür muss ich dann auch lange Recherchen in Kauf nehmen. Deutschland geht gar nicht....

Da schreibt eine Diana Gabaldon einen Zeitreise-Roman, der in Schottland spielt. Sie war noch nie da, und schon schafft ihr Trupp zu Pferd die Strecke Fort William-Inverness und darueber hinaus innerhalb einer Nacht. Whoarrrrrrr.


Hehe, ja sowas finde ich auch total bescheuert. Nen bissl Recherche kann man da schon verlangen. Aber das erste Buch fand ich gar nicht so schlecht, die anderen hab ich trotzdem net mehr gelesen.

lg steffi

von © Alessa

 
rixa hat geschrieben: Da schreibt eine Diana Gabaldon einen Zeitreise-Roman, der in Schottland spielt. Sie war noch nie da, und schon schafft ihr Trupp zu Pferd die Strecke Fort William-Inverness und darueber hinaus innerhalb einer Nacht. .


Also wo mir immer das Messer in der Tasche aufgeht ist wenn Leute Pferde als Transportmittel wählen und das dann dermassen verhunzen...
Mit dem Pferd würde ich in der Nacht überhaupt nirgens rumgaloppieren. Zumindest nicht ohne passable Beleuchtung. Wie wollen die denn ohne Licht schon mal den Weg finden? Und dann im flotten Tempo, na danke...
Schon mal versucht, bei Nacht auszureiten? Eher nicht wie es aussieht

von © schreiberling

 
Schon mal bei Nacht ausgeritten????


Ne, bin ich doof? Schon am Tag auszureiten ist nicht unproblematisch. Vor was sich die Viecher alles erschrecken...Naja, am besten überlesen wir sowas einfach...

lg Steffi

von © Alessa

 
Hey erstmal,
mir geht es genau wie Alessa und freakingmuse ich bin zwar Deutsche aber mir gefällt hier auch nichts wirklich ich bin ein Mensch der viel viel Sonne und Strände liebt und das Deutsche essen hasst. Ich schreibe Geschichten weil es mir Spaß macht. Ich kann da alles so geschehen lassen kann wie ich es will, wie ich mir ein Buch oder eine Geschichte wünsche ich kann mir alles ausuchen warum sollte ich also etwas nehmen was mir nicht gefällt?
Meine Geschichte spielt am Anfang in Californien (ich liebe es) das ist der perfekte Ort. Meine Caraktere sollen geräunt sein, drei gebräunte und zwei dunkelhäutige Hauptcharaktere in einer Geschichte die in deutschland spielt nicht besonders realistisch finde ich. Außerdem brauche ich die Amerikanische Schulform als unterstüzung ( jedes Jahr werden die Klassen neu zusammen gesetzt) und ich finde amerikanische Nahmen schöner.
Ich war noch nie in Amerika aber es läst sich alles Recherchiren.

Safier

von © Safier

 
Moin, Moin.

Um ehrlich zu sein, ich schreibe momentan eine Fantasy Geschichte und bin jetzt davon überzeugt, dass ich sie in den Müll (wohl eher Symbolisch, da stecken zu viele gute Ideen drin, die mir während dem Schreiben gekommmen sind) und lasse die Story in abgewandelter Form in einer Fantasy-Welt spielen. Der Grund dafür ist, dass ich eine Fantasy-Stadt plane, die dann vernetzt mit anderen 'geheimen' Städten, ein Netz von geheimen Gemeinschaften ergibt. Die Städte wären also für die normalen Menschen, die auf unserem Planeten wandeln nicht sicher. Das Problem: Ich müsste einen freien Fleck Deutschland finden, denn verbergen kann man in alles, aber eine vollkommene Stadt kann man nicht über eine andere bauen.
Andrerseits gefällt mir das Deutsche Klima sehr gut (Regen, 'Schnee, Eis, Sonne, alles da)
Ich habe auch überlegt meine Stadt nach Polen zu verlegen, aber das liegt für die 'speziellen' Warenwege, die in meiner Geschichte eine große Rolle speilen, nicht so optimal. Deutschland grenzt direkt an Wirtschaftstarke länder wie z.B. Frankreich, Italien und Großbritannien, die in meiner Story ihren Status behalten.

Nachdem das geklärt ist, wieder zum Thema:

Ich habe ein paar Geschichten in der 'Gosse' amerikanischer Großstädte spiele lassen (hauptsächlich verfolgungsjagden), dabei war mir Google Maps ein hilfreicher Begleiter.
Vor ungefähr einem halben Jahr, also sommer 08, habe ich begonnen mein riesenprojekt nach deutschland zu verlagern. Doch ich musste immer wieder mit großen Kompromissen( z.B. (Hafen)stadt ohne Hafen) arbeiten, um meine Städte unterzubringen. ALso wie oben schon geschrieben, ab in meine Fantasy Welt.
Grundsätlich habe ich aber bei ausreichender Recherche nichts gegen Geschichte die in Ländern spielen, die nicht das Zuhause des Autors sind.

von © ~Me~

Ein bisschen hier, ein bisschen da

 
Erstmal will auch ich ein Riesenlob an Jacky loswerden: Deine Arbeit ist einfach megaklasse. Seit dem ich auf deinen Blog gestoßen bin, geht es endlich bergauf mit dem Chaos in meinem Kopf, Dankeschön dafür!

Dann kann auch ich nur nicken, wenn es um Deutschland geht; ich hab mein Leben lang kaum was anderes als Berlin gesehen (entweder fehlte das Geld für eine Städtereise oder die "Auslandphobie" meiner Mutter stand im Weg) - und das ist Gift für mich! Bin zwar gerade mal 16 Jahre, aber ich plane schon jetzt mein Stuidium in England um dann vielleicht nach Amerika auswandern zu können, oder zumindest mal ein paar Jahre dort zu bleiben.

Um auf's eigentliche Thema zurückzukommen: Auch ich hab da so meine Probleme mit meiner Geschichte in Deutschland. Geplant war sie wirklich in Amerika, allein von den Namen her (ich habe mich auf Ashley, Keithan und Gillian festgefahren...) und den schier endlosen Möglichkeiten, doch Jackys Blog hat mich zum Nachdenken angeregt. Nun habe ich nun einen Kompromiss geschlossen: es passt sehr gut in die Story, dass die Charaktere aus verschiedenen Ländern kommen, also werde ich meinen weiblichen Hauptcharakter in Deutschland lassen, aber ihren Gegenspieler aus Amerika kommen lassen - da gehört er einfach hin, das war von Anfang an so. Jetzt heißt es also; Recherche, Recherche, Recherche! Doch zum Glück habe auch ich ein paar Kontakte in Amerika sitzen, die mir die nötigsten Fragen sicher beantworten können. So wie es aussieht, hab ich noch eine Menge Arbeit vor mir, da die restlichen Personen alle auf der Welt zerstreut sind (ich schreibe einen Fantasy/Sci-Fi-Roman). In jedem Fall noch mal Danke, für all die guten Tipps und Hinweise, so bin ich schon einigen Anfängerfehlern aus dem Weg gegangen!

von © Julay

Re: Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Sorry für Offtopic, aber ich muss das kurz loswerden:

Schon mal versucht, bei Nacht auszureiten? Eher nicht wie es aussieht

Ja, allerdings und es geht auch wunderbar.
1. sehen Pferde im Dunklen wesentlich besser als Menschen
2. kommt es immer auf das Gelände an
3. Gibt es auch noch einen Mond, der hin und wieder scheint und ziemlich hell sein kann.
4. Gewöhnen sich Augen an Dunkelheit, was wir aber kaum noch kennen, weil in der Zivilisation immer irgendwo Licht ist...
Mitten durchs Unterholz würde ich nachts natürlich auch nicht galoppieren, aber über eine Wiese/ ein Feld/ einen Weg durchaus. Abgesehen davon kann auch ein flottes Tempo sehr kontrolliert sein.
So und nun zum eigentlichen Thema:
Ich habe mir für meine Geschichte einfach einen Ort in Deutschland ausgedacht, eben weil ich nicht über meine Heimatstadt schreiben wollte, bei anderen Orten aber Angst hatte mich nicht gut genug auszukennen.
Der Vorteil bei fiktiven Orten ist, man kann sich passend zusammenbasteln wie der Ort ausschaut und schreibt nie was falsches. Zumindest, wenn man konsequent bleibt...

lg
cass

von © cass

Re: Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Ich habe bereits ein paar Ideen angefangen (aber sie pausieren, ich stecke fest) und lasse sie immer an fiktiven Orten spielen, die aber in die Gegend eingegliedert sind: Einmal Russland (aber nur für etwa zehn Seiten, dann das Weltall) und sonst immer fiktive Dörfer in der Schweiz. Ich finde das eine gute Idee, weil es mir missfällt, eine ganze Region zu kreieren und ich so ein Dorf/eine Stadt (bei Zürich oder Bern oder Basel lassen sich kleinere Städte so herrlich verstecken) fehlerlos bauen kann. Meine Charaktere reisen aber dennoch immer mal wieder in eine Ortschaft in der Nähe.

von © SDC

Re: Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Hallo zusammen.
Ein interessantes Thema und ich bin froh zu lesen, dass es einigen hier so geht wie mir.
freakingmuse hat geschrieben:Mein Problem ist, dass ich zu dem Land in dem ich geboren wurde und in dem ich (noch) bin, keinen Bezug habe. Ich wohne hier, aber ich lebe nicht und ich kann den Tag nicht erwarten an dem ich endgültig hier weg bin. Es ist nicht weil ich Deutschland hasse oder etwas in der Art, ich fühle mich hier nur schlicht nicht zu Hause.

Das kann ich nur unterschreiben.
Und genau aus diesem Grund spielen meine Stories immer in England. Zum einen weil ich die Sprache liebe (Englisch LK) und weil mich das Land irgendwie in seinen Bann gezogen hat. Tatsächlich hatte ich letztes Jahr (wenn auch nur für eine Woche) das Glück mit meinem Englisch LK nach England fahren zu können. Es wurde Brighton und London und ich war hin und weg. Meine Vorstellung wurde bei weitem übertroffen und ich hoffe irgendwann nochmal dorthin zu kommen, wenn ich ganz viel Zeit für mich habe (Geld wird fleißig gespart).

Oh jetzt bin ich etwas abgedriftet in Gedanken, entschuldigung.
Wie gesagt, meine Stories spielen immer in England. Ich kann mich auch mit englischen Namen besser identifizieren.
Ich recherchiere dann im Internet, auch über Entfernungen zwischen Orten und so und hoffe, dass es dann authentisch ist...das ist natürlich immer schwierig.
Nun ja, wie gesagt, ich hoffe mir bald nochmal ganz viel Zeit für mich nehmen zu können und dann auf eigene Faus nach England zu fahren (denn eingespannt in ein Programm von der Schule, sieht man nicht das was man sehen will).

Liebe Grüße,
fascination (da ist sie ja, die englische Sprache) :D

von © fascination

Re: Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Also ich muss sagen ich würde dem Blog im Groben zustimmen, besonders der Zusammenfassung, finde aber, dass man das erlebt nicht auf Länder oder dergleichen beziehen sollte.
Bram Stoker zum Beispiel war ja garantiert niemals in dem Land hinter den Wäldern (also known as Transsylvanien) hat aber so genau recherchiert, dass sogar die Zugfahrpläne von Jonathan stimmten.
Ich persönlich finde den Ort eher unrelevant für eine Geschichte, ich versuche die Charaktere in den Vordergrund zu stellen und Amis in Deutschland sind in etwa so selten wie Russen in der Ukraine oder Schweden in Italien...behaupte ich zumindest.^^
Wobei ich zugebe, dass fremde Länder natürlich durchaus spannend sein können :mrgreen: Vlad käme in der Steiermark einfach nich gut rüber.
Meine Geschichten (zumindest die Theorie dazu...ich krieg sie ja fast nie angemessen niedergeschrieben...^^) spielen entweder in Berlin (das kenne ich ja nun persönlich und liebe dieses Land. Von der Politik mal abgesehen.) oder in meiner Fantasywelt (die kenne ich. Oder sie ist so, wie ich sie kennen will^^). Ich hab aber auch kein Problem damit manche Geschichten in Moskau spielen zu lassen, über das schicke Städtchen musste ich nämlich für ein PnP mal Nachforschungen anstellen, hat sich also quasi ergeben. Und bei soner Fläche fällt eine leicht umgewandelte Straße auch eher wenig auf.

P.S: Wieso stehen so viele auf Amerika? cO da leb ich ja lieber im 16. Jahrhundert in Čachtice

von © HappyMephisto

Re: Du musst kein Weltenbummler sein, um spannend ...

 
Hallo!
Wow, du hast mich mit deinem Beitrag gerade echt bestärkt...Ich schreibe an einer Geschichte, in der die Protagonistin aus unserer Welt stammt und in eine "andere" Fantasywelt entführt wird. Da die Geschichte nur auf den ersten drei und letzten zwanzig Seiten in unserer Welt spielt, war es mir absolut egal, wo genau das Mädel jetzt nun lebt. Also habe ich sie der Einfachheit halber auf meine eigene Uni in Berlin gehen lassen, mit meinem Bus nach Hause in einen Stadtteil fahren lassen, wo die Studenten hier nun mal zu Hauf leben (Prenzlauer Berg). Dadurch konnte ich die Uni sehr genau beschreiben sowie die Atmosphäre, in der die Uni steht (sehr reicher Stadtteil, bei dem man nachts höchstens Angst hat, den Bus zu verpassen. Männer mit langen Messern gibts da nicht, weshalb eine Entführung von dort ziemlich cool weil überraschend kommt) Jedenfalls habe ich mich bis jetzt mit dieser Variante selbst für recherchefaul und fantasielos gehalten, weil ich es mir halt sehr einfach gemacht habe. Aber im Grunde hast du ja Recht. Sicher, die 3,5 Millionen Berliner kennen das schon, aber der Rest Deutschlands ja nicht. Für einen Münchener könnte das wieder spannend sein und die Beschreibungen der Orte klingen nicht schon dreimal wiedergekäut sondern neu. Also, danke! Du hast mir einen kleinen Stein von der Seele gerollt!
Ich bin also nicht faul sondern professionell und habe fundiertes Wissen. Ha. :D

Aber noch mal ne ganz andere Frage, die sich mir jetzt stellt: in meiner Fantasywelt sieht die Protagonistin die ganze Zeit nur ein Schloss von Innen. Und nicht mal das ist bis ins kleinste Detail ausgebaut. Ich meine, so im groben kann sich der Leser das schon vorstellen, weiß, welche Bilder wo hängen und wo der Verwaltungstrakt ist. Aber er könnte keine Skizze vom Schloss anfertigen, weiß nicht, ob es rund, im Rechteck oder im T angelegt ist usw. Und dazu kommt, da die Protagonistin das Schloss nie (ok, einmal am Ende, aber da sieht sie nur Bäume) verlässt, habe ich auch die Welt nur grob ausgearbeitet. Also eine Kultur, Rechtssystem und eine genaue Chronik (weil das für die Handlung gebraucht wird. Viel mehr muss man nicht wissen) Aber da hört es auch schon auf. Nicht mal der Name der Hauptstadt, welche direkt unter dem Schloss steht, wird mehr als drei Mal erwähnt. Hier also die Frage, die sich mir stellt: muss ich meine Fantasywelt denn tatsächlich bis ins letzte Loch ausplanen und beschreiben, selbst, wenn es für die Handlung und das Verständnis nicht wichtig ist? Muss ich die Häuser in der Hauptstadt beschreiben, Handelswege ersinnen und soziale Schichten aufbauen, obwohl die Protagonistin damit überhaupt nichts zu tun hat? Ich will nicht, dass meine "Welt" flach erscheint, will aber auch nicht meinen Leser mit dreißig Seiten Kulturbeschreibung langweilen. (siehe Tolkiens Hobbitdarstellung, die viele Leser vergrault hat) Oft passiert es mir auch in Fantasyromanen, dass ich denke: Na und, dann ist das Haus, an dem die Verfolgte vorbeirennt, halt blau mit Blumenkästen und Gärtchen. Wen interessiert das? Hat das mit der Handlung zu tun? Nein. Warum soll ich das jetzt wissen? Das regt mich als Leser dann immer ziemlich auf, sodass ich am liebsten Seiten überspringen würde, was aber auch echt schade ist.
Also: das beschreiben, was wichtig ist oder der Welt mehr Tiefe geben, auch wenn es nicht direkt dazu gehört? Das wäre dann sozusagen eine Recherche für Fantasywelten mit dem Ziel der Glaubwürdigkeit...ja. Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich Jackys (wundervollen) Blog dazu gelesen habe. Wie viel ist zu viel?

von © Elia

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