Mysteriöse und schaurige Motive [Projekt]

Nachforschung, Untersuchung, Information. Hintergrundinformationen für deine Werke. Fragen bzgl. Geschichte, Gesellschaft, Technologie, etc.

Mysteriöse und schaurige Motive [Projekt]

Beitragvon Pferdinand » 20.01.2013, 16:01

Edit 2015: Ich war einige Jahre abwesend und jetzt gerade wieder hierüber gestolpert. Habe alle zwischenzeitlichen Kommentare in die Liste eingearbeitet. Wenn mir die Inspiration zufliegt werde ich demnächst mal sehen, was sich aus den gesammelten Daten machen lässt.

_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _
Hey meine Lieben!

Im Rahmen des Projektes "Geheimnisse von Angst und Horror - Anatomie des Schreckens!" habe ich beschlossen, mich auf die Suche zu begeben.
Auf die Suche nach Motiven, die Angst hervorrufen, eine mysteriöse Stimmung erzeugen und den Leser faszinieren. Ich suche gemeinisvolle und schaurige Orte. Ich suche grausige und sagenumwitterte Wesen. Und ich suche rätselhafte Phänomene und Geschehnisse, hinter deren wahre Natur man kommen will.

Deshalb die Frage an euch:

Welche gruseligen/schaurigen/geheimnisvollen/mysteriösen/rätselhaften/...
  • Orte
  • Wesen
  • Phänomene und Geschehnisse
fallen euch ein?

Ich stelle mir das so vor, dass wir einfach ein Brainstorming machen und erst einmal sammeln, was uns so einfällt. Später, beim erschaffen von Welten und Geschichten können wir uns dann hier bedienen und Ideen herausschnappen.
Wenn einige ihren Senf dazu gegeben haben werde ich alle herausschreiben und in einem Post zusammenstellen.

Bin gespannt auf eure Antworten!
Alles Liebe,
Pferdinand

________________________________________________________________________

Orte:
Großer Wald, unterirdische Mine, vergessene Stadt, altes Schloss, Kerker, Verließ, mysteriöser Friedhof, tiefe und undurchsichtige Gewässer, alte/verfallene/leerstehende Gebäude, Lagerhallen, antike Ruinen, Psychiatrien, Kliniken, Leichenhallen, menschenleere Straßen/Parks (nachts), Gebäude die tagsüber voller Leben und nachts wie ausgestorben sind, Keller, Dachböden, eigene Wohnung, Bohrinsel, Polarstation, Moor, asiatische Pagode, Kirche, Kathedrale, Kloster, Antiquariat, großes Labyrinth, unterirdische geheime Fabrik, Katakomben, felsige Bucht mit Höhlen, Geisterschiff, Hallen eines magischen Ordens, italienische Kleinstadt, dunkles Meer, dunkle Ecken, alte Hafenviertel, verlassene Burgruine am Rande einer Klippe,

Wesen:
Die verlorenen Stämme Israels, Vampire, Zombies, Geister, Werwölfe, schwarz vermummte Menschen, Yeti, Bigfoot, Insekten, Spinnen, Killerbienen, Schlangen, schleimiges Getier, Clowns, böse Menschen, Nessi, Geisteranhalter, Doppelgänger, scharfe Zähne, leuchtende Augen, stark vernarbtes Gesicht, ...

Phänomene und Geschehnisse:
Außerirdische die uns beobachten/erforschen, säureartiges Blut, geistige Krankheiten, Überwachungsanlagen, rätselhafte Symbole, extreme Langlebigkeit, Hypnose, seltsame Vereinigungen und Orden, Geräusche (die man nicht einordnen kann; Holzknacken, Pfeifen und Heulen von Wind, Atemgeräusche, Wispern, Flüstern, undeutliches Reden durch Metallrohre/Kamine), Hilflosigkeit, alles was unerklärlich ist und nicht sein kann, Windstöße (wo gar kein Wind wehen kann), Kondenswasserbildung, Geschehnisse die nur erahnt werden (im Kopf des Protas), das Unbekannte, Masken, Puppen, Gegenstände (die sich von selbst bewegen), modifizierte alltägliche Orte, Dunkelheit, Einsamkeit, Nebel, Spinnweben im Dunkeln, Gestank, Verletzungen, Entstellungen, Blut, Gift, Folter, Übernatürliches, mysteriöses, Okkultismus, konzentrische Kreise, Fallen, Magie, magische Ausstrahlung, Aura, Geheimbünde, dämonische Pakte, teuflische Besessenheit, Exorzismus, Hexerei, Voodoo, Abgründe der menschlichen Seele, Tod, Kontrollverlust, Verlorensein, latente Bedrohung, Nervosität anderer, flatteriges Bauchgefühl, kein Spiegelbild, schwarzes Auto/Helikopter/Flugzeug, Nacht, Vorboten, Signale, kleinere Mutationen, etwas was da sein müsste fehlt, etwas ist zuviel, Dringlichkeit, Druck, Feuer, grüner Himmel, Nebel

Anderes aus den Kommentaren:
  • Dinge die eigentlich normal sind, aber erst durch den Kontext sehr sehr ungewöhnlich werden.
  • Alles was "so nicht geschehen sollte", selbst wenn es nur eine kleine Abweichung von der Norm darstellt z.B. Handlungen von Tieren die keinen Sinn ergeben (Katze, die die Luft anfaucht)
  • Menschen die zu nett und freundlich wirken (aber irgendetwas deutet darauf hin, dass dies nicht der Fall ist - sei es nur die Intuition)
  • Plötzlich absolute Finsternis (lässt selbst vertraute Orte gruselig werden)

Badabumms Theorie der 3 Ebenen:
  • Urängste: alte, dunkle Gemäuer, Schatten, tiefe Löcher, hohe Gebäude, schmale Gänge, wilde Tiere, Leichen
  • Dinge die mit Unheilvollem verknüpft sind (subjektiv/für einen persönlich)
  • Abstrakte Ängste: Verlust der Identität, Ängste nach "innen" gerichtet
Zuletzt geändert von Pferdinand am 22.07.2015, 15:48, insgesamt 6-mal geändert.
Benutzeravatar
Pferdinand
 
Beiträge: 124
Registriert: 03.10.2012, 22:06
Wohnort: Bayern
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Bonaventura » 20.01.2013, 16:34

Ich versuche mal ein wenig zu systematisieren:
Orte:
Großer Wald, unterirdische Mine, vergessene Stadt, altes Schloss, Kerker, mysteriöser Friedhof, ...
All diesen Orten sind mehrere Sachen gemeinsam: Sie sind wegen verwinkeltem Aufbau, Dunkelheit etc. nicht überschaubar (sodass sich hinter jeder Ecke irgendetwas verstecken könnte), und es sind einsame Orte. Orte, an denen ein Mensch eigentlich nichts (mehr) verloren hat, und die sich daher leicht als fremd und menschenfeindlich darstellen lassen.

Für mich persönlich käme noch die Angst vor tiefen Gewässern dazu. Auch hier: Unüberschaubarkeit, Menschenfeindlichkeit.
Wesen:
Die verlorenen Stämme Israels, Vampire, Zombies, Geister, Werwölfe, schwarz vermummte Menschen, Yeti, ...
Unheimlich sind vor allem Wesen, die als besonders fremdartig, ganz anders als Menschen, "falsch" oder gar "widernatürlich" angesehen werden. Tote, die nicht in ihren Gräbern bleiben, erschrecken Menschen seit vielen Jahrhunderten. Insekten, Schlangen, schleimiges Getier erschrecken Menschen in ganz irrationaler Weise, weil sie (verglichen etwa mit einem Löwen, vor dem man allenfalls ganz rationale Furcht hat) so ganz anders aufgebaut sind und sich ganz anders verhalten als wir.
Bezüglich menschenähnlicher Monstren hingegen ist es eben die Ähnlichkeit, aber eben nicht ganz Gleichheit, die erschreckend wirkt. Interessant dazu die Forschung bzgl. des "uncanny valley": http://www.youtube.com/watch?v=FKTAJBQSm10

Nur mal so als kurzes brainstorming. Was macht denn die Projektgruppe?
Some flowers never bend towards the sun.
Benutzeravatar
Bonaventura
 
Beiträge: 1039
Registriert: 25.03.2011, 16:17

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Marilea » 20.01.2013, 17:06

Hallo:)

Mal sehen was ich so beitragen kann.

Orte dazu gehören für mich auch : alte, verfallene und leerstehende Gebäude/Häuser,Lagerhallen, Ruinen. Psychatrische Einrichtungen, Kliniken, Leichenhallen, einsame Strassen/Parks ( vorallem Nachts)
- oft haben diese Orte eine bekannte Geschichte ( im Haus da spukt es ect..), lösen in der nacht die untschiedlichsten Angstgefühle aus. Man fühlt sich in dunklen, verlassenen Gassen einfach unwohl, hört evtl. Dinge die nicht da sind, Schritte..etwas verfolgt einen? man wird nervös und will schnell wieder raus und unter Menschen. Auch haben besondere Orte eine gewisse Atmosphäre die wir uns entweder einbilden ( habe mal eine Psychatrische Einrichtung besucht als Gast und ich fühlte mich total unwohl, obwohl es keinen sichtbaren Grund dafür gab)

Wesen: Geister zum Beispiel haben einen großen Anteil in Geschichten die uns das fürchten lehren. Alles was wir ( oder die Wissenschaft nicht vollständig ) nicht erklären kann und für uns somit nicht logisch nachzuvollziehen ist, macht uns angst. Dinge die so nicht sein dürften, die unseren Verstand in die Irre führen oder die wir uns mit nichts erklären können ebenfalls.

Wie bei Bonaventura. Ich mag nicht in Wasser springen. Ich habe angst unterzutuchen und nicht wieder hochzukommen. Was könnte da alles in den Untiefern auf mich lauern? nein die Vorstellung mag ich gar nicht. Ebenfalls wie es für mich nichts schlimmeres gibt als eine Spinne. Meine Eltern sagten das dies beides auf meine Kindheitserinnerungen zurück zu führen sind, aber denoch.^^
I'm not suffering from insanity - I enjoy every minute of it :)
Benutzeravatar
Marilea
 
Beiträge: 46
Registriert: 12.06.2011, 23:43
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Loona » 20.01.2013, 22:56

Orte:
menschenleere Strassen, Gebäude die tagsüber voller Leben, aber nachts wie ausgestorben sind ( arbeite nebenbei als reinigungskraft in einer Schule und das hat wirklich was unheimliches :mrgreen: )
Die eigene Wohnung nach einem Horrorfilm oder einem gruseligen Buch, Dachböden, Keller usw.

Dann sind da noch Geräusche, die man nicht einordnen kann, zum Beispiel das Geräusch von rückenden Möbeln ( selber erlebt, seeeeehr gruselig).
Angst können auch sämtliche Situationen auslösen, in denen man sich hilflos fühlt.

Wesen:
Hm, wurde ja schon fast alles genannt.
" Nichts auf dieser Welt, um das es sich zu kämpfen lohnt, fällt einem in den Schoß."
Benutzeravatar
Loona
 
Beiträge: 68
Registriert: 03.12.2008, 21:22
Wohnort: thüringen

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon ahnungslos » 20.01.2013, 23:15

Hallo Pferdinand,

da muss ich natürlich auch meinen Senf dazugeben:

Mir macht vor allem alles Angst - seien es nun Orte oder Wesen oder Situationen - das ich nicht in seiner Gänze erfassen kann- durch Wahrnehmung aller Art.
z.B.
Etwas aus den Augenwinkeln vorbei huschen sehen - das könnte ich mir auch eingebildet haben - und ich weiß nicht genau, was es war.
"Elektrische" Fähigkeiten, die wir uns nicht ganz erklären können ("Aura" und solche eher esoterischen Dinge) - man sieht genau, es ist nichts da, aber irgendwie hat man eben ein komisches Gefühl. Die Katze faucht einen ganz bestimmten Fleck in der Luft an - das muss ein "Geist" sein, schließlich sind Katzen für ihre gute Wahrnehmung bekannt. (...impliziert auch ein Misstrauen gegenüber der eigenen Wahrnehmung...)
Windstöße, obwohl gar kein Wind wehen kann (in der Wohnung, im Raumschiff, im U-Boot....)

Zusätzlich zur verminderten Wahrnehmung kommen auch Dinge, die sich ein normaler Mensch nicht gleich erklären kann -
Windstöße (typisches Beispiel: Duschvorhang),
körperliche Symptome (Gänsehaut, kalt über den Rücken laufen, Haare aufstellen, ...), Geräusche (Holzknacken, Pfeifen und Heulen vom Wind, Atemgeräusche (brrr - gruselig), Wispern/ Flüstern/ undeutliches Reden (vielleicht durch Schallübertragung an Metallrohren wie bei der Heizung, durch Kamine...)
Kondenswasserbildung (Tränen der Götter),
Cyanobakterien oder Algen in verschmutzten Gewässern (wie die sogenannte "Red Tide")
Alles, was eine Strafe von Übermächtigen sein könnte - Hagel, Sturm, Krankheit, - im Prinzip alles, was einfach nicht so funktionieren kann (Tote, die nicht nur nicht verwesen, Feuer, das auch unter der Wasseroberfläche brennt, Wasser, das nicht klar und durchsichtig ist, etc.)

Was mich besonders ängstigt:
als Blut Säure (wie in "Alien"),
geistige Krankheiten (Paranoia und Co.) - hier zähle ich auch jeden religiösen Wahn dazu - wie Teufelsaustreibungen, etc.,
"Aura"-Wahrnehmungen (ich halte mich nicht für esoterisch veranlagt... :mrgreen: )


Wichtig finde ich auch, dass man als Leser anständig auf die Folter gespannt wird (Spannung).

Ein ganz tolles Thema, da fällt mir sicher noch jede Menge ein... :girl:

lg ahnungslos
Meine Nano-Buddies: Höllenhund Sepp (=Ceberus) und Höllenhund Stormwalker, beide schon nicht mehr die Jüngsten...UND natürlich Henriette - meine Wordcountdrachendame!
Benutzeravatar
ahnungslos
NaNoWriMo 2015
NaNoWriMo 2015
 
Beiträge: 2042
Registriert: 09.12.2011, 16:27
Blog: Blog ansehen (6)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Bonaventura » 20.01.2013, 23:25

Wie bei Bonaventura. Ich mag nicht in Wasser springen. Ich habe angst unterzutuchen und nicht wieder hochzukommen. Was könnte da alles in den Untiefern auf mich lauern?
Interessanterweise ist genau diese latente Angst ein Grund, warum ich gerne schnorcheln gehe. Die Angst schwimmt da immer mit. Insbesondere wieder in den Bereichen, in die das Licht nicht hindringt, oder die in einigen Metern Entfernung im Trüben verschwinden. Mit ein wenig Phantasie sieht man dort gelegentlich riesige Schatten vorbeiziehen...

...wie es ja überhaupt erklärungsbedürftig ist, warum Leute gerne Dinge lesen/sehen/tun, die ihnen Angst machen.

Achja, zu Geschehnissen kam jetzt noch gar nichts. Ich muss auch sagen, dass so wahnsinnig viel eigentlich gar nicht geschehen muss. Wie wir es ja auch bei den Orten haben, geschieht das wirklich Schaurige ja immer außerhalb des Gesichtsfeldes, wird allenfalls als mögliches Kommendes oder wahrscheinlich Geschehenes erahnt. Am besten wirken doch die Monster, die man nicht (oder allenfalls nur kurz und teilweise) zu Gesicht bekommt.
Ich hab das Beispiel schon mal hier irgendwo gebracht: In Kings Roman "Shining" passiert im Badezimmer eigentlich nichts anderes, als dass der Duschvorhang erst aufgezogen ist und dann (hinter dem Rücken des Protagonisten natürlich) offenbar zugezogen wird. Alles andere spielt sich im Kopf des Protagonisten ab.
Some flowers never bend towards the sun.
Benutzeravatar
Bonaventura
 
Beiträge: 1039
Registriert: 25.03.2011, 16:17

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Zitronenbonbon » 30.01.2013, 11:25

Ein ganz beliebtes "Motiv" sind ja auch Clowns. Ich kenne mehrere Leute, die da panische Angst bekommen. Beziehungsweise generell Masken, da man das Gesicht ja nicht sieht und deshalb Mimik und so weiter nicht sieht und nicht bewerten kann. Und da eben insbesondere Clowns, weil sie "Fröhlichkeit" vortäuschen, aber böse sein können, ohne dass man es ihnen irgendwie anmerkt (ich persönlich hab das noch nie so empfunden, wurde mir aber so gesagt).
Oder Puppen. Die aussehen wie Menschen, aber diese starren, glasigen Augen haben. Generell so alles was im Prinzip an Menschen bzw. menschliche Gesichter erinnert und dabei aber irgendwie "anormal" wirkt.

Das mit dem tiefen Wasser kenne ich leider auch :?

Dinge, die man sich nicht erklären kann und deshalb übernatürlich wirken. z.B. Geräusche, bei denen man nicht weiß, wo sie herkommen, oder Gegenstände, die sich von selbst bewegen.
Zitronenbonbon
 
Beiträge: 20
Registriert: 06.01.2013, 16:03
Wohnort: NRW

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon inmutanka » 30.01.2013, 21:29

Ich finde, die schaurigsten Motive sind die alltäglichen Motive. Hitchcock war ein Meister darin, alltägliche Orte so zu modifizieren, dass einem bei dem Anblick schon eine Gänsehaut über den Rücken lief (ich denke nur an die Dusche, den Kirchturm oder das abgeerntete Feld). King ist ebenso ein Meister darin. Ich finde es zeugt von einem wesentlich größeren Können, ein gemütliches, freundliches von Sonne beschienenes Cafe zu einem Ort des Mysteriums/Schauer zu verwandeln, als einen Friedhof/Friedhofskapelle bei Mitternacht oder ein Moor, über dem der Nebel liegt.

LG
Inmutanka
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
Benutzeravatar
inmutanka
 
Beiträge: 917
Registriert: 28.12.2012, 07:02
Wohnort: Rhld-Pfalz

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Pferdinand » 31.01.2013, 01:17

Hey ihr alle!

Da ich den Stein ins Rollen gebracht habe, muss ich das ganze jetzt wohl oder übel auch ausbaden.
Nein, im Gegenteil. Ich freue mich riesig über die große Beteiligung bis hierhin. ;)

Euere genannten Ideen habe ich oben in die Liste einsortiert. Auf die restlichen Themen, die dabei aufgekommen sind, will ich jetzt mal eingehen und jeweils versuchen die restlichen Infos rauszupicken und zusammenzufassen. Hoffe, das wird kein Monsterpost. :D


@Bonaventura:
Zusammenfassung: Menscheinfeindliche, fremde und einsame Orte. Nicht überschaubar wegen verwinkeltem Aufbau und Dunkelheit. Viel Raum für Verstecke und die Fantasie des Menschen.
Wir fürchten hier also Orte, die uns auf eine bestimmte Weise fühlen und denken lassen. Was genau wir dabei fühlen und denken ist noch im Detail zu ergründen

Zusammenfassung: Unheimliche Wesen sind die, die komplett anders sind als wir Menschen (=> irrationale Angst) oder solche, die fast menschenähnlich sind. Uncanny Valley lässt grüßen (äußerst interessant!). Dann Wesen, die als widernatürlich angesehen werden und nicht existieren dürften.
Wir fürchten also einerseits Dinge, die uns so fremd sind, dass wir sie nicht verstehen können.
Und andererseits Dinge, die uns ähnlich sind, aber entstellt.

...wie es ja überhaupt erklärungsbedürftig ist, warum Leute gerne Dinge lesen/sehen/tun, die ihnen Angst machen.

aka Geisterbahn, Achterbahn, Gruselromane und das Erwähnte.
Interessante Frage. Wenn ich einen sinnvollen Lösungsansatz habe komme ich darauf zurück. Vielleicht sogar ein Thema für eine Extradiskussion.

Ich muss auch sagen, dass so wahnsinnig viel eigentlich gar nicht geschehen muss. Wie wir es ja auch bei den Orten haben, geschieht das wirklich Schaurige ja immer außerhalb des Gesichtsfeldes, wird allenfalls als mögliches Kommendes oder wahrscheinlich Geschehenes erahnt.

Jap, das Wichtigste geschieht im Kopf des Protas und des Lesers.
Diese hier erwähnten Geschehnissen sind eher etwas für das Setting zuständig. (siehe Kommentar zu inmutanka weiter unten)


@Marilea:
Habe deine Ideen aufgenommen. Außerdem aus deinem Beitrag:
Wissen über etwas was da sein müsste oder Ahnungen lösen ebenfalls Angst aus. Dann Dinge, die wir uns nicht erklären können oder die nicht sein dürften. Die Atmosphäre trägt auch zur Einbildung bei.
Aus den kleinsten Kleinigkeiten kann unsere Fantasie großes machen. Siehe Beispiel mit dem Duschvorhang in Bonaventuras erstem Beitrag.
Überhaupt: Unsere Gedanken schaffen unsere Realität. Wurde der Fokus vorher häufiger auf Morde in dunklen Gassen gelenkt, werden wir uns in einer solchen deutlich unwohler fühlen.

@Loona:
Du fügst noch den Aspekt hinzu, dass man die Wirkung auch durch Kontraste erzielen kann.
Etwas, was normal auf eine Art und Weise ist (voller Leben) und dann plötzlich im negativeren Gegenteil (verlassen), kann auch eine starke Wirkung haben.
Die eigene Wohnung etc: Hier ist wieder der Punkt mit dem Fokus. Wenn unser Gehirn gerade Gefahr gewittert hat (z.B. Keulenschlag durch Fensterscheibe in einem Film), wird es Fensterscheiben plötzlich als Gefahr einstufen.

=> Basis dafür (da bringt das Studium doch mal was – Fachbegriffe erspar ich euch trotzdem):
Unsere Reizverarbeitung. Nehmen wir einen visuellen Reiz wahr, wird der doppelt weitergeleitet. Einmal sehr schnell und ungenau. Bei dieser ersten Weiterleitung können wir nicht zwischen Film und Realität unterscheiden. Die zweite, langsamere Weiterleitung bezieht dann den Kontext mit ein. Der Schock geht vorbei, weil wir merken, dass die Bedrohung nicht real ist. (Bei Phobien wurde diese Verbindung abgeändert.)


@ahnungslos:
Senf mag ich.

Wieder unerklärliche Phänomene. Dinge von denen wir nicht wissen, ob sie real sind oder nicht (vorbeihuschender Schatten). Dinge die offenbar da sein müsste (Katze vs. Luft). Dinge die nicht da sein können (Wind am falschen Fleck). Aber auch Dinge, die wir nicht kontrollieren können.

Wichtig finde ich auch, dass man als Leser anständig auf die Folter gespannt wird (Spannung)

Da gibt es ja noch diese tolle Unterscheidung zwischen „tension“ und „suspense“. Dazu werden wir im Verlauf auf jeden Fall noch zu sprechen kommen.


@Zitronenbonbon:

Eine gute Freundin von mir hat eine Clownphobie. Das ist tatsächlich ziemlich extrem. Hier ist das gruselige Prinzip womöglich das Geheimnis. Wir wissen, dass etwas da sein könnte (böse Einstellung), aber wir können es nicht sehen.
Puppen siehe Uncanny Valley.


@inmutanka:
Diese schaurigen Motive hier sind eher als Stützen, Symbole, Aushilfen, Stimmungsmacher und auch Notlösungen gedacht. Können helfen, sind aber nicht das worauf es ankommt.
Doch ich denke mir, wenn wir die Grundprinzipien hier hinter einmal verstanden haben (was meiner Meinung nach sehr wichtig ist), dann können wir entsprechend selbst Grusel erschaffen. Die schaurigen Prinzipien auf den ach so harmlosen Alltag übertragen. Schön, dass du das angesprochen hast!



@Alle:
Schonmal danke für eueren vielfältigen Input. Daraus lässt sich schon prima was zaubern. Ich sammle erstmal weiter – vielleicht fällt noch jemandem was ein. Nur her damit.


Was wir übrigens jetzt noch gar nicht angesprochen haben:
Die Angst etwas oder jemanden zu verlieren (in all ihren Facetten).

Eine gute Nacht und ein erholsames Wochenende euch allen!
Pferdinand
Zuletzt geändert von Pferdinand am 14.07.2013, 18:45, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Pferdinand
 
Beiträge: 124
Registriert: 03.10.2012, 22:06
Wohnort: Bayern
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Pferdinand » 13.07.2013, 21:38

So, ich pushe das mal nach oben :wizard:

Vielleicht hat ja noch jemand neue/jemand neues Einfälle dazu.

Alles Liebe,
Pferdinand
Benutzeravatar
Pferdinand
 
Beiträge: 124
Registriert: 03.10.2012, 22:06
Wohnort: Bayern
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Badabumm » 14.07.2013, 00:47

Das ist wirklich eine tolle Liste. Ich weiß jetzt nicht, ob das eine oder andere schon vorkam... Auf jeden Fall ist der Kern des Gruselns sicher die Einbettung von Dingen oder Wesen in den Kontext. Das heißt, eine Fensterscheibe oder eine Katze ist nicht per se gruselig, sondern wird mit dem Horror in Verbindung gebracht.

Ich würde mal eine Theorie von drei Ebenen aufstellen: die erste, unmittelbare Ebene scheinen alle Dinge oder Phänomene zu sein, vor denen von Anfang an (genetisch bedingt? Erziehung?) eine Furcht besteht. Eben die alten, dunklen Gemäuer, Schatten, tiefe Löcher oder hohe Gebäude, schmale Gänge (Geburtstrauma?), wilde Tiere oder Leichen. Ich würde das als "Urangst" bezeichnen - auch wenn das umstritten ist. Alles Dinge, die in der Evolutionsgeschichte als "Gefahr" eingestuft wurden. Sie zu meiden oder sich gegen sie zu wappnen, hat das Überleben ermöglicht.

Die zweite Ebene entsteht, wenn Dinge oder Wesen mit Unheilvollem verknüpft werden. Dadurch, dass jeder andere Assoziationen aufbaut, können diese Verknüpfungen nur subjektiv gebildet werden. Wer von einem flauschigen Kaninchen gebissen wurde (äh, geht das überhaupt???), bekommt eine Aversion gegen liebe, süße Kaninchen. Eine Farbe, eine Musik oder jeder Gegenstand kann diese Rolle übernehmen. Dem Geschichtenerzähler fällt die Aufgabe zu, diesen Zusammenhang erst herstellen zu müssen, deshalb sind diese Storys meist die schwierigen, aber auch fast immer die besseren. Mit einem dunklen Flur Horror zu erzeugen, ist simpel, mit einer Rolle Toilettenpapier, die einen erdrosseln will, ist das schon schwieriger... ;-)

Die dritte Ebene ist völlig im Abstrakten: Verlust der Identität. Der Protagonist richtet seine Ängste quasi gegen sich selbst. Man hat nicht im wirklichen Sinne Todesangst, sondern z.B. Angst, seine Persönlichkeit zu verlieren. Hilflos im Koma zu liegen. In einem Puppenkörper eingeschlossen zu sein oder so. Im Grunde genommen muss nicht mal etwas gezeigt werden - der Horror spielt sich allein im Inneren ab.

Beispiele kann ich nur aus Filmen geben, richtig "gruselige" Schocker-Horror-Bücher kenne ich kaum. Ist es schwieriger, ein gutes Horror-Buch zu schreiben als Grusel in Bilder zu fassen? Eigentlich absurd, weil ja die Imagination des Schrecklichen im Kopf des Lesers einfacher sein müsste als auf der Leinwand. Dennoch will sich bei mir oft kein Horror einstellen. Vielleicht hat der Leser gerade durch seine Interpretations-Freiheit zu schnell die Möglichkeit, den Horror zu negieren. Spannung ja - möglich also, dass Horror beim Lesen eigentlich in Spannung verwandelt wird und deshalb anders empfunden wird als im Film.

Ebene 1. Der Klassiker: Alien. Dunkle Gänge, nervige Blitzlichtgewitter, Geräusche, kaum sichtbares.

Ebene 2. In meinem Himmel, Shining oder Sleepy Hollow. Gegenstände bekommen die Bedeutung des Bösen.
Spoiler: Anzeigen
In In meinem Himmel ist es der Tresor, von dem jeder "weiß", dass sich darin die Leiche des Mädchens befindet, was am Schluss indirekt bestätigt wird. Shining lebt von den Manuskripttesten und dem Beil, den alltäglichen Dingen des Hotels, während bei Sleeping Hollow z.B. die Narben des Prota eine Horror-Vergangenheit heraufbeschwören, und der Reiter selbst


Ebene 3. Der verbotene Schlüssel, Cube oder Pans Labyrinth
Spoiler: Anzeigen
Schlüssel: Die Prota, die sich am Ende schon gerettet glaubte, wird in den Körper der anderen Frau übertragen und die Unmöglichkeit, aus eigener Kraft daraus zu entkommen.In Cube gibt es zwar Splatter-Szenen, die Hauptangst liegt jedoch in der Unerklärlichkeit und in den Protas selbst. Labyrinth: der Gegensatz zwischen echter, realer Gewalt und Traum


Sind jetzt nur blind rausgegriffene Beispiele, sicher nicht mal die besten.
Ich versuche auch schon länger, eine "gruselige, unheimliche" Geschichte zu schreiben. Auch Stephen King oder Poe konnten mich nicht unterstützen... :-( Ist echt schwer.

Badabumm
.
"Und sowieso wird man Dichter nur durch das Mädchen, das man nicht bekommt."
(Søren Kierkegaard)
Benutzeravatar
Badabumm
 
Beiträge: 1073
Registriert: 06.04.2011, 00:53
Wohnort: oben
Blog: Blog ansehen (13)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Bonaventura » 14.07.2013, 14:22

Beispiele kann ich nur aus Filmen geben, richtig "gruselige" Schocker-Horror-Bücher kenne ich kaum. Ist es schwieriger, ein gutes Horror-Buch zu schreiben als Grusel in Bilder zu fassen? Eigentlich absurd, weil ja die Imagination des Schrecklichen im Kopf des Lesers einfacher sein müsste als auf der Leinwand. Dennoch will sich bei mir oft kein Horror einstellen. Vielleicht hat der Leser gerade durch seine Interpretations-Freiheit zu schnell die Möglichkeit, den Horror zu negieren. Spannung ja - möglich also, dass Horror beim Lesen eigentlich in Spannung verwandelt wird und deshalb anders empfunden wird als im Film.
Ich denke, dass Bücher einfach ein anderes Medium sind als Filme, das nach anderen Regeln funktioniert. Natürlich, eine gelesene Geschichte wird einen nicht in dieser Weise unmittelbar erschrecken können wie ein Film, zumal man das Tempo selbst bestimmen kann. Sie wirkt weniger "viszeral", weniger direkt auf Bauch und Emotion, sondern stets vergeistigter, abstrakter. Dafür kann sie jedoch auch wesentlich nachhaltiger wirken. Eine gute Horrorgeschichte ist (mehr noch als ein guter Horrorfilm, wiewohl die wirklich guten das ebenfalls versuchen) etwas, das über sich selbst hinausweist, das nicht "bloß" ein mal mehr, mal weniger schauriges Lesevergnügen bereitet, sondern den Versuch macht, etwas über Welt und Menschen auszusagen, die finsteren Seiten des Seins zu beleuchten. Schockeffekte gehen im Film besser. Damit sollte man m.A.n. gar nicht erst versuchen, zu konkurrieren.
Some flowers never bend towards the sun.
Benutzeravatar
Bonaventura
 
Beiträge: 1039
Registriert: 25.03.2011, 16:17

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon bumblebeee » 14.07.2013, 16:32

Orte
verlassene Burgruine am Rande einer Klippe, ein Strand voller Medikamente, dunkles Meer, ein tiefes Loch im Boden, Katakomben
Wesen
gruseliger Clown, Narbengesicht (Skarface)
Phänomene und Geschehnisse
grüner Himmel (hatten wir hier letztens), Schleim der aus den Wänden tropft, Lautes Schreien, grüner Nebel
bumblebeee
 
Beiträge: 714
Registriert: 11.11.2012, 14:36
Wohnort: in einem Dörchen in NRW
Blog: Blog ansehen (27)

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Skrivo » 04.09.2013, 09:05

Hi
Am gruseligsten finde ich (vielleicht bin ich da vorbelastet) sind Menschen, die so nett, so freundlich aussehen, mit warmen braunen Augen, wie man sich einen lieben Onkel vorstellt
- und die dann weiß-der-Herr-was böses tu...
lg
:schreibapokalypse: :nano: ich bin dabei!
Skrivo
 
Beiträge: 151
Registriert: 24.02.2013, 19:15

Re: Mysteriöse und schaurige Motive [Projektgruppe]

Beitragvon Naugrim » 06.09.2013, 13:39

Hallo Pferdinand,

Anfangs möchte ich gleich mal ein Zitat vorausschicken.

„Die älteste und stärkste Gefühl der Menschen ist die Angst, und die älteste und stärkste Art der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.“ ~ H.P. Lovecraft

Angst ist zugleich Moviator als auch Bremse in unserem Leben. Daher ist es oft schwer (finde ich) diese glaubhaft in schriftlicher Form darzustellen bzw. auszulösen. Grundsätzlich empfinden ich Orte/Wesen oft als gruslig, wenn ich nur wenig bis gar nichts darüber weiß bzw. durch Mythen oder Legenden sowieso schon mit unnatürlichem bzw. übernatürlichem verbinde. Mit der Angst vor dem Unbekannten lässt sich oft ganz gut arbeiten. Grundsätzlich kann jeder Ort und jedes Wesen gruselig sein solange man es "richtig einpackt".

Ein Beispiel.:

Durch die untergehende Sonne wirft die alte Weide lange Schatten über den Hügel.

Nicht besonders mysteriös oder? :lol:

Im Abendwind tanzen die Schatten der alten Weide wie tausende kleine Dämonen auf dem von der Abendsonne blutrot gefärbten Hügel.

Klingt da schon besser ;)

Wie gesagt... wenn du es richtig einpackst kannst du praktisch jeden Ort verwenden.

Grundsätzlichen würde ich zu den Orten noch Kirchen und Burgruinen nehmen.

In Sachen Kreaturen: Schrate, Spinnen und viell. mal mit Lovecrafts Cthulu Mytos auseinandersetzten.

Hoffe es war was dabei für dich/euch...

Lg Naugrim
Naugrim
 
Beiträge: 7
Registriert: 29.08.2013, 08:49
Wohnort: Linz

Nächste

Zurück zu Recherche

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste