[Spannung]Narrenblock

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[Spannung]Narrenblock

Beitragvon Erich » 20.07.2015, 18:11

Hallo,
da ich eine alte Geschichte von mir überarbeitet habe (ist nicht schwer zu erraten, um welche es sich handelt 8) ), wollte ich nun gerne die neue Version posten. Für Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar. LG Erich :D

Narrenblock

Lisa knipste ihre Nachttischlampe an. Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durch schlafen, und nun meldete sich ihre Blase. Einen Moment spannte Lisa die Beckenmuskeln an, erkannte aber schnell, dass es aussichtslos war. Sie würde die Nacht nicht durchhalten. Warum hatte sie nicht an einen Eimer gedacht?! Sie schlug die Decke zurück und setzte sich auf. Kurz schoss ihr das scheußliche Ding, das unter ihrem Bett hauste, durch den Kopf. Doch das machte Lisa schon lange keine Angst mehr. Sie hatte es Tim getauft. Das hatte sie von ihrem Vater erklärt bekommen. Gib dem Ding einen Namen, dann verliert es seinen Schrecken. Außerdem wusste Lisa, dass Tim nicht real war. Es gab ihn nicht. Sie war nun dreizehn und Tim war schon seit ihrem elften Lebensjahr nicht mehr wirklich präsent. Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte einweisen lassen müssen.
Aber mit dreizehn hatte man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt. Lisa schlüpfte in ihre Hausschuhe, streifte sich ihren dunkelblauen Pyjama zurecht und ging auf die Tür zu. Es war nicht Tim, vor dem sie Angst hatte ... es war das Bild im Vorzimmer. Das Bild des Narrenblocks. Ihr Vater hatte das Gemälde vor Jahren auf einem Flohmarkt erworben und war ganz begeistert gewesen. Er hatte ihr erzählt, dass der Narrenblock im neunzehnten Jahrhundert eine der ersten und modernsten Einrichtung für geistig behinderte Menschen war, doch leider sei es dann zu einem fürchterlichen Brand gekommen. Mehr erzählte er Lisa nicht und mehr wollte sie auch nicht wissen.
Sie fand das Bild unheimlich, schon damals, aber seit der Sache mit Tim mied sie es. Natürlich war das eigentlich absurd, aber sie hatte das Gefühl, dass das Bild nach ihr gierte. Es wusste, dass sie dort hinein gehört. In den Narrenblock. Zögernd öffnete Lisa die Tür. Die Wohnung war dunkel. Sie schaltete das Licht im Wohnzimmer an und fühlte sich etwas besser, doch gleichzeitig war ihr klar, um zur Toilette zu gelangen, musste sie durchs Vorzimmer. Vorbei an dem Bild. Und hier hatte sie nicht die Möglichkeit, Licht zu machen, nicht bis sie an dem Bild vorbei war. Der Schalter befand sich direkt neben der Eingangstür. Langsam näherte sich Lisa dem Vorzimmer, bog um die Ecke und richtete den Blick starr zu Boden. Um nichts in der Welt wollte sie das Bild betrachten. Sie holte tief Luft, stürmte nach vorne und war sich plötzlich sicher, wenn sie den Lichtschalter betätigt, käme kein Licht. Die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art und sie wäre in der Ecke gefangen – zusammen mit dem Bild! Ihre Finger erreichten den Schalter, drückten ihn und … die hundert Watt Birne flutete den Raum. Lisa lehnte sich an die Eingangstür und keuchte. Sie spürte wie ihr das Licht Sicherheit gab und ihre Angst langsam kleiner wurde. Jetzt würde sie gehen und ihre Blase erlösen. Stattdessen steuerte sie direkt auf das Bild zu. Die Angst war nun wie weggeblasen. Es war nicht nur das Licht, hätte man sie gefragt, hätte sie es nicht begründen können. Es war ein Gefühl, als würde sie etwas locken und heimlich an ihr ziehen. Sie wollte, nein musste, es betrachten. Sie machte den letzten Schritt, drehte sich zur Seite und blickte direkt auf das Bild.
Es stammte wohl aus der Zeit, als der Bau noch genutzt wurde. Ein gewaltiger Komplex.
Davor befand sich eine Grünanlage mit Bäumen. Lisa tippte auf Apfelbäume. Ja, ganz bestimmt sogar, es waren Apfelbäume. Plötzlich konnte sie die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, das leise Ächzten der Äste hören. Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch der Wiese und der Äpfel in den Bäumen wahr. Auf den Ästen saßen Vögel. Sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll. Ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und lauter wurde. Es war das Raunen der Insassen! Und es ging mit einem beißenden Gestank einher. Lisa riss die Augen auf und sah, wie der Komplex in Flammen stand. Hinter den vergitterten Fenstern tobten die Insassen, gafften, kreischten, pressten ihre Leiber gegen die Stäbe und versuchten nach Lisa zu greifen.
Sie starrte auf das Bild, spürte die Hitze, nahm den Gestank des Brandes und der Häftlinge wahr und fühlte es auf einmal ganz deutlich, es war ihr klar, sie war ein Teil des Bildes. Sie befand sich im Narrenblock.

Vorsichtig öffnete Erwin die Tür zu seiner Wohnung. Er war auf eine Fontäne an Vorwürfen gefasst. Und hatte er sie nicht verdient? Nicht nur, dass er seine Tochter die Nacht alleine gelassen hatte, war er nun auch zwei Stunden zu spät nach Hause gekommen. Doch als er die Wohnung betrat, war da kein Schreien oder Schimpfen. Erwin runzelte die Stirn. „Lisa? Hallo?“ Er schlüpfte aus seinen Schuhen und marschierte durchs Vorzimmer. „Lisa? Alles okay?!“ Vielleicht war sie in ihrem Zimmer und schlief? Aber auch das stand leer und das Bett war nicht gemacht. Er suchte die restliche Wohnung ab. „LISA?!“ Niemand war da. Erwin griff zum Telefon und wählte die Nummer ihres Handys. Es läutete. Doch leider nicht nur am Ende der Leitung, sondern auch in Lisas Zimmer. Erwin legte auf, zögerte einen Moment und wählte die Nummer der Polizei. Während er durch die Wohnung stapfte und darauf wartete, dass sich endlich jemand meldet, nahm er langsam einen seltsamen Geruch wahr. Er musste aus dem Vorzimmer kommen. Erwin betrat es erneut und sah nun, was es mit dem Geruch auf sich hatte. Die Decke des Vorzimmers war mit Brandspuren überseht, die seitlich die Wand hinab verliefen. Sein Blick folgte ihnen. „Polizeikommissariat Dresden?!“ Das Telefon glitt ihm aus der Hand. Die Brandspuren endeten direkt über dem Bild des Narrenblocks. Erwin betrachtete es fassungslos. Es hatte sich verändert. Nun war die Anstalt im Moment des Brandes zu sehen. Es zeigte die Insassen, wie sie hinter den Fenstern wüteten, während der ganze Komplex in Flammen stand. Erwin machte einen Schritt auf das Bild zu und kniff die Augen zusammen. Eine der Gestalten hinter den Fenstern ... Seine Augen weiteten sich. Das war ein Mädchen! Ganz bestimmt sogar. Es war höchstens dreizehn, trug einen blauen Pyjama und starrte Erwin mit ausdruckslosem Blick aus dem Bild heraus an.
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Re: Narrenblock

Beitragvon Anchesa » 21.07.2015, 21:59

Hey :)
Der Name der Geschichte hat mich neugierig gemacht, deshalb habe ich sie gelesen und möchte sie nun kommentieren. Es ist mein erstes Kommentar, ich hoffe, du bist nachsichtig mit mir und ich kann dir ein wenig helfen :)

Also erstmal insgesamt: die Idee der Geschichte gefällt mir gut, auch wenn es sie so schon in vielen Horrorkurzgeschichten gibt. Doch du hast sie gut umgesetzt und auch der Gänsehautmoment am Ende gefällt mir. Was ich nicht ganz verstehe: wieso genau hat Lisa Angst vor dem Bild? So wie ich das verstanden habe, zeigt es doch eigentlich nur diesen Block, aber der dürfte ja als modernes Psychatriegebäude einfach aussehen wie ein weißer Betonkomplex mit Bäumen davor oder nicht? Es wird zwar deutlich, warum sie inhaltlich Angst davor hat, aber nicht, wieso jetzt ausgerechnet das Bild so eine gruselige Aura ausstrahlt.

Nun eher zu Kleinigkeiten:
Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durch schlafen, und nun meldete sich ihre Blase.

Das "und" passt hier nicht so gut, es liest sich ergänzend, dabei sind die beiden Sätze ja eigentlich gegenteilig.
Warum hatte sie nicht an einen Eimer gedacht?!

Der Satz hat mich beim lesen total stutzig gemacht. Einerseits passt er in eine gruselige Geschichte, die ja oft auch mit leicht absurden / übertriebenen Elementen arbeitet, allerdings mutet dieser Gedanke für eine 13 Jährige sehr seltsam an. Auch, wenn sie angeblich vor "Tim" keine Angst mehr hat.

Aber mit dreizehn hatte man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.

"sein Mädchen" klingt wie ein Perspektivwechsel hin zu dem Vater. Ist etwas inkonsistent in diesem Satz.

Sie fand das Bild unheimlich, schon damals, aber seit der Sache mit Tim mied sie es.

Hier fragt man sich unweigerlich: wieso? Was hat das Monster unter dem Bett damit zu tun? Oder hatte sie einfach Angst, dass sie selbst in den Narrenblock eingewiesen wird? Das wird nicht ganz klar. Auch die nachfolgenden Sätze spielen mir fast schon zu sehr auf das Ende an, vielleicht könnte man das irgendwie umformulieren noch?

Um nichts in der Welt wollte sie das Bild betrachten. Sie holte tief Luft, stürmte nach vorne und war sich plötzlich sicher, wenn sie den Lichtschalter betätigt, käme kein Licht. Die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art und sie wäre in der Ecke gefangen – zusammen mit dem Bild!

Die Stelle gefällt mir gut, ich denke, du könntest die Spannung da noch weiter ausbauen. ich würde das "etwas in der Art" streichen und noch durch zwei drei Beispiele ersetzen, die die Geschwindigkeit erhöhen, um so ihre vor Angst rasenden Gedanken zu illustrieren. Sie scheint ja ein Mädchen mit viel Fantasie zu sein, sie kann sich da noch viel mehr reinsteigern.

Jetzt würde sie gehen und ihre Blase erlösen. Stattdessen steuerte sie direkt auf das Bild zu.
Auch hier passen die beiden Sätze nicht. Ich weiß nicht, ob das gewollt so ist, aber es klingt irgendwie einfach nicht flüssig, also man muss die beiden Sätze zweimal lesen und das stört den Lesefluss ein wenig.

Plötzlich konnte sie die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, das leise Ächzten der Äste hören. Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch der Wiese und der Äpfel in den Bäumen wahr. Auf den Ästen saßen Vögel. Sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll.

Den Absatz finde ich klasse, dieses Gefühl der Sicherheit und dann - bamm.

Hinter den vergitterten Fenstern tobten die Insassen, gafften, kreischten, pressten ihre Leiber gegen die Stäbe und versuchten nach Lisa zu greifen.

Hier könntest du die Insassen noch gruseliger und ekliger beschreiben, das bietet noch Potenzial. Außerdem verwirrt das "versuchten nach Lisa zu greifen" etwas. Wenn der Komplex so groß ist und dafür noch Apfelbäume stehen, dann können die INsassen ja gar nicht so groß dargestellt werden und sind ja auch räumlich weit weg. Versuchen sie dann nicht eher aus den Gitterfenstern abzuhauen?

und fühlte es auf einmal ganz deutlich, es war ihr klar, sie war ein Teil des Bildes. Sie befand sich im Narrenblock.

Den Teil würde ich streichen. Du nimmst damit den Schreckmoment vom Ende vorweg.

Nicht nur, dass er seine Tochter die Nacht alleine gelassen hatte, war er nun auch zwei Stunden zu spät nach Hause gekommen.
Die Satzstellung ist nicht ganz korrekt. Und ich weiß nicht, ob das mit den zwei Stunden nicht eine überflüssige Info ist: wenn er eh die ganze Nacht weg ist, wird er ihr ja kaum gesagt haben, er sei Punkt 9 Uhr wieder da. Und selbst wenn, ist diese Info nicht so relevant für die Geschichte, deshalb würde ich es glaube ich streichen.

Erwin griff zum Telefon und wählte die Nummer ihres Handys. Es läutete. Doch leider nicht nur am Ende der Leitung, sondern auch in Lisas Zimmer. Erwin legte auf, zögerte einen Moment und wählte die Nummer der Polizei.

Hier könntest du noch ein bisschen auf Erwins Gefühle eingehen: er bekommt bestimmt Panik, wo seine Tochter ist oder nicht? Außerdem hat er sie allein gelassen, da bekommt er ja auch noch Ärger mit dem Jugendamt etc.

einen seltsamen Geruch wahr
Brandgeruch ist sehr charakteristisch und ich glaube, er könnte ihn direkt identifizieren. Unser Frühwarnsystem ist ja vor allem auf Gerüche wie Verwesung und Feuer gepolt.

Seine Augen weiteten sich. Das war ein Mädchen! Ganz bestimmt sogar. Es war höchstens dreizehn, trug einen blauen Pyjama und starrte Erwin mit ausdruckslosem Blick aus dem Bild heraus an.

Das mit dem blauen Pyjama gefällt mir super gut. Ich denke, du könntest das als einzigen Hinweis lassen und den Rest streichen, das würde das Ende nochmal ein bisschen spannender machen und den Schock vergrößern. Also nur: seine Augen weiteten sich: hinter einen der Gitter erkannte er ein Mädchen im blauen Pyjama, die Augen ausdruckslos und leer.
Oder so in der Art.

Ich hoffe, meine Kommentare helfen dir ein bisschen! Wie gesagt, insgesamt gefällt mir die Geschichte gut und ich bin sowieso ein Fan von Horror / Gruselgeschichten, deshalb freue ich mich auch schon auf deine nächste :)
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Re: Narrenblock

Beitragvon Hurri » 22.07.2015, 11:11

Hallo Erich,

hier nun auch mein Kommentar zu deiner Geschichte.

Im Grunde kann ich mich Anchesa vollkommen anschließen. Die Idee der Geschichte und auch die Umsetzung sind gelungen, aber über manche Sätze bin auch ich gestolpert. Ich wiederhole Anchesas Punkte jetzt nicht, sondern ergänze nur noch:

Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte einweisen lassen müssen.

Vielleicht solltest du ihre Panik weiter ausführen. Denn nur weil ein 11-jähriges Mädchen Angst vor einem Monster unter dem Bett hat, lässt man es nicht gleich einweisen. Das geht wohl vielen Kindern so. Da muss schon etwas Drastischeres passieren (sie kann tagelang nicht schlafen, meidet ihr Zimmer, zieht sich zurück etc.)

Aber mit dreizehn hatte man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.

An dem Satz solltest du unbedingt arbeiten. Zum einen springst du munter zwischen den Zeiten hin und her. Zum anderen ist der Satz sehr verschachtelt und man stolpert beim Lesen leicht.
Außerdem finde ich die Formulierung "für eine Nacht auf eine Tagung fahren" etwas paradox :mrgreen:

Sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll. Ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und lauter wurde

Die Sätze sind widersprüchlich - entweder schwillt das Geräusch langsam an oder es kommt plötzlich.

Nicht nur, dass er seine Tochter die Nacht alleine gelassen hatte, er war nun auch zwei Stunden zu spät nach Hause gekommen.


Ganz bestimmt sogar.

Den Satz würde ich streichen oder so was schreiben: "Jetzt erkannte er es genauer."

Außerdem solltest du prüfen, wo du sinnvolle Absätze einfügen kannst, das erleichtert das Lesen. Zum Beispiel am Ende, wo die wörtliche Rede beginnt, als sich die Polizei meldet.

Insgesamt eine gute Gecshichte, aus der du bestimmt noch mehr rausholen kannst. Hoffe ich konnte dir helfen.
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Re: Narrenblock

Beitragvon Beast » 22.07.2015, 19:56

Hallo Erich!
Auch mich hat der Titel neugierig gemacht und die Geschichte hat mir durchaus eine kleine Gänsehaut verpasst.
Lisas Ängste konnte ich recht gut nachvollziehen, ich war auch ein Kind mit lebhafter Fantasie. Ich kann mich heute noch bestens an eine Geschichte erinnern, in der ein Bild ebenfalls ein Eigenleben entwickelt und quasi "lebendig" wird. Danach mochte ich eine ganze Weile keine Gemälde in Häusern... :wink:
Dieses Hinein steigern in kindliche Ängste, wider jegliche Vernunft, hast Du für mich sehr gut beschrieben.

Der Titel hat bei mir übrigens erst einmal ganz andere Assoziationen geweckt. Bei "Narrenblock" dachte ich spontan an einen Schreib- oder Malblock, nicht aber an ein Gebäude. In der ersten Version Deiner Geschichte (die ich inzwischen auch gelesen habe) heißt es ja "Narrenturm". Ich vermute, auf diese reale Einrichtung wolltest Du Dich nicht mehr beziehen, nachdem Du den Brand als dramatisches (und fiktionales) Element hinzugefügt hast?
Mir persönlich gefällt "Der Narrenturm" als Titel ein klein wenig besser, weil die Vorstellung eines von "Narren" bevölkerten Gebäudes, für mich, schon eine gewisse Bedrohlichkeit mitschwingen läßt.

Was ich sehr gut, weil wirklich sehr beängstigend, fand, war die Idee des Feuers. In einem brennenden Haus eingeschlossen zu sein, ist eine absolute Horrorvorstellung. In einer brennenden historischen "Irrenanstalt" mitsamt den Bewohnern eingeschlossen zu sein, treibt diesen Horror für mich auf die Spitze.

Nachdem ich beide Versionen der Geschichte gelesen habe, bin ich mir nun sicher, daß es eine abgeschlossene Kurzgeschichte sein soll. Das war für mich, nachdem ich zuerst den "Narrenblock" gelesen hatte, erst einmal nicht klar. Dafür erschien mir das Ende zu offen und nicht ganz rund.

Was mich in der überarbeiteten Version allerdings richtig stört ist "die Sache mit Tim". Das ließ mich sehr unbefriedigt zurück, da hätte ich gern mehr drüber erfahren. Mir wurde nicht klar, was Tim mit Lisas Angst vor dem Bild zu tun hat. Ich dachte dabei spontan in Richtung: Ist er einer der verbrannten Insassen? Hat er Lisa eingeflüstert, sie gehöre zu ihnen? Wenn Du etwas in der Art ausarbeiten würdest, wäre das sicherlich sehr schaurig. Denn wenn man als kleines Mädchen von einer lebenden Brandleiche unter dem Bett heimgesucht wird, ist das schon Grund genug, richtig abzudrehen...

Als unpassend empfand ich übrigens Erwin als Namen für Lisas Vater. Erwins sind heutzutage locker 65+ oder Kleinkinder. Für das Alter, das ich mir für den Vater vorstelle, würde etwas wie Thomas, Michael, Andreas gebräuchlich sein.

Ich denke, wenn Du Dir die Geschichte noch einmal vornimmst und sie überarbeitest, kann Du noch mehr Gänsehaut und Lesevergnügen raus holen. Zu Formulierungen haben Anchesa und Hurri ja schon viel hilfreiches angemerkt. 8)
Etwas Besseres als den Tod findest Du überall.
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Re: [Spannung]Narrenblock

Beitragvon Oragon » 10.08.2015, 13:25

Hallöchen Erich,
der Titel deiner Geschichte hat mich gleich mal neugierig gemacht. Dann fand ich noch heraus, dass es eine Horrorgeschichte ist und ich dachte mir yeahi .. Jackpot :D

Gleich vorab: Als ich den Namen der Protagonistin gelesen habe, dachte ich mir sofort "Na super, noch irgendeine Lisa". Das sind eben solche Namen, die man in jedem Film, in jeder Serie oder in jedem Buch hört. Vielleicht wären etwas exotischere Namen hier von Vorteil, damit die Figur im Gedächtnis hängen bleibt. Aber da es sich hier um eine Kurzgeschichte handelt, geht das schon in Ordnung so :)

Schreibstil:

Dein Schreibstil passt wirklich perfekt zu spannenden Geschichten. Du versetzt den Leser genau an den Ort des Geschehens, und steckst ihn mit deinen Beschreibung in die Haut der Protagonistin. Ich war gleich nach den ersten paar Sätzen gefesselt, und sowas schaffen nicht viele Autoren!
An spannenden Stellen benutzt du oft kurze, abgehackte Sätze, die machen das spannende noch mal spannender, wirklich gut gewählt.
Geschichte:

Die Geschichte ist wirklich klasse, und habe ich so direkt noch nie irgendwo gelesen oder geschaut (und das als Horrorfanatiker). Lediglich der Ablauf ist mir bekannt, Kind hat Angst vor einem Bild oder einer Malerei oder Ähnlichem und wird dann dort drin gefangen. Aber hey, wenn mir jemand eine Horrorgeschichte mit einer komplett neuen noch nie dagewesen Geschichte schreibt, dann bekommt dieser jemand von mir persönlich einen Orden verliehen :D

Nun ein paar genauere Details:

Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durch schlafen, und nun meldete sich ihre Blase.


Hier würde ich schreiben: "Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durch schlafen. Nun meldete sich ihre Blase."
Klingt so ein bisschen besser noch meiner Meinung nach!

Warum hatte sie nicht an einen Eimer gedacht?!


Diesen Gedanken finde ich etwas sinnlos, Entschuldigung. Ich dachte zuerst, jetzt kommt in den folgenden Sätzen, dass Lisa eine Behinderung hat und nur schwer bis gar nicht laufen kann, dann hätte es Sinn gemacht. Doch mit 13 einen Eimer neben das Bett stellen, nur weil man Angst vor einem Bild hat? Wenn ihr Vater da wäre, müsste sie ja auch an dem Bild vorbei um das Klo zu erreichen. Also diesen Satz meiner Meinung nach einfach streichen :)

Kurz schoss ihr das scheußliche Ding, das unter ihrem Bett hauste, durch den Kopf.


Müsste es nicht heißen "gehaust hat"? Sie weiß ja nun, dass es Tim nicht mehr gibt oder? Kann auch sein, dass ich mich irre, doch so steht es zumindest in den folgenden Zeilen. Durch das "hauste" klingt es nämlich so, als wäre Tim immer noch dort unten.

Ihr Vater hatte das Gemälde vor Jahren auf einem Flohmarkt erworben


Vor Jahren? Wirklich? :shock: Wieso genau passiert Lisa das folgende Ereignis erst jetzt? War es wirklich seit Jahren die erste Nacht in der sie alleine war? Und musste sie in diesen Jahren nicht auch einmal nachts aufs Klo als ihr Vater schon schlief? Vielleicht würde "vor ein paar Wochen" besser passen, aber das ist nur meine Meinung.

die hundert Watt Birne flutete den Raum.


Hier nur ein Lob, ich finde diesen Satz wirklich super, eine schöne Beschreibung für einen plötzlich heller werdenden Raum :)

Doch als er die Wohnung betrat, war da kein Schreien oder Schimpfen.


Wieso sollte Lisa auch schreien oder schimpfen? War sie nicht schon lange im Bett gelegen? Und auch wenn das Bild sie nicht verschluckt hätte, würde sie schon lange schlafen oder nicht?


Mehr gibt es nicht zu meckern, trotz meiner kleinen Anmerkungen eine wirklich sehr gut gelungene Kurzgeschichte, ich bin begeistert. Sitze ich mal wieder bei einem Lagerfeuer, werde ich nicht zögern und diese Geschichte der Runde erzählen! :D Ich hoffe meine Kritik konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Viele liebe Grüße,
Oragon
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Re: [Spannung]Narrenblock

Beitragvon Samis » 08.10.2015, 13:09

Hallo Erich,

anbei findest du meine Gedanken zu deiner Geschichte. Ich fand sie spannend und habe sie gerne gelesen. Manches erschien mir jedoch unschlüssig oder würde ich anders formulieren. Dennoch eine gute Arbeit mit Potenzial. Weiter so!

Beste Grüße,
Samis



Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durch schlafen, und nun meldete sich ihre Blase.

Hier würde ich versuchen, dass zweite `sie´ zu vermeiden und aus dem `und´ ein aber machen.

Etwa so: Sie war sich sicher, die Nacht durchschlafen zu können, nun aber meldete sich ihre Blase.



Kurz schoss ihr das scheußliche Ding, das unter ihrem Bett hauste, durch den Kopf. Doch das machte Lisa schon lange keine Angst mehr.

Das sie sich nun nicht mehr davor fürchtet, könnte ein `ehemals´ vor scheußlich hilfreich sein.



Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte einweisen lassen müssen.

Das schein mir ein wenig überzogen. Vielleicht wäre es besser, es mehr als unwahrscheinliche Befürchtung darzustellen.

Eine Zeit lang war es mit dem Monster unterm Bett jedoch wirklich schlimm gewesen, und Lisa hatte sogar gefürchtet, ihr Vater würde sie deswegen in eine Anstalt einweisen.



Natürlich war das eigentlich absurd, aber sie hatte das Gefühl, dass das Bild nach ihr gierte.

Natürlich und eigentlich beißen sich. Hier würde auf eigentlich verzichten.



Sie holte tief Luft, stürmte nach vorne und war sich plötzlich sicher, wenn sie den Lichtschalter betätigt, käme kein Licht.

Die Befürchtung, dass kein Licht `kommt´, klingt nicht gut. Licht kommt nicht. Kommen ist ein eher längerer Vorgang. Eingeschaltetes Licht hingegen ist augenblicklich da. Zudem sollte auch das Betätigen des Schalters im Konjunktiv stehen, glaube ich.

Sie holte tief Luft, dann stürmte Lisa nach vorne und war sich sicher, dass keine Licht aufflammen würde, wenn sie den Lichtschalter erreichen und betätigen würde.



Die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art und sie wäre in der Ecke gefangen – zusammen mit dem Bild!


Hier würde ich eine zweite Möglichkeit aufführen, das steigert die Aussage. Und mit einem simplen `dunklen´ vor der Eck, könntest du den Leser nochmals auf den Kern der Befürchtung hinweisen.
Die Lampe würde durchbrennen, der Schalter klemmen, irgend etwas in der Art und sie wäre in der dunklen Ecke gefangen – zusammen mit dem Bild!



Jetzt würde sie gehen und ihre Blase erlösen. Stattdessen steuerte sie direkt auf das Bild zu.

Die Dringlichkeit, ihre Blase zu erleichtern, würde ich deutlicher hervorheben und den plötzlichen Sinneswandel kurz einläuten.

Endlich könnte sie schnurstracks zur Toilette eilen und ihre Blase erlösen.
Doch es kam ganz anders. Lisa steuerte direkt auf das Bild zu.



Sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll. Ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und lauter wurde.

Das passt nicht ganz: Zuerst schwillt es langsam an und dann ist es plötzlich da.



Es war das Raunen der Insassen!

Das vorgestellt `Es war´, klingt nicht gut. Das würde ich streichen.
Schlicht: Das (entsetzliche) Raunen der Insassen!



Hinter den vergitterten Fenstern tobten die Insassen, gafften, kreischten, pressten ihre Leiber gegen die Stäbe und versuchten nach Lisa zu greifen.

Gaffen finde ich hier unpassend. Schaulustige gaffen. Menschen, die mit dem Tod konfrontiert sind, eher nicht.



Sie starrte auf das Bild, spürte die Hitze, nahm den Gestank des Brandes und der Häftlinge wahr und fühlte es auf einmal ganz deutlich, es war ihr klar, sie war ein Teil des Bildes. Sie befand sich im Narrenblock.

Zwischen Insassen einer Heilanstalt und Häftlingen besteht ein Unterschied. Ich würde bei Insassen bleiben. Zudem würde ich den Gestank, den Lisa wahrnimmt, klarer auf das Verbrennen beziehen. Nicht das am Ende noch einer auf die Idee kommt, die armen Insassen an sich würden stinken.



Er war auf eine Fontäne an Vorwürfen gefasst. Und hatte er sie nicht verdient? Nicht nur, dass er seine Tochter die Nacht alleine gelassen hatte, war er nun auch zwei Stunden zu spät nach Hause gekommen.

Die Fontäne scheint mir hier etwas unglücklich gewählt. Da gibt es sicher passendere Worte, zudem glaube ich, dass eine derartige Übersteigerung hier gar nicht nötig ist. Auch würde ich es nicht als Frage formulieren, ob diese eventuell kommenden Vorwürfe gerechtfertigt sind.

Er war auf Vorwürfe seiner Tochter gefasst und hatte sie vielleicht sogar verdient. Nicht nur, dass er sie wieder allein gelassen hatte, nun war er auch noch zwei Stunden zu spät.



Er suchte die restliche Wohnung ab. „LISA?!“ Niemand war da.

Niemand war da, lässt mich an mehrere Personen denken. Dabei dreht es sich doch allein um Lisa.

Beunruhigt suchte Ervin die restliche Wohnung ab, konnte seine Tochter jedoch nirgends finden.



Erwin griff zum Telefon und wählte die Nummer ihres Handys. Es läutete. Doch leider nicht nur am Ende der Leitung, sondern auch in Lisas Zimmer.

Von der Warte des Vaters aus gesehen, ist das Ende der Leitung ebenfalls das Handy in Lisas Zimmer, oder?

Ervin hörte jedoch nicht nur das Freizeichen an seinem Ohr, Lisas Handy läutete in ihrem leeren Zimmer.



Während er durch die Wohnung stapfte und darauf wartete, dass sich endlich jemand meldet, nahm er langsam einen seltsamen Geruch wahr. Er musste aus dem Vorzimmer kommen.


Stapfen kling für mich eher schwerfällig und träge. Der Vater ist im Moment sicher eher aufgeregt und beunruhigt. Auch würde ich es verdeutlichen, dass der Brandgeruch schon die ganze Zeit über da war.

Während er unruhig durch die Wohnung lief und darauf wartete, dass endlich jemand abnahm, drang allmählich der eigenartige Geruch zu seinem Verstand vor, den er unbewusst seit dem Betreten der Wohnung wahrgenommen hatte. Er kam aus dem Vorzimmer.



Erwin betrat es erneut und sah nun, was es mit dem Geruch auf sich hatte. Die Decke des Vorzimmers war mit Brandspuren überseht, die seitlich die Wand hinab verliefen.

Das Vorzimmer nur zu `betreten´ und die Brandflecken nur zu `sehen´, halte ich angesichts des Umstandes, spät nachts in der eigenen Wohnung Brandgeruch wahrzunehmen, wo zudem die Tochter vermisst wird, für etwas zu dünn.

Erwin eilte dort hin zurück und stellte mit Entsetzen fest, dass die gesamte Zimmerdecke mit Brandspuren überseht war.



Eine der Gestalten hinter den Fenstern ... Seine Augen weiteten sich. Das war ein Mädchen! Ganz bestimmt sogar.

Hier würde ich sofort klarstellen, dass er seine Tochter auf dem Bild erkannt hat und nicht erst irgend ein Mädchen.

Eine der Gestalten hinter den Fenstern – seine Augen weiteten sich – war sein kleines Mädchen! Ganz bestimmt sogar!
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