[Spannung]Narrenturm

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung]Narrenturm

Beitragvon Erich » 26.06.2014, 11:12

Hallo,
ich wollte auch gerne wieder mal eine Geschichte posten und freue mich über Kritik ... :D

LG
Erich

Narrenturm

Der Wecker auf dem Nachttisch gab Lena zu verstehen, dass es zwei Uhr in der Früh war. Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durchschlafen und jetzt saß sie aufrecht in ihrem Bett. Ihre Blase war zum Bersten gefüllt und sie verfluchte sich dafür, keinen Eimer mit in ihr Zimmer genommen zu haben. Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst. Sie hatte sie Tim getauft. Das hatte sie von ihrem Vater erklärt bekommen. Gib ihr einen Namen, das nimmt der Kreatur den Schrecken. Außerdem war Lena klar, dass Tim nicht real war. Es gab ihn nicht, sie war nun dreizehn und Tim war schon seit ihrem zehnten Lebensjahr nicht mehr wirklich präsent. Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte stationär behandeln lassen müssen. Aber mit dreizehn hat man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt. Lena drehte die Nachttischlampe an, ihre Blase würde jeden Moment platzen, sie setzte die Füße auf den Boden und wartet einen Moment, ob Tim mit seinen Fangarmen nach ihr schnappen würde. Natürlich tat er es nicht, er tat es nie.
Die Tür ihres Zimmers hatte sie abgesperrt. Sie ging die paar Schritte zur Tür, drehte vorsichtig den Schlüssel im Schloss und hielt inne. Es war nicht Tim, der ihr Angst machte, es war das Bild im Vorzimmer. Das sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand. Es war das Bild des Narrenturms. Ihr Vater fand das Bild scheinbar passend, um sich des Fortschritts der Medizin bewusst zu sein. Aber seit Lena wegen ihrer Angst fast stationär behandelt worden wäre, war ihr klar, dass das Bild nach ihr gierte. Noch schlimmer war, dass die Angst vor dem Bild, die Bestätigung für sie und das Bild war, dass sie dort hin gehörte, das sie in das Bild gehörte, in den Narrenturm.
Sie öffnete die Tür ging durchs Wohnzimmer und nährte sich dem Vorzimmer. Sie wusste, sie konnte kein Licht im Vorzimmer machen, ohne an dem Narrenturm vorbei zu kommen, da sich der Lichtschalter neben der Eingangstür befand. Sie betrat das Vorzimmer, blickte starr zu Boden und stürzte vor zum Lichtschalter. Sie hatte oft in der Nacht auf die Toilette müssen, vorbei an dem Bild, doch normalerweise war ihr Vater zu Hause und auch wenn er schlief, hätte sie nur schreien müssen ..., aber jetzt war niemand hier. Plötzlich war ihr klar, wenn sie den Schalter betätigte, würde kein Licht angehen, die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art, sie wäre mit dem Bild in der Ecke gefangen, sie wusste es. Sie hechtete nach vorne, ihre Finger erreichten den Schalter, drückten ihn und die Hundert-Watt-Birne flutete das Vorzimmer. Die Angst war weggeblasen, es war nichts. Sie drehte sich um, wollte das Klo betreten, ihre Blase erlösen, stattdessen steuerte sie direkt auf das Gemälde zu, betrachtete es. Es musste aus der Zeit stammen, als der Turm noch genutzt wurde. Er war gewaltig, ein gewaltiger Komplex. Einige Bäume standen davor und Lisa war sich sicher, dass es sich um Apfelbäume handelt, sie konnte die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, hören wie die Äste ächzten. Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch wahr – Äpfel, es waren ganz klar Apfelbäume – in den Ästen saßen Vögel, sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll, ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und nun lauter wurde. Es war das Raunen der Insassen. Es stieg an, wurde zu einem Kreischen, durchdringend, unerträglich. Lena riss die Augen auf, und da waren sie, die Gestalten, sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turms, wie sie gafften, grinsten, ihre Leiber, die sich gegen die Gitter der Fenster pressten und versuchten Lena zu packen. Nur am Rande merkte sie, wie es zwischen ihren Schenkeln warm herunter lief, sich eine Pfütze bildete, in der sie stand. Speichel tropfte von ihrer bebenden Unterlippe, sie starrte auf das Bild, auf die tobenden Fratzen, roch den Gestank der Häftlinge, den modrigen Geruch der Turmmauern und fühlte es deutlich, es war ihr klar, sie war ein Teil des Bildes. Sie befand sich im Turm.

Dr. Michael Windisch betritt um 12:45 Uhr seine Wohnung in der Pfalzgasse 13. Verärgert über die Tatsache, dass trotz schönen Wetters Licht im Vorzimmer brennt und verwundert über eine Lacke die er entdeckt, beginnt er, nach mehrfachem Rufen, die Wohnung nach seiner Tochter Lena abzusuchen. Als er ein Geräusch unter dem Bett der Tochter wahrnimmt, bückt er sich und entdeckt eine kauernde Gestalt. Als diese sich zu ihm wendet, begreift er, dass es sich um seine Tochter handelt, die ihn nicht erkennt und mit aufgerissenen Augen ins Leere starrt.
Zuletzt geändert von Erich am 26.06.2014, 17:39, insgesamt 1-mal geändert.
Every Night and every Morn
Some to Misery are Born.
Every Morn and every Night
Some are Born to sweet delight.
Some are Born to sweet delight,
Some are Born to Endless Night. - William Blake
Benutzeravatar
Erich
 
Beiträge: 54
Registriert: 26.08.2013, 15:48
Wohnort: Wien

Re: Narrenturm

Beitragvon DrJones » 26.06.2014, 15:26

Hallo Erich!

Auch ein Bukowski-Freund?

Ich habe ein paar Anmerkungen zu Deiner spannenden Geschichte, die mir gut gefallen
hat.

Narrenturm


Wer ist in der Geschichte der Narr?

Der Wecker auf dem Nachttisch gab Lena zu verstehen, dass es zwei Uhr in der Früh war.


Klingt etwas zu kompliziert. Besser so?: Lena sah auf ihren Wecker: Zwei Uhr in der Früh.

Sie war sich sicher, sie würde die Nacht durchschlafen und jetzt saß sie aufrecht in ihrem Bett.


"und" durch "doch" ersetzen?

Ihre Blase war zum Bersten gefüllt und sie verfluchte sich dafür, keinen Eimer mit in ihr Zimmer genommen zu haben.


Dramatische Frage: Was ist mit Lena, dass sie einen Eimer nimmt? In welcher Zeit spielt das?
Die Fragen wurden für mich nicht wirklich beantwortet. Vielleicht im Subtext?

Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen.


Recht kompliziertes Gefüge ...

Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst. Sie hatte sie Tim getauft.


Okay, sie hat keine Angst ... Warum sollte ich dann als Leser Angst haben?

Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte stationär behandeln lassen müssen.


Weshalb Konjunktiv? Besser so?: Damals war es fast so schlimm mit ihr, dass ihr Vater sie schon stationär
behandeln lassen wollte.

Aber mit dreizehn hat man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.


Gute Innensicht eines unsicheren Mädchens. :D

Lena drehte die Nachttischlampe an,


In welcher Zeit spielt das? Ansonsten: Lena knipste ...

ihre Blase würde jeden Moment platzen, sie setzte die Füße auf den Boden und wartet einen Moment, ob Tim mit seinen Fangarmen nach ihr schnappen würde.


Na, ist das so schlimm, dass gleich die Blase platzt?

Sie ging die paar Schritte zur Tür, drehte vorsichtig den Schlüssel im Schloss und hielt inne. Es war nicht Tim, der ihr Angst machte, es war das Bild im Vorzimmer. Das sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand.


Gut, es geht um ein Bild. Zwischen die letzten beiden Sätze am besten ein Komma.


Noch schlimmer war, dass die Angst vor dem Bild, die Bestätigung für sie und das Bild war, dass sie dort hin gehörte, das sie in das Bild gehörte, in den Narrenturm.


Der Satz liest sich nicht so flüssig.

Sie öffnete die Tür, ging durchs Wohnzimmer und näherte sich dem Vorzimmer.

Plötzlich war ihr klar, wenn sie den Schalter betätigte, würde kein Licht angehen, die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art, sie wäre mit dem Bild in der Ecke gefangen, sie wusste es.


Eine üble Vorahnung. Überträgt sich auf mich etwas. Gut! :)

Sie hechtete nach vorne,


Hmmm, klingt mir zu sportlich.

ihre Finger erreichten den Schalter, drückten ihn und die Hundert-Watt-Birne flutete das Vorzimmer.


Du legst einen zu starken Fokus auf diese Lampe und den Schalter. Es geht aber ums Bild, oder?
Sie musste ja im Dunkeln an dem Bild vorbeigelaufen sein. Da hätte ich sie schon Geräusche hören lassen,
Wind spüren lassen, etc. Außerdem erscheint mir das mit dem Licht nicht 100% logisch, da man sich
im Dunkeln auch vortasten kann, vor allem, wenn's die eigenen vier Wände sind. Und Angst vor der Dunkelheit hat sie ja nicht.

Die Angst war weggeblasen, es war nichts.


Ich dachte, sie hat vor dem Bild Angst? Bei mir ist die Spannung jetzt weg. :cry:

Sie drehte sich um, wollte das Klo betreten, ihre Blase erlösen, stattdessen steuerte sie direkt auf das Gemälde zu, betrachtete es.


Es wird mir hier insgesamt zu sehr auf der Blase rumgeritten. Es geht ums Bild. IMHO

Es musste aus der Zeit stammen, als der Turm noch genutzt wurde.


Nicht so plausibel, dass sie sich jetzt erst Gedanken zu dem Bild macht. Es hängt ja da
schon eine Weile, oder?

Er war gewaltig, ein gewaltiger Komplex. Einige Bäume standen davor und Lisa war sich sicher, dass es sich um Apfelbäume handelt, sie konnte die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, hören, wie die Äste ächzten.


Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch wahr – Äpfel, es waren ganz klar Apfelbäume – in den Ästen saßen Vögel, sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll, ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und nun lauter wurde.


Schöner Übergang. :)

Es war das Raunen der Insassen. Es stieg an, wurde zu einem Kreischen, durchdringend, unerträglich. Lena riss die Augen auf, und da waren sie, die Gestalten, sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turms, wie sie gafften, grinsten, ihre Leiber, die sie sich gegen die Gitter der Fenster pressten und versuchten, Lena zu packen.


hinter pressten: Arme, die versuchten, Lena zu packen.

Nur am Rande merkte sie, wie es zwischen ihren Schenkeln warm herunter lief, sich eine Pfütze bildete, in der sie stand. Speichel tropfte von ihrer bebenden Unterlippe, sie starrte auf das Bild, auf die tobenden Fratzen, roch den Gestank der Häftlinge, den modrigen Geruch der Turmmauern und fühlte es deutlich, es war ihr klar, sie war ein Teil des Bildes. Sie befand sich im Turm.


Ganz gut beschrieben. Das Ende, dass sie jetzt Teil des Bilds ist, kommt mir zu schnell.

Dr. Michael Windisch betritt um 12:45 Uhr seine Wohnung in der Pfalzgasse 13.


Klingt wie ein Polizeibericht, oder Herr Dr. Windisch ist ein Pedant. "13" ist mir zu plakativ.

Verärgert über die Tatsache, dass trotz schönen Wetters Licht im Vorzimmer brennt und verwundert über eine Lacke Lache, die er entdeckt, beginnt er, nach mehrfachem Rufen, die Wohnung nach seiner Tochter Lena abzusuchen.

Als er ein Geräusch unter dem Bett der Tochter wahrnimmt, bückt er sich und entdeckt eine kauernde Gestalt.


Er geht ins Zimmer von Lena. Unter dem Bett seiner Tochter...

Als diese sich zu ihm wendet, begreift er, dass es sich um seine Tochter handelt, die ihn nicht erkennt und mit aufgerissenen Augen ins Leere starrt.



Das finde ich zu genau beschrieben. Besser so?: Die Gestalt wendet sich ihm zu: Lena! Es ist Lena! Mit aufgerissenen Augen starrt sie ins Leere.

Ja, am Ende kommt noch eine interessante Überraschung.

Also insgesamt gut. Das Symbol/Motiv des Narrenturms in Bezug auf Lena habe
ich nicht verstanden.
Benutzeravatar
DrJones
 
Beiträge: 164
Registriert: 14.05.2014, 22:41

Re: Narrenturm

Beitragvon Erich » 26.06.2014, 17:38

Hallo Dr. Jones,

ich möchte dir herzlich für deine Kritik danken und auf deinen Kommentar eingehen. :D

Narrenturm


Ich verstehe das Problem, das du ansprichst. Hier geht es natürlich nicht um einen Narr, im Sinne eines Deppen oder eines Hofnarren. Der Narrenturm war eine Einrichtung für geistig behinderte Menschen. Hier ein Link dazu : http://de.wikipedia.org/wiki/Narrenturm
Sie hat natürlich Angst dort zu landen, weil sie generell an Angststörungen leidet und auch wenn sie, das mit „Tim“ überwunden hat, der ihr zwar immer noch etwas Angst macht, aber zu dem sie mittlerweile auch eine Art Beziehung hat - sie versteckt sich ja am Schluss indirekt bei ihm - geht es eigentlich um ihre Angst wahnsinnig zu werden.

Dramatische Frage: Was ist mit Lena, dass sie einen Eimer nimmt? In welcher Zeit spielt das?
Die Fragen wurden für mich nicht wirklich beantwortet. Vielleicht im Subtext?


Es spielt in der Jetztzeit, sie bereut das mit dem Eimer einfach, weil sie scheinbar das letzte Mal am Klo war, als es hell war und sie nicht daran gedacht hat, dass sie auch in der Nacht vielleicht aufs Klo muss und nicht im Dunkeln am Narrenturm vorbei gehen möchte.


Okay, sie hat keine Angst ... Warum sollte ich dann als Leser Angst haben?


Ich wollte mit der Beziehung zu Tim aufzeigen, dass sie ein Mensch ist, der zu Angststörungen neigt, man soll auch keine Angst vor Tim haben, das Bedrohliche ist der Turm.

Ich dachte, sie hat vor dem Bild Angst? Bei mir ist die Spannung jetzt weg.  


Es geht genau darum, dass nicht jetzt im Dunkeln etwas passiert, denn das erwartet der Leser, es geht darum ihn in Sicherheit zu wiegen und sie dann zu dem Bild gehen zu lassen, anstatt auf das Klo. Aber wenn es für dich als Leser so wirkt, überdenke ich das Ganze nochmals und du hast natürlich recht, dass ich mehr auf das Bild eingehen hätte können, während sie zum Lichtschalter eilt, aber ich wollte, dass das Bild erst nachher zum „Leben“ erwacht.

Nicht so plausibel, dass sie sich jetzt erst Gedanken zu dem Bild macht. Es hängt ja da
schon eine Weile, oder?


Ich gebe dir da schon recht, aber ich wollte eigentlich zeigen, dass sie es sich hier zum ersten Mal wirklich anschaut und es früher gemieden hat.

Klingt wie ein Polizeibericht, oder Herr Dr. Windisch ist ein Pedant. "13" ist mir zu plakativ.


Ich hab die 13 eigentlich nur so genommen, hab jetzt nicht an die Unglückszahl gedacht. Ja, es soll sich wie ein Polizeibericht lesen oder wie der Bericht eines Arztes, denn Lena hat ja eigentlich Angst davor, so zu enden …

 Die Gestalt wendet sich ihm zu: Lena! Es ist Lena! Mit aufgerissenen Augen starrt sie ins Leere.


Das Problem ist, wenn ich hier mit Rufzeichen arbeite, erzeugt es nicht mehr die Stimmung, als würde es sich um den Bericht eines Arztes handeln, also um ein Protokoll.

Die Lacke ist übrigens österreichisches Deutsch, in Deutschland würde man Lache sagen, ja, stimmt, aber ich steh dazu, Ösi zu sein … ;)
http://www.duden.de/rechtschreibung/Lacke

Auch ein Bukowski-Freund?


Ja, Bukowski hat mich sicher sehr geprägt, – so wie viele andere auch – wobei ich thematisch nicht unbedingt seine Schiene fahren würde, außerdem hab ich einfach nicht gewusst, welches Bild ich nehmen soll ... :)

Gerne mache ich von deinen Vorschlägen Gebrauch, danke für deine lange Kritik und die Mühe … :D

LG
Erich
Every Night and every Morn
Some to Misery are Born.
Every Morn and every Night
Some are Born to sweet delight.
Some are Born to sweet delight,
Some are Born to Endless Night. - William Blake
Benutzeravatar
Erich
 
Beiträge: 54
Registriert: 26.08.2013, 15:48
Wohnort: Wien

Re: Narrenturm

Beitragvon DrJones » 28.06.2014, 16:54

Hallo Erich,

Der Narrenturm! Ja, natürlich! Ich hatte es vergessen ... 8)
Dass der Narrenturm in Wien steht und was er ist, ist IMHO ein ziemliches Detailwissen.
Gut, man könnte/sollte das vielleicht wissen, aber die Statistik wird eher bei 70-80%
Unwissenden liegen. Du könntest es in den Subtext packen, indem Du andeutest, wer sich
darin befindet (Die Schreie der "Irren", ...).

ich möchte dir herzlich für deine Kritik danken und auf deinen Kommentar eingehen. :D


Gern' geschehen! Ich hoffe, ich hatte den richtigen Ton getroffen? Ansonsten sorry. :?


Sie hat natürlich Angst dort zu landen, weil sie generell an Angststörungen leidet und auch wenn sie, das mit „Tim“ überwunden hat, der ihr zwar immer noch etwas Angst macht, aber zu dem sie mittlerweile auch eine Art Beziehung hat - sie versteckt sich ja am Schluss indirekt bei ihm - geht es eigentlich um ihre Angst wahnsinnig zu werden.


Jetzt, wo Du's schreibst, verstehe ich das. Vielleicht wäre ein Hinweis aus Sicht der Protagonistin, etwa
wie "Sie fühlte, wie auf sie eine seltsame Anziehungskraft von dem Turm ausging." ganz gut gewesen.

Dramatische Frage: Was ist mit Lena, dass sie einen Eimer nimmt? In welcher Zeit spielt das?
Die Fragen wurden für mich nicht wirklich beantwortet. Vielleicht im Subtext?

Es spielt in der Jetztzeit, sie bereut das mit dem Eimer einfach, weil sie scheinbar das letzte Mal am Klo war, als es hell war und sie nicht daran gedacht hat, dass sie auch in der Nacht vielleicht aufs Klo muss und nicht im Dunkeln am Narrenturm vorbei gehen möchte.


Na ja, die Frage nach dem Eimer bleibt für mich bestehen. In westlichen Ländern benutzt man Eimer
am Bett heutzutage eher selten. VIelleicht irre ich mich da jetzt auch. :oops:


Okay, sie hat keine Angst ... Warum sollte ich dann als Leser Angst haben?

Ich wollte mit der Beziehung zu Tim aufzeigen, dass sie ein Mensch ist, der zu Angststörungen neigt, man soll auch keine Angst vor Tim haben, das Bedrohliche ist der Turm.


Verstanden. Es ist eben dieser Angst-Archetyp "Das Monster unter dem Bett" das hier auf den Kopf
gestellt wird. Ich erinnere mich an den Begriff "zappelnde Scheußlichkeit". Vielleicht sollte dieser Tim
eher positiv dargestellt werden. Nur so eine Idee ins Blaue. :o


Nicht so plausibel, dass sie sich jetzt erst Gedanken zu dem Bild macht. Es hängt ja da
schon eine Weile, oder?

Ich gebe dir da schon recht, aber ich wollte eigentlich zeigen, dass sie es sich hier zum ersten Mal wirklich anschaut und es früher gemieden hat.


Könntest Du wirklich schreiben, wie sie das Bild sonst immer aus dem Augenwinkel betrachtet, aber diesmal
wendet sie sich ihm zu, oder so ...

Klingt wie ein Polizeibericht, oder Herr Dr. Windisch ist ein Pedant. "13" ist mir zu plakativ.

Ich hab die 13 eigentlich nur so genommen, hab jetzt nicht an die Unglückszahl gedacht. Ja, es soll sich wie ein Polizeibericht lesen oder wie der Bericht eines Arztes, denn Lena hat ja eigentlich Angst davor, so zu enden …


Okay, das erinnert mich ein wenig an das epische Jeanny von Falco (und an den zweiten Teil
dieses grandiosen Songs!).

Die Gestalt wendet sich ihm zu: Lena! Es ist Lena! Mit aufgerissenen Augen starrt sie ins Leere.

Das Problem ist, wenn ich hier mit Rufzeichen arbeite, erzeugt es nicht mehr die Stimmung, als würde es sich um den Bericht eines Arztes handeln, also um ein Protokoll.


Stimmt.

Die Lacke ist übrigens österreichisches Deutsch, in Deutschland würde man Lache sagen, ja, stimmt, aber ich steh dazu, Ösi zu sein … ;)
http://www.duden.de/rechtschreibung/Lacke


Ja, das ist auch völlig okay! Im deutschsprachigen Raum kann es zur Verwirrung führen, da mit "Lack" eine
glänzende Anstreichfarbe auch bezeichnet werden.
Benutzeravatar
DrJones
 
Beiträge: 164
Registriert: 14.05.2014, 22:41

Re: Narrenturm

Beitragvon Flemeth » 01.07.2014, 17:04

Hallo Erich,

mal was, das in Richtung Horror geht. :)

Ich kenne den Narrenturm, und bin schon viele Male daran vorbeigelaufen, aber das ist nicht der Grund, warum ich deinen Text kommentieren möchte. Sondern, weil mir die Szene einerseits gefällt und ich sie andererseits noch etwas ausbaufähig finde.

Hier ein paar Meinungen zu dem Text - wirklich nur Meinungen, also wenn du sie nicht magst, einfach ignorieren. 8)

Der Wecker auf dem Nachttisch gab Lena zu verstehen, dass es zwei Uhr in der Früh war.

Normalerweise gebe ich nicht allzu viel, auf gute Einstiegssätze. Dieser hier ist aber unnötig umständlich, finde ich. Lena wacht auf und sieht auf die Uhr. Dafür brauchst du kein solches Satzkonstrukt. Hier finde ich einfacher besser.

Ihre Blase war zum Bersten gefüllt und sie verfluchte sich dafür, keinen Eimer mit in ihr Zimmer genommen zu haben.

Das mit dem Eimer empfinde ich als etwas seltsam. Das Problem ist: Ich weiß nicht, ob das hier wirklich ernst gemeint ist, und Lena das wirklich bereut, oder nur innerlich/gedanklich übertreibt.

Vielleicht: […] und sie verfluchte sich dafür, keinen Eimer mit in ihr Zimmer genommen zu haben – obwohl ihr Vater ihr das schon zigmal verboten hatte.

So weiß man als Leser, dass Lena das tatsächlich schon mal gemacht hat.

Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst. Sie hatte sie Tim getauft. Das hatte sie von ihrem Vater erklärt bekommen. Gib ihr einen Namen, das nimmt der Kreatur den Schrecken. Außerdem war Lena klar, dass Tim nicht real war. Es gab ihn nicht, sie war nun dreizehn und Tim war schon seit ihrem zehnten Lebensjahr nicht mehr wirklich präsent.
Dennoch wäre es damals fast so schlimm geworden, dass ihr Vater sie hätte stationär behandeln lassen müssen. Aber mit dreizehn hat man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.


Ich verstehe den Abschnitt so, dass Lena immer noch Angst hat vor Tim, sich aber versucht einzureden, sie glaube schon lange nicht mehr an seine Existenz. War das so gewollt? Wenn ja, finde ich es gut aber etwas zu undeutlich. Es sollte stärker durchkommen, dass Lena sich selbst nur Mut zuspricht.

Mir gefällt „zappelnde Scheußlichkeit“. Hat aber Lena wirklich keine Angst mehr vor Tim, ist die Beschreibung zu drastisch.

Sie ging die paar Schritte zur Tür, drehte vorsichtig den Schlüssel im Schloss und hielt inne. Es war nicht Tim, der ihr Angst machte,

Hier sagst du, dass Lena nun doch keine Angst hat, vor Tim. Dann würde ich ihre Angstgedanken über ihn, weiter oben, etwas abschwächen um somit den Fokus auf das Bild - das, wovor Lena sich wirklich fürchtet - zu legen.

es war das Bild im Vorzimmer. Das sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand. Es war das Bild des Narrenturms. Ihr Vater fand das Bild scheinbar passend, um sich des Fortschritts der Medizin bewusst zu sein. Aber seit Lena wegen ihrer Angst fast stationär behandelt worden wäre, war ihr klar, dass das Bild nach ihr gierte. Noch schlimmer war, dass die Angst vor dem Bild, die Bestätigung für sie und das Bild war, dass sie dort hin gehörte, das sie in das Bild gehörte, in den Narrenturm.

Hier könntest/solltest du das Bild etwas beschreiben, zumindest ansatzweise. Wenn Lena fühlt, dass das Bild nach ihr giert, hat sie es bestimmt schon einmal betrachtet.

Sie öffnete die Tür ging durchs Wohnzimmer und nährte sich dem Vorzimmer. Sie wusste, sie konnte kein Licht im Vorzimmer machen, ohne an dem Narrenturm vorbei zu kommen, da sich der Lichtschalter neben der Eingangstür befand. Sie betrat das Vorzimmer, blickte starr zu Boden und stürzte vor zum Lichtschalter.

Mir fällt es schwer, das Ganze zu visualisieren. Sie kann kein Licht machen, ohne an dem Narrenturm vorbeizukommen? Warum nicht einfach: Sie kann nicht aufs Klo gehen, ohne am Narrenturm vorbeizukommen? Das mit dem Lichtschalter, verkompliziert das alles etwas.

Sie hatte oft in der Nacht auf die Toilette müssen, vorbei an dem Bild, doch normalerweise war ihr Vater zu Hause und auch wenn er schlief, hätte sie nur schreien müssen ..., aber jetzt war niemand hier.

Dass ihr Vater nicht hier ist, wissen wir bereits. Das rote würde ich daher streichen. Das kann man dann als Leser zu Ende denken.

Plötzlich war ihr klar, wenn sie den Schalter betätigte, würde kein Licht angehen, die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art, sie wäre mit dem Bild in der Ecke gefangen, sie wusste es.

Der Gedankengang gefällt mir sehr gut.

Sie hechtete nach vorne, ihre Finger erreichten den Schalter, drückten ihn und die Hundert-Watt-Birne flutete das Vorzimmer.

Sie ist vorhin schon einmal nach vor gestürzt zum Lichtschalter. Hier hechtet sie noch einmal nach vorne. Eines von den beiden würde ich streichen.
Die Angst war weggeblasen, es war nichts.

Hier verstehe ich nicht ganz, warum Lena jetzt plötzlich keine Angst mehr hat, da das Bild ja immer noch da ist.
Dann kommen noch ein paar Fragen auf: Hat Lena immer Angst, an dem Bild vorbeizugehen, oder nur wenn es dunkel ist? Das wäre irgendwie echt unpraktisch, hängt ja genau vor dem Klo....
Wenn es nur nachts/in der Dunkelheit ist, dann passt deine Beschreibung – ihre Angst ist plötzlich weg, wenn das Licht da ist – besser, finde ich.

Sie drehte sich um, wollte das Klo betreten, ihre Blase erlösen, stattdessen steuerte sie direkt auf das Gemälde zu, betrachtete es. Es musste aus der Zeit stammen, als der Turm noch genutzt wurde. Er war gewaltig, ein gewaltiger Komplex.

Die Beschreibung, also nur das optische, des Bildes würde ich weiter oben einbauen. Den Rest, also das zum Leben erwachen des Bildes, kann hier an dieser Stelle bleiben und passt hier gut.

Einige Bäume standen davor und Lisa war sich sicher, dass es sich um Apfelbäume handelt, sie konnte die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, hören wie die Äste ächzten. Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch wahr – Äpfel, es waren ganz klar Apfelbäume – in den Ästen saßen Vögel, sie konnte ihr Zwitschern hören,

Diese Beschreibung ist dir sehr gut gelungen. Auch Lenas seltsame Bestimmtheit, dass es sich um Apfelbäume handeln muss, gefallen mir.

ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll, ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und nun lauter wurde. Es war das Raunen der Insassen. Es stieg an, wurde zu einem Kreischen, durchdringend, unerträglich. Lena riss die Augen auf, und da waren sie, die Gestalten, sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turms, wie sie gafften, grinsten, ihre Leiber, die sich gegen die Gitter der Fenster pressten und versuchten Lena zu packen.

Auch diese Beschreibung ist wieder gut geworden – für mich der Höhepunkt des Textes.

Nur am Rande merkte sie, wie es zwischen ihren Schenkeln warm herunter lief, sich eine Pfütze bildete, in der sie stand. Speichel tropfte von ihrer bebenden Unterlippe, sie starrte auf das Bild, auf die tobenden Fratzen, [...]

Eher weglassen, wir wissen bereits, dass sie auf das Bild starrt.

Und dann kommt der letzte Absatz...

Hat es irgendeine Bedeutung, dass Lena sich genau unterm Bett versteckt, da, wo Tim ist? Würde es dann nicht überhaupt besser passen, wenn Tim sozusagen, zu ihrem Freund, ihrer Zuflucht wird? Die Idee gefiele mir, denn so würde sich Lena praktisch vor einer Wahnvorstellung in eine andere Wahnvorstellung flüchten.

Ansonsten finde ich den letzten Absatz gelungen. Mir gefällt das berichtartige daran. Allerdings hab ich mir etwas mehr erwartet, da allein über die Tatsache, dass seine Tochter verstört unter dem Bett sitzt, kein Bericht verfasst werden würde. Oder? Ich weiß nicht.

Ach ja, komischerweise hat mich die "Lacke" auch etwas irritiert, obwohl ich auch aus Ö bin. Aber man lest das halt sonst nie, auch nicht in österreichischer Literatur.

Ich hoffe du kannst etwas mit dem Kommentar anfangen. :)

Lg, Flemeth
Find what you love and let it kill you.
Benutzeravatar
Flemeth
 
Beiträge: 44
Registriert: 09.05.2014, 17:35

Re: Narrenturm

Beitragvon Erich » 02.07.2014, 12:53

Hallo Flemeth,

vielen Dank, für deine Kritik. :) Hast du dort in der Nähe studiert und dir Vorlesungen angehört oder warum bist du so oft am Narrenturm vorbeigelaufen ...?


Ihre Blase war zum Bersten gefüllt und sie verfluchte sich dafür, keinen Eimer mit in ihr Zimmer genommen zu haben.


Weil die Frage auch schon von DrJones gestellt wurde … Also ich meinte das so, dass sie sich für diese Nacht, in der ihr Vater nicht da ist, das mit dem Eimer überlegt hat, sich aber dagegen entschieden hat und die Entscheidung nun verflucht. Normalerweise würde sie sich keinen Eimer mitnehmen, aber sie hat die Tür ihres Zimmers verschlossen und gehofft, dass sie erst wieder aufwacht, wenn es hell wird, nun muss sie aber in der Nacht raus und ist alleine.

Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst. Sie hatte sie Tim getauft. Das hatte sie von ihrem Vater erklärt bekommen. Gib ihr einen Namen, das nimmt der Kreatur den Schrecken.


Also ich hab das so gemeint: Sie hat Angst. Aber vor Tim hat sie keine Angst. Also muss etwas anderes da sein vor dem sie Angst hat, was natürlich der Turm ist.

Dass sie Tim als „zappelnde Scheußlichkeit“ bezeichnet, sollte zeigen, wie sie früher ihm gegenüber empfunden hat. Denn vor einer zappelnden Scheußlichkeit, die unter meinem Bett kauert, habe ich schon Angst. Aber seit sie ihm einen Namen gegeben hat, hat sich das geändert und Tim hat, trotz der Scheußlichkeit, die er ist, etwas Liebenswertes bekommen.
Ich würde am ehesten sagen, dass es ein ambivalentes Gefühl ist, das Lena empfindet.


Hier verstehe ich nicht ganz, warum Lena jetzt plötzlich keine Angst mehr hat, da das Bild ja immer noch da ist. 
Dann kommen noch ein paar Fragen auf: Hat Lena immer Angst, an dem Bild vorbeizugehen, oder nur wenn es dunkel ist? Das wäre irgendwie echt unpraktisch, hängt ja genau vor dem Klo....
Wenn es nur nachts/in der Dunkelheit ist, dann passt deine Beschreibung – ihre Angst ist plötzlich weg, wenn das Licht da ist – besser, finde ich.


Lena hat immer Angst vor dem Bild, aber im Dunkeln ist es natürlich besonders schlimm und es ist noch schlimmer, wenn ihr Vater nicht zu Hause ist, den sie normalerweise rufen könnte, wenn sie muss.

Die Angst war weggeblasen, es war nichts.

Hier gebe ich dir Recht, der Satz ist wirklich missglückt.
Besser wäre, dass die Angst gemildert ist, da sie jetzt nicht mehr im Dunkeln ist und Licht hat, aber das Bild macht ihr noch immer Angst.

Hat es irgendeine Bedeutung, dass Lena sich genau unterm Bett versteckt, da, wo Tim ist? Würde es dann nicht überhaupt besser passen, wenn Tim sozusagen, zu ihrem Freund, ihrer Zuflucht wird? Die Idee gefiele mir, denn so würde sich Lena praktisch vor einer Wahnvorstellung in eine andere Wahnvorstellung flüchten.


Vielleicht könnte man Tim wirklich noch ein paar freundliche Eigenschaften zugestehen und ihn somit deutlicher zu diesem entstellten Freund machen, zu dem er geworden ist. Ja, da gebe ich dir recht.
Allerdings wollte ich auch, dass etwas von der Angst vor Tim in ihr bestehen bleibt und zeigen, dass sie sich in der Situation lieber zu Tim begibt, als alleine zu sein, einfach weil es so schrecklich für sie ist.
Gleichzeitig habe ich dabei auch an den Vater gedacht, der von Tim weiß und nun eine kauernde Gestallt unter dem Bett seiner Tochter findet, die aber dann natürlich nicht Tim ist ...

Allerdings hab ich mir etwas mehr erwartet, da allein über die Tatsache, dass seine Tochter verstört unter dem Bett sitzt, kein Bericht verfasst werden würde. Oder? Ich weiß nicht.


Ich habe mir das eher so vorgestellt, dass es der Anfang eines Berichts in einem Protokoll ist, das irgendein Nervenarzt in irgendeiner Praxis liegen hat, denn das Lena nach dem Zwischenfall eingewiesen werden muss, ist denke ich klar …

Ich hoffe du kannst etwas mit dem Kommentar anfangen.


Ja, ich fand deine Kritik sehr ergiebig und wirklich hilfreich. Vielen Dank dafür … :)
Darf ich dich noch fragen, wer das auf deinem Foto ist? Ich hab irgendwie auf Romy Schneider getippt, aber die Bilder sind ja leider so klein ... :?

LG
Erich
Every Night and every Morn
Some to Misery are Born.
Every Morn and every Night
Some are Born to sweet delight.
Some are Born to sweet delight,
Some are Born to Endless Night. - William Blake
Benutzeravatar
Erich
 
Beiträge: 54
Registriert: 26.08.2013, 15:48
Wohnort: Wien

Re: Narrenturm

Beitragvon Flemeth » 02.07.2014, 20:58

Hallo nochmal,

Hast du dort in der Nähe studiert und dir Vorlesungen angehört

Ja, genau! Hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, das Gebäude. Und dabei war ich noch nicht mal drin.

Weil die Frage auch schon von DrJones gestellt wurde … Also ich meinte das so, dass sie sich für diese Nacht, in der ihr Vater nicht da ist, das mit dem Eimer überlegt hat, sich aber dagegen entschieden hat und die Entscheidung nun verflucht. Normalerweise würde sie sich keinen Eimer mitnehmen, aber sie hat die Tür ihres Zimmers verschlossen und gehofft, dass sie erst wieder aufwacht, wenn es hell wird, nun muss sie aber in der Nacht raus und ist alleine.


Vielleicht solltest du das genau so hineinschreiben, dass sie das normalerweise nicht tun würde, aber dies dieses Mal ernsthaft überlegt hat - eben weil sie alleine ist und irgendwie schon ahnte, dass sie nachts dann dringend aufs Klos muss.

Dass sie Tim als „zappelnde Scheußlichkeit“ bezeichnet, sollte zeigen, wie sie früher ihm gegenüber empfunden hat. Denn vor einer zappelnden Scheußlichkeit, die unter meinem Bett kauert, habe ich schon Angst. Aber seit sie ihm einen Namen gegeben hat, hat sich das geändert und Tim hat, trotz der Scheußlichkeit, die er ist, etwas Liebenswertes bekommen.

So ähnlich habe ich das auch verstanden. Dann nehme ich meinen Kommentar zurück und würde es auch so, wie es ist, belassen, denn so klipp und klar müssen ihre Gefühle ggü. Tim nun auch wieder dargestellt werden. Dann bleibt das auch ambivalent, so wie du das gewollt hast.

Hier gebe ich dir Recht, der Satz ist wirklich missglückt.
Besser wäre, dass die Angst gemildert ist, da sie jetzt nicht mehr im Dunkeln ist und Licht hat, aber das Bild macht ihr noch immer Angst.

Ja, genau, das meine ich auch. Im Dunkeln ist doch alles nochmal schlimmer. Mit dieser, ihrer Angst, kannst du ruhig noch etwas mehr spielen, auch wenn Angst vor der Dunkelheit schon sehr alltäglich und standardmäßig ist. Trotzdem, für mich wirkt das immer noch.

Vielleicht könnte man Tim wirklich noch ein paar freundliche Eigenschaften zugestehen und ihn somit deutlicher zu diesem entstellten Freund machen, zu dem er geworden ist.

Muss gar nicht sein, so habe ich das nicht gemeint. Ich glaube, mit dem Wort Freund hab ich etwas übertrieben. Freund nur relativ in Bezug auf die Schrecken die das Bild in ihr auslöst.

Allerdings wollte ich auch, dass etwas von der Angst vor Tim in ihr bestehen bleibt und zeigen, dass sie sich in der Situation lieber zu Tim begibt, als alleine zu sein, einfach weil es so schrecklich für sie ist.

Stimmt, so finde ich das wirkungsvoller. Sowohl Tim als auch das Bild sind unangenehm für sie, aber Tim ist immer noch das geringere Übel.

Ich habe mir das eher so vorgestellt, dass es der Anfang eines Berichts in einem Protokoll ist, das irgendein Nervenarzt in irgendeiner Praxis liegen hat, denn das Lena nach dem Zwischenfall eingewiesen werden muss, ist denke ich klar …

Aha, mir kam es vor wie eine Art Polizeibericht. Wegen der Nennung der Uhrzeit und Adresse und so. Das würde ja in einem medizinischen Protokoll vielleicht keine so große Rolle spielen... :thinking:

Darf ich dich noch fragen, wer das auf deinem Foto ist? Ich hab irgendwie auf Romy Schneider getippt, aber die Bilder sind ja leider so klein ... :?

Klar, das ist Sherilyn Fenn, wie sie in Twin Peaks zu sehen ist.

Lg, Flemeth
Find what you love and let it kill you.
Benutzeravatar
Flemeth
 
Beiträge: 44
Registriert: 09.05.2014, 17:35

Re: Narrenturm

Beitragvon Zukunftsträumer » 16.06.2015, 22:47

Guten Abend, Erich!

Beim Durchstöbern des Forums bin ich an deiner Geschichte hängengeblieben. Vielmehr war es der Titel, der meine ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Ui...der Narrenturm, das klingt doch mal richtig spannend.

Nun habe ich sie gelesen und muss sagen, dass sie mir sehr gefallen hat. War letztendlich nicht das, was ich mir unter dem Titel vorgestellt hatte, aber wäre es das gewesen, dann hätte es sich schon um einen sehr großen, zufälligen Zufall gehandelt. Denn die Gedanken der Menschen sind ja so verschieden, wie die Menschen selbst, oder? Aber lassen wir das. Auf jeden Fall eine schöne :D Geschichte, die mich zu einem Kommentar genötigt hat.

Erich hat geschrieben:Der Wecker auf dem Nachttisch gab Lena zu verstehen, dass es zwei Uhr in der Früh war.


Da muss ich Dr. Jones zustimmen. Dieser Einstieg ist meines Erachtens nach ein wenig lang und holprig.

Es war zwei Uhr in der Früh oder Es war zwei Uhr in der Früh als Lena die Augen aufschlug etc.

Erich hat geschrieben:Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst.


Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte. Es war ohnehin niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Doch was war es? War es die zappelnde Scheußlichkeit unter ihrem Bett?


Würde ich so schreiben, sonst doppelt sich das im Nachhinein, wenn du sowieso erklärst, dass es nicht Tim war, der ihr Angst bereitete. So lässt du dem Leser eine gewisse Spannung da
Erich hat geschrieben:Sie hatte sie Tim getauft.


Lena hatte sie Tim getauft. (wegen Doppelung "sie)

Erich hat geschrieben:Aber mit dreizehn hat man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.


Ach ja? Ist es das? :|
Erich hat geschrieben:Lena drehte die Nachttischlampe an, ihre Blase würde jeden Moment platzen, sie setzte die Füße auf den Boden und wartet einen Moment, ob Tim mit seinen Fangarmen nach ihr schnappen würde. Natürlich tat er es nicht, er tat es nie.


Drehte die Nachttischlampe an? Was ist das für eine Lampe? Also ich schalte oder knipse sie an.

...ihre Blase würde jeden Moment platzen. Sie setzte die...

Im Nachfolgenden ist noch ein Zeitenfehler: ...sie setzte (Präteritum) die Füße auf den Boden und wartet (Präsens) wartete einen Moment...

Erich hat geschrieben:Es war nicht Tim, der ihr Angst machte, es war das Bild im Vorzimmer. Das sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand.


Doch es war nicht Tim, der ihr Angst machte. Es war das Bild im Vorzimmer, das (welches) sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand.

Erich hat geschrieben:...das Bild war, dass sie dort hin gehörte, das sie in das Bild gehörte, in den Narrenturm.


...das Bild war, dass sie dorthin gehörte, dass sie...

Erich hat geschrieben:Sie öffnete die Tür ging durchs Wohnzimmer und nährte sich dem Vorzimmer.


Sie öffnete die Tür, ging durchs Wohnzimmer und näherte sich dem Vorzimmer.

Erich hat geschrieben:Plötzlich war ihr klar, wenn sie den Schalter betätigte, würde kein Licht angehen, die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art, sie wäre mit dem Bild in der Ecke gefangen, sie wusste es.


Das mit dem "klar" ist für mich ein wenig unglücklich formuliert. Es liest sich so für mich, als passiere es auf jeden Fall. Könnte man es nicht so schreiben, dass ihr "der Gedanke kam"?
Und wäre sie nicht eher gefangen, wenn das Licht an wäre? Wenn sie es sehen konnte? Oder nein...in der Dunkelheit gefangen mit diesem entsetzlichen Bild. Schön schaurig. Vergiss meinen Einwand mit dem Licht. :XD:

Erich hat geschrieben:Die Angst war weggeblasen, es war nichts.


Puff! Und die Luft ist raus! :|

Erich hat geschrieben:Sie drehte sich um, wollte das Klo betreten, ihre Blase erlösen, stattdessen steuerte sie direkt auf das Gemälde zu, betrachtete es.


Plötzlich ist jegliche Angst verschwunden? Einfach so? Selbst bei dem noch so ungewöhnlichsten Menschen kann ich mir nicht vorstellen, dass es so schnell geht. Plötzlich ohne Furcht ein Bild zu betrachten, dessen Anblick man sonst wie die Pest meidet, einem Angst einflößt? Woher der plötzliche Mut?

Erich hat geschrieben:Einige Bäume standen davor und Lisa war sich sicher, dass es sich um Apfelbäume handelt, sie konnte die Äpfel sehen, konnte sehen, wie sich die Bäume im Wind bogen, hören wie die Äste ächzten.


Na, wenn sie die Äpfel sehen kann, dann ist es wohl ihr gutes Recht, sich dessen Tatsache sicher zu sein, dass es Apfelbäume sind, oder :?:

Erich hat geschrieben:Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch wahr – Äpfel, es waren ganz klar Apfelbäume – in den Ästen saßen Vögel, sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen und ein Raunen, das langsam anschwoll, ein furchtbares Geräusch, das plötzlich kam und nun lauter wurde. Es war das Raunen der Insassen. Es stieg an, wurde zu einem Kreischen, durchdringend, unerträglich.


Sie schloss die Augen und fühlte den Wind, nahm den Geruch war - Äpfel, es waren ganz klar Apfelbäume (ach ne). In den Ästen saßen Vögel, sie konnte ihr Zwitschern hören, ihr Singen. Ein Raunen, das langsam anschwoll, ein furchtbares Geräusch, das plötzlich ertönte und immer lauter wurde. Es war das...

Erich hat geschrieben:Lena riss die Augen auf, und da waren sie, die Gestalten, sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turms, wie sie gafften, grinsten, ihre Leiber, die sich gegen die Gitter der Fenster pressten und versuchten Lena zu packen.


Lena riss die Augen auf und da waren sie! Die Gestalten! Sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turmes. Wie sie gafften, grinsten...

Erich hat geschrieben:Nur am Rande merkte sie, wie es zwischen ihren Schenkeln warm herunter lief, sich eine Pfütze bildete, in der sie stand.


..., in der sie nun stand.

Um auch mal ein Lob auszusprechen. Die Beschreibung des Narrenturms hat ein beinahe verstörendes Bild vor meinem geistigen Augen geschaffen. Ich fühlte mich beinahe in Lenas Lage versetzt. Ich konnte mir richtig vorstellen, wie sie die Figuren sieht. Echt klasse - Gänsehaut! Was mir hier noch fehlte, wäre vielleicht noch die Erwähnung von irrwitzigem Gelächtern, irren Rufen etc.

Das Ende ist nicht schlecht. Kann man so machen.

Erich hat geschrieben:Ja, es soll sich wie ein Polizeibericht lesen oder wie der Bericht eines Arztes, denn Lena hat ja eigentlich Angst davor, so zu enden …
[/quote]

Aha, aber ich denke nicht, dass in einem Polizeibericht und oder dem Bericht eines Arztes erwähnt wird, dass sich der heimkehrende Herr Doktor sich über das im Vorzimmer brennende Licht ärgert. Ich denke nicht, dass das erwähnenswert ist.

Was für mich und das ist nun wirklich meine sehr persönliche Meinung, ein schauriges Ende gewesen wäre, wäre, wenn der Vater heimkehrt, nach seiner Tochter ruft, sie aber nirgends findet. Plötzlich ihre Stimme hört, als wäre sie weit entfernt, den Ursprung im Bild des Narrenturms ausmacht und beim genauen Hinsehen seine Tochter hinter einem der Fenster des Turmes entdeckt! Das wäre doch was.

Aber das Ende ist soweit gut gemacht, dass Lena derart von dem Bild erschreckt wurde, dass sie sogar die "alte" Angst gegenüber Tim vergisst und in dessen "Reich" Schutz sucht. Unter ihrem Bett, unter dem Tim immer darauf gelauert hatte, nach ihren Beinen zu greifen.

Alles in allem eine echt gute Geschichte. Und das sage, pardon, schreibe ich hier, ohne ein wirklicher Bukowski-Fan zu sein.
Ich hoffe, du kannst, falls du das noch mal lesen solltest, etwas damit anfangen und habe nicht nur Wiederholungen von Seiten meiner Vorredner dargeboten.

Einen schönen Abend wünscht,

Zukunftsträumer! :beckon:
It's my life, don't you forget!
It's my life, it never ends! (Talk Talk)
Benutzeravatar
Zukunftsträumer
 
Beiträge: 850
Registriert: 28.05.2012, 12:09
Wohnort: Fehmarn
Blog: Blog ansehen (1)

Re: Narrenturm

Beitragvon Erich » 01.07.2015, 22:07

Hallo Zukunftsträumer,

danke für deine Kritik. :D

Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Geschichte nach einem Jahr schon sehr fremd ist. Offen gesagt, wenn ich die Geschichte jetzt lese, denke ich mir eigentlich auch, dass man vieles hätte anders machen können.


Erich hat geschrieben:
Der Wecker auf dem Nachttisch gab Lena zu verstehen, dass es zwei Uhr in der Früh war.

Da muss ich Dr. Jones zustimmen. Dieser Einstieg ist meines Erachtens nach ein wenig lang und holprig.

Es war zwei Uhr in der Früh oder Es war zwei Uhr in der Früh als Lena die Augen aufschlug etc.



Ich würde heute auch einen anderen Einstieg wählen. Das Problem ist hier aber die Erzählperspektive. Ich hab hier ja einen personalen Erzähler und somit kann ich eigentlich erst nach einem Blick auf die Uhr die (genaue) Uhrzeit ins Spiel bringen.


Erich hat geschrieben:
Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte, es war niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Die zappelnde Scheußlichkeit, die unter ihrem Bett kauerte, machte ihr keine Angst.

Sie brauchte nicht zu leugnen, dass sie Angst hatte. Es war ohnehin niemand hier, dem sie es hätte beichten müssen. Doch was war es? War es die zappelnde Scheußlichkeit unter ihrem Bett?



Kann man machen. Ist finde ich Geschmackssache ... Aber eigentlich mag ich den Satz, wobei ich nach "dass sie Angst hatte" einen Punkt machen würde.


Erich hat geschrieben:
Aber mit dreizehn hat man keine Angst mehr vor Monstern, die unter dem Bett wohnen und es ist normal, dass ein Vater, der Psychotherapeut ist, für eine Nacht auf eine Tagung fährt und sein Mädchen zu Hause lässt.

Ach ja? Ist es das? :|


Da hast du den personalen Erzähler, die liebe Lena, die sich das einredet.


Erich hat geschrieben:
Lena drehte die Nachttischlampe an, ihre Blase würde jeden Moment platzen, sie setzte die Füße auf den Boden und wartet einen Moment, ob Tim mit seinen Fangarmen nach ihr schnappen würde. Natürlich tat er es nicht, er tat es nie.

Drehte die Nachttischlampe an? Was ist das für eine Lampe? Also ich schalte oder knipse sie an.


Stimmt ...


Erich hat geschrieben:
Es war nicht Tim, der ihr Angst machte, es war das Bild im Vorzimmer. Das sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand.

Doch es war nicht Tim, der ihr Angst machte. Es war das Bild im Vorzimmer, das (welches) sich zwischen dem Wohnzimmer und dem Klo befand.


Da liegt so viel Text dazwischen, dass ich das wirklich nicht schlimm finde. Aber man kann es natürlich machen ...




Erich hat geschrieben:
Plötzlich war ihr klar, wenn sie den Schalter betätigte, würde kein Licht angehen, die Lampe würde durchbrennen, etwas in der Art, sie wäre mit dem Bild in der Ecke gefangen, sie wusste es.

Das mit dem "klar" ist für mich ein wenig unglücklich formuliert. Es liest sich so für mich, als passiere es auf jeden Fall. Könnte man es nicht so schreiben, dass ihr "der Gedanke kam"?
Und wäre sie nicht eher gefangen, wenn das Licht an wäre? Wenn sie es sehen konnte? Oder nein...in der Dunkelheit gefangen mit diesem entsetzlichen Bild. Schön schaurig. Vergiss meinen Einwand mit dem Licht. :XD:


"War sie sich sicher" wäre vielleicht besser. Ich würde an dem Text sowieso so viel umschreiben ... :girl:


Erich hat geschrieben:
Die Angst war weggeblasen, es war nichts.

Puff! Und die Luft ist raus! :|


Und das ist schon etwas, das Dr.Jones angesprochen hat. Also das ist einfach ein stilistischer Kniff (hat wahrscheinlich sogar einen Namen), wie du ihn dauernd in jedem Horrorfilm siehst (auch wenn ein Film ein anderes Medium als ein Text ist). Die Frau hört ein gruseliges Geräusch aus dem Keller, die unheimliche Musik setzt ein. Sie geht die Treppen runter. "Hallo, ist da jemand?!" Sie kommt im Keller an und schaut sich um. Die Musik ist jetzt sehr intensiv. Plötzlich rattert es hinter den Kartons und die Katze springt hervor. "Mein Gott, Minki, hast du mich erschreckt!" Sie nimmt die Katze hoch, streichelte sie, dreht sich um und das Monster steht vor ihr. Oder sie will gehen und entdeckt plötzlich, dass da Füße hinter dem Regal hervor schauen und sieht, dass eine Leiche dort liegt. Es ist nie so, dass die Frau die Treppe runter geht und vor ihr das Monster steht, weil der Zuseher (oder der Leser) damit rechnet.
Womit ich aber nicht zufrieden bin, ist der Übergang, bei dem sie sich dem Bild nähert. Das hätte ich besser machen sollen und ausführlicher. Z. B. Dass sie das Bild plötzlich magisch anzieht. Und das sie es vorher eigentlich nie wirklich betrachtet hat.


Erich hat geschrieben:
Sie drehte sich um, wollte das Klo betreten, ihre Blase erlösen, stattdessen steuerte sie direkt auf das Gemälde zu, betrachtete es.

Plötzlich ist jegliche Angst verschwunden? Einfach so? Selbst bei dem noch so ungewöhnlichsten Menschen kann ich mir nicht vorstellen, dass es so schnell geht. Plötzlich ohne Furcht ein Bild zu betrachten, dessen Anblick man sonst wie die Pest meidet, einem Angst einflößt? Woher der plötzliche Mut?


Das meinte ich. Den Übergang hätte man besser machen sollen ...


Erich hat geschrieben:
Lena riss die Augen auf, und da waren sie, die Gestalten, sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turms, wie sie gafften, grinsten, ihre Leiber, die sich gegen die Gitter der Fenster pressten und versuchten Lena zu packen.

Lena riss die Augen auf und da waren sie! Die Gestalten! Sie konnte sie sehen, hinter den Fenstern des Turmes. Wie sie gafften, grinsten...


Generell hat man bei dem Text zu viele Beistriche gemacht. :roll:


Erich hat geschrieben:
Ja, es soll sich wie ein Polizeibericht lesen oder wie der Bericht eines Arztes, denn Lena hat ja eigentlich Angst davor, so zu enden …

Aha, aber ich denke nicht, dass in einem Polizeibericht und oder dem Bericht eines Arztes erwähnt wird, dass sich der heimkehrende Herr Doktor sich über das im Vorzimmer brennende Licht ärgert. Ich denke nicht, dass das erwähnenswert ist.


Ich wollte, dass es in die Richtung geht, ich wollte nicht eins zu eins so eine Bericht bringen ...

Was für mich und das ist nun wirklich meine sehr persönliche Meinung, ein schauriges Ende gewesen wäre, wäre, wenn der Vater heimkehrt, nach seiner Tochter ruft, sie aber nirgends findet. Plötzlich ihre Stimme hört, als wäre sie weit entfernt, den Ursprung im Bild des Narrenturms ausmacht und beim genauen Hinsehen seine Tochter hinter einem der Fenster des Turmes entdeckt! Das wäre doch was.


Leider gibt es fast genau so eine Szene im Film "Hexen hexen". Das Kind ist verschwunden und der Vater entdeckt, dass es jetzt in dem Bild im Wohnzimmer lebt. Außerdem wäre das ja eigentlich kein wirkliches Ende, denn man müsste schon schreiben, wie der Vater nun vorgeht. Er ruft sicher Freunde oder die Polizei an und was machen die dann, wenn sie das Mädchen in dem Bild sehen. Vor allem war es für mich eigentlich keine Mystery-Geschichte. Das Mädchen hatte schon vorher psychische Probleme (darum die Einleitung mit Tim) und dass der Vater sie unter dem Bett findet ist für mich eigentlich interessant, weil er ihr ja erzählt hat, dass unter dem Bett keine gruseligen Gestalten leben. Und dann findet er selbst eine (die leider seine Tochter ist). Somit ist es eigentlich offen, ob sie sich das mit dem Bild einbildet oder nicht. Ich hab aber auch an ein anderes Ende gedacht, in dem er sie wirklich nicht in der Wohnung findet, weil sie im Bild ist. Eine Lösung habe ich da aber noch nicht gefunden ... :?

Alles in allem eine echt gute Geschichte. Und das sage, pardon, schreibe ich hier, ohne ein wirklicher Bukowski-Fan zu sein.


Das mit Bukowski ergibt jetzt keinen Sinn mehr. Ich hab damals ein Bild von Bukowski als Avatar gehabt und das hat es mit der Bemerkung von Dr.Jones auf sich. :wink:

Danke, dass du die Geschichte rausgekramt hast. :flowers: Ich persönlich finde, sie hat Potential. Überleg mir, sie zu überarbeiten. Mir wäre auch ein anderes Ende lieber - eines bei dem sie im Bild ist und der Vater erkennt das an einer Kleinigkeit oder vermutet es halt. Aber ich hab da eigentlich noch keine Idee. Eine die das Ganze wirklich rund abschließt ... :thinking:

LG Erich :D
Every Night and every Morn
Some to Misery are Born.
Every Morn and every Night
Some are Born to sweet delight.
Some are Born to sweet delight,
Some are Born to Endless Night. - William Blake
Benutzeravatar
Erich
 
Beiträge: 54
Registriert: 26.08.2013, 15:48
Wohnort: Wien


Zurück zu Nervenaufreibendes

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste