[Grusel] [Prolog] Nebelläufer

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[Grusel] [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon D.C. » 21.04.2009, 19:47

Prolog

Der Nebel lag dicht über dem Hafen. Die altbekannte Redewendung „man habe die Hand nicht vor Augen sehen können“ war heute mehr als zutreffend, gleich wenn es eigentlich Tag war. Die feuchte Kälte, die mit dem Nebel einher ging, kletterte von den Füßen aus den Körper hinauf. Ich zog mir meinen Kragen auf, legte mir mit meinem Schal einen weiteren Ring des Schutzes um meinen Hals, verstaute meine Hände wieder in den Taschen meines Mantels und starrte in den Nebel hinein. Einzelne Nebelschwaden waberten über die Wasseroberfläche. Vereinzelt konnte man das Quaken der Enten vernehmen die irgendwo weiter draußen auf dem Wasser schwammen. Ein Schwanenpärchen zog gemütlich an mir vorbei ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.

Ich wandte mich zur Hafenpromenade hin und begann langsam Richtung Flussufer zu laufen. Die Promenade war erst vor kurzem neu gestaltet worden und das gesetzte Kopfsteinpflaster ließ meine Schritte widerhallen. Das monotone Klacken meiner Schuhe schuf auf eine gewisse Art und Weise eine gespenstische Atmosphäre. Das Krächzen eines Raben, der wohl in einem der Bäume seinen Platz gefunden hatte, ließ das Gefühl erstarken. Ich vergrub mein Gesicht tiefer in den Schal, selbst meine Nasenspitze war kalt. Der Weg zum Ufer hin schien unendlich lang zu sein. Ich konnte schon die Wellen und die kleine Gischt auflaufen hören, die entstand, wenn sie sich am Ufer brachen, als ich…

Ich spürte einen ziehenden Schmerz am rechten Fuß der, von einer festen Schlinge umfasst, mein gesamtes Körpergewicht trug während ich kopfüber über dem Kopfsteinpflaster baumelte. Mein linkes Bein hing unwirklich angewinkelt vor meiner Brust und das Blut meines ganzen Körpers schien augenblicklich in meinen Kopf zu schießen. Meine Schlüssel, mein Feuerzeug und mein Mobiltelefon glitten aus meinen Taschen und schlugen auf dem Weg auf. Mein Schal wickelte sich von selbst ab und landete ebenfalls an der Stelle, auf der schon der Rest meiner Habseligkeiten gelandet war. Beide Arme hingen teilnahmslos in Richtung Boden.
„Verdammt!“, presste ich mit schmerzverzerrtem Gesicht aus meinem offenen Mund. Das viele Blut, das sich mittlerweile in meinem Kopf und Oberkörper befand, erschwerte mir das Atmen.

Bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte erkannte ich, dass sich aus dem Nebel schemenhaft eine dunkelgraue Gestalt löste, die mich wohl schon länger beobachtet haben musste, wenn man das überhaupt so sagen konnte, denn ich konnte kein Gesicht im eigentlichen Sinne erkennen. Ebenso schienen dem Kopf die Haare und die Ohren zu fehlen. Wo sich normalerweise eine Nase hätte befinden müssen, konnte ich zwei schmale, eng aneinander liegende schwarze Striche erkennen, die Augenhöhlen waren ohne Inhalt. Der Spalt, der diesem Wesen als Mund zu dienen schien, dampfte. Näher kommend, sah ich, dass ich mit meinen Vermutungen richtig lag.
Egal was mich da am Haken hatte, menschlich war es nicht!
Sein Kopf war nun nahe dem meinen und ich konnte ein Krächzen vernehmen. Der Geruch von verbranntem Fleisch und sowas wie Schwefel lies mich würgen. Was oder wer auch immer da vor mir stand, stank ekelerregend. Und es sprach! Erst nur undeutlich, das ich es kaum verstand. Dann brockenhaft einzelne Wortfetzen die sich, während sie durch das Wesen ständig wiederholt wurden, schließlich zu einem beängstigenden Satz fügten:

„Hass nährt mich, Furcht stärkt mich…“

Was zur Hölle?

„…und Dein Odem wird mich heilen!“

„Was willst Du von mir?“, stieß es aus mir hervor, während ich versuchte dieses Ding von mir weg zu stoßen.

Ich spürte einen festen Schlag in Bereich meines Nackens. Der Zug an meinem Fuß ließ kurz nach und ich schlug hart mit der rechten Schulter und der Stirn voran auf dem Kopfsteinpflaster auf. Ich spürte wie Blut über meine Stirn lief und die offene Wunde durch den Dreck sofort zu brennen begann. Dunkelheit umgab mich - dann verlor ich das Bewusstsein.

Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie viel Zeit vergangen war, als ich mehr schlecht als recht zu mir kam. Was war passiert? Hatte ich geträumt?
Der hämmernde Schmerz der durch meinen Kopf jagte, als ich ihn anzuheben versuchte, belehrte mich eines besseren. Die Stelle des Kopfes, mit der ich aufgeschlagen war, begann ungemütlich zu pochen und ich hatte das Gefühl, mein Schädel sei auf den doppelten Umfang geschwollen. Jede Bewegung, war sie auch noch so klein, verschlimmerte die Schmerzen. Sehen konnte ich nichts, eine Augenbinde war mir umgebunden worden. Auch der Versuch Arme und Beine zu bewegen blieb erfolglos. Ich war irgendwo auf irgendwas festgeschnallt. Zumindest befand ich mich nun in der Waagrechten.

Klick, klick, klick!

Mir war bis jetzt gar nicht aufgefallen, wie ruhig es um mich herum war. Einzig mein keuchender Atem schien die Stille zu durchbrechen, bis jetzt dieses Klicken zu hören war.
Die Orientierungslosigkeit, gepaart mit dem Gefühl eines bald vor Schmerzen berstenden Schädels, verwehrte mir jegliche Einschätzung, woher das Klicken kam oder was es verursachte. Ähnlich dem Klacken meiner Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster war dieses Klicken unerträglich intensiv.

Klick, klick, klick!

„Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig…“, zählte ich halblaut vor mich hin. Mein Mund und meine Kehle waren staub trocken. Ich hatte Durst und meine Zunge klebte nach dem Schlucken am Gaumen. Egal wie, ich wollte zumindest versuchen herauszufinden, ob sich das Klicken in irgendeiner Regelmäßigkeit fand.
„achtundzwanzig, neunundzw…“

Klick, klick, klick!

Okay, neun Sekunden. Ich zählte noch viermal. Immer derselbe Abstand, mit dem sich das Geräusch wiederholte. Mit jedem neuen Zählvorgang schienen die Sekunden jedoch immer langsamer zu vergehen. Ähnlich dem Tropfgeräusch eines Wasserhahns, den man genervt des Nachts im Bad hört.
Doch eine Sache ließ in mir die Angst aufkommen.
Eine unbändige Angst, die mich schwitzen ließ und dem Schmerz trotzend einen Versuch nach dem Anderen starten ließ, mich aus den Fesseln zu befreien:

DAS KLICKEN KAM NÄHER!!
__________________________________________________________
Hi!
Ich habe keine Ahnung, wo das noch hinführt, aber es kam eben so raus. Für konstruktive Tipps, Kritik und so weiter bin immer zu haben!

Dank und Gruß
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon HappyMephisto » 26.04.2009, 14:30

Vom Prinzip her gefällt mir die Geschichte :)
Besonders der Anfang ist gut, dann lässt du -so finde ich- jedoch ziemlich nach, was zu einem eher halbgaren Gruseleffekt führt =/
Die Promenade war erst vor kurzem neu gestaltet worden und das gesetzte Kopfsteinpflaster ließ meine Schritte widerhallen. Das monotone Klacken meiner Schuhe schuf auf eine gewisse Art und Weise eine gespenstische Atmosphäre. Das Krächzen eines Raben, der wohl in einem der Bäume seinen Platz gefunden hatte, ließ das Gefühl erstarken.

Das zum Beispiel ist ziemlich klischeehaft. Das macht es natürlich nicht zwingend schlecht, besonders die etwas längeren Sätze und die Wortwahl gefallen mir, aber in einer Gruselgeschichte hat die Wortgruppe "gespenstische Atmosphäre" nichts zu suchen, finde ich. Man sollte einfach nicht innerhalb einer Geschichte beschreiben welche Atmosphäre herrscht, der Leser sollte das selbst spitz kriegen. Der Rabe ist halt auch Klischee, aber vertretbar, wenn nicht unbedingt weiter drauf eingegangen wird, dass der auch eine gespenstische Atmosphäre schafft :p Beschreibungen des Krächzen fände zumindest ich angebrachter.

„Hass nährt mich, Furcht stärkt mich…“

Was zur Hölle?

„…und Dein Odem wird mich heilen!“

„Was willst Du von mir?“, stieß es aus mir hervor, während ich versuchte dieses Ding von mir weg zu stoßen.

Hier ist der Bezug zu "es" nicht ganz klar. Jedenfalls war er mir das nicht beim lesen =) Ich würde das umschreiben, etwa nach "Stieß ich hervor, während ich versuchte dieses Ding von mir weg zu stoßen."
Und ich stelle es mir schwierig vor etwas effektiv weg zu stoßen, wenn man kopfüber von ner Schlinge baumelt.
Dazu fällt auf, dass es keinen Anhaltspunkt darüber gibt, woran der Protagonist baumelt. Kein Hinweis auf nen Baum, ne Laterne oder ähnliches.

Mist -_- ich komme leider nicht dazu jetzt alles zu schreiben, da ich jetzt den PC ausschalten soll ( :roll: ), aber ich editiere das morgen :)

Edit -26.04:
Sein Kopf war nun nahe dem meinen und ich konnte ein Krächzen vernehmen. Der Geruch von verbranntem Fleisch und sowas wie Schwefel lies mich würgen. Was oder wer auch immer da vor mir stand, stank ekelerregend

Hier würde ich einige kleine Änderungen an der Wortwahl vornehmen. "vernehmen" zum Beispiel klingt für mich zu gewählt ausgedrückt, zu rational, in anbetracht der Situation. Wenn man noch ein wenig mit beschreibenden Adverben spielen würde könnte der Satz sehr atmosphärisch sein -in meinen Augen,^^

[quote]Mir war bis jetzt gar nicht aufgefallen, wie ruhig es um mich herum war. Einzig mein keuchender Atem schien die Stille zu durchbrechen, bis jetzt dieses Klicken zu hören war.
Die Orientierungslosigkeit, gepaart mit dem Gefühl eines bald vor Schmerzen berstenden Schädels, verwehrte mir jegliche Einschätzung, woher das Klicken kam oder was es verursachte. Ähnlich dem Klacken meiner Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster war dieses Klicken unerträglich intensiv.{/quote]
In meinen Augen ein merkwürdiger Absatz. Ich persönlich würde ihn ein wenig vergrößern. Ein Beschreibungsfanatiker könnte sich zB in den unzähligen Arten von "die Stille durchbrechendem Atmen" ergehen. Die letzen 2 Sätze würde ich aber komplett umstellen. Sie wirken...merkwürdig auf mich. Durch die Zusammenfassung der verbundenen Augen und Bewegungsunfähigkeit zu "Orientierungslosigkeit" wird die Wirkung abgeschwächt. Wie bereits gesagt, ich würde den Absatz ein wenig ausdehnen um die Spannung zu steigern :)
Im Übrigen ist im zweiten Absatz das Klacken nur Erzeuger einer gespenstischen Atmosphäre, jetzt ist es unerträglich intensiv, das finde ich merkwürdig.

just 2 cents.

P.S: Jetzt weißt ich, woran mich dieses Viech erinnert...die Ghoule aus Fallout 3! :mrgreen:
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon D.C. » 27.04.2009, 18:27

Servus!

Vielen Dank für Deinen umfangreichen, konstruktiven und guten Beitrag. Wie ich oben schrieb, war dieses "Werk" eher ein spontaner Fluß an Worten und ich weiß und wußte nicht, wie oder ob es weiter geht.
Ich werde mir Deine Anmerkungen und Tipps aber bei der Überarbeitung auf jedenfall mal neben dran legen.
Jetzt, da ich es mit etwas zeitlichem Abstand nochmals gelesen habe, muss ich Dir zustimmen, was die "qualitative" Abnahme betrifft. Es wir noch einiges an Arbeit reingesteckt werden (müssen?). Den Begriff 'gespenstische Athmosphäre' wollte ich gar nicht verwenden nur schaffen :oops:

Vielen Dank nochmal und beste Grüße

D.C.
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon HappyMephisto » 28.04.2009, 23:29

Uups, das mit dem spontan hab ich wohl überlesen. :oops: *schäm*
Aber die Vorgehensweise, die du dir vorgenommen hast ist ja nicht die schlechteste der möglichen :D Einfach aufschreiben, vielleicht ein paar Tage oder länger liegen lassen und dann noch einmal überarbeiten. Ich mache das zumindest mit den Grundideen so und es hilft einem schon. Nach einigen Tagen kann man das Werk schließlich als Außenstehender betrachten.
Übrigens würde mich die überarbeitete Version interessieren, gerne auch per PN. Ich vertrete ja die Auffassung, dass man am besten die Grundlagen lernt, in dem man fremde Werke liest :)

Was mir grade noch aufgefallen ist:
Eine unbändige Angst, die mich schwitzen ließ und dem Schmerz trotzend einen Versuch nach dem Anderen starten ließ, mich aus den Fesseln zu befreien:

DAS KLICKEN KAM NÄHER!!

Die Capslocksache am Schluss würde eine gespenstische Atmosphäre, die ja beabsichtigt war, vernichten, schätze ich. Wenn der Satz ein wenig umgestellt und in die Atmosphäre eingepasst wird könnte man die Spannung vielleicht ein wenig länger halten. Ich meine in etwa wie "Die Angst trieb mir den Schweiß aus den Poren, sie ließ mich dem Schmerz trotzen und drängte mich zur Flucht...denn das Klicken kam näher und näher..."
Nicht ganz bühnenreif und passt vermutlich gar nicht in deinen Stil, aber ich hoffe es wird halbwegs klar, worauf ich hinaus will.

Übrigens schön, wenn das Kommentar halbwegs was gebracht hat :D
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon kostuek » 16.05.2009, 22:13

Hallo D. C.,

mir ist da etwas aufgefallen, das bei der Überabeitung vielleicht nützlich sein könnte. Es zieht sich durch die ganze Geschichte, aber ich nehme jetzt nur einen Beispiel.

... dass sich aus dem Nebel schemenhaft eine dunkelgraue Gestalt löste, die mich wohl schon länger beobachtet haben musste, wenn man das überhaupt so sagen konnte, denn ich konnte kein Gesicht im eigentlichen Sinne erkennen. Ebenso schienen dem Kopf die Haare und die Ohren zu fehlen. Wo sich normalerweise eine Nase hätte befinden müssen, konnte ich zwei schmale, eng aneinander liegende schwarze Striche erkennen, die Augenhöhlen waren ohne Inhalt. Der Spalt, der diesem Wesen als Mund zu dienen schien, dampfte. Näher kommend, sah ich, dass ich mit meinen Vermutungen richtig lag.
Egal was mich da am Haken hatte, menschlich war es nicht!
Sein Kopf war nun nahe dem meinen und ich konnte ein Krächzen vernehmen.


Zwischen dem grünen und dem roten Satz fehlt noch ein ganzes Stück Text.
Deinem Held passiert etwas. Er sieht in diesem Fall eine unheimliche Gestalt auf sich zukommen. Er stellt fest, dass diese nicht menschlich ist. Schön. Was fühlt er dabei? Was denkt er? Was geht in ihm vor? Wie ist seine Reaktion? Versucht er zu schreien?
Das ist immens wichtig. Wenn man nur aufschreibt, was einem Chara so alles zustösst, dann hat man im Prinzip einen Plot geschaffen. Was die Geschichte aber erst rund macht, ist die Reaktion der Charaktere darauf, was man denen so zumutet.

Vielleicht magst du ja beim Überarbeiten also nach Stellen Ausschau halten, wo du deinem Held etwas zumutest, aber ihm keine Chance lässt, darauf zu reagieren.

Soweit mein Senf dazu ... :D

Gruß,
kostuek
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon YuLeeAn » 28.04.2010, 08:41

Nun ich muss gleich zur Arbeit und habe es somit nicht geschafft den ganzen Text zu lesen.

Ich muss sagen: dein Titel gefällt mir sehr gut. In diesem Forum findet man häufiger Überschriften wie "Nächtlicher Besuch". Diese wecken bei mir leider kein gespanntes Interesse. Sie sind, so scheint es mir, aus der Kiste mit den "Standarttiteln" entnommen und zeuegen nicht gerade von Individualität. Doch deine Überschrift: klasse. :!:
Allein schon, weil es nicht aus einem, im Alltag gebräuchlichen Wort besteht. Der "Nebel"-Part kreiert ein mulmiges Gefühl und der "Läufer" sorgt für Spannung. Kurz: Applaus :D

So nun zum Text. Wie schon erwähnt, habe ich nicht die ganze Geschichte gelesen, doch ich kann dir sagen, dass mir der Anfang sehr gefallen hat. Die Atmosphäre war stimmig und ich konnte mir die Situation auch vor meinem geistigen Auge vorsellen. Doch als dein Hauptcharakter dann auf das Wesen trifft, fehlten auf einmal die Beschreibungen der Angst, wie ich sie mir (dem Vortext entnommen) ausgemalt hatte.
An dieser Stelle dachte ich sofort an H.P. Lovecraft: der hat ein Händchen für solche Angstbeschreibungen. Also mein Tipp: riskier mal einen Blick in seine Geschichten :D .

LG Julian bzw. YuLeeAn :mrgreen:
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Re: [Prolog] Nebelläufer

Beitragvon rental » 28.04.2010, 18:16

Hallo D.C.,

dann mache ich mich auch mal an deine Geschichte. :wink: Ich mag Grusel/Horror sehr und bin darum gespannt, was mich bei dir erwartet. Zuerst will ich ein paar Verbesserungsvorschläge etc. anbringen, danach gibt's ein abschliessendes Fazit.

Der Nebel lag dicht über dem Hafen.

Gleich der erste Satz gefällt mir nicht so, vor allem in Kombination mit dem darauffolgenden. Ich verstand das beim ersten Lesen eher so, dass der Nebel wirklich über dem Hafen liegt, es sich also um Hochnebel handelt. Allerdings widerspricht der zweite Satz deiner Geschichte dieser Vorstellung. Vielleicht habe nur ich den Satz falsch gedeutet und jeder andere versteht ihn perfekt, aber man könnte ihn bestimmt noch etwas ausbauen, um den Leser gleich noch stärker zu packen und in die Geschichte zu reissen. Vorschlag: Dichter Nebel waberte vor mir, durch seine Schleier konnte ich schwach den Hafen erkennen. oder so etwas Ähnliches :wink:
Die feuchte Kälte, die mit dem Nebel einher ging, kletterte von den Füßen aus den Körper hinauf.

Ich würde das rote Wörtchen rausnehmen, irgendwie hat es mich gestört.
[...] und starrte in den Nebel hinein. Einzelne Nebelschwaden waberten über die Wasseroberfläche.

Zweimal der Nebel. Vielleicht könnte man beim zweiten Satz einfach nur Schwaden verwenden, um die Wortwiederholung zu vermeiden.
Ich wandte mich zur Hafenpromenade hin und begann langsam Richtung Flussufer zu laufen.

Hat es die Person wirklich eilig? Oder geht sie eher?
Ich vergrub mein Gesicht tiefer in den Schal, selbst meine Nasenspitze war kalt.

Ich weiss nicht, ob man das auf die Allgemeinheit übertragen kann, aber wenn ich an einem kalten Ort bin, kriege ich als erstes immer kalte Hände und eine kalte Nase, bevor die Kälte in die restlichen Körperteile kriecht.
Ich spürte einen ziehenden Schmerz am rechten Fuß, der, von einer festen Schlinge umfasst, mein gesamtes Körpergewicht trug, während ich kopfüber über dem Kopfsteinpflaster baumelte.

1.) Kommas :wink:
2.) Wortwiederholung kopfüber --> über
Der Satzaufbau gefällt mir ausserdem nicht wirklich. Vielleicht könntest du ihn etwas umschreiben, am Besten mit etwas weniger Kommas.
Mein linkes Bein hing unwirklich angewinkelt vor meiner Brust [...]

Irgendwie kann ich mir das nicht so recht vorstellen...
Bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, erkannte ich, dass sich aus dem Nebel schemenhaft eine dunkelgraue Gestalt löste, die mich wohl schon länger beobachtet haben musste, wenn man das überhaupt so sagen konnte, denn ich konnte kein Gesicht im eigentlichen Sinne erkennen.

Komma :wink:
Hier sind zu viele Informationen in einen Satz gepackt, was ihn unnötig lang macht, einen die Infos, die du weitergibst, schnell vergessen lässt und eine Hektik bringt, die meiner Meinung nach an dieser Stelle der Geschichte nicht gut kommt. Du könntest versuchen, die Entdeckung der Gestalt etwas genauer und langsamer zu schildern, dann würde die Spannung merklich anziehen.

Die Beschreibung der Gestalt finde ich in Ordnung, allerdings könnte man noch das ein oder andere daran herumfeilen. Zum Beispiel: Seine schwarzen Striche, die ihm als Nase dienen, könnten schwarze Schlitze sein. Der Spalt seines Mundes könnte ein Schlund sein etc.
Durch diese Worte würde für mich die Gestalt noch etwas unheimlicher, schrecklicher oder whatever. Soll aber selbstverständlich nur ein Beispiel sein, das allein auf meinem Empfinden beruht.

Näher kommend, sah ich, dass ich mit meinen Vermutungen richtig lag.

Wie kannst du näher kommen, wenn du kopfüber hängst? Hin- und herschwingen? :wink:
Egal was mich da am Haken hatte, menschlich war es nicht!

Ja, eindeutig zu wenig Gedanken. Es klingt ja fast so, als hätte der Protagonist schon öfter solche Kreaturen getroffen.
Dann brockenhaft einzelne Wortfetzen, die sich, während sie durch das Wesen ständig wiederholt wurden, schließlich zu einem beängstigenden Satz fügten:

Komma :wink:
Ausserdem ein Vorschlag: brockenhaft --> bruchstückhaft
Wobei die bruchstückhaften Wortfetzen vielleicht schon etwas übertrieben wirken können... Dann bruchstückhaft einzelne Worte, [...] ? *shrug*
Der Zug an meinem Fuß ließ kurz nach und ich schlug hart mit der rechten Schulter und der Stirn voran auf dem Kopfsteinpflaster auf. Ich spürte, wie Blut über meine Stirn lief und die offene Wunde durch den Dreck sofort zu brennen begann.

Komma.
Das rot markierte Wörtchen würde ich entfernen :wink:
Ausserdem Wortwiederholung von Stirn. Vielleicht anstatt ein zweites mal Stirn Kopf verwenden (Ich spürte, wie mir Blut am Kopf hinunterrann oder so ähnlich). Die Wunde kann meiner Meinung nach nicht sofort wegen des Drecks zu brennen beginnen, selbst wenn das Kopfsteinpflaster vor Schmutz und Unrat nur so starren würde... Es ist wohl eher der übliche Schmerz, der sich zuerst bemerkbar macht.
Dunkelheit umgab mich - dann verlor ich das Bewusstsein.

Das musst du mir erklären :wink: Normalerweise ist es doch umgekehrt? Der Protagonist verliehrt das Bewusstsein und danach (oder besser mit der Ohnmacht) kommt dann die Schwärze. Wieso umgibt ihn die Dunkelheit schon vorher?
Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie viel Zeit vergangen war, als ich mehr schlecht als recht zu mir kam.

Mehr schlecht als recht zu sich kommen empfinde ich als schlechte Wortwahl. Vorschlag: Der Prota kommt unsanft zu sich.
Der hämmernde Schmerz, der durch meinen Kopf jagte, als ich ihn anzuheben versuchte, belehrte mich eines besseren.

Komma wiedermal :wink:
Ausserdem fällt mir auf, das du recht viele solcher Sätze in deiner Geschichte hast. Sie sind keinesfalls grammatikalisch unkorrekt, nur nicht sehr gut lesbar, weil sie (zumindest was mich betrifft) etwas zerstückelt wirken.
Die Stelle des Kopfes, mit der ich aufgeschlagen war, begann ungemütlich zu pochen und ich hatte das Gefühl, mein Schädel sei auf den doppelten Umfang geschwollen.

Das der Prota das Pochen als unangenehm empfindet, ist klar. Deshalb würde ich das Wort entfernen. Ausserdem ist der doppelte Umfang für den Schädel etwas gar übertrieben, aber vielleicht ist das ja gewollt.
Auch der Versuch, Arme und Beine zu bewegen, blieb erfolglos.

Bin mir nicht sicher, ob die Kommas wirklich fehlen, aber ich würde hier an diesen zwei Stellen eines setzen...
Ich war irgendwo auf irgendwas festgeschnallt.

Hier musste ich schmunzeln :) Der Satz ist etwas sehr vage. Natürlich weiss der Prota nicht viel über seine momentane Situation, aber etwas genauer ginge es schon. Vorschlag:
Ich war festgeschnallt. Bringt es meiner Meinung nach besser auf den Punkt :wink:
Einzig mein keuchender Atem schien die Stille zu durchbrechen, bis jetzt dieses Klicken zu hören war.

Das rot Markierte würde ich entfernen.
Ähnlich dem Klacken meiner Schuhe auf dem Kopfsteinpflaster, war dieses Klicken unerträglich intensiv.

Komma.
Mein Mund und meine Kehle waren staub trocken.

staubtrocken würde ich zusammen schreiben.
Doch eine Sache ließ in mir die Angst aufkommen.
Eine unbändige Angst, [...]

Zweimal die Angst. Vorschlag: Doch eine Sache verursachte mir sofort Gänsehaut am ganzen Körper. [...]

Der Cliffhanger am Schluss ist nicht wirklich originell. Ich weiss nicht, was es überhaupt mit dem Klicken auf sich hat. Klar, ich könnte gespannt sein, was denn genau das Klicken verursacht und warum es ertönt. Aber irgendwie bin ich das nicht. Das Klicken ist zu wenig, als das es mich für den nächsten Teil bei der Stange halten könnte.
Ich konnte mich einfach zu wenig in deine Geschichte hineinfühlen. Alles wird einfach so erzählt, ohne gross Gefühle in mir zu regen oder Spannung aufzubauen. Die Angst des Charakters ist sehr oberflächlich beschrieben. Die Geschichte an sich ist zu einfach gestrickt. Der Stil bricht teilweise mit sich selber, vor allem hat mich da die Kommasetzung gestört, welche zum Teil die Sätze ziemlich unschön auseinandergehackt hat. Folglich stockte ich mehrmals beim Lesen. Ich habe jetzt nicht jede Stelle markiert, an der ich gestolpert bin, aber die, welche mir als am wichtigsten erscheinen, habe ich oben angeführt. Auf mich wirkt dein Prolog leider wie der Auftakt zu einer unbeholfenen Gruselgeschichte ohne Tiefgang.

Nimm' dir meine Kritik nicht allzu fest zu Herzen, sondern nur so fest, wie du es für richtig hälst :wink: Ich will dich keinesfalls beleidigen oder verletzten (meine abschliessenden Worte sind ja nicht gerade glimpflich gewählt), sondern dir nur meine Meinung mitteilen. Und diese ziehlt selbstverstänlich auf deinen Text und hat nichts mit dir als Person zu tun. Auch will ich nicht sagen, dass du aufgeben oder nicht mehr weiterschreiben sollst. Nein, im Gegenteil, schreibe weiter und mehr, denn schliesslich wird man nur durch Übung besser.

Freundliche Grüsse

rental
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