[Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Ignotus » 19.04.2015, 15:11

schreiberling hat geschrieben:Naja, Namen sind ja immer auch Worte die ursprünglich mal eine Bedeutung hatten, aber im allgemeinen aus einer älteren kulturellen Epoche der Region stammen. Oft sind es Tiere denen besondere Eigenschaften zugeschrieben werden, religiöse Begriffe oder wünschenswerte Eigenschaften, was aber aufgrund der Änderung der Sprache irgendwann evtl garnicht mehr ersichtlich ist.


Dem ist nur teilweise zuzustimmen. Oftmals wurden die Namen auch aus bereits vorhandenen Gliedern mit ursprünglicher Einzelbedeutung zusammengesetzt. Aus diesem Grund steht auch in "vernünftigen" Namenswörterbüchern bei Wolfgang nicht etwas wie "Der mit dem Gang eines Wolfes", sondern etwas wie "Zweiteiliger Personenname, dessen erster Teil Wolf und dessen zweiter Teil gehen/Gang bedeutet." Auffällig ist dies etwa daran, dass sich Namen wie "Gunthild" bolden konnten, dessen beide Teile die selbe Bedeutung hatten und aus Mischnamen, die aus verschiedenen Sprachen oder mit der ursprungssprache fremden Bildungsmustern zusammengestetzt wurden, z.B. "Tomislav" "Marianne" oder "Annegret".

Außerdem haben längst nicht alle Namen eine Bedeutung. Ronja wurde etwa von Astrid Lindgren aufgrund zweier willkürlicher Silben eines samischen Toponyms (neu-)gebildet.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Ankh » 17.07.2015, 16:36

Ich möchte jedem nur ans Herz legen, überlegt euch gut, einen Namen zu verwenden der auf -s endet. Diese Genitiv-Apostrophe machen mich wahnsinnig. Außerdem sollte man sich überlegen, ob man wirklich hundert mal einen Namen mit irgendwelchen Sonderzeichen schreiben möchte.

Als Leser finde ich Namen doof, von denen ich nicht weiß, wie man sie ausspricht, entweder weil sie zu lang oder eben seltsam konstruiert sind. Ich lese in meinen Gedanken laut mit (ich hoffe, ihr wisst. was ich meine...), und wenn ich dann jedesmal über einen Namen stolpere, dann kann das durchaus ein Minuspunkt für das Buch sein.
Zuletzt geändert von Ankh am 17.07.2015, 17:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Kelpie » 17.07.2015, 17:01

Guter Thread, in letzter Zeit bekomme ich ja beinahe nur Tadel für den Namen meines Protas.

Wie sieht es eigentlich mit Buchstaben aus, die ihr nicht kennt? Akzeptiert ihr sowas beim Lesen? (ǫ, þ, ð, æ, œ) Wünscht ihr euch eine Aussprachehilfe zu Beginn z.B.? Oder sollte es einfach gleich eingedeutscht werden?
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Ankh » 17.07.2015, 17:09

@Kelpie, wie heißt er denn?

Wie gesagt, wenn ich nicht weiß, wie man es aussprechen soll, dann stolpere ich beim Lesen darüber. Ein Aussprache-Guide am Anfang ist eine interessante Idee, vor allem wenn man den Namen sonst nicht sinnvoll darstellen kann. Allerdings bleibt die Frage, warum der Name überhaupt so fremde Laute enthalten muss. Wenn die Geschichte in unserer realen Welt spielt und die Namen eben so geschrieben/ausgesprochen werden, dann wäre das für mich okay. Aber einen puren Fantasy-Namen auch noch mit Sonderzeichen vollzustopfen finde ich Folter. Den kann ich dann ja nicht einmal nachschlagen :?
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Libelle » 17.07.2015, 17:10

@Kelpie

Da ich Bücher nie laut vorlese, sondern als Schnellleser hauptsächlich Wortbilder erkenne, finde ich diese Sonderbuchstaben in Ordnung, solange sich nicht zu viele in einem Wort tummeln und das Wort gut aussieht. Ich denke, im Fantasygenre würde sich das gut machen, weil es eine gewisse Exotik hat und die Aussprache im Grunde egal ist.

Bei Romanen, die in unserer realen Welt und unserem Kulturraum spielen, wäre ich vorsichtig. Ein Kommissar in Deutschland, der þigurður Bræczþǫhmpflmðœ heißt, und dessen Kollege þæmún Smǫæðcz werden vermutlich nicht viele Fans haben.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon grit » 17.07.2015, 17:24

Ich mag es nicht, wenn ich Namen nicht aussprechen kann und sie Zeichen enthalten, die mir nicht geläufig sind. Die Konsequenz: Meine Namen, auch die erfundenen, sind einfach auszusprechen und enthalten keine Sonderzeichen.

Aber:

Wenn die Geschichte gut ist, lese ich da drüberweg - dann heißt es in meinem Kopf "der lange mit A" oder ich erfinde mir da eine Art Abkürzung und vermeide es, den Namen in Gedanken auszusprechen.
Aussprachehilfen sind immer sehr gut gemeint und ich lese sie mir auch durch, wenn sie vorn im Buch stehen. Manches bleibt dabei sogar hängen und ich habe ein bisschen was hinzugelernt.
Es sollte allerdings in einer Geschichte nicht nur solche Namen geben.

Viele dieser "unaussprechlichen" Namen lassen sich ja auch lesbar darstellen. Solange man nicht so viele in einem Wort hat, so dass das Auge den Namen als Bild wahrnehmen und wiedererkennen kann, ist es in Ordnung. So etwas wie in Libelles Beispiel - da streiche ich die Segel.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Kelpie » 17.07.2015, 19:16

@Ankh,
der Name lautet "Aofhlaid", theoretisch Aufchleit ausgesprochen, aber mir wäre es egal, wenn die Leser bei Aoflait bleiben.

Man kann sich natürlich die Frage stellen, warum ich nicht einfach bei Alait oder so bleibe, aber für mich sind Namen mehr als eine Bezeichnung für den Prota und da ich unterschiedliche Kulturkreise bediene, ist es mir wichtig, da auch namentliche Unterschiede zu machen. In dem Fall lehne ich es ans Altirische an, ich persönliche finde das Buchstabenbild dieser Namen meistens mindestens ebenso umständlich - aber auch sehr sympathisch.

Bei Cornwell habe ich damals Æthelflæd gelesen; das sieht m.E. sehr exotisch aus, weil das æ auch noch zu Beginn des Namens vorkommt. Dennoch - mich hat es nicht gestört. Gerade bei solchen Buchstaben erfindet sich doch jeder seine eigene Aussprache, oder? Ob die nun richtig ist oder nicht, spielt ja dann erstmal keine Rolle.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Ankh » 17.07.2015, 19:40

Naja, unter einem æ wird sich der Durchschnittsdeutsche eben ein ä vorstellen. Bei einem þ sieht das schon anders aus; wer nicht gerade Ahnung von Altenglisch hat weiß ja nichtmal, in welche Richtung das geht.

Ich helfe oft in einem Forum, wo Ausländer Deutsch lernen. Da kommt es immer wieder vor, dass sie statt ß ein B tippen, weil sie denken, sieht ja ähnlich aus. Für uns Deutsche liest sich das natürlich, als hätten sie alle Schnupfen, aber woher sollen sie denn spontan wissen, dass das ein s-Laut ist? Wenn das schon bei Sprachlernenden ein Problem ist, kannst du nicht erwarten, dass ein Leser eines Unterhaltungsromans lange nachforscht, was ein Thorn ist.

Deinen Namen würde ich beim Lesen vermutlich "Offlet" aussprechen... :oops:
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Julestrel » 19.07.2015, 07:40

Aofhlaid finde ich noch okay, wenn nicht alle Namen so sind, dass man genauer hinschauen muss um sich erstmal ein Klangbild zu machen :) Ausgesprochen hätte ich es so, wie man es schreibt, aber ich gehöre auch zu den Leuten, die selten mit Hilfe des Glossars die richtige Aussprache lernen.

Æthelflæd wäre dagegen für mich ein No Go. Mag sein, dass das auch eine richtige Schreibweise ist, aber das liest sich, als ob jemand sehr kreativ mit Sonderzeichen war und es stört mich im Schriftbild.


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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Zikadenflüsterin » 22.07.2015, 13:39

Herrlich, mein Gehirn macht

þigurður Bræczþǫhmpflmðœ

Piguror Brätschpomppflaume

und dessen Kollege þæmún Smǫæðcz

Pämun Smötsch

Zumindest die Nachnamen sind nun recht deutsch. Und die Tatsache, dass ich ignorant genug bin, aus þ einfach ein P zu machen, bestätigt auch Ahnks ß-B Erfahrung.

Außerdem
Æthelflæd

Äthelfläd

Klingt nach einem Männernamen für mich. Nun stellt euch den mal als Oberbösewicht vor:

"Sie erzitterten vor dem grausamen Äthelfläd."

Ich sag euch, ich weiß nicht, ob sch der Humor hier vermittelt, aber ich hab mich vorhin im Arztwartezimmer so weggeschmissen, als ich den Thread mobil gelesen habe. :D

Gegen "alte" Namen habe ich nichts, die können schon einen gewissen Charakter haben. Ich habe mir zum Beispiel nach den ersten Threadseiten überlegt, tatsächlich mal eine Hauptfigur Renate zu nennen. Es ist ja dann der Charakter, der den Namen mit Bedeutung füllt, und nicht umgekehrt.
Und Renate ist schön kurz und knackig.

Mir missfällt an Namen besonders, wenn sie einfach zu lang sind. Aber ich glaube, das machen viele Autoren schon instinktiv richtig, da sie selbst eben auch viel lesen, und wissen dass sich Kurzes besser erfasst.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Padrion » 22.07.2015, 17:16

Kelpie hat geschrieben:@Ankh,
der Name lautet "Aofhlaid", theoretisch Aufchleit ausgesprochen, aber mir wäre es egal, wenn die Leser bei Aoflait bleiben.


Bei Namen, die mir nicht geläufig sind, tendiere ich dazu, strinkt die einfachstmögliche deutsche Aussprache zu wählen. In dem Beispiel würde es auf A-ofl-eid hinauslaufen (A und o getrennt ausgesprochen, a und i als "ei" zusammengezogen, das h verhindert, dass ich das l von dem f trennen kann). Gedanklich würde ich wahrscheinlich "Kartoffelheld" draus machen ;)

Generell würde ich sehr dazu raten, sofern es möglich ist, leicht auszusprechende Namen zu verwenden. Eine Auspracheanleitung halte ich da ganz klar nur für eine Notlösung, wenn man nicht drumherum kommt.
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Re: [Namen] No-Go-Namen für Charaktere?

Beitragvon Tawa » 16.10.2015, 21:51

Hass-Namen hat, glaube ich, jeder.
Bei mir sind es di, die z.B. Falsch geschrieben sind.
Sobald eine Merry auftaucht, war's das.
No-Go's sind aber auch sehr deutsche Namen. Natürlich kommt es immer auf die Geschichte an.
Anglizismen benutze ich recht gerne, vor allem in Romanen der heutigen Zeit.

Mittelalterliche Geschichte sollte ungewöhnliche, aber nicht allzu schwere Namen enthalten.
Prinz Kjalíœste, tschau, und auf Nummer Wiedersehen xD
"Leben heißt Veränderung," sagte der Stein zur Blume und flog davon.
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