Tick, tack, zwei Minuten vor zwölf. Winzige Schweißperlen sammelten sich über ihrer Oberlippe. Ihre Hände wurden feucht. Sarah kam in den Raum.
„Ich bin so weit, ich gehe ins Bett. Brauchen sie noch etwas?“ Sie stellte ihr wie jeden Abend, ein paar selbst gemachte Plätzchen und ein Glas Milch auf den Beistelltisch.
„Danke Sarah, ich brauche nichts, danke.“
„Wie sie wünschen.“ Sarah schoss leise die Tür hinter sich und ging.
Tick, tack. Zwölf Uhr. Ihr Blick stur auf die Uhr gerichtet. Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals. Nichts geschah. Sie fühlte sich gut und .. verlegen. Ein Scherz, nicht mehr. Erleichtert nahm sie ein Plätzchen und die Milch und begab sich zu Bett. Was bin ich doch naive? Gut, dass ich nicht die Polizei eingeschaltet habe.
Vier Minuten später lag sie in ihrem Bett. Sie fühlte sich müde, es war schon spät. Ihre Arme sanken bleiern auf die Bettdecke. Sie holte tief Luft, ihr Brustkorb wirkte wie mit Wasser gefüllt und träge. Das Atmen fiel ihr schwer. Als sie nach der restlichen Milch greifen wollte, versagten ihr die Arme den Dienst. Star, unbeweglich lag sie in ihrem Bett. Zwölf Uhr und vier Minuten.
Kein Laut drang über ihre Lippen, die Lider wurden schwer. In ihrem Kopf drehte sich alles, Dunkelheit schluckte das sich drehende Karussell. Zog sie mit sich in die Tiefe. Sie hörte wie die Tür sich leise öffnete und wieder schloss. Durch einen trüben Schleier sah sie Sarah, die sich über sie beugte.
„Sie dachten, ich weiß das nicht. Aber ich konnte es hören. Wie sie mit der Agentur gesprochen haben und sich nach einer neuen Haushaltshilfe gefragt haben. Ich stehe seit dreißig Jahren in ihrem Dienst. Ich hab schon für ihre Mutter, Gott hab sie selig, gearbeitet. Sie sind undankbar und hochnäsig. Wo soll ich denn ihrer Meinung nach hin, wenn sie mich entlassen?“
Zwölf Uhr fünf.
