Noch eine Stunde zu leben. 2/2

Noch eine Stunde zu leben. 2/2

 
Tick, tack, zwei Minuten vor zwölf. Winzige Schweißperlen sammelten sich über ihrer Oberlippe. Ihre Hände wurden feucht. Sarah kam in den Raum.
„Ich bin so weit, ich gehe ins Bett. Brauchen sie noch etwas?“ Sie stellte ihr wie jeden Abend, ein paar selbst gemachte Plätzchen und ein Glas Milch auf den Beistelltisch.
„Danke Sarah, ich brauche nichts, danke.“
„Wie sie wünschen.“ Sarah schoss leise die Tür hinter sich und ging.

Tick, tack. Zwölf Uhr. Ihr Blick stur auf die Uhr gerichtet. Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals. Nichts geschah. Sie fühlte sich gut und .. verlegen. Ein Scherz, nicht mehr. Erleichtert nahm sie ein Plätzchen und die Milch und begab sich zu Bett. Was bin ich doch naive? Gut, dass ich nicht die Polizei eingeschaltet habe.

Vier Minuten später lag sie in ihrem Bett. Sie fühlte sich müde, es war schon spät. Ihre Arme sanken bleiern auf die Bettdecke. Sie holte tief Luft, ihr Brustkorb wirkte wie mit Wasser gefüllt und träge. Das Atmen fiel ihr schwer. Als sie nach der restlichen Milch greifen wollte, versagten ihr die Arme den Dienst. Star, unbeweglich lag sie in ihrem Bett. Zwölf Uhr und vier Minuten.

Kein Laut drang über ihre Lippen, die Lider wurden schwer. In ihrem Kopf drehte sich alles, Dunkelheit schluckte das sich drehende Karussell. Zog sie mit sich in die Tiefe. Sie hörte wie die Tür sich leise öffnete und wieder schloss. Durch einen trüben Schleier sah sie Sarah, die sich über sie beugte.

„Sie dachten, ich weiß das nicht. Aber ich konnte es hören. Wie sie mit der Agentur gesprochen haben und sich nach einer neuen Haushaltshilfe gefragt haben. Ich stehe seit dreißig Jahren in ihrem Dienst. Ich hab schon für ihre Mutter, Gott hab sie selig, gearbeitet. Sie sind undankbar und hochnäsig. Wo soll ich denn ihrer Meinung nach hin, wenn sie mich entlassen?“

Zwölf Uhr fünf.

von Claudia.2

 
Endlich mal ein Krimi. Nette Geschichte. Naja eigentlich ist sie ja nicht nett, weil es ja um einen Mord geht, aber trotzdem gut.
Mir hat auch sehr gut gefallen wie du das mit der Uhrzeit gemacht hast. Auch wenn es von vorne herein klar war, dass es das Dienstmädchen sein muss, war es trotzdem sehr nett zu lesen. Bin schon gespannt ob weitere solche Geschichten von dir herauskommen. Mach weiter so.

Gruß

Melvyn

von Melvyn

 
Och, so offensichtlich? Mist. Da muss ich natürlich dran arbeiten.
Danke, für's Kommentieren. :wink:

Claudia.2

von Claudia.2

 
Hallo Claudia!

Finde die Geschichte auch klasse geschrieben (allerdings sind hier und da ein paar Tippfehler, vielleicht einfach nochmal drüber schauen :wink: ). Besonders das mit der Uhrzeit, da kann ich mich Melvyn nur anschließen, hat mir gut gefallen!

Auch ich hatte schon ziemlich schnell den Verdacht, dass es das Dienstmädchen war. Vielleicht ein Tipp, der mir spontan kam: Du könntest einfach eine Passage einbauen, in der z.B. ihr Ex-Freund beim Besuch das Buch in den Händen hält. Er liest ebenfalls gerne und interessiert sich dafür, welches Buch sie grade liest. Somit steigt der Verdacht, dass er es gewesen sein könnte.

Liebe Grüße,
Sternenglitzer

von Sternenglitzer

 
Hallo Sternenglitzer,
danke für den Tipp. :wink:
Habs im ersten Teil mit eingebaut.

Claudia

Danke Melvyn, freut mich, dass es Dir gefallen hat.

von Claudia.2

Re: Noch eine Stunde zu leben. 2/2

 
Hallo nochmal,

wieder der Textkram:
Wie sie wünschen.“ Sarah schoss leise die Tür hinter sich und ging
.

"Wie Sie wünschen."

Was bin ich doch naive?


naiv. Außerdem würde ich das Fragezeichen weglassen.

„Sie dachten, ich weiß das nicht. Aber ich konnte es hören. Wie sie mit der Agentur gesprochen haben und sich nach einer neuen Haushaltshilfe gefragt haben. Ich stehe seit dreißig Jahren in ihrem Dienst. Ich hab schon für ihre Mutter, Gott hab sie selig, gearbeitet. Sie sind undankbar und hochnäsig. Wo soll ich denn ihrer Meinung nach hin, wenn sie mich entlassen?“


"Sie", "Ihr" wird immer groß geschrieben, da es sich um die Höflichkeitsform handelt.

Tja, nun der Abschlusskommentar :) Ja, ein wenig vorhersehbar ist die Geschichte schon. Es blieben ja nicht viele Personen, die den Zettel in das Buch hätten stecken können und noch dazu so genau Sarahs Routine kannten.

Ja, auch das Ticken ist gut. Das Zählen der Minuten. Aber so richtige Spannung kam bei mir dann nicht auf. Das was Du im ersten Teil aufgebaut hast, fällt hier ein wenig in sich zusammen. Das könnte an der Länge, bzw. Kürze liegen. Ich hätte vielleicht die Minuten ein wenig langsamer verstreichen lassen, Sarah noch ein wenig grübeln lassen, o.ä. .

Aber auch hier hast Du routiniert und flüssig geschrieben.

Liebe Grüße,
gori

von gori

Re: Noch eine Stunde zu leben. 2/2

 
Der zweite Teil ist ebenfalls sehr gut gelungen! Die Geschichte gefällt mir, schön spannend aufgebaut! Obwohl ich es ein wenig offensichtlich finde, nachdem Sarah die Kekse und die Milch hinstellt. Da war mir dann spätestens klar, dass sie es sein wird ;)
Aber ansonsten echt gut! Mach weiter so!
Was mir auch sehr gut gefällt ist der abschließende Satz: Zwölf Uhr und fünf Minuten.
Klasse :mrgreen:

MfG Raim

von raim_sod