Pest Im Mittelalter

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Pest Im Mittelalter

 
Guten Abend liebe Userschaft,

ich stehe gerade vor einem großen Problem. Ich habe das erste Kapitel meines historischen Romans bereits abgeschlossen. Nun wollte ich mit dem Zweiten beginnen und, da in diesem die Pest (nicht der "Schwarze Tod") eine große Rolle spielen wird, stelle ich mir eine Frage: welche Form der Pest war im Mittelalter, meine Geschichte spielt im 6. bzw. 7 Jahrhundert, wohl am verbreitesten? Google und auch einschläge Online-Lexika liefern mir verschiedene Formen dieser Krankheit (Beulenpest, Lungenpest etc.). In den historischen Romanen, die ich bereits gelesen habe, kommt diese Krankheit immer wieder vor, doch nie wird die Form explicit genannt.

Meine Frage ist nun: Ist es überhaupt von Bedeutung, welche Form der Krankheit ich erwähne bzw. in meinem Roman beschreibe? Reicht es aus, wenn ich lediglich den Krankheitsverlauf beschreibe und die Diagnose den Lesern überlasse?

Und eine weitere Frage brennt mir unter den Nägeln. In einem Roman von Rebecca Gable habe ich gelesen, dass Dorfbewohner schwarze Tücher an die Häuser hefteten, in denen sich, an der Pest, Erkrankte Menschen befanden. Da dieser Roman allerdings im 14.Jahrhundert spielte, stellt sich mir die Frage, ob es auch vorher schon üblich gewesen sein könnte, auf diese Weise auf Erkrankte hinzuweisen?

Vielleicht kann mir Jemand von euch bei diesen Fragen helfen.

LG
Darkenigma

von Darkenigma87

Re: Pest Im Mittelalter

 
servus,

zur Pest gegen 6. und 7. Jahrhundert kann man nur wenig sagen, da sie nur ´schmächtig´ festgehalten wurde. Erst gegen das 14. Jahrhundert gab es bessere Aufzeichnungen.

Die Beulenpest (ist der schwarze Tod) kam im 16. Jahrhundert auf und war nicht so gefährlich wie die Lungenpest (14. Jahrhundert). Inkubationszeit waren 4 Tage, und da konnte man hoffen, ob man lebte oder starb.

Wie gesagt, wenn im 6 und 7 Jahrhundert fast nichts über die Krankheit notiert ist, dann bezweifle ich auch, dass es Hinweise über die Tücher zur Markierung von Kranken gab.

Ich würde schon sagen, eher nur den Krankheitsverlauf, weil man die ´Pest´ zu dieser Zeit nicht kannte.

Grüße
David

von David

Re: Pest Im Mittelalter

 
Darkenigma87 hat geschrieben: wenn ich lediglich den Krankheitsverlauf beschreibe und die Diagnose den Lesern überlasse?


Ich würde sagen, überlass die Diagnose den 6./7. Jahrhundert Badern/Kräuterfrauen, halt denen, die die Krankheit behandeln. Die hatten eine ganz andere Vorstellung von Krankheiten und haben vermutlich von Beulen oder Lungenpest noch nie was gehört... Ich würde den damaligen Menschen nicht solche modernen Vorstellungen oder Begriffe in den Mund legen.

von schreiberling

Re: Pest Im Mittelalter

 
Das Problem, an einer genauen Diagnose der Verlaufsformen der Pest im Mittelalter ist, dass heutigen Ärzten nur ungenaue Informationen zur Verfügung stehen. Manche Ärzte vermuten, dass ein Teil der damaligen Pesttoten in Wahrheit an einer Form der (wesentlich verbreiteren) Pocken (den Blattern) verstarb.
Wenn du auf Fachbezeichnungen verzichten willst, würde ich zumindest die Symptome beschreiben, damit der Leser ahnt, an welcher Form der Pest die Person erkrankt ist.
Erkrankte mit einer Lungenpest sollen z.B. charakteristisch husten, bei der Bubonenpest wäre dies weniger/nicht der Fall.

von rkl

Re: Pest Im Mittelalter

 
Im 6./7. Jahrhundert wäre ich vorsichtig mit der Pest. Im 14. Jahrhundert ist die Sache schon glaubhafter. Vielleicht findest du in regionalen Quellen Hinweise zu Pestepedemien. Bei mir in der Gegend war zum Beispiel 1648 eine, also zwei Jahre nach dem 30-J. Krieg.

von Tante Grete

Re: Pest Im Mittelalter

 
Wieso soll die Pest im 6. Jahrhundert nicht glaubhaft sein? Die gab es schon im Altertum, wobei damals jede schwere Seuche als Pest bezeichnet wurde. Beschreibungen der Symptome gab es aber schon bei den alten Griechen und Römern und auch im Alten Testament. Um 550 vor (!) Christus starben viele Bewohner des Römischen Reiches daran. Hier ein Link, den ich gerade gefunden habe; hier wird auch explizit das 6. Jahrhundert genannt.
http://www.volksapotheke.ch/2009/Kunst%20und%20Pharmazie/Pest.html#Altertum

Beulen- und Lungenpest unterscheiden sich relativ deutlich anhand der Symptome. Wenn also der Krankheitsverlauf genauer beschrieben wird, kann man das Kind also eigentlich auch beim Namen nennen, jedenfalls im Erzähltext. Ob die handelnden Personen das schon einzuordnen vermochten, ist eine andere Frage. Aber unabhängig vom Wissen der Personen in der Story schert sich die Krankheit ja nicht darum, ob die Menschen sie damals diagnostizieren und behandeln konnten. Existiert hat sie dennoch.

von Joe M. Fauntleroy

Re: Pest Im Mittelalter

 
Na dann muss man sehr gute Quellen haben, denn Pestepedemien gab es nicht in jedem Jahr.

von Tante Grete

Re: Pest Im Mittelalter

 
Das ist schon richtig, aber wenn die Daten über diese Zeit sowieso dürftig sind, dann kann ja auch keiner beweisen, dass es zu der in der Geschichte beschriebenen Zeit KEINEN Pestausbruch gab. Wenn man nicht gleich eine umfassende Epidemie beschreibt, sondern einen begrenzten Ausbruch, dürfte sich das Problem ohnehin erledigen, denn solche Ausbrüche sind theoretisch immer und überall möglich gewesen.

Damit so etwas glaubhaft ist, muss es ja nicht zwangsläufig tatsächlich passiert sein. Es muss lediglich denkbar und plausibel sein.

von Joe M. Fauntleroy

Re: Pest Im Mittelalter

 
Hallo,

was die historischen Fakten angeht, habe ich gar keine Ahnung, aber rein aus Lesersicht schließe ich mich Joe M. Fauntleroys Meinung an.

Ich würde einen Pestausbruch im Jahr Fünfhundertschlagmichtot auf jeden Fall für wahrscheinlich halten und somit auch glauben, sofern dabei nicht der ganze Landstrich oder das halbe Reich ausgerottet wurde. Das wäre mir dann doch zu viel - sofern der Roman für sich in Anspruch nimmt, sich an die tatsächlichen geschichtlichen Abläufe zu halten. Wenn er rein fiktiv ist und das auch klar hervor geht (z.B. im Vor- oder Nachwort), könnte ich allerdings durchaus ein Auge zudrücken.

Pest, Cholera, Pocken und all die anderen Krankheiten waren damals auch aufgrund der hygienischen Verhältnisse keine Seltenheit und weshalb sollte der eine oder andere Pestausbruch im 6. Jh. weniger wahrscheinlich sein als eine Pandemie im 14.?

von Evil Angel

Re: Pest Im Mittelalter

 
Nur mal so als Einwurf: Auch wenn das viele denken, der Schwarze Tod ist kein Synonym für die Beulenpest. Wir haben letztens in Geschichte noch einen Film darüber gesehen.

Ich hab dazu noch einen Link gefunden: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft ... 50029.html

Da wird das ganz gut erklärt, ich hab nämlich nicht all die Gründe behalten, warum die beiden Krankheiten sich voneinander unterscheiden. :roll:

LG,
Akyra

von Akyra