[Liebe]Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon Blacksad » 05.05.2014, 13:03

Die Sonne kippte ihr sprödes Licht wie schwelende Magma über die Fußgängerzone. Es war einer dieser Tage, an denen du das Gefühl hast, die Sohlen deiner Schuhe würden auf dem flimmernden Asphalt schmelzen wie ein Marshmallow über dem Feuer. Einer von jenen, an denen dir die klare Luft nicht nur zum Atmen, sondern auch zum Denken fehlt. Es war ein Tag im ersten Sommer mit dir und dem fünften ohne Lesly. Lesly war nicht tot, Lesly war im Urlaub, Urlaub vom Leben hatte er gesagt, vom Leben, sich selber und den Anderen. Fin war der Meinung, er sei auf der Flucht gewesen, der Flucht vor sich selbst und dem eigenen Versagen. Die Zwillinge redeten sich krampfhaft ein, dass es der einzige Weg für ihn gewesen wäre, der einzige Weg sich von seinem Leid zu erlösen. Und Ruth gab sich immer noch der Illusion hin, das alles schon wieder in Ordnung kommen würde. Ich hingegen glaubte gar nichts von alledem. Ich wusste das Lesly unwiderruflich die escape Taste gedrückt hatte - Systhemwiederherstellung ausgeschlossen.
Nachts sah ich ihn in meinen Träumen, aber nicht so wie man sich an einen Freund erinnern will. Ich sah Leslys Leiche, was komisch war, weil ich seine Leiche eigentlich nie gesehen hatte. Es schien jedes mal, als hätten sich all seine Pigmente, alle Farbe, alles Leben im Rot seines spröde aufgedunsenen Mundes manifestiert. Als würde sich alle Kraft dort sammeln wie ein Heer vor dem Sturm mit dem Ziel mir ein letztes Wort zu sagen. Doch es blieb jede Nacht still, bis auf den gurgelnden Schrei aus meiner eigenen Kehle, der mich aus dem Schlaf riss.
Während ich über all das nachdachte, kaufte ich mir einen, mehr oder weniger warmen, Cappuccino im Pappbecher an einem schmutzigen Kiosk einer billigen Bäckereikette im Stadtkern. Der Milchschaum war schon Sekunden nachdem der Kaffee den Stand verlassen hatte, zu einem widerlichen Laktoseschmadder zusammengesunken und schwamm traurig auf der schwarzen Brühe. Probeweise nahm ich einen Schluck -eklig, noch einen -ex, weg! Ich knüllte die improvisierte Tasse zusammen und pfefferte sie in den nächsten Mülleimer. Eine Taube flatterte erschrocken auf, ließ einige flaumige Federn und Dreck zurück - vier weitere folgten ihr.
Lesly mochte Tauben, Kaffee konnte er nicht ausstehen, nicht einmal den von „Starbucks“, den sonst eigentlich jeder mochte. Das Einzige was er mochte, war der Milchschaum, aber auch nur, wenn er schneeweiß war und kein bisschen nach etwas anderem als nach Milch schmeckte. Er hatte außerdem die fürchterliche Angewohnheit, einem eben diesen Schaum vom Cappuccino zu löffeln, ohne zu fragen natürlich.
Vielleicht war das der Grund, oder zumindest einer der Gründe, warum viele nicht mit ihm klar kamen, warum er eine dieser Personen war, die in dieser Gesellschaft als „Außenseiter“ oder „sozial inkompetent“ abgestempelt werden, nur weil sie einige Normen und Werte ignorieren, warum er sich manchmal allein fühlte, zur Klinge griff. Alles wegen dieses Ticks - Butterfly-Effekt.
Inzwischen passierte ich die nach Urin und Beton stinkende Unterführung zur S-Bahn. Hässliche Graffitis verdeckten die bunte Wandmalerei einer örtlichen Grundschulklasse, die dem düsteren Ort wohl etwas Leben einhauchen sollten.
Die Rolltreppe, die zur Station führte, brummte monoton. Zerschnitten durch das Geländer, gespiegelt in der Metallfront fuhr ich nach unten, in den Schacht, den Schlund.

Ich bin auf dem Weg zu dir. Ich weis, dass du es nicht leiden kannst wenn ich dich besuche. Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe. Vor genau fünf Monaten kamst du zu mir. Du sagtest mir das es mehrere von euch gebe und jeder habe einen Brief bekommen. Fin sei die Lunge, Ruth die Nieren, Die Zwillinge die Augen und ich das Herz. Du wolltest eigentlich nicht kommen. Es sei dir egal wem dein Herz früher gehört habe, es sei jetzt deins. Du hattest mir einen bitteren Blick zugeworfen und mir wortlos den Brief hingestreckt.
Die Sätze lagen in kleinen Buchstaben und irgendwie krumm auf dem Papier. Die Tinte war nicht verlaufen, Lesly hatte nicht geweint.
Hey Pea,
Ich bin's Lesly, Ich weis das du stinksauer auf mich bist. Vermutlich hast du diese kleine Zornesfalte zwischen deinen Augenbrauen kleben, du weist schon die Fuck You Falte.
Ich hoffe du erinnerst dich an mich als den Typen dessen Fingernagel genau dazwischen gepasst hat um sie wieder auseinander zu schieben.
Wenn ich auf mein Leben zurück Blicke habe ich das Gefühl, dass es viele Glückliche Momente gab. Wir waren wie ein ratternder VW Golf zweier außen Pfui und innen Hui aber nicht tot zu Kriegen. Fin war unser Motor er hielt alles am laufen, die Zwillinge waren wie Nebelscheinwerfer die uns selbst in der trübsten Suppe den Weg zum Ziel leuchteten, du warst wie der Autoschlüssel, ohne dich ging gar nichts und Ruth war eben einfach Ruth. Trotzdem hatte ich das Gefühl das Ersatzrad zu sein. Immer mit dabei aber ohne direkten Kontakt zur Straße. Wartend darauf bei einer Reifenpanne zum Einsatz zu kommen. Aber ihr habt mich nie gebraucht weil ihr auch ohne mich perfekt funktioniert habt.
Bevor ich gegangen bin habe ich einen Organspendeausweis ausgefüllt weil ich denke das es andere Autos gibt die Einen Platten haben und denen ein sonst überflüssiges Reserverad von Nutzen sein kann.
Auch wenn wir nie ein Paar waren, hat mein Herz doch immer für dich geschlagen also will ich dir seinen neuen Besitzer vorstellen. Ich hoffe er ist nett zu dir. Du weist das ich nie an Seelenwanderung und den ganzen Scheiß von wegen Reinkarnation geglaubt habe, aber ich denke Organe sind verdammt eigenwillige Dinger und ich will das mein Herz in seinem neuen Körper glücklich wird. Es schlägt jetzt für ihn aber auch immer noch für dich und ich glaube das es da wieder raus will wenn es dich nicht sehen kann. Also tu mir den Gefallen und Besuche es ab und zu.


"Hast du ihn gelesen?" Habe ich dich gefragt.
Anstatt mir eine Antwort zu geben hattest du geschnaubt und deinen Kopf zur Seite geworfen als habe dich die Frage geohrfeigt.
"Ich bin nicht er."
Du hattest recht, du warst nicht wie Lesly, kein bisschen. Du mochtest Kaffe und hasstest Tauben und du Lebst, liebst jeden Tag, intensiv.
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.
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Re: Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon Lougana » 07.05.2014, 18:51

Hallo Blacksad,

dies ist mein erster Kommentar zu einem Werk. Ich hoffe daher, du hast etwas Nachsicht mit mir, falls ich etwas zu umständlich formulieren, selbst einige Fehler „reinhauen“ oder etwas falsch interpretieren sollte. Bin eben noch totaler Anfängerin. :wink:

Ich habe mir dein Werk ausgesucht, da es ein noch Unbeantwortetes in dem Bereich Romanzen war. Des Weiteren hat mir dein Arbeitstitel sehr gut gefallen. Dieser deutet an, dass es hier vielleicht um ein Leben nach dem Tod gehen könnte und hier insbesondere zwei Menschen im Vordergrund stehen. Das würde mich in einer Geschichte eben direkt ansprechen.

Dann fange ich einfach mal oben bei deinem Werk an:

Blacksad hat geschrieben: Die Sonne kippte ihr sprödes Licht wie schwelende Magma über die Fußgängerzone.


Hier verstehe ich nicht ganz, wie das „spröde“ zu verstehen ist. Aufgefallen ist mir auch, dass dieses Wort weiter unten im Text nochmals vorkommt. Ich würde es daher komplett weglassen oder ersetzen. Falls du nicht an deinem ersten Satz hängen solltest, würde ich diesen sogar komplett streichen, da der zweite Satz meiner Meinung nach dasselbe aussagt, wie der erste Satz. Zumal finde ich, hört sich dein Text sodann viel flüssiger an.

Sorry, wenn ich den ersten Satz so kritisiere, aber ich bin irgendwie hängen geblieben und musste mehrmals lesen. :oops:

Blacksad hat geschrieben:Lesly war nicht tot, Lesly war im Urlaub, Urlaub vom Leben hatte er gesagt, vom Leben, sich selber und den Anderen.


Hier würde ich gegebenenfalls mehr Punkte setzten und den letzten Teil weglassen, da ich finde, zum Leben gehört einfach alles, auch andere Menschen. Gegebenenfalls so:

Lesly war nicht tot. Lesly war im Urlaub. Urlaub vom Leben hatte er gesagt.

Blacksad hat geschrieben:Fin war der Meinung, er sei auf der Flucht gewesen, der Flucht vor sich selbst und dem eigenen Versagen.


Hier würde ich ebenfalls einen Punkt setzen und anstatt „dem“ „seinem“ sagen. Ungefähr so:

Fin war der Meinung, er sei auf der Flucht gewesen. Der Flucht vor sich selbst und seinem eigenen Versagen.

Hier liest es sich für mich einfach klarer.

Blacksad hat geschrieben: Die Zwillinge redeten sich krampfhaft ein, dass es der einzige Weg für ihn gewesen wäre, der einzige Weg sich von seinem Leid zu erlösen.


Bei diesem Satz könnte man gegebenenfalls eine Verdoppelung umgehen, da in den vorangegangenen Sätzen bereits einige Dopplungen/Wiederholungen von Wörtern vorkommen:

Die Zwillinge redeten sich krampfhaft ein, dass es der einzige Weg für ihn gewesen wäre, sich von seinem Leid zu erlösen.

Zuerst hatte ich mich hier gefragt „Hä? Welche Zwillinge?“. Aber es scheint hier dann, wenn man den nächsten Satz liest eine Art Aufzählung zu sein. Und im Endeffekt weiß man auch, um wen es sich dabei handelt.

Blacksad hat geschrieben: Und Ruth gab sich immer noch der Illusion hin, das alles schon wieder in Ordnung kommen würde.


Hier würde ich „das“ mit „ss“ schreiben.

Ich wusste, dass Lesly unwiderruflich die Escape-Taste gedrückt hatte - Systemwiederherstellung ausgeschlossen.


Die roten Punkte würde ich so verbessern.

Blacksad hat geschrieben:Es schien jedes mal, als hätten sich all seine Pigmente, alle Farbe, alles Leben im Rot seines spröde aufgedunsenen Mundes manifestiert... mit dem Ziel mit ein letztes Wort zu sagen.


In diesem Satz kommt, wie bereits oben erwähnt, nochmals das Wort „spröde“ vor. Diesen Satz musste ich ebenfalls mehrfach lesen. Ich kann es mir bildlich einfach nicht vorstellen. Vielleicht solltest du diesen etwas umändern. Zum Beispiel so:

Jedes Mal schien es mir so, ob all das Leben, das aus seinem Körper gewichen ist, sich zu einem letzten Atemzug auf seine rot aufgedunsenen Lippen sammelte, nur um mir ein letztes Wort zu sagen.

Blacksad hat geschrieben:Ich knüllte die improvisierte Tasse zusammen und pfefferte sie in den nächsten Mülleimer.


Warum improvisierte Tasse? Ich würde einfach bei dem Pappbecher bleiben.

Blacksad hat geschrieben:Er hatte außerdem die fürchterliche Angewohnheit, einem eben diesen Schaum vom Cappuccino zu löffeln, ohne zu fragen natürlich.


Hier würde ich ebenfalls etwas umschreiben, damit der Satz verständlicher klingt. In so etwa:

Er hatte außerdem die fürchterliche Angewohnheit einfach den Schaum von anderen Leuten Cappuccinos zu löffeln.

Den Teil mit dem „ohne zu Fragen natürlich“ würde ich weg lassen, da sich dies auch durch das „einfach“ ergibt.

Blacksad hat geschrieben:Vielleicht war das der Grund, oder zumindest einer der Gründe, warum viele nicht mit ihm klar kamen, warum er eine dieser Personen war, die in dieser Gesellschaft als „Außenseiter“ oder „sozial inkompetent“ abgestempelt werden, nur weil sie einige Normen und Werte ignorieren, warum er sich manchmal allein fühlte, zur Klinge griff. Alles wegen dieses Ticks - Butterfly-Effekt.


Diesen Satz finde ich zu lang. Vielleicht solltest du hier mehr Punkte setzen, um einen klareren Lesefluss zu erzeugen. Zudem verstehe ich das mit dem Butterfly-Effekt nicht auf Anhieb. Des Weiteren finde ich nicht, dass jemand zu einem Außenseiter wird, nur weil er diese Angewohnheit mit dem Schaum hat. Ich finde es eher süß. :)

Blacksad hat geschrieben:Hässliche Graffitis verdeckten die bunte Wandmalerei einer örtlichen Grundschulklasse, die dem düsteren Ort wohl etwas Leben einhauchen sollten.


Diesen Satz finde ich schön und kann mir dies auch richtig bildlich vorstellen.

Blacksad hat geschrieben:Zerschnitten durch das Geländer, gespiegelt in der Metallfront fuhr ich nach unten, in den Schacht, den Schlund.


Dieser Satz würde sich meiner Meinung nach schöner und bildlicher lesen, wenn er mit Punkten versehen wird. So ungefähr:

Zerschnitten durch das Geländer, gespiegelt in der Metallfront, fuhr ich nach unten. In den Schacht. In den Schlund.

In den nachfolgenden Sätzen sind mir ein paar Rechtschreibfehler und ähnliches aufgefallen. Ich verbessere diese – so wie ich denke, dass es richtig ist – in rot.

Ich bin auf dem Weg zu dir. Ich weiß, dass du es nicht leiden kannst, wenn ich dich besuche. Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe. Vor genau fünf Monaten kamst du zu mir. Du sagtest mir, dass es mehrere von euch gebe und jeder habe einen Brief bekommen habe. Fin sei die Lunge, Ruth die Nieren, die Zwillinge die Augen und ich das Herz. Du wolltest eigentlich nicht kommen. Es sei dir egal, wem dein Herz früher gehört habe, es sei jetzt deins.


Den Satz mit dem

Blacksad hat geschrieben:Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe.


verstehe ich nicht. Hier könntest du gegebenenfalls etwas genauer ausführen, was du damit meinst. Meinst du hier gegebenenfalls einfach nur:

„Ich glaube du magst mich, aber nicht so wie ich dich“?

In dem Brief von Lesly sind mir ebenfalls einige Fehler aufgefallen. Die Verbesserungen/Verbesserungsvorschläge markiere ich auch mit rot:

Ich bin's Lesly, Ich weiß, dass du stinksauer auf mich bist. Vermutlich hast du diese kleine Zornesfalte zwischen deinen Augenbrauen kleben(dieses Wort würde ich streichen), du weißt schon, die Fuck-You-Falte.
Ich hoffe, du erinnerst dich an mich als den Typen, dessen Fingernagel genau dazwischen gepasst hat, um sie wieder auseinander zu schieben.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, habe ich das Gefühl, dass es viele glückliche (Anfangsbuchstabe klein schreiben) Momente gab. Wir waren wie ein ratternder VW Golf Zweier - außen Pfui und innen Hui -, aber nicht tot zu kriegen (Anfangsbuchstabe klein). Fin war unser Motor, er hielt alles am Laufen, die Zwillinge waren wie Nebelscheinwerfer, die uns selbst in der trübsten Suppe den Weg zum Ziel leuchteten, du warst wie der Autoschlüssel, ohne dich ging gar nichts und Ruth war eben einfach Ruth. Trotzdem hatte ich das Gefühl das Ersatzrad zu sein. Immer mit dabei aber ohne direkten Kontakt zur Straße. Wartend darauf bei einer Reifenpanne zum Einsatz zu kommen. Aber ihr habt mich nie gebraucht, weil ihr auch ohne mich perfekt funktioniert habt.
Bevor ich gegangen bin, habe ich einen Organspendeausweis ausgefüllt, weil ich denke, dass es andere Autos gibt, die einen Platten haben und denen ein sonst überflüssiges Reserverad von Nutzen sein kann.
Auch wenn wir nie ein Paar waren, hat mein Herz doch immer für dich geschlagen, also will ich dir seinen neuen Besitzer vorstellen. Ich hoffe er ist nett zu dir. Du weißt, dass ich nie an Seelenwanderung und den ganzen Scheiß von wegen Reinkarnation geglaubt habe, aber ich denke, Organe sind verdammt eigenwillige Dinger und ich will das mein Herz in seinem neuen Körper glücklich wird. Es schlägt jetzt für ihn, aber auch immer noch für dich und ich glaube, dass es da wieder raus will, wenn es dich nicht sehen kann. Also, tu mir den Gefallen und besuche es ab und zu.


"Hast du ihn gelesen?" Habe ich dich gefragt.
Anstatt mir eine Antwort zu geben hattest du geschnaubt und deinen Kopf zur Seite geworfen, als habe dich die Frage geohrfeigt.
"Ich bin nicht er."
Du hattest recht, du warst nicht wie Lesly, kein bisschen. Du mochtest Kaffe und hasstest Tauben und du lebst und liebst jeden Tag intensiv.


Joar, dies sind meine Verbesserungsvorschläge für deinen Text. Aber da ja jeder seinen eigenen Stil hat, ist es natürlich Ansichtssache... :)

Liebe Grüße
Lougana
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Re: Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon Blacksad » 08.05.2014, 14:29

Erstmal danke ich dir für deinen ausführlichen Kommentar und die Zeit die du dir dafür genommen hast. :D

Die unverständlichen Sätze werde ich versuchen zu entwirren und deine Anmerkungen zu den Interpunktionen haben mir auf jeden Fall sehr geholfen.

Was die Dopplungen in den Anfangssätzen angeht: Die sind tatsächlich bewusst und gewollte gesetzt also werde ich nicht versuchen sie zu umgehen.
Das ich zweimal "Spröde" benutz habe ist mir allerdings entgangen...das war keine Absicht danke also auch für diesen Hinweis.
Beim Pappbecher bin ich nicht geblieben, weil ich an dieser Stelle keine Dopplung wollte...auch wenn ich zugeben muss das "improvisierte Tasse" jetzt vielleicht nicht das beste Synonym ist. ;)

Zum Butterfly-Effekt: Ist in meinen Augen eigentlich ein gängiger Begriff. Die Theorie besagt das der Flügelschlag eines Schmetterlings hier, einen Wirbelsturm irgendwo anders auslösen kann. Deswegen auch das Außenseitertum durch den Cappucinoschaum Tick.

Den Satz mit dem

Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe.



verstehe ich nicht. Hier könntest du gegebenenfalls etwas genauer ausführen, was du damit meinst. Meinst du hier gegebenenfalls einfach nur:
„Ich glaube du magst mich, aber nicht so wie ich dich“?


Nein, ich mein schon das, was ich geschrieben hab. Die genaue Ausführung dessen, was ich meinen, habe ich mir für die folgenden Kapitel aufgehoben. Ist schließlich ein Prolog der soll ja ein bisschen neugierig machen. ;)

Du hattest recht, du warst nicht wie Lesly, kein bisschen. Du mochtest Kaffe und hasstest Tauben und du lebst und liebst jeden Tag intensiv.


Danke das "Und" hat der Satz ganz dringend gebraucht...ich war die ganze Zeit unzufrieden damit aber bin nicht drauf gekommen was mich stört. Manchmal steht man selber eben auf dem Schlauch. Also dickes Dankeschön für die Rettung. :D
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Re: Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon Cherrycat » 11.05.2014, 15:34

Hi :)

Ich schreib mal was ich grad so nach dem Lesen denke.
Auch ich hatte Probleme mit dem Anfangssatz. Warum auch immer. Sorry.
Außerdem finde ich, daß du ziehmlich gut umschreibst aber es an ein paar Stellen etwas zu gut meinst. Das Problem kenn ich nur zu genau.
Die bewußten Verdopplugen finde ich absolut okay und stören mich nicht. Ich seh sie eher als eine Art persönliche Signatur vor dir.
Auch bei dem Satz - ich glaube du magst mich aber nicht was ich in dir seh - bin ich anderer MEinung. Ich versteh denke ich, was du sagen möchtest und finde den Satz genau so gut.

Ein inhaltliches Problem hab ich und ich bin gespannt wie sich das auflöst. Wenn ich das richtig verstehe, dann sind die Empfänger der Briefe auch die alten Freunde von ihm - oder?

Und ja auch das mit dem Cappu und dem Butterfly Effect irritiert mich etwas. AUch wenn ich den Begriff kenne weiß ich nicht, ob ich es an der Stelle so angebracht finde.

Das noch viele Fehler drin waren - nunja - ist die Vorabversion denk ich doch mal.

Ansonten mach weiter so.

Liebe Grüße

Cherrycat
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Re: Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon inmutanka » 24.05.2014, 23:04

Hallo Blacksad,

anbei meinen Senf zu deinem Text. Pick dir heraus, was dir richtig erscheint.


Die Sonne kippte ihr sprödes Licht wie schwelende Magma über die Fußgängerzone. Es war einer dieser Tage, an denen du das Gefühl hast, die Sohlen deiner Schuhe würden auf dem flimmernden Asphalt schmelzen wie ein Marshmallow über dem Feuer. Einer von jenen, an denen dir die klare Luft nicht nur zum Atmen, sondern auch zum Denken fehlt.


Ich liebe solche Bilder, sie sind klasse. Allerdings kommt es mir hier mit 3 x hintereinander zu gehäuft. Auch auf 2 Adjektive würde ich verzichten (sprödes + klare).
Müsste es nicht *wie schwelendeS Magma* heißen?

Es war ein Tag im ersten Sommer mit dir und dem fünften ohne Lesly. Lesly war nicht tot, Lesly war im Urlaub, Urlaub vom Leben hatte er gesagt, vom Leben, sich selber und den Anderen. Fin war der Meinung, er sei auf der Flucht gewesen, der Flucht vor sich selbst und dem eigenen Versagen. Die Zwillinge redeten sich krampfhaft ein, dass es der einzige Weg für ihn gewesen wäre, der einzige Weg sich von seinem Leid zu erlösen. Und Ruth gab sich immer noch der Illusion hin, das alles schon wieder in Ordnung kommen würde. Ich hingegen glaubte gar nichts von alledem. Ich wusste das Lesly unwiderruflich die escape Taste gedrückt hatte - Systhemwiederherstellung ausgeschlossen.


Viel zu meckern habe ich nicht ;)
*Lesly war im Urlaub,* - er machte Urlaub
*Und Ruth gab sich immer noch der Illusion hin, das alles schon wieder in Ordnung kommen würde. * - die Füllwörter würde ich streichen: Und Ruth gab sich der Illusion hin, das alles wieder in Ordnung kommen würde. - wenn sie sich der Illusion hingibt, dann *umschließt* es für mich das *immer noch*
*Ich hingegen glaubte gar nichts* - Ich hingegen glaubte nichts ...
*Ich wusste das Lesly unwiderruflich* - Ich wusste, dass Lesley unwiderruflich ...

Ein schöner Absatz. Was mir persönlich etwas den Lesegenuss schmälert, sind die ständigen Wiederholungen ... - wenn das sich durch den Prolog/die Story durchzieht, empfinde ich es als nervig und anstrengend (aber Geschmackssache!)

Nachts sah ich ihn in meinen Träumen, aber nicht so wie man sich an einen Freund erinnern will. Ich sah Leslys Leiche, was komisch war, weil ich seine Leiche eigentlich nie gesehen hatte. Es schien jedes mal, als hätten sich all seine Pigmente, alle Farbe, alles Leben im Rot seines spröde aufgedunsenen Mundes manifestiert. Als würde sich alle Kraft dort sammeln wie ein Heer vor dem Sturm mit dem Ziel mir ein letztes Wort zu sagen. Doch es blieb jede Nacht still, bis auf den gurgelnden Schrei aus meiner eigenen Kehle, der mich aus dem Schlaf riss.


*aber nicht so wie man sich an einen Freund erinnern will. * - aber nicht so, wie man sich an einen Freund erinnern will. - Ich mag das Wörtchen *man* nicht. Es sagt nichts aus. Frage: Wer erinnert sich an einen Freund? Antwort: Man!

Während ich über all das nachdachte, kaufte ich mir einen, mehr oder weniger warmen, Cappuccino im Pappbecher an einem schmutzigen Kiosk einer billigen Bäckereikette im Stadtkern.


*Während ich über all das nachdachte* - Während ich darüber nachdachte (?)
*kaufte ich mir einen, mehr oder weniger warmen, Cappuccino* - hier würde ich die Kommas herausnehmen

Der Milchschaum war schon Sekunden nachdem der Kaffee den Stand verlassen hatte, zu einem widerlichen Laktoseschmadder zusammengesunken und schwamm traurig auf der schwarzen Brühe. Probeweise nahm ich einen Schluck -eklig, noch einen -ex, weg! Ich knüllte die improvisierte Tasse zusammen und pfefferte sie in den nächsten Mülleimer. Eine Taube flatterte erschrocken auf, ließ einige flaumige Federn und Dreck zurück - vier weitere folgten ihr.


*Der Milchschaum war schon Sekunden nachdem der Kaffee den Stand verlassen hatte,* - beim Lesen stolperte ich an diesem Satz, kann allerdings nicht genau festmachen, woran. Vom Gefühl her würde ich ihn umstellen, Bsp: Sekunden nachdem der Kaffee den Stand verlassen hatte, war der Milchschaum zu ...
*Probeweise nahm ich einen Schluck* - statt *nahm* fände ich *trank* treffender
*vier weitere folgten ihr* - ich nehme an, dass 4 weitere Tauben ihr folgten. So, wie es allerdings dasteht, würde es sich auf Federn und Dreck beziehen.

Lesly mochte Tauben, Kaffee konnte er nicht ausstehen, nicht einmal den von „Starbucks“, den sonst eigentlich jeder mochte.
Das Einzige was er mochte, war der Milchschaum, aber auch nur, wenn er schneeweiß war und kein bisschen nach etwas anderem als nach Milch schmeckte. Er hatte außerdem die fürchterliche Angewohnheit, einem eben diesen Schaum vom Cappuccino zu löffeln, ohne zu fragen natürlich.


Du hast eine Vorliebe für die gleiche Art von Sätze, aber auf die Dauer liest es sich langweilig.
*Das Einzige was er mochte,* - Das Einzige, was er mochte,

Vielleicht war das der Grund, oder zumindest einer der Gründe, warum viele nicht mit ihm klar kamen, warum er eine dieser Personen war, die in dieser Gesellschaft als „Außenseiter“ oder „sozial inkompetent“ abgestempelt werden, nur weil sie einige Normen und Werte ignorieren, warum er sich manchmal allein fühlte, zur Klinge griff.


Beim Lesen dieses Satzes ging mir die Puste aus :wink:

Alles wegen dieses Ticks - Butterfly-Effekt.
Inzwischen passierte ich die nach Urin und Beton stinkende Unterführung zur S-Bahn. Hässliche Graffitis verdeckten die bunte Wandmalerei einer örtlichen Grundschulklasse, die dem düsteren Ort wohl etwas Leben einhauchen sollten.
Die Rolltreppe, die zur Station führte, brummte monoton. Zerschnitten durch das Geländer, gespiegelt in der Metallfront fuhr ich nach unten, in den Schacht, den Schlund.

*gespiegelt in der Metallfront fuhr ich nach unten,* - gespiegelt in der Metallfront, fuhr ich nach unten,

Ich bin auf dem Weg zu dir. Ich weis, dass du es nicht leiden kannst wenn ich dich besuche. Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe.


*Ich weis, dass du es nicht leiden kannst wenn* - Ich weis, dass du es nicht leiden kannst. wenn
*Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich* - Ich glaube. du magst mich, aber nicht. was ich ...

Sorry, obwohl mich die Story vom Inhalt interessieren würde, breche ich hier mit dem Lesen ab. Dein Stil, die häufig gleiche Satzkonstruktion, die Wiederholungen, die vielen Adjektive - das alles ist für mich ermüdend und mühsam. Bitte nicht böse sein ...

LG
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Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Re: Post Mortem - Pea und Norm (Arbeitstitel) - Prolog

Beitragvon Rala » 06.08.2014, 22:39

Hey!

Erster Eindruck: Verwirrend— wenn man es oberflächlich betrachtet. Zu wenig Absätze. Der Schreibstil ist fordernd, viele Umschreibungen, Bilder...

Aber ich maße mir an zu behaupten, deinen Schreibstil verstanden zu haben. Zumindest kann ich etwas mit ihm anfangen. Man muss sich, glaube ich, für die Geschichte und auch für die Art, wie sie geschrieben ist, öffnen, sich drauf einlassen. Wie gesagt, sie ist fordernd und schwer, in dem Sinne, dass man sie nicht so zwischen Tür und Angel lesen kann.

Es ist dir unglaublich gut gelungen, den Spagat zwischen Andeutungen und Verständlichkeit zu schaffen. Das macht den Prolog spannend, aber auch schlüssig. Die Story an sich bietet ja erstmal nicht soviel Spannung. Es geht eher um den Menschen und seine Psyche. Doch du baust dennoch Spannung ein, zum Beispiel wenn du schreibst:

Blacksad hat geschrieben:Ich glaube du magst mich, aber nicht was ich in dir sehe.


Du gibst dem Leser hier Raum, zu interpretieren. Zuerst dachte ich auch ''hä?'', aber wenn ich den Satz dann richtig verstanden habe, dann ist er sehr erklärend und tief schürfend. Pea, aus deren Augen die Geschichte erzählt wird, besucht wohl hier den Organempfänger, dem Lesley sein Herz gegeben hat. An ihn ist der Satz gerichtet. Oder?

Ich finde auch die Beschreibung der Freundschaftsbeziehungen echt gut gelungen. Einmal die mit dem Körper, dann die mit dem Auto.

Generell gelingt es dir hervorragend, die Psyche und das, was in dem ganzen Beziehungskonstrukt zwischen Pea und Lesley und auch den anderen Freunden mitschwingt, zu beschreiben. Man versteht sie, fühlt mit ihnen. Es ist sofort ein Bezug zu ihnen da. Gerade Lesley finde ich sehr interessant. Mit ihm hast du in ein paar Zeilen einen vielschichtigen Charakter entworfen, ohne schon zuviel von ihm zu verraten. Ich würde gerne mehr von ihm hören. Es wäre für mich ebenfalls spannend, mehr von der Beziehung zwischen Pea und der Person zu erfahren, die jetzt Lesleys Herz hat.

Gerade diesem Herz gibst du eine zentrale und für eine romantische Geschichte untypische Rolle. Es ist nicht so eine verklärte, schwärmerische Rolle, wie in gewissen Jugendbüchern, sondern eine reife, ungeschminkte, auch schattenhafte und vor allem echte.

Meiner Meinung nach hat deine Geschichte Niveau und auch Potential, sowohl inhaltlich als auch auf der Stilebene. Auch wenn sie vielleicht nicht unbedingt bei der breiten Masse ankommt, gerade wegen dem manchmal schwer verständlichen, bzw. umschreibenden Schreibstil.

Mich hast du auf jeden Fall gefesselt. Deine Story hat mich passender Weise voll ins Herz getroffen und ich habe Lust auf mehr :D .

Grüße, Rala
Rala
 
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