Lieber Basti,
ich habe lange überlegt, ob ich dir nun eine Antwort schreibe oder nicht. Mir sind nämlich ein paar Dinge aufgefallen, und auch hat mich deine kleine Geschichte, dein Märchen, sehr berührt.
Andererseits habe ich nicht erkannt, um welches Märchen es sich handelt. Das tut mir Leid, vielleicht hab ich wirklich ein Brett vorm Kopf. Ich hab es mir erneut durchgelesen und bin alles durchgegangen, aber nicht darauf gekommen. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, ich versuche dennoch, einen relativ guten Kommentar unter deiner Geschichte zu hinterlassen.
zu
Rechtschreib-, Zeichen- und FormulierungsfehlernSofian hat geschrieben:Das junge Mädchen weinte. Es hatte nichts mehr, alles verloren. Nichts, außer den Fetzen, die sie am Leibe trug, der goldenen Kette mit dem Kreuz von ihrer Mutter und zwei lausigen Groschen
Okay, also mit dem "es" und "sie" musst du aufpassen. Du bist hier ein bisschen geswitcht zwischen den Bezeichnungen
Das junge Mädchen weinte. Es hatte nichts mehr, alles verloren. Nichts, außer den Fetzen, den es am Leibe trug, der goldenen Kette mit dem Kreuz von seiner Mutter und zwei lausigen Groschen ist glaube ich richtig.
Sofian hat geschrieben:Wer würde jetzt noch für sie sorgen? Sie konnte nicht selber arbeiten. Wer wäre so gütig, eine Waise bei sich aufzunehmen?
Wer würde jetzt noch für es sorgen? Es konnte nicht selber arbeiten. Wer wäre so gütig, einen Waisen bei sich aufzunehmen?Während ich das verbessere, frage ich mich selbst, ob man das darf, also wenn es um ein Mädchen geht, auch sofort "sie" schreiben. Da bin ich mir so langsam gar nicht mehr so sicher

Aber ich glaube, man muss sich für eine Schreibweise entscheiden. Ich markier dir einfach nochmal alle Stellen, an denen du springst, dann kannst du ja selbst entscheiden, ob es nötig ist, eine einheitliche Form zu bewahren oder ob du es beibehältst.
Sofian hat geschrieben:Traurig setzte sich das kleine Mädchen an den Straßenrand. Nichts wert. Sie war nichts wert in den Augen der Menschen. Sein Blick fiel auf den Kirchturm, der verrußt zwischen den Dämpfen der Fabriken hervorlugte. Vielleicht gab es doch jemanden, in dessen Augen sie was wert war. Vielleicht würde sie jemand bei sich aufnehmen! Jemand, der jeden bei sich aufnimmt, der jedem hilft. Zumindest hatte sie vor langer Zeit ihre Mutter über ihn reden hören. Der liebe Gott würde ihr helfen, denn er war gütig und gut.
So ging das Mädchen mit Hoffnung im Herzen und frohen Mutes hinaus in die Welt. Auf ihrem Weg begegnete ihr ein alter Mann, der von dem Eisenstaub in der Fabriken erblindet war.
„Ich habe solchen Hunger“, krächzte der Alte. Da nahm das Mädchen seine beiden Groschen, kaufte einen Leib Brot und gab ihn dem Greis.
„Du musst wahrlich ein Engel sein!“, brachte der Alte kauend hervor, „Gott segne dich.“
Glücklich zog das Mädchen weiter. Da kam ein kleines Kind, dessen Hände von der Arbeit an den Webstühlen ganz wund und voller Schwielen waren. Das Mädchen nahm seine zerfledderten Handschuhe heraus und gab sie dem Kind.
„Du musst ein Engel sein!“, sagte das Kind und umarmte das Mädchen. „Gott segne dich.“
Die Hoffnung im Herzen des Mädchens wuchs und wuchs, als es einen Jungen am Straßenrand sah, der bitter weinte. Seine Mutter war sehr krank und der Junge konnte sich weder Arzt noch Medizin leisten. Da überlegte das Mädchen, griff unter ihr Hemd und holte die goldene Kette mit dem Kreuz hervor. Diese gab sie dem Jungen.
„Ehrlich?“, fragte der Junge mit großen Augen. Das Mädchen nickte. Da beugte sich der Junge vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Du musst ein Engel sein!“, sagte er mit Freudentränen in den Augen. „Gott segne dich.“
Wieder ging das Mädchen weiter und vertraute auf den lieben Gott. Da fand sie eine junge Frau, die zusammen gekauert am Straßenrand lag und zwanghaft versuchte, ihre Scham zu bedecken. Da hatte das gute Mädchen Mitleid und schenkte der Frau ihr Hemd.
„Du bist ein Engel!“, stieß die Frau hervor. „Gott segne dich.“
So ging das Mädchen hinaus auf das letzte Feld der Stadt, zwar nackt, aber glücklich, kniete nieder und betete zum lieben Gott. Da fielen plötzlich die Sterne vom Himmel, doch als das Mädchen sie fangen wollte, zerfielen sie zu Asche.
Da weinte das Mädchen bitterlich, bevor es sich auf das Feld legte und sanft in den Schlaf fiel. Kurz darauf holte sich die Kälte ein weiteres Opfer.
Und doch meinten in dieser Nacht ein Kind, ein Junge samt Mutter, eine Frau und sogar ein Blinder ein Licht vom Feld gen Himmel steigen zu sehen.
Sofian hat geschrieben:Da nahm das Mädchen seine beiden Groschen, kaufte einen Leib Brot und gab ihn dem Greis.
einen Laib BrotSofian hat geschrieben:Da kam ein kleines Kind, dessen Hände von der Arbeit an den Webstühlen ganz wund und voller Schwielen waren
Sorry, was sind "Schwielen"?
Okay Respekt, ich hab sonst keine Rechtschreibfehler gefunden. Ich ziehe meinen Hut!
InhaltWow also.
Mich hat deine kleine Geschichte wirklich berührt, wobei ich sagen muss, dass sie einfach geschrieben ist, wie ein Märchen eben, so dass jeder es versteht. Keine hochgestochenen Formulierungen, keine langen Sätze.
Während ich so darüber nachdenke, kommt mir der Inhalt durchaus bekannt vor. Aber woher kenne ich das? Ein Mädchen, das Gott als Person sieht, die ihm helfen kann? (das fand ich schön!) Ein Mädchen, das jedem hilft, damit ihr selbst geholfen wird?
Du schreibst über Engel, über jemanden, der sich selbst aufopfert, der an etwas geglaubt hat. Das Mädchen hat auf der einen Seite sehr selbstlos gehandelt, würde man diesen Konflikt ausbauen, könnte man jedoch sagen, dass ihre Selbstlosigkeit darin ein Ende hatte, indem sie dachte, wenn sie anderen menschen helfen würde, würde auch ihr geholfen werden?
Du merkst, ich schreibe gerade nur meine Gedanken zu deiner Geschichte auf, denn du hast mich wirklich zum Nachdenken angeregt.
Dein Mädchen in der Geschichte wird von allen Mitmenschen als Engel betrachtet, da sie ihre Nächsten liebt und demnach handelt. Und am Ende deiner Geschichte fährt sie in den Himmel hoch, wie ein Engel. Hab ich das richtig verstanden? Sie hat sozusagen 5 Leben gerettet und dafür ihr eigenes aufgegeben? Sie hat an etwas geglaubt, das nicht existiert?
Da lasse ich jetzt vielleicht meine eigene Meinung mit einfließen. aber warum ist sie gestorben, wenn sie doch so viel getan hat für ihre Nächsten? Ist das nicht ungerecht?
Warum bekommen die guten Menschen, die, die anderen wieder Hoffnung geben, warum bekommen diese selbst kein gutes Leben geschenkt?
Hat sich das Mädchen an etwas geklammert, das doch nicht so groß ist, wie es immer scheint?
Oh Mann, ich könnte mir noch tausend mehr solcher Fragen stellen.
ich hoffe, ich habe nichts irgendwie falsch interpretiert.
Ich möchte nicht sagen: "Diese Geschichte ist gut!" oder "Diese Geschichte ist schlecht."
Das ist hier nicht zu definieren, klar ist, dass sie zum Nachdenken anregt, dass sie Fragen aufwirft. Du schreibst flüssig, es ließ sich alles lesen wie aus einem Grimm Buch. Das ist ein positives Zeichen, aber ob ich die Moral von der Geschicht' nun begriffen habe, oder nicht, das kann ich dir nicht sagen.
Einerseits möchte ich, dass du mich aufklärst darüber, dass du mir sagst, aus welchem Märchen du hier etwas entlehnt hast, andererseits finde ich es spannend, noch weiter darüber nachzudenken. oder möchtest du mir sagen, ob ich mit meiner Interpretation richtig liege? was heißt schon Interpretation, ich meine eben diese Fragen, die sich aufwerfen.
Keine Ahnung, ob du etwas mit meinem Kommentar anfangen kannst. Ich wollte meine Gedanken zu dieser Geschichte aufschreiben, ich hab mich damit befasst und fand das sehr spannend.
Wie du bemerkt hast, gab es für mich hier nichts großes zu meckern.
Danke für die Geschichte.
Alles Liebe,
Siggila