Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

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Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon Literatte » 18.12.2012, 14:49

Also *räusper* - ich befürchte ja, der Ansturm der Landwirte, die mir diese Frage hier beantworten könnten, wird eher mager ausfallen :XD: ich versuche es trotzdem mal:

Wie funktioniert vom Ablauf her die Weizen- und Strohernte?

Ich frage deshalb, weil der Vater einer meiner Nebenfiguren Landwirt ist und sowohl Zuckerrüben, als auch Weizen anbaut.

Jetzt weiß ich inzwischen zwar einiges über Zuckerrüben und Weizenanbau. Was mir aber nach wie vor ein Rätsel ist: wie kommt der Weizen vom Feld und wie das Stroh??

Werden erst die Körner auf dem Feld quasi vom Halm gedroschen und der Rest bleibt stehen bis das Stroh gemäht und zu Ballen gepresst wird?

Und wohin kommt dann, wenn es sich so verhält, das Stroh?

Kann es auf dem Feld "zwischengelagert" werden, so wie ich es noch von früher her kenne, wo wir wie dolle in solchen abenteuerlichen "Strohtürmen" herumgetobt sind, die überall herumstanden, oder landet es auf anderen Wegen direkt anderswo?

Also viele Fragen.

Was mir wichtig ist, damit der Hintergrund stimmt: wo und wann finde ich das Stroh in welcher Form noch beim Landwirten selbst (bei einem, der kein Vieh hält und also keinen Strohvorrat braucht!) auf dem Feld oder auf dem Hof. Gibt es noch die Scheunenlagerung? Oder wird es direkt weiter verarbeitet oder verkauft? Weiß das vielleicht jemand? :twiddlethumbs:

Tja. Ich bin gespannt, wem hierzu was einfällt.

LG, Literatte
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Re: Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon Julestrel » 18.12.2012, 15:05

Normalerweise ist das ein Schritt: Der Mähdrescher schneidet den Weizen, drescht das Korn und der Rest wird meist direkt zu so Strohpaketen gepresst, die hinten rausfallen.

Wenn du mal bei Youtube "Weizenernte" eingibst, siehst du einige nette Videos dazu :)

Und schau mal hier: Wikipedia.


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Re: Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon Literatte » 18.12.2012, 15:35

Wow! So fix!! :D

Und ich stelle fest, dass ich vor lauter Weizen und Stroh googeln den Mähdrescher komplett vergessen hatte :doh: !

Und das, wo ich die früher ständig vor Augen hatte.

Jetzt bin ich schon mal einen Riesenschritt weiter!

Bleibt nur noch das Problem mit der Scheune - wäre die vielleicht deplaziert auf einem landwirtschaftlichen Nicht-Viehbetrieb?

LG, Literatte

... obwohl... eigentlich muss er's ja irgendwo lagern, wenn ich so drüber nachdenke.... ich glaube, ich habe inzwischen eine echte Denkblockade wegen Schreibrausch :XD: ...
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Re: Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon canis-lupus-niger » 19.12.2012, 11:37

Im Zeitalter der Hobbypferdehaltung lohnt sich für die Landwirtschaft die gezielte Ernte, das Einlagern und die Vermarktung von Stroh sehr wohl. Die Gewinnspanne ist beinahe höher als bei der Vermarktung der Getreidekörner. Inzwischen warnen die Landwritschaftsverbände sogar davor, das Stroh allzu vollständig vom Acker zu entfernen, weil dem Boden dadurch immer weniger organische Bestandteile zugeführt werden. Sprich: Dem Boden fehlt Dünger.

Vielleicht als kleine Ergänzung zur Wiki-Information:

Im Regelfall mäht ein Mähdrescher die Getreidehalme, drischt die Körner aus den Ähren und häckselt das Stroh klein. Dieses gehäckselte Stroh bleibt auf dem Acker liegen und wird als Dünger untergepflügt. Nur wenn beabsichtigt ist, das Stroh anders zu verwerten, lässt man die ganzen Halme liegen. Diese werden zum Trocknen mehrmals gewendet und nach zwei bis dei Tagen (je nach Wetter) maschinell geschwadet (in lange Reihen zusammen ge"harkt"). Anschließend fährt eine Strohpresse an diesen Reihen (Schwaden) entlang und presst das Stroh zu Ballen zusammen. Altmodische Pressen, z.T. noch aus den 50er-/60er-Jahren pressen kleine HD (Hochdruck)-Ballen (auch Bunde genannt). Die sind etwa 1m mal 50 cm mal 40 cm groß und wiegen ca 5 bis 8 kg. (Heu ist sehr viel schwerer.) Für den Hobby-Pferdehalter ist dies die handlichste Größe. Leider sind die immer schwerer zu bekommen, weshalb wir unser Heu und Stroh inzwischen selber pressen. Das Problem ist, dass das Abtransportieren und Einlagern der Ballen/Bunde mit sehr viel anstrengender Handarbeit (Stapeln auf dem Wagen und in der Scheune) verbunden ist. Es gibt inzwischen (hoch vergitterte) Ladewagen, auf die die Bunde von der Schurre (Förderband) der Presse automatisch laufen. Aber dadurch, dass sie kreuz und quer liegen, ist das Abladen dann wieder sehr anstrengend. Vorteilhaft sind diese Wagen vor allem dann, wenn die Zeit drängt, z.B. wenn Regen droht das trockene Heu und Stroh zu verderben, oder wenn man einfach nicht genug Helfer rekrutieren kann. Arbeitszeit ist neben den Spritpreisen der größte Kostenfaktor in der Landwirtschaft, so dass sich diese HD-Ballen nur lohnen, wenn man die Helferlein kostenlos (z.B. aus dem Freundeskreis oder auf Gegenseitigkeit) bekommt

Modernere Pressen fertigen Großpacken (ca 3 m mal 1,5 m mal 1,5 m) oder Rundballen (Rollen mit ca. 1,5 m Höhe und 2 m Durchmesser, letzterer ist einstellbar). Diese Formate sind im Prinzip nur noch maschinell zu bewegen.)

Bei der Rübenernte werden im ersten Arbeitsgang die Blätter abgeschnitten (um abgefahren und als Rinderfutter siliert zu werden). Dann werden die Rüben herausgerodet. Wenn der Speicher des Rübenroders voll ist, werden die Rüben über eine Fördereinrichtung in einen Ackerwagen gefüllt.
Moderne Rübenroder haben inzwischen eine Arbeitsbreite von mehreren Metren und sehen aus wie UFOs. Guckst Du hier:http://www.grimme.de/de/09/produkte/ruebentechnik/maxtron_620.php
Da sie so teuer in der Anschaffung sind, besitzt praktisch kein Landwirt mehr einen eigenen (es sei denn, es handelt sich um einen riesigen Agrarbetrieb, wie sie nach der Wende in den neuen Bundesländern entstanden sind, und wie sie auch hier am Entstehen sind.) Ein durchschnittlicher Betrieb unter hundert Hektar beauftragt einen Lohnunternehmer, der die Maschinen Tag und Nacht arbeiten lässt, mit Fahrern in Wechselschicht. Ohnehin wird die Ernte von den Zuckerfabriken terminlich bestimmt. Die geben vor, wann sie die Lieferungen haben wollen, damit sie kontinuierlich arbeiten können und kein chaotischer Stau im Ladebereich entsteht. Die Rübenernte ist logistisch jedes Jahr wieder eine Riesenschlacht, die die Landstraßen mit ganzen Konvois von Lkws verstopft.
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Re: Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon Literatte » 19.12.2012, 16:24

:D Oh superklasse, Danke!!

Das sind echt tolle Infos, die ich seeeeehr gut gebrauchen kann!!

Gute Details zum Einbauen in meine Geschichte!! Da fühle ich mich doch gleich sicherer und "schreibsouveräner". Ich dachte beispielsweise, es gäbe wirklich nur noch diese megaschweren Rundballen, die ich selbst vom Reitstall her kenne, weil es hier weit und breit keine kleinen Ballen mehr gibt.

Jetzt bin ich schlauer! Hätte nicht gedacht, dass ich hier mit einer derart ländlichen Frage soviele Infos zusammenkriege :XD: .

:flowers: :flowers: :flowers:

LG, Literatte
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Re: Wie funktioniert Weizen- und Strohernte?

Beitragvon Toska » 22.12.2012, 17:59

canis-lupus-niger hat geschrieben:Bei der Rübenernte werden im ersten Arbeitsgang die Blätter abgeschnitten (um abgefahren und als Rinderfutter siliert zu werden). Dann werden die Rüben herausgerodet. Wenn der Speicher des Rübenroders voll ist, werden die Rüben über eine Fördereinrichtung in einen Ackerwagen gefüllt.
Moderne Rübenroder haben inzwischen eine Arbeitsbreite von mehreren Metren und sehen aus wie UFOs. Guckst Du hier:http://www.grimme.de/de/09/produkte/ruebentechnik/maxtron_620.php
[...]Ein durchschnittlicher Betrieb unter hundert Hektar beauftragt einen Lohnunternehmer, der die Maschinen Tag und Nacht arbeiten lässt, mit Fahrern in Wechselschicht. Ohnehin wird die Ernte von den Zuckerfabriken terminlich bestimmt. Die geben vor, wann sie die Lieferungen haben wollen, damit sie kontinuierlich arbeiten können und kein chaotischer Stau im Ladebereich entsteht. Die Rübenernte ist logistisch jedes Jahr wieder eine Riesenschlacht, die die Landstraßen mit ganzen Konvois von Lkws verstopft.

OT:
ja und ein Graus für die Hobby-Pferdehalter :D
Mein Pferdchen hatte immer abartig angst vor den Teilen, der ist schier durchgedreht. Vor allem Nachts sehen die aus wie riesige leuchtende Monster und laut sind se auch.
Die LKWs die das Zeug abtransportieren habens eilig und rasen dann mit 70/80 Sachen die Feldwege entlang, da kann man nur noch in Deckung gehen und hoffen, dass sie wenigstens langsam machen wenn Pferde in der Nähe sind.

Zu den runden Ballen: Die sind ganz geschickt. Wir haben die im Stall, da müssen alle in Deckung und dann werden die ausm 1. Stock in die Stallgasse gerollt (tut nen riesen schlag). Rollen kann die eine Person ohne Probleme und umwerfen auch, zum Aufstellen sollte man zu zweit oder zu dritt sein.
Gerade diese Jahr z. B. sind die Heu und Strohpreise gestiegen, einige Ställe in der Gegend hier verlangen z. Zt. nen extra Zuschlag.
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