Alltag eines Postboten

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Alltag eines Postboten

Beitragvon Gger » 25.04.2013, 16:43

Hallo :)

Für mein neues Projekt würde ich gerne mehr über den Alltag eines Postboten wissen.

Sind die, die die Briefe austragen, nur dafür zuständig oder machen die auch Büroarbeit ? Oder sind das wieder andere?

Wenn man Briefe austrägt, wie viele sind das so am Tag und trägt man nur bestimmte Briefe aus?
Also z.B. ein Briefträger hat nur die Rechnungen und der andere trägt nur die Zeitungen aus ....oder nehmen die alles durcheinander mit ?

Gibt es einen bestimmten Zeitraum, in dem die Briefe ausgetragen werden müssen ?

Und wie sind so die Arbeitszeiten ?

Und wenn euch noch irgendetwas Wichtiges/Besonderes einfällt, könnt ihr das ruhig sagen...

über Antworten würde ich mich freuen ... :oops: :D

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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon Liopleurodon » 25.04.2013, 16:47

Hast Du schon mal hier geschaut?

http://de.wikipedia.org/wiki/Zusteller
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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon BerndStephanny » 25.04.2013, 21:38

In der Regel macht ein Briefträger keine Büroabreit und wenn, dann vielleicht um einen Rapport auszufüllen, oder sonstigen Schriftkram, den er "außer der Reihe" auszufüllen hat.

Jeder Postbote hat einen Bezirk. Bei uns z.B besteht der Ort aus 3 Teilorten mit ca 5000 Einwohnern. Für jeden Ort ist ein Briefträger zuständig. Jeder Postbote fährt mit einem Auto, in dem er auch Päckchen und Pakete transportiert. Die Post arbeitet ja eng mit DHL zusammen.

Wieviele Briefe jeder Postbote hat kann man nicht pauschal sagen. Das ist ganz unterschiedlich.

Ein Postbote trägt grundsätzlich alles aus, was frankiert und was von DHL ist.

Die Postboten sind in jeder Straße meist um die gleiche Zeit, da sie im Verteilerzentrum die Post vorrichten.

Die Arbeitszeiten eines Postboten sind heute sehr viel humaner als vor vielen jahren, sodaß ein solcher Arbeitnehmer auch mal am Samstag frei nehmen kann. dafür gibt es ausgebildete Springer.

Grüßle
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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon inmutanka » 26.04.2013, 05:19

Hallo,

ich war ein Jahr lang Springer mit Zeitvertrag.

Von meiner Springer-Sicht: ein Sch...job und ich ziehe den Hut vor jedem Postboten.

Arbeitsbeginn zwischen 4 - 6 Uhr, je nach Filiale. Dann hieß es auf die Anlieferung der Post warten, grob vorsortieren. D. h. es wurde Kisten/Säcke mit Postgut abgestellt und die Austräger sortierten grob, was zu welchem Austragsbezirk gehörte. Dann verschwand jeder mit seinen Kisten zu den Sortierfächern, wo jede Straße/jede Hausnummer eingeteilt war und machte dort die Feinsortierung.
Für mich - als Universal-Springer - eine Katastrophe. Denn ich kannte meistens nicht die Bezirke und so war diese Feinsortierung für mich eine sehr langwierige Sache. Die Kollegen waren meist schon 1 - 2 Stunden draußen im Bezirk und ich sortierte immer noch :cry:
Im Bezirk ging dann die Sucherei weiter. Mit Stadtplan bewaffnet hieß es laufen/Fahrrad fahren bzw. schieben und - suchen. Und da ich ja meist Fremd war, verglich ich immer noch einmal Name/Adresse (soweit Namensschilder vorhanden - nur um es mal zu sagen: Achtet darauf, dass Briefkästen mit den entsprechenden Namen versehen sind, Austräger bes. Aushilfen, werden es zu schätzen wissen!) mit Briefanschrift. Hatte natürlich wieder den Nachteil, dass ich dementsprechend länger im Bezirk unterwegs war. Statt wie meine Kollegen bereits um 14 - 16 Uhr Feierabend zu haben, wurde es bei mir (und nach Erzählungen anderer Springer, lag also nicht an meiner Langsamkeit) oft 17 - 18 Uhr und manchmal kam ich auch erst um 20 Uhr nach Hause.
Besonders liebte ich die Anrufe meiner Chefs während dem Austragen: Ab Morgen sind sie in Gemeinde/Ortschaft xy, dort haben wir einen Krankheitsfall. - Dann folgte noch Name meiner Ansprechperson und Adresse der Poststelle.

Die Arbeitszeiten eines Postboten sind heute sehr viel humaner als vor vielen jahren, sodaß ein solcher Arbeitnehmer auch mal am Samstag frei nehmen kann. dafür gibt es ausgebildete Springer.


Meine *Zeit* war vor 8 Jahren, da traf das noch nicht zu. Die Bezirke wurden ständig vergrößert, so dass auch die eingesessenen Austräger nur noch am Stöhnen waren. Vllt. auch nur bei uns (Stadt mit 170.000 EW und die Ortschaften im Umland). Oft wurden sogar 2 Austragbezirke zusammengelegt und sollten in der gleichen Zeit erledigt werden. Es gab eine 5-Tage Woche und das hieß: hatte ich in dieser Woche Samstags frei, hatte ich in der Woche darauf Montags Frei (also langes WE) und in der darauffolgenden Woche Dienstags usw. Aber nur, wenn ich längere Zeit (längste Zeit als Springer war 6 Wochen auf einer Poststelle als Krankheitsvertretung, meistens belief sich die Zeit an einem Ort zwischen einige Tage und 1 - 2 Wochen als Urlaubsvertretung) auf einer Poststelle war. Ansonsten *rutschte* ich in den Dienstplan des zu Vertretenden.

Erwähnen möchte ich noch: Gerade das Herumheben der Postsäcke und Kisten, sowie das Schieben der vollbeladenen Räder ging Extrem auf den Rücken und viele meiner Kollegen einschl. meiner Person hatte massive Probleme/Abnutzungserscheinungen im Rücken/Wirbelsäule.

Toll ist auch das Autragen in Hochhäuser/Plattenbauten: Keine oder unlesbare Namensschilder, schlecht beleuchtete Flure, keine Namensschilder an den Türen - besonders herrlich, wenn du Einschreibesendungen bzw. persönliche Zustellungsarten hattest. Herrlich, wenn du dann Flur für Flur abklapperst, an Türen ohne Namensschilder läutest usw. Vor allen Dingen auch sehr zeitaufwendig für Springer, mit der Folge, dass sie entsprechend lange unterwegs waren/spät zurückkamen. Womit viele Kollegen auch zu kämpfen hatten: Diebstahl! Sie können natürlich nicht ihr Fahrrad überall mitnehmen bzw. ständig im Auge behalten, und da kam es durchaus vor, dass Päckchen etc. geklaut wurden.
Und das Klischee vom Briefträger und Hunden: Auch das stimmt. Hängt aber meistens mit sehr sorglosen Hundebesitzer zusammen (Der macht nichts - auch wenn er bereits mehrmals nach Austräger geschnappt hat bzw. Das hat er noch NIE gemacht - wenn es tatsächlich passiert). Ich verstehe nicht, warum der Hund bei offenem Hoftor/freilaufend ist, wenn ich als Besitzer weiß, um die und die Uhrzeit herum kommt meist der Austräger.
Ach ja, was mir auch öfter passierte: Keine Briefkästen. Austräger dürfen (war zumind. damals Vorschrift) Briefe nur in Briefkästen einwerfen. Sind keine Briefkästen da, müssen die Briefe wieder mitgenommen werden. - Aber das ist/war Theorie. Kein Austräger den ich kannte, hielt sich daran. Meistens wurden die Briefe an abgesprochenen Stellen deponiert. Verschwand dann etwas, musste der Austräger den Kopf hinhalten.

So, das waren meine Erfahrungen. Vllt. hilft es dir weiter.

LG
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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon Gger » 26.04.2013, 14:14

Danke :)

Ihr habt mir schon extrem weitergeholfen ! Ich hätte nicht gedacht, dass es ein soooooo anstrengender Job ist .......

Aber ein bisschen ist mir noch unklar .....

Wenn man fertig ist, mit dem austragen, kann man dann einfach nach Hause fahren oder muss man dann nochmal zur Post?

Was passiert, wenn die Briefe nicht ausgetragen werden ? Wenn der Briefträger welche verloren hat oder beklaut wurde ?

Und wer ist eigentlich der Chef von einem Briefträger/Springer/Postbote ?

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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon inmutanka » 26.04.2013, 15:12

Hallo

Wenn man fertig ist, mit dem austragen, kann man dann einfach nach Hause fahren oder muss man dann nochmal zur Post?


Ich musste immer noch einmal zurück. Auto/Fahrrad abgeben und wenn du Einschreiben etc. hast, musst du noch Schreibkram erledigen.

Was passiert, wenn die Briefe nicht ausgetragen werden ? Wenn der Briefträger welche verloren hat oder beklaut wurde ?


Ein-, zweimal hatte ich Hexenschuss und wurde nicht mit der Tour fertig, dann hieß es entweder, am nächsten Tag selbst die restliche Post austragen oder (wie bei mir) mussten die Kollegen einspringen.

Wie es ist, wenn Post geklaut wird - keine Ahnung. Gott sei dank ist mir das nicht passiert. Erwischte nur mal einem, der ihm Korb wühlte aber dann ohne Paket/Brief abhaute.

Und wer ist eigentlich der Chef von einem Briefträger/Springer/Postbote ?


Bei mir war es eine Frau, die sämtliche Dienste in der Region koordinierte/organisierte. Einen Bürojob eben, aber wie ihre Position genannt wurde - Sorry, muss ich passen.

LG
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Re: Alltag eines Postboten

Beitragvon canis-lupus-niger » 26.04.2013, 15:26

Nach der Zustellung müssen die nicht zustellbaren Sendungen noch bearbeitet werden, eventuell müssen sie an den Absender zurück geschickt oder an einem anderen Tag noch einmal zugestellt werden. Manche Empfänger haben Nachsendeaufträge oder Postlager-Aufträge laufen. Das musste der Zusteller (oder Austräger) aber schon vor dem Abmarsch beachten. Die Nachweise über die Zustellung von Einschreiben, Wertsendungen und Paketen müssen abgearbeitet werden. Jeder Zusteller hat nach seiner Rückkehr in den Zustellstützpunkt noch einiges an Schreibarbeit zu erledigen (keine Büroarbeit in dem Sinne, nur Nachbereitung). Wenn er fertig ist, kann er aber nach Hause gehen.

Der Vorgesetzte eines Zustellers/Austrägers ist in den Zustellstützpunkten (ZSP = Außenstellen) der ZSPL (Zustellstützpunktleiter, ... da weiß man, warum die Abkürzung sich als Bezeichnung eingebürgert hat). Der Vorgesetzte aller Zusteller einer Niederlassung ist der "Abteilungsleiter Auslieferung", der früher "Stellenvorsteher der Briefzustellung" hieß. Er wird von Sachbearbeitern und Mitarbeitern mit eigenen Aufgabenbereichen (Personaleinsatz, Logistik, etc) unterstützt, die eventuell (kommt auf die jeweilige Niederlassung an) auch Aufsicht im Betrieb leisten (müssen).
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