Hallo,
nachdem mir der Prolog schon gefallen hat, hab ich nun auch mal den nächten Teil gelesen. Hier meine Kommentare:
Katja fror furchtbar, als sie erwachte.
Du scheinst ein glückliches Händchen mit Anfängen zu haben. Ich finde diesen hier genial.
- 1. Wort: Katja. Ui das war doch die vermisste Person! Das drängt einen natürlich schon weiter zu lesen. Und das schon beim 1. Wort. Klasse!
- Zeitsprung zurück. 1. lässt du dadurch den Leser mehr wissen als die Figuren, was schon mal Spannung - Suspense - erzeugt, und 2. hast dus geschafft den Zeitsprung selbsterklärend zu machen. Ohne ein "zwei Wochen früher" oder so künstlich einzufügen. Gut!
Die Frage ist jetzt: Warum friert sie? Hat sie das Fenster aufstehen? Warum? Macht sie das so (manche schlafen nur mit offenem Fenster)? Ist sie vielelicht krank? Oder hat sie im Schlaf die Bettdecke aus dem Bett geworfen? Vielleicht aufgrund eines Albtraums?
Ohne genau zu wissen, was sie in der Nacht gequält hatte, wusste sie, dass sie schlecht geträumt hatte.
Das würde ja wunderbar zur Bettdeckentheorie passen...
Müde tastete sie nach der Schlummertaste des Weckers.
Ich weiß nicht, ob ich jetzt vielleicht ein bisschen zu kleinlich bin, aber der Satz hat meine Assoziationen gedreht. "Frieren" und "schlecht geträumt" erwecken in mir eher unbehagliches Gefühl. Ich stelle mir Katja in der Situation eher schlecht gelaunt vor. "Müde" und gerade die "
Schlummertaste" verbinde ich hingegen eher mit dem warmen Bett, mit Trägheit und Verträumtheit. Für mich eher positiv und so erscheint mir Katja auch auf einmal eher schläfrig als schlecht gelaunt. Ich weiß nicht, wie es anderen geht. Das waren jedenfalls meine Assoziationen.
Katja erschrak, als sie die Uhrzeit erkannte. Schon kurz vor sieben, um halb acht begann die Schule!
Bei denen fängt die Schule aber früh an.
Eine Welle von Trauer preschte durch Katjas Körper, als sie sanft mit dem Zeigefinder über das schwarz gerahmte Portrait auf ihren Nachttisch strich.
- Auch mir war nicht klar, dass sie um ihre Mutter trauert. Im Gegenteil: Für mich war es ein Rätsel. Find ich also nicht unbedingt negativ, dass es nicht klar ist.
- "Welle" und "preschen" hat für mich etwas stürmisches. Das passt aber nicht ganz in die verschlafene Situation. Wie wärs mit "Ein Hauch von Trauer ergriff Katja, als...".
Krister war, was Katja von den Schulkameraden unterschied, den eingebildeten Partyschneckchen, für die nur Schminke zählte.
Ich hab den Prolog gelesen, verstehe den Satz aber trotzdem nicht. Schon grammatikalisch hab ich ne Zeit lang gebraucht um herauszufinden, was gemeint sein könnte: Krister ist der Unterschied zwischen Katja und deren Schulkamerad(inn)en? Das ist zumindest das, was ich grammatikalisch erklären kann. Ich schlage mal vor, du formulierst das irgndwie um...
Zu schade, dass niemand je von ihr und Krister erfahren würde.
Warum? Ein Rätsel?
Zehn Minuten später pappte Katja die rosafarbene schwesterliche Ermahnung an den Apfel, von dem sie zweimal auf dem Weg vom Bad zum Kleiderschrank abgebissen hatte, und warf ihn in den Vorgarten des Nachbarhauses.
Auch ich bin mit dieser Szene nicht ganz glücklich. Auf mich wirkt diese Szene ganz und gar nicht so, als wäre Katja, schlecht gelaunt und patzig. Im Gegenteil: Ich finde sie hier eher ein wenig verpeilt, schusselig, ähm... so irgendwie trödelnd hektisch.
- die "schwesterliche Ermahnung" lässt mich schmunzeln
- das Zettel auf Apfel pappenlässt sie mir näckisch erscheinen
- das zweimalige Abbeißen zeigt ihre gelassene Hektik
- und das den Apfel in Nachbars Vorgarten werfen, macht sie noch etwas frech; wobei die Tatsache, dass der Apfel ihr Frühstück ist, wieder ihre "gelassene Hektik" unterstreicht.
Was davon nun beabsichtig ist, musst du wissen. Ich kann nur meine Eindrücke beschreiben. Vielelicht sehen das andere auch anders. "Trotz und Wut" kommt bei mir jedenfalls nicht rüber. Dazu müsste sie heftiger reagieren. Den Apfel fast kaputtdrücken, in nicht nur wegwerfen, sondern gegen einen Baum feuern, o.ä.
Es war schon fast viertel nach sieben und um diese Zeit war sie mit Krister verabredet. Und der konnte Unpünktlichkeit nicht...
"... ausstehen" ergänze ich. Aber warum ist hier der Satz nicht vollständig? Diese unvollständigen Gedanken kenne ich eher von Situationen, in denen einer Person etwas gerade erst bewusst wird. Wenn Katja aber gerade erst bewusst wird, dass Krister Unpünktlichkeit nicht austehen kann, dann ist sie IMHO schon übertrieben verpeilt.
Katja prallte erschrocken zurück, so plötzlich war der Mann vor ihr aufgetaucht.
Schöne Überleitung!
Sicher hatte sie wieder geträumt, und das, wo sie es eilig hatte...
Wieso "sicher"? Das würde doch bedeuten, sie vermutet das nur. Sie weiß es nicht. Aber das war doch gerade eben erst. Kann sie sich nicht an ihre eigenen Tagträume erinnern?
Der Mann war jung und sehr groß. Er trug einen flatternden Ledermantel und sein schwarzes Haar fiel seidig glänzend über seine Schultern. Und dort saß ein braun-weißes Frettchen, das erschrocken fiepte. "Ganz ruhig!", murmelte er und streichelte das Tier. Für Katja hatte er nicht mehr als ein unbeteiligtes "Entschuldigung!" übrig, dann ging er mit großen Schritten an ihr vorbei. Ein eigentümlicher Geruch wehte Katja in die Nase. Nach Kräutern und Vanille, Leder, nach Moschus und... Schwefel? Sie brauchte einen Moment bis sie sich von dem Schreck erholte und bemerkte, dass sie der wunderlichen Gestalt noch immer nachstarrte.
Schöne Szene. Hat auf mich aber einen zu frühen Zeitlupeneffekt. So ein Anrempeln passiert normalerweise ja ziemlich schnell. Mir scheint der Mann aber ne Zeit lang stehen zu bleiben, dann sein Frettchen zu berühigen. - Langsam, sodass Kaja genügend Zeit hat, sich ihn genau anzusehen. - Dann geht er weg. Zeit läuft wieder weiter. Dann wieder Zeitlupeneffekt.
Der zweite ist gut so, aber ist der erste gewollt? Wäre es nicht vielelicht besser, das Anrempeln geschieht schneller, der Fremde beruhigt sein Frettchen im Weitergehen und erst dann die ganze Zeitlupe in der Kajta die Szene Revue passieren lässt?
Ich bin gespannt auf Weiteres.
mfg
Christian
P.S.: Sag Bescheid, wenn ich zu viel Kleinkram anspreche.