[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 25.05.2015, 19:15

Hallo liebe Schreibwerkstättler,

im Folgenden nun mein erster ernsthafter Prolog zur öffentlichen Begutachtung. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Libelle und magico bedanken, die beide im Vorfeld einen Blick auf den Text geworfen haben und mir mit ihren Anregungen sehr geholfen haben, den Inhalt in verschiedenen Aspekten aufwerten zu können.

Zum Titel: Priority ist der Name meines Science Fiction-Konzepts, ein weitgehend offen gestaltetes, zukünftiges Universum in das "Overlord" die Gelegenheit bieten soll, einen ersten Blick zu werfen. Wenn ich durchhalte, sollen Overlord und mögliche Nachfolger dieses Universum aus verschiedenen Perspektiven zeigen.

Bild

Für den Prolog bin ich natürlich an jeglichem Feedback interessiert: Stil, Schreibfehler, Logiklücken, unpräzise Beschreibungen und natürlich gern auch Verbesserungsvorschlägen. Ich selbst bin noch nicht mit allen Stellen wirklich glücklich, weshalb ich sehr gespannt bin, ob diese Stellen auch von anderen bemerkt und angesprochen werden. Ich denke, der Text funktioniert nur im Ganzen, also bitte ggf. auch Teil 2 und 3 mit berücksichtigen.

Alle Teile umfassen ca. 2700 Wörter. Vielen Dank für's Lesen. :)


=====

Da sind sie ja wieder, dachte Nick. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken. Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten.

Nick schielte auf den kleinen, nur für ihn einsehbaren Überwachungsmonitor im Regal. Die dunkle Limousine hatte eben wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeparkt. Niemand stieg aus. Er nahm sein Tablet und aktivierte die Kamerasteuerung, zoomte näher auf die Insassen. Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.

Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken. Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg. Wieder der Toaster, dachte Nick amüsiert und sah schon in diesem Moment das verchromte Gehäuse unter dem Arm der Rentnerin funkeln.

»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand. »Ist ja gut, Herrmann.«, versuchte sie den Langhaardackel zu beruhigen, der quietschend an der Leine zerrte. Nick war auf seine treueste Stammkundin und ihren Begleiter gut vorbereitet. Herrmann wusste das.
»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.« Die alte Dame hatte die Theke erreicht.

Herrmann riss sich los. Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte. Schwanzwedelnd bezog der Dackel auf den Hinterpfoten zu Nicks Füßen Stellung. Die Schnauze leckend verfolgte er aufmerksam jede Bewegung des jungen Mannes. »Wie wär's mit einem Neuen?«, versuchte es Nick.
»Ach, Sie wissen doch«, seufzte sie wie jedes Mal, wenn er danach fragte. Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein. Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn. Selbst der Billigtoaster aus Fernost.

Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Der Stecker war geschmolzen.
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«
Nick winkte ab, während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.

Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall.
Nick lächelte verlegen.

Die Glocke erklang ein weiteres Mal. Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer. Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen. Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. Nick war es gleich. Der Mann war ein Kunde, ein technikbegeisterter Bastler wie Nick, nur manchmal ein wenig aufdringlich. Er zeigte enormes Interesse an den Waren und kaufte auch gelegentlich ausgefallene Dinge für seine Projekte. Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.

Frau Schäfer verabschiedete sich von Nick. Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag. Im Vorbeigehen bedachte die Rentnerin den Neuankömmling mit einem verächtlichen Blick und verließ unter unverständlichem Gemurmel das Geschäft. Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert. Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.

»Jungchen, da stimmt was nicht«, hob er in seiner direkten Art an. Ungezählte Zigarren hatten die Stimme geprägt. Sein Atem verriet, dass die letzte noch nicht allzu lang her sein konnte. Im Augenwinkel bemerkte Nick ein Eilmeldungsbanner auf dem stumm geschalteten Fernseher über der Tür. Herr Osietzki lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen auf und beugte sich herüber, versperrte Nick dabei gleichermaßen den Blick nach draußen als auch auf seinen Monitor.
»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er. Er hielt Nick das Display hin, worauf dieser seinen Augen nicht zu trauen glaubte. Er sah ein abfotografiertes Blatt Papier. »Verhalten Sie sich unauffällig!«, stand darauf in Osietzkis antiker Handschrift geschrieben, die Nick über die Zeit zu entziffern gelernt hatte. Er wischte mehrfach über das Display.
»Sehen Sie was ich meine?« Er blickte kurz auf. Über Nicks Rücken jagte ein Schauer den nächsten. Ein Bild nach dem anderen zeigte die Limousine auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus den verschiedensten Perspektiven, in der unteren Ecke das Datum jedes Tages der letzten drei Wochen.

Dieser alte Fuchs hatte über die Jahre nichts verlernt und noch immer Augen und Ohren überall. »Könnte ein Problem mit dem Sensor sein«, versuchte Nick die Fassade zu wahren. Weitere abfotografierte Notizen folgten. Detailbilder von Männern mit Kameras und Nahaufnahmen von Polizeimarken ließen Nick das Blut in den Adern gefrieren. Die Überwachung war also eine offizielle Sache und musste schon um einiges länger laufen, als man es ihm verraten hatte.
»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?«, fragte Nick unsicher.

Was sollte er davon halten? Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?
»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend, holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.

=====

Teil 2
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 23.06.2015, 08:13, insgesamt 3-mal geändert.
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon schreiberling » 25.05.2015, 21:15

So, dann will ich mal....




ThetaHelion hat geschrieben:Da sind sie ja wieder, dachte Nick. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken. Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten.


Die sich aufstellenden Nackenhaare empfinde ich als zu klischeebeladen. Sie bringen die Aufregung und den Adrenalinanstieg den der Prota hier sicher erlebt nicht mal ansatzweise rüber. Klingt zu blutleer und steril um Spannung zu erzeugen.

Es klingt auch von der Handlung her zu konventionell. Das könntest du lebendiger, prägnanter schildern und damit gleich den Typen um den es geht persönlich charakterisieren. Aber nein, er sitzt nur wie üblich da. Di könntest ihn zB über einem Playboy-Heft oder anderer ihn näher charakterisierender Lekture hocken lassen das ruckartig unter dem Tresen verschwindet sobald Kundschaft den Laden betritt, weil er ein sexuell total verklemmter Typ ist. Mach mehr daraus, wie er da sitzt und wie er sich die Zeit vertreibt bis Kundschaft kommt.

Dein Prota braucht dringend ein paar Schrullen, Ecken und Kanten, irgendwas, das ihn als Person interessant macht.



ThetaHelion hat geschrieben:Nick schielte auf den kleinen, nur für ihn einsehbaren Überwachungsmonitor im Regal. Die dunkle Limousine hatte eben wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeparkt. Niemand stieg aus. Er nahm sein Tablet und aktivierte die Kamerasteuerung, zoomte näher auf die Insassen. Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.


Dunkle Limousine? NEEEEE!!! Bitte nicht. Das ist sooo Klischee. Lass es doch einen alten, verbeulten grünen Lieferwagen oder sowas sein. In dem Viertel in dem er arbeitet fällt eine Limousine unweigerlich auf wie eine Operndiva in einem Stehausschank.

Wer hat ihm das gesteckt? Ein verschwendeter Anlass mehr über Nicks Welt und sein Leben zu erfahren.



ThetaHelion hat geschrieben:Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken. Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg. Wieder der Toaster, dachte Nick amüsiert und sah schon in diesem Moment das verchromte Gehäuse unter dem Arm der Rentnerin funkeln.


Wäre passender wenn du den Hund gleich hier näher charakterisiert. zB verfetteter roter Langhaardackel oder was auch immer. Vieleicht könntest du auch drauf eingehen, dass Hund und Herrchen mit kurzen Beinen und Verfressenheit Gemeinsamkeiten haben.


ThetaHelion hat geschrieben:»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand. »Ist ja gut, Herrmann.«, versuchte sie den Langhaardackel zu beruhigen, der quietschend an der Leine zerrte. Nick war auf seine treueste Stammkundin und ihren Begleiter gut vorbereitet. Herrmann wusste das.
»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.« Die alte Dame hatte die Theke erreicht.


Näherkommen? Der Laden ist vermutlich nicht gerade groß. Da wäre eher sowas wie "trat an die Ladentheke". Näherkommen, das ist eher wenn ich in der Ferne jemanden sehe und der sich annähert.

Wie findet er den Dackel? Nervig? Lächerlich mit seinem Gezappel? Unerzogene Töle? Mag er den Hund evtl und freut sich?



ThetaHelion hat geschrieben:Herrmann riss sich los. Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte. Schwanzwedelnd bezog der Dackel auf den Hinterpfoten zu Nicks Füßen Stellung. Die Schnauze leckend verfolgte er aufmerksam jede Bewegung des jungen Mannes. »Wie wär's mit einem Neuen?«, versuchte es Nick.
»Ach, Sie wissen doch«, seufzte sie wie jedes Mal, wenn er danach fragte. Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein. Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn. Selbst der Billigtoaster aus Fernost.


Er könnte sie einfach nach ihrer Befindlcihkeit fragen. Etwas Dialog über ihr Leben nach dem Verlust täte dem Text an diesem Punkt SEEEHR gut, weil es das steril-beschreibende das sich hier sehr ausgebreitet hat auflockern würde. Es gäbe die Möglichkeit beide Personen in der Art wie und was sie miteinander reden näher zu charakterisieren (ich schreibe für Szenen mit mehreren Personen immer erst Rohdialog runter und fülle die beschreibenden Elemente später nachträglich ein)


ThetaHelion hat geschrieben:Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Der Stecker war geschmolzen.
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«
Nick winkte ab, während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.


Hält er ihr bei der Beschreibung was sie mti dem Toaster treibt keine erschrockene Standpauke???? Oder bekommt einen Lachanfall wie man so naiv sein kann sowas zu machen

"Sie haben was gemacht?"
"Na, die blöde Brotscheibe, die saß fest. Da hab ich den Schraubenzieher genommen und..."
"Sind sie von Sinnen?"
"Junger Mann, jetzt werden sie nicht frech! Ich habe bereits seit 1962 immer Toaste gehabt"

Bla Bla

Ist jetzt nur mal so ganz grob angedacht, aber du verstehst was ich damit sagen will?



ThetaHelion hat geschrieben:Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall.
Nick lächelte verlegen.


Herrmann hatte sein Leckerli nicht erkämpft. Er hat es ihm gegeben. Das würde ich auch so beschreiben, dass er Leckerlies für Kundenhunde unter dem Tresen hat und der fette Dackel scih jetzt eins davon genüsslich reinpfeift.



ThetaHelion hat geschrieben:Die Glocke erklang ein weiteres Mal. Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer. Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen. Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. Nick war es gleich. Der Mann war ein Kunde, ein technikbegeisterter Bastler wie Nick, nur manchmal ein wenig aufdringlich. Er zeigte enormes Interesse an den Waren und kaufte auch gelegentlich ausgefallene Dinge für seine Projekte. Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.



Den Satz mit "seine Vergangenheit" kapiere ich nicht. Wenn das irgendwas konkretes über Osietzki aussagen soll kapiere ich nicht, was das sein soll. Und warum er ein Schnüffler sein soll erschliesst sich auch nicht. Weil er einen gammeligen alten Trenchcoat trägt und das zum Schnüfflerklischee gehört?


ThetaHelion hat geschrieben:Frau Schäfer verabschiedete sich von Nick. Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag. Im Vorbeigehen bedachte die Rentnerin den Neuankömmling mit einem verächtlichen Blick und verließ unter unverständlichem Gemurmel das Geschäft. Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert. Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.


Wieder Beschreibung statt Dialos. Show, don't tell.


ThetaHelion hat geschrieben:»Jungchen, da stimmt was nicht«, hob er in seiner direkten Art an. Ungezählte Zigarren hatten die Stimme geprägt. Sein Atem verriet, dass die letzte noch nicht allzu lang her sein konnte. Im Augenwinkel bemerkte Nick ein Eilmeldungsbanner auf dem stumm geschalteten Fernseher über der Tür. Herr Osietzki lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen auf und beugte sich herüber, versperrte Nick dabei gleichermaßen den Blick nach draußen als auch auf seinen Monitor.
»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er. Er hielt Nick das Display hin, worauf dieser seinen Augen nicht zu trauen glaubte. Er sah ein abfotografiertes Blatt Papier. »Verhalten Sie sich unauffällig!«, stand darauf in Osietzkis antiker Handschrift geschrieben, die Nick über die Zeit zu entziffern gelernt hatte. Er wischte mehrfach über das Display.
»Sehen Sie was ich meine?« Er blickte kurz auf. Über Nicks Rücken jagte ein Schauer den nächsten. Ein Bild nach dem anderen zeigte die Limousine auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus den verschiedensten Perspektiven, in der unteren Ecke das Datum jedes Tages der letzten drei Wochen.



Jetzt kommt zum ersten Mal Spannung auf.



ThetaHelion hat geschrieben:Dieser alte Fuchs hatte über die Jahre nichts verlernt und noch immer Augen und Ohren überall. »Könnte ein Problem mit dem Sensor sein«, versuchte Nick die Fassade zu wahren. Weitere abfotografierte Notizen folgten. Detailbilder von Männern mit Kameras und Nahaufnahmen von Polizeimarken ließen Nick das Blut in den Adern gefrieren. Die Überwachung war also eine offizielle Sache und musste schon um einiges länger laufen, als man es ihm verraten hatte.
»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?«, fragte Nick unsicher.



Das geht jetzt zu schnell. Es wird zB nicht erklärt, woher er diesen Mann kennt und welches Motiv er hat, dass er scih so um deinen Prota sorgt, dass er ihm diese Informationen zukommen lässt. Es wird auch nicht beschrieben, dass es ihn verwundert oder schockiert.



ThetaHelion hat geschrieben:Was sollte er davon halten? Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?
»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend, holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.


"Was er davon halten soll" ist zu schwach. Wenn ich plötzlich erfahre, dass ich über Wochen in solcher Intensität observiert werde reagiere ich auf emotionaler Ebene aber anders!!!




Alles in allem, dieser Geschichte täte eine Portion ironischer Humor gut.

Fazit:
Hat von der Geschichte her sicher Potential, müsste aber gründlich aufgemotzt werden, da es so von den Figuren her nicht fesselt, die Figuren blass bleiben und auch keine genre-adäquate Stimmung aufkommt.

Was ich noch zu bemängeln habe: Englischsprachiger Titel. Hat in einem auf Deutsch geschriebenen Text nichts verloren.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 26.05.2015, 09:09

Vielen Dank für deine Mühe.

Generell ist es die "Zeigen, nicht beschreiben"-Sache, mit der ich mich im Moment am intensivsten beschäftige, aber so lange ich das noch nicht ganz so drauf habe, wie ich es mir vorstelle, muss ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bleiben.

Edit:
Aufgrund mangelnder Differenzierung hab ich den Rest wieder gelöscht. Gutes Beispiel für das fatale Zusammenwirken von Stress, Übermüdung und wenig Zeit.

Ich kann mich nur in aller Form bei Schreiberling entschuldigen.

Bei dem umfangreichen Feedback werde ich für die Auswertung einige Zeit brauchen.
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 26.05.2015, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon Sasskia » 26.05.2015, 10:11

Hallo ThetaHelion!

Hier ist mein Feedback zu deinem Prolog, den ich mir zur Gänze durchgelesen habe und der mir, respektvoll verneig, gut gefällt!

Ich hab nur einige winzige Anmerkungen:

Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg.

»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand.


Wie heisst der kleine Dackel nun?
Wobei mir "Hermann an der Leine" Kopfkino beschert hat, das hier wohl nicht angedacht war :XD:

Ich möchte auch anmerken, dass Hunde durchaus quietschen, in diesem Fall aber eher jaulen, japsen, fiepen oder winseln.
"Quietschen" erweckt in mir den Eindruck eines mechanischen Dingens, was mich an der Stelle zusätzlich verwirrt hat.

»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.«


Da Frau Schäfer den Toaster getötet hat, ist "er macht's mal wieder nicht mehr" schlicht und ergreifen gelogen. :XD:
Vorschlag:
"Ja, der Toaster", sie seufzte. "Er wollte die Brotscheiben nicht rausrücken, da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich ..."

Damit kannst du den Prolog, der meines Erachtens ein wenig lang geraten ist, um den Absatz kürzen:

Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Der Stecker war geschmolzen.
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«


Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall.
Nick lächelte verlegen.


Hat denn der Streifenwagen etwas mit der Observation zu tun?
Woran erkennt er, dass ihr die Anspannung in seiner Stimme nicht auffällt? Scheinbar oder anscheinend?

Vorschlag für ihre Antwort:
"aus der Patsche helfen" streichen!

"Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind, Herr Nick? Vielen Dank für Ihr Mühe.

Dann ersparst du dir den mütterlichen Tonfall, denn die Aussage sollte für sich sprechen.

Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer.


Vorschlag:

Herr Osietzki, wie immer im Trenchcoat, mit Hut, Hornbrille und dem gepflegten Schnaubart.

Da wir vorhin den Dackel kennengelernt haben, bin ich bin ersten Durchlesen davon ausgegangen, Herr Osietzki kommt ebenfalls mit einem Hund in den Laden. :XD:

Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. Nick war es gleich.


In der Nachbarschaft war der alte Schnüffler unbeliebt, doch Nick war das gleich.

Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.


Sicher würde es gleich, wie zuletzt, um sein neues Mobiltelefon gehen.

Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag.


Da habe ich wieder nicht an einen Hund gedacht :XD:

Den Satz würde ich deshalb streichen, um den Prolog ein wenig zu straffen.

Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert.Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.


Herr Osietzki hatte sich den Neuheiten zuwandt, doch kaum waren sie allein im Laden, zog er sein Handy aus der Tasche und hielt Nick das Display hin.

Verzeih, wenn ich erneut kürzen will. Wenn es dein Wunsch ist, dass der Prolog so lang ist, ignorier meine Vorschläge bitte.

Ich weiß nicht, ob es relevant ist, dass Osietzki raucht, seine Stimme rau ist, etc. Falls ja, dann ist es okay. Falls nicht, kann man den Absatz auch kürzen?

»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?«, fragte Nick unsicher.
Was sollte er davon halten? Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?


Ein Augenlid? Wessen Augenlid?
Davon ausgehend, dass es Nicks Augenlid ist, könntest du "fragte Nick unsicher" streichen. Das zuckende Augenlid, sein zuckendes Augenlid würde veranschaulichen, dass er unsicher und nervös ist.

Mein Vorschlag:

"Vielleicht reicht schon ein Firmware-Update, Herr Osietzki. Ich könnte das für Sie erledigen." Sein Augenlid begann zu zucken. Was sollte er davon halten? Warum mischte sich der alte Mann ein?


»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend, holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.


Mein Vorschlag:

"Schon gut, mein Junge. Das schaff ich gerade noch." Herr Osietzki richtete sich auf und wies auf das Regal hinter der Theke. "Ich nehm noch zwei von den größten Speicherkarten." Er holte seine Brieftasche heraus, beglich die Rechnung und zog zur Verabschiedung den Hut.

Die extra Verabschiedung von Nick würde ich auch weglassen, da sie logische Konsequenz dieser Szene ist.

Fazit:

Dein Schreibstil gefällt mir. Obwohl ich nicht der Science Fiction bin, habe ich gespannt weitergelesen :dasheye:
Einige der Beschreibungen würde ich kürzen, den ersten Teil straffen und damit mehr Spannung erzeugen wollen.
Doch selbst, wenn du ihn so lässt, ist er für mich stimmig und weckt Interesse.
Wenn dir meine Vorschläge gefallen, freut mich das, wenn nicht, ignorier sie bitte.

Liebe Grüße aus Wien

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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon paratoxic » 26.05.2015, 16:16

Hey :)

Du hast zwar schon zwei relativ ausführliche Kritiken bekommen, ich möchte jedoch auch noch ein paar Worte dazu loswerden (bei Gelegenheit werde ich mir wohl auch Teil 2 und 3 mal näher ansehen).
Zunächst einige Anmerkungen zu Textstellen:

Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.


Hier stört mich der Gegensatz "er ist erstaunt" - "er ist nicht überrascht". Dass es sich hier nicht um denselben Kontext handelt, merkt man leider erst am Ende des zweiten Satzes, daher macht die Beschreibung zunächst einen inkonsistenten Eindruck.

Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.


Da der Dackel zuvor schon gequietscht hat, wäre hier vielleicht ein Synonym schöner :)

Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.


Über das "erkämpft" bin ich hier auch ein wenig gestolpert, muss ich sagen. Generell ergibt das ein schönes Bild, doch zwischen "Nick holt das Leckerli heraus" und "Herrmann hat sich das Leckerli erkämpft" kam keine Information bezüglich des Leckerlis. Da zwischen diesen beiden Zeitpunkten ein paar Sätze stehen, bin ich schon davon ausgegangen, dass Herrmann das Leckerli einfach bekommen hat. Daher war ich ein bisschen verwirrt, dass das Leckerli noch mal aufgetaucht ist, obwohl ich das innerlich schon abgehakt hatte.
Was Abhilfe schaffen würde: Nach dem Herausholen des Leckerlis andeuten, dass Nick das Leckerli nicht einfach so hergibt, sondern Herrmann etwas fordert oder triezt.

Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen.


Was der Satz mir sagen soll, habe ich zwar verstanden, ich bin jedoch der Meinung, dass er sich stilistisch nicht ganz sauber in den Rest einfügt. Der Rest des Textes ist von den Beschreibungen sehr realistisch gehalten, ein paar Metaphern sind dabei, doch verglichen damit klingt der Satz oben schon seeehr meta. Das ist sicherlich nicht verkehrt, doch so sticht der Satz schon ziemlich deutlich aus dem Rest raus. Daher würde ich an deiner Stelle vielleicht darüber nachdenken, ihn vielleicht etwas umzuformulieren. Das ist aber nur meine subjektive Meinung, vielleicht siehst du das ja anders.

Mehr hätte ich zu einzelnen Textstellen nicht zu sagen.

So, nun ein paar allgemeine Eindrücke:
Hauptcharaktere: Im Prolog wird Nick schon ein wenig charakterisiert, das finde ich schön so. Ich hab es beim Lesen ganz gern, wenn am Anfang der Fokus auf der Charakterarbeit und der Atmosphäre (dazu sage ich später noch etwas) liegt. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, als hätte ich schon etwas Wesentliches über Nick erfahren, aber ich habe ja auch bisher nur den ersten Teil gelesen.
Nebencharaktere: Die erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr klischeebehaftet bzw. überzeichnet: Die nette, alte Dame mit der mütterlichen Ader und mit dem Dackel, der schneller läuft als sie; der Trenchcoat-tragende, kettenrauchende Schnüffler. Es kann natürlich sein, dass das von dir beabsichtigt ist, ich wollte es an dieser Stelle nur schon einmal erwähnen. Übrigens müssen Klischees ja auch nichts Schlimmes sein, solange sie irgendwie sinnvoll verarbeitet werden. Dazu könnte man auch mit den Klischees spielen, indem sich Nick zum Beispiel genau darüber lustig macht. Das war es auch, glaube ich, wieso schreiberling sich etwas mehr Ironie gewünscht hätte - die relativiert nämlich das Auftreten von Klischees ungemein.
Stil: Den finde ich schon ganz gut; es lässt sich alles flüssig lesen.
Atmosphäre: Da hätte ich mir tatsächlich ein wenig mehr gewünscht. Von der Bedrohung merke ich bisher nicht viel (bis auf die aufgestellten Nackenhaare und dass Schauer über Nicks Rücken jagen), da könnte man die Beschreibung vielleicht noch atmosphärischer gestalten. Ebenfalls vermisse ich eine angerissene Beschreibung des Ladens, über den ich bisher nichts weiß, außer dass er ne Überwachungskamera und eine Theke hat. Oh, und eine Türglocke. Ist der Laden schmuddelig oder sauber, ist er hell oder dunkel, klein oder groß? All diese Informationen sagen natürlich auch etwas Nick aus, so könnte man ihn super weiter charakterisieren und man könnte sich die ganze Szenerie viel besser vorstellen. Da der Prolog ohnehin schon lang ist, muss dafür nicht mal ein eigener Absatz her, es würde meiner Meinung nach schon reichen, wenn man hie und da ein passendes Adjektiv o.ä. einschiebt. Gelegenheit hierzu gäbe es in dem Text einige.
Die mangelnde Atmosphäre vermittelt wohl auch den "sterilen" Eindruck, den schreiberling kritisiert hat. Ganz so drastisch sehe ich das zwar nicht, doch in dieser Hinsicht könnte man den Text trotzdem noch verbessern, wie ich finde.

Insgesamt finde ich den Text schon gut, vor allem den Stil finde ich größtenteils gelungen (einige Beschreibungen fand ich sogar sehr gelungen und schön bildlich). Einige meiner Kritikpunkte werden sich auch sicherlich im Laufe der Erzählung erledigen, hier ist man beim Kritisieren ja eh tendenziell eher überkritisch :D
Wozu ich allerdings raten würde, wäre eine Verdichtung der Atmosphäre; davon könnte der Text wirklich profitieren. Ich liebe atmosphärisch dichte Literatur, daher ist dieser Ratschlag vielleicht aber auch gar nicht in deinem Interesse.

Viele Grüße :)
paratoxic
 
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon Akirai » 28.05.2015, 21:37

Hallo Theta!

Bevor ich anfange, deinen Text zu "sezieren" (und ja, ich bin verdammt fies, wenn es um das Zerreißen von Texten geht :lol: ), muss ich folgendes voranschicken:
Ich lese keine Science Fiction. Vielleicht habe ich mal Star Wars gesehen, aber darin erschöpft sich meine Erfahrung mit dem Weltraum schon *grins* Warum und wie ich in diesen Forenbereich und auf deinen Text gekommen bin? Hab mich ein wenig in die "Show, don't tell"-Diskussion reingelesen - und jetzt will ich wissen, was du so schreibst.
Noch ein kleiner Hinweis: Ich kommentiere beim Lesen. Das heißt, ich zitiere deinen Text ganz und schreibe an die dementsprechenden Stellen, was mir so in den Sinn kommt. Das kann allerhand Blödsinn sein, aber ich empfinde das als realistisches Feedback eines Lesers. Ich kann sehr direkt dabei sein, also nimm mir bitte kein Wort übel, denn nichts ist gegen dich gerichtet. Pinky promise!
Wie immer gilt: Nimm, was dir gefällt, den Rest klopp in die Tonne. Ich hoffe, ich werde dir helfen können - zunächst mach ich mich mal nur über Teil eins :girl:

*Krallen wetz* Los gehts!

ThetaHelion hat geschrieben:
Da sind sie ja wieder, dachte Nick. Seine Nackenhaare stellten sich auf. ich bin irritiert. Nicht nur wegen Kursivierung und folgender inquit-Formel (daran kann ich mich nie gewöhnen, auch, wenn einige das wohl so machen ... Nein, mich irritiert das "ja". Wenn sich die Nackenhaare aufstellen, habe ich Angst. Der erste Teil aber klingt eher gelangweilt, etwa so: Da sind sie ja wieder :roll: Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken. Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten. Noch eine Sache: Im Moment "schwebt" die Erzählperspektive über Nick. Wieso erzählst du alles nicht aus seiner Sicht? Also ruhig aus seinen Augen? Das würde sich (ok, ich musste an "Show, don't tell" denken ... ^^ ) in etwa (spontane Umformulierung) so anhören:
Nicks Körper versteifte sich. Sie waren zurück.
Der Hocker quietschte verärgert, als Nick sein Gewicht verlagerte, um näher an den kleinen, nur für ihn einsehbaren Überwachungsmonitur im Regal zu gelangen. Seine Muskeln verkrampften sich, doch er hoffte, äußerlich wäre ihm seine Nervosität nicht anzusehen. Falls Kundschaft in den Laden kam, sollte die sich nicht wundern, was einen Elektroniker wie ihn derart verunsicher konnte.

...

Ok, beim zweiten Durchlesen gefällt es mir selbst nicht, aber you got my point? Falls nein, vergiss, was ich gesagt habe :mrgreen:


Nick schielte auf den kleinen, nur für ihn einsehbaren Überwachungsmonitor im Regal. Die dunkle Limousine hatte eben wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeparkt. Wieso hatte? Nimm einfach Präteritum parkte, da stolpert man nicht drüber. Niemand stieg aus. Er nahm sein Tablet und aktivierte die Kamerasteuerung, zoomte näher auf die Insassen. Sind die Scheiben nicht verdunkelt? Hätte ich fast erwartet. Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.

Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken. Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Nette Charakterisierung, das ist Show! Ich sehe eine dicke, mittealte / ältere Dame mit hochroten Wangen. Im rosa Kostüm (oder zumindest leicht ins Pinke gehend). Und sie trägt einen Hut. Hermann an der Leine hechelnd vornweg. Wieder der Toaster, dachte Nick amüsiert und sah schon in diesem Moment das verchromte Gehäuse unter dem Arm der Rentnerin funkeln.

»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand. »Ist ja gut, Herrmann.«, versuchte sie den Langhaardackel zu beruhigen, der quietschend an der Leine zerrte. Nick war auf seine treueste Stammkundin und ihren Begleiter gut vorbereitet. Herrmann wusste das.
»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.« Die alte Dame hatte die Theke erreicht.

Herrmann riss sich los. Und sein armes Frauchen wirft er um? :shock: Böser Hund!Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte. Schwanzwedelnd bezog der Dackel auf den Hinterpfoten zu Nicks Füßen Stellung. Die Schnauze leckend verfolgte er aufmerksam jede Bewegung des jungen Mannes. »Wie wär's mit einem Neuen?«, versuchte es Nick.
Also falls du mir auf "Hermann wusste das" so langsam Hundekekse präsentieren möchtest - spätestens jetzt wäre eine gute Gelegenheit. Allerspätestens, denn danach mag ich keine mehr :P :lol:

»Ach, Sie wissen doch«, seufzte sie wie jedes Mal, wenn er danach fragte. Und jetzt gleitest du in den allwissenden Erzählmodus ab. Bleib bei Nick, das ist einfacher :P Vorschlag: Nick unterdrückte nur mühsam ein Augenrollen. Klaus war im letzen Frühjahr gestorben - natürlich verstand Nick, dass es Frau Schäfer schwer fiel, sich von einigen Andenken an ihren verstorbenen Mann zu lösen. Aber dass sie wirklich jeden Erinnerungswert an ihn behalten musste, sogar diesen fernöstlichen Billigtoaster ... ! Nicks Blick glitt nach oben, zur Decke. Die Wohnung der Schäfers lag über seinem Laden. Vermutlich hatte sich seit Klaus' Tod nichts verändert.
(natürlich nur als Vorschlag, aber das erspart dir das Tell und das umständliche "hatte". Übrigens, wohnen die Schäfers immer noch da? Und hat Klaus noch eine Bewandtnis? Falls nicht, würde ich den Namen streichen - in zwei Seiten erinnere ich mich nicht mehr daran ^^'
Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein. Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn. Selbst der Billigtoaster aus Fernost.

Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Du solltest Nick wenigstens den Toaster nehmen und ihn einen Blick darauf werfen lassen. Der Stecker war geschmolzen. Bei Stecker denk ich an was außerhalb des Toasters - aber ich bin auch kein Elektriker :mrgreen:
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...« Kindchen! Das ist gefährlich! O_O
Nick winkte ab, während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend wieso quietscht der Hund denn nur? Kann der auch was anderes?stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.
Nick richtete sich auf. Als er den Mund öffnete, erblickte er über Frau Schäfers Schulter hinweg einen Streifenwagen, der langsam vorüber fuhr. (....)
Du musst mir schon ein paar mehr Regieanweisungen geben. Jede Stelle, die ich konstruieren muss, ist eine Stelle, dank der ich aus der Geschichte fliegen kann. Und das ist - meiner Meinung nach - für einen Autor der worst case. :wink:

Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte wieso beruhigen? Sie war doch gar nicht nervös / aufgebracht / in Tränen aufgelöst=er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. Gnah, Telling. Vorschlag: Hoffentlich fiel ihr die Anspannung in seiner Stimme nicht auf. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft wieso erkämpft? Vorhin klang es so, als hätte Nick es ihm gegeben. und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall. Das Inquit kann weg.
Nick lächelte verlegen.

Die Glocke erklang ein weiteres Mal. Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer. Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen. Wunderschöner Satz. Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. würd ich umdrehen: Osietzki, der Schnüffler. Niemand mochte ihn. Nick war das gleich. Nick war es gleich. Der Mann war ein Kunde, ein technikbegeisterter Bastler wie Nick, nur manchmal ein wenig aufdringlich. Er zeigte enormes Interesse an den Waren und kaufte auch gelegentlich ausgefallene Dinge für seine Projekte. Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.

Frau Schäfer verabschiedete sich von Nick. Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag. Vorschlag: Eilig griff Nick nach dem immer noch fröhlich vor sich hin schmatzenden Dackel und setzte ihn vorsichtig Frau Schäfer in den Arm. Die alte Dame verabschiedete sich mit einem strahlenden Lächeln, das augenblicklich gefror, als sie Herrn O. erblickte. Ihre Augen wurden hart, ihr BLick verächtlich. Unter unverständlichem Gemurmel verließ sie das Geschäft. O. blickte nicht von den Neuheiten auf, die Nick in einem Regal ausgestellt hatte.
Nick holte tief Luft und bereitete sich innerlich auf den üblichen Smalltalk vor, als ...

Warum habe ich das so umgeschrieben? Der "gute Tag" stört, das interessiert keinen (so was kannst du also getrost rauslassen). Wenn du jetzt ein bisschen mehr ihre Reaktion beschreibst, muss der Text nur noch umgestellt werden. Außerdem umgehst du dann das "Telling" durch Autorenkommentare wie "wie gewohnt" etc. Und du sparst dir das "hatte" :mrgreen:
Im Vorbeigehen bedachte die Rentnerin den Neuankömmling mit einem verächtlichen Blick und verließ unter unverständlichem Gemurmel das Geschäft. Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert. Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.

»Jungchen, da stimmt was nicht«, hob er in seiner direkten Artbitte streichen, über die Art und Weise, wie ich das zu bewerten habe, will ich selbst entscheiden. Ich bin ein mündiger Leser :P :mrgreen: an. Ungezählte Zigarren hatten die Stimme geprägt. gefärbt? Ansonsten: schöne Charakterisierung! Ich sehe gleich einen Columbo im Trenchcoat vor mir. Sein Atem verriet, dass die letzte noch nicht allzu lang her sein konnte. Im Augenwinkel bemerkte Nick ein Eilmeldungsbanner auf dem stumm geschalteten Fernseher über der Tür. Für einen Moment dachte ich an das Überwachungsding im Regal... Verwirrungspotential. Herr Osietzki lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen auf und beugte sich herüber, versperrte Nick dabei gleichermaßen den Blick nach draußen als auch auf seinen Monitor.
»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er. Er hielt Nick das Display hin, worauf dieser seinen Augen nicht zu trauen glaubte. Er sah ein abfotografiertes Blatt Papier. »Verhalten Sie sich unauffällig!«, stand darauf in Osietzkis antiker Handschrift geschrieben, die Nick über die Zeit zu entziffern gelernt hatte. Er Nick?wischte mehrfach über das Display.
»Sehen Sie was ich meine?« Er blickte kurz auf. Über Nicks Rücken jagte ein Schauer den nächsten. Ein Bild nach dem anderen zeigte die Limousine auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus den verschiedensten Perspektiven, in der unteren Ecke das Datum jedes Tages der letzten drei Wochen.

Dieser alte Fuchs hatte über die Jahre nichts verlernt und noch immer Augen und Ohren überall. »Könnte ein Problem mit dem Sensor sein«, versuchte Nick die Fassade zu wahren. Weitere abfotografierte Notizen folgten. Detailbilder von Männern mit Kameras und Nahaufnahmen von Polizeimarken ließen Nick das Blut in den Adern gefrieren. So langsam gleitest du in die cliché-Formulierungen ab. Beschreib doch mal genau, wie sich so ein rasendes Herz, ein kalter Angstschweiß und so anfühlen ? Die Überwachung war also eine offizielle Sache und musste schon um einiges länger laufen, als man es ihm verraten hatte. Ja, das irritiert mich. er weiß doch von der Limou, wieso also die Panik?
»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Wessen?Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?« Nicks Stimme zitterte. (Show, don't tell :mrgreen: ), fragte Nick unsicher.

Was sollte er davon halten? Die erste Frage ergibt keinen Sinn / Zusammenhang, weg damit. Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?
»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, Auch hier kann das Inquit-weg. Dank "Jungchen" weiß ich schon, dass es O. ist. ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend Partizipien liebt der Lateiner, der Deutsche stolpert über sie :wink: , holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.
Noch mehr Infodump. Weg mit der Verabschiedung, oder so kurz wie möglich! Alltäglichkeiten hab ich im Leben genug, die will ich nicht in Büchern lesen :wink: Und wieso ist das Lächeln traurig? Und wer sagt das?


Jo, Fazit:
Du zeigst bei der Charakterisierung der Nebenfiguren richtig Talent. Ein Satz und ich seh sie vor mir. (Steht Frau Schäfer gerade in meiner Tür? O.o)

Was mir nicht gefällt / wo ich noch Nachbearbeitungspotential sehe:

1) Ich gehe davon aus, dass Nick deine Hauptfigur ist. Dann erzähl doch einfach aus seiner Sicht. Bis jetzt bleibst du so ein bisschen über Nick, dann nimmst du wieder seine Position ein, schwebst drüber und reißt mich aus ihm raus - das ist unangenehm für das Lesevergnügen :wink: Mein Tipp: Setz die Erzählkamera auf Nicks Schultern und erzähl von dort aus. Also kein "wie gewohnt, wie üblich", etc. Wenn die Story spricht, hat der Autor zu schweigen :ugeek: :lol:
Dann dürfte sich dein "showing-"Problem auch erledigen (vermute ich).

2) Du neigst zur Ausformulierung von Nebensächlichkeiten, lässt dafür aber "Handlung" weg. Beispiel: Du beschreibst nicht, wie Nick den Toaster nimmt und begutachtet (falls ja, habe ich es überlesen :oops: ), aber das "Auf wiedersehen, einen schönen Tag noch!". Hätten sie noch einen ausführlichen Plausch über das Wetter gestartet, wäre ich weg gewesen, um es drastisch zu sagen :wink: . Also streich die Nebensächlichkeiten, die interessieren keinen.

Und jetzt geh ich noch die anderen Kommentare studieren ...

schreiberling hat geschrieben:Dein Prota braucht dringend ein paar Schrullen, Ecken und Kanten, irgendwas, das ihn als Person interessant macht.

Kann ich so nicht bestätigen.
Protas sind grundsätzlich blass (wenn sie nicht gerade eine Kindheit haben, in der sie die grausame Ermordung ihrer Eltern ansehen mussten oder sich für hässlich und überhaupt halten - Harry Potter und Twilight lassen grüßen). Ich finde nicht, dass du Nick so etwas antun solltest.
Frodo ist auch blass. Noch viel schlimmer, er ist eine ständig kreischende Heulsuse. Der richtig coole ist Sam, aber ist er der Prota? Nope :mrgreen: Also wenns nicht genre-zwingend ist (was ich nicht beurteilen kann), dann lass bitte die Pornohefte da raus. Das kann den Prota nämlich auch unsympathisch werden lassen :wink:

schreiberling hat geschrieben:Er könnte sie einfach nach ihrer Befindlcihkeit fragen. Etwas Dialog über ihr Leben nach dem Verlust täte dem Text an diesem Punkt SEEEHR gut, weil es das steril-beschreibende das sich hier sehr ausgebreitet hat auflockern würde. Es gäbe die Möglichkeit beide Personen in der Art wie und was sie miteinander reden näher zu charakterisieren (ich schreibe für Szenen mit mehreren Personen immer erst Rohdialog runter und fülle die beschreibenden Elemente später nachträglich ein)

Die Möglichkeit gibt es tatsächlich. Wenn Frau Schäfer aber nur staffage-Nebenfigur ist und nicht im nächsten Kapitel als Super-Oma auftaucht und Nick rettet, ist das nebensächlichst (und kommt in meiner Hitliste knapp vor "Guten Tag und Auf Wiedersehen"). Außerdem würde ich mich davor hüten, einen ohnehin relativ spannungsarmen Prolog durch Aufblähung noch länger zu gestalten. Ein Großteil der Leser will Action und nix über den ach so tragischen Tod von Klaus Schäfer, der friedlich in seinem Bett einschlief (es sei denn, er wurde ermordet. Oder sein Tod war mysteriös. Das wäre spannend 8) ).

schreiberling hat geschrieben:
Das geht jetzt zu schnell. Es wird zB nicht erklärt, woher er diesen Mann kennt und welches Motiv er hat, dass er scih so um deinen Prota sorgt, dass er ihm diese Informationen zukommen lässt. Es wird auch nicht beschrieben, dass es ihn verwundert oder schockiert.

Woher O. Nick kennt, würde ich im Unklaren lassen (das ist ja gerade das Spannende!). Zum zweiten Teil stimme ich zu, ein bisschen mehr "Drama, Baby, Drama!" würde hier nicht schaden :mrgreen: .

schreiberling hat geschrieben:Was ich noch zu bemängeln habe: Englischsprachiger Titel. Hat in einem auf Deutsch geschriebenen Text nichts verloren.

Auch dieser Aussage kann ich nicht zustimmen (hach, ich widerspreche heut aber viel - nicht persönlich nehmen, Schreiberling :XD: ). Wenn der Titel für dich passt, dann passt er. Und gerade bei Science Fiction sehe ich - als Genre-Nicht-Leser - da kein Problem.

Sasskia hat geschrieben:Da Frau Schäfer den Toaster getötet hat

Frag Sasskia, ob du den Satz haben darfst. Der ist nämlich geil, den sollte Nick denken :2thumbs:

Sasskia hat geschrieben:Hat denn der Streifenwagen etwas mit der Observation zu tun?

Oh, gute Frage, das hatte ich vorhin völlig zu meckern vergessen !

Ok, dem Rest stimme ich zu ... Aber ich sehe gerade eben, dass gerade die Sätze, die mir sehr gut gefallen haben, von den anderen angemerkt wurden.
Tja, viele Köche verderben den Brei :lol:
Und du siehst, jeder findet einen anderen Text gut.

So, ich hoffe, meine Anmerkungen waren hilfreich. Versink bitte nicht in tiefster Depression, ich neige zu äußerst barbarisch-direkter Kritik, aber keine davon ist böse gemeint.
Und wegen
ThetaHelion hat geschrieben:Generell ist es die "Zeigen, nicht beschreiben"-Sache, mit der ich mich im Moment am intensivsten beschäftige, aber so lange ich das noch nicht ganz so drauf habe, wie ich es mir vorstelle, muss ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bleiben.

Wie gesagt, stellt dir konkret die Kamera vor und beschreibe erst mal nur das. Das hilft sehr, glaub mir :girl:

ThetaHelion hat geschrieben:Ich kann mich nur in aller Form bei Schreiberling entschuldigen.


Auch wenn vermutlich was an deinem Beitrag verändert wurde: Hier muss sich niemand entschuldigen. Sinn und Zweck dieses Forums ist es, Texte zu bearbeiten und durch hilfreiche Ratschläge die Schreibkompetenz zu stärken. Und du fängst jetzt wirklich nicht bei 0% an, also Kopf hoch! Es ist - leider, leider! - noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Übrigens: Wenn du den Text veröffentlichen willst, wärst du vielleicht im "Geheimen Bereich" besser aufgehoben, denn hier im öffentlichen Forum ist der Text verbrannt. Und falls du denkst, du entkommst mir im Geheimen Bereich, irrst du dich gewaltig - dort treib ich mich nämlich auch rum :twisted: :XD:

Schönen Abend noch! *wave*

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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 28.05.2015, 22:45

Akirai hat geschrieben:Hallo Theta!

...

Auch wenn vermutlich was an deinem Beitrag verändert wurde: Hier muss sich niemand entschuldigen. Sinn und Zweck dieses Forums ist es, Texte zu bearbeiten und durch hilfreiche Ratschläge die Schreibkompetenz zu stärken. Und du fängst jetzt wirklich nicht bei 0% an, also Kopf hoch! Es ist - leider, leider! - noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Übrigens: Wenn du den Text veröffentlichen willst, wärst du vielleicht im "Geheimen Bereich" besser aufgehoben, denn hier im öffentlichen Forum ist der Text verbrannt. Und falls du denkst, du entkommst mir im Geheimen Bereich, irrst du dich gewaltig - dort treib ich mich nämlich auch rum :twisted: :XD:

Schönen Abend noch! *wave*

LG
Aki


Hallo Akirai,

vielen Dank auch an dich für die Mühe, ich werde mir deine Anmerkungen so bald wie möglich genauer durchlesen. Der Edit war nötig, da mir im Nachgang meine Kommentare doch zu impulsiv waren und ich mir auch ungeschönte Standpunkte anschauen sollte. Am Ende schreibe ich noch was, was Schreiberling gefällt. :)
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon CraX » 06.06.2015, 13:47

Hallo Theta Helion,

Habe den ersten Teil durchgelesen und hier mein erster Eindruck:
Der Spannungsaufbau in der ersten 2 Absätzen ist meiner Meinung nach einigermaßen gelungen: Irgendetwas ist am Laufen, denn umsonst wird man ja nicht beschattet. Ich bin leicht neugierig geworden. Dann eine kleine Ablenkung mit der Stammkundin, sehr schön.
Schließlich wird noch ein Gang zugelegt, als der Schnüffler mit seinen Handybildern kommt.

Etwas verwundert hat mich der Elektroladen in einem SF, in dem noch Toaster repariert werden, sowas finde ich ja nicht einmal mehr in meiner Stadt. Schreibst du einen Steampunk oder spielt das Ganze in einem netten, verträumten Städtchen, in dem die Zeit stillgestanden ist?

Die Sprache und Wortwahl wirken ebenso eher wie aus einen netten Jugendroman. (Lechkerchen, Schnüffler, Jungchen, …) Ist das so gewollt?

Die Charaktere sind hier noch sehr schwach und klischeehaft. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Der Auftritt des Herrn Osietzki hat mir gut gefallen. Erteilt ihm ohne Worte etwas mit, und Nick (und der Leser) begreifen auch ziemlich schnell.
Die Frage, die sich hier stellt: Warum tut er das auf diese Weise? Ich würde vermuten, weil er davon ausgeht, dass das Geschäft abgehört wird. Sonst könnte er ja mit ihm offen reden. Diesen Gedankengang würde ich Nick noch hinzufügen.

Nun noch zu einigen Details:

Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken

Das ist hier falsch ausgedrückt, da er ja momentan alleine im Laden ist. So etwas würde ich nur schreiben, wenn er unter Menschen ist. Aber er kann, auch wenn die Observation schon länger anhält, natürlich trotzdem nervös werden.

Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten.

Einfach nur dasitzen und warten klingt langweilig. Ich würde ihn mit beiläufigem Interesse die Nachrichten verfolgen lassen, nebenbei noch in einem Heft blättern lassen. (Das Heft könnte nebenbei etwas über seine Vorlieben/Hobbys aussagen) - heutzutage würde er natürlich facebooken oder im Internet surfen.

Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken

Etwas übertrieben. "… ließ ihn aufblicken" würde für meinen Geschmack reichen.

Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg.

Die Dampflock ist schon mal ein schönes Bild, das könntest du beibehalten, indem sie nicht "eintritt", sondern "hereinpoltert". Der Hund kann beim Eintreten nicht schon vorneweg sein (jaja, manchmal bin ich pingelig), der kämpft sich zwischen Beinen, Gehilfe und Türspalt hindurch und erst dann schießt er nach vorne.
Apropos Hund, da fällt mir gerade ein, dass Hunde ihren Herrchen oft ähnlich sehen. Mach doch aus dem Dackel eine fette Bulldogge.

Herr Feinel, guten Tag

Klingt irgendwie gestelzt, unnatürlich. Wie wäre es erstmal mit "Guten Tag" und dann: "Herr Feinel, sie müssen mir helfen!"

Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte.

ich weiß, was du sagen willst, aber die Logik stimmt hier nicht: Die Krallen werden auch nach unendlichen Versuchen keinen Halt auf glatten Boden finden.

Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein.

Klingt im erstes Satz so, als wäre sie ausgezogen. Das Ganze müsste irgendwie anders formuliert werden.

Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn.

Falls der "gute Klaus" keine wichtige Rolle spielt oder ein Freund von Nick war, würde ich ihn einfach als "ihr Mann" bezeichnen. Unnötige Namen sollte man weglassen.

»da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«
Nick winkte ab,

Hier würde ich Nick erwähnen lassen, das die Frau Glück hat, überhaupt noch am Leben zu sein.

während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.

Das ist so eine Stelle, wo ich denke, ich lese entweder einen niedlichen Jugendroman oder etwas für im Schaukelstuhl liegende Brigitte-Leserinnen. Es ist einfach sooo niedlich. Aber vielleich auch Geschmacksache.

Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg

Gehhilfe, Dampflok, schwankend … und jetzt plötzlich rüstig? Ist das nicht etwas widersprüchlich?

beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffie

"scheinbar" = Füllwort = kann man streichen.

Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen.

Ein ungewöhnlicher Satz, über den man zwar leicht stolpert, aber immerhin originell ist. Mir gefällt er.

Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler.

Der Nachfolgesatz dagegen gefällt mir gar nicht.
2 Sätze daraus machen. "Schnüffler" würde ich genauer definieren.

Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut

nicht "die Neuigkeiten", sondern "einige der Neuigkeiten" (oder hat er sich tatsächlich den ganzen Laden angesehen?) - ev. etwas spezifizieren.

»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er.

Der Typ war als "Schnüffler" vermutlich eine Art Dedektiv- zumindest ist er ein Technikfreak, wenn er hier Stammkunde ist und Dinge für Projekte einkauft. Da ist eine so laienhafte Aussage ziemlich unglaubwürdig.
genauso wie der Abschlusskommentar: "… dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern" oder "… zwei Speicherkarten. Die Größten".

verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.

Warum er hier traurig lächelt, ist mir nicht klar.

Irgendwelche Elemente, die auf einen SF hinweisen, fehlen mir bisher.

Grüße
CraX
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 06.06.2015, 21:25

Huhu schreiberling,

endlich habe ausreichend Zeit für die Sichtung. :)

So, dann will ich mal....

ThetaHelion hat geschrieben:Da sind sie ja wieder, dachte Nick. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken. Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten.


Die sich aufstellenden Nackenhaare empfinde ich als zu klischeebeladen. Sie bringen die Aufregung und den Adrenalinanstieg den der Prota hier sicher erlebt nicht mal ansatzweise rüber. Klingt zu blutleer und steril um Spannung zu erzeugen.

Es klingt auch von der Handlung her zu konventionell. Das könntest du lebendiger, prägnanter schildern und damit gleich den Typen um den es geht persönlich charakterisieren. Aber nein, er sitzt nur wie üblich da. Di könntest ihn zB über einem Playboy-Heft oder anderer ihn näher charakterisierender Lekture hocken lassen das ruckartig unter dem Tresen verschwindet sobald Kundschaft den Laden betritt, weil er ein sexuell total verklemmter Typ ist. Mach mehr daraus, wie er da sitzt und wie er sich die Zeit vertreibt bis Kundschaft kommt.

Dein Prota braucht dringend ein paar Schrullen, Ecken und Kanten, irgendwas, das ihn als Person interessant macht.


Ursprünglich ist da der Puls hoch gegangen, aber ich hatte mich dann dagegen entschieden, da Nick schon etwas Zeit hatte, sich an die Situation zu gewöhnen. Nackenhaare, Puls, Schauer über den Rücken, allgemeines, stressbedingtes Unwohlsein - keine Ahnung, irgendwie fallen mir dazu nur Klischees ein.

Sicher könnte man hier besser charakterisieren und der Grund warum ich es nicht getan habe, war wohl der frühe Zeitpunkt. Ein paar seiner wichtigsten Eigenschaften sollten ja innerhalb des Prologs angedeutet werden, aber das ist dann wohl nicht so gut gelungen. Ecken und Kanten sind hier so eine Sache, weil er abgesehen von zwei Dingen ein ziemlicher Langweiler ist, aber wie auch schon angemerkt wurde, ich habe total vergessen, den Jungen zumindest äußerlich vorzustellen.

Deine Anregungen passen auf Nick zwar nicht, aber die ein oder andere Idee konnte ich trotzdem davon ableiten.


ThetaHelion hat geschrieben:Nick schielte auf den kleinen, nur für ihn einsehbaren Überwachungsmonitor im Regal. Die dunkle Limousine hatte eben wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeparkt. Niemand stieg aus. Er nahm sein Tablet und aktivierte die Kamerasteuerung, zoomte näher auf die Insassen. Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.


Dunkle Limousine? NEEEEE!!! Bitte nicht. Das ist sooo Klischee. Lass es doch einen alten, verbeulten grünen Lieferwagen oder sowas sein. In dem Viertel in dem er arbeitet fällt eine Limousine unweigerlich auf wie eine Operndiva in einem Stehausschank.

Wer hat ihm das gesteckt? Ein verschwendeter Anlass mehr über Nicks Welt und sein Leben zu erfahren.


Also auch mit zeitlichem Abstand - die Limousine ist Absicht, genau so wie sie ist. Reines psychologisches Element. Konstanten Druck aufrecht erhalten, wissen, dass da jemand permanent zugegen ist. Mürbe machen - vielleicht wird Nick ja so eingeschätzt, dass er durch diese Taktik einknickt?! Vielleicht ist die bloße Anwesenheit noch nicht genug. In jedem Fall wissen die anderen, dass Nick mittlerweile weiß, dass sie da sind, also brauchen die sich auch nicht mehr verstecken.

Wer es ihm gesteckt haben könnte, wird ja später angedeutet, aber wahrscheinlich auch zu uneindeutig.


ThetaHelion hat geschrieben:Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken. Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg. Wieder der Toaster, dachte Nick amüsiert und sah schon in diesem Moment das verchromte Gehäuse unter dem Arm der Rentnerin funkeln.


Wäre passender wenn du den Hund gleich hier näher charakterisiert. zB verfetteter roter Langhaardackel oder was auch immer. Vieleicht könntest du auch drauf eingehen, dass Hund und Herrchen mit kurzen Beinen und Verfressenheit Gemeinsamkeiten haben.


Die folgende Szene sollte eigentlich dazu dienen, Nick von seiner alltäglichen, freundlichen, hilfsbereiten Seite zu zeigen. Die Dame ist eigentlich ganz gut gelungen und da sie später keine weitere Rolle spielen wird, war für mich eine tiefgehende Charakterisierung Verschwendung. Beim Hund bin ich mir eigentlich nicht so ganz sicher, aber der ist einfach ganz normal - allerdings wird's wohl doch ein Kurzhaardackel. :)


ThetaHelion hat geschrieben:»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand. »Ist ja gut, Herrmann.«, versuchte sie den Langhaardackel zu beruhigen, der quietschend an der Leine zerrte. Nick war auf seine treueste Stammkundin und ihren Begleiter gut vorbereitet. Herrmann wusste das.
»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.« Die alte Dame hatte die Theke erreicht.


Näherkommen? Der Laden ist vermutlich nicht gerade groß. Da wäre eher sowas wie "trat an die Ladentheke". Näherkommen, das ist eher wenn ich in der Ferne jemanden sehe und der sich annähert.

Wie findet er den Dackel? Nervig? Lächerlich mit seinem Gezappel? Unerzogene Töle? Mag er den Hund evtl und freut sich?


Ich schätze, solchen Annahmen kann ich nur durch vorherige Beschreibung beikommen. Für mich wäre eigentlich klar, dass wenn jemand näher kommen kann, dass er eine gewisse Strecke zurücklegen muss.

Vielleicht hätte ich Nick den Dackel wenigstens streicheln lassen sollen, denn alle typischen Handlungen, mit denen man die Zuneigung zu einem Tier zeigen kann, hätten mir hier die Szene für meinen Geschmack unnötig aufgebläht.


ThetaHelion hat geschrieben:Herrmann riss sich los. Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte. Schwanzwedelnd bezog der Dackel auf den Hinterpfoten zu Nicks Füßen Stellung. Die Schnauze leckend verfolgte er aufmerksam jede Bewegung des jungen Mannes. »Wie wär's mit einem Neuen?«, versuchte es Nick.
»Ach, Sie wissen doch«, seufzte sie wie jedes Mal, wenn er danach fragte. Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein. Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn. Selbst der Billigtoaster aus Fernost.


Er könnte sie einfach nach ihrer Befindlcihkeit fragen. Etwas Dialog über ihr Leben nach dem Verlust täte dem Text an diesem Punkt SEEEHR gut, weil es das steril-beschreibende das sich hier sehr ausgebreitet hat auflockern würde. Es gäbe die Möglichkeit beide Personen in der Art wie und was sie miteinander reden näher zu charakterisieren (ich schreibe für Szenen mit mehreren Personen immer erst Rohdialog runter und fülle die beschreibenden Elemente später nachträglich ein)


Ich hatte damals schon erwähnt, dass ich es aufgrund des langen Zeitraumes für unrealistisch erachte, dass sie jetzt auf das Thema zu sprechen kommen. Würde dich am Ende wahrscheinlich eher enttäuschen, wenn das Wissen darum ins Leere führt.

Ich bin mir nicht sicher, in welcher Form ich die Charakterisierung aufwerten könnte, denn die Grundaussage war für mich recht gut gelungen. Sie: Gerade heraus, wenngleich ihr die Situation peinlich ist. Er: Wortkarg.

Das mit dem Rohdialog müsste ich mal versuchen.


ThetaHelion hat geschrieben:Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Der Stecker war geschmolzen.
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«
Nick winkte ab, während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.


Hält er ihr bei der Beschreibung was sie mti dem Toaster treibt keine erschrockene Standpauke???? Oder bekommt einen Lachanfall wie man so naiv sein kann sowas zu machen

"Sie haben was gemacht?"
"Na, die blöde Brotscheibe, die saß fest. Da hab ich den Schraubenzieher genommen und..."
"Sind sie von Sinnen?"
"Junger Mann, jetzt werden sie nicht frech! Ich habe bereits seit 1962 immer Toaste gehabt"

Bla Bla

Ist jetzt nur mal so ganz grob angedacht, aber du verstehst was ich damit sagen will?


Hatte ich glaube ich letztes Mal auch schon so ähnlich erwähnt. Er hat sich an diese Sachen bei ihr gewöhnt und ist einfach nicht der Typ dazu. Er ist eher der Typ, der abwinkt und weitermacht.


ThetaHelion hat geschrieben:Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall.
Nick lächelte verlegen.


Herrmann hatte sein Leckerli nicht erkämpft. Er hat es ihm gegeben. Das würde ich auch so beschreiben, dass er Leckerlies für Kundenhunde unter dem Tresen hat und der fette Dackel scih jetzt eins davon genüsslich reinpfeift.


Auch hier muss ich dabei bleiben: Wenn ich schreibe, dass er es erkämpft hat, will ich damit vermeiden, einer Nebenhandlung unnötig viel Gewicht zu verleihen. Das war der ganze Hintergedanke für diese Abkürzung: Er hat es sich erkämpft, also hat er es wohl nicht einfach so bekommen.


ThetaHelion hat geschrieben:Die Glocke erklang ein weiteres Mal. Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer. Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen. Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. Nick war es gleich. Der Mann war ein Kunde, ein technikbegeisterter Bastler wie Nick, nur manchmal ein wenig aufdringlich. Er zeigte enormes Interesse an den Waren und kaufte auch gelegentlich ausgefallene Dinge für seine Projekte. Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.



Den Satz mit "seine Vergangenheit" kapiere ich nicht. Wenn das irgendwas konkretes über Osietzki aussagen soll kapiere ich nicht, was das sein soll. Und warum er ein Schnüffler sein soll erschliesst sich auch nicht. Weil er einen gammeligen alten Trenchcoat trägt und das zum Schnüfflerklischee gehört?


Ja der Satz mit der Vergangenheit ist so eine Sache. Ich, und der ein oder andere auch noch, fand ihn gut, andere fanden, er passt nicht, weil er vom Stil raussticht. Das stimmt wohl. Wahrscheinlich müsste ich mehr von der Sorte einbauen, damit es sich einfügt. Eigentlich sagt er ziemlich viel über den Mann aus und das mit äußerst wenigen Worten - vielleicht gefällt er mir deshalb.


ThetaHelion hat geschrieben:Frau Schäfer verabschiedete sich von Nick. Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag. Im Vorbeigehen bedachte die Rentnerin den Neuankömmling mit einem verächtlichen Blick und verließ unter unverständlichem Gemurmel das Geschäft. Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert. Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.


Wieder Beschreibung statt Dialos. Show, don't tell.


Beim nächsten veröffentlichten Text wird sich zeigen, ob ich das mit dem Show richtig verstanden habe. Im Moment ist das, nach allem was dazu an unterschiedlichen Meinungen und Tipps gelesen habe, noch immer ein Vakuum für mich.


ThetaHelion hat geschrieben:»Jungchen, da stimmt was nicht«, hob er in seiner direkten Art an. Ungezählte Zigarren hatten die Stimme geprägt. Sein Atem verriet, dass die letzte noch nicht allzu lang her sein konnte. Im Augenwinkel bemerkte Nick ein Eilmeldungsbanner auf dem stumm geschalteten Fernseher über der Tür. Herr Osietzki lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen auf und beugte sich herüber, versperrte Nick dabei gleichermaßen den Blick nach draußen als auch auf seinen Monitor.
»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er. Er hielt Nick das Display hin, worauf dieser seinen Augen nicht zu trauen glaubte. Er sah ein abfotografiertes Blatt Papier. »Verhalten Sie sich unauffällig!«, stand darauf in Osietzkis antiker Handschrift geschrieben, die Nick über die Zeit zu entziffern gelernt hatte. Er wischte mehrfach über das Display.
»Sehen Sie was ich meine?« Er blickte kurz auf. Über Nicks Rücken jagte ein Schauer den nächsten. Ein Bild nach dem anderen zeigte die Limousine auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus den verschiedensten Perspektiven, in der unteren Ecke das Datum jedes Tages der letzten drei Wochen.



Jetzt kommt zum ersten Mal Spannung auf.


Das freut mich zu lesen. Immerhin war das ja das Ziel, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern das ganze ein wenig zu entwickeln.


ThetaHelion hat geschrieben:Dieser alte Fuchs hatte über die Jahre nichts verlernt und noch immer Augen und Ohren überall. »Könnte ein Problem mit dem Sensor sein«, versuchte Nick die Fassade zu wahren. Weitere abfotografierte Notizen folgten. Detailbilder von Männern mit Kameras und Nahaufnahmen von Polizeimarken ließen Nick das Blut in den Adern gefrieren. Die Überwachung war also eine offizielle Sache und musste schon um einiges länger laufen, als man es ihm verraten hatte.
»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?«, fragte Nick unsicher.



Das geht jetzt zu schnell. Es wird zB nicht erklärt, woher er diesen Mann kennt und welches Motiv er hat, dass er scih so um deinen Prota sorgt, dass er ihm diese Informationen zukommen lässt. Es wird auch nicht beschrieben, dass es ihn verwundert oder schockiert.


Ja das stimmt wohl. Über das Schicksal von dieser Stelle und Osietzki im Allgemeinen bin ich mir ziemlich unsicher, obwohl er eigentlich bei einem Teil der bisherigen Leser seinen Zweck recht gut erfüllt.


ThetaHelion hat geschrieben:Was sollte er davon halten? Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?
»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend, holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.


"Was er davon halten soll" ist zu schwach. Wenn ich plötzlich erfahre, dass ich über Wochen in solcher Intensität observiert werde reagiere ich auf emotionaler Ebene aber anders!!!


Nick ist da der Typ, bei dem sich diese Art von Stress eher physisch zeigt, wenn du verstehst. Ich habe dazu aber noch nicht DIE Umschreibung gefunden, die das knapp rüberbringt.


Alles in allem, dieser Geschichte täte eine Portion ironischer Humor gut.


Wollte ich mir eigentlich für später aufheben. Im Prolog finde ich keine Stelle, wo ich es sinnvoll einsetzen könnte. Für's Schmunzeln hat Frau Schäfer und ihr Toaster bei einigen Lesern gereicht, aber ironischen Humor bekomme ich hier irgendwie nicht untergebracht.

Fazit:
Hat von der Geschichte her sicher Potential, müsste aber gründlich aufgemotzt werden, da es so von den Figuren her nicht fesselt, die Figuren blass bleiben und auch keine genre-adäquate Stimmung aufkommt.

Was ich noch zu bemängeln habe: Englischsprachiger Titel. Hat in einem auf Deutsch geschriebenen Text nichts verloren.


Hattest du eigentlich Teil 2 und 3 in der Zwischenzeit zumindest mal überflogen? Ich finde in diesem Zusammenhang die 1000-Wort-Regel recht unglücklich. Der Text ist als Ganzes konzipiert und niemals darauf ausgelegt gewesen, in drei Teilen zu funktionieren.

Was den Titel betrifft, würde auf dem Cover dann das Logo von oben stehen und da Overlord ein Eigenname ist, muss ich das jetzt einfach mal so annehmen. Hieße er Charles, würde ich ihn wegen des deutschen Textes ja auch nicht in Karl umbenennen. :lol:

Ob der Name letztlich überzeugt, bleibt natürlich noch zu beweisen. Mal sehen.

Nochmals vielen Dank für die Anmerkungen. :)
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 06.06.2015, 22:18

Hallo Sasskia! :)

Sasskia hat geschrieben:Hallo ThetaHelion!

Hier ist mein Feedback zu deinem Prolog, den ich mir zur Gänze durchgelesen habe und der mir, respektvoll verneig, gut gefällt!

Ich hab nur einige winzige Anmerkungen:


Das macht Mut. :)


Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg.

»Herr Feinel, guten Tag«, keuchte sie und kam auf ihren kurzen Beinen schwankend näher, Herrmann an der einen, ihre Gehhilfe in der anderen Hand.


Wie heisst der kleine Dackel nun?
Wobei mir "Hermann an der Leine" Kopfkino beschert hat, das hier wohl nicht angedacht war :XD:

Ich möchte auch anmerken, dass Hunde durchaus quietschen, in diesem Fall aber eher jaulen, japsen, fiepen oder winseln.
"Quietschen" erweckt in mir den Eindruck eines mechanischen Dingens, was mich an der Stelle zusätzlich verwirrt hat.


Hermann heißt er. Feinel ist Nicks Nachname. *grübel* Sollte sich vielleicht durch Satzumstellung schon deutlicher machen lassen. Das mit dem Kopfkino würde mich allerdings schon interessieren - oder ist bei dir Frau Schäfer mit ihrem in Leder gekleideten Sklaven an der Leine im Laden erschienen? :lol:


»Der Toaster?«, erkundigte sich Nick.
»Ja, der Toaster. Er macht's mal wieder nicht mehr.«


Da Frau Schäfer den Toaster getötet hat, ist "er macht's mal wieder nicht mehr" schlicht und ergreifen gelogen. :XD:
Vorschlag:
"Ja, der Toaster", sie seufzte. "Er wollte die Brotscheiben nicht rausrücken, da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich ..."

Damit kannst du den Prolog, der meines Erachtens ein wenig lang geraten ist, um den Absatz kürzen:

Zwei verkohlte Scheiben Toast klemmten im Schacht. Der Stecker war geschmolzen.
»Die wollten nicht raus«, erklärte Frau Schäfer entschuldigend, »da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«


Du sprichst hier eine Sache an, über die ich mir wahrscheinlich erst klar werden muss, insbesondere nachdem ich durch den entsprechenden Thread im Kreativen Schreiben stärker sensibilisiert bin. Kürzen oder extrem ausweiten, aber dann wäre es kein Prolog mehr und ich wüsste nicht so recht, wie ich den Teil am besten unterbringe.

Die Formulierung für den Toaster sollte vor allem darauf hindeuten, dass Nick den nicht zum ersten Mal in der Hand hält. Da muss ich wohl noch mal drüber nachdenken, aber "Toaster getötet" finde ich auch ziemlich gut. :lol:


Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg sah Nick einen Streifenwagen langsam vorüberfahren. Ihm schoss das Blut in die Ohren. »Ich bring' das für Sie in Ordnung, Frau Schäfer«, beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffiel. »Vielleicht schaff' ich es bis morgen.« Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.
»Da würden Sie mir aber wieder aus der Patsche helfen«, schnaufte sie erleichtert. »Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind?«, ergänzte sie in mütterlichem Tonfall.
Nick lächelte verlegen.


Hat denn der Streifenwagen etwas mit der Observation zu tun?
Woran erkennt er, dass ihr die Anspannung in seiner Stimme nicht auffällt? Scheinbar oder anscheinend?


Stimmt, ist eine Behauptung, die ich besser mit ihrem Verhalten zeigen sollte.


Vorschlag für ihre Antwort:
"aus der Patsche helfen" streichen!


Passt eigentlich zu ihrer gewöhnlichen Ausdrucksweise, aber irgendwie auch nicht zum Sachverhalt. Muss ich noch wirken lassen.


"Hat Ihnen schon 'mal jemand gesagt, dass Sie ein Engel sind, Herr Nick? Vielen Dank für Ihr Mühe.

Dann ersparst du dir den mütterlichen Tonfall, denn die Aussage sollte für sich sprechen.


Danke für den Vorschlag. Die Ergänzung mit dem mütterlichen Tonfall hat mir nicht wirklich gefallen.


Herr Osietzki. Trenchcoat, Hut, darunter Hornbrille und Schnauzer.


Vorschlag:

Herr Osietzki, wie immer im Trenchcoat, mit Hut, Hornbrille und dem gepflegten Schnaubart.


Gepflegt ist so eine Sache, denn das würde nicht stimmen und ich tue mich mit Formulierungen wie "wie immer" irgendwie schwer und versuche sie zu vermeiden.

Ich zitiere mal Wiki: "Durch den Kunstgriff der Satzellipsen wird in der Literatur versucht, eine eindringliche Wirkung zu erzielen und Wichtiges hervorzuheben." Vielleicht habe ich das mit den Ellipsen nicht so richtig verstanden. Mir hat diese knappe Beschreibung wohl deshalb gut gefallen, weil es gut zum Mann selbst gepasst hat - was ein Leser aber an der Stelle nicht wissen kann.


Da wir vorhin den Dackel kennengelernt haben, bin ich bin ersten Durchlesen davon ausgegangen, Herr Osietzki kommt ebenfalls mit einem Hund in den Laden. :XD:


Würde die Geschichte einen anderen Hintergrund haben, könnte man da sicher was draus machen. Hunde mögen sich, Herrchen und Frauchen nicht, aber beide Single, beide in ähnlichem Alter ... ich schweife ab. :lol:


Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler. Nick war es gleich.


In der Nachbarschaft war der alte Schnüffler unbeliebt, doch Nick war das gleich.


Ja, das klingt wirklich besser. Ich glaube dieser Satzbau ist eine Angewohnheit, die ich nochmal auf den Prüfstand bringen sollte.


Sicher würde es gleich wie zuletzt um sein neues Mobiltelefon gehen.


Sicher würde es gleich, wie zuletzt, um sein neues Mobiltelefon gehen.


Stimmt, ist mit Kommata besser.


Er setzte ihr Herrmann in den Arm und wünschte beiden noch einen schönen Tag.


Da habe ich wieder nicht an einen Hund gedacht :XD:

Den Satz würde ich deshalb streichen, um den Prolog ein wenig zu straffen.


Hehe. Ja, würde auch ohne den Satz funktionieren.


Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut und Frau Schäfer wie gewohnt ignoriert.Nick bereitete sich auf den üblichen Smalltalk vor, als der Mann auch schon herantrat und sein Handy aus der Tasche zog.


Herr Osietzki hatte sich den Neuheiten zuwandt, doch kaum waren sie allein im Laden, zog er sein Handy aus der Tasche und hielt Nick das Display hin.


Gefällt mir der Vorschlag.

Verzeih, wenn ich erneut kürzen will. Wenn es dein Wunsch ist, dass der Prolog so lang ist, ignorier meine Vorschläge bitte.


Das Problem ist wahrscheinlich, dass ich gar keinen Prolog geschrieben habe. :lol:


Ich weiß nicht, ob es relevant ist, dass Osietzki raucht, seine Stimme rau ist, etc. Falls ja, dann ist es okay. Falls nicht, kann man den Absatz auch kürzen?


Sollte ihn etwas charakterisieren, aber das hat wohl nicht so gut funktioniert.


»Mit ein wenig Glück reicht auch ein Firmware-Update, Herr Osietzki.« Ein Augenlid begann unwillkürlich zu zucken. »Soll ich das eben für Sie erledigen?«, fragte Nick unsicher.
Was sollte er davon halten? Warum zeigte ihm der alte Mann das überhaupt?


Ein Augenlid? Wessen Augenlid?
Davon ausgehend, dass es Nicks Augenlid ist, könntest du "fragte Nick unsicher" streichen. Das zuckende Augenlid, sein zuckendes Augenlid würde veranschaulichen, dass er unsicher und nervös ist.

Mein Vorschlag:

"Vielleicht reicht schon ein Firmware-Update, Herr Osietzki. Ich könnte das für Sie erledigen." Sein Augenlid begann zu zucken. Was sollte er davon halten? Warum mischte sich der alte Mann ein?


Die Lösung gefällt mir auch besser.


»Schon gut, Jungchen. Wenn du sagst, da gibt es noch Hoffnung, dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern«, ließ er Nick mit seiner rauhen Stimme wissen. Herr Osietzki richtete sich auf und deutete ins Regal hinter der Theke. »Ich nehme dann mal noch zwei Speicherkarten. Die Größten.« Ein Hustenanfall beendete die Bestellung. Seine Kopfbedeckung mit der einen Hand geraderückend, holte er mit der anderen die Brieftasche heraus. Der Handel war schnell abgeschlossen und Herr Osietzki zog zur Verabschiedung knapp den Hut.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag«, verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.


Mein Vorschlag:

"Schon gut, mein Junge. Das schaff ich gerade noch." Herr Osietzki richtete sich auf und wies auf das Regal hinter der Theke. "Ich nehm noch zwei von den größten Speicherkarten." Er holte seine Brieftasche heraus, beglich die Rechnung und zog zur Verabschiedung den Hut.

Die extra Verabschiedung von Nick würde ich auch weglassen, da sie logische Konsequenz dieser Szene ist


Das ist korrekt.


Fazit:

Dein Schreibstil gefällt mir. Obwohl ich nicht der Science Fiction bin, habe ich gespannt weitergelesen :dasheye:
Einige der Beschreibungen würde ich kürzen, den ersten Teil straffen und damit mehr Spannung erzeugen wollen.
Doch selbst, wenn du ihn so lässt, ist er für mich stimmig und weckt Interesse.
Wenn dir meine Vorschläge gefallen, freut mich das, wenn nicht, ignorier sie bitte.

Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:


Vielen Dank für deine Mühe und die guten Ratschläge. Mittlerweile bin ich mir über so einige Dinge bezüglich des Textes nicht mehr sicher. Vielleicht erledigt sich der Prolog auch ganz und ich nehme die Passage ohne störende Nebenakteure als Rückblende oder dergleichen auf.

Viele Grüße,
Theta
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 06.06.2015, 23:05

Hallo paratoxic. :)

paratoxic hat geschrieben:Hey :)

Du hast zwar schon zwei relativ ausführliche Kritiken bekommen, ich möchte jedoch auch noch ein paar Worte dazu loswerden (bei Gelegenheit werde ich mir wohl auch Teil 2 und 3 mal näher ansehen).
Zunächst einige Anmerkungen zu Textstellen:

Heute zu dritt, stellte er erstaunt fest. Überrascht war er nicht, längst hatte man ihm gesteckt, dass sein Laden observiert wurde.


Hier stört mich der Gegensatz "er ist erstaunt" - "er ist nicht überrascht". Dass es sich hier nicht um denselben Kontext handelt, merkt man leider erst am Ende des zweiten Satzes, daher macht die Beschreibung zunächst einen inkonsistenten Eindruck.


Das hätte ich im Leben nicht bemerkt, dass ich mir dort eigentlich innerhalb weniger Worte zu widersprechen scheine. Aussagen sollte es eigentlich, dass er erstaunt ist, dass diesmal drei Männer vor Ort sind, da es sonst eben nicht drei sind - wahrscheinlich eher zwei. :) Er ist eben nur nicht überrascht, weil er schon weiß, dass er beobachtet wird. Trotzdem eine interessante Entdeckung, die ich so nie entdeckt hätte.


Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.


Da der Dackel zuvor schon gequietscht hat, wäre hier vielleicht ein Synonym schöner :)


Das ist richtig.


Herrmann hatte sich sein Leckerli mittlerweile erkämpft und kaute gierig darauf herum.


Über das "erkämpft" bin ich hier auch ein wenig gestolpert, muss ich sagen. Generell ergibt das ein schönes Bild, doch zwischen "Nick holt das Leckerli heraus" und "Herrmann hat sich das Leckerli erkämpft" kam keine Information bezüglich des Leckerlis. Da zwischen diesen beiden Zeitpunkten ein paar Sätze stehen, bin ich schon davon ausgegangen, dass Herrmann das Leckerli einfach bekommen hat. Daher war ich ein bisschen verwirrt, dass das Leckerli noch mal aufgetaucht ist, obwohl ich das innerlich schon abgehakt hatte.
Was Abhilfe schaffen würde: Nach dem Herausholen des Leckerlis andeuten, dass Nick das Leckerli nicht einfach so hergibt, sondern Herrmann etwas fordert oder triezt.


Da sollte ich mich einfach mehr an das halten, was ich anderen rate: Die Dinge, die ich vor meinem geistigen Auge habe, auch mitzuteilen, wobei an dieser Stelle überwogen hat, auf unnötige Nebenhandlung verzichten zu wollen. Wenn ich eine Sache noch interessanter finde, als die Tipps zum Verbessern von Formulierungen bzw. inhaltlichen Schwächen, dann ist es der Einblick in das Leseverhalten und die Gedankengänge von anderen Lesern.


Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen.


Was der Satz mir sagen soll, habe ich zwar verstanden, ich bin jedoch der Meinung, dass er sich stilistisch nicht ganz sauber in den Rest einfügt. Der Rest des Textes ist von den Beschreibungen sehr realistisch gehalten, ein paar Metaphern sind dabei, doch verglichen damit klingt der Satz oben schon seeehr meta. Das ist sicherlich nicht verkehrt, doch so sticht der Satz schon ziemlich deutlich aus dem Rest raus. Daher würde ich an deiner Stelle vielleicht darüber nachdenken, ihn vielleicht etwas umzuformulieren. Das ist aber nur meine subjektive Meinung, vielleicht siehst du das ja anders.

Mehr hätte ich zu einzelnen Textstellen nicht zu sagen.


Die Meinung kann ich teilen und ich hatte schon beim Schreiben bei diesem Satz gemischte Gefühle. Hatte es auch anderswo schon erwähnt, dass er mir allein betrachtet gut gefällt, aber eben mächtig aus dem Rest heraussticht. Vielleicht bekomme ich ja den Knoten im Kopf gelöst und finde noch ein paar ähnliche tiefgründige Formulierungen - wahrscheinlich wird aber eher der Satz verschwinden. :lol:


So, nun ein paar allgemeine Eindrücke:
Hauptcharaktere: Im Prolog wird Nick schon ein wenig charakterisiert, das finde ich schön so. Ich hab es beim Lesen ganz gern, wenn am Anfang der Fokus auf der Charakterarbeit und der Atmosphäre (dazu sage ich später noch etwas) liegt. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, als hätte ich schon etwas Wesentliches über Nick erfahren, aber ich habe ja auch bisher nur den ersten Teil gelesen.


Ist mir ehrlich gesagt unverständlich, wie ich übersehen konnte, Nick wenigstens mal äußerlich vorzustellen, wenn ich den Rest schon für später aufheben will. Wahrscheinlich zu viele Bäume vorm Wald. :lol:


Nebencharaktere: Die erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr klischeebehaftet bzw. überzeichnet: Die nette, alte Dame mit der mütterlichen Ader und mit dem Dackel, der schneller läuft als sie; der Trenchcoat-tragende, kettenrauchende Schnüffler. Es kann natürlich sein, dass das von dir beabsichtigt ist, ich wollte es an dieser Stelle nur schon einmal erwähnen. Übrigens müssen Klischees ja auch nichts Schlimmes sein, solange sie irgendwie sinnvoll verarbeitet werden. Dazu könnte man auch mit den Klischees spielen, indem sich Nick zum Beispiel genau darüber lustig macht. Das war es auch, glaube ich, wieso schreiberling sich etwas mehr Ironie gewünscht hätte - die relativiert nämlich das Auftreten von Klischees ungemein.


Interessante Gedanken. Die Klischees waren irgendwie eine Mischung aus Absicht und Mangel an besseren Ideen. Mir will nur partout nicht einfallen, wie ich ungestelzt Ironie in den Text reinbekomme - die Ideen dafür habe ich nur für spätere Teile und andere Situationen.


Stil: Den finde ich schon ganz gut; es lässt sich alles flüssig lesen.


Freut mich zu lesen.


Atmosphäre: Da hätte ich mir tatsächlich ein wenig mehr gewünscht. Von der Bedrohung merke ich bisher nicht viel (bis auf die aufgestellten Nackenhaare und dass Schauer über Nicks Rücken jagen), da könnte man die Beschreibung vielleicht noch atmosphärischer gestalten. Ebenfalls vermisse ich eine angerissene Beschreibung des Ladens, über den ich bisher nichts weiß, außer dass er ne Überwachungskamera und eine Theke hat. Oh, und eine Türglocke. Ist der Laden schmuddelig oder sauber, ist er hell oder dunkel, klein oder groß? All diese Informationen sagen natürlich auch etwas Nick aus, so könnte man ihn super weiter charakterisieren und man könnte sich die ganze Szenerie viel besser vorstellen. Da der Prolog ohnehin schon lang ist, muss dafür nicht mal ein eigener Absatz her, es würde meiner Meinung nach schon reichen, wenn man hie und da ein passendes Adjektiv o.ä. einschiebt. Gelegenheit hierzu gäbe es in dem Text einige.
Die mangelnde Atmosphäre vermittelt wohl auch den "sterilen" Eindruck, den schreiberling kritisiert hat. Ganz so drastisch sehe ich das zwar nicht, doch in dieser Hinsicht könnte man den Text trotzdem noch verbessern, wie ich finde.


Ein Adjektiv einschieben? Bist denn Du von Sinnen? ... Nein, im Ernst, das Problem hier ist mit großer Wahrscheinlichkeit fehlende Erfahrung. Ich habe mir einen Spannungsbogen überlegt und mich versucht auf Dinge zu konzentrieren, die ich als wichtig empfinde, sie mitzuteilen - das hat aber offenbar nicht überzeugend funktioniert. Das Thema bezüglich Prolog im Kreativen Schreiben konnte mich im Nachhinein in diese Richtung gut sensibilisieren, weshalb das Schicksal des Prologs momentan äußerst ungewiss ist. Eigentlich sind Teile davon für später essentiell, da Nick nach längerer Abwesenheit wieder auftauchen wird, aber vielleicht sollten die als Rückblende umgesetzt werden.

Die entscheidenden Aspekte sind Nick selbst, dass er eigentlich ein ganz netter Typ ist, der aber auch leichtsinnig sein kann, wenn auch aus der Not heraus und sein "Leiden" natürlich. Besonders letzteres muss ich noch einmal grundlegend überdenken, wie ich es beschreiben kann, ohne zu viel zu verraten. Wie auch immer, Herrmann sollte als Sympathiefigur mitgenommen werden, aber ich glaube mittlerweile, der würde früher oder später nicht mehr überzeugend in die Handlung passen.


Insgesamt finde ich den Text schon gut, vor allem den Stil finde ich größtenteils gelungen (einige Beschreibungen fand ich sogar sehr gelungen und schön bildlich). Einige meiner Kritikpunkte werden sich auch sicherlich im Laufe der Erzählung erledigen, hier ist man beim Kritisieren ja eh tendenziell eher überkritisch :D


Vielen Dank. :) Naja, Beschreibung, Show und Tell, da zerbreche ich mir nach wie vor den Kopf. Ich kann nur eben noch nicht einschätzen, wie geduldig der Durchschnittsleser ist. Ich bin in der Beziehung eigentlich genügsam, es sei denn die Handlung entwickelt sich unplausibel oder es geht nach anfänglichem Interesse in eine Richtung, die mich dann aber doch nicht mehr interessiert. Okay, zu abgefahrene Handlung und zu viele parallel verlaufende Stränge machen mir das Lesen auch nicht unbedingt angenehmer. :lol:

Was das Kritisiertwerden betrifft, brauche ich noch etwas Eingewöhnung. Von Lesern ohne Schreiberfahrung habe ich fast keine negativen Rückmeldungen zu dem Text bekommen, daher sind die Einblicke hier sehr wertvoll, vor allem wenn sie auf konkrete Stellen eingehen und auch konkrete Verbesserungsvorschläge einbringen, Verallgemeinerungen helfen mir dagegen recht wenig.


Wozu ich allerdings raten würde, wäre eine Verdichtung der Atmosphäre; davon könnte der Text wirklich profitieren. Ich liebe atmosphärisch dichte Literatur, daher ist dieser Ratschlag vielleicht aber auch gar nicht in deinem Interesse.

Viele Grüße :)


Klingt erstrebenswert, aber dazu müsste ich dich bitten, noch etwas mehr ins Detail zu gehen, wie ich die Atmosphäre besser verdichten könnte, damit du dich vielleicht wohler fühlen würdest.

Nochmals vielen Dank für dein freundliches Feedback.

Viele Grüße,
Theta
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [1/3]

Beitragvon ThetaHelion » 07.06.2015, 00:07

Hallo CraX! :)

CraX hat geschrieben:Hallo Theta Helion,

Habe den ersten Teil durchgelesen und hier mein erster Eindruck:
Der Spannungsaufbau in der ersten 2 Absätzen ist meiner Meinung nach einigermaßen gelungen: Irgendetwas ist am Laufen, denn umsonst wird man ja nicht beschattet. Ich bin leicht neugierig geworden. Dann eine kleine Ablenkung mit der Stammkundin, sehr schön.
Schließlich wird noch ein Gang zugelegt, als der Schnüffler mit seinen Handybildern kommt.


Das freut mich und du scheinst der Erste hier im Forum zu sein, bei dem mir das gelungen ist. Das ist nicht abwertend gemeint, zeigt mir aber, wie sehr das Leseempfinden schon allein hier im Forum streut. :lol:


Etwas verwundert hat mich der Elektroladen in einem SF, in dem noch Toaster repariert werden, sowas finde ich ja nicht einmal mehr in meiner Stadt. Schreibst du einen Steampunk oder spielt das Ganze in einem netten, verträumten Städtchen, in dem die Zeit stillgestanden ist?


Ich müsste wahrscheinlich zu viel spoilern, um das zu deiner Zufriedenheit erklären zu können. Es ist nach meinem Plan in jedem Fall plausibel und würde im Buch auch entsprechend aufgeklärt werden. Im konkreten Fall ist daher weder die Zeit stehen geblieben noch geht es in Richtung Steampunk, der mir nebenher erwähnt irgendwie überhaupt nicht liegt - weder beim Lesen und schon gar nicht beim Schreiben.


Die Sprache und Wortwahl wirken ebenso eher wie aus einen netten Jugendroman. (Lechkerchen, Schnüffler, Jungchen, …) Ist das so gewollt?


Das ist eine interessante Anmerkung und ich würde dazu vielleicht in einem anderen Text noch einmal auf dich zurückkommen, ob du das dort auch so empfinden würdest.


Die Charaktere sind hier noch sehr schwach und klischeehaft. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.


Naja, einerseits gewollt, andererseits Unerfahrenheit geschuldet. Mal sehen, ob ich das richtige Maß dazu noch wegbekomme.


Der Auftritt des Herrn Osietzki hat mir gut gefallen. Erteilt ihm ohne Worte etwas mit, und Nick (und der Leser) begreifen auch ziemlich schnell.


Dazu habe ich zwar geteilte Meinungen, aber gut, dass du mit dieser Szene scheinbar keine Schwierigkeiten hattest.


Die Frage, die sich hier stellt: Warum tut er das auf diese Weise? Ich würde vermuten, weil er davon ausgeht, dass das Geschäft abgehört wird. Sonst könnte er ja mit ihm offen reden. Diesen Gedankengang würde ich Nick noch hinzufügen.


Ursprünglich sollte Osietzki kein ehemaliger Detektiv (Schnüffler) sein, sondern Geheimdienstler - hat aber beides den gleichen Zweck erfüllt und der Detektiv hat mir letzten Endes perspektivisch besser gefallen. Ich hatte versucht, das im Text mit auszudrücken, dass Osietzki die Vorgänge in seiner Straße im Blick hat, weil er sich ein Leben lang damit beschäftigt hat und trotz seines Ruhestandes noch immer auf jedes ungewöhnliche Detail achtet, weshalb ihm auch schon viel eher als Nick das Observierungsfahrzeug aufgefallen ist. Er wollte aber erst abwarten und sehen, wie sich die Situation entwickelt, bis ihn dann aber nach knapp drei Wochen dann doch die Neugier gepackt hat und als spannungsförderndes Element dienen sollte - mit durchwachsenem Erfolg.


Nun noch zu einigen Details:

Äußerlich ließ er sich seine Nervosität kaum anmerken

Das ist hier falsch ausgedrückt, da er ja momentan alleine im Laden ist. So etwas würde ich nur schreiben, wenn er unter Menschen ist. Aber er kann, auch wenn die Observation schon länger anhält, natürlich trotzdem nervös werden.


Gutes Argument.


Er saß wie üblich auf dem Hocker hinter der Theke seines Elektronikladens und wartete auf Kundschaft. Auf einem über der Tür montierten Fernseher liefen die neuesten Nachrichten.

Einfach nur dasitzen und warten klingt langweilig. Ich würde ihn mit beiläufigem Interesse die Nachrichten verfolgen lassen, nebenbei noch in einem Heft blättern lassen. (Das Heft könnte nebenbei etwas über seine Vorlieben/Hobbys aussagen) - heutzutage würde er natürlich facebooken oder im Internet surfen.


Der Einwand kommt mir bekannt vor und ich habe mir diese Charakterisierung mittels der Lektüre schon einen Vermerk gemacht, hinter den ich jetzt mal noch ein Ausrufezeichen setze. :D Ich habe die Zeit mit Absicht nicht zu genau definiert und mit "Markennamen" bin ich ohnehin sehr vorsichtig, weshalb die dunkle Limousine auch keinen Typ hat, selbst wenn ich da eigentlich einen BMW oder Audi vor Augen habe. :lol:


Die Türglocke riss ihn aus den Gedanken

Etwas übertrieben. "… ließ ihn aufblicken" würde für meinen Geschmack reichen.


Ich glaube, dort war ich zu unpräzise und der Einwand ist ohne Frage gerechtfertigt.


Schnaufend wie eine Dampflok trat Frau Schäfer ein, Hermann an der Leine hechelnd vornweg.

Die Dampflock ist schon mal ein schönes Bild, das könntest du beibehalten, indem sie nicht "eintritt", sondern "hereinpoltert". Der Hund kann beim Eintreten nicht schon vorneweg sein (jaja, manchmal bin ich pingelig), der kämpft sich zwischen Beinen, Gehilfe und Türspalt hindurch und erst dann schießt er nach vorne.
Apropos Hund, da fällt mir gerade ein, dass Hunde ihren Herrchen oft ähnlich sehen. Mach doch aus dem Dackel eine fette Bulldogge.


Schöne Ergänzung und Beschreibung, zudem ein interessanter Gedanke, vor allem da ich das erst vor nicht allzu langer Zeit selbst gelesen habe, dass sich Hundehalter nicht selten Rassen aussuchen, die Ähnlichkeiten aufweisen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich gern einen Dobermann hätte. :lol:


Herr Feinel, guten Tag

Klingt irgendwie gestelzt, unnatürlich. Wie wäre es erstmal mit "Guten Tag" und dann: "Herr Feinel, sie müssen mir helfen!"


Über diese Stelle hatte ich schon ein anderes Gespräch und muss dazu sagen, dass ich diese Formulierung bei näherer Betrachtung wahrscheinlich unbewusst eingebaut habe, da hier im Haus eine Nachbarin nämlich den gleichen merkwürdigen Satzbau verwendet (auch wenn die sonst keine Ähnlichkeit mit Frau Schäfer hat).


Es brauchte ein paar Versuche, bis die Krallen auf dem glatten Boden Halt gefunden hatten und er die Theke umrundem konnte.

ich weiß, was du sagen willst, aber die Logik stimmt hier nicht: Die Krallen werden auch nach unendlichen Versuchen keinen Halt auf glatten Boden finden.


Ja, da ist der Teufel im Detail, wobei ich das schon auf Laminat, Fliesen und Linoleum bei Hunden und Katzen erleben durfte, häufiger aber bei Katzen. :lol:


Sie hatte mit ihrem Mann eine Etage über Nicks Laden gewohnt. Nun lebte sie dort mit Hermann allein.

Klingt im erstes Satz so, als wäre sie ausgezogen. Das Ganze müsste irgendwie anders formuliert werden.


Wem sagst du das. Ich habe an dieser Stelle irgendwann kapituliert.


Seit der gute Klaus im letzten Frühjahr gestorben war, hatte für Frau Schäfer alles einen Erinnerungswert an ihn.

Falls der "gute Klaus" keine wichtige Rolle spielt oder ein Freund von Nick war, würde ich ihn einfach als "ihr Mann" bezeichnen. Unnötige Namen sollte man weglassen.


Ich habe mich für den Klaus entschieden, da sie nur kurz davor "mit ihrem Mann" gewohnt hat - erschien mir als zu geringer Abstand und als Wortwiederholung - aber Gatte oder sowas wäre vielleicht gegangen.


»da habe ich mit dem Schraubenzieher und plötzlich hat's gefunkt ...«
Nick winkte ab,

Hier würde ich Nick erwähnen lassen, das die Frau Glück hat, überhaupt noch am Leben zu sein.


Das ist richtig, aber irgendwie auch nicht so recht Nicks Art. Das kann ein Leser aber nichts wissen und von daher müsste an dieser Stelle sicher noch einiges geändert werden.


während er mit der anderen Hand für Herrmann ein Leckerli hervorzauberte. Quietschend stellte sich der Dackel an Nicks Bein auf.

Das ist so eine Stelle, wo ich denke, ich lese entweder einen niedlichen Jugendroman oder etwas für im Schaukelstuhl liegende Brigitte-Leserinnen. Es ist einfach sooo niedlich. Aber vielleich auch Geschmacksache.


Hehe. :) Naja, vielleicht sollte man nicht alles aufgreifen, was man erst kürzlich selbst beobachtet hat. :lol:


Über die Schulter der rüstigen Renterin hinweg

Gehhilfe, Dampflok, schwankend … und jetzt plötzlich rüstig? Ist das nicht etwas widersprüchlich?


Bei näherer Betrachtung ist rüstig hier in der Tat das falsche Wort und hätte eher stämmig lauten sollen.


beruhigte er die Dame, der die Anspannung in seiner Stimme scheinbar nicht auffie

"scheinbar" = Füllwort = kann man streichen.


Da gebe ich dir ebenfalls recht, wobei ich das scheinbar hier mit Absicht gewählt habe, ohne dann allerdings konsequent zu verdeutlichen, warum ich das getan habe.


Seine Vergangenheit hielt ihn in diesem abgetragenen Mantel gefangen.

Ein ungewöhnlicher Satz, über den man zwar leicht stolpert, aber immerhin originell ist. Mir gefällt er.


Hach ja. Dieser Satz scheidet die Geister - mittlerweile vor allem meinen eigenen.


Niemand mochte ihn, Osietzki den Schnüffler.

Der Nachfolgesatz dagegen gefällt mir gar nicht.
2 Sätze daraus machen. "Schnüffler" würde ich genauer definieren.


Zwei Sätze wären sicher eine Überlegung wert. Eine genauere Definition hatte ich eigentlich weggelassen, da sich hier gern jeder seinen eigenen Schnüffler vorstellen kann.


Herr Osietzki hatte sich derweil die Neuheiten angeschaut

nicht "die Neuigkeiten", sondern "einige der Neuigkeiten" (oder hat er sich tatsächlich den ganzen Laden angesehen?) - ev. etwas spezifizieren.


Ich hatte da an sowas wie das Neuheiten-Regal oder -Vitrine oder dergleichen gedacht. Neuigkeiten klingt für mich zu sehr nach Nachrichten. Aber stimmt, das war nicht eindeutig genug.


»Das Ding hat irgendeine Störung. Wahrscheinlich die Kamera«, vermutete er.

Der Typ war als "Schnüffler" vermutlich eine Art Dedektiv- zumindest ist er ein Technikfreak, wenn er hier Stammkunde ist und Dinge für Projekte einkauft. Da ist eine so laienhafte Aussage ziemlich unglaubwürdig.
genauso wie der Abschlusskommentar: "… dann lass ich mich von dieser neumodischen Quatschkiste doch nicht unterbuttern" oder "… zwei Speicherkarten. Die Größten".


Das ist jetzt etwas diffizil. Den Anfang wählt er mit Absicht so als Einstieg, denn er weiß ja, dass da eigentlich nichts kaputt und das Ganze nur ein Vorwand ist. Was die Karten betrifft bin ich hin und her gerissen. Wahrscheinlicher würde er sagen: Zwei 64er SDXC. Ich wollte aber weder SDXC, noch 64er verwenden, weil ersterer mir zu spezifisch ist und die 64 eigentlich unerheblich. Die Aussage war eigentlich nur, dass er sich Reserve holt, um weiter seinen "Ermittlungen" nachgehen zu können. Naja, eben nicht so gut gelungen, das Bild.

verabschiedete sich Nick seinerseits mit einem traurigen Lächeln.

Warum er hier traurig lächelt, ist mir nicht klar.


Das war zu befürchten, dass ich nicht transportiert bekomme, dass es ihm eigentlich selbst leid tut, dass er in dieser blöden Situation steckt, vor allem, da ihm jetzt schon jemand "auf die Schliche" gekommen ist und eins und eins zusammengezählt hat.


Irgendwelche Elemente, die auf einen SF hinweisen, fehlen mir bisher.

Grüße
CraX


Das ist eben so eine Sache, dass ich hier einen einzelnen Text auf drei aufteilen musste und die von dir vermissten Elemente erst später auftauchen.

An dieser Stelle aber schonmal vielen Dank für das Feedback.

Viele Grüße,
Theta
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
ThetaHelion
 
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