[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

Beitragvon ThetaHelion » 25.05.2015, 19:16

Teil 1

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Kurz nachdem der Mann den Laden verlassen hatte, erweckte Nick den Überwachungsmonitor aus dem Ruhezustand wieder zum Leben. Herr Osietzki wechselte die Straßenseite. Ein Paketdienst-Transporter hatte vor der Limousine in zweiter Reihe geparkt und wurde in diesem Augenblick von einem verärgerten Mann vertrieben. Nick konnte das Holster unter der Jacke erkennen. Nach dem Austausch letzter Freundlichkeiten verschwand der Bote mit quietschenden Reifen. Die Kamera hatte wieder freie Sicht auf die Limousine. Herr Osietzki hatte sich an das Beifahrerfenster gelehnt und unterhielt sich mit den Männern im Wagen. Nick wurde kalt und heiß zugleich. Das ergab keinen Sinn. Was macht der Kerl da, schoss es Nick durch den Kopf. Mit einer schroffen Geste deutete der Beifahrer Osietzki an, sich vom Wagen zu entfernen. Kaum dass dieser einen Schritt zurückgetreten war, öffneten sich beide Türen auf der Gehwegseite. Nick spürte eine Schweißperle die Schläfe hinablaufen. Der Beifahrer drückte Osietzki gegen die Hauswand und brüllte ihn an, mit dem Zeigefinger dabei immer wieder drohend. Der zweite Mann tastete Osietzki mit einer Hand ab, die andere ruhte auf der Pistole am Gürtel. Nachdem sie schließlich von ihm abgelassen hatten, steuerten beide Männer geradewegs auf den Laden zu. Sie waren kräftig gebaut. Ihre finsteren Mienen verhießen nichts Gutes. Sie trennten sich. Der zweite war sicher schon auf dem Weg zur Hintertür. An Flucht war nicht zu denken. Bereits nach dem Klinke greifend, erstarrte der Mann vor der Tür in seiner Bewegung. Nick wurde übel. Die Tür hatte sich einen winzigen Spalt geöffnet und er konnte ein paar unverständliche Brocken eines Funkspruchs erhaschen. Der Mann vor der Tür wendete auf der Ferse und rannte zurück zur Limousine, sein Partner hatte fast zu ihm aufgeschlossen. Der Wagen war bereits gestartet worden und rollte langsam an. Kaum hatten die Passagiere Platz genommen, heulte der Motor auf und das Fahrzeug beschleunigte scharf. Eine Sirene erschallte, sich schnell entfernend, in der Häuserschlucht. Nick atmete kurz und flach. Er spürte das Kribbeln in Händen und Füßen. Er hyperventilierte. Gerade als er sich beruhigt hatte, rasten vier voll besetzte Mannschaftswagen am Laden vorbei und verschwanden mit unbekanntem Ziel in die gleiche Richtung, wie die Limousine zuvor.

Nick hielt es nicht mehr auf seinem Platz. Er ging zur Tür und blickte sich auf der Straße um. Anwohner hatten sich unten versammelt oder schauten aus dem Fenster den Einsatzfahrzeugen hinterher. Eine Hand ergriff unsanft Nicks Schulter. Leise knurrend befahl eine ihm bekannte Stimme, sich nach drinnen zu begeben. Kaum hatte sich die Tür geschlossen, drehte Nick sich um. Er deutete mit der zum Kehlkopf weisenden flachen Hand eine gerade Bewegung vor seinem Hals an. Der Andere stutzte. Nick ging zum Tresen und kritzelte das Wort Wanzen auf einen bereit liegenden Notizzettel.
»Das ist mir egal«, fauchte der Fremde. »Seit Tagen warten wir auf Deine ...« Nick trat seinem Gegenüber auf den Fuß, der mit mit einer präzisen Bewegung den Hals des jungen Mannes ergriff und ihn unsanft in den Raum schob.
»Mein Herr, es tut mir leid, dass das letzte Gerät nicht Ihren Vorstellungen entsprochen hat«, krächzte Nick im Klammergriff um seine Kehle. Weiter zurückweichend führte er den Besucher zu einem an der Wand montierten Flachbildschirm. »Ich bin mir sicher, von diesem Gerät hier werden sie begeistert sein«, erklang es röchelnd. Er deutete eine beschwichtigende Geste an, worauf sich der Griff langsam löste.
»Lassen Sie mich eben die Bedienungsanleitung holen«, entschuldigte er sich für den Moment und verschwand in der Werkstatt, einem abgetrennten Teil im hinteren Bereich des Ladens. Eine aufgeschlagene Broschüre in der Hand haltend, kehrte Nick zurück. Er begann seinem verärgerten Kunden den Fernseher vorzuführen, dessen Blick sich erst aufhellte, als er die Anleitung genauer betrachtete.
»Wenn das wieder ein Schuss in den Ofen ist, ...« knurrte der Mann drohend.
»Bestimmt nicht. Sie können das Gerät jederzeit abholen. Das alte nehme ich selbstverständlich zurück.« Er klappte das Handbuch zusammen und drückte es dem Mann unsanft in die Hand. »Sie können sich auch gern schon mit der Bedienung vertraut machen«, schlug er von einem finsteren Blick begleitet vor. »Ich würde Sie nur bitten, direkt im Hof zu parken.« Der Andere nickte knapp und verschwand eilends, ohne ein weiteres Wort.

Sich den Hals reibend, versuchte Nick tief durchzuatmen. Er schaltete den Ton der Nachrichten zu, darauf hoffend, mehr über die aktuellen Geschehnisse in Erfahrung bringen zu können.

»... kam es weltweit zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die ihren Regierungen die Verschleierung von Kontakten zu Außerirdischen vorwarfen. Offizielle Stellen dementierten diese Vorwürfe und verurteilten die Gewalteskalation auf beiden Seiten auf das Schärfste. ...« Die Worte der Sprecherin vermochten den eingespielten Aufnahmen nicht annähernd zu entsprechen. Dort sah man brutalste Massenschlägereien und kriegsähnliche Feuergefechte. »... Als Auslöser gilt die erst jüngst in die Schlagzeilen geratene Weltuntergangssekte ˃Pfad des dritten Auges˂, die im Zuge der Geschehnisse der letzten Tage nun offiziell als terroristische Vereinigung eingestuft wird. ...«

Außerirdische? Nick schüttelte verständnislos den Kopf. Seine Wachhunde waren abgezogen, versicherte er sich noch einmal erleichtert. Nick begann zu zittern. Der Stress hatte ihn schwer mitgenommen. Er spürte bereits die ersten Symptome und wusste, was jetzt folgen würde. Er wusste, es würde schnell geschehen. Einer seiner unerklärlichen Anfälle stand ihm bevor. Allein das Türschild auf Geschlossen zu drehen, kostete Nick unvorstellbar viel Konzentration. Unter hämmernden Kopfschmerzen sperrte er den Laden zu und zog sich in die Werkstatt zurück. Er nahm seine Umgebung kaum noch wahr. Tastend fand er seine Liege für den Notfall. In einer Abfolge instinktiver Handgriffe legte er sich die Manschette an und schaltete die Überwachungsmonitore ein. Nick sank zurück und schloss die Augen.

=====

Teil 3
Zuletzt geändert von ThetaHelion am 23.06.2015, 08:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

Beitragvon wing13 » 27.05.2015, 10:33

Lieber Theta,
da Dein erster Teil ja schon zerrissen wurde ;), habe ich mich gleich mal an den zweiten Teil gemacht.

Meine allgemeine Kritik ist folgende:
Du merkst ja sicher selbst, dass Du mit Deinen Fähigkeiten schon in den Top10% der Schreibwerkstatt rangierst. Sowohl was den "Skill" als auch was das Talent angeht.
Es passiert viel, Spannung entsteht ordentlich. Noch erfährt man relativ wenig über Deinen Protagonisten, aber ich denke, solange das demnächst kommt, ist das in Ordnung. Man fühlt ja ohnehin mit ihm, schließlich ist er Opfer so einiger Übeltäter.
Dennoch denke ich, dass Du hier ganz schön viele Mysterien aufmachst. Klar ist das in einem Prolog so üblich, ich hab auch viel Foreshadowing erwartet. Aber das sollte m.E. v.a. die Hauptstory betreffen, nicht die Prolog-Story an sich. Bin auf den dritten Teil gespannt.

Jetzt die Kritik im Einzelnen:
ThetaHelion hat geschrieben:Teil 1
Kurz nachdem der Mann den Laden verlassen hatte, erweckte Nick den Überwachungsmonitor aus dem Ruhezustand wieder zum Leben.

Woraus auch sonst? ;) vom Tod? "aus dem Ruhezustand" würde ich streichen.
Herr Osietzki wechselte die Straßenseite. Ein Paketdienst-Transporter hatte vor der Limousine in zweiter Reihe geparkt und wurde in diesem Augenblick von einem verärgerten Mann vertrieben.

Hier vielleicht wieder ein Show/Don´tTell-Moment: Du schreibst ja aus Nicks Perspektive. Dementsprechend wäre es wohl anschaulicher, zu zeigen, warum Nick denkt, dass der Mann verärgert ist, als es einfach zu "tellen". D.h. vllt besser: "von einem wild fuchtelnden Mann" o.ä.
Eine Sirene erschallte,

"erschallen" finde ich hier wenig idiomatisch. Besser fände ich "aufheulen" o.ä.

Gerade als er sich beruhigt hatte, rasten vier voll besetzte Mannschaftswagen am Laden vorbei und verschwanden mit unbekanntem Ziel in die gleiche Richtung, wie die Limousine zuvor.

Vielleicht kenne ich mich mit dem Genre nicht gut genug aus, aber ich würde "Mannschaftswagen der Polizei" schreiben, um es deutlich zu machen. Außerdem würde ich "mit unbekanntem Ziel" streichen, weil ja jedenfalls die Richtung klar ist.

»Mein Herr, es tut mir leid, dass das letzte Gerät nicht Ihren Vorstellungen entsprochen hat«, krächzte Nick im Klammergriff um seine Kehle.

"Im Klammergriff um seine Kehle" würde ich streichen. Das ist bereits deutlich geworden.

Eine aufgeschlagene Broschüre in der Hand haltend, kehrte Nick zurück.

Besser: Mit einer...in der Hand. Diese Präsenspartizipen stören den lesefluss.


Sich den Hals reibend, versuchte Nick tief durchzuatmen.

Hier wieder. Das "reibend" verlangt das Komma, was abgehackt wirkt. Außerdem wäre ein aktives Verb einfach - wait for it - aktiver. D.h.: Nick rieb sich den Hals und versuchte, tief durchzuatmen.


Er schaltete den Ton der Nachrichten zu, darauf hoffend, mehr über die aktuellen Geschehnisse in Erfahrung bringen zu können.

Ich kanns nicht oft genug sagen ;): "...zu und hoffte darauf, so mehr über..."

»... kam es weltweit zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die ihren Regierungen die Verschleierung von Kontakten zu Außerirdischen vorwarfen. Offizielle Stellen dementierten diese Vorwürfe und verurteilten die Gewalteskalation auf beiden Seiten auf das Schärfste. ...«

Das klingt sehr authentisch, macht bei genauerem Hinlesen aber wenig Sinn. Wenn Du mit "Offizielle Stellen" die Regierungen meinst, wieso verurteilen die die Gewalteskalation auf Seiten der Sicherheitskräfte? Sollten sie die nicht rechtfertigen? Immerhin haben sie sie angeordnet. Wenn Offizielle Stellen und Regierungen nicht identisch sind, warum dementieren die Stellen dann die Vorwürfe, die gar nicht an sie gerichtet sind?
Vllt kannst Du da Klarheit schaffen. Der Ton ist jedenfalls sehr gelungen.

Als Auslöser gilt die erst jüngst in die Schlagzeilen geratene Weltuntergangssekte ˃Pfad des dritten Auges˂, die im Zuge der Geschehnisse der letzten Tage nun offiziell als terroristische Vereinigung eingestuft wird. ...«
Hier könntest Du ein wenig Worldbuilding betreiben, indem Du uns mitteilst, WER die Sekte so eingestuft hat: Der UN-Sicherheitsrat? Der US-Präsident? Der Galaktische Rat? Der Oberste Sowjet der Föderation?

Außerirdische? Nick schüttelte verständnislos den Kopf. Seine Wachhunde waren abgezogen, versicherte er sich noch einmal erleichtert.

Ähem...Nick erfährt gerade von relativ seriöser Quelle von Außenirdischen und denkt sich nichts weiter dabei? Also entweder musst Du hier erklären, warum ihm Außerirdische egal sind (z.B. wegen größerer Angst vor mysteriösen Wachhunden) oder warum er den Medien/den Demonstranten nicht traut.

In einer Abfolge instinktiver Handgriffe legte er sich die Manschette an und schaltete die Überwachungsmonitore ein.
Sind das jetzt andere Überwachungsmonitore als die vom Anfang? Bzw. warum sind es plötzlich mehrere?
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

Beitragvon paratoxic » 27.05.2015, 18:34

So, hier wie versprochen mein Feedback zu Teil 2.
Erstmal ein kurzer Kommentar: Den ersten Absatz empfinde ich als viel zu lang, der erschlägt einen beim Lesen schon beinahe. Weiß nicht, ob das an der Formatierung hier im Forum liegt oder ob das im Original auch so ist, aber hier würde ich mir ein paar mehr Absätze wünschen.

Wie zuvor nun erst direkte Anmerkungen:

Bereits nach dem Klinke greifend, erstarrte der Mann vor der Tür in seiner Bewegung. Nick wurde übel. Die Tür hatte sich einen winzigen Spalt geöffnet und er konnte ein paar unverständliche Brocken eines Funkspruchs erhaschen.


"der Klinke" ;)
Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich eine skizzenhafte Beschreibung des Ladens gebraucht - denn wie der Laden letzten Endes aufgebaut ist, entscheidet, wie viel Sinn dieser Abschnitt macht. Sind Schaufenster (gibt es überhaupt eines?) und Tür von Nicks Position aus einsehbar oder nur durch die Kamera? Falls beides vom Tresen aus sichtbar ist, ist das Verhalten der Beamten meiner Meinung nach viel zu auffällig.

Er hyperventilierte.


Das hier wäre meiner Meinung nach wieder eine Stelle, an der du "Show" statt "Tell" praktizieren könntest. Ob du das hier wirklich solltest, kann ich nicht genau sagen, da mir noch nicht ganz klar ist, worauf der Fokus deines Erzählstils liegt (ich hoffe, du verstehst, was ich damit sagen möchte :D). Jedenfalls könnte man durch eine "Show"-Darstellung diese Stelle deutlich intensivieren bzw. Nicks Befinden greifbarer, plastischer machen. Ob du das machen möchtest oder nicht, liegt dann natürlich bei dir.

»Das ist mir egal«, fauchte der Fremde.


Moment. Oben war es noch eine "bekannte Stimme", was mir suggeriert hat, er kenne den Mann. Jetzt auf einmal doch nicht? Oder war es nur die Stimme, die er irgendwoher kannte, die er aber keiner Person zuordnen konnte? Das könnte man noch präzisieren.
Generell muss ich sagen, dass mich der folgende Abschnitt ein wenig verwirrt zurückgelassen hat, ich habe das Gefühl, dass mir eine essentielle Information fehlt. Denn einerseits sprichst du von einem "Fremden", der Nick aber zu kennen scheint (vermutlich durch illegale Geschäfte?), andererseits folgt dann ein gespieltes Kundengespräch, natürlich um potentielle Zuhörer zu täuschen - aber gerade dieser Täuschungsversuch trägt ebenfalls nur indirekt zur Klärung der Umstände bei. Insgesamt ist die Quintessenz des Abschnitts schon angekommen - denke ich. Aber mehr auch irgendwie nicht.
Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass ich schon fast schlafe :D

Seine Wachhunde waren abgezogen, versicherte er sich noch einmal erleichtert.


Diesen Satz finde ich stilistisch nicht so sehr gelungen, ist aber Geschmackssache.

Einer seiner unerklärlichen Anfälle stand ihm bevor.


Diesen Satz fand ich ein wenig zu sehr... Holzhammer. Das liegt vor allem an dem Wörtchen "unerklärlich". Solche Sätze empfinde ich oft als einen Ausruf à la: "Hier! Ein Geheimnis! Was Mysteriöses! Hier! Schau hin! Siehst du? Hier!"
Kann sein, dass das nur mein persönlicher Geschmack ist, doch ich bevorzuge in dieser Hinsicht eigentlich immer die Subtilität. Meiner Meinung nach würde ein simples "Einer seiner Anfälle stand ihm bevor." genauso gut funktionieren, jedoch ohne den Holzhammerbeigeschmack.

So, das war's mit den direkten Anmerkungen. Wie du siehst, habe ich relativ wenig zu bemängeln, den Text finde ich nämlich (ähnlich wie den ersten Teil) schon gelungen. Ich muss auch ein Lob bezüglich Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung aussprechen, so wenige Fehler findet man selten :D
Über Nick erfährt man in diesem Teil schon ein bisschen mehr, da bin ich schon neugierig, wie es weitergeht. Insgesamt muss ich sagen, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen kann, in welche Richtung es sich entwickelt (wobei ich wegen des letzten Abschnitts mal davon ausgehe, dass die Außerirdischen eine große Rolle spielen werden :D).
Generell sind die Spannungselemente schon gut gesetzt, sodass man motiviert ist weiterzulesen.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

Beitragvon CraX » 06.06.2015, 16:16

Hallo Theta Helion,

gleich mal weiter zum 2. Teil:
Der erste Absatz gibt noch mal ordentlich Gas, bravo - während ich den 2. Absatz zweimal lesen musste, um zu verstehen, ob da jetzt ein weiterer Gangster, ein Polizist oder wasweissich oder ein ganz normaler Kunde in den Laden gekommen ist.
Warum Nick dann unvermittelt sich für die Nachrichten im 3. Absatz interessiert, obwohl er momentan eigene Probleme hat, erschließt sich mir nicht.

Kurz nachdem der Mann den Laden verlassen hatte, erweckte Nick den Überwachungsmonitor aus dem Ruhezustand wieder zum Leben

wieso war der im Ruhezustand?

Ein Paketdienst-Transporter hatte vor der Limousine in zweiter Reihe geparkt und wurde in diesem Augenblick von einem verärgerten Mann vertrieben

Ein Paketdienstzusteller läßt sich nicht von irgendeinem Mann vertreiben, es sei denn, er zeigt ihm einen Dienstausweis.

Nach dem Austausch letzter Freundlichkeiten verschwand der Bote mit quietschenden Reifen

Die ironisch gemeinten Freundlichkeiten kann man weglassen, wenn geklärt wurde, wer das Sagen hat.
Der Paketfahrer verschwindet vermutlich auch nicht mit quietschenden Reifen, wenn er seine Pakete noch zustellen möchte. Er fährt ein paar Meter vor.

Herr Osietzki hatte sich an das Beifahrerfenster gelehnt und unterhielt sich mit den Männern im Wagen. Nick wurde kalt und heiß zugleich. Das ergab keinen Sinn. Was macht der Kerl da, schoss es Nick durch den Kopf.

Das ist interessant. Das Gleiche fragt sich der Leser.

Nachdem sie schließlich von ihm abgelassen hatten, steuerten beide Männer geradewegs auf den Laden zu.

Hier machst du einen kleinen Zeitsprung. Lass es doch kontinuierlich weiterlaufen:
"Nach einer Weile ließen sie von ihm ab und …"
(was macht Osiezki eigentlich im Folgenden? Verdünnisiert der sich?)

Sie trennten sich. Der zweite war sicher schon auf dem Weg zur Hintertür.

Logikfehler: Der 2. Satz macht nur Sinn, wenn er den 2. Mann seit einiger Zeit nicht mehr im Auge hatte.
Gerade eben sieht er ihn aber noch.

An Flucht war nicht zu denken. Bereits nach dem Klinke greifend, erstarrte der Mann vor der Tür in seiner Bewegung. Nick wurde übel

die Spannung hier könnte man noch etwas in die Länge ziehen. Nick könnte überlegen, sich zu verstecken, jemanden anzurufen, sich zu bewaffnen (sei es nur als Gedankenspiel). Gibt’s Nebenräume, Keller, ein Klo? Fenster, die leider vergittert sind … Oder überlegt er sich wenigstens, ob er jemanden kennt, der jemanden kennt, der einen guten Anwalt kennt?

Der Mann vor der Tür wendete auf der Ferse und rannte zurück zur Limousine, sein Partner hatte fast zu ihm aufgeschlossen

Schon wieder ein kleiner Zeit-Logikfehler: Sieh dir den Satz noch mal genauer an.

Der Wagen war bereits gestartet worden und rollte langsam an.

Auch hier. Erwähne auch ruhig den dritten Mann (manch ein zerstreuter Leser wie ich hat inzwischen vergessen, dass da 3 Leute im Auto waren).
"Der Fahrer startete den Wagen und ließ ihn langsam aus der Parklücke rollen."

Kaum hatten die Passagiere Platz genommen,

Aus Nicks Perspektive nehmen die Leute nicht Platz, es sind auch keine Passagiere.
Die Männer reißen im Laufen die Türen auf und werfen sich hinein.

Gerade als er sich beruhigt hatte, rasten vier voll besetzte Mannschaftswagen am Laden vorbei

Der hat sich aber schnell beruhigt … hier würde ich die Sirenen der sich nähernden Fahrzeuge noch einbauen.

Anwohner hatten sich unten versammelt oder schauten aus dem Fenster den Einsatzfahrzeugen hinterher.

Ich weiß ja immer noch nicht ansatzweise, wo das Ganze spielt. In dem Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist, würden die Leute sicher auf die Straße gehen. In einer heutigen Stadt sind Polizeieinsätze eigentlich sowas von normal, dass da kaum jemand zum Fenster geschweige denn auf die Straße gehen würde. Naja- bei 4 Einatzwägen vielleicht der alte Rentner von Gegenüber…

Eine Hand ergriff unsanft Nicks Schulter. Leise knurrend befahl eine ihm bekannte Stimme, sich nach drinnen zu begeben

Nachdem zweiten Mal durchlesen denke ich, dass es sich hier wohl nur um einen weiteren Stamm(?)-Kunden handelt. Die "bekannte Stimme" läßt das vermuten, obwohl er eine Zeile weiter unten als "Fremder" bezeichnet wird.
Auch ein verärgerter (Stamm?-) Kunde wird Nick aber nicht befehlen, nach drinnen zu gehen.

Du willst hier vermutlich dem Leser etwas in die Irre führen, ihm vorspielen, dass von dem Mann eine neue Bedrohung oder mit ihm ein neues wichtiges Element der Story auftritt. das ist ja okay, aber es muß trotzdem stimmig sein.
Er könnte vielleicht so etwas sagen wie: Ich habe mit ihnen zu reden.

Kaum hatte sich die Tür geschlossen, drehte Nick sich um.

Spätestens hier musst du aber eine Personenbeschreibung einfügen. Um die Verwirrung aufrecht zu erhalten (falls sie überhaupt gewollt ist), könnte ihm die Person bekannt vorkommen, aber es fällt ihm nicht ein, woher. Es sollte hier aber klar sein ,dass es nicht nochmal der Herr Osiezki (an den ich zuerst dachte) oder ein weiterer Polizist ist.

Er deutete mit der zum Kehlkopf weisenden flachen Hand eine gerade Bewegung vor seinem Hals an.

Das ist zu kompliziert ausgedrückt, da stolpert man arg drüber.

Nick ging zum Tresen und kritzelte das Wort Wanzen auf einen bereit liegenden Notizzettel.

Im Nachhinein ist mir Nicks Verhalten hier nicht klar. Entweder er behandelt den Kunden ganz normal, überspielt dabei seine rasenden Gedanken, oder er versucht ihn loszuwerden, idem er zum Beispiel sagt, er müsse wegen eines Notfalls schnell weg. Den vermeintlichen Kunden versuchen, mit Wanzen und Todesandeutungen einzuweihen, macht hier meines Erachtens am wenigsten Sinn.

Nick trat seinem Gegenüber auf den Fuß, der mit mit einer präzisen Bewegung den Hals des jungen Mannes ergriff und ihn unsanft in den Raum schob.

Na das nenne ich mal einen ziemlich rabiaten Kunden.

»Lassen Sie mich eben die Bedienungsanleitung holen«,

Mit Bedienungsanleitungen kann man Kunden eher vergraueln als gewinnen. Er müsste ihm das Gerät schon erklären und vorführen. Oder nimm ein kleineres Gerät wie ein Tablett. das kann er dem Kunden (anstatt der Gebrauchsanweisung) in die Hand drücken und ihn damit vertrösten und (verwundert) wegschicken.

»Ich würde Sie nur bitten, direkt im Hof zu parken.« Der Andere nickte knapp und verschwand eilends, ohne ein weiteres Wort.

Die ganze Szene mit dem Kunden halte ich für ziemlich misslungen. Sie ist einfach unglaubwürdig. Das fängt mit dem Auftreten des Kunden an, geht über Nicks Andeutungsversuche weiter und gipfelt in der unsinnigen Gebrauchsanweisung. Das Ganze dient natürlich dazu, Nick daran zu hindern, erst mal seine Gedanken zu sammeln, das ist mir schon klar - um die Spannung aufrecht zu erhalten. Manchmal nerven solche Zwischenszenen auch, sie sind eben auch klischeehaft, dessen sollte man sich bewusst sein. Also wenn man so etwas einsetzt, dann mit Bedacht und nicht so auffällig gekünstelt.
Warum er den Kunden bittet, im Hof zu parken kann ich nur raten: Um die Sicht zur gegenüberliegenden Straßenseite nicht zu verdecken? Da müsste er vermutlich einige Autos pro Tag vor seinem Laden verscheuchen?

Sich den Hals reibend, versuchte Nick tief durchzuatmen. Er schaltete den Ton der Nachrichten zu, darauf hoffend, mehr über die aktuellen Geschehnisse in Erfahrung bringen zu können.

Wie schon oben erwähnt, ist mir hier nicht klar, warum er sich so plötzlich für die Nachrichten interessiert.
Vor allem, wenn er danach sowieso nur verständnislos reagiert:
Außerirdische? Nick schüttelte verständnislos den Kopf.

Immerhin das erste SF-Element.

Er wusste, es würde schnell geschehen. Einer seiner unerklärlichen Anfälle stand ihm bevor.

Ich würde das Augenmerk nicht auf die Geschwindigkeit des Anfalls lenken, sondern auf die Zeit, die ihm noch verbleibt:
Er wusste, nun musste alles ganz schnell gehen.
Die Erwähnung eines unerklärlichen Anfalls würde ich eher nach weiter hinten verschieben.

Allein das Türschild auf Geschlossen zu drehen, kostete Nick unvorstellbar viel Konzentration. Unter hämmernden Kopfschmerzen sperrte er den Laden zu und zog sich in die Werkstatt zurück.

Eine so hohe Konzentrationsstörung lässt ja vermuten, dass er fast nicht mehr denken kann. Das könnte man noch etwas ausführlicher beschreiben.
Die beiden Sätze würde ich zudem umbauen. So bekommst du auch einen besseren Ablauf der Dinge:
Unter hämmernden Kopfschmerzen bewegte er sich zurück zum Eingang und drehte das Türschild auf Geschlossen um. Es fiel ihm zunehmend schwerer, sich zu konzentrieren. verzweifelt versuchte er, den Schlüssel aus seiner Hosentasche zu fischen. Abschließen, war sein einziger Gedanke. Abschließen und ab nach hinten. Endlich fand er den Schlüssel, zerrte ihn heraus und stocherte zitternd um das Schloss herum, bis er es traf. Er drehte den Schlüssel im Urzeigersinn um, ließ ihn aber stecken und taumelte zurück in den Laden. Er nahm seine Umgebung kaum noch wahr, streifet ein Regal, hörte Kleinteile zu Boden fallen.
u.s.w. ….

Lass dir zeit mit solchen Szenen. Überlege, was alles passieren kann. Überlege, wie das alles aus Sicht des Protas wahrgenommen wird. gerade winzige Kleinigkeiten sind das Gewürz dabei.

In einer Abfolge instinktiver Handgriffe legte er sich die Manschette an und schaltete die Überwachungsmonitore ein.

Hier ist die Frage, ob die Handgriffe tatsächlich instinkthaft oder eher schon eingeübt sind. Ich könnte medizinische Geräte kaum instinkthaft bedienen.

Abgesehen von der Steigerungsmöglichkeit hat mir der letzte Abschnitt wieder ganz gut gefallen. Viele Fragen wurden bisher aufgeworfen, und wie sich gerade herausstellt, stimmt mit dem Kerl irgendwas ganz und garnicht.
Die Spannung stimmt.
Der Protagonist ist immer noch blass.
Die Szenen sollten überarbeitet und ausgebaut werden. Abschnitt 2 komplett überarbeiten oder rauswerfen.

weiter so!
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [2/3]

Beitragvon TheRanch90 » 22.06.2015, 22:52

Nick spürte eine Schweißperle die Schläfe hinablaufen.


Ich weiß nicht, das finde ich ein bisschen sehr theatralisch.. Ich meine, dass einem wirklich Schweiß die Stirn runter läuft... da müsste meiner Meinung nach mehr passieren.

Der Beifahrer drückte Osietzki gegen die Hauswand und brüllte ihn an, mit dem Zeigefinger dabei immer wieder drohend.


Den Teil nach dem Komma liest sich unsauber. Mein Vorschlag: "während er ihn mit dem Zeigefinger bedrohte" oder "den Zeigefinger drohend erhoben"

Sie trennten sich. Der zweite war sicher schon auf dem Weg zur Hintertür.


Geht mir an der Stelle irgendwie ein bisschen zu schnell, die "aussichtslose" Situation..

Der Mann vor der Tür wendete auf der Ferse


Ich bin nicht sicher, ob es diese Redewenung gibt... "auf dem Absatz" ?!

sein Partner hatte fast zu ihm aufgeschlossen


Gerade noch an der Hintertür und schon aufgeschlossen? :)
Kaum hatten die Passagiere Platz genommen, heulte der Motor auf und das Fahrzeug beschleunigte scharf. Eine Sirene erschallte, sich schnell entfernend, in der Häuserschlucht.


Der Teil gefällt mir!

Gerade als er sich beruhigt hatte, rasten vier voll besetzte Mannschaftswagen am Laden vorbei und verschwanden mit unbekanntem Ziel in die gleiche Richtung, wie die Limousine zuvor.


1. Was für Mannschaftswagen?
2. Der letzte Halbsatz nach dem Komma ist überflüssig, finde ich.

Eine Hand ergriff unsanft Nicks Schulter.


Wie das? Ich dachte er sei "zur Tür" gegangen, steht also noch im Laden?

Er deutete mit der zum Kehlkopf weisenden flachen Hand eine gerade Bewegung vor seinem Hals an.


Ich weiß zwar welches Bild du erzeugen willst, die Beschreibung ist dennoch etwas holprig.

Nick trat seinem Gegenüber auf den Fuß


ganz schön mutig, spricht er ihn doch kurz darauf mit "mein Herr" an.. oder?

schlug er von einem finsteren Blick begleitet vor.


Den finseren Blick verstehe ich an der Stelle nicht ganz

»... kam es weltweit zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die ihren Regierungen die Verschleierung von Kontakten zu Außerirdischen vorwarfen. Offizielle Stellen dementierten diese Vorwürfe und verurteilten die Gewalteskalation auf beiden Seiten auf das Schärfste. ...« Die Worte der Sprecherin vermochten den eingespielten Aufnahmen nicht annähernd zu entsprechen. Dort sah man brutalste Massenschlägereien und kriegsähnliche Feuergefechte. »... Als Auslöser gilt die erst jüngst in die Schlagzeilen geratene Weltuntergangssekte ˃Pfad des dritten Auges˂, die im Zuge der Geschehnisse der letzten Tage nun offiziell als terroristische Vereinigung eingestuft wird. ...«


Gefällt mir echt richtig gut, der komplette Nachrichten Teil

Nick begann zu zittern.

Ist mir auch schon weiter oben aufgefallen. Obwohl diese Sätze Nick natürlich Emotionen einhauchen sollen, bewirken sie so trist mitten im Text gepackt irgendwie nichts.

Tastend fand er seine Liege für den Notfall. In einer Abfolge instinktiver Handgriffe legte er sich die Manschette an und schaltete die Überwachungsmonitore ein. Nick sank zurück und schloss die Augen.


Das Ende war wieder Sahne :)


So, wenn ich Mal raten dürfte, würde ich sagen, dass dieses Mal deine zwei Freunde nicht gegen gelesen haben? :) Soll kein Vorwurf sein^^ Der Text liest sich nur diesmal an einigen Stellen ein wenig abgehackter und die Stimmung wird nicht ganz so gut eingefangen wie im ersten Teil. Außerdem finde ich es schade, dass du nicht mehr wie im ersten Teil mit Zeilensprüngen und Absätzen gearbeitet hast. (wieso eigentlich?) Dennoch freue ich mich natürlich auch den letzten Teil zu lesen, mir gefällt die Story auf jeden Fall!

LG
Ranch
Vertan sprach der Hahn und stieg von der Ente.
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