[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

[SciFi][erledigt] Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon ThetaHelion » 25.05.2015, 19:17

Teil 2

=====

Scheppernder Lärm riss ihn aus dem Schlaf. Er brauchte einige Augenblicke zur Orientierung. Es kostete Nick unendliche Überwindung, sich überhaupt aufzurichten. Er fühlte sich schwach. Es konnte noch nicht viel Zeit vergangen sein, zwei Stunden höchstens. Blinzelnd trat er aus der dunklen Werkstatt heraus und schleppte sich zum Fenster. Die Menschen auf der Straße erschienen ihm fremd, ungewohnt aggressiv und hysterisch. Ihr Geschrei war selbst durch das dicke Glas zu hören. Nick zuckte erschrocken zusammen. Auf dem Gehweg sackte ein Mann leblos zusammen. Die Frau ihm gegenüber hatte ihm im Handgemenge einen Pflasterstein über den Schädel gezogen. Blut strömte über den Asphalt. Das Gerangel wuchs binnen Augenblicken zu einer tosenden Schlacht. Männer und Frauen griffen zu allem, was sie in die Hände bekommen konnten. Sie brüllten und prügelten aufeinander ein. Vereinzelte Schüsse peitschten durch die Straßenschlucht. Schmerzensschreie mischten sich mit Beschimpfungen und wildem Gekreische. Die Welt vor seinem Laden verlor den Verstand.

Nick wich vor dem Geräusch des einschlagenden Ziegels zurück. Das Sicherheitsglas ließ das Wurfgeschoss zurückprallen. Ein Adrenalinschub befreite Nick für den Moment aus seiner Lethargie. Auf der Stelle versperrte er die Tür und ließ die Metalljalousien herab. Dumpfer Kampfeslärm quoll herein. Eine nahe Explosion erschütterte die Umgebung. Glassplitter prasselten gegen die Scheiben des Ladens. Nick eilte zur Hintertür und schob den massiven Metallriegel davor. Bis zum Anschlag drehte er den Schlüssel und ließ ihn diagonal im Schließzylinder stecken. Seine Gedanken überschlugen sich. Er war hier sicher. Zumindest für eine Weile. Im Keller gab es einen geheimen Zugang zu einem versiegelten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg. Im Zuge seiner Nebentätigkeit war er darauf gestoßen und hatte seine Spezialwerkstatt dort eingerichtet. Es gab aber keine Vorräte. Die Wirkung des Adrenalins begann nachzulassen.

Auf der Straße ebbte der Lärm langsam ab. Der Fernseher über dem Eingang zeigte nur noch statisches Rauschen. Mit schwindender Kraft schleppte sich Nick zum Tresen, schaltete wieder durch die Überwachungskameras und sah sich ohnmächtig einem Bild der Verwüstung gegenüber. Leblose Körper lagen auf der Straße, Autos brannten. In der gegenüberliegenden Hauswand gab es keine Scheiben mehr. Das Licht flackerte. Im nächsten Augenblick war der Strom ausgefallen. Man hatte Nick seiner Augen nach draußen beraubt. Einzig eine Taschenlampe blieb ihm als Lichtquelle. Er war verzeifelt. Er musste an seine Eltern denken. Wütend schlug der junge Mann mit der Faust auf den Tresen. Er würde ihnen nicht helfen können, nicht in seinem Zustand.

Der Boden fing an zu vibrieren. Das tosende Fauchen vor dem Geschäft erinnerte Nick an einen Wirbelsturm. Lose Gegenstände in den Regalen begannen zu tanzen und fielen schließlich herab. Mit schwindender Kraft krallte er sich an die schwere Arbeitsplatte. Regale kippten um. Das Mauerwerk ächzte, Risse zogen sich wie Spinnennetze durch den Putz, der stückchenweise von Decke und Wänden herabregnete. Dröhnend kollabierte ein nahes Gebäude und stürzte unter ohrenbetäubendem Lärm in sich zusammen. Panische Angst überkam Nick.

Die Erschütterungen wurden intensiver, der Sturm gewann an Stärke. Die Zwischendecke brach knirschend auseinander und sackte ein Stück ab. Nick hörte ein klägliches Jaulen und leuchtete nach oben. Durch das Loch hing Herrmann an seinem Halsband herab und drohte sich zu strangulieren. Die Leine musste sich irgendwo verfangen haben. Zitternd kletterte Nick auf die Ladentheke und griff nach dem Hund, löste den Karabinerhaken und befreite das Tier, das nur noch leise winselte.

Mit der Wucht einer Titanenfaust holte ein letzter Erdstoß Nick von den Füßen. Das Gebäude über ihm stöhnte bedrohlich. Putz und Zement rieselten herab. Irgendwo sprühte Wasser aus einer zerstörten Leitung. Nick lag regungslos auf dem Tresen und starrte in Richtung Straße, als mit einem Schlag die Fassade weggerissen wurde. Das einfallende Licht brannte in seinen Augen. Jetzt erkannte er das Geräusch von Triebwerken, gewaltigen Triebwerken.

Drei menschliche Umrisse schälten sich aus den über den Boden gepeitschten Staubwolken. Fremdartige Laute durchbrachen den Lärm, für Nicks Sachverstand eindeutig künstlich erzeugte Modulation. Er vernahm seltsam vertraute Sprachfetzen. Die mittlere Gestalt sondierte die Trümmer des Ladens und setzte sich in Bewegung, stieg in die Auslage hinter dem ehemaligen Schaufenster und blickte sich erneut um. Die flankierenden Schemen nahmen mit angelegter Waffe Sicherungsposition ein. Ein Schwarm winziger Dronen tauchte auf und begann, die Umgebung mit grünem Laserlicht abzutasten.

»Nicklas Feinel?«, ertönte eine tiefe metallische Stimme. »Ein weiterer Kontakt. 88 Grad. 247 Meter«, war von draußen zu hören. Nick riss schockiert die Augen auf. »Primärziel bestätigt«, schepperte eine helle Maschinenstimme. Der Schwarm zog sich augenblicklich zurück. Nick stemmte sich mit dem Ellenbogen hoch.

»Einsammeln!«, befahl die Gestalt in der Mitte. Eingeleitet von hochfrequentem Surren löste sich ein Impuls aus der Waffe des rechten Soldaten. Nick konnte nicht einmal zusammenzucken. Vor seinen Augen stand die Welt mit einem Male still. »Ziel trägt eine kleinere, organische Lebensform bei sich. Stasisfeld instabil.« Der Kommandant wendete sich ab. »Unwichtig. Verladen und abflugbereit machen.«
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon unkompliziert » 26.05.2015, 18:08

Hallo ThetaHelion,

ich habe alle drei Teile mit zunehmendem Herzklopfen gelesen und schreibe meinen Gesamteindruck lieber in den dritten Teil, damit ich nicht die anderen Teile für die restlichen Leser spoiler.

Gesamteindruck Plot:
Die Ausgangssituation Nick-im-Laden ist schon sehr behäbig.
Aber das ist nicht schlimm, denn sie ist ohnehin recht kurz und sobald deine Charaktere interagieren, fand ich sie so sympatisch, dass ich auch genüsslich weitergelesen hätte, wenn es sich noch länger gezogen hätte.
Aber dann geht dein Plot ab wie Schmidts Katze, so dass mir leserisch fast die Luft weggeblieben ist.

Erster Schlag: Ein Wagen, der observiert. - Während ich noch dabei war das interessant zu finden und mich zu fragen, *wen* er wohl observiert...
Zweiter Schlag: Nick weiß es und ist gestresst. -- Nick?? Wir kennen uns noch nicht lange, aber was kannst du schon angestellt haben. Unschuldig verfolgt. Oder doch die falschen Freunde...
Dritter Schlag: AUßERIRDISCHE. Du heilige Scheiße... Jetzt wird's wild! Die Geschichte war bisher auf der eher realistischen Seite, eher ernst im Tonfall und leicht bedrohlich. Und die erzählt von Außerirdischen. Oje-oje... Die sind dann sicher nicht freundlich...
Außerdem wird Nick informiert, dass die Überwachung schon länger dauert. -- Du Sadist wolltest mich damit erschrecken, so wie den armen Nick, aber ehrlich gesagt hat mich das kalt gelassen. Das ist nicht bös gemeint. Aber von bewaffneten-Irgendwas *jetzt* überwacht zu werden, war in meiner Vorstellung schon worst case. Dass es schon länger dauert, fand ich dann nicht so schlimm.
Viel mehr beschäftigt hat mich, dass der alte Schnüffler den Überwachungsbildschirm UND den Fernseher verdeckt, gerade als es - glaub ich - in den Nachrichten nochmal interessanter wurde. Mir drängte sich der Eindrück auf, dass der das mit Absicht tut und das hat mich seeeeehr nervös gemacht.
Ist der anscheinend harmlose alte Mann nicht so harmlos wie er scheint?
Vierter Schlag: Der Typ der ihm im Laden auflauert und ihn nach drinnen zieht.
Viel gaben da meine gestressten Nerven schon nicht mehr her. Die Szene war sehr eindeutig eine Eskalation, aber es wäre eine Erleichterung gewesen, endlich zu erfahren was für krumme Dinger nun dreht oder nicht dreht.
Dass der schüchterne Nick nichts bessere einfällt um den Typen vom Plappern abzuhalten indem er einem Stärkeren einfach mal auf die Zehen tritt, ist unfreiwillig komisch. :lol:
Ich verstehe ja, wie es dazu kommt. Aber dieser "Kampfhandlung" fehlt der Ernst.
Dass es ihm nach der Aufregung nicht gut geht, ist verständlich. Dass er nach seinem Nickerchen immernoch spontane Schwächeanfälle hat, hat mich etwas ratlos werden lassen. Weder konnte ich mir vorstellen warum das so sein sollte, noch hat es mit emotional berührt. So als würde ich den Berichterstatter fragen wollen: "Bist du dir sicher?"
Die Sache mit den Monitoren an die er sich anschließen kann ist ein kleiner Knaller und da scheint dann doch durch, dass es Science Fiction ist. Denn mit hochentwickelter und teurer Technik sind die anderen Genres etwas sparsamer.
Fünfter Schlag: Massive Unruhen und Menschen die sich wie Bestien benehmen.
Das Grauen in mir deswegen konnte gar nicht richtig wachsen, denn schon ...
Sechster Schlag: Erdbeben! - Wegen einer Bombe? Nein. Wegen einem Raumschiff!
Siebter Schlag: Entführung! Laser-Transportstrahlen! Ganze Häuserfronten die durch die Gegend fliegen!
Ja... nimm mich mit! Der Leser ergibt sich und hofft nur, er wird jetzt nicht durch einen Szenenwechsel gequält, in dem es zuerst um etwas ganz anderes geht.

Wie gesagt: Extrem rasant.
Ich bin 32, weiblich. Ist das zu alt für deine Zielgruppe?
Also für mich hättest du gern wesentlich langsamer erzählen können. Aber ich bin trotzdem mitgekommen, hoffe ich!, und habe mich super amüsiert. Fast genauso wie das Schicksal des Dackelchens (tut mir Leid, ein kleiner Hund und ich bin dahin) interessiert mich, ob du dieses Wahnsinnstempo in den restlichen 22 000 Wörtern durchhalten kannst und was dann noch so alles passiert.
Langweilen werde ich mich sicher nicht, soviel steht fest! Und du nimmst zumindest ein bisschen Rücksicht auf Leser mit weichen, rührseligen Herzen, dass gibt mir Hoffung, dass ich nicht zu sehr gequält werde.

Gesamteindruck Nick:
Die Interaktion, sein Verhalten im Laden und überhaupt. Ich finde ihn sympatisch: gutherzig, intelligent, mutig (nur) wenn es ein Notfall erfordert und er hat ein düsteres Geheimnis.
Er gefällt mir sehr gut, und wenn es eine Abstimmung gibt, dann bin ich dagegen ihm irgendeinen exotischen Tick zu verpassen und *absolut* dagegen ihn Playboy Hefte lesen zu lassen.
(Abgesehen davon, dass mir ein Kerl erklärt hat, dass man Playboy Hefte nicht "liest". )

Witzigerweise habe ich keine Ahnung, wie ich ihn mir vom Aussehen her vorstellen soll.
Vor meinem inneren Auge ist jetzt ein sehr vages Bild entstanden.
Vielleicht findest du es blöd, wenn jede Figur erstmal mit Haar- und Augenfarbe dargestellt hat. Es ist ja auch nicht dramatisch, dass ich nichts weiß. Aber ich fände es bequemer, wenn du mir auch für die Hauptfigur ein paar Anhaltspunkte geben könntest.
Theoretisch könnte er 1,90m, Albino und kahlkopfig sein!
Nichts dagegen. Aber wenn du später sein Aussehen erwähnen möchtest, kannst du es dann nicht jetzt schon ein bisschen vorbereiten? Damit ich mein Kopfkino-Nick nicht völlig umdenken muss.

Gesamteindruck andere Personen:
Ich mag sie alle und finde sie authentisch, bis auf den Typ der irgendwann mal Nick zurück in den Laden zieht. Der besteht für mich nur aus heiserer Stimme und einer ziehenden oder würgenden Hand. Auch finde ich erst seine Entscheidung so unvorsichtig rumzupoltern genauso unverständlich, wie dann doch sang- und klanglos abzuziehen. Mir kam der vage Verdacht, er hat bekommen, was er wollte. Aber das war schon sehr mysteriös. Fast schon wie die im Volksmund "moderne Kunst"

80% bin ich rundum happy mit diesen drei Teilen.
+ 5-10% hoffe ich dir ein wenig helfen zu können.
der Rest... übersteigt leider meine Fähigkeiten. Ich hab's noch nciht hinbekommen für mich selbst ein Werk zu schreiben, dass mich völlig aus den Latschen haut. :D

Der Titel...
Ich selber mag keine englischen Titel, weil ich sie zwanghaft übersetzen muss. Wenn die deutsche Übersetzung dann gut ist, dann heule ich: "Wieso nicht deutsch!!"
Noch schlimmer, wenn die deutsche Übersetzung dann unsinnig oder bedeutungsleer ist. Dann zetere ich richtig los: "Das bissl Englisch reißt's auch nicht raus!"
So bin ich nun mal.
Aber rein objektiv muss ich sagen:
Science Fiction kenne ich nur mit einem hohen Anteil an Englisch oder Pseudo-Englisch.
Plus: Manche Lesergruppe lieben englische Titel. So sehr, dass es Bücher gibt, die zwar nicht ihren englischen Originaltitel behalten (weil man wohl mein, viele Leute seien damit überfordert) aber einen *neuen* englischen Titel bekommen für den deutschen Markt, von dem man hofft, dass er in deutschen Ohren irgendwie schickt klingt.
So gesehen kann ich dich nicht für deine Entscheidung kritisieren.

Mein persönlicher Titeleindruck:
"Priority": Erste Assoziation: "Priority Boarding". Passagiere der First und Business Class dürfen zuerst einsteigen. Ja, ich fliege einfach zuviel.
Zweite Assoziation: "Priority. Priorität. Aber WAS hat Priorität gegenüber WEM oder WAS? Das hat so keinen Inhalt."
Das ist mein persönlicher Geschmack. Allgemein ist das Wort "Priority" positiv belegt. Es klingt modern, technisch, exklusiv. Also eher ein gute Wahl.

"Overlord": Erste Assoziation: "Gibt's das? Das Wort gibt's doch nicht! Oder doch? Muss ich nachschlagen."
Zweite Assoziation: "Overlord. Überherscher. Der Big Boss halt. Mmmpf. Langweilig."
Dritte Assoziation: "Klingt wie Overload. Überladung. Meint er/sie vielleicht das?"
Gut. Mir gefällt das Wort einfach gar nicht. So wenig, dass ich mich auch nicht in jemand hineinversetzen könnte, der mit der englischen Sprache vielleicht weniger zu tun hatte. Aber das könntest du ja ganz flott mit einer Straßenumfrage abklären. Nur ankreuzen: "Cool" oder "blöd".

Wenn ich Schulnoten vergeben würde, dann bekäme "Priority" von mir eine 2(weil es sicher anderen gefällt) und "Overlord" eine 5 (und damit meine ich tatsächlich "kurz vor katastrophal"). Bitte sei nicht verletzt deswegen. Das sind nur einzelne Wörter, und dein Schreibstil gefällt mir sonst sehr gut. *flüster* Wesentlich besser als der Titel.

Dein Werk habe ich gelesen und möchte es kommentieren, weil ich mit deinem Benutzernamen schon einen Menschen mit gewissen Ansprüchen und Fähigkeiten verbinde (das Werk an sich hat mich nicht enttäuscht!). Der Titel hätte mich nicht angelockt.

Der dritte Teil im Detail:


ThetaHelion hat geschrieben:Teil 2

=====

Scheppernder Lärm riss ihn aus dem Schlaf. Er brauchte einige Augenblicke zur Orientierung. Es kostete Nick unendliche Überwindung, sich überhaupt aufzurichten. Er fühlte sich schwach. Es konnte noch nicht viel Zeit vergangen sein, zwei Stunden höchstens. Blinzelnd trat er aus der dunklen Werkstatt heraus und schleppte sich zum Fenster.
Fein.

Die Menschen auf der Straße erschienen ihm fremd, ungewohnt aggressiv und hysterisch.
Ich kann mir vorstellen wie jemand hysterisch lacht, schreit, wegrennt. Aber wie sich jemand allgemein hysterisch verhält fäält mir schon schwer und aggressiv+hysterisch in einer Person kann ich mir nicht vorstellen.
Deswegen kämpfte ich ab dieser Stelle wieder und wieder um ein Bild von der Menschenmenge in meinem Kopf entstehen zu lassen.
Vielleicht lässt sich "verrückt" oder "grotesk" besser zu aggressiv kombinieren?
Ich nehmen an, sie handeln gewaltätig ohne Logik und ohne Hemmungen.


Ihr Geschrei war selbst durch das dicke Glas zu hören. Nick zuckte erschrocken zusammen. Auf dem Gehweg sackte ein Mann leblos zusammen. Die Frau ihm gegenüber hatte ihm im Handgemenge einen Pflasterstein über den Schädel gezogen.
"über den Schädel ziehen" empfinde ich als sehr umgangssprachlich. Außerdem als leicht ironisch/humoristisch. - "mit einem Pflasterstein erschlagen" fände ich ernst und stimmungsvoll genug angesichts der Schwere der Folgen.
Ist aber nicht dringend.


Blut strömte über den Asphalt. Das Gerangel wuchs binnen Augenblicken zu einer tosenden Schlacht.
"Gerangel" finde ich schon zu niedlich. Besonders nach dem Pflasterstein. "Prügelei" fände ich besser, aber jemand der ohne ersichtlichen Grund mit einem schweren Gegenstand quasi hingerichtet wird, ist "Prügelei" auch schon fast zu wenig.
Vielleicht magst du diesen Satz auch einfach vor dem Pflasterstein bringen.

"Schlacht" ist ok. Auch wenn man ein paar Bilder von Schwerter, Rüstungen oder zumindest zwei Armeen mit einem klaren Ziel damit in Verbindung bringt.
Aber das scheint ja völliger Irrsinn zu sein. "Massaker" vielleicht?
Ist aber auch nicht so dringend.


Männer und Frauen griffen zu allem, was sie in die Hände bekommen konnten. Sie brüllten und prügelten aufeinander ein. Vereinzelte Schüsse peitschten durch die Straßenschlucht. Schmerzensschreie mischten sich mit Beschimpfungen und wildem Gekreische. Die Welt vor seinem Laden verlor den Verstand.

Der Teil ist sehr anschaulich und läuft reibungslos.
Für die letzen 5% zur Perfektion könnte man darüber meditieren, ob jemand noch Lust und Zeit hat jemand zu beschimpfen, wenn es um Leben oder Tod geht. Oder sogar noch weiter: Brüllt man jemand nicht vor dem Kampf an um ihn einzuschüchtern oder ihn abzuschrecken und spart sich im Gemetzel die Puste und Konzentration um zu überleben?

Mit wildem Gekreische und Schmerzensschreie habe ich kein Problem. Das erscheint mir unwillkürlich und kann ich mir unbewusst auch gut vorstellen.


Nick wich vor dem Geräusch des einschlagenden Ziegels zurück. Das Sicherheitsglas ließ das Wurfgeschoss zurückprallen.
Sicherheitsglas! Unki denkt sich, Nick hat viel Geld oder öfter Straßenschlachten vor der Tür. Stört sich aber nicht weiter dran.

Ein Adrenalinschub befreite Nick für den Moment aus seiner Lethargie. Auf der Stelle versperrte er die Tür und ließ die Metalljalousien herab. Dumpfer Kampfeslärm quoll herein. Eine nahe Explosion erschütterte die Umgebung. Glassplitter prasselten gegen die Scheiben des Ladens.

:!: Die müssten erst gegen die Jalousien prasseln.

Nick eilte zur Hintertür und schob den massiven Metallriegel davor. Bis zum Anschlag drehte er den Schlüssel und ließ ihn diagonal im Schließzylinder stecken.

Wie ein Schlüssel "diagonal" steckt kann ich mir nicht vorstellen. Aber es hat mich beim Lesen nicht gestört.

Seine Gedanken überschlugen sich. Er war hier sicher. Zumindest für eine Weile. Im Keller gab es einen geheimen Zugang zu einem versiegelten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg. Im Zuge seiner Nebentätigkeit war er darauf gestoßen und hatte seine Spezialwerkstatt dort eingerichtet.
:shock: Löten/Schweißen kleben und dass ohne Frischluftzufuhr und Tagelicht? Da wünsche ich gute Gesundheit!
Aber ich kann es akzeptieren.


Es gab aber keine Vorräte. Die Wirkung des Adrenalins begann nachzulassen.
Einspruch! Wenn mir einfällt, dass ich da bald wieder auf die Straßen muss, weil ich sonst verdurste/verhungere, dann würde es mir heiß und kalt den Rücken runter laufen. Da würde also das Adrenalin nochmal nachtreten.

Auf der Straße ebbte der Lärm langsam ab.

Beim Lesen hat es mich nicht gestört, also ist es wohl nicht so schlimm.
Aber seit ich weiß, dass er Eltern hat, die ihm etwas bedeuten, frage ich mich, warum er sie nicht bei den ersten Anzeichen von Krawallen warnt oder jetzt nicht anruft um zu fragen wie es ihnen geht.


Der Fernseher über dem Eingang zeigte nur noch statisches Rauschen.

Wieviel Zeit ist vergangen seit der die Hintertür verbarrikadiert hat?
Beim ersten Lesen hatte ich den Eindruck, dass recht bald wieder Ruhe war und mich dann recht gewundert, warum ihm schon wieder die Kräfte schwinden und das immer im falschen Moment:
Wenn er merkt das er ein Nahrungsproblem hat, beruhigt er sich.
Wenn er schon unbestimmte Zeit gewartet hat, sind ihm nicht währenddessen die Kräfte geschwunden, sondern erst als er zum Fernseher geht.

Statt "schwindende Kraft" wäre dann vielleicht "kraftlos", "matt" oder "erschöpft" oder "ausgezehrt" besser. Aber ich würde immernoch wissen wollen, warum es ihm plötzlich so schlecht geht.


Mit schwindender Kraft schleppte sich Nick zum Tresen, schaltete wieder durch die Überwachungskameras und sah sich ohnmächtig einem Bild der Verwüstung gegenüber. Leblose Körper lagen auf der Straße, Autos brannten. In der gegenüberliegenden Hauswand gab es keine Scheiben mehr. Das Licht flackerte. Im nächsten Augenblick war der Strom ausgefallen. Man hatte Nick seiner Augen nach draußen beraubt.

Unverbindlicher Vorschlag:
"Im nächsten Augenblick fiel der Strom aus. Das beraubte ihn seiner Augen nach draußen."


Einzig eine Taschenlampe blieb ihm als Lichtquelle. Er war verzeifelt. Er musste an seine Eltern denken. Wütend schlug der junge Mann mit der Faust auf den Tresen. Er würde ihnen nicht helfen können, nicht in seinem Zustand.

Sehr schöne Charakterzeichnung und sehr ergreifende Szene. Super :girl:

Der Boden fing an zu vibrieren. Das tosende Fauchen vor dem Geschäft erinnerte Nick an einen Wirbelsturm.
Ich dachte sofort an ein Raumschiffgeräusch. Also super!

Lose Gegenstände in den Regalen begannen zu tanzen und fielen schließlich herab.
Klassische Alienankündigung, aber nicht schlimm!

Mit schwindender Kraft krallte er sich an die schwere Arbeitsplatte.
Der Ausdruck kam jetzt ein zweites Mal vor und schon beim ersten Lesen habe ich das wiederholte Schwinden amüsiert belächelt.
Aber ganz ehrlich: Ich habe selber haufenweise Lieblingsformulierungen und mir kam gerade der Gedanke ob ich mir dafür eine Liste anlegen sollte, damit ich beim Editieren gezielt nach ihnen suchen kann.
Selbst ist man für diese "Lieblinge" ja irgendwie blind.


Regale kippten um. Das Mauerwerk ächzte, Risse zogen sich wie Spinnennetze durch den Putz, der stückchenweise von Decke und Wänden herabregnete. Dröhnend kollabierte ein nahes Gebäude und stürzte unter ohrenbetäubendem Lärm in sich zusammen. Panische Angst überkam Nick.

spitze! Du hast mich voll am Haken!

Die Erschütterungen wurden intensiver, der Sturm gewann an Stärke.
"und das Tosen von Draußen schmerzhaft laut" unverbindlicher Vorschlag.
Spontan kann ich es auch nicht besser, aber am lila Teil musst du arbeiten. Der ist so lahm, dass er dir deine sonst stimmungsvolle und vielfältige Sprache kaputt macht.


Die Zwischendecke brach knirschend auseinander und sackte ein Stück ab. Nick hörte ein klägliches Jaulen und leuchtete nach oben. Durch das Loch hing Herrmann an seinem Halsband herab und drohte sich zu strangulieren. Die Leine musste sich irgendwo verfangen haben. Zitternd kletterte Nick auf die Ladentheke und griff nach dem Hund, löste den Karabinerhaken und befreite das Tier, das nur noch leise winselte.

Mein Herz fliegt zu Nick für diese Aktion.
Irgendwie *muss* die erhalten bleiben, auch wenn jetzt gleich die Einwände auf den armen Absatz einprasseln:
1. Bereits beim Auseinanderbrechen meinte ich, die Zwischendecke kommt komplett runter.
2. Eine Sekunde später kann ich gar nicht glauben, dass Nick noch im Raum ist, wo das Gebäude doch gleich zusammensackt.
3. Steht Nick unter dem Teil der Decke, von dem bereits Teile abgestürzt sind. Dass ihm da nichts drauffällt!
Klassisches Element in einem Katastrophenfilm: Durch die Decke kommt etwas von oben.
Dass drunter die Leute nicht erschlagen werden und das auch noch beobachten können, erinnert schon fast an einen Comic.
Das Gefühl, dass es jetzt endgültig vom sehr Realen zum leicht Überzeichneten wechselt, hatte ich schon. Ich hab's dir aber beim ersten Lesen verziehen und drücke immernoch (= das ist übrigens mein Lieblingswort) die Daumen, dass Nick den Hund auch weiterhin retten darf.


Mit der Wucht einer Titanenfaust
Das Bild finde ich auch sau cool.

holte ein letzter Erdstoß Nick von den Füßen. Das Gebäude über ihm stöhnte bedrohlich. Putz und Zement rieselten herab.
Warum ist die Decke nicht endlich eingestürzt? Das war vor zwei Absätzen überfällig!
Leider konnte ich das beim Lesen kaum glauben, wie lange, und dann noch nach MEGA-Erschütterung diese löchrige, auseinandergebrochene Zimmerdecke hält. Sogar als eine Befestigung wegfällt weil die Fassade weggerissen wird, was nochmal erschüttert.
Diese Zimmerdecke ist die wahre Superheldin der Geschichte :XD: Aber damit ist sie auch ein kleines Problem :twisted:
In einem Comic oder Actionfilm würde sie stückweise einstürzen, Nick würde sich (die Arme schützend um das Dackelchen) vom Thresen fallen lassen und dann mit dem Hund unter selbigen kriechen um nicht von den Trümmern erschlagen zu werden.


Irgendwo sprühte Wasser aus einer zerstörten Leitung. Nick lag regungslos auf dem Tresen und starrte in Richtung Straße, als mit einem Schlag die Fassade weggerissen wurde. Das einfallende Licht brannte in seinen Augen. Jetzt erkannte er das Geräusch von Triebwerken, gewaltigen Triebwerken.

Unverbindlicher Vorschlag: "Jetzt wurde ihm klar, dass das Geräusch von Triebwerken stammte..."

Drei menschliche Umrisse schälten sich aus den über den Boden gepeitschten Staubwolken.
"befreiten sich" oder "traten aus". Bei "schälen" denke ich an eine Schale/Haut, die man abzieht oder wegrollt. Das passt nicht zu der Konsistenz von Staubwolken.
Unverbindlicher Vorschlag: "Staubschwaden"/"Staubschleier" -- "Wolke" ist ok, aber man denkt an etwas Rundes, dass sich langsam bewegt.
Ein Haarspalter würde fragen, ob es Nicks Gegend überhaupt sandig/staubig genug ist, oder ob das erste, was der Sturm bewegen kann vielmehr Steinchen und Blätter sind. Aber ehrlich gesagt ist mir das beim ersten Lesen nicht aufgefallen.
"Menschlich" könnte unabsichtlich irreführend sein, denn das sind sie bestimmt nicht.
"Zweibeinige Figuren" "aufrechte Gestalten" "Gestalten in seltsamen Anzügen" "Die Umrisse von zwei Gestalten"


Fremdartige Laute durchbrachen den Lärm, für Nicks Sachverstand eindeutig künstlich erzeugte Modulation. Er vernahm seltsam vertraute Sprachfetzen.
"vertraut" wundert mich als Leser, aber das soll es bestimmt auch.

Die mittlere Gestalt sondierte die Trümmer des Ladens und setzte sich in Bewegung, stieg in die Auslage hinter dem ehemaligen Schaufenster und blickte sich erneut um. Die flankierenden Schemen nahmen mit angelegter Waffe Sicherungsposition ein.
"Schemen" funktioniert glaub ich mit der Bedeutung nicht, auch wenn ich verstanden habe, was du meinst.
"Gestalten" oder "Begleiter" vielleicht?


Ein Schwarm winziger Dronen tauchte auf und begann, die Umgebung mit grünem Laserlicht abzutasten.
Jup. Definitiv sehr wild. Mindestens "Men in Black"-wild. Aber nicht schlecht.
Auch wenn ich dieses Genre sonst nur als Film und nicht als Buch konsumiere.


»Nicklas Feinel?«, ertönte eine tiefe metallische Stimme.
"Niklas Flamel" ist ein Gassenhauer in der magischen Literatur. Nicht nur bei Harry Potter, sondern auch in anderen Werken taucht er auf.
1. er klingt nur ähnlich 2. das war sicher nicht beabsichtigt 3. ist das ein anderes Genre.
Ich wollte nur erwähnen, dass ich den Vergleich nicht los werde.
Fantasieloser Vorschlag: Es geht ja nur um den Klang. "Nick Feinel" oder "Nicklas Fein" und es klingt kein bisschen ähnlich mehr.


»Ein weiterer Kontakt. 88 Grad. 247 Meter«, war von draußen zu hören. Nick riss schockiert die Augen auf.
Warum jetzt erst?
Ich wittere das Nick die Herrschaften kennt und weiß, was ein "Kontakt" ist.
Ansonsten hätte ich die Augen aufgerissen als sich die Fassade verabschiedet hat und bei Ankunft der Gestallten wären meine Augenbrauen zwei Meter über mir geschwebt. :wink:

»Primärziel bestätigt«, schepperte eine helle Maschinenstimme. Der Schwarm zog sich augenblicklich zurück. Nick stemmte sich mit dem Ellenbogen hoch.

»Einsammeln!«,

Sau cooler Ausdruck! Gefällt mir! 8) 8) 8)

befahl die Gestalt in der Mitte. Eingeleitet von hochfrequentem Surren löste sich ein Impuls aus der Waffe des rechten Soldaten. Nick konnte nicht einmal zusammenzucken. Vor seinen Augen stand die Welt mit einem Male still. »Ziel trägt eine kleinere, organische Lebensform bei sich. Stasisfeld instabil.« Der Kommandant wendete sich ab. »Unwichtig. Verladen und abflugbereit machen.«
Eine "Waffe" ist für mich nur etwas, das verletzt oder tötet. Aber diese kann auch scannen und transportieren. Irgendein allgemeinerer Ausdruck wäre vielleicht besser.

Als alter Trekki wird mir ganz bang, wenn vor dem Beamen das Was-auch-immer-Feld nicht stabil ist!
Aber ich hoffe einfach, dass das in deinem Universum kein großes Problem ist.



Ich hoffe, es war etwas Nützliches dabei.
Beim detaillierten Zerpflücken fallen einem mehr Dinge auf, die einen beim "normalen Lesen" gar nicht gestört hätten. Ich habe versucht das anzumerken, wo es mich als Freizeitleser gestört hat und wo ich vielleicht als Kommentator übereifrig war.
Vielen Dank für die gute Unterhaltung und ich freue mich auf eventuelle Fortsetzungen!

Liebe Grüße
Unki
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon wing13 » 27.05.2015, 10:54

Dein Teil 2 hat mich angefixt, jetzt will ich wissen, wie es ausgeht. Also los gehts.

Tadaa, fertig.
Ich finde das eine sehr atmosphärische, wenn auch sehr klassische Alien-Entführungs-Story. Hoffe ich liege damit richtig. Womöglich wird Nick da auch von wem anders entführt, dann ist es eine sehr atmosphäre, wenn auch relativ klassische Secret-Society-Entführungs-Story.
Noch gab es wenig unvorhergesehenes, aber viel spannendes. Und das mit Herrmann ist ein süßer touch. Ich hoffe der spielt weiterhin eine Rolle.
Ich würde den Kritikern von Teil 1 zustimmen, dass ein bisschen mehr Charakter für Nick gut wäre. Ansonsten fühlt man zwar mit ihm, aber nicht so sehr, wie man könnte, wenn man mehr über ihn wüsste.
Der (Arbeits-)Titel klingt noch etwas klischeehaft, aber das tun viele Titel auch guter Bücher, bevor man das Buch ganz gelesen hat.

Im Übrigen ist das aber gut gelungen, hoffe wir hören, wie es weitergeht.

Ist das jetzt wirklich ein Prolog oder einfach ein erstes Kapitel?


ThetaHelion hat geschrieben:Teil 2
Es kostete Nick unendliche Überwindung, sich überhaupt aufzurichten.

Wieso hier plötzlich wieder "Nick" anstatt "er/ihn"?

Die Menschen auf der Straße erschienen ihm fremd, ungewohnt aggressiv und hysterisch.

Wieso? Was tun die denn aggressives und hysterisches? Denn das Schreien und die Schlägerei kommen ja erst gleich...Wieso sieht Nick das denen schon an?
Glassplitter prasselten gegen die Scheiben des Ladens.
Hat er nicht die Jalousien runtergelassen? Beschützen die nicht das Glas?
Im Keller gab es einen geheimen Zugang zu einem versiegelten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg. Im Zuge seiner Nebentätigkeit war er darauf gestoßen und hatte seine Spezialwerkstatt dort eingerichtet.
Na so ein Zufall ;) Vielleicht wäre hier eine kurze Erklärung nett, damit das nicht so deus ex machina-mäßig aussieht. Im Sinne von "Solche Bunker gab es überall unter den Häusern - nach vier Weltkriegen waren Bunker einfach ein Verkaufsschlager gewesen."
In der gegenüberliegenden Hauswand gab es keine Scheiben mehr.
Besser weil kürzer: Das Haus gegenüber hatte keine Scheiben mehr. /In der Hauswand gegenüber...

Im nächsten Augenblick war der Strom ausgefallen.
Er hat einen Bunker und eine - geheime - Werkstatt, aber keinen Notstromaggregat oder zumindest einen benzinbetriebenen Generator? Vielleicht auch hier plausibilisieren. z.B. "Hätte er doch gestern nur das Benzin für den Notgenerator nachgekauft."

Er musste an seine Eltern denken. Wütend schlug der junge Mann mit der Faust auf den Tresen. Er würde ihnen nicht helfen können, nicht in seinem Zustand.
Der Anschaulichkeit halber wäre eine Beschreibung der ansonsten gesichtslosen Eltern nett. Außerdem warum hier plötzlich "der junge Mann"? Bleib lieber bei Nick/er, würde ich sagen. Dass er männlich ist, können wir uns ja schon denken, und dass er jung ist, ist ja (noch) nicht wichtig.

Mit schwindender Kraft
hatten wir schon. Erkennt man wieder. vllt besser "mit letzter Kraft"

Dröhnend kollabierte ein nahes Gebäude und stürzte unter ohrenbetäubendem Lärm in sich zusammen.
Das ist doppelt gemoppelt. "Kollabieren"="zusammenstürzen" und "dröhnend"="unter ohrenbetäubendem lärm"

Mit der Wucht einer Titanenfaust
joa..."Titanenfaust" wirkt ein bisschen genrefremd. Vielleicht besser "Abrissbirne" oder so etwas.

»Einsammeln!«, befahl die Gestalt in der Mitte. Eingeleitet von hochfrequentem Surren löste sich ein Impuls aus der Waffe des rechten Soldaten. Nick konnte nicht einmal zusammenzucken. Vor seinen Augen stand die Welt mit einem Male still. »Ziel trägt eine kleinere, organische Lebensform bei sich. Stasisfeld instabil.« Der Kommandant wendete sich ab. »Unwichtig. Verladen und abflugbereit machen.«

Ich will hier nicht zu kritisch sein, weil ich nichts über die Entführer weiß - aber wenn es Aliens sind, dann haben die hoffentlich nen guten Grund, sich untereinander in Nicks Sprache UND für Nick hörbar zu unterhalten. Ist nicht grad taktisch genial, sofern sie feindliche Absichten haben oder zumindest mit Widerstand rechnen (können). Und wenn die die Sprache sprechen und noch dazu technologisch so fortgeschritten sind, sollten die wirklich wissen, was ein Dackel ist. Die können ja einfach im menschlichen Internet nachgucken...aber das ist nur ein Mini-Punkt, kann man auch einfach ignorieren.
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon ThetaHelion » 27.05.2015, 11:11

wing13 hat geschrieben:Ich will hier nicht zu kritisch sein, weil ich nichts über die Entführer weiß - aber wenn es Aliens sind, dann haben die hoffentlich nen guten Grund, sich untereinander in Nicks Sprache UND für Nick hörbar zu unterhalten. Ist nicht grad taktisch genial, sofern sie feindliche Absichten haben oder zumindest mit Widerstand rechnen (können). Und wenn die die Sprache sprechen und noch dazu technologisch so fortgeschritten sind, sollten die wirklich wissen, was ein Dackel ist. Die können ja einfach im menschlichen Internet nachgucken...aber das ist nur ein Mini-Punkt, kann man auch einfach ignorieren.


Erst einmal vielen Dank für die Mühe.

Ich werde noch etwas brauchen, bis ich alle Hinweise sichten kann bzw. gesichtet habe, aber soviel kann ich verraten: Es wird sich aufklären, warum Nick sie verstehen kann und ich bin froh, dass nahezu alle Leser in die gleiche Richtung vermuten - so kann Kapitel 1 vielleicht doch ein wenig überraschen. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon paratoxic » 28.05.2015, 19:24

Und hier mein Feedback zu Teil 3 :)
Wie zuvor erst einmal direkte Anmerkungen zum Text:

Die Menschen auf der Straße erschienen ihm fremd, ungewohnt aggressiv und hysterisch. Ihr Geschrei war selbst durch das dicke Glas zu hören. Nick zuckte erschrocken zusammen. Auf dem Gehweg sackte ein Mann leblos zusammen. Die Frau ihm gegenüber hatte ihm im Handgemenge einen Pflasterstein über den Schädel gezogen.


Die Einleitung mit der Fremdheit, Aggression und Hysterie ist mir an dieser Stelle ein bisschen zu wenig. Als Beschreibung ist mir das an dieser Stelle nicht atmosphärisch genug, zudem es die Überraschung bzw. den "Schockmoment", der danach folgt, schon vorhersehbar macht.
Du könntest darüber nachdenken, vielleicht erst die Sache mit dem Pflasterstein zu bringen; das überrascht, und würde auch eine super Überleitung zu einer allgemeinen Beschreibung der Szenerie liefern. Ist aber nur ein Vorschlag ;)

Nick wich vor dem Geräusch des einschlagenden Ziegels zurück. Das Sicherheitsglas ließ das Wurfgeschoss zurückprallen.


Hm... Bei dem "einschlagenden Ziegel" dachte ich eigentlich, da würde dann schon die Scheibe zersplittern und dass sie es dann doch nicht tut und der Ziegel stattdessen abprallt, hat mich an der Stelle ein bisschen rausgebracht (zumindest beim detaillierten Lesen; beim ersten Mal ist es mir nicht aufgefallen, glaube ich). Zudem weicht man ja eigentlich vor keinem Geräusch zurück, sondern vor der Gefahr, die das Geräusch einem suggeriert. Stimmiger fände ich hier also ein: "Nick wich vor einem heranrauschenden Ziegelstein zurück - der lautstark vom Sicherheitsglas abprallte."
Ist sicher nicht perfekt, aber ich hoffe, die Idee ist klar ;)

Im Keller gab es einen geheimen Zugang zu einem versiegelten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg.


Der kommt ihm hier ein bisschen sehr gelegen xD Eine kleine Erklärung, wo der herkommt, wäre hier vielleicht ganz gut.

In der gegenüberliegenden Hauswand gab es keine Scheiben mehr.


Die Beschreibung finde ich irgendwie zu platt, da könnte man mehr draus machen. Die leeren Fenster mit tiefen, schwarzen Löchern vergleichen, die einen anstarren. Irgendwie so was vielleicht. Damit könnte man an dieser Stelle (da es gerade wieder etwas ruhiger zugeht) eine bedrohlichere Atmosphäre erzeugen. Ist aber wieder die Frage, ob du das an dieser Stelle überhaupt haben möchtest.

Er war verzeifelt. Er musste an seine Eltern denken.


Die Verzweiflung hätte ich hier gern ein bisschen mehr ausgeführt. Wie genau macht sich die Verzweiflung bemerkbar? Wieso kommt die Verzweiflung ausgerechnet jetzt und nicht schon, als er gemerkt hat, dass er gar keine Vorräte hat?

Mit schwindender Kraft...


Wieso schwindet ihm ständig (zumindest gefühlt) die Kraft? Er macht doch an sich nichts körperlich anstrengendes - außer verzweifelt sein (und dabei hilft das Adrenalin, sollte man meinen). Ist er so ein Lauch? :D Sollte das was mit den mysteriösen Anfällen zu tun haben (wovon ich aktuell ausgehe), würde ich das noch einwerfen. Ansonsten würde ich mich fragen, wozu die "schwindende Kraft" hier dienen soll, außer zur Überdramatisierung.

Durch das Loch hing Herrmann an seinem Halsband herab und drohte sich zu strangulieren. Die Leine musste sich irgendwo verfangen haben. Zitternd kletterte Nick auf die Ladentheke und griff nach dem Hund, löste den Karabinerhaken und befreite das Tier, das nur noch leise winselte.


Oh, Herrmann! :D

Das einfallende Licht brannte in seinen Augen.


Es ist noch Tag? Das wurde vorher nicht erwähnt und in den ersten beiden Teilen war glaube ich auch nie die Rede von einer Tageszeit (kann aber auch sein, dass ich mich irre, den Rest habe ich ja gestern gelesen). Um das zu präzisieren, könnte man die Tageszeit zu Beginn noch einmal aufgreifen, als Nick aufsteht. Ist aber nicht soooo dringend, würde ich sagen.

So, das war's mit den direkten Anmerkungen.
Mein allgemeines Urteil:
Den Prolog mag ich. Als Ganzes finde ich die Spannungskurve gut gelungen, auch wenn ich mir den Anfang (wie du sicher schon gelesen hast) ein wenig atmosphärischer gewünscht hätte. Das kann den Leser immerhin auch an der Stange halten, obwohl die Spannungskurve noch nicht spürbar ist ;)
Insgesamt könnte Nick auch noch ein bisschen mehr Charakter vertragen, aber gut, es ist ja nur der Prolog, da kann man das auch noch verschmerzen, denke ich. Ein paar Beschreibungen (siehe oben) könnte man meiner Meinung nach verbessern, generell mag ich aber deinen Schreibstil und die Wortwahl. Und wieder ein Lob wegen der Rechtschreibung ;)
Ich habe gelesen, dass du dich fragst, wo du "Show don't tell" praktizieren solltest, entsprechende Stellen (die meiner Meinung nach passen würden) habe ich deshalb mal rausgesucht. Weiß nicht, ob dir das weiterhilft oder ob die Stellen dafür eher ungeeignet sind.
Insgesamt macht der Prolog sicher neugierig auf die folgenden Kapitel.

PS: Zu der Titelfrage: Generell bin ich eigentlich auch dagegen, englische Titel zu verwenden, aber bei Science-Fiction stört es mich gar nicht so sehr. Im Übrigen musste ich bei "Overlord" eher an StarCraft denken; ich hab schon die Zerg sagen hören: "Wir brauchen meeeeehr Oooverlooords!" :D
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon DrJones » 31.05.2015, 18:00

Hallo ThetaHelion,

Ich habe mir nun alle drei Teile des Prologs durchgelesen.

Spannung wurde - das ist zumindest mein Eindruck - keine oder nur
sehr wenig erzeugt. Ich kann auch nicht ganz das Feedback der
anderen Kommentatoren verstehen, die den Prolog regelrecht hoch-
jubeln: "Du gehörst zu 10% der Besten auf Schreibwerkschau" usw...
- ohne eine substantielle Begründung!

Ich denke, eines der Grundprobleme hier ist "Show don't tell!",
das Du immer noch so gut wie gar nicht berücksichtigst. Du
hattest schon geschrieben, dass Du daran arbeitest...
Vielleicht kommt es ja noch in einer Überarbeitung?

Ohne jetzt im Detail auf die einzelnen Dinge eingehen zu können,
fiel mir auf, dass Du oft einen Abschnitt hast, in dem Du etwas
beschreibst und das am Ende nochmal in einem Tell zusammenfasst, z. B.
bringst Du einiges Show und auch Tell zu einer ansteigenden Panik:
Er schwitzte (nur beispielhaft, um es zu erklären!), er riss seine Augen
auf ... und dann am Ende kommt: Er geriet in Panik.
Als Leser komme ich mir da schon nicht ganz ernst genommen vor, dass mir
also nicht soviel Intelligenz zugestattet wird, dass ich das mit der Panik
nicht schon vorher bemerkt habe. Ein anderer Grund könnte eine gewisse
Unsicherheit beim Autoren, also bei Dir, sein, dass Du nicht richtig verstanden
wirst? Das brauchst Du nicht: Deine Leser sind (sehr) kluge Menschen!

Ein anderes Problem (alle "Probleme" hier sind Sachen, die man schnell und leicht
abstellen kann!) ist diese Detailverliebtheit: Du legst einen GROSSEN Fokus auf
Nebensächlichkeiten. Es ist so: Als Leser denke ich mir: Oh, er zeigt mir dieses
Detail. Dass muss aber sehr wichtig für die Story sein. Ich warte und warte und- nichts. :roll:
Die wesentlichen Dinge, die Deine Story tragen sollten, bleiben bruchstückhaft bzw.
komplett unerwähnt. Was sind die Gedanken, Hoffnungen, Ziele Deines Protagonisten?
Okay, für einen Prolog musst Du den Protagonisten nicht schon komplett darlegen,
aber e t w a s Innensicht würde mir helfen, mit der Figur mitzufiebern. Und da
wären wir wieder beim Thema "Spannung". Erzählerische Nähe erhöht oft die
Spannnung in Geschichten. Durch eine allwissende Draufsicht - und die gibt
es noch an vielen Stellen - entsteht eine erhebliche Distanz zu den Figuren.

Sprachlich war die Sache mit dem Mantel des Observierers ganz schön, ansonsten
liest es sich mehr wie eine Ideenskizze zu einer Geschichte.

Es gibt das Problem mit einer uneinheitlichen Erzählperspektive. Das wurde schon
von anderen ewähnt. Es ist verwirrend, wenn Dinge beschrieben werden, die Dein
Protagonist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bzw. generell nicht wissen kann.
Der verbrannte Toast ist so ein Beispiel.

Die Grundidee für die Story finde ich - GUT! :D
Wir haben einen Prolog, in dem beschrieben wird, wie die gewohnte Welt Deines
Protagonisten ihm förmlich unter den Füßen wegbricht. Er gerät in Panik, denkt, nachdem
die Decke schon halb eingestürzt ist, noch an den Hund der Nachbarin... Hier wird's wieder
unplausibel. Zum einen versucht jemand in Panik, sich selbst sofort zu retten, zum anderen:
Warum denkt er nicht an die Nachbarin?

Es gab noch mehr Stellen, die ich unlogisch fand bzw., die einer (späteren?) Erklärung
bedürfen.

Unterm Strich sehe ich in der Plotidee einiges Potential, das sich bestimmt auch stilistisch
und inhaltlich besser umsetzen liesse.


Viele Grüße,

DrJones
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon ThetaHelion » 01.06.2015, 21:07

Hallöle,

da versuche ich mal das Feld von hinten aufzurollen.

DrJones hat geschrieben:Hallo ThetaHelion,

Ich habe mir nun alle drei Teile des Prologs durchgelesen.

Spannung wurde - das ist zumindest mein Eindruck - keine oder nur
sehr wenig erzeugt. Ich kann auch nicht ganz das Feedback der
anderen Kommentatoren verstehen, die den Prolog regelrecht hoch-
jubeln: "Du gehörst zu 10% der Besten auf Schreibwerkschau" usw...
- ohne eine substantielle Begründung!


Mhm ... bei diesem Einstieg stellt sich bei mir so ein Gefühl ein, dass dich vor allem die 10% dazu veranlasst haben, etwas zum Prolog zu schreiben. Dass Spannung subjektiv ist, dürfte außer Frage stehen und mir wird ohnehin nichts anderes übrig bleiben, als zu akzeptieren, dass niemand jemals jeden von seinen Ideen wird begeistern können - was für ein Satz. :)

Wie dem auch sei. Ich habe den Prolog eingestellt, um Feedback zu erhalten, was reichlich geschehen ist. Ich bin noch nicht lange genug hier, um einschätzen zu können, wie gut oder schlecht ich schreibe, doch anhand der bisherigen Resonanz dürfte es doch ein solides Mittelfeld sein. Wenn mich jemand weiter oben sieht, dann habe ich wohl dessen Geschmack besser getroffen als deinen.

Ich denke, eines der Grundprobleme hier ist "Show don't tell!",
das Du immer noch so gut wie gar nicht berücksichtigst. Du
hattest schon geschrieben, dass Du daran arbeitest...
Vielleicht kommt es ja noch in einer Überarbeitung?


Damit sagst du mir, was ich schon weiß.


Ohne jetzt im Detail auf die einzelnen Dinge eingehen zu können,
fiel mir auf, dass Du oft einen Abschnitt hast, in dem Du etwas
beschreibst und das am Ende nochmal in einem Tell zusammenfasst, z. B.
bringst Du einiges Show und auch Tell zu einer ansteigenden Panik:
Er schwitzte (nur beispielhaft, um es zu erklären!), er riss seine Augen
auf ... und dann am Ende kommt: Er geriet in Panik.


Das ist nur bedingt hilfreich, allein wenn du mit den Worten beginnst: "Ohne jetzt im Detail auf die einzelnen Dinge eingehen zu können, ..." Was hindert dich im konkreten Fall daran?

Als Leser komme ich mir da schon nicht ganz ernst genommen vor, dass mir
also nicht soviel Intelligenz zugestattet wird, dass ich das mit der Panik
nicht schon vorher bemerkt habe. Ein anderer Grund könnte eine gewisse
Unsicherheit beim Autoren, also bei Dir, sein, dass Du nicht richtig verstanden
wirst? Das brauchst Du nicht: Deine Leser sind (sehr) kluge Menschen!


Das klingt ein wenig an den Haaren herbeigezogen, denn aus vorangegangenen Rückmeldungen kann ich ziemlich gut ableiten, dass nicht alle Leser - trotz ihrer Intelligenz - alles von dem verstehen, was ich beschreibe und ich habe nach erster Sichtung dazu wertvolle Einblicke erhalten, warum das so ist. Das fängt bei schlichtweg vernachlässigten Details an, geht aber bis hin zu für mich erklärungsfreien Dingen, die andere einfach so nicht kennen - ich hatte beispielsweise mehrere Rückfragen bezüglich dem einfachen Wort Statik im Zusammenhang mit einem Fernseher, das für mich seit jeher der Kampf der Ameisen ist. Wenn es mir mit dem mehrfachen Erwähnen bestimmter Dinge nicht gelingt, einem bestimmten Aspekt Nachdruck zu verleihen und man teilt mir das mit, habe ich daraus etwas gelernt und kann es beim nächsten Versuch anders machen.


Ein anderes Problem (alle "Probleme" hier sind Sachen, die man schnell und leicht
abstellen kann!) ist diese Detailverliebtheit: Du legst einen GROSSEN Fokus auf
Nebensächlichkeiten. Es ist so: Als Leser denke ich mir: Oh, er zeigt mir dieses
Detail. Dass muss aber sehr wichtig für die Story sein. Ich warte und warte und- nichts. :roll:


Das Problem ist ein ganz anderes. Nur drei Dinge aus dem Prolog haben eine Relevanz für die weitere Handlung. Ich filtere gerade, ob ich den Prolog deutlich erweitere oder statt dessen auf das Wesentliche reduziere, wodurch er allerdings um Einiges an Aussagekraft verlieren dürfte. Ich halte mir auch noch die Optionen C und D offen, umschreiben und fallen lassen.


Die wesentlichen Dinge, die Deine Story tragen sollten, bleiben bruchstückhaft bzw.
komplett unerwähnt. Was sind die Gedanken, Hoffnungen, Ziele Deines Protagonisten?


Wir reden hier lediglich vom Prolog. Die wesentlichen Dinge scheinen zumindest von der Mehrzahl der bisherigen Leser richtig erfasst worden zu sein, wenngleich ich typ- und vorliebenbedingt nicht allen Wünschen werde entsprechen können, selbst nach eingehender Überarbeitung.


Okay, für einen Prolog musst Du den Protagonisten nicht schon komplett darlegen,
aber e t w a s Innensicht würde mir helfen, mit der Figur mitzufiebern. Und da
wären wir wieder beim Thema "Spannung". Erzählerische Nähe erhöht oft die
Spannnung in Geschichten. Durch eine allwissende Draufsicht - und die gibt
es noch an vielen Stellen - entsteht eine erhebliche Distanz zu den Figuren.


Um das zu verbessern habe ich mich angemeldet und einen Text ins Forum gestellt, denn wenn ich nicht weiß wo es klemmt, kann ich's nicht verbessern. Dabei helfen vor allem konkrete Hinweise und Beispiele.


Sprachlich war die Sache mit dem Mantel des Observierers ganz schön, ansonsten
liest es sich mehr wie eine Ideenskizze zu einer Geschichte.


Wie verschieden doch die Geschmäcker sind. Die Sache mit dem Mantel ist auf sehr unterschiedliche Resonanz gestoßen und sowohl die vorgebrachten Pro- als auch Kontra-Argumente sind für mich legitim. Dem Teil mit der Ideenskizze kann ich nicht folgen. Es ist eine Einführung und keine Geschichte, denn von der gab es bislang noch überhaupt nichts zu lesen.


Es gibt das Problem mit einer uneinheitlichen Erzählperspektive. Das wurde schon
von anderen ewähnt. Es ist verwirrend, wenn Dinge beschrieben werden, die Dein
Protagonist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bzw. generell nicht wissen kann.
Der verbrannte Toast ist so ein Beispiel.


Siehst du, so ist das mit den intelligenten Lesern. Auf der einen Seite darf man ihnen nicht zu viel erzählen oder auch zeigen, auf der anderen Seite schaffen sie es nicht den Schritt mitzugehen, dass Nick den Toast im Schacht erst sieht, wenn er ihn in der Hand hält. Für mich logisch, aber offenbar muss ich anderen doch erklären, dass die nette alte Dame den Toaster unter dem Arm hervorholt, ihn Nick überreicht und er sich den Sachverhalt vor Augen führt. Weiter oben teilszt du mir mit, ich würde zu viel Augenmerk auf Nebensächlichkeiten legen - hier forderst du es mit einem Mal?


Die Grundidee für die Story finde ich - GUT! :D


Da bin ich mir irgendwie nicht so sicher.


Wir haben einen Prolog, in dem beschrieben wird, wie die gewohnte Welt Deines
Protagonisten ihm förmlich unter den Füßen wegbricht. Er gerät in Panik, denkt, nachdem
die Decke schon halb eingestürzt ist, noch an den Hund der Nachbarin... Hier wird's wieder
unplausibel. Zum einen versucht jemand in Panik, sich selbst sofort zu retten, zum anderen:
Warum denkt er nicht an die Nachbarin?


Da haben wir wieder ein Paradebeispiel für unterschiedliche menschliche Erfahrungen und Betrachtungen von Situationen, vor allem von solchen, in denen man sich selbst noch nicht befunden hat. Eine Unschönheit gestehe ich bei diesem Beispiel auch ohne Weiteres ein, denn ich habe die Reihenfolge vom "zur Straße starren" und der weggerissenen Fassade vertauscht. Du hast offenbar noch keinen Tiernarren erlebt, der sich für einen Vierbeiner in Lebensgefahr begibt - das ist ein wesentlicher Charakterzug von Nick und ich kann es nicht ändern, dass du diesen als solchen nicht erkennst bzw. annimmst.

Wohin würdest du denn fliehen? In den alten Luftschutzbunker, um ohne Vorräte dann dort, vom eingestürzten Gebäude darüber begraben zu werden und irgendwann das Zeitliche zu segnen? Wärst du nach draußen gerannt, wo nach deinen aktuellen Informationen zufolge ein Sturm oder gar Schlimmeres tobt? Nick wird von den Füßen geholt und ist von Angst paralysiert. Es geht hier um Geschehnisse, die in einem extrem kurzen Zeitraum geschehen und ich habe den Eindruck, du überschätzt das rationale Denken eines Durchschnittsmenschen in einer derartigen Extremsituation. Wie schnell diese Fähigkeit verloren gehen kann, durfte ich bereits zweimal selbst erfahren und halte Nicks Verhalten von daher für absolut plausibel.


Es gab noch mehr Stellen, die ich unlogisch fand bzw., die einer (späteren?) Erklärung
bedürfen.

Unterm Strich sehe ich in der Plotidee einiges Potential, das sich bestimmt auch stilistisch
und inhaltlich besser umsetzen liesse.


Viele Grüße,

DrJones


Leider nützen mir deine Bemühungen ermangels konkreter Beispiele nur bedingt. Trotzdem vielen Dank für die geopferte Zeit und die abgegebene Kritik, die ich zum Anlass genommen habe, um deinem Schattenwald einen Besuch abzustatten, um mich davon zu überzeugen, ob bzw. wie die angeführten Punkte in deinen eigenen Werken besser gelöst wurden.

Leider war für mich bereits die Grundintention der Protagonisten unplausibel und deren Verhalten widersprach in nicht wenigen Situationen dem, wie du sie zuvor dargestellt hast. Nachdem es dann in den eigentlichen Wald hinein ging war ich raus. Eine Orientierung in der von dir beschriebenen Umgebung war mir nicht mehr nachvollziehbar möglich. Ich stellte fest, dass ich offensichtlich nicht zur Zielgruppe für dein Märchen gehöre. Vielleicht ist es mit meinem Prolog und dir das Gleiche.

In diesem Sinne, viele Grüße,
Theta
Meine fünf Sinne: Starrsinn, Schwachsinn, Irrsinn, Blödsinn und Wahnsinn. :lol:
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon DrJones » 01.06.2015, 22:28

Hallo ThetaHelion,

Deine Reaktion finde ich ganz seltsam. Vor allem den letzten Abschnitt Deiner Antwort,
wo Du über meine Geschichte "Schattenwald" schreibst. Aber dazu später mehr.


ThetaHelion hat geschrieben:Hallöle,

da versuche ich mal das Feld von hinten aufzurollen.

DrJones hat geschrieben:Hallo ThetaHelion,

Ich habe mir nun alle drei Teile des Prologs durchgelesen.

Spannung wurde - das ist zumindest mein Eindruck - keine oder nur
sehr wenig erzeugt. Ich kann auch nicht ganz das Feedback der
anderen Kommentatoren verstehen, die den Prolog regelrecht hoch-
jubeln: "Du gehörst zu 10% der Besten auf Schreibwerkschau" usw...
- ohne eine substantielle Begründung!


Mhm ... bei diesem Einstieg stellt sich bei mir so ein Gefühl ein, dass dich vor allem die 10% dazu veranlasst haben, etwas zum Prolog zu schreiben.

Nicht nur, aber auch: Ich bin absolut nicht der Meinung, dass diese 10% -Aussage stimmt.
Gut schreiben zu können, bedeutet viel Arbeit - auch an sich selbst. Dazu
gibt es Schreibwerkstatt. Lesen und gelesen werden. Kommentieren und
kommentiert werden. Immer ehrlich. Immer fair. Vielleicht habe ich bei Dir nicht
den richtigen Ton getroffen. Das täte mir leid. Andererseits werde ich immer
schreiben, was ich denke - auch zur Qualität eines Textes.


Dass Spannung subjektiv ist, dürfte außer Frage stehen und mir wird ohnehin nichts anderes übrig bleiben, als zu akzeptieren, dass niemand jemals jeden von seinen Ideen wird begeistern können - was für ein Satz. :)

Ja, ein langer Satz ... Spannung ist schon subjektiv. Aber es gibt bestimmte Methoden, wie
man Spannung aufbauen kann. Für mich war der Text nicht spannend. Was soll ich sagen?


Wie dem auch sei. Ich habe den Prolog eingestellt, um Feedback zu erhalten, was reichlich geschehen ist. Ich bin noch nicht lange genug hier, um einschätzen zu können, wie gut oder schlecht ich schreibe, doch anhand der bisherigen Resonanz dürfte es doch ein solides Mittelfeld sein. Wenn mich jemand weiter oben sieht, dann habe ich wohl dessen Geschmack besser getroffen als deinen.

Es geht nicht nur um Geschmack, sondern auch um Schreibtechnik und um Schreibstil.
Das ist ein Grund, warum ich auf Schreibwerkstatt bin: Um von anderen zu lernen.
Du verschränkst gerade Deine Arme. Sorry. So sehe ich das.


Ich denke, eines der Grundprobleme hier ist "Show don't tell!",
das Du immer noch so gut wie gar nicht berücksichtigst. Du
hattest schon geschrieben, dass Du daran arbeitest...
Vielleicht kommt es ja noch in einer Überarbeitung?


Damit sagst du mir, was ich schon weiß.

Das kannst Du erst wissen, wenn es Dir mehrere unabhängig voneinander
gesagt haben. So siehst Du gewisse Tendenzen - Häufungspunkte, die
Dir wertvolle Hinweise geben können.


Ohne jetzt im Detail auf die einzelnen Dinge eingehen zu können,
fiel mir auf, dass Du oft einen Abschnitt hast, in dem Du etwas
beschreibst und das am Ende nochmal in einem Tell zusammenfasst, z. B.
bringst Du einiges Show und auch Tell zu einer ansteigenden Panik:
Er schwitzte (nur beispielhaft, um es zu erklären!), er riss seine Augen
auf ... und dann am Ende kommt: Er geriet in Panik.


Das ist nur bedingt hilfreich, allein wenn du mit den Worten beginnst: "Ohne jetzt im Detail auf die einzelnen Dinge eingehen zu können, ..." Was hindert dich im konkreten Fall daran?


Ich habe Dir doch ein Beispiel genannt mit der Panik, oder?
Auf jedes Detail kann ich nicht eingehen. Hast Du das erwartet?


Als Leser komme ich mir da schon nicht ganz ernst genommen vor, dass mir
also nicht soviel Intelligenz zugestattet wird, dass ich das mit der Panik
nicht schon vorher bemerkt habe. Ein anderer Grund könnte eine gewisse
Unsicherheit beim Autoren, also bei Dir, sein, dass Du nicht richtig verstanden
wirst? Das brauchst Du nicht: Deine Leser sind (sehr) kluge Menschen!


Das klingt ein wenig an den Haaren herbeigezogen, denn aus vorangegangenen Rückmeldungen kann ich ziemlich gut ableiten, dass nicht alle Leser - trotz ihrer Intelligenz - alles von dem verstehen, was ich beschreibe und ich habe nach erster Sichtung dazu wertvolle Einblicke erhalten, warum das so ist.


Ja, und genau das sollte Dir zu denken geben... Du bringst zu viele Details an Stellen, wo
es unnötig ist und lässt wichtige Informationen an Stellen aus, wo es wichtig wäre.


Das fängt bei schlichtweg vernachlässigten Details an, geht aber bis hin zu für mich erklärungsfreien Dingen, die andere einfach so nicht kennen - ich hatte beispielsweise mehrere Rückfragen bezüglich dem einfachen Wort Statik im Zusammenhang mit einem Fernseher, das für mich seit jeher der Kampf der Ameisen ist. Wenn es mir mit dem mehrfachen Erwähnen bestimmter Dinge nicht gelingt, einem bestimmten Aspekt Nachdruck zu verleihen und man teilt mir das mit, habe ich daraus etwas gelernt und kann es beim nächsten Versuch anders machen.

Das ist richtig. Ja.


Ein anderes Problem (alle "Probleme" hier sind Sachen, die man schnell und leicht
abstellen kann!) ist diese Detailverliebtheit: Du legst einen GROSSEN Fokus auf
Nebensächlichkeiten. Es ist so: Als Leser denke ich mir: Oh, er zeigt mir dieses
Detail. Dass muss aber sehr wichtig für die Story sein. Ich warte und warte und- nichts. :roll:


Das Problem ist ein ganz anderes. Nur drei Dinge aus dem Prolog haben eine Relevanz für die weitere Handlung. Ich filtere gerade, ob ich den Prolog deutlich erweitere oder statt dessen auf das Wesentliche reduziere, wodurch er allerdings um Einiges an Aussagekraft verlieren dürfte. Ich halte mir auch noch die Optionen C und D offen, umschreiben und fallen lassen.

Das hört sich vernünftig an.


Die wesentlichen Dinge, die Deine Story tragen sollten, bleiben bruchstückhaft bzw.
komplett unerwähnt. Was sind die Gedanken, Hoffnungen, Ziele Deines Protagonisten?


Wir reden hier lediglich vom Prolog. Die wesentlichen Dinge scheinen zumindest von der Mehrzahl der bisherigen Leser richtig erfasst worden zu sein, wenngleich ich typ- und vorliebenbedingt nicht allen Wünschen werde entsprechen können, selbst nach eingehender Überarbeitung.

Ich meinte ja auch nicht die ganze Story Deines Buches, sondern die Handlung Deines Prologs.
Du sollst niemandes Wünschen entsprechen. Darum geht es doch gar nicht! Es geht um die
Verbesserung Deines Textes. Darum kommentieren wir hier alle. Ich hatte Dir nicht genug
Beispiele gegeben? Das kann natürlich sein. Aber was ist schon genug?



Okay, für einen Prolog musst Du den Protagonisten nicht schon komplett darlegen,
aber e t w a s Innensicht würde mir helfen, mit der Figur mitzufiebern. Und da
wären wir wieder beim Thema "Spannung". Erzählerische Nähe erhöht oft die
Spannnung in Geschichten. Durch eine allwissende Draufsicht - und die gibt
es noch an vielen Stellen - entsteht eine erhebliche Distanz zu den Figuren.


Um das zu verbessern habe ich mich angemeldet und einen Text ins Forum gestellt, denn wenn ich nicht weiß wo es klemmt, kann ich's nicht verbessern. Dabei helfen vor allem konkrete Hinweise und Beispiele.

Manchmal hilft aber auch die Kenntnis eines Gesamteindrucks. Ich habe Dir, denke ich,
schon wertvolle Hinweise gegeben. Es ist immer Deine Entscheidung, diese anzunehmen oder
abzulehnen.



Sprachlich war die Sache mit dem Mantel des Observierers ganz schön, ansonsten
liest es sich mehr wie eine Ideenskizze zu einer Geschichte.


Wie verschieden doch die Geschmäcker sind. Die Sache mit dem Mantel ist auf sehr unterschiedliche Resonanz gestoßen und sowohl die vorgebrachten Pro- als auch Kontra-Argumente sind für mich legitim.

Ja, das ist es. Ein wichtiger Aspekt beim Schreiben ist: Wir wollen dem Leser mit unseren Texten gefallen.
Ich denke schon, mit wenigen Ausnahmen, dass das so ist.


Dem Teil mit der Ideenskizze kann ich nicht folgen. Es ist eine Einführung und keine Geschichte, denn von der gab es bislang noch überhaupt nichts zu lesen.

Die Sätze wirken auf mich zu abgehackt: In sich und auch in der Abfolge. Das meinte ich mit
"Ideenskizze".



Es gibt das Problem mit einer uneinheitlichen Erzählperspektive. Das wurde schon
von anderen ewähnt. Es ist verwirrend, wenn Dinge beschrieben werden, die Dein
Protagonist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bzw. generell nicht wissen kann.
Der verbrannte Toast ist so ein Beispiel.


Siehst du, so ist das mit den intelligenten Lesern. Auf der einen Seite darf man ihnen nicht zu viel erzählen oder auch zeigen, auf der anderen Seite schaffen sie es nicht den Schritt mitzugehen, dass Nick den Toast im Schacht erst sieht, wenn er ihn in der Hand hält. Für mich logisch, aber offenbar muss ich anderen doch erklären, dass die nette alte Dame den Toaster unter dem Arm hervorholt, ihn Nick überreicht und er sich den Sachverhalt vor Augen führt.
Weiter oben teilszt du mir mit, ich würde zu viel Augenmerk auf Nebensächlichkeiten legen - hier forderst du es mit einem Mal?

Es ist so: Die Sache mit dem Toaster war für mich völlig unklar. Die Reihenfolge der einzelnen
Teile der Erzählung wirkten auf mich durcheinander. Da hätte ich eine nähere Erklärung gebraucht.
Auch die Sache mit dem Leckerli für den Hund Herrmann war nicht wirklich nachvollziehbar. Andere
Dinge werden dann wieder zu detailliert beschrieben und auch wiederholt: Schweiß, aufgerissene Augen, er hat Panik.



Die Grundidee für die Story finde ich - GUT! :D


Da bin ich mir irgendwie nicht so sicher.

Wieso zweifelst Du jetzt an meinen Worten? Sehr seltsam... :roll:
Wenn da steht, dass ich die Idee gut fand, dann fand ich sie gut. Wieso sollte das nicht
stimmen?!?



Wir haben einen Prolog, in dem beschrieben wird, wie die gewohnte Welt Deines
Protagonisten ihm förmlich unter den Füßen wegbricht. Er gerät in Panik, denkt, nachdem
die Decke schon halb eingestürzt ist, noch an den Hund der Nachbarin... Hier wird's wieder
unplausibel. Zum einen versucht jemand in Panik, sich selbst sofort zu retten, zum anderen:
Warum denkt er nicht an die Nachbarin?


Da haben wir wieder ein Paradebeispiel für unterschiedliche menschliche Erfahrungen und Betrachtungen von Situationen, vor allem von solchen, in denen man sich selbst noch nicht befunden hat. Eine Unschönheit gestehe ich bei diesem Beispiel auch ohne Weiteres ein, denn ich habe die Reihenfolge vom "zur Straße starren" und der weggerissenen Fassade vertauscht. Du hast offenbar noch keinen Tiernarren erlebt, der sich für einen Vierbeiner in Lebensgefahr begibt -

Jetzt wirst Du persönlich.

das ist ein wesentlicher Charakterzug von Nick und ich kann es nicht ändern, dass du diesen als solchen nicht erkennst bzw. annimmst.

Ich muss hier gar nichts annehmen oder erkennen! Die Geschichte entsteht, genau genommen, erst
in den Köpfen Deiner Leser. Klingt metaphysisch, ist aber so. :wink:
Für mich ist das Verhalten von Nick unplausibel. Nicht, weil es irrational wäre, denn er ist ja
- wie Du schreibst - in PANIK! Und da denkt er an den Hund der Nachbarin? Und denkt nicht
an die Nachbarin selbst? Ich finde es einfach nicht schlüssig. Sorry.


Wohin würdest du denn fliehen?

:) Ich will gar nicht fliehen... Es geht ja hier um die Figurenzeichnung von Nick.


In den alten Luftschutzbunker, um ohne Vorräte dann dort, vom eingestürzten Gebäude darüber begraben zu werden und irgendwann das Zeitliche zu segnen? Wärst du nach draußen gerannt, wo nach deinen aktuellen Informationen zufolge ein Sturm oder gar Schlimmeres tobt? Nick wird von den Füßen geholt und ist von Angst paralysiert.

Und da denkt er an den Hund der Nachbarin anstatt sich schleunigst irgendwohin zu flüchten?

Es geht hier um Geschehnisse, die in einem extrem kurzen Zeitraum geschehen und ich habe den Eindruck, du überschätzt das rationale Denken eines Durchschnittsmenschen in einer derartigen Extremsituation.

Ich dachte, er sei in Panik, von Angst paralysiert... Jetzt plötzlich wieder rational?
Es könnte sich lohnen, darüber nochmal nachzudenken...


Wie schnell diese Fähigkeit verloren gehen kann, durfte ich bereits zweimal selbst erfahren und halte Nicks Verhalten von daher für absolut plausibel.

Welche Fähigkeit? Rationalität?



Es gab noch mehr Stellen, die ich unlogisch fand bzw., die einer (späteren?) Erklärung
bedürfen.

Unterm Strich sehe ich in der Plotidee einiges Potential, das sich bestimmt auch stilistisch
und inhaltlich besser umsetzen liesse.


Viele Grüße,

DrJones


Leider nützen mir deine Bemühungen ermangels konkreter Beispiele nur bedingt.

Das kann schon sein. Trotzdem habe ich Dir viele Hinweise gegeben, die Du nutzen könntest.

Trotzdem vielen Dank für die geopferte Zeit und die abgegebene Kritik, die ich zum Anlass genommen habe, um deinem Schattenwald einen Besuch abzustatten, um mich davon zu überzeugen, ob bzw. wie die angeführten Punkte in deinen eigenen Werken besser gelöst wurden.

Du hast da offensichtlich etwas grundlegend missverstanden, wie mir dieser Abschnitt Deiner
Antwort zeigt. Wenn Du die Sache so angehst, dann hast Du Deine Zeit hier verschwendet - und
meine leider auch. Eine echt alberne Reaktion von Dir. :roll:



Leider war für mich bereits die Grundintention der Protagonisten unplausibel und deren Verhalten widersprach in nicht wenigen Situationen dem, wie du sie zuvor dargestellt hast. Nachdem es dann in den eigentlichen Wald hinein ging war ich raus. Eine Orientierung in der von dir beschriebenen Umgebung war mir nicht mehr nachvollziehbar möglich. Ich stellte fest, dass ich offensichtlich nicht zur Zielgruppe für dein Märchen gehöre. Vielleicht ist es mit meinem Prolog und dir das Gleiche.

Ich kommentiere das jetzt nicht, ABER:
Wenn Du Schattenwald kommentieren möchtest, dann mach das bitte dort, wo meine Geschichte steht
und nicht in einer Antwort innerhalb des Strangs Deines Prolog-Posts!



In diesem Sinne, viele Grüße,
Theta


Da kann ich nur sagen: Gute Nacht!

DrJones
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Re: Priority: Overlord (Prolog) [3/3]

Beitragvon CraX » 10.06.2015, 00:17

Hallo Theta

hier noch zum 3. Teil:

Es kostete Nick unendliche Überwindung, sich überhaupt aufzurichten.

Das haben dir andere sicher auch schon gesagt, dieses Ding mit dem show, dont tell. Hier ist so eine Stelle. Das ist zu sachlich. Du bist nicht wirklich bei der Person. und es klingt gestelzt.

Das Gerangel wuchs binnen Augenblicken zu einer tosenden Schlacht. Männer und Frauen griffen zu allem, was sie in die Hände bekommen konnten. Sie brüllten und prügelten aufeinander ein. Vereinzelte Schüsse peitschten durch die Straßenschlucht. Schmerzensschreie mischten sich mit Beschimpfungen und wildem Gekreische. Die Welt vor seinem Laden verlor den Verstand

Wie mir schon zuvor in den Nachrichten aufgefallen ist, sind diese "Demos" oder was das ist, wesentlich aggressiver als gewöhnlich. Es scheint tatsächlich ungewöhnlich zu sein. Der Held könnte sich doch ein oder 2 Gedanken darüber machen, damit der Leser die Qualität der Demos (oder Aufstand?) und vor allem Nicks Unverständnis darüber besser nachvollziehen kann.
Auf der Stelle versperrte er die Tür und ließ die Metalljalousien herab

Die Türe hatte er doch zuvor schon versperrt - zumindest die Ladentüre vorne.

Im Keller gab es einen geheimen Zugang zu einem versiegelten Luftschutzbunker aus dem letzten Krieg. Im Zuge seiner Nebentätigkeit war er darauf gestoßen und hatte seine Spezialwerkstatt dort eingerichtet. Es gab aber keine Vorräte

Bevor er hier auf den Gedanken kommt, sich einzubunkern, fehlen mir hier noch ein paar Gedankengänge. Vielleicht erst mal abwarten, bis der Volkssturm vorrüber ist. Ein paar Alternativen durchgehen.

Im nächsten Augenblick war der Strom ausgefallen.

Im nächsten Augenblick fiel der Strom aus.

Er musste an seine Eltern denken. Wütend schlug der junge Mann mit der Faust auf den Tresen. Er würde ihnen nicht helfen können, nicht in seinem Zustand.

Wo leben seine Eltern? Wer sind die? Warum denkt er, ihnen helfen zu müssen? Du bist ein wenig arg sparsam mit deinen Infos.

Lose Gegenstände in den Regalen begannen zu tanzen und fielen schließlich herab.

schließlich = Füllwort.

Durch das Loch hing Herrmann an seinem Halsband herab und drohte sich zu strangulieren.

drohte sich zu strangulieren? klingt arg seltsam, auch wenns richtig sein sollte. Und dann vermisse ich, wie der Hund hechelt, die Augen verdreht, mit allen Vieren hilflos strampelt … Lass den Leser etwas Mitleid empfinden und ihn ebenfalls etwas zappeln.

… löste den Karabinerhaken und befreite das Tier, das nur noch leise winselte.

das nun nur noch leise winselte.

Drei menschliche Umrisse schälten sich aus den über den Boden gepeitschten peitschenden Staubwolken.


»Einsammeln!«, befahl die Gestalt in der Mitte. Eingeleitet von hochfrequentem Surren löste sich ein Impuls aus der Waffe des rechten Soldaten. Nick konnte nicht einmal zusammenzucken. Vor seinen Augen stand die Welt mit einem Male still. »Ziel trägt eine kleinere, organische Lebensform bei sich. Stasisfeld instabil.« Der Kommandant wendete sich ab. »Unwichtig. Verladen und abflugbereit machen.«


Aha. Die Borg. oder die Transformers. oder sowas ähnliches. Egal. Eine nette schöne Szene wie im Kino. Der verlorengegangene Sohn wird nach hause geholt.
Ob die Typen aus dem Raumschiff doch etwas eigenes sind, wird die weitere Story zeigen. Wer solche Geschichten mag, für den wirds sicher auch spannend sein.
Die Schlussszene ist eben - genau wie man es im Kino sieht - und genauso beschreibst du sie.
Was ja an sich vielleicht auch in Ordnung ist. Der Unterschied zwischen Film und Text ist, dass im Text wesentlich mehr Platz ist, um zusätzliche Gedanken und Details auszuarbeiten, und das fehlt mir hier ein wenig.
Nicht jetzt in der Schlussszene, sondern allgemein. Es muss nicht viel sein, aber ein paar Gedanken von Nick, um zu verstehen, was er für ein Typ ist, wie er denkt, was er sich zu den Geschehnissen denkt, die um und mit ihm passieren.

Wie gesagt: die Charaktere etwas mehr herausarbeiten
Einige Sätze besser formulieren
Auf die Zeitform achten (Den Fehler hatte ich witzigerweise anfangs auch gemacht, ständig vom Perfekt ins Präteritum rutschen.)

Da du von anderen auch noch einiges zu hören bekommen hast, will ich es damit auch schon belassen.

viele Grüße
CraX
Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.
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