Probleme zum kurze Sätze - lange Sätze Verhältnis

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Probleme zum kurze Sätze - lange Sätze Verhältnis

Beitragvon Stefan_S » 02.11.2008, 18:55

Also, ich habe mal eine Frage die mir schon den ganzen Tag durch den Kopf schwirrt.
Ich habe leider die blöde Angewohnheit das ich meistens in einer Geschichte vieeel zu lange Sätze schreibe. (Wurde mir sogar von meinem Deutschlehrer bestätig :( ). Meistens knüpfe ich viele UND an meine Sätze.
Wie oft macht ihr lange Sätze oder wie lang macht ihr sie höchstens.
Ist es sinnvoll nach einem Prinzip wie Kurzer Satz-langer Satz-kurzer Satz-langer Satz zu arbeiten?
Ich hoffe ihr könnt mir helfen
Lg Stefan
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Beitragvon Alessa » 02.11.2008, 19:16

Hm, dein Problem kenne ich nur zu gut. Ich ertappe mich auch immer wieder dabei, viel zu lange und verschachtelte Sätze zu schreiben. Dann rufe ich mir immer wieder in Gedanken das Prinzip auf, dass man möglichst kurze, knappe, aussagekräftige Sätze schreiben soll. Keine Ahnung, wo ich das mal gelesen habe.
Ich sehe mir dann die Sätze an und gucke, wo ich tatsächlich nen Punkt machen kann und wo es irgendwie gar nicht geht. Ein bissl umformulieren hilft dann auch meistens.

Ich wechsel mich da nicht ab. Ich versuche einfach generell, die Sätze nicht zu lang werden zu lassen. Manchmal gelingt es mir nicht, aber dann soll es so sein.

Mein einziger Tipp für dich: guck, wo du deine Sätze auch trennen könntest und vielleicht nur durch winzige Umstellung einen neuen Satz erreichst.

lg Alessa
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Beitragvon Zitkalasa » 02.11.2008, 19:19

Kurze Sätze bringen Tempo ins Lesen und somit in die Geschichte. Sie sind also besonders da angebracht, wo viel "Action" herrschen soll oder die Spannung steigt.

Lange Sätze hingegen verlangsamen das Lesen und eben wiederum auch die Geschichte. Angebracht sind sie also da, wo es gemächlich bis Normal- also Schritttempo zugehen soll.

Das Verhältnis zwischen beiden hängt also von dem Verhältnis deiner Tempi untereinander ab.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen. ;3

~ edit ~

Kurze Sätze können aber auch als stilistische Mittel herhalten; bspw. hier:

Da habe ich mich den letzten Monat über hingesetzt, bin über meinen eigenen Schatten gesprungen und habe mit Plotten angefangen. Plotten. Etwas, das ich mir zuvor für die nächsten größeren Projekte zukünftig vornahm nachdem ich beim NaNoWriMo’07 so jämmerlich versagte - die größeren Projekte ließen jedoch auf sich warten.


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Beitragvon Stefan_S » 02.11.2008, 19:27

Na die Antworten kamen ja mal flott ;)
Hm ich glaube eure Kommis haben mir sehr weitergeholfen, und werde eure Tipps gleich einmal beim schreiben beachten.
Noch ma danke und Lg ;)
Stefan
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Beitragvon Evil Angel » 02.11.2008, 19:33

Hallo,

ich schließe mich Zitkalasa an.

Keinesfalls würde ich gezielt nach einem Schema kurz-lang-kurz-lang oder kurz-kurz-lang-lang etc. schreiben (ist ja kein Morsealphabet :wink: ).
Das wirkt künstlich und hemmt den Lesefluss erheblich, weil kein echter Rhythmus entsteht und man als Leser ins Stolpern gerät.


Wenn Du Dir unsicher bist und nicht weißt, wie Dein Textfluss wirkt, dann nimm Deinen Text und lies ihn laut vor. Ist am Anfang etwas gewönungsbedürftig, aber da merkt man sehr gut, wo es hakt oder wo man einen längeren Satz besser teilen sollte.

Viele Grüße
Evil Angel
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Beitragvon zorro » 02.11.2008, 20:02

Ich habe Jahrzehnte übermäßig komplexer Satzgebilde hinter mir. Aus heutiger Sicht sehe ich das als eine meiner zahlreichen Jugendsünden an. In der Zwischenzeit bin ich zu den erklärten Anhängern (relativ) kurzer Sätze konvertiert. Es gelten die Prinzipien:

1.) Ein Satz = ein Gedanke. Wenn Du in einem Satz mehr als ein "und" findest, stimmt was nicht. Bei Ludwig Reiners ("Stilfibel", dtv) steht zu lesen, man solle Sätze über 20 Wörter vermeiden. Das finde ich zu restriktiv. Nach meiner Erfahrung lässt sich jeder Satz mit mehr als 27, 28 Wörtern bequem in zwei aufteilen.

2.) Zitkalasa sagt es sehr richtig: Lange Sätzen bremsen das Tempo, kurze erhöhen. Also ist es auch eine Frage, was dem Inhalt gerade angemessen ist.

3.) Das Schema kurz-lang-kurz-lang oder kurz-kurz-lang-lang etc. dient der Abwechslung. Daher sollten wir es nicht von vornherein abschmettern. Ein Text mit nur überlangen Sätzen wirkt wie eine Wurst, die nicht und nicht abgebissen werden kann. Abschreckendes Bsp.: Thomas Bernhard "Die Ursache". Da findet sich auf der ersten Seite des Haupttextes ein Satz, der über 34 Zeilen geht. Ich hätte 7 - 10 Sätze daraus gemacht. Aber ich bin ja auch nicht T. Berhard. Mir verzeiht man keine stilstischen Albernheiten. Bei Anderen sind derlei Marotten ein Markenzeichen, wie die Hakennase der Barbara Streisand.

Häufen sich hingegen (zu) kurze Sätze, spricht man von "asthmatischem" Stil. Auch nicht das Gelbe vom Ei.

Die Ursachen überlanger Sätze sind meist leicht ausgemacht:

a) Es sind in Wirklichkeit zwei oder mehr Sätze, die mit "und" miteinander verbunden sind.

b) Inhaltliche Einschübe (auch "Umklammerungen" genannt), typischerweise in Form eingeschobener Nebensätze. Daraus lässt sich meistens ein kurzer, eigenständiger Satz machen, der vor oder nach dem Hauptsatz steht.

Kurze Sätze waren Ernest Hemingway so wichtig, dass er sogar gesagt hat: „Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.“


Tschüss


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Beitragvon Evil Angel » 02.11.2008, 22:02

@Zorro:

Das Schema kurz-lang-kurz-lang oder kurz-kurz-lang-lang etc. dient der Abwechslung. Daher sollten wir es nicht von vornherein abschmettern.


So wars auch nicht gemeint. Ich wollte damit sagen, dass man sich nicht sklavisch an ein Schema halten soll, da ein Text sich nicht wie ein Strickmuster erstellen lässt.

Ich finde, ein Text ist wie ein fließendes Gewässer. Mal hat er mehr Tempo, dann sind die Sätze kürzer, mal geht es gemächlicher zu, dann sind sie eben länger. Hauptsache, der Text ist immer im Fluss und nimmt den Leser mit.
"Schema F" funktioniert meiner Meinung nach nicht, da jeder Autor anders schreibt und jeder Text anders ist. Deshalb halte ich persönlich auch nichts von Vorgaben, wie viele Worte ein Satz maximal enthalten darf.
Ich persönlich habe jedenfalls noch nie die Wörter in einem Satz gezählt und ich werde es auch sicher nicht tun, sondern auf mein Gefühl hören und/oder die Kritiken hier im Forum beherzigen.

Aber abgesehen davon habe ich in meiner Anfangszeit auch fürchterlich lange Bandwurmsätze produziert, warum auch immer. 8)

Viele Grüße
Evil Angel
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Beitragvon Stefan_S » 02.11.2008, 22:03

Hey nochmals danke!
Ich glaube jetzt bin ich richtig gut informiert, und in nächsterzeit werde cih sicher nicht mehr ,,zu lange Sätze" von meinem Lehrer zu hören bekommen ;)
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Re:

Beitragvon Sandra » 12.01.2014, 16:25

Zitkalasa hat geschrieben:Kurze Sätze bringen Tempo ins Lesen und somit in die Geschichte. Sie sind also besonders da angebracht, wo viel "Action" herrschen soll oder die Spannung steigt.

Lange Sätze hingegen verlangsamen das Lesen und eben wiederum auch die Geschichte. Angebracht sind sie also da, wo es gemächlich bis Normal- also Schritttempo zugehen soll.

Das Verhältnis zwischen beiden hängt also von dem Verhältnis deiner Tempi untereinander ab.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen. ;3

~ edit ~

Kurze Sätze können aber auch als stilistische Mittel herhalten; bspw. hier:

Da habe ich mich den letzten Monat über hingesetzt, bin über meinen eigenen Schatten gesprungen und habe mit Plotten angefangen. Plotten. Etwas, das ich mir zuvor für die nächsten größeren Projekte zukünftig vornahm nachdem ich beim NaNoWriMo’07 so jämmerlich versagte - die größeren Projekte ließen jedoch auf sich warten.


(Ist jetzt aus meinem Blog; war zu faul mir was auszudenken. x3)


Das ist jetzt mal ein wirklich guter Tipp! O_O
Das Problem habe ich nämlich auch!
Meine Sätze sind auch immer ellenlang das man Angst vor ihnen bekommen könnte. Das man in ´ruhigeren Situationen´ längere Sätze, aber dafür in spannungsgeladeneren Szenen kürzer treten sollte, ist ein wirklich interessanter Ansatz.
Eigentlich sollte ich mir das auf ein extra Blatt Papier schreiben und an den PC-Bildschirm heften :3
Vielen herzlichen Dank!
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Re: Probleme zum kurze Sätze - lange Sätze Verhältnis

Beitragvon Maggi1417 » 14.01.2014, 12:56

Das man in ´ruhigeren Situationen´ längere Sätze, aber dafür in spannungsgeladeneren Szenen kürzer treten sollte, ist ein wirklich interessanter Ansatz.

Das stimmt auf jeden Fall, aber auch in "ruhigen" Szenen dürfen die Sätze niemals so lang werden, dass sie den Lesefluss hemmen. Wenn der Satz so lang ist, dass man am Ende nicht mehr weiß, was am Anfang stand oder man den Satz drei mal lesen muss, um ihn zu verstehen, läuft was schief.
Kurz und prägnant schreiben ist eine Kunst. Da muss man viel üben. Etwas mit vielen Worten zu beschreiben ist immer einfacher, als etwas mit wenigen, aber dafür passenden Worten auszudrücken.
Leider gibt es einige Amateurautoren die ihre verschachtelten Bandwurmsätze für besonders literarisch wertvoll erachten und jede Kritik mit dem Hinweis abwehren, dass das nun mal ihr Stil sei.
Bitte nicht in diese Falle tappen.

Mir kommt da gerade so eine Idee: Für die Leute die besonders Schwierigkeiten damit haben, könnten wir ja in der Spielwiesenecke einen Thread aufmachen, wo jeder seine besonders verschachtelten Textstellen posten kann und die anderen User dann dabei helfen, dass ganze zu entwirren. Wie wäre es?
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Re: Probleme zum kurze Sätze - lange Sätze Verhältnis

Beitragvon VickieLinn » 14.01.2014, 13:29

Maggi1417 hat geschrieben:Mir kommt da gerade so eine Idee: Für die Leute die besonders Schwierigkeiten damit haben, könnten wir ja in der Spielwiesenecke einen Thread aufmachen, wo jeder seine besonders verschachtelten Textstellen posten kann und die anderen User dann dabei helfen, dass ganze zu entwirren. Wie wäre es?

Das klingt interessant!

Ich finde es auch schön, wenn man begründet, wieso man an der Stelle den Satz vereinfacht (grammatikalisch, stilistisch, inhaltlich). Eine adäquate Benutzung von langen Sätzen kann nämlich auch ganz gut sein :D
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