Programme für Schriftsteller

Tipps, Ratschläge und Hilfen zum Schreiben. Wie machst du das? Hilfe bei Blockaden, Hemmungen und Anfangsschwierigkeiten

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Julestrel » 05.05.2014, 08:22

ich habe mich durch alle 27 Seiten hier durchgelesen und... bin ein bisschen erschlagen von all den Schreibprogrammen.

Viele der Programme dürften auch Testversionen anbieten, so dass du auch in Ruhe selber ausprobieren kannst, was dir liegt. Wie du sicher in dieser Diskussion schon mitbekommen hast, zieht jeder ein anderes Programm vor.

Kann mir jemand einen Tipp geben, welches Programm sich am besten zum Überarbeiten eignet?

Die Frage ist halt, was du zum Überarbeiten brauchst. Im Prinzip reicht dafür jedes beliebige Schreibprogramm. Außerdem kommt es auch immer darauf an, wie dein Vorgehen ist, da doch jeder Autor da anders rangeht.

Scrivener bietet z.B. mehrere Funktionen zum Überarbeiten: Du kannst erstens eine Art Snapshot anlegen, auf die du jederzeit zurückkehren kannst, wenn die neue Version dir nicht mehr gefällt. Zweitens kann man die Überarbeitungen in einer anderen Farbe markieren (finde ich ganz brauchbar, dass ich nicht dauernd an den gleichen Stellen rumbastel :)). Oder du kannst dir Notizen direkt im Text machen, die später unsichtbar sind.

Aber egal welches Programm du nun nimmst, einarbeiten wirst du dich in alle müssen, damit du die Funktionen überhaupt findest und nutzen kannst :)


Julestrel
Benutzeravatar
Julestrel
 
Beiträge: 3288
Registriert: 02.06.2010, 14:11

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Akirai » 05.05.2014, 09:47

Hallo Kleiner Gorilla!

Erst mal Glückwunsch zu deiner Erstfassung! *Blumen überreich*
Du wirst merken, bis jetzt war es ein Kinderspiel, denn die Arbeit geht jetzt erst richtig los :D.

Zum Thema Überarbeiten gibt es, meiner Meinung nach, einen ganz heißen Tipp, um den eigentlich niemand vorbeikommt: Ausdrucken und in Papierform durchlesen.
Klingt banal?
Ist es aber dummerweise nicht. Ich habe das erst die letzten Wochen mit einer (zugegeben wissenschaftlichen, dürfte aber auf dasselbe rauskommen) Arbeit ausprobiert und muss sagen: Am Computer habe ich mich weder streichen noch umstellen noch verbessern getraut, es hat dann "schon alles gepasst". Erst auf dem Papier (und mit laut vorlesen!) sind mir dann die richtigen Hänger aufgefallen, die unlogischen Sätze und Verschreiber a la "Farmen", wo dummerweise Formen hätte stehen müssen.
Deswegen:
Statt eines Schreibprogrammes würde ich mir
a) einen guten Drucker, wahlweise auch einen Copyshop in der Nähe
b) und eine Runde Betaleser suchen. Nicht deine besten Freunde. Oder wenn doch, dann die, die sich trauen, dir ihre Meinung unverblümt ins Gesichts zu sagen.
Denn manchmal muss man einfach hören "Äh, deine eine Szene da gerade... das wirkt lächerlich." "Bitte wie? Das ist eine total emotionale Sterbeszene!!" "Die lächerlich wirkt." "!!!... Erklär mir wieso :? " "Gerne :ugeek: "
Klar, im ersten Moment schockierend, aber besser der Freund sagt es dir, als ein Mensch aus einem Verlag :D

LG
Aki
Don't only practice your art, but force your way into its secrets.
For it and knowledge can raise men to the divine - Beethoven
Akirai
NaNoWriMo 2015
NaNoWriMo 2015
 
Beiträge: 673
Registriert: 09.09.2013, 14:18

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Kleiner Gorilla » 06.05.2014, 18:37

@ Julestrel: Mir ist natürlich klar, dass jeder ein anderes Programm bevorzugt. Ich hatte nur auf den einen oder anderen Tipp gehofft, welches Programm welche Funktionen hat, um meine Wahl ein wenig einzugrenzen.
Ich werde jetzt wohl erst einmal Srivener testen, also danke für die Antwort! :flowers:

@Akirai: Danke für die Blumen... Ausdrucken und in Papierform durchlesen werde ich auf jeden Fall auch noch in Angriff nehmen. Aber wie gesagt, die Erstfassung ist noch ziemlich rudimentär, und ich muss noch einige größere Veränderungen vornehmen, die ich am Computer machen möchte.
Blumen zurück für die Antwort; danke! Ebenfalls: :flowers:

Liebe Grüße,
Kleiner Gorilla
Writing is both mask and unveiling.
E.B. White

"Wenn die Kiste zu ist, ist die Kartoffel dann tot oder lebendig?"

Tod, bitte bring ihn dorthin, wo er hingehen muss. Sir Terry...
Kleiner Gorilla
 
Beiträge: 77
Registriert: 30.10.2009, 19:56

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Mindelu » 20.05.2014, 15:43

Ich habe auch einige Programme ausprobiert und war immer von den ganzen Spielereien wie erschlagen.

Klar jedes Feather hat seine Daseinsberechtigung, aber bei dem ganzen rumgespiele bin ich nicht mehr zum Schreiben gekommen. Und ich empfand das Schreiben auch als umständlicher.

Im Moment schreibe ich noch mit Word und bin bis jetzt ganz zufrieden. Reicht vollkommen aus. Für Plot, und Charaker habe ich eine Excelübersicht.

Beim Überarbeiten dann, werde ich wohl auf den Papyrus Autor zurück greifen, da er tolle Analysen bietet und den Duden Korrektor auch noch gleich mit drin ist.

Es sei denn, einer kennt ein Programm, was kostenlos ist und an Papyrus Autor ran kommt. :D
Benutzeravatar
Mindelu
NaNoWriMo 2015
NaNoWriMo 2015
 
Beiträge: 260
Registriert: 12.09.2013, 11:42

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon HFillyen » 20.05.2014, 17:00

Ich persönlich schreibe in Open Office, das zumindest grobe Rechtschreibfehler gut erkennt. Nach dem Schreiben und Probelesen/Verbessern folgt ein Durchgang mit dem Duden Korrektor (kostenlos, online) um letzte Unstimmigkeiten zu finden. Sollte man dann noch etwas ausbessern, wird der verbesserte Teil stets noch einmal durch den Duden Korrektor geprüft. Dann sollte eigentlich alles zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zusammenkommen.

MfG
HFillyen
 
Beiträge: 389
Registriert: 09.04.2014, 17:38

Wer kennt gute Rechtschreibprogramme

Beitragvon Domosol » 21.05.2014, 13:37

Guten Tag,
habe alle Beiträge gelesen und mir einige Vorschläge angesehen.
Nun habe ich doch noch eine Frage;
Hat bereits jemand Erfahrungen mit http://www.papyrus.de?
Da es ja doch etwas mehr kostet, würde ich gerne, vor einem Kauf, Erfahrungsberichte lesen.
Danke!
Grüße
Domosol
Zuletzt geändert von Julestrel am 22.05.2014, 07:58, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Frage an existierende Diskussion angehängt.
Domosol
 
Beiträge: 1
Registriert: 21.05.2014, 13:27

Re: Wer kennt gute Rechtschreibprogramme

Beitragvon pink_paulchen » 21.05.2014, 17:28

Ich bin riesiger Papyrusfan. Der Dudenkorrektor ist schon drin und arbeitet einwandfrei. Zusätzlich ist eine Stilanalyse mit an Bord, die Wortwiederholungen, Adjektivitis und Bandwurmsätze, wie auch allerlei anderes aufspürt.
Struktur gibt die für lange Texte grandiose Datenbank mit Figuren und Gegenständen oder Orten. Mal eben im 600 Seiten Wälzer eine Haarfarbe ändern? Kein Problem.
Mit einem klick wird hinterher Normseite, PDF oder Word draus.
Die neue Version hat was fürs Plotten, eine Timeline. Die kenn ich aber nicht.
Benutzeravatar
pink_paulchen
 
Beiträge: 203
Registriert: 02.04.2012, 11:02

Re: Wer kennt gute Rechtschreibprogramme

Beitragvon Tops » 22.05.2014, 03:19

Domosol hat geschrieben:Guten Tag,
Hat bereits jemand Erfahrungen mit http://www.papyrus.de?
Da es ja doch etwas mehr kostet, würde ich gerne, vor einem Kauf, Erfahrungsberichte lesen.


Hallo!

Im DSFO-Forum gibt es einen Thread zu Version 7: http://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?t=46384

Du kannst Dir auch die Demo-Version herunterladen. Die Rechtschreibkorrektur funktioniert nur mit einer einzelnen Seite und ist 30 Tage lang nutzbar, ansonsten gibt es keine weiteren Einschränkungen, soweit ich weiß.

lg,
Tops
Tops
 
Beiträge: 78
Registriert: 21.01.2013, 09:52
Wohnort: Wien

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Alluidh » 15.06.2014, 14:54

Nun stehe ich auch vor der Frage aller Fragen ... Wohin wandert das liebe Geld?

Zurzeit sehe ich mir Scrivener, Patchwork und Papyrus Autor in den jeweiligen aktuellen Demo-Versionen an, da ich meine aktuelle Kombination aus Worddokumenten, Excelübersichten, Editornotizen und Post-its gerne etwas professioneller ablösen möchte. Zum besseren Verständnis sei gesagt, dass aus meinem Gedankenspiel 2012 für eine Kurzgeschichte nun eine Welt mit (bisher) 4 Exposés für in sich abgeschlossenen Plots geworden ist, dessen erster Band sich gerade in der Plot-Phase befindet. Die (wichtigen) geschichtlichen Hintergründe meiner Welt umfassen derzeit rund 500 Jahre, die 4 Geschichten spielen in einem Zeitraum von ca. 5 Jahren wobei der erste Band einen zeitlichen Ablauf von 17 Tagen umfasst. Eventuell lässt sich mit diesen Informationen ein kleiner Eindruck dessen erzeugen, wie es momentan aussieht. Da gibt es reine Ordnerstrukturen für Personen von 1. bis 4.Ordnung (Hauptpersonen bis wichtige Statisten), definierte Orte und Schauplätze, Familienhistorien und, und, und.

Da mir die Übersicht eines Zeitstrahls extrem gut gefällt, ist Scrivener wohl schon einmal raus. Bei Patchwork und Papyrus Autor schwanke ich allerdings noch, da (zumindest für mich) die Demo von Papyrus Autor recht beschnitten ist und mir daher meine Entscheidung recht schwer fällt. Somit wäre es extrem nett, wenn mir jemand von euch, der mit einem oder mit beiden dieser Programme Erfahrungen gesammelt hat, mich an diesen teilhaben lässt, denn langsam verliere ich echt Zeit ständig nach Zetteln, Ausdrucken oder was auch immer zu suchen. Und der Arbeitsplatz sieht aus .... :D

Danke schon einmal an dieser Stelle.
You Never Forget Your First Doctor (but Matt Smith was one of the best)
Alluidh
 
Beiträge: 92
Registriert: 03.07.2012, 18:50
Wohnort: NRW
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Hochkomma3 » 21.06.2014, 19:28

Tatsächlich kann ich den Hype um Papyrus Autor nicht nachvollziehen.
Was nutzt mir eine Feature wie Zeitstrahl, wenn ich banalste Dinge in der Hilfe nicht finde und endlos Zeit damit vergeige, das Programm kennenlernen zu müssen.
Da kann ich auch weiterhin Word benutzen, das habe ich bereits auf dem Rechner.

Ich habe das Programm seit einem halben Jahr und weiß bis heute nicht, wie ein Inhaltsverzeichnis erstellt werden kann. Der Support konnte mir bisher nicht erklären, er hat es versucht, wie eine Sprungmarke erstellt wird. ich habe es selbst herausgedröselt.

Was also nutzt mir so ein hochgerüstetes Programm, wenn einfachste Sachen nicht intuitiv zu erledigen sind, simpelste Icons, wie etwa der Zurückbutton hervorgekramt und in die Steuerleiste gelegt werden müssen. Texte in gleich der Dropbox speichern? Klar, frage nur : wie? Ich weiß es bis heute nicht.

Die Hersteller sind sehr darauf bedacht, keine Kratzer an das Hochglanzdesign kommen zu lassen. Im Forum wird entsprechend gemaßregelt. Der überwiegende Ein-Mann-Support akademisch und auf seine mehreren Studiengänge stolz. Entsprechend die Kommentare. Kenne ich so nur von Franz Joseph Strauß, der: Haben Sie Abitur, sonst rede ich gar nicht mit Ihnen.

Aber: vielleicht bin ich ja, selbst Entwickler einer Branchensoftware, einfach zu blöd für dieses Programm.
Hochkomma3
 
Beiträge: 7
Registriert: 21.06.2014, 18:09

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon inmutanka » 21.06.2014, 21:51

Hallo Alluidh,

ich habe alle 3 Programme. Am liebsten arbeite ich mit Patchwork. Das ist für mich einfach, klar und intuitiv. Überarbeite allerdings die Texte dann in Papyrus. Da ist das Programm einfach Spitze und Patchwork kommt meiner Meinung nach (noch) nicht heran. Allerdings ist es auch so, wie Hochkomma3 sagt: Papyrus ist (für mich!) extrem kompliziert und mir fehlt einfach die Geduld und Fachkenntnis um alle Raffinessen und Möglichkeiten auszuschöpfen.

Allerdings muss ich sagen, dass der Entwickler Ulli (nach meinen Erfahrungen) sehr geduldig und hilfsbereit ist (übrigens Martin von Patchwork auch!), aber irgendwann scheute ich mich auch, ständig nachzufragen.

Scrivener habe ich versucht. Aber damit komme ich nicht klar. Liegt auch daran, dass vieles/alles auf Englisch ist. Ich habe mir auch ein Buch für Scrivener zugelegt, glücklich, dass endlich etwas auf Deutsch zu dem Programm erschienen ist. War leider ein Griff in das berühmte Objekt. Der Autor hat für Mac geschrieben, allerdings im Vorwort gemeint, dass es auch für Windows geeignet wäre, da alles identisch. Nachdem ich stundenlang verschiedene Funktionen in Windows gesucht habe, die er für Mac beschrieben hatte, gab ich auf. Vllt. bin auch auch nur zu ungeduldig.

LG
Inmutanka
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
Benutzeravatar
inmutanka
 
Beiträge: 917
Registriert: 28.12.2012, 07:02
Wohnort: Rhld-Pfalz

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Alluidh » 25.06.2014, 22:07

Hallo Hochkomma3 und Inmutanka

Danke euch beiden für eure Erfahrungen. Mit Scrivener bin ich recht gut zurechtgekommen, allerdings fehlen mir einfach zu viele Funktionen, die ich gerne einsetzen möchte. Da ich, in meiner Freizeit, sowohl Software aus dem Englischen ins Deutsche übersetze als auch Dokumentationen und/oder Schulungen erstelle, hoffe ich, dass die Einarbeitungszeit überschaubar bleibt.

Gibt es denn jemanden im Forum, der eine ähnliche Aufgabenstellung wie die meine mit Patchwork oder Papyrus Autor umgesetzt hat? ;)
You Never Forget Your First Doctor (but Matt Smith was one of the best)
Alluidh
 
Beiträge: 92
Registriert: 03.07.2012, 18:50
Wohnort: NRW
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Zytra » 11.07.2014, 15:37

Hallo Alluidh,

ich arbeite ausschließlich mit Papyrus und habe alle anderen Programme in die Tonne geschmissen. Bis ich mich überwinden konnte, so viel Geld auszugeben, habe ich selbst eine Prozess durchgemacht und viel ausprobiert. Allerdings sind meine Programmvergleiche inzwischen veraltet, da ich Papyrus inzwischen längere Zeit benutze. Deshalb taugen eventuelle Vergleiche nicht mehr und ich kann nur über Papyrus sprechen.

1.
Wie ich an anderer Stelle sagte (viewtopic.php?f=17&t=27679&view=unread#unread) ist es schlicht naiv zu glauben, man könne sich eine Profi-Software kaufen und dann drauf loslegen und alles intuitiv hinbekommen. Wer SO an etwas rangeht, das wirklich extrem viele Einstellungsmöglichkeiten und Potential besitzt, der muss sich nicht wundern, dass er damit nicht klarkommt. Das ist nämlich, als würde man sich ein Malprogramm kaufen und dann fragen: Wieso kann ich jetzt damit nicht so malen, wie ich es bisher mit Stift und Pinsel gekonnt habe?
Also wenn man nicht vorhat, sich mindestens 3-4 Stunden auf den Hosenboden zu setzen und Schritt für Schritt die Einführungsdatei durchzuarbeiten (möglichst erstmal an einem Fake-Projekt, das man bedenkenlos wieder löschen kann), der sollte es am besten gleich sein lassen.

2.
Obwohl ich Papyrus liebe, kann ich doch nicht behaupten, dass es frei von jeder Kritik wäre. Der Zeitstrahl z.B. ist überhaupt nicht mein Ding.
Zunächst einmal: Er orientiert sich komplett am Text. Das heißt: Kapitel, Ereignisse etc. werden dort so angeordnet, wie sie im Text erfolgen bzw. sie müssen mit dem Text verknüpft sein. Dazu gibt es natürlich noch die Einteilung in Handlungsstränge und man kann die Kapitel zuordnen. Verschieben kann man alles nachträglich auch. Auch ist es möglich, größere Zeitsprünge zu "raffen", damit die Zeitleiste nicht 500 Jahre lang ereignislos ist und du ewig scrollen musst.
Am besten, du schaust dir das 5-Minütige Video an

http://www.papyrus.de/tutorials/Zeitstrahl.mp4

Was mir nicht gefällt ist diese Striktheit. Die Macher von Papyrus sehen es als Vorteil an, weil dem Autor dadurch kein Ereignis durch die Lappen geht. Es schleichen sich weniger Fehler ein. Aber zum Plotten oder nur für den Hintergrund kann man nicht einfach mal ein Ereignis einschieben. Man muss es dann als "Geistertext" tun.

Die Geistertext-Funktionalität an sich ist genial! Das beste überhaupt (nach der Stilanalyse). Man kann nämlich mehrere Versionen eines Kapitels/eines Satzes/einer Szene schreiben und diese dann komplett ausblenden, indem man sie als Geistertext markiert. Sie sind damit nicht verloren, werden aber auch nicht bei den Seitenzahlen mitgezählt, nicht in der Statistik etc.
Genau so muss man auch Ereignisse für die Zeitleiste schreiben und dann als Geistertext markieren. Nur so würdest du deine 500 Jahre Hintergrundgeschichte unterbringen können. Aber ich finde das extrem unhandlich. Zudem gibt es nur den gregorianischen Kalender. Fantasy-Kalender oder andere irdische sind (noch) nicht einstellbar. Das wurde allerdings bereits in den Änderungswünschen geäußert und von den Papyrusmachern in Betracht für den nächsten großen Patch gezogen. Mal sehen ...

3. Die Stilanalyse ist einzigartig und sehr, sehr hilfreich, solange man sich hinter die Ohren schreibt, dass das keine Korrektur, sondern wirklich nur eine Analyse ist. Kennst du den 10-Punkte-Text-ÜV von Andreas Eschbach?

http://www.andreaseschbach.de/schreiben ... unkte.html

Darauf basiert das ganze und man MUSS begreifen, dass diese Analyse NUR eine Anzeigehilfe ist. Das heißt: Sie zeigt einem schwache Verben, Adjektive, Füllwörter etc. nur an. Das bedeutet nicht, dass man sie deshalb alle streichen muss/soll. Die Analyse soll nur dabei helfen, diese Wörter überhaupt zu sehen, damit man sie überdenken kann.
Und ganz wichtig ist (wie auch Andreas Eschbach sagt): Niemals alle Punkte gleichzeitig einschalten. Dann wird man erschlagen von Farben, Durchstreichungen etc. Man verliert den Überblick. Immer einzeln abarbeiten und dann den nächsten Punkt nehmen und den Text noch einmal durchgehen.

Richtig gut gefällt mir in diesem Zusammenhang auch die Lesbarkeitsanalyse, obwohl ich noch nicht ganz verstanden habe, auf welchem Konzept sie beruht. Sie zeigt an, wie schwer oder leicht ein Absatz zu lesen ist. Auch das ist wieder nur eine Faustregel-Anwendung, aber dass sie meistens richtig liegt, habe ich schon durch Probeleser erfahren dürfen.

4. Figurendatenbank
Wie das Wort sagt: Es ist eine Datenbank. Es gibt zwar ein vorgefertigtes Formular für die Daten über den Charakter, aber man kann sich auch die Datenbank selbst basteln.

Was NICHT geht, ist eine Weiterverlinkung zu einer anderen Datenbank (z.B. wenn einem die Maske zu groß wird und man eine Untermaske für Details erschaffen will).

Was aber geht, ist eine Verlinkung auf andere Textdateien (sofern man sich das in der Datenbank einrichtet). Dort kann man dann z.B. Interviews mit dem Charakter hinterlegen. Auch Bilder kann man verknüpfen etc. Aber all das muss man sich selbst einrichten und einrichten lernen (siehe Handbuch). Es gibt allerdings auch User, die z.B. ihre Datenbank-Maske im Forum veröffentlichen. Dort habe ich eine gefunden, die mir sehr gut gefallen hat und so musste ich mich mit den Datenbanken nicht vertiefter beschäftigen.

Was ebenfalls möglich ist, ist die Verknüpfung einer Datenbank mit mehreren Buchprojekten (so kann man dieselben Charaktere leichter wiederverwenden).


5. Was für deine große Zettelei noch von Nutzen sein könnte, ist die Recherche-Funktion. Sie ist grafisch nicht sehr attraktiv gehalten, aber dafür sehr praktisch. Zum einen kann man sich für Mozilla Firefox ein kleines Addon herunterladen. Man hat dann in seiner Firefox-Leiste einen Button, den man - wenn man gerade auf einer interessanten Webseite ist - einfach drückt. Die Inhalte der Seite bzw. deren adresse werden dann dem Projekt zugeordnet (dafür muss Papyrus aber geöffnet sein). Man kann aber auch manuell Daten erfassen und z.B. Links auf schon angelegte Textdateien (und Bild-Dateien) mit Recherche-Infos setzen. Das habe ich z.B. gemacht, weil ich noch so viel aus der Zeit vor Papyrus abgespeichert hatte und keine Lust aufkam, alles neu einzugeben.

Ich weiß nicht, ob das jetzt all deine Fragen beantworten kann und ob dir das bei der Entscheidung hilft.

Wichtig ist halt wirklich nur eins: Wer viele Funktionen von einem Programm erwartet, der muss auch lernen, damit umzugehen. Wer die Zeit nicht investieren will, sollte die Finger davon lassen.

LG
Zytra

P.S. Eins noch zum Forum: Was Hochkomma3 schreibt, ich teilweise richtig. Es wird überwiegend von einer Person geleitet, die auch recht rigoros Postings löscht - allerdings NIE ohne Begründung per PN (jedenfalls nicht bei mir) und MEISTENS sehe ich das auch ein. Manchmal geht es wirklich um Hochglanz-Eindruck. Ich denke, das ist aber auch klar, da es sich um eine kleine Software-Schmiede handelt, die gegen große Konkurrenz gegenhalten muss. Oftmals aber ist es auch so, dass Fragen gar nicht im Forum beantwortet werden können. Dann heißt es nur: Schick uns deine Datei mit dem möglichen Bug und wir checken das.

Ich finde aber weder, dass der Mod besonders akademisch agiert (außer in dem Recherche-Thread, der so ähnlich, wie der in der Schreibwerkstatt ist, und Fachleute sich bekunden und Fragen beantworten können). Ich finde auch nicht, dass er mit seinen Studiengängen protzt, aber falls doch, dann ist mir das schlicht egal. Ich habe da keine Komplexe, weil ich selbst meine Studiengänge abgeschlossen habe.

Zu helfen, versuchen die User und der Mod eigentlich immer. Manchmal ist der Mod sogar Sonntag Nacht anwesend und antwortet. Voraussetzung (für die User) ist aber ein höflicher Tonfall (den leider nicht alle Frager beherrschen), auch mal einen Tag Geduld sowie eine Frage, bei der einem nicht ins Auge springt, dass ein simples Durcharbeiten durch die Einführung genügt hätte. (z.B. nach dem Erstellen des Inhaltsverzeichnisses). .. (wobei selbst da sich manchmal noch nette User finden, vor allem, wenn man wirklich nett fragt).

LG
Zytra
Warnung vor der Fliege! Sie ist grausam und killt euren Monitor, wenn ihr sie erschlagen wollt!
Benutzeravatar
Zytra
 
Beiträge: 405
Registriert: 23.04.2008, 19:00

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon Alluidh » 02.08.2014, 00:45

Hallo Zytra

Danke für die mehr als ausführliche Antwort und sie hat mich in dem Bestreben bestärkt etwas zu sparen und direkt in Richtung Papyrus zu gehen.

Programme sind Handwerksmittel und jedes Handwerksmittel erfordert Einarbeitung und Training, anders geht es nicht.
You Never Forget Your First Doctor (but Matt Smith was one of the best)
Alluidh
 
Beiträge: 92
Registriert: 03.07.2012, 18:50
Wohnort: NRW
Blog: Blog ansehen (3)

Re: Programme für Schriftsteller

Beitragvon TheVort3x » 17.09.2014, 13:40

Ich hab gestern noch welche gefunden, weiß jetzt aber nicht ob diese schon genannt werden:

StoryBox 2
StoryBook (Funktion installation bei mir nicht)

Edit: Probiere das gerade aus: ZenWriter - http://www.beenokle.com/zenwriter.html
TheVort3x
 
Beiträge: 45
Registriert: 16.09.2014, 23:40

VorherigeNächste

Zurück zu Kreatives Schreiben

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste