[Humor]R. I. P. Berta

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]R. I. P. Berta

Beitragvon DrJones » 14.01.2015, 22:17

Hallo, hier ist nun die Überarbeitung des "zweiten Teils" meiner Geschichte "Efie und Berta".

Könntet Ihr mir bitte Rückmeldungen geben, ob die Zeitform bei Elkes Gedanken
befremdlich, richtig oder sonstwie war? Vielen Dank!

Diese Geschichte ist inhaltlich mit dieser verknüpft:

http://www.schreibwerkstatt.de/post510491.html#p510491

Und nun … (hoffentlich) Viel Spaß.

R. I. P.
Berta


Elke stand im Bad. Aus dem Flur drang das Ticken der Standuhr. Elke nahm die Bürste, die voll von grauen Haaren war, und warf sie in den bereitstehenden, blauen Müllsack. Auf dem Waschbecken lag ein Stück Zahnseide. Klebte etwas Dunkelgrünes dran. Ausgequetschte Tube Puckitax-Zahncreme von DoraMed. Eine Zahnbürste. Sehr weiche Borsten … In den Sack damit! Tasse mit einem Beutel Salbeitee. In den Sack! Weg! Elke öffnete den Badezimmerschrank. Haft- und Hautcremes, Döschen, Pasten, Lidschatten. Alles in den Sack. Auf dem Badewannenrand stand ein rosa Duschgel: Cold Cream … rückfettend. Rote und hellblaue Badeperlen in einem Glas. Der Sack füllte sich weiter.

Elke öffnete vorsichtig den Kühlschrank. Sie drehte sich zur Seite und hustete, hielt die Luft an, öffnete schnell das Fenster. Der kaputte Kühlschrank [‚Kaputt…‘, dachte Elke. ‚Das merken die nicht. Ist dann ja sowieso abgestellt.‘] musste unbedingt gereinigt werden, bevor die Hausverwaltung die Abnahme der Wohnung machte. Noch eine Woche … viel zu tun. Sie holte ein lappiges, zimmerwarmes Päckchen Butter heraus und schmiss es in den Müllsack. Eine überpralle Tüte Orangensaft. Weg damit. Ein in Butterbrotpapier eingewickeltes … Oh Gott, wie das stinkt! Elke schnappte hinter ihrer Schulter nach Luft und nahm dann das Päckchen heraus. Das also! Das Preisschild klebte noch dran: 753gr Hack, Halb & Halb. Für den Hackbraten, den Tante Berta immer gemacht hatte … mit Pilz-Sahnesauce. Im Päckchen bewegte sich etwas. In den Sack! Weg! Weg! Weg! Ach, die Pfifferlinge! Im weißen Plastikkörbchen. Grün überwuchert. Elke lächelte traurig. Wie oft hatte sie Tante Berta gesagt, dass man Pilze eigentlich anders aufbewahrt! Egal. Sie schmiss das Körbchen in den Sack.

Elke trug den Sack in den Korridor und stellte ihn neben die Wohnungstür. Sie betrachtete im Spiegel über der weißen Kommode ihr müdes Gesicht. Der Spiegelrahmen hing schon wieder auf „Halb Acht“. So wie ihr Gesicht. Bastelkleber war wohl doch keine so gute Idee … Wenigstens die Kleiderstange hielt immer noch. Sie zog die oberste Schublade der Kommode auf. Handschuhe, Schals und Seidentücher, flache Hüte. Wie Tante Berta ihr immer ihre neuesten Hüte gezeigt hatte. Hatte sich immer vorm Spiegel gedreht und dabei versucht, den Stolz aus ihrem Lächeln zu drücken. ‚Sieh mal, Elke! Juut wa?‘ Am Boden der Schublade, unter den Sachen verborgen, lag ein großer, weißer Umschlag. Elke zog einen steifen Plastikbogen heraus. Röntgenpraxis Dr. Ehrmann. Sie legte den Bogen auf die Kommode. Auf der Lunge helle, wolkige Flecken. Mit rotem Stift umrandet. Die dunkle Standuhr tickte. Elke stopfte alles in den Sack. War schon fast voll. Sie dachte an die fünf Treppen runter zur Tonne. Innenhof. Ausgebrannte Silversterknaller.
Sie ging ins Wohnzimmer. Dort stand noch alles genauso da. Auf dem Glastisch die geöffnete Packung Ernte 23. Gefüllter Ascher. Elke zündete sich eine an und blies den Rauch nach oben. ‚Dit wirkt imma so schnippisch!‘, wie Tante Berta jetzt gesagt hätte. Elke sah auf die drei runtergebrannten, blauen Kerzen auf dem vertrockneten Adventskranz. Fahrt mit dem Taxi. Tante Berta hustet und hustet. Hustet sich die halbe Lunge raus. ‚Zigarettchen‘. Meckernder Taxifahrer. Krankenhaus Waldfriede. Warteraum auf der Inneren. Tränen, Hoffnung geben. ‚Zigarettchen‘. Abschied. ‚Ist ja nicht für immer! Ich bin doch morgen wieder da.‘ Tja…
Elke schluckte und setzte sich aufs geblümte Sofa. Sie dachte jetzt an Efie und fühlte, wie sich ihre Kiefer zusammenpressten. Tante Berta hatte immer nur Efie den Schlüssel gegeben. Elkes Zähne knirschten. Warum war sie ihr gegenüber immer so misstrauisch gewesen? Na ja … Elke ließ ihren Blick durchs Zimmer streifen und schüttelte den Kopf. Efie hatte wohl besseres zu tun gehabt, als mal nach der Wohnung zu sehen! Gut, jetzt ist sie krank. Ja, ja … Einer muss sich ja um die Wohnung kümmern. Michael hockt zu Hause wahrscheinlich gerade wieder vor der Playstation. Chipskrümel auf der Fettplauze. War noch nie eine Hilfe für sie gewesen. Verkackter Faulpelz! Elke hoffte darauf, dass Evmarie ihr Versprechen halten und ihr morgen etwas helfen würde. Evmarie ist so ganz anders als ihre Mutter. Efie … dieses alte Miststück!
Auf den Programmzeitschriften lag Tante Bertas Lieblingskassette: Roland Kaiser. Haut an Haut. Ariola Express. Ihre Kaffeekränzchen-Musik. Jetzt wirkte alles so banal.
Elke stand auf und nahm ein Buch aus dem hellbraunen Palisanderschrank. ‚Wir sind nur Menschen‘. Konsalik. Gedankenverloren blätterte sie durch die vergilbten Seiten. Etwas fiel auf den dunkelbraunen Teppich. Elke hob es auf. Ein 500 Markschein! Aufgeregt blätterte sie weiter. Nichts. Sie nahm sich das nächste Buch. Ging Seite für Seite durch. ‚Die Berta hat viel, seehr viel Geld bei sich versteckt!‘ hatte Efie mal gesagt. Dieses dämliche Quackelmaul! Quatscht immer viel, wenn der Tag lang ist! Noch etwa zehn Bücher … Na toll! Nun würde sie bestimmt eine weitere halbe Stunde verplempern. Immerhin 500. Wieviel das wohl in Euro sind?
Elke blätterte weiter. Schließlich das letzte Buch. Wieder nichts. Wo könnte Tantchen noch Geld versteckt haben? Wo? Elke schaute in Töpfe, Kästchen, Schubladen. Und wenn es sich Efie schon gekrallt hat? Sie suchte weiter. Rauchklappe hinterm Herd, unter der Matratze. Entfernte die Revisionsfliese an der Badewanne und tastete ins dunkle Loch. Nichts. Nur Staub und Dreck. Sie ging wieder ins Wohnzimmer, stellte sich vor die Glasvitrine des Palisanderschrankes und legte den Kopf schräg. Vielleicht ja in Tantchens chinesischer Vase? Blaue, kämpfende Drachen, frühes Woolworth. Elke öffnete die Glastür und streckte gerade die Hände nach der Vase aus, als sie deutlich hörte: „Aber Elke, wat machsde denn da? Ick wees nich … Bist irjendwie komisch heute!“
Elke trat zwei Schritte zurück. Was war das? Die Tante?! Ja … Kommt die Stimme etwa aus der Vase? Vielleicht die Anspannung … Zu viel Arbeit. Diese alte, verlassene Wohnung. Womöglich war das ja auch aus der Nachbarwohnung gekommen! ‚Dünne Wände!‘, wie Tante Berta immer gesagt hatte und-

„Sehr jesprächig bistde heute ja nich jrade! Na jut! Ick mach mal‘n Roland rein!“

Elke zitterte und stieß hart gegen die Tischkante. Ist das hier ein übler Scherz, den einer mit mir spielt? Aber-

„Wat haste denn? Wat glotzt‘n so?“

Die Stimme kam tatsächlich aus der Vase!

„T-Tante?“, sagte Elke. „Aber wie…“


Keine Antwort. Langsam ging sie auf den Schrank zu. So ein Unsinn! Das kann nicht sein! Sie berührte vorsichtig das Porzellan. Die Vase war ganz schön schwer…

„Hör mal uff jetz! [Die Vase vibrierte.] Dit wackelt so!“

Vor Schreck ließ Elke sie fallen. Eine graue Wolke staubte heraus, der Deckel kullerte zur Seite. Sie hustete. Auf dem Teppich vor der Vase lagen dicke Staubflocken, Krümel, Papierschnipsel. Tantchens Müllvase … Aha.

„Heb die mal wieder uff! War teua!“ [‚Teuer?‘, dachte Elke. 20 Mark, soweit sie sich erinnerte.]

Sie griff sich die Vase, packte schnell den Deckel drauf und schmiss sie in den blauen Müllsack. Wieder die Stimme der Tante:
„Watt is denn dit hia? Meene schöne, rote Hose willsde wegschmeißen? Die is doch noch juut!“

Elke hielt sich schwankend an der Wand fest.

„Nee jetze, oder? Die Butta? Die is aber noch nich abgeloofen!“

Elke riss die Augen auf. Schweiß auf ihrer Stirn. Heiß, kalt.

„Dit schööne Hack! Ne Schande is dit!“
Und dann:
„Ach herrje! Vielleicht sollt ick mal etwas wenijer roochen! Bevor et zu spät is!“

In Panik griff sich Elke den Sack, riss die Wohnungstür auf und rannte das Treppenhaus runter [„Na, du hast et ja heute eilich!“]. Innenhof. Ausgebrannte, bunte Raketen.

Elke riss den Deckel der grauen Tonne auf und warf den Sack rein. Der Deckel knallte zu.

„Elke, nich so laut! Mensch!, is dit dunkel hia! Mach mal Licht! Elke, mach mal Licht! Elke! Elke! Elke! Mach Licht!

Sie riss den Deckel auf, griff sich die Vase und warf sie auf den Knochensteinboden. Es schepperte. Stechender Schmerz. Elke schrie. Irgendwas bohrte sich ihr ins Auge. Rote Schlieren … Verschwommene Splitter am Boden.
Sie taumelte über den Hof, tastete sich zur Tür vor.

„Efie kümmert sich imma bessa um allet!“, hörte sie noch hinter sich. „Du – du undankbare Göre! — Verschwinde!


Version 1: (Zum Lesen bitte scrollen)
R. I. P.
Berta


Elke stand im Bad. Aus dem Flur drang das Ticken der Standuhr. Elke nahm die Bürste, die voll von grauen Haaren war, und warf sie in den bereitstehenden, blauen Müllsack. Auf dem Handwaschbecken lag ein Stück Zahnseide. Klebte etwas Dunkelgrünes dran. Ausgequetschte Tube Puckitax-Zahncreme von DoraMed. Eine Zahnbürste. Sehr weiche Borsten ... In den Sack damit! Tasse mit einem Beutel Salbeitee. In den Sack! Weg! Elke öffnete den Badezimmerschrank. Haft- und Hautcremes, Döschen, Quasten, Lidschatten. Alles in den Sack. Auf dem Badewannenrand stand ein rosanes Duschgel: Cold Cream ... rückfettend. Rote und hellblaue Badeperlen in einem Glas. Der Sack füllte sich weiter.

Elke öffnete vorsichtig den Kühlschrank. Sie drehte sich zur Seite und hustete, hielt die Luft an, öffnete schnell das Fenster. Der kaputte Kühlschrank [‚Kaputt...‘, dachte Elke. ‚Das merken die nicht. Ist dann ja sowieso abgestellt.‘] musste unbedingt gereinigt werden, bevor die Hausverwaltung die Abnahme der Wohnung machte. Noch eine Woche ... Viel zu tun. Sie holte ein lappiges, zimmerwarmes Päckchen Butter heraus und schmiss es in den Müllsack. Eine überpralle Tüte Orangensaft. Weg damit. Ein in Butterbrotpapier eingewickeltes ... Oh Gott, wie das stank! Elke schnappte hinter ihrer Schulter nach Luft und nahm dann das Päckchen heraus. Das also! Das Preisschild klebte noch dran: 753gr Hack, Halb & Halb. Für den Hackbraten, den Tante Berta immer gemacht hatte ... Mit Pilz-Sahnesauce. Im Päckchen bewegte sich etwas. In den Sack! Weg! Weg! Weg! Ach, und da waren auch die Pfifferlinge. Im weißen Plastikkörbchen. Grün überwuchert. Elke lächelte traurig. Wie oft hatte sie Tante Berta gesagt, dass man Pilze eigentlich anders aufbewahrt! Egal. Sie schmiss das Körbchen in den Sack.

Elke trug den Sack in den Korridor und stellte ihn neben die Wohnungstür. Sie betrachtete im Spiegel über der weißen Kommode ihr müdes Gesicht. Der Spiegelrahmen hing schon wieder auf „Halb Acht“. So wie ihr Gesicht. Bastelkleber war wohl doch keine so gute Idee ... Wenigstens die Kleiderstange hielt immer noch. Sie zog die oberste Schublade der Kommode auf. Handschuhe, Schals und Seidentücher, flache Hüte. Wie Tante Berta ihr immer ihre neuesten Hüte gezeigt hatte. Hatte sich immer vorm Spiegel gedreht und dabei versucht, den Stolz aus ihrem Lächeln zu drücken. ‚Sie mal, Elke! Juut wa?‘ Am Boden der Schublade, unter den Sachen verborgen, lag ein großer, weißer Umschlag. Elke zog einen steifen Plastikbogen heraus. Röntgenpraxis Dr. Ehrmann. Sie legte den Bogen auf die Kommode. Auf der Lunge helle wolkige Flecken. Mit rotem Stift umrandet. Die dunkle Standuhr tickte. Elke stopfte alles in den Sack. War schon fast voll. Sie dachte an die fünf Treppen runter zur Tonne. Innenhof. Ausgebrannte Silversterknaller.
Sie ging ins Wohnzimmer. Dort stand noch alles genauso da. Auf dem Glastisch die geöffnete Packung Ernte 23. Gefüllter Ascher. Elke zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch nach oben. ‚Dit wirkt imma so schnippisch!‘, wie Tante Berta jetzt gesagt hätte. Elke sah auf die drei runtergebrannten, blauen Kerzen auf dem vertrockneten Adventskranz. Fahrt mit dem Taxi. Tante Berta hustet und hustet. Hustet sich die halbe Lunge raus. ‚Zigarettchen‘. Meckernder Taxifahrer. Krankenhaus Waldfriede. Warteraum auf der Inneren. Tränen, Hoffnung geben. ‚Zigarettchen‘. Abschied. ‚Ist ja nicht für immer! Ich bin doch morgen wieder da.‘ Tja...
Elke schluckte und setzte sich aufs geblümte Sofa. Sie dachte jetzt an Efie und fühlte, wie sich ihre Kiefer zusammenpressten. Warum war Tante Berta ihr gegenüber immer so misstrauisch gewesen? Hatte immer nur Efie den Schlüssel gegeben. Na ja! Efie hatte wohl besseres zu tun gehabt, als mal nach der Wohnung zu sehen! Gut, jetzt war sie krank. Ja, ja ... Einer musste sich ja um die Wohnung kümmern. Michael hockte zu Hause wahrscheinlich gerade wieder vor der Playstation. Na toll! War noch nie eine Hilfe für sie gewesen. Blöder Faulpelz! Elke hoffte darauf, dass Evmarie ihr Versprechen halten und ihr morgen etwas helfen würde. Evmarie war so ganz anders als ihre Mutter. Efie ... dieses alte Miststück!
Auf den Programmzeitschriften lag Tante Bertas Lieblingskassette: Roland Kaiser. Haut an Haut. Ariola Express. Ihre Kaffeekränzchen-Musik. Jetzt wirkte alles so banal.
Elke stand auf und nahm ein Buch aus dem hellbraunen Palisanderschrank. ‚Wir sind nur Menschen‘. Konsalik. Gedankenverloren blätterte sie durch die vergilbten Seiten. Etwas fiel auf den dunkelbraunen Teppich. Elke hob es auf. Ein 500 Markschein! Aufgeregt blätterte sie weiter. Nichts. Sie nahm sich das nächste Buch. Ging Seite für Seite durch. ‚Die Berta hat viel, seehr viel Geld bei sich versteckt!‘ hatte Efie mal gesagt. Dieses dämliche Quackelmaul! Quatscht immer viel, wenn der Tag lang wird! Noch etwa zehn Bücher ... Elke ärgerte sich jetzt ein wenig über ihren Fund. Nun würde sie bestimmt eine weitere halbe Stunde verplempern, dachte sie. Immerhin 500. Wieviel das wohl in Euro sind?
Elke blätterte weiter. Schließlich das letzte Buch. Wieder nichts. Wo konnte Tantchen noch Geld versteckt haben? Wo? Elke schaute in Töpfe, Kästchen, Schubladen. Und wenn es sich Efie schon gekrallt hat? Sie suchte weiter. Rauchklappe hinterm Herd, unter die Matratze, entfernte die Revisionsklappe an der Badewanne und tastete ins dunkle Loch. Nichts. Sie ging wieder ins Wohnzimmer, stellte sich vor die Glasvitrine des Palisanderschrankes und legte den Kopf schräg. Vielleicht in Tantchens chinesischer Vase? Blaue, kämpfende Drachen, frühes Woolworth. Elke öffnete die Glastür und streckte gerade die Hände nach der Vase aus, als sie deutlich hörte: „Aber Elke, wat machsde denn da? Ick wees nich ... Bist irjendwie komisch heute!“
Elke trat zwei Schritte zurück. Was war das? Die Tante?! Ja ... Kam die Stimme etwa aus der Vase? Vielleicht war sie zu angespannt. Zu viel Arbeit. Diese alte, verlassene Wohnung. Womöglich war das ja auch aus der Nachbarwohnung gekommen! ‚Dünne Wände!‘, wie Tante Berta immer gesagt hatte und-

„Sehr jesprächig bistde heute ja nich jrade! Na jut! Ick mach mal‘n Roland rein!“

Elke zitterte und stieß hart gegen die Tischkante. War das hier ein übler Scherz, den einer mit ihr spielte? Aber-

„Wat haste denn? Wat glotzt‘n so?“

Die Stimme kam tatsächlich aus der Vase!

„T-Tante?“, sagte Elke. „Aber wie...“

Keine Antwort. Langsam ging sie auf den Schrank zu. So ein Unsinn! Das konnte nicht sein! Sie berührte vorsichtig das Porzellan. Die Vase war ganz schön schwer...

„Hör mal uff jetz! [Die Vase vibrierte.] Dit wackelt so!“

Vor Schreck ließ Elke sie fallen. Eine graue Wolke stäubte heraus, der Deckel kullerte zur Seite. Sie hustete. Auf dem Teppich vor der Vase lagen dicke Staubflocken, Krümel, Papierschnipsel. Tantchens Müllvase ... Aha.

„Heb die mal wieder uff! War teua!“ [‚Teuer?‘, dachte Elke. 20 Mark, soweit sie sich erinnerte.]

Sie griff sich die Vase, packte schnell den Deckel rauf und schmiss sie in den blauen Müllsack. Wieder die Stimme der Tante:
„Watt is denn dit? Meine schöne, rote Hose willsde wegschmeißen? Die is doch noch juut!“

Elke hielt sich schwankend an der Wand fest.

„Nee jetze, oder? Die Butta? Die is aber noch nich abgeloofen!“

Elke riss die Augen auf. Schweiß auf ihrer Stirn. Heiß, kalt.

„Dit schööne Hack! Eine Schande is dit!“
Und dann:
„Ach herrje! Vielleicht sollt ick mal etwas wenijer roochen! Bevor et zu spät is!“

In Panik griff Elke sich den Sack, riss die Wohnungstür auf und rannte das Treppenhaus runter [„Na, du hast et ja heute eilich!“]. Innenhof. Ausgebrannte, bunte Raketen.

Elke riss den Deckel der grauen Tonne auf und warf den Sack rein. Der Deckel knallte zu.

„Elke, nich so laut! Mensch!, is dit dunkel hia! Mach mal Licht! Elke, mach mal Licht! Elke! Elke! Elke! Mach Licht!

Sie riss den Deckel auf, griff sich die Vase und warf sie auf den Knochensteinboden. Es schepperte. Stechender Schmerz. Elke schrie. Irgendwas bohrte sich ihr ins Auge. Verschwommene Splitter am Boden. Blut.
Sie taumelte über den Hof, tastete sich zur Tür vor.

„Efie kümmert sich imma bessa um allet!“, hörte Elke noch hinter sich. „Du - du undankbare Gjöre!“

Zuletzt geändert von DrJones am 03.02.2015, 21:19, insgesamt 13-mal geändert.
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Re: R. I. P. Berta

Beitragvon magico » 15.01.2015, 12:19

Hallo DrJones,

seit Längerem mal wieder ein Text von dir. Ich bin gespannt (gerade, da ich den ersten Teil auch kenne).

Auf dem Handwaschbecken lag ein Stück Zahnseide.


Benötigt es das "Hand"? Immerhin steht Elke im Bad. Welche Waschbecken können da sonst noch sein? Fußwaschbecken, Kopfwaschbecken, A....waschbecken?

Klebte etwas Dunkelgrünes dran.


Fehlt da nicht ein Personalpronomen?

Auf dem Badewannenrand stand ein rosanes Duschgel:


Korrekt müsste es "rosa Duschgel" oder "rosafarbenes Duschgel" heißen.

Cold Cream
:| Zu meiner Rechten steht ein großer Spender Cold Cream mit dem Aufkleber "Bitte testen Sie!" :mrgreen:

Noch eine Woche ... Viel zu tun.


Ich hätte hier wahrscheinlich klein weitergeschrieben.

Elke schnappte hinter ihrer Schulter nach Luft und nahm dann das Päckchen heraus.


Schönes Bild.

Im Päckchen bewegte sich etwas. In den Sack! Weg! Weg! Weg!


Da bekommt man sofort eine Gänsehaut. :sick:

Die dunkle Standuhr tickte.


Schön, wieder aufgenommen. Man wird kurz an den Beginn der Geschichte erinnert.

Elke zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch nach oben.


Ja ja ... die Sucht. Meiner Schätzung nach, ist Tante Berta genau deshalb krepiert.

Sie dachte jetzt an Efie und fühlte, wie sich ihre Kiefer zusammenpressten. Warum war Tante Berta ihr gegenüber immer so misstrauisch gewesen? Hatte immer nur Efie den Schlüssel gegeben.


Beim zweiten Satz denke ich zuerst, dass sich das Misstrauen auf Efie bezieht, was erst in Satz 3 aufgeklärt wird.

Blöder Faulpelz!


"Blöd" finde ich ein wenig harmlos. "Dämlicher Faulpelz!" hätte irgendwie mehr Wirkung.

Quatscht immer viel, wenn der Tag lang wird!


Heißt es nicht "wenn der Tag lang ist"?

Rauchklappe hinterm Herd, unter die Matratze, entfernte die Revisionsklappe an der Badewanne und tastete ins dunkle Loch.


Eine graue Wolke stäubte heraus ...


Bei "stäuben" denke ich eher an "Bestäuben". Würde "staubte" verwenden.

Sie griff sich die Vase, packte schnell den Deckel rauf ...


Drauf?

Mach mal Licht! Elke, mach mal Licht! Elke! Elke! Elke! Mach Licht!


:lol: Liest sich wie ein Liedtext: Elke, mach Licht!


Fazit:

Ganz anders als der erste Teil, aber strukturell ziemlich interessant. Du hast zum Ende relativ viele, unvorhersehbare Wendungen drin. Der Geldfund, die Stimme der Tante, der Splitter im Auge ...
Natürlich frage ich mich jetzt, was tatsächlich passiert ist. Hat Elke einfach einen zu viel bekommen, waren es die giftigen Dämpfe des vergammelten Hack oder weshalb hört sie die Stimme ihrer Tante?
Letztendlich spricht das für den Text.


Grüße - magico
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Re: R. I. P. Berta

Beitragvon DrJones » 16.01.2015, 20:06

Hey magico,

Vielen Dank für Deinen Beitrag!


magico hat geschrieben:Hallo DrJones,

seit Längerem mal wieder ein Text von dir. Ich bin gespannt (gerade, da ich den ersten Teil auch kenne).

Auf dem Handwaschbecken lag ein Stück Zahnseide.


Benötigt es das "Hand"? Immerhin steht Elke im Bad. Welche Waschbecken können da sonst noch sein? Fußwaschbecken, Kopfwaschbecken, A....waschbecken?

Recht Du hast! :yoda: Elke ist eine Putzfrau. Ich wollte sie daher den Fachbegriff nennen lassen.
Aber ein einfaches "Waschbecken" klingt einfach besser!


Klebte etwas Dunkelgrünes dran.


Fehlt da nicht ein Personalpronomen?

Denke, nicht…

Auf dem Badewannenrand stand ein rosanes Duschgel:


Korrekt müsste es "rosa Duschgel" oder "rosafarbenes Duschgel" heißen.

Bin mir da unsicher. Ist eher die Frage, was besser klingt… :-)

Cold Cream
:| Zu meiner Rechten steht ein großer Spender Cold Cream mit dem Aufkleber "Bitte testen Sie!" :mrgreen:

Lustig! Echt? :shock:

Noch eine Woche ... Viel zu tun.


Ich hätte hier wahrscheinlich klein weitergeschrieben.

Ist einen Tick besser. Habe jetzt auch das offizielle Zeichen für … gefunden (alt + 0133).
Man lernt nie aus.


Elke schnappte hinter ihrer Schulter nach Luft und nahm dann das Päckchen heraus.


Schönes Bild.

Danke. :)

Im Päckchen bewegte sich etwas. In den Sack! Weg! Weg! Weg!


Da bekommt man sofort eine Gänsehaut. :sick:

Das war auch so beabsichtigt. :mrgreen:


Die dunkle Standuhr tickte.


Schön, wieder aufgenommen. Man wird kurz an den Beginn der Geschichte erinnert.

Die musste da einfach mit rein.

Elke zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch nach oben.


Ja ja ... die Sucht. Meiner Schätzung nach, ist Tante Berta genau deshalb krepiert.

Du hast es kapiert! :XD:

War auch klar, was mit "schnippisch" gemeint ist? Ich meine, in Bezug auf das Rauchen?
Wenn Frauen das so nach oben blasen. Habe das gehäuft bei Vokuhilas bzw. Vogeflos-Higelos
(Vorne getürmt flockig, hinten gestürzt lockig) beobachtet...


Sie dachte jetzt an Efie und fühlte, wie sich ihre Kiefer zusammenpressten. Warum war Tante Berta ihr gegenüber immer so misstrauisch gewesen? Hatte immer nur Efie den Schlüssel gegeben.


Beim zweiten Satz denke ich zuerst, dass sich das Misstrauen auf Efie bezieht, was erst in Satz 3 aufgeklärt wird.

Ja, das hatte ich auch schon im Fokus. Richtig. Hab's jetzt abgeändert.
Immer noch nicht 100% wasserdicht. Aber na ja...


Blöder Faulpelz!


"Blöd" finde ich ein wenig harmlos. "Dämlicher Faulpelz!" hätte irgendwie mehr Wirkung.

Habe noch ne Schippe oben drauf gelegt...

Quatscht immer viel, wenn der Tag lang wird!


Heißt es nicht "wenn der Tag lang ist"?

Yepp, richtig!

Rauchklappe hinterm Herd, unter die Matratze, entfernte die Revisionsklappe an der Badewanne und tastete ins dunkle Loch.


Ja ja, Wortterritorium. Gut gesehen!

Eine graue Wolke stäubte heraus ...


Bei "stäuben" denke ich eher an "Bestäuben". Würde "staubte" verwenden.

Ich wollte da so ein besonderes Wort. Staubte passt aber wirklich
etwas besser. Danke!


Sie griff sich die Vase, packte schnell den Deckel rauf ...


Drauf?

Ja.

Mach mal Licht! Elke, mach mal Licht! Elke! Elke! Elke! Mach Licht!


:lol: Liest sich wie ein Liedtext: Elke, mach Licht!

Stimmt! Schreibe ich auch manchmal...

Fazit:

Ganz anders als der erste Teil, aber strukturell ziemlich interessant. Du hast zum Ende relativ viele, unvorhersehbare Wendungen drin. Der Geldfund, die Stimme der Tante, der Splitter im Auge ...
Natürlich frage ich mich jetzt, was tatsächlich passiert ist. Hat Elke einfach einen zu viel bekommen, waren es die giftigen Dämpfe des vergammelten Hack oder weshalb hört sie die Stimme ihrer Tante?
Letztendlich spricht das für den Text.

Danke. :) Werde es nicht aufklären. Da ist ein symbolischer Unterbau. Die Vase steht für etwas
usw. Mache ich jetzt öfter, dass ich das so untermauere. Auch,dass wenigstens immer ein kleines
Rätsel übrigbleibt. So ist auch das Leben.



Grüße - magico



Einen schönen Abend für Dich,

DrJones
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