[Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1] - (Überarbeitet!)

Tragödien, Tragisches

[Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1] - (Überarbeitet!)

Beitragvon Oragon » 11.08.2015, 14:38

Hallöchen,
hier ist der Anfang und gleichzeitig ein Teil des 1. Kapitels meines neuen Projekts »Ragnarök«. Der Begriff Ragnarök beschreibt den Kampf der Götter und damit das Ende der Welt, worum es in dem Buch geht. Nach einem endlos scheinenden Atomkrieg, sind Teile der Erde nicht mehr das, was sie einmal waren. Ein nuklearer Winter besetzt das Land, die meiste Nahrung und Medizin fing an zu verrotten und Überlebende tun alles für ihr eigenes Wohl.
Der Protagonist ist Ronny Coleman, der zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern versucht der Apokalypse zu entkommen. Dabei stoßen sie auf allerlei Gefahren.

Ich hoffe es klingt für den ein oder anderen interessant, hier nun der Text. Ich freue mich über jede Kritik und Bewertung :D


Dunkle, tiefbraune Augen eines Rehs erhoben sich aus dem schneebedeckten Weiß des Waldes. Das rotbraune Fell, das in der Morgensonne nur so glitzerte, schlich auf der Suche nach Futter und einer Unterkunft von einer Baumrinde zur nächsten. Ganz im Gegenteil zu Vögeln, Hasen oder Füchse, entdeckte man Rehe nur noch selten. In diesen Tagen hätten Menschen für Rehfleisch gemordet, das taten sie schon für sehr viel weniger.
Jetzt ganz ruhig. Bloß nicht wackeln oder gar ablenken lassen. Wenn Ronny verfehlte, hätten sie wieder nichts zu essen. Wieder ein Tag mit leerem Magen. Er stellte sich ihre Gesichter vor, wenn er statt magerer Kaninchenbeine mal ein ganzes Reh mit nach Hause brächte. »Nach Hause? Nenne ich es jetzt schon so?«, dachte er. Sie waren schon definitiv zu lange hier. Sobald er "nach Hause" käme, muss er sich mit ihnen unterhalten. Sie brauchten etwas Sichereres als ein altes Feuerwehrhaus. Wer wusste, wie lang sie dort noch überleben konnten?
Ronny griff nach hinten und holte seinen alten Holzbogen vom Rücken. »Lass mich nicht hängen. Ich darf sie nicht enttäuschen. Nicht heute.« Am liebsten hätte er das Jagdgewehr seines Vaters genommen, da es sehr viel präziser war. Doch ein Schuss dieser Lautstärke würde alle Tiere in der Umgebung vertreiben ... und noch viel gefährlichere Wesen anlocken. Er erhob sich aus seinem Versteck und nahm sich einen spitzen, frisch geschnitzten Pfeil aus seinem Köcher. Das Ende des Geschosses nahm er zwischen Ring- und Zeigefinger, und spannte dieses langsam und lautlos in die Sehne. Seine Zughand war gestreckt und lag in einer Linie zum Unterarm. Seine Konzentration war voll und ganz auf sein Ziel gerichtet, sein Frühstück. Er atmete tief ein, hielt die Luft an, verankerte, positionierte seine Zughand unter seinem Kinn und dann ... ließ er den Pfeil los.
Blitschnell pfiff dieser an einer Reihe von Bäumen, Büschen und Gewächsen vorbei und durchbohrte den Kopf des Rehs. Es war sofort tot. Ronny fiel eine große Last vom Herzen. Nie hätte er es sich verziehen, wenn er das Tier verfehlt hätte. Er wäre nicht ohne zurückgekommen. Den Bogen spannte er wieder um den Oberkörper und schnappte sich stattdessen sein gezacktes Jagdmesser um das mit Federn besetzte Ende des Pfeils zu entfernen, und ihn schnell aus der Wunde des Rehs zu ziehen. Danach packte er den Kadaver an Vorder- und Hinterläufen und hob ihn mit einem Ruck auf seine Schultern. »Puh, ganz schön schwer. Das müssten 20 bis 30 Kilo Fleisch sein. Alice und die Kinder werden sich freuen«, dachte er bei den ersten mühsamen Schritten.
Seine schweren Stiefel trugen ihn durch den Tiefschnee und sein grauer, mit Stoff bezogener Mantel hielt ihn warm. Der Pelz an seiner Kapuze verdeckte ihm teilweise die Sicht, doch damit kam er zurecht, denn durch die dicken Schneeflocken, die vom Himmel rieselten, erkannte er sowieso kaum etwas. Ronald Coleman, ein gut gebauter Mann von 32 Jahren, wollte seinen Vater schon immer auf die Jagd begleiten als er klein war. Er liebte alles was sein Vater tat, liebte jeden Film den er schaute und jede Musik die er hörte. Als er elf wurde, ging einer seiner größten Wünsche in Erfüllung, denn sein alter Herr nahm ihn endlich mal mit in den Wald, zeigte und lehrte ihn die Kunst des Jagens. »Danke, Dad«, murmelte Ronny vor sich hin. Ohne ihn hätte er heute nicht einmal gewusst, wie man ein Gewehr betätigt. Ohne ihn wären sie schon lange verhungert.
Weit hatte er es nicht mehr, bald war er wieder bei seiner Familie. Er sah bereits den Rauch eines wärmenden Feuers aus dem Kamin des Feuerwehrhauses aufsteigen, ein kleines Haus, nicht weit entfernt vom Wald, ihrer Nahrungs- und Feuerholzquelle. Vielleicht passte der Begriff "Zuhause" doch ganz gut. Doch wie lange waren sie hier sicher? Wie viele Vögel, Hasen, Füchse und Rehe hausten noch in diesem Wald? Wie lange würde es dauern, bis sie gefunden werden? Ronny konnte all diese Fragen nicht beantworten, niemand konnte das. Er biss sich auf den Handschuh und zog seine nackte Hand heraus, um in seiner Tasche nach dem Schlüssel zu suchen. Der kurze Kontakt seiner Haut mit der eisigkalten Morgenluft war etwas schmerzhaft. Als er den Schlüssel fand, steckte er ihn in das Loch in der Tür und öffnete sie. Niemals ging er aus dem Haus ohne abzuschließen, niemals ging er auch nur das kleinste Risiko ein. Das konnte er sich in dieser Zeit nicht leisten. Und falls Alice oder die Kinder mal nach draußen mussten, hatten sie immer noch einen Zweitschlüssel. Von innen verschloss er die Tür wieder und stieg die knarrenden Holzstufen hinauf.
Zuletzt geändert von Oragon am 20.08.2015, 01:12, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 (1)

Beitragvon magico » 11.08.2015, 15:26

Hallo Oragon,

Ragnarök ist das Ende der Welt, wie es sich die Wikinger erzählten. Ich weiß nicht, wie viel Bezug du darauf nehmen wirst und somit nicht, wie sinnvoll der Titel ist.

Eine Frage noch: Wo spielt die Geschichte? Ich meine, dein Protagonist heißt Ronny Coleman. Ist sie im englischsprachigen Raum angesiedelt?

Dunkle, tiefbraune Rehaugen erhoben sich aus dem schneebedeckten Weiß des Waldes. Das rotbraune Fell, das in der Morgensonne nur so glitzerte, schlich auf der Suche nach Futter und Unterkunft von einer Baumrinde zur nächsten.


Du hast ein kleines Perspektivproblem. Es liest sich, als würden sich nur zwei Augen (ohne Kopf drumherum) aus dem Wald erheben. Ein Fell kann auch nicht nach Futter suchen und wieso schleicht es von Rinde zu Rinde und nicht von Baum zu Baum?

In diesen Tagen hätten Menschen für Rehfleich getötet


Da fehlt ein "s".

»Nach Hause? Nenne ich es jetzt schon so?«, dachte er. Sie waren schon definitiv zu lange hier. Sobald er "nach Hause" kommt, muss er sich mit ihnen unterhalten.


Die Zeitformen geraten bei dir immer wieder durcheinander. --> "dachte er" / "Sobald er nach Hause kommt"

Ronny griff nach hinten und holte seinen Recurvebogen vom Rücken.


Was is'n das? :wary:

und noch viel gefährlichere Wesen anlocken.


Viel gefährlicher als was? Als das Reh?

und schnappte sich einen spitzen, frisch geschnitzten Pfeil aus seinem Köcher.


Ich weiß nicht, ob "schnappte" das richtige Wort für diese Art von Bewegung ist.

eine Reihe von Bäumen, Büschen und Gewächsen und durchbohrte das Reh direkt am Kopf.


Bäume und Büsche sind Gewächse. Lass Gewächse einfach weg, dann sparst du auch ein "und". Dass das ganze Reh am Kopf durchbohrt wird, ist etwas seltsam formuliert. Ich hätte "und durchborte den Kopf des Rehs." geschrieben.

Den Bogen spannte er wieder um den Oberkörper und schnappte sich stattdessen sein gezacktes Jagdmesser um das mit Federn besetzte Ende des Pfeils zu entfernen, und ihn schnell aus der Wunde des Rehs zu ziehen.


Da kann man durchaus 2 Sätze draus machen, um wieder "unds" zu sparen. Dazu müsste man es natürlich umformilieren, aber der Satz ist sowieso zu sperrig.

Danach packte er den Kadaver an Vorder- und Hinterbeinen


Hier hätte ich eher "Vorder- und Hinterläufen" erwartet, wenn du schon mit Begriffen wie "Recurvebogen" um dich wirfst.

»Puh, ganz schön schwer. Das müssten 20 bis 30 Kilo Fleisch sein. Alice und die Kinder werden sich freuen.«


Sagt er das oder denkt er das? Denn mit einem schweren Tier auf den Schultern in einem Wald voller Gefahren, dürfte er wohl kaum solch einen Monolog führen.

Seine schweren Stiefel trugen ihn durch den Tiefschnee, während sein Körper durch einen grauen, mit Pelz bedeckten Mantel und dicken Lederhandschuhen warm gehalten wurde.


Wieder die Perspektiven. Wenn ihn die schweren Stiefel tragen, liest sich das, als würden sie laufen und nicht Ronny. Und wird der Körper wirklich von Lederhandschuhen warm gehalten?

Der Pelz an seiner Kapuze verdeckte ihm teilweise die Sicht, doch damit musste er klar kommen, denn ohne Kapuze könnten seine Ohren abfrieren, und etwas Schmerzhafteres mag er sich nicht vorstellen.


Du wechselst mitten im Satz von Vergangenheit auf Gegenwart. :|

bei denen er zum größten Teil selbst Schuld war. Als er klein war, wollte er seinen Vater schon immer auf die Jagd begleiten.


Zum Beispiel? An welchen Verletzungen war er denn schuld? Du machst einen Neugierig, fährst aber gleich mit anderen Dingen fort.

Vielleicht passte der Begriff "Zuhause" doch gar nicht so schlecht.


* "doch ganz gut" würde sich flüssiger lesen.

Als er nun den Schlüssel fand, steckte er ihn in das Loch in der Tür und drehte das Schloss herum.


Er dreht das Schloss herum? Oder dreht er den Schlüssel im Schloss?

Von innen verschloss er die Tür wieder und stieg die knarrenden Holzstufen hinauf.


Das Ende dieses kurzen Abschnitts ist sehr unspektakulär. Überhaupt hätte ich irgendeinen Konflikt erwartet. Er trifft das Reh nicht oder wenigstens, dass die Tür plötzlich offen gestanden hätte, obwohl er doch immer abschloss ...

Insgesamt deutest du schon ein typisches Endzeitszenario an und versuchst uns ein paar Eigenschaften von Ronny (vorsichtig, fürsorglich) und seiner Umgebung (kalt, gefährlich) unterzubringen. Aber an Perspektiven und Zeitformen musst du noch ein wenig feilen.


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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 (1)

Beitragvon YingNi » 11.08.2015, 16:22

Hallo Oragon,

deine Idee klingt interessant. Den Begriff kannte ich nicht insofern habe ich keinen direkten Bezug zu deiner Geschichte gesehen.

Dunkle, tiefbraune Rehaugen erhoben sich aus dem schneebedeckten Weiß des Waldes. Das rotbraune Fell, das in der Morgensonne nur so glitzerte, schlich auf der Suche nach Futter und Unterkunft von einer Baumrinde zur nächsten. Rehe entdeckte man nur noch sehr selten. Vögel, Hasen oder Füchse ja, aber ein Reh? In diesen Tagen hätten Menschen für Rehfleich getötet, das taten sie schon für sehr viel weniger.


Der Abschnitt gefällt mir gut. Ich bekomme gleich zu Beginn einen guten Eindruck der Atmosphäre in deiner Einleitung.
Dennoch würde ich ein wenig ändern:
tiefbraune Rehaugen

...tiefbraune Augen eines Rehs...
Ich war erst verwirrt ob es ein Reh war oder nur so aussah. So wäre es deutlich (selbst für mich :oops: )
und Unterkunft

...und einer Unterkunft ...
Vögel, Hasen oder Füchse ja, aber ein Reh?

Das klingt mir persönlich zu umgangssprachlich. Wie wäre es mit "Ganz im Gegenteil zu Vögeln, Hasen oder Füchsen."

"nach Hause" kommt, muss er sich mit ihnen unterhalten. Sie brauchen etwas Sichereres als ein altes Feuerwehrhaus. Wer weiß, wie lange sie dort noch überleben können?

Hier bist du in der Zeit gesprungen.
da es sehr viel präziser ist.

Hier auch wieder ein Wechsel.

und noch viel gefährlichere Wesen anlocken

Gefällt mir und ich bekomme Angst :D

geduckten Erkundungsposition

An dem Wort bin ich hängen geblieben. Wie wäre es nur mit "Versteck"?

ließ er den Pfeil los.

Ich kenne mich mit Pfeil und Bogen nicht aus, aber das klang als hätte er es verbockt :wink:

und durchbohrte das Reh direkt am Kopf

und durchbohrte den Kopf des Rehs.

»Puh, ganz schön schwer. Das müssten 20 bis 30 Kilo Fleisch sein. Alice und die Kinder werden sich freuen.«

Sagt er oder denkt er das?

Tiefschnee

...tiefen Schnee..

Der Pelz an seiner Kapuze verdeckte ihm teilweise die Sicht, doch damit musste er klar kommen

Der Pelz an seiner Kapuze verdeckte teilweise seine Sicht, doch damit kam er zurecht.
und etwas Schmerzhafteres mag er sich nicht vorstellen

, etwas schmerzhafteres konnte er sich nicht vorstellen.

Ronny Coleman, ein gut gebauter Mann von 32 Jahren

bis hierhin hatte ich gedacht wir würden aus Ronnys Sicht alles sehen. :shock:

bei denen er zum größten Teil selbst Schuld war

Besser an denen ...

lernte ihm die Kunst des Jagens

lehrte ihn die Kunst des Jagens

zog seine nackte Hand aus ihm heraus

zog seine nackte Hand heraus

Im letzten Absatz hast du wieder einen Zeitwechsel drin.

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Der Leser hat viele unbeantwortete Fragen, die du ihm hoffentlich beantworten wirst. Aber ich hoffe auch auf ein wenig Action :XD:

Viel Spaß beim weiterschreiben
Viele Grüße
Yingni
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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 (1)

Beitragvon Tulipina » 11.08.2015, 17:56

Hallo Oragon,
ich gebe auch mal meinen Senf dazu. Auch auf die Gefahr hin, schon gesagtes eventuell zu wiederholen.




Dunkle, tiefbraune Rehaugen erhoben sich ....


Gleich im ersten Satz habe ich ein Problem: können sich Augen erheben?
Anschließend schleicht das Fell? Das würde ich umschreiben. Ich finde, es klingt seltsam.

Sobald er "nach Hause" kommt, muss er sich mit ihnen unterhalten. Sie brauchen etwas Sichereres als ein altes Feuerwehrhaus. Wer weiß, wie lange sie dort noch überleben können?

Heißt es nicht: sobald er nach hause käme, musste er sich mit ihnen unterhalten? Und: Sie brauchten... ... überleben konnten?

Recurvebogen

Äh ... ich Laie, mir würde "Bogen" reichen. Oder ist das Wichtig zu wissen, was das genau für ein Ding ist?
Wenn nicht, schlage ich vor: schreib nur Bogen.

Ronny griff nach hinten und holte seinen Recurvebogen vom Rücken. »Lass mich nicht hängen. Ich darf sie nicht enttäuschen. Nicht heute.« Am liebsten hätte er das Jagdgewehr seines Vaters genommen, da es sehr viel präziser ist.

Hier hast du einen Zeitenwechsel zum vorherigen Text.


Blitschnell pfiff dieser durch eine Reihe von Bäumen, Büschen und Gewächsen

Vom Verständnis her würde ich jetzt meinen, der Pfeil durchschlägt das gesamte genannte Gehölz :shock:
Hier wäre statt "durch eine Reihe" "an einer Reihe ... vorbei" passender.

Seine schweren Stiefel trugen ihn durch den Tiefschnee, während sein Körper durch einen grauen, mit Pelz bedeckten Mantel und dicken Lederhandschuhen warm gehalten wurde.

Wiederholung. Zweimal durch in einem Satz.

Ronny Coleman, ein gut gebauter Mann von 32 Jahren, hatte schon viele Verletzungen und Knochenbrüche erlitten...
Um bei deiner Erzählperspektive zu bleiben, beginne diesen Satz besser mit "Er". Sonst liest es sich, als würde der Erzähler wechseln.

Er liebte alles was sein Vater tat, liebte jeden Film den er schaute und jede Musik die er hörte. Als er elf wurde, ging einer seiner größten Wünsche in Erfüllung, denn sein alter Herr nahm ihn endlich mal in den Wald mit, zeigte und lernte ihm die Kunst des Jagens.

...alter Herr nahm ihn endlich mal mit in den Wald ... Das klingt etwas glatter.
Statt lernte heißt es lehrte.

... aus dem Kamin des Feuerwehrhauses aufsteigen, ein kleines abgelegenes Haus, nicht weit entfernt vom Wald, ihrer Nahrungs- und Feuerholzquelle ...

Wenn das Feuerwehrhaus abgelegen ist, heißt es ja, dass Behausungen nicht in der Nähe sind. Das verstehe ich nicht. Wofür ist das Feuerwehrhaus dann da? Sollte nicht gerade ein solches Gebäude in der Nähe der Häuser liegen? Kurze Wege und so...

Doch wie lange sind sie hier sicher
... wären ...
Wie viele Vögel, Hasen, Füchse und Rehe hausen noch in diesem Wald? Wie lange dauerte es noch, bis sie gefunden werden
... hausten ... und ... gefunden würden?

Er biss sich auf den Handschuh und zog seine nackte Hand aus ihm heraus, um in seiner Tasche nach dem Schlüssel zu suchen. Der kurze Kontakt seiner Haut mit der eisigkalten Morgenluft war schmerzhaft.

Hier hätte ich eine Anmerkung zu den Temperaturen und dem Handeln deines Ronny:
Weiter oben schießt er den Pfeil ab - mit Handschuhen?
Wenn es so bitter kalt ist, dann schützt er doch sicher sein Gesicht. Nasenspitzen sind sehr empfindlich. Also kann er nicht einfach so in den Handschuh beißen. Das der Kontakt der kalten Luft mit der Haut schmerzhaft war, würde ich weiter oben schreiben. So kann der Leser noch besser in die dargestellte Szene eintauchen.

...und zog seine nackte Hand aus ihm heraus
Hier würde ich den Hinweis, dass diese Hand nackt ist, weglassen. Das finde ich selbstverständlich. Wäre es anders, und er hätte sie mit Stoffstreifen umwickelt (z.B.) dann fände ich es erwähnenswert.


Als er nun den Schlüssel fand, steckte er ihn in das Loch in der Tür und drehte das Schloss herum.
Klingt lustig :) , er dreht das Schloss...
Da wir alle wissen, wie man aufschliesst reicht ein "..., steckte er ihn in das Schloß und öffnete.
Oder noch kürzer: ... fand, öffnete er damit die Tür.

mal nach draußen müssen, haben
Tada! Wieder ein Zeitenwechsel!

Insgesamt gefällt mir dein Text. Du beschreibst diese furchtbare Kälte sehr gut. Ich konnte mir Ronny - von dem ich einiges Erfahren habe - und seine Umgebung gut vorstellen. Dazu könnte ich mir noch ein paar weiter Hinweise vorstellen. Z.B. das knarren seiner Schuhe auf dem Schnee, das Knacken der Zweige, SChnee der von einem Baum rieselt. Damit machst du das Bild komplett.
Bleib bei der einmal gewählten Erzählperspektive und - gaaanz wichtig - bleib standhaft bei den Zeiten.

Mit dem Hinweis auf diese viel gefährlicheren Wesen deutest du bereits etwas an, dass mich gespannt sein lässt.

So, nun geht er die Stufen hoch und trifft ... Alice und die Kinder?
Ich bin gespannt!

LG
Tulipina
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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1]

Beitragvon Asieral » 12.08.2015, 11:45

Oragon hat geschrieben:
Dunkle, tiefbraune Rehaugen erhoben sich aus dem schneebedeckten Weiß des Waldes. Das rotbraune Fell, das in der Morgensonne nur so glitzerte, schlich auf der Suche nach Futter und Unterkunft von einer Baumrinde zur nächsten.


Die Frage, ob ein Fell schleichen oder Augen sich erheben können finde ich, stellt sich jetzt eigentlich nicht unbedingt.. Zumindest bin ich jemand, der solche Formulierungen mag, da sie ein träumerisches Flair verbreiten. Und das, denke ich, passt hier sehr gut, da Rehe anscheinend selten sind und somit wie Relikte aus längst vergessener Zeit wirken.
Vielleicht wäre es besser, dass "nur so" zu streichen, da es ein klein wenig eigenartig wirken kann.

Oragon hat geschrieben:Recurvebogen

Hier würde ich mich dem anschließen, dass Bogen reicht. Menschen wie mich, die davon noch nie gehört haben, kommen auf die verrücktesten Ideen, was das sein könnte. Ich dachte zuerst, er würde irgendein Blatt Papier nehmen.. was mich doch sehr wunderte..^^ Aber vielleicht ist er ja auch einer derjenigen, die wie Plinius das Schreiben mit der Jagd vergleichen.
Oragon hat geschrieben:
Wer weiß, wie lange sie dort noch überleben können?

Vielleicht könnte man das "können" durch ein "könnten" ersetzen. Klänge in meinen Ohren zumindest passender, da es etwas "verzweifelter" wäre.

Oragon hat geschrieben:
Seine Konzentration war voll und ganz auf sein Ziel gerichtet, sein Frühstück.

Ich weiß nicht, inwiefern das beabsichtigt ist, aber der Nachsatz "sein Frühstück" bricht ein klein wenig mit der vorher erschaffenen Atmosphäre und hat eher etwas Komisches. Ein ganzes Reh als Frühstück? So ausgehungert?^^ Wahrscheinlich wird es ja eher mehrere Tage ausreichen. Wenn deine Absicht war, das Geschehen etwas aufzulockern ist dir das gelungen.

Oragon hat geschrieben:
Doch ein Schuss dieser Lautstärke würde alle Tiere in der Umgebung vertreiben ... und noch viel gefährlichere Wesen anlocken.

Dadurch schaffst du es, den Leser zum Nachdenken zu bringen, sodass man überlegt, was das für Wesen sein könnten, wodurch auch eine gewisse Spannung erzeugt wird. Ich würde darauf tippen, dass Menschen mit den "gefährlichere[n] Wesen" gemeint sind. Durch Strahlung mutierte Monster werden es ja wohl eher nicht sein..^^ auch da die ja zu Tieren zählen und somit vertrieben worden wären.
Oragon hat geschrieben:
schnappte sich stattdessen sein gezacktes Jagdmesser , um das mit Federn besetzte Ende des Pfeils zu entfernen, und ihn schnell aus der Wunde des Rehs zu ziehen.

Nach "Jagdmesser" ein Komma:)
Oragon hat geschrieben:
und etwas Schmerzhafteres mag er sich nicht vorstellen.

anstatt "mag" konnte, oder vll mochte, je nachdem, welche Bedeutung besser zum Charakter passt. Bei "mochte" würde es darauf hindeuten, dass er, wenn er etwas Schlimmes im Kopf hat, er sich nicht noch schlimmere Dinge ausmalen möchte und also eher nicht so gerne daran denkt oder aber auch kein Pessimist ist. (Eher nach dem Motto: "Das ist schon schlimm genug, wieso an Schlimmeres denken?"
Oragon hat geschrieben:
Doch wie lange sind sie hier sicher? Wie viele Vögel, Hasen, Füchse und Rehe hausen noch in diesem Wald? Wie lange dauerte es noch, bis sie gefunden werden?
Vll passt "Doch wie lange wären sie hier noch sicher/würden sie hier noch sicher sein?" besser. Anstatt "hausen" "hausten" und "Wie lange würde es noch dauern, bis man sie fände?" klänge meiner Ansicht nach besser.

Mit freundlichen Grüßen
Asieral
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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1]

Beitragvon AlexB » 18.08.2015, 20:16

Hallo Oragon,
da dachte ich mir, das schau ich gleich mal an, weil ich gerade etwas ähnliches schreibe ... keine Sorge, nicht zu ähnlich, aber es ist halt auch bei mir ein wenig apokalyptisch :D Aber werd es vielleicht dann meine Anfang auch gleich mal hier posten.

1. Zum (Arbeits-)Titel:
Der Titel Ragnarök gefällt mir. Es muss ja nicht immer die biblische/mittelalterliche Apokalypse herangezogen werden, das ist fast schon abgedroschen (Wobei ich es in meinem Werk ziemlich massiv so mache ;-) ).

Ragnarök nimmt Bezug auf die nordische Götterdämmerung. Und wenn Du vom nuklearen Winter schreibst, passt das sehr gut. Ich verbringe einen nicht unwesentlichen Teil meines Lebens nördlich des Polarkreises, und ich weiss, wie kalt es hier im Winter ist ;-)

2. Ich finde die Idee gut, mit einer Jagdszene zu beginnen. Da kann man gleich viel unterbringen, wie das Leben und Überleben unter den für den Leser ja sehr ungewöhnlichen Randbedingungen funktioniert.
Mein post-apokalyptischer Handlungsstrang beginnt wie dein Roman auch mit einer Jagdszene. Allerdings in Kapitel 2, da Kapitel 1 noch in der Gegenwart spielt.

Weiteres: ich versuch mal nicht zuviel mit den anderen zu überschneiden:

In diesen Tagen hätten Menschen für Rehfleich getötet, das taten sie schon für sehr viel weniger.


Klar muss man für Rehfleisch töten, nämlich das Reh. Schreibst Du hingegen gemordet, dann ist klarer, dass es hier um das Töten von Menschen geht.

Wer weiß, wie lange sie dort noch überleben können?


Zeitproblem, wurde schon gesagt. Aber ich stolpere auch über die Formulierung generell. Warum sollten sie da nicht überleben können? Was war so schlecht an dem Haus? Besteht die Gefahr, dass sie da erfrieren? Irgendeine Andeutung könnte hier helfen.

... und noch viel gefährlichere Wesen anlocken. Er erhob sich aus seiner geduckten Erkundungsposition und schnappte sich einen spitzen, frisch geschnitzten Pfeil aus seinem Köcher.


Gefährlicherer Wesen? klingt für mich sehr sachlich. Gibt es in dieser Welt andere Wesen als Menschen und Tiere? Läuft das auf was übernatürliches hinaus? Oder auf Strahlenmutanten? Vielleicht das Wort "Wesen" weglassen, auch hier gleich eine dunkle Andeutung mit einschieben. "... noch viel Gefährlicheres anlocken. Ja, der nukleare Winter hatte schier Grauenvolles hervorgebracht."

"Geduckte Erkundungsposition" kling wie der hide-and-seek-mode in irgendeinem Computerspiel. Hier könnte man bildlicher beschreiben.

"Schnappen" ist eine schnelle, oft hektische Bewegung. Ein Jäger mit Pfeil und Bogen wird - außer beim Deutschuß - den Pfeil immer langsam und dadurch leise aus dem Köcher ziehen.

Das Wort "Geschoß" für "Pfeil" klingt wie ein etwas verkrampfter Versuch, nicht zweimal hintereinander "Pfeil" zu schreiben. Aber leider fällt mir grad auch nichts besseres ein :(

Ronny Coleman, ein gut gebauter Mann von 32 Jahren,


Hier hast Du das Problem, was wir alle haben, wenn einer der Hauptprotagonisten zum ersten Mal auftaucht. Wieviel sollte man von ihm in der Szene beschreiben? Zu viel, dann wirkt es überladen, und wie ein Abladen von Information - zu wenig, dann kann sich der Leser den Helden nicht richtig vorstellen. Vielleicht kannst Du noch eine Aussensicht mit reinbringen? Vielleicht erst, wenn er mit dem Reh heimkehrt?

Im Übrigen denke ich bei "gut gebaut" immer an was anderes, als Du vermutlich meinst ;-)

Als er elf wurde, ging einer seiner größten Wünsche in Erfüllung, denn sein alter Herr nahm ihn endlich mal in den Wald mit, zeigte und lernte ihm die Kunst des Jagens.


"sein alter Herr" klingt für mich wie Umgangssprache aus einem High-School-Roman. Warum nicht einfach "Vater"?

Zeigte er ihm die Kunst des Jagens nur, oder führte er ihn in selbige ein? "Lernte" sollte vermutlich "lehrte" heissen? Wie wäre es mit:
"Er brachte ihm alles bei, was er bei der Jagd wissen musste." (etwas platt)
"Er zeigte und lehrte ihn alles, was die Kunst des Jagens ausmacht."


Finde den Text sonst recht stimmungsvoll. Vor allem das Thema Kälte kommt gut rüber.

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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1] - (Überarbeitet!)

Beitragvon Oragon » 20.08.2015, 00:44

So, hier ist nun der überarbeitete Teil meines Werks. Ich habe mir jeden eurer Kommentare mehrmals durchgelesen und sehr zu Herzen genommen und auch viel von euren Vorschlägen übernommen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an jeden einzelnen von euch! :D

Nun ein paar Worte meinerseits:

- Viele von euch haben das Perspektivenproblem am Anfang angesprochen ("Augen erhoben sich / Fell schlich"). Da muss ich allerdings sagen, dass ich das nicht so finde. Ich finde diese Umschreibung sehr viel schöner und vor allem bildlicher. Ich denke, dass es hier einfach um den persönlichen Geschmack geht! :)

- An diejenigen die bereits auf ein wenig Action hofften. Nun gut, es sind die ersten Zeilen, vielleicht erst zwei Seiten. Ich wollte das Buch eigentlich nicht sofort mit einem Konflikt beginnen. Man soll die Familie Coleman und vor allem Ronny erst ein wenig kennenlernen. Ein Konflikt kommt bald, sehr lange wird es nicht mehr dauern ;)

- Ja, mit der Zeit hatte ich ein paar Schwierigkeiten. Ich habe mich nun aber ausreichend informiert und nun müsste der Text und auch die weiteren, die noch kommen werden stimmen.

Das wars auch schon von mir. Noch einmal vielen, vielen Dank an euch alle, ihr habt mir wirklich weitergeholfen! Euch noch einen schönen restlichen Tag! :D
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Re: [Tragik] Ragnarök - Kapitel 1 - [1] - (Überarbeitet!)

Beitragvon magico » 20.08.2015, 08:53

Oragon hat geschrieben:- Viele von euch haben das Perspektivenproblem am Anfang angesprochen ("Augen erhoben sich / Fell schlich"). Da muss ich allerdings sagen, dass ich das nicht so finde. Ich finde diese Umschreibung sehr viel schöner und vor allem bildlicher. Ich denke, dass es hier einfach um den persönlichen Geschmack geht!


Und ich muss sagen, dass ich das doch so finde. :wink:
Es geht doch nicht darum eine bildliche Umschreibung wegzulassen, sondern darum die bildliche Umschreibung einigermaßen nachvollziehbar zu gestalten.
Ein Fell, das von Baumrinde zu Baumrinde schleicht ruft in mir das Bild von einem abgezogenen Fell hervor, welches sich zwischen auf den Boden befindlichen Baumrinderesten bewegt. :fool:
Manchmal ist es schon ein einziges Wort, das die Sache etwas logischer erscheinen lässt.

Was spricht denn zum Beispiel gegen solch eine Formulierung:

Dunkle, tiefbraune Augen starrten zwischen schneebedeckten Sträuchern hindurch. In der Morgensonne glitzerte das rotbraune Fell. Auf der Suche nach Futter und einer Unterkunft schlich das Reh von einem Baum zum nächsten.

Du hast genau die gleichen Komponenten. Die braunen Augen, den Schnee, die Morgensonne, das rotbraune Fell und die Futtersuche. Allerdings schweben nun keine Augen in der Luft und es liegen keine Felle zwischen heruntergebröselten Rinderesten.


Grüße - magico
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