Rationalisierung

Gesellschaft, Kritik, Philosophie, Nachdenkliches

Rationalisierung

 
Rationalisierung

Sie greift um sich an jedem Ort
ist sie heute hier, ist sie morgen dort.
Das Gleiche schaffen mit der halben Kraft,
das setzt sich durch mit aller Macht.

Doch sie ist nicht nur in der Fabrik,
nein, rationalisiert wird auch beim Krieg.
So haben sich die Herren (mit ach und weh)
vom Schwerte umgestellt auf das MG.

Anstatt Kanonendonner zu erwarten,
gibt’s heute Bomben und auch Granaten.
Das faule Pferd, das bleibt im Stall,
so’n Panzer, der macht Bumm und Knall.

Gevatter Tod auch muss umstellen,
um seine Arbeit noch zu stemmen,
in einen Mähdrescher, klug investiert,
die Sense wurde wegrationalisiert.

von maddin

Re: Rationalisierung

 
Hallo maddin,

also über den Titel war ich schon sehr erstaunt: Lyrische Verse über Rationalisierung? Was schreibt man darüber? :-D

Es ist ein großes Thema - Globalisierung gehört ja z.B. auch als Bruder zur Rationalisierung mit dazu. Mit deinen Versen hast du es ganz gut angerissen. Doch ist es für mich noch etwas befremdend, diesen eigentlich trockenen Diskussionsstoff in Lyrik verpackt zu sehen - der Reim unterstützt meiner Meinung nach diese Trockenheit, aber das ist natürlich Ansichtssache (bin ja eh kein Fan von durchgehenden Reimen).

Ein paar Vorschläge hätte ich. Wenn sie nichts taugen, hats trotzdem Spaß gemacht, mich mit deinem Werk auseinanderzusetzen:

Sie greift um sich, an jedem Ort
ist sie heute hier, ist sie morgen dort.
Das Gleiche schaffen mit der halben Kraft,
das setzt sich durch mit aller Macht.


Das Komma in der ersten Zeile ist dort fehl am Platz.

Ich würde schreiben: "Das Gleiche schaffen mit halber Kraft,"
Liest sich flüssiger.

Doch sie ist nicht nur in der Fabrik,
nein, rationalisiert wird auch beim Krieg.
So haben sich die Herren (mit Ach und Weh)
vom Schwerte umgestellt auf das MG.


Da würd ich schreiben: "nein, rationalisiert wird auch im Krieg."
"beim" hat so den Hauch von Umgangssprache (bei dem). Und "im" wäre doch inhaltlich nicht falsch?!

"Ach und Weh" wird großgeschrieben.

Anstatt Kanonendonner zu erwarten,
gibt’s heute Bomben und handliche Granaten.
Das faule Pferd, das bleibt im Stall,
so’n Panzer, der macht Bumm und Knall.


Das "handliche" würde ich streichen. Es stört den (zumindest meinen) Lesefluss.

Auch der Gevatter Tod nun muss umstellen,
um seine Arbeit noch zu stemmen,
in einen Mähdrescher, klug investiert,
die Sense wurde wegrationalisiert.


Diese erste Zeile liest sich wirklich total unrund ...
Erster Vorschlag: das "der" weglassen"
"Auch Gevatter Tod nun muss umstellen"

Daran gefällt mir "nun muss umstellen" gar nicht. Wenn hieße es "muss nun umstellen". Im Lesefluss jedoch wird "um-STELL-en" gelesen. Die Betonung müsste aber bei "UM-stellen" liegen. Ein anderes Wort aber fällt mir nicht ein (wenn, müsste ich die ersten beiden Zeilen ändern, damit der Reim erhalten bleibt). Außerdem ... vielleicht finde ja nur ICH es unrund ;-) :-D

Alles in Allem ein Gedicht, dessen Thema sicherlich nicht neu - aber denkanregend ist ... und das ist auch gut so. Denn wir werden noch gravierender erleben, welche Folgen diese "Rationalisierung" auf unser Leben haben wird.

Viele Grüße
mayanan

von mayanan

Re: Rationalisierung

 
Hallo mayanan,
der Reim unterstützt meiner Meinung nach diese Trockenheit, aber das ist natürlich Ansichtssache (bin ja eh kein Fan von durchgehenden Reimen).

Der Reim unterstützt tatsächlich eher die Trockenheit als Überschwang oder tiefe Überlegung. ( vergl. Blankvers- ungereimte Verse im Jambus-)
Mit dem Paarreim klingt es für mich etwas wie einfach so dahin gesagt.

Ich würde schreiben: "Das Gleiche schaffen mit halber Kraft,"
Liest sich flüssiger.

Dann passt es nicht mehr in das Metrum (Jambus), obwohl das Metrum unsauber ist , weil ich manchmal 4; 5 und manchmal 6 hebige Verse habe.

Da würd ich schreiben: "nein, rationalisiert wird auch im Krieg."
"beim" hat so den Hauch von Umgangssprache (bei dem). Und "im" wäre doch inhaltlich nicht falsch?!
"Ach und Weh" wird großgeschrieben.

Umgangssprache im Gedicht ist doch nichts schlechtes . ^^
Ach und Weh
wird natürlich großgeschrieben. :oops:

Das "handliche" würde ich streichen. Es stört den (zumindest meinen) Lesefluss.
Dann gibt's wieder Ärger mit dem Versmaß, aber der Vers ist eh zu lang. Dann schreibe ich eher :
gibt’s heute Bomben und auch Granaten.


Diese erste Zeile liest sich wirklich total unrund ...
Erster Vorschlag: das "der" weglassen"
"Auch Gevatter Tod nun muss umstellen

Auch der Vers ist tatsächlich sehr sperrig. Ich würde aber lieber schreiben:

Gevatter Tod auch muss umstellen,

Muss nicht doch so betont werden: umstellen ?
Aber jetzt hast du mich echt verunsichert :? Um ist doch nur eine rangehangene Präposition, stell hingegen der Wortstamm.

von maddin

Re: Rationalisierung

 
Hallo maddin,

Mit dem Paarreim klingt es für mich etwas wie einfach so dahin gesagt.


Ja genau, so meinte ich es :-) In der Art "Es ist halt so und ändern können wir auch nichts dran."

Freut mich, dass meine Vorschläge zur Verbesserung deines Werkes beitragen konnten, also an Anregung. Bzgl. Metrum kann ich halt leider nicht helfen, ist nicht mein Gebiet.

Muss nicht doch so betont werden: umstellen ?
Aber jetzt hast du mich echt verunsichert Um ist doch nur eine rangehangene Präposition, stell hingegen der Wortstamm.


Jetzt hast du mich etwas verwirrt ;-)
Aber wenn ich umstellen lese, liest es sich wie "umzingeln". Ähnlich wie mit "verstellen". Verstellen im Sinne von "sich verstellen, spielen", verstellen im Sinne von "an einem Gerät etwas verstellen" oder "etwas wegstellen".
Also denke ich, dass wirklich das "um" betont werden muss. Aber sicher bin ich mir auch nicht.

Herzliche Grüße
mayanan

von mayanan

Re: Rationalisierung

 
Hi mayanan,
Stimmt, es wird hört sich bei umstellen eher so an , als ob es "umzigeln" meint.
Vielleicht schreibe ich auch was ganz anderes, denn das ist mir jetzt alles zu uneindeutig.
Vielleicht sollte man es mal mit " was klemmen" (im Sinne von sparen ) versuchen?

von maddin

Re: Rationalisierung

 
Hi maddin,

ich antworte so spät, weil mir auch einfach nichts mehr eingefallen ist.

"was klemmen" finde ich ehrlich gesagt sehr schlecht. Ich z.B. kenne dieses Wort gar nicht in der Bedeutung von "sparen".

Etwas ist mir eingefallen, was dir vielleicht weiterhilft:

Gevatter Tod auch muss sich wandeln
zur Aufrechterhaltung seines Handelns


Kläglicher Versuch, ich weiß. Aber ich wollte es dich trotzdem wissen lassen. Vielleicht inspiriert dich dieser Versuch ja ;-).

Viele Grüße
mayanan

von mayanan