Hallo maddin,
also über den Titel war ich schon sehr erstaunt: Lyrische Verse über Rationalisierung? Was schreibt man darüber?

Es ist ein großes Thema - Globalisierung gehört ja z.B. auch als Bruder zur Rationalisierung mit dazu. Mit deinen Versen hast du es ganz gut angerissen. Doch ist es für mich noch etwas befremdend, diesen eigentlich trockenen Diskussionsstoff in Lyrik verpackt zu sehen - der Reim unterstützt meiner Meinung nach diese Trockenheit, aber das ist natürlich Ansichtssache (bin ja eh kein Fan von durchgehenden Reimen).
Ein paar Vorschläge hätte ich. Wenn sie nichts taugen, hats trotzdem Spaß gemacht, mich mit deinem Werk auseinanderzusetzen:
Sie greift um sich, an jedem Ort
ist sie heute hier, ist sie morgen dort.
Das Gleiche schaffen mit der halben Kraft,
das setzt sich durch mit aller Macht.
Das Komma in der ersten Zeile ist dort fehl am Platz.
Ich würde schreiben: "Das Gleiche schaffen mit
halber Kraft,"
Liest sich flüssiger.
Doch sie ist nicht nur in der Fabrik,
nein, rationalisiert wird auch beim Krieg.
So haben sich die Herren (mit Ach und Weh)
vom Schwerte umgestellt auf das MG.
Da würd ich schreiben: "nein, rationalisiert wird auch
im Krieg."
"beim" hat so den Hauch von Umgangssprache (bei dem). Und "im" wäre doch inhaltlich nicht falsch?!
"Ach und Weh" wird großgeschrieben.
Anstatt Kanonendonner zu erwarten,
gibt’s heute Bomben und handliche Granaten.
Das faule Pferd, das bleibt im Stall,
so’n Panzer, der macht Bumm und Knall.
Das "handliche" würde ich streichen. Es stört den (zumindest meinen) Lesefluss.
Auch der Gevatter Tod nun muss umstellen,
um seine Arbeit noch zu stemmen,
in einen Mähdrescher, klug investiert,
die Sense wurde wegrationalisiert.
Diese erste Zeile liest sich wirklich total unrund ...
Erster Vorschlag: das "der" weglassen"
"Auch Gevatter Tod nun muss umstellen"Daran gefällt mir "nun muss umstellen" gar nicht. Wenn hieße es "
muss nun umstellen". Im Lesefluss jedoch wird "um-STELL-en" gelesen. Die Betonung müsste aber bei "UM-stellen" liegen. Ein anderes Wort aber fällt mir nicht ein (wenn, müsste ich die ersten beiden Zeilen ändern, damit der Reim erhalten bleibt). Außerdem ... vielleicht finde ja nur ICH es unrund

Alles in Allem ein Gedicht, dessen Thema sicherlich nicht neu - aber denkanregend ist ... und das ist auch gut so. Denn wir werden noch gravierender erleben, welche Folgen diese "Rationalisierung" auf unser Leben haben wird.
Viele Grüße
mayanan