[Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

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[Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

Beitragvon George2307 » 14.02.2015, 22:38

(...)

Der Wagen passierte die nächste Bodenwelle, und Sarah vernahm ein schepperndes Geräusch um ihren Hals. Sie sah auf ihre Brust und bemerkte, dass es von ihrer Halskette stammte. Auf den ersten Blick war es nur eine schlichte Silberkette mit zwei Engelsflügeln als Motiv, doch der Gedanke an den Tag, an dem ihr Dad sie ihr geschenkt hatte, war auf seltsame Weise tröstlich, weil sie damals genau gewusst hatte, dass es für ihn nicht irgendeine Kette gewesen war. Es war der Tag ihres Auszugs gewesen, nachdem sie den letzten Umzugskarton verstaut hatte und im Begriff gewesen war, ins Auto zu steigen, als er plötzlich in seine Sakkotasche gegriffen hatte, um ihr in seiner wortkargen Art die Kette um den Hals zu hängen. Sie war mit ihren Fingern behutsam über das Motiv gefahren, als er aus dem Blickfeld ihres Innenspiegels verschwunden war, was ihr das Gefühl von Sicherheit gegeben hatte. Und jetzt, da sie sich inmitten dieses Albtraums befand, war es genau diese Sicherheit, nach der sie sich wieder sehnte.
Ich wünschte, ich wäre jetzt bei dir, Dad.
Der Wagen fuhr plötzlich langsamer und bog nach links ab. Die Fahrbahn wurde jetzt holpriger - und mit ihr auch Sarahs Puls, der jeden Muskel ihres Körpers in helle Aufregung versetzte.
Was hat er mit mir vor?
Schreckliche Bilder von Vergewaltigung, Folter und Tod stiegen in ihr hoch - Szenen, die sie bisher nur aus der sicheren, akademischen Perspektive des Jura-Studiums kannte.
Werde ich sterben?
Ohne ihr den Funken einer Hoffnung zu lassen, übermannte sie bittere Todesgewissheit.
Mein Leben endet hier! Nein, lieber Gott, ich bin noch nicht soweit! Bitte lass mich das überleben! Bitte!
Sie konnte den Gedanken daran, dass es zum Beten womöglich zu spät war, nicht mehr verdrängen. Es fühlte sich an wie eine Schlinge um ihren Hals, die immer enger gezogen wurde, je langsamer der Wagen rollte. Und als er schließlich zum Stehen kam und das Motorengeräusch verstummte, riss es ihr den Boden unter den Füßen weg.
Ihr Herz pochte so heftig, dass sie die Schläge zu hören glaubte. Sie mobilisierte noch einmal alle ihre Kräfte und zerrte wie wild an den Fesseln. Aber all ihre Mühe war vergebens. Eine Flut von Erinnerungen aus ihrem Leben brach über sie herein und machte ihr bewusst, wie jung sie noch war und wie viel sie noch vor sich gehabt hätte. Sie zitterte am ganzen Körper.
Das hier ist dein Ende.
Dann legte sich eine unerträgliche Stille über das Geschehen, und als Sarah plötzlich hörte, wie sich die Fahrertür öffnete und im nächsten Moment wieder ins Schloss fiel, rang sie vor Panik nach Luft.
Er ist ausgestiegen.
Das beunruhigende Geräusch fester Schritte, die sich in ihre Richtung bewegten, drang zu ihr durch. Ohne ihr Zeit zu lassen, den gewaltigen Adrenalinschub zu verarbeiten, der über sie hinwegfegte, öffnete sich schließlich die Hecktür des Lieferwagens. Sarah zuckte zusammen und erstarrte. Ihre Augen waren weit aufgerissen, doch im fahlen Licht der fortschreitenden Dämmerung konnte sie kaum mehr als die schemenhaften Umrisse einer großen, dunklen Gestalt ausmachen.
"Wer sind Sie? ", fragte sie voller Entsetzen. In ihrer Panik hatte sie den Knebel vergessen, der ihre Worte so verzerrte, dass man ihre Bedeutung bestenfalls erahnen konnte. Ohne zu antworten stieg der Mann zu ihr auf die Ladefläche. Sein Gesicht lang unter der Kapuze seines Sweatshirts verborgen, und Sarah hatte das Gefühl, in ein schwarzes Loch zu blicken, das jeden Moment in sich aufzusaugen drohte. Aus einem Fluchtinstinkt heraus versuchte sie, weiter nach hinten zu kriechen, fand aber keinen Halt und rutschte mit den Füßen immer wieder ab.
"Hallo Sarah ...", sagte der Fremde, ehe er in eine der Seitentaschen seiner Hose griff und sich zu ihr hinunter hockte.
"Bitte nicht", flehte sie ihn an.
"Schenk mir ein Lächeln ...", hauchte er ihr schließlich leise zu, und das grelle Blitzlicht einer Digitalkamera verdrängte für den Bruchteil einer Sekunde die erdrückende Finsternis. Sarah wurde stark geblendet, doch ihren Augen blieb keine Zeit, sich zu erholen. Denn im nächsten Augenblick wurde die eisige Lautlosigkeit, die auf das Blitzlicht gefolgt war, durch das unverwechselbare Geräusch zerfetzt, mit dem sich die Arretierung eines Springmessers löste. Für Sarah kam es einem Startsignal gleich, um das einzige Wort, das ihre Panik noch zuließ, mit aller Kraft hinauszuschreien.
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Re: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 2)

Beitragvon unkompliziert » 15.02.2015, 18:15

Hallo George,

da ist die schissige Unki wieder. Nur zu! Mach mir die kommende Nacht zur Hölle! :lol:


George2307 hat geschrieben:---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

(...)

Sie bereute, in ihrem Leben nicht häufiger gebetet zu haben und schämte sich dafür, dass ihr erst etwas derart Grausames zu dieser Erkenntnis verhelfen musste.

Ich bin von der ganz bösen, katholisch-kirchentreuen Sorte. Trotzdem würde ich den roten Text löschen, weil er zu belehrend klingt.
Sie mag schon Stresssituationen erlebt haben, in denen sie sich zerknirscht an die letzte Instanz gewendet hat, von der sie sich noch Hilfe erhoffen konnte, -- oder auch nicht.
Aber in jedem Fall nimmt der zweite Teil des Satzen Rhytmus und Tempo aus deinem Text und das wäre schade.


Inmitten dieser tiefen Verzweiflung fand sich jedoch urplötzlich der Gedanke an etwas, das Sarah zumindest ein kleines Stück Trost zu spenden vermochte.
Meine Halskette! Ist sie noch da?
Sie sah auf ihre Brust, konnte aber auf den ersten Blick nichts erkennen. Sie fühlte, wie eine neue, schlagartige Unruhe in ihr hochstieg.

Sie glaubt, dass sie eine magische Kette beschützt.
Das ist nicht dramatisch, lässt mich aber argwöhnen, wie kindlich sie ist.


Bitte, sie muss noch da sein!
Hektisch rollte sie sich von der Seite auf den Bauch, und als sie das feste Metall an ihrem Brustbein spürte, atmete sie erleichtert auf. Es war eine schlichte Halskette aus Silber, mit zwei ausgebreiteten Engelsflügeln als Motiv. Sie musste an den Tag denken, an dem ihr Dad sie ihr geschenkt hatte, und der Gedanke war auf seltsame Weise tröstlich. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie er vor ihr stehen geblieben war, nachdem er den letzten Umzugskarton in ihrem Auto verstaut hatte. Er hatte diesen Ausdruck im Gesicht gehabt, den er immer bekam, wenn er besorgt war und nicht wusste, was er sagen sollte. Sie hatte noch das Bild vor Augen, wie er plötzlich in seine Sakkotasche gegriffen und ihren Namen gerufen hatte, als sie im Begriff gewesen war, ins Auto zu steigen.
"Ich möchte, dass du das hier trägst", hatte er ihr nach kurzem Zögern gesagt und eilig den Verschluss geöffnet. "Vielleicht bringt es dir Glück".

Ok. Ich hatte jetzt die Hoffung, dass ihr Vater ein hohes Tier bei den Hell's Angles ist. Und wenn so ein kleiner Irrer den Anhänger ihres Vaters sieht, er aus Angst vor Konsequenzen die Tochter wieder freilässt!

Ich bin was Erinnerungsstücke angeht ein sehr sentimentaler Mensch. Aber ich persönlich kann es nicht nachfühlen wie es gehen kann, seine Hoffung in so einer Extremsituation auf einen Glücksbringer zu setzen.
Eher als das gemütliche Nachspüren von Kindheitserinnerungen, würde ich es erwarten, dass es sie schmerzt, wenn sie sich vorstellt, wie ihr Vater von der Polizei erfährt, dass sie entführt oder ermordet wurde.
Oder dass sie Angst hat, dass ihrem Vater auch etwas passiern könnte. Oder er sich aus Trauer etwas antut.

Schöne Erinnerungen würden mich in einer Gefängniszelle trösten, aber nicht in umittelbarer Todesgefahr.


"Du meinst das soll mich beschützen, jetzt da ich ausziehe", hatte sie ihm zugezwinkert, nachdem sie einen kurzen Blick auf die Kette geworfen hatte.
"Na los, dreh dich um" hatte er erwidert. Sie war sich sicher gewesen, dass er hinter ihr heimlich geschmunzelt hatte, als sie seiner Aufforderung gefolgt war und ihre langen, dunkelblonden Haare in einer einzigen fließenden Bewegung zur Seite geschoben hatte.
Die "einzige fließende Bewegung" ist schon ein bisschen selbstverliebt. Wenn man bedenkt, dass sie es ja ist, die so an sich selbst zurückdenkt. ;)


"Dad, die Uni ist keine fünf Meilen von hier entfernt", hatte sie noch beschwichtigt. "Ich verlasse nicht einmal das County."
Oooh.... du willst mich zwingend unglücklich machen. Nicht? -- Wie wäre denn wenigstens "Staat/Bundesstaat/Bezirk". Balsam für meine Anglizismen geplagten Augen?

"Ja, ja, ich weiß ..." hatte er nur gemurmelt. Die Erinnerung daran, wie er sie anschließend in den Arm genommen, ihr die Autotür aufgehalten und "Pass bitte gut auf dich auf, Kleines[.]" gesagt hatte,

Das "Dreh dich um." und das "Kleines" klingt für mich mehr nach Liebhaber, als nach Vater. Aber da könnte ich eine Ausnahme sein.

war in ihrem Gedächtnis ebenso präsent wie die Mischung aus Ungewissheit und Hoffnung, die sie gefühlt hatte, nachdem er aus dem Blickfeld ihres Innenspiegels verschwunden war.

"Hoffnung" auf was? Oder war es "Abenteuerlust"?

Sie war mit ihren Fingern behutsam über die Kette gefahren, was ihr irgendwie das Gefühl von Sicherheit gegeben hatte. Und jetzt, da sie sich inmitten dieses Albtraums befand, war es genau diese Sicherheit, nach der sie sich wieder sehnte.
Ich wünschte, du wärst jetzt bei mir, Dad.

Vorschlag: "Ich wünschte, ich wäre jetzt bei dir, Dad."
Damit sie nicht beide gefesselt im Lieferwagen...


Der Wagen fuhr plötzlich langsamer und bog nach links ab. Die Fahrbahn wurde jetzt holpriger - und mit ihr auch Sarahs Puls, der jeden Muskel ihres Körpers in helle Aufregung versetzte.

"Holpriger Puls" funktioniert nicht.
Vorschlag: "Puls beschleunigt sich nochmal" -- wobei das schwer vorstellbar ist
Vorschlag 2: "Herz setzt vor Schreck einen Schlag aus."

Muskeln können nicht "aufgeregt" sein. Und der Puls beeinflusst auch nicht die Muskeln, sondern das Adrenalin beeinflusst beide von ihnen. Also nicht nur was die medizinischen Fakten betrifft, sondern auch was den Volksglaube angeht.


Wohin fährt er mit mir?
Sie wunderte sich kaum darüber, dass sie von einem Mann am Steuer ausging. Alles andere erschien ihr in diesem Moment einfach abwegig.

Es ist schön, dass du dich pflichtschuldig dafür entschuldigst.
Wie wollen auch nicht über Kriminalstatistiken streiten.
Ich finde, in der Lage, darf Sarah auch einfach mal nur reagieren und muss nicht 100% politisch korrekt sein.
Lösch den roten Text raus.


Was hat er mit mir vor?
Schreckliche Bilder von Vergewaltigung, Folter und Tod stiegen in ihr hoch.
Werde ich sterben?
Ohne ihr den Funken einer Hoffnung zu lassen, übermannte sie bittere Todesgewissheit.
Mein Leben endet hier! Nein, lieber Gott, ich bin noch nicht soweit! Bitte lass mich das überleben! Bitte!

Sehr natürlich und nachvollziehbar dieser Teil. Super!

Doch die Einsicht, dass es zum Beten womöglich zu spät war, konnte sie nicht mehr verdrängen.

Woher sollte sie wissen, dass es
1. jetzt zu spät zum Beten ist.
2. das Beten zu einem früheren Zeitpunkt geholfen hätte.
Man hofft natürlich immer das beste, aber die wenigsten sind sich absolut sicher, dass Gott wie ein Fahrkartenautomat funktioniert.

Ich würde bei dem Gefühl bleiben, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat, und alle eventuellen reuigen Gedanken an einen Zeitpunkt setzen, wo die Katastrophe nicht so direkt bevor steht.

Also entweder ist sie vor Panik kurz vor dem ohnmächtig werden -- oder sie hat noch die Nerven, gute Vorsätze für den Fall zu fassen, dass sie mit einem blauen Auge davonkommt.


Es fühlte sich an wie eine Schlinge um ihren Hals, die immer enger gezogen wurde, je langsamer der Wagen rollte. Und als er schließlich zum Stehen kam und das Motorengeräusch verstummte, riss es ihr den Boden unter den Füßen weg.
Ja! Super!

Ihr Herz pochte so heftig, dass sie die Schläge zu hören glaubte. Sie mobilisierte noch einmal alle ihre Kräfte und zerrte wie wild an den Fesseln. Doch alle Mühe war vergebens. Eine Flut von Erinnerungen aus ihrem Leben brach über sie herein und machte ihr bewusst, wie jung sie noch war und wie viel sie noch vor sich gehabt hätte. Sie zitterte am ganzen Körper.
Das hier ist dein Ende.
Dann legte sich eine unerträgliche Stille über das Geschehen, und als Sarah plötzlich hörte, wie sich die Fahrertür öffnete und im nächsten Moment wieder ins Schloss fiel, rang sie vor Panik nach Luft.
Er ist ausgestiegen.
Das beunruhigende Geräusch fester Schritte, die sich in ihre Richtung bewegten, drang zu ihr durch. Ohne ihr Zeit zu lassen, den gewaltigen Adrenalinschub zu verarbeiten, der über sie hinwegfegte, öffnete sich schließlich die Hecktür des Lieferwagens. Sarah zuckte zusammen und erstarrte. Ihre Augen waren weit aufgerissen, doch in der Dunkelheit der Nacht konnte sie kaum etwas erkennen. Die schemenhaften Umrisse einer großen, dunklen Gestalt waren das einzige, was sie zunächst ausmachen konnte.

Ganz klasse! - bzw schrecklich *an den Fingernägeln kau*

"Wer sind Sie?", schrie sie voller Entsetzen. "Was wollen Sie von mir?"

Bereits beim ersten Wort hegt sich Widerspruch in mir. Ich denke an den Knebel und dass sie den Kiefer kau schließen kann. Da kommt kein Wort.
Ich glaube auch nicht, dass ihr das erst nach zwei Sätzen auffällt.

Auch finde ich es ziemlich offensiv, jemanden anzuschreien, vor dem man sich fürchtet. Dass würde man dann tun, wenn man hofft, dass einen Umstehende auch noch hören könnten.

In diesem Moment würde ich meinen, dass sie entweder als rein körperliche Reaktion hysterisch zu schreien oder zu weinen beginnt, keinen Ton sagt oder panisch wimmert und bettelt, dass er ihr nichts tut.


In ihrer Panik hatte sie den Knebel an ihrem Mund vergessen, der ihre Worte so verzerrte,

"verzerren" würde den Klag betreffen. Aber wenn sie den Mund voll hat, kann sie keine Worte bilden und die Laute die von den Stimmbändern kommen sind gedämpft.
"Verzerrt" werden Töne, wenn sie die Geräuschquelle bewegt (Auto, Düsenjet), wenn Microphone/Lautsprecher spinnen oder wenn einen Schallplatte/Tonaufnahme in der falschen Geschwindigkeit abläuft.


dass man ihre Bedeutung bestenfalls erahnen konnte. Der blanke Überlebenswille beherrschte sie nun.

Den roten Text würde ich löschen.
1. Der Leser kann das selber ahnen.
2. Man fragt sich: "Wie? Jetzt erst?"
3. Es klingt wie die Erklärung für ein Verhalten, dass aber jetzt noch nicht kommt.



Ohne zu antworten stieg der Mann zu ihr auf die Ladefläche. Aus einem Fluchtinstinkt heraus versuchte sie, weiter nach hinten zu kriechen, fand aber keinen Halt und rutschte mit den Füßen immer wieder ab.
Das ist gut.

Sein Gesicht lang unter der Kapuze seines Sweatshirts verborgen,
Egal. War es nicht eben noch so dunkel, dass sie ihn sowieso nicht erkennen konnte?

sodass Sarah das Gefühl hatte, in eine Art schwarzes Loch zu blicken, das ihre gesamte Materie aufzusaugen drohte.
Darth Vader! -- Oder wie hieß der dunkle Lord mit Kapuze in Star Wars?
Also das Bild mit Kapuze ist schon riskannt. (Man denke an den Tod in Scary Movie -- von dem ich nur Ausschnitte ertragen konnte). Aber spätestens bei "schwarzes Loch" und "dunkle Materie" beamt es die Gedanken deiner Leser in die Science Fiction. Auch wenn das nicht deine Absicht ist.


"Hallo Sarah ...",
Ha! Ein Sadist! -- Nur Sadisten spielen so genüsslich mit ihren Opfern!

sagte der Fremde, ehe er in eine der Seitentaschen seiner Hose griff und sich zu ihr hinunter hockte.
Woher kennt er meinen Namen? Oh Gott, ich will nicht sterben!
Ach kommt schon, du Akademikerin! Woher wird er deinen Namen schon kennen? Von deinen Klingelschild, deiner Post oder ist er dir mal hinterhergelatscht und eine Freundin hat dich gerufen.

"Schenk mir ein Lächeln ...",
Sadist, Sadist, Sadist... eindeutig. Wie soll ich das jemals ohne psychischen Knacks zuende lesen? ;)

Außerdem argwöhnt Leserin Unki, dass er einen persönlichen Groll gegen sie hegt, weil er so spottet. Vielleicht ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein anderer Jurastudent dem sie die Assistenzstelle weggeschnappt hat?


hauchte er ihr schließlich in leisem, schrecklichem Ton zu,
"schrecklich" würde ich löschen. Diese Sorte Zaunpfahl "Hallo, der Typ ist gefährlich und unsympatisch!" verdirbt die Stimmung.
Etwas sachlicher formuliert: bei "schrecklich" spüre ich, dass ich mich gruseln soll. Das Wort ist aber so neutral, dass ich nicht weiß *was* an seiner Stimme so schrecklich sein könnte. Und das frustriert.
Deswegen mag ich das Wort an dieser Stelle gar nicht.


und das grelle Blitzlicht einer Digitalkamera verdrängte für den Bruchteil einer Sekunde die erdrückende Finsternis. Sarah wurde so stark geblendet,

Soweit ist es gut.

dass ihre Augen anschließend wieder von neuem anfangen mussten, nach verwertbaren Informationen in der Dunkelheit zu suchen.

Du möchtest auf neuartige Weise beschreiben, was passiert, wenn jemand geblendet wird. Aber wir wissen das und werden ungeduldig, weil der Text nicht weiter geht. Deswegen würde ich den roten Text löschen und nur festhalten, dass sie massiv geblendet wurde.

Doch so sehr sie sich auch bemühten - sie vermochten sie nicht gegen das zu wappnen, was ihren Ohren noch bevorstand. Denn im nächsten Augenblick wurde die eisige Lautlosigkeit, die auf das Blitzlicht gefolgt war, durch das unverwechselbare Geräusch zerfetzt, mit dem sich die Arretierung eines Springmessers löste.

Vorschlag: Lass das Springmesser einfach aufschnappen und den Leser erschrecken so, wie es Sarah erschreckt hat.

Man kann sich darüber streiten, ob es sie wirklich trösten würde, wenn sie das Ding nicht nur hört, sondern auch direkt vor ihrer Nase aufspringen sieht.
Lass da Schlag auf Schlag etwas Schreckliches, Neues, Interessantes passieren. In dem Gefühl der tödlichen Vorahnung haben wir uns schon sehr lange gesuhlt. Jetzt darf es vorwärts gehen.

Ich hoffe doch, der Kerl macht sich ein bisschen Licht an, bevor er anfängt irgendwo rumzusäbeln?


Für Sarah kam es einem Startsignal gleich, um das einzige Wort, das ihre Panik noch zuließ, mit aller Kraft hinauszuschreien.
Wie gemein, dass du nicht verrätst, welches Wort das ist!


Stellenweise sehr schön straff und temporeich!
An manchen Stellen möchtest du noch das letzte bisschen aus einem Sachverhalt herausquetschen und dann verbummelst du dich und dadurch wird der Text an dem Punkt sogar harmloser.

Ok... Also nochmal 1000 Worte weiter würde ich mich schon noch lesen trauen... :)

Liebe Grüße
dir auch noch viel Spaß und viel Erfolg beim Schreiben. ;) Oder beim Quälen! :mrgreen:

Unki
unkompliziert
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Re: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 2)

Beitragvon George2307 » 15.02.2015, 23:34

Hallo unkompliziert,

vielen Dank für die äußerst hilfreiche und ausführliche Begutachtung meines Textes! :P

Zu der "Gefesselt-Aufwachen"-Passage nur soviel:
Bei Sarahs Empfindungen handelt es sich um das, was in den allerersten Sekunden passiert, nachdem sie im Lieferwagen zu sich kommt. Würde ich sofort schreiben, dass sie die Fesseln bemerkt, würde das der Szene einen Großteil der Spannung nehmen - und davon leben Psychothriller. Ich versuche daher, den Spannungsbogen ein wenig in die Länge zu ziehen.

Ihr kamen allerhand mögliche Antworten in den Sinn, die sie bisher nur aus der sicheren, akademischen Perspektive des Jura-Studiums kannte.
Ich kann mir als Mensch von der Straße nicht vorstellen, wie es da verschiedene Möglichkeiten geben kann.

Sarah fragt sich ja, wie sie in den Lieferwagen gekommen ist. Während des Jura-Studiums wird man sich (hoffe ich jedenfalls) mit Themen wie Entführung, Vergewaltigung oder Mord beschäftigen. :shock:

Zum Ort der Handlung:
Es ist eine US-amerikanische Großstadt - sorry, dich enttäuschen zu müssen. :mrgreen:
Bin und bleibe Amerika-Fan, und außerdem ist der Handlungsort für die (noch folgende) Handlung wichtig.
In der Originalfassung steht der Name der Stadt. Kann und will ich hier aber nicht verraten ...

Das Schlucken fiel ihr immer schwerer.
schwillt ihr Hals an?

Nein, er trocknet aus. Das soll eine Anspielung darauf sein, dass der Knebel ihre Spucke aufsaugt, die sonst das Schlucken erleichert.

Sie glaubt, dass sie eine magische Kette beschützt.
Das ist nicht dramatisch, lässt mich aber argwöhnen, wie kindlich sie ist.


Nicht so schnell. Schließlich sind wir hier nicht bei Kindergeschichten, oder? 8)
Es ist zunächst einmal einfach nur eine Halskette, die für sie von besonderer, emotionaler Bedeutung ist.
Im Laufe der Story wird die Kette noch eine Rolle spielen - eine Art Verbindungsstück sozusagen ...

"Wer sind Sie?", schrie sie voller Entsetzen. "Was wollen Sie von mir?"

Bereits beim ersten Wort hegt sich Widerspruch in mir. Ich denke an den Knebel und dass sie den Kiefer kau schließen kann. Da kommt kein Wort.
Ich glaube auch nicht, dass ihr das erst nach zwei Sätzen auffällt.

Es steht nirgendwo, dass Sarah hinterher "auffällt", dass sie ja noch geknebelt ist. Sie brüllt einfach drauf los, als sie den Typen an der Tür sieht. Dass da auch keine sauberen Wörter rauskommen, habe ich dem Leser bereits zuvor verständlich zu machen versucht.

Insgesamt steckten in deinem Kommentar mit Abstand die meisten hilfreichen Hinweise, die ich bisher hier sammeln konnte. Deshalb behälst du mich auch bitte brav im Auge. Ich habe nämlich die Absicht, die Schreiber-Community mit noch weiteren Texten zu terrorisieren ... 8)

In diesem Sinne:
Vielen Dank und bis bald!
Und pass auf deinen Rücken auf, wenn du demnächst im Dunkeln ins Auto steigst ... :twisted:
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Re: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 2)

Beitragvon Maggi1417 » 16.02.2015, 00:04

Für eine Zeilen-Korrektur bin ich schon zu müde, aber ich dachte, ich teile die trotzdem mal meinen Eindruck mit.

1. Dein Schreibstil ist sicher und flüssig. Dafür ein großes Lob.
2. Es wäre besser, wenn du den Leser gleich zu beginn "erden würdest" Die ersten paar Absätze finden quasi im Vakuum statt. Man weiß überhaupt nicht was los ist, erst etwa in der Mitte des Textes wurde mir klar, wo sie sich befindet.
3. Diesen ganzen Abschnitt mit "Dad gibt ihr die Halskette" würde ich komplett streichen. Das nimmt sowas von das Tempo und die Spannung raus, dass gibt's gar nicht.
Wenn die die Halskette reinbringen willst, dann kürze das. Kette ist vom Papa -> ich wünschte du wärst jetzt bei mir. Fertig. Bitte, bitte kein Rückblende in einer solchen Szene. Und schon gar nicht eine Rückblende in der nichts interessantes passiert.
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Re: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 2)

Beitragvon George2307 » 16.02.2015, 22:32

Hallo Maggi1417,

vielen Dank für die Blumen, was meinen Schreibstil angeht! :P

Ich gehe davon aus, dass Du inzwischen bemerkt hast, dass Du lediglich den 2. Teil meines Textes gelesen hast. Insofern dürfte sich der 2. Punkt Deines Kommentars erledigt haben ...

Was die Sache mit der Halskette betrifft, werde ich darüber nachdenken, ob und wie ich das Ganze hübscher und vor allem kürzer verpacken kann. Vielen Dank für den Hinweis!

Herzlichen Gruß
George2307
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Re: [Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

Beitragvon Tintenklexxx » 22.08.2015, 14:21

Hallo, ich versuche mich an einem Kommentar zu Deinem Text.
Bin absolut neu hier. Mit der Technik hier komme ich auch nicht klar,
Wie ich etwas einfügen kann usw.. :-) bin also auf mein Gedächtnis angewiesen von Deinem Text.
Dir schenke ich meinen ersten Kommentar, sozusagen. :-)

Insgesamt find ich spannend, was ich las und würde sicher dran bleiben, bei einem gewissen Zeitüberschuss.

1. wieso scheppert die Halskette? Selbst auf dem Transporter sollte sie nur schurren oder klingen? "Scheppern"da stelle ich mir ein gewaltiges Blechding vor. Silber klingelt ev. andere Metalle geben ein Klirren von sich, aber scheppern?

2. Deine Einstiegspassage: ich empfinde sie sprachlich als langatmig und der Situation nicht angemessen, in der sie sich emotional befindet. Dazu sind die Sätze zu kompliziert, zu lang und die Sache mit der Halskette zu detailliert. Hier wäre ein kürzerer, kompakterer Einstieg hilfreich.

3. Du gebrauchst zu Anfang einige Male das Wort "gewesen", auch sonst arbeitest Du mit Passivkonstruktionen und Hilfsverben. Wenn es Dir gelänge mit aktiven Verben und einer höheren Dynamik den Einstieg zu finden, der zwischen Panik und der Beschäftigung mit der Kette(stiller Hilferuf nach dem Vater) sich abspielt, wäre das hilfreich.

4. Das Verhalten von ihr empfinde ich als unschlüssig. Wenn sie Angst hat vor Gewalt oder dem Tod sehe ich sie entweder als "gelähmt vor Angst", dann sind einige ihrer inneren Monologe nicht stimmig. Oder sie ist "cool, weil sie noch einen Trumpf im Ärmel hat" dann kann sie provozieren und den Unbekannten anschreien usw. oder sie ist in Panik, dann wird sie vorher nicht so schöne langatmige Texte über ihren Vater oder die Kette denken.

5. Und damit zum letzten Punkt. Die konsequent personale Erzählsruktur sollte mit durchgehend konsequenter emotionaler Sprachführung der Heldin einhergehen. Und die ist wie in meinem Punkt 4 erläutert, nicht eindeutig.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken?

Ich wünsche Dir Erfolg für Dein Buch. lg der Tintenklexxx
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Re: [Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

Beitragvon George2307 » 01.09.2015, 17:35

Hallo Tintenklexxx,

zunächst einmal vielen Dank dafür, dass du mir deinen ersten Kommentar schenkst!

Nun zu deinen Fragen:

1. Die Halskette scheppert, weil sie - ebenso wie Sarah - auf dem Bodenblech des Lieferwagens liegt. Das scheppernde Geräusch wird durch die Unebenheiten der Fahrbahn erzeugt. Ich vermute, dass du den 1. Teil der Anfangsszene noch nicht gelesen hast?

2. Den Hinweis bezüglich der langatmigen und teils komplizierten Sätze habe ich bereits mehrfach bekommen.
Ich arbeite bereits daran, diese Neigung abzustellen ... :wink:

3. Guter Tipp, danke!

4. Kann deinem Hinweis leider nicht folgen. Kasst du es etwas präziser an Beispielen festmachen, wenn du von "unschlüssig" sprichst?

5. Bitte erläutern, was du mit "durchgehend konsequenter, emotionaler Sprachführung" meinst.
PS: Sarah ist nicht die Heldin der Geschichte. Es handelt sich bei dieser Passage lediglich um den Prolog.

Bin gespannt auf deine Ausführungen

Schönen Gruß
George
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Re: [Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

Beitragvon Tintenklexxx » 06.09.2015, 19:24

ok, schön, dass wir in Dialog treten, George
Ich habe nebenbei ein riesiges Gartengrundstück und bin geradeim Ernten und in der Weinlese. Entschuldige bitte mein Schweigen bis heute :-)

Nein, ich habe nur diesen Textausschnitt angeschaut. Also diese 1000 Worte. Ich gehe davon aus, dass ich damit eine Probe deines Schreibstiles erwischt habe und symptomatische Probleme :-)

zu 1. "Sarah vernahm ein schepperndes Geräusch um ihren Hals. Sie sah auf ihre Brust und bemerkte, dass es von ihrer Halskette stammte."
von auf dem Boden liegen kann ich nichts lesen, aber dass die Kette am Hals scheppert und sie dann auf ihre Brust schaut. Das erscheint mir als unschlüssige Handlung und auch Gedanken- und Sprachführung. Weil wenn was an meinem Hals scheppert, bin ich aus Blech und erschrecke, wenn ich dass bisher nicht wußte. Wenn ich auf dem Boden liege, dann scheppert die Kette auch da auf dem Boden. Dann brauch ich nicht auf meine Brust zu schauen.
zu 4. und 5.) Der Gedanke, den sie in dieser Situation formuliert: "Ich wünschte, ich wäre jetzt bei dir, Dad." In solcher Situation würde ich nicht so poetische Sätze denken. Ev. "Dad, hol mich hier raus!" oder sowas.
Ihr Handeln und Denken sind psychologisch nicht eindeutig geführt. Sie denkt literarisch druckreife Paniksätze. Einerseits läßt du sie panisch wirken, auch wenn hier physiologisch zwischen Puls und Muskeln Verknüpfungen geschaffen werden, die so nicht existieren.
Du gibst den Hinweis, sie würde sich bestimmte Dinge aus ihrem Studium vorstellen können. Sie verhält sich aber wie jemand, der nur RTL-Serien sieht. Auch der Sprachversuch mit dem Knebel im Mund. Den hätte sie schon vorher gespürt. Das tut weh und erschwert das Atmen. Und wenn sie so panische Angst hat, wird sie nicht so aggressiv formulieren, auch nicht in Gedanken; ev. verschlägt es ihr die Sprache und sie ist vor Angst gelähmt. Oder sie wimmert oder versucht hysterisch zu schreien.
Wenn sie cool ist, kann sie schon eher nach dem Woher und Warum fragen und denken. Aber dann sollte sie auch vorher analytisch sein. Aber davon ist nichts zu spüren. Im Gegenteil, sie will ja schon beten, weil ihr nichts anderes einfällt.

5. Durchgehend konsequent meine ich: suche dir die psychologische Konstitution, selbst für diese kurze Szene sollte sie stimmen, und dann wähle die Worte, die Sprache.
Du erzählst die gesamte vorgestellte Szene aus der Sicht oder der Wahrnehmung deiner Heldin. Also wie ist ihre Konstitution und wie verhält sie sich. Und welche Sprache und Handlung resultiert daraus. Verstehst du?

Also viel Erfolg vom Tintenklexxx
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Re: [Thrill]Re-reloaded: 2. Teil der Anfangsszene

Beitragvon George2307 » 10.09.2015, 20:34

Hallo Tintenklexxx,

späte Antworten sind mir lieber als gar keine :wink:

Deinen Hinweis zum 1. Punkt nehme ich dankend auf. Allerdings muss ich noch einmal darauf hinweisen, dass die Handlung der 2. Textpassage besser nachzuvollziehen ist, wenn man zuvor die 1. gelesen hat (z.B. dass Sarah sich in liegender Position befindet und das sich daraus ergebende Geräusch der Kette auf den Blech des Wagenbodens).

Im Übrigen sind deine Ausführungen gut nachzuvollziehen und als Tipp auf jeden Fall brauchbar.
Dafür schon mal vielen Dank!

Was schreibst du eigentlich selbst so?
Vielleicht lädst du mal was von dir hier hoch?

Schönen Gruß
George
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