Realität VS Fantasie

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Realität VS Fantasie

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Realität VS Fantasie

Was sagst du zu dem Thema?
Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?
Ist es den Lesern auch bewusst?
Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?
Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?
Findest du das bedenklich/normal/herrlich?

von Jacky

Re: Realität VS Fantasie

 
Nachdem ich nun diesen Artikel gelesen habe, bin ich ins Grübeln gekommen. Ich versuche mal, meine Gedanken dazu auf den Punkt zu bringen.


Was sagst du zu dem Thema?

Ein sehr interessantes Thema, wo ich mich sehr auf die Antworten freue, weil ich glaube, dass sie sehr unterschiedlich ausfallen werden.

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?

Das kommt immer auf den Typ Mensch an. Ich persönlich mag solche Geschichten, doch ich hege generell keine Erwartungen im Leben, die aus Romanen oder Filmen resultieren. Ich nutze sie lediglich dazu, meine eigene Stimmung zu heben, wenn diese mal mit dem Stimmungs-Aufzug im Keller stecken geblieben ist. Es lenkt mich ab, gibt ein schönes Gefühl, das ich dann in die Realität mit rüber nehmen kann.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?

Die meisten schon, denke ich. Bei Jugendlichen mag das hier und da etwas verklärt aufgefasst werden, doch selbst diese ist heute in den meisten Fällen aufgeklärter und realistischer was das Leben anbetrifft, als das noch zu meiner Jugendzeit oft der Fall war. (Ohje, nach dem Satz fühl ich mich jetzt gerade alt :| )

Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es Menschen gibt, die dem Traum-Partner sehr nahe kommen und ich freue mich, dass ich so ein "Exemplar" für mich "ergattern" konnte :lol:
Klar, keiner ist immer nur himmelhochjauchzend drauf, das würde ja beinahe schon den Aspekt "manisch" erfüllen. Und lebenslange Garantien gibt´s vielleicht auch nicht. Doch wenn man nach über 5 Jahren noch immer Schmetterlinge im Bauch hat, wenn man den Partner sieht oder er einen berührt, man sich oft ohne Worte versteht und die überaus seltenen Meinungsverschiedenheiten vernünftig besprochen und beigelegt werden können; einem zwar die Macken auffallen, man sich aber nicht drüber ärgert sondern sie liebevoll belächelt und einem schlichtweg nichts einfällt, was man an ihm ändern wollte dann möchte ich behaupten: man hat einen Traum-Partner.


Ist es den Lesern auch bewusst?


Hm, das ist für mich im Prinzip dieselbe Frage wie die darüber. Oder versteh ich sie falsch?


Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?

Generell mach ich mir so zum Spaß gerne über alles und jeden Gedanken und insbesondere wenn man sich mit der Schreiberei befasst, sollte man über solche Charaktere durchaus nachdenken. Entweder, um es für gut zu befinden und seine Charaktere diesem Bild anzugleichen oder eben, aus dem genauen Gegenteil heraus. Ich persönlich mag für meine Geschichten lieber Figuren, die ein wenig mehr konfliktbehaftet und somit nicht allzu perfekt sind.

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?

Auch da kommt es aufs Genre an. Für Liebesromane kann es durchaus funktionieren, wenn es die Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität hat. Für alles andere könnte sehr schnell Langeweile aufkommen, somit muss mehr Realität rein, denke ich.

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?

Nein. Ist für mich auch absolut unvorstellbar.

Findest du das bedenklich/normal/herrlich?


Für Teenies find ich sowas noch normal. Egal ob Roman- Film- Serien- oder Musikidol. Bei Erwachsenen find ich das etwas befremdlich, will mir aber nicht anmaßen, es zu beurteilen geschweige denn zu verurteilen. Jeder tickt anders. Solange man nicht den Realitätsbezug total verliert, ist es wohl nicht bedenklich. Nur sehe ich es als problematisch, irgendwann doch noch mal eine glückliche Beziehung mit einem Partner aus Fleisch und Blut zu führen.

LG
Jennifer

von JenLi

Re: Realität VS Fantasie

 
Was sagst du zu dem Thema?
Könnte ein interessantes Diskussionsthema werden.

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Ich denke schon. Auch wer bewusst weiß, dass es sich hier nur um Fiktion handelt, fängt an zu Träumen.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?
Die meisten wissen es. Und doch – der Hauch eines leisen Zweifels wird immer bleiben.

Ist es den Lesern auch bewusst?
Nein ihnen ist es nicht bewusst. Das Unterbewusstsein spielt uns da einen kleinen Streich. Wir wissen zwar, dass es diesen Idealtyp nicht gibt. Aber tief in uns steckt die Sehnsucht nach ihn oder ihr.

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte? Der Mensch denkt – also ist er.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Die Leser wünschen es sich so.

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Dann würde uns keiner lesen. Die meisten wollen ihr Happy End. Sie wollen nicht das eigene Versagen vor Augen geführt haben. Sondern eine perfekte Traumwelt.

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?
Nein.

Findest du das bedenklich/normal/herrlich?
Stoff für einen guten Roman.

von Arius

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich suche mir eine Geschichte aus, die meine Erwartung weckt und stürze mich hinein. Für mich sind für die Dauer der Geschichte die Figuren so lebendig wie ich es bin. Ich sterbe mit ihnen, wenn sie es tun. Ich will kein reales Leben lesen. Das lebe es. Ich möchte einen Traum und darin mich unsterblich verlieben und verlieren. Innerhalb der Klammer der Buchumschlag/ Rücken, sind für mich alle Regeln aufgehoben. Dass das funktioniert ist so unglaublich.

von Miko

Re: Realität VS Fantasie

 
Was sagst du zu dem Thema?

Da hab ich mir schon total oft Gedanken drüber gemacht. Ein Grund, warum ich Liebesfilme und Bücher nicht abkann.... :P Kann das Zeug nicht ausstehen. Ich hab noch so einem Film immer total schlechte Laune und bin mega down. Ich denk dann immer: Ja klar, ist sicher! Passiert mir nie im Leben!
Deswegen sind wohl meine Bücher etwas düsterer angehaucht und ich mach gerne mal einen / mehrere meiner Charaktere unglücklich. XD *fies*
Allerdings, ich merke, dass manchmal die Geschichten solche Happy Ends erfordern. Wir wollen doch alle gewinnen und das Gute siegen lassen, auch wenn es nicht immer wahr ist.


Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?

Total und absolut. Siehe Frage 1. Ich kann mir solche Schnulzsachen schon gar nicht mehr angucken, weil ich davon mega gereizt werde, erstens und zweitens ich mich dann voll minderwertig und schlecht fühle und mich frage, warum das Leben so besch****en ist.
Ich hab mich allerdings damit angefunden, dass es perfekt nicht gibt. Ich suche eher jemanden, wo mir die "schlechten Eigenschaften" nichts ausmachen und die guten Eigenschaften gefallen. Also jemand der zu mir passt, mich ergänzt, dazu muss er nicht perfekt sein. Ich kann mit viel Inperfektion leben, wenn die wichtigen Dinge stimmen. (*verlegen an jemand bestimmtest denk und dann traurig bin*)
Diese Haltung kann man auch auf nicht romantische Sachen beziehen, das ganze Leben.
Allerdings, wenn es Geschichten sind, wo es eben nicht zuallererst um Liebe und Beziehung geht, reizen diese mich auch nicht so sehr, wenn sie total unrealistisch sind. Herr der Ringe könnte man auch zu so einer Geschichte dazu zählen (ein Hobbit besiegt den schlimmsten Feind der Erde?! Ja, klar!) Trotzdem ist es eine gute Geschichte die mir gefällt und von der ich mich gerne davontragen lasse. Ich glaube welche Art von Unrealismus uns auf den Zeiger geht, hängt von uns ab. Man könnte diese Sache wie gesagt, von Beziehungskisten wegübertragen auf alles was man will...

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?

Vielleicht. Vielleicht mögen sie auch daran glauben, dass sie vielleicht doch mal das Glück haben. So wie es Menschen gibt, denen es an allem fehlt, gibt es ja vielleicht auch Menschen, denen es an nichts mangelt. Yin und Yang oder göttlicher Ausgleich sind da Stichpunkte. Und wenn man an sowas nicht glaube, reicht es ja vielleicht, dass es bei so vielen Menschen auf der Erde einfach eine bestimmte Wahrscheinlichkeit gibt, dass soetwas passieren könnte.
Ich warte nur nicht darauf, dass es mir passiert. Dazu bin ich im Moment zu sehr Realist.

Ist es den Lesern auch bewusst?

Was ist der Unterschied zur Frage davor? Wenn ich etwas weiß, wie kann es mir nicht bewusst sein?

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?

Das Gedanken machen bezieht sich wo drauf? Dass ich meinen Leser vielleicht etwas vormache, wenn ich so eine Geschichte schreiben? Oder ob ich mich damit für mich beschäftige?
Wie gesagt, setzte ich meinen Lesern eher Geschichten vor, wo nicht alles so rosig ist. Das liegt aber an mir, dass ich es in die Welt hinausschreien will und so damit die Menschen bewegen will. Es gibt Dramatik und die ist nicht immer schön.
Ich beschäftige mich intensiv damit. Ich denke, dass Menschen sich auch ohne Geschichten genug vormachen und sich "anpassen" und "in der Gesellschaft" funktionieren, weil sie denken, dass es so sein muss. Ich gehörte auch zu denen, die das dachten und oft versucht haben. Deswegen: Meine Gedanken bestehen eigentlich nur daraus, was wahr ist und was nicht. Ich schätze Geschichten aber als das, was sie sind: Geschichten. Ablenkung, Kurzeweile. Auch in meinen Geschichten kommt es mal zum Happy End und manchmal, obwohl ich das gar nicht so geplant hatte... Geschichten sind eben eine Sache für sich.
Gab es nicht mal einen Artikel: Man soll das Maximum heruasholen? Charaktere sind in Geschichten immer schlagfertig, weil der Autor sich tagelang um den Satz Gedanken gemacht hat? Ist es dann nicht auch ok, eine Maximum an Erzählun, Dramtik, Freude und Leid heraus zu holen? Ist es nicht das, weswegen wir Geschichten mögen und sie uns ablenken und verzaubern können? Wer würde schon eine langweilige Geschichte lesen?
Von daher, ist es eine Sache von: Wie stehe ich dazu und als was sehe ich es an.


Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?

*lol* Ok, ich hab in der Frage davor vorgegriffen. Klaro. Deswegen sind Büche Bücher und Filme Filme. Da hat sich jemand mega viele Gedanken gemacht im Vorwege um etwas auf den Punkt zu bringen. Ein Statement, eine Moral, eine Freude...
Da möchte man nicht wissen, wie oft der Autor zum Kaffeautomaten laufen musste, um auf die Idee zu kommen. XD
Es sind Zeichen, Symbole. Man muss sowas mit Verstand betrachten und abwägen. Was ist real uns was nicht, was soll mir das sagen und was lerne ich daraus. Oder einfach: Mann, das waren mal eineinhalb Stunden knallharte Action und sie sind vergangen wie im Fluge! Guter Film! XD
Betrachtet die Dinge mit Verstand, dann ist alles in Ordnung.


Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?

Schadet nicht. Ich finde gerade Geschichten mit tragische Helden sehr sehr gut. Weil ich mich diesen Charakteren näher fühle, ich fühle vielleicht sogar genau wie sie. Es ist nicht alles perfekt und staubfrei. Ich möchte endlich mal eine gute Geschichte lesen, wo das Böse gewinnt und man am Ende denkt: Yeah, genauso hat es sein müssen! Ich liebe auch Geschichten, wo der Gute böse Züge hat und der Böse gute und wo man dann dem Bösen fast doch noch den siegt gönnt. *haarrrr* Unglaublich gut!
Aber, die anderen Geschichten sind eben auch gut und erfüllen ihren Zweck.


Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?

Oft. Heute tue ich das nicht mehr. Ich frage mich eher, was es war, was mich so fasziniert hat und versuche es mir als Vorbild zu nehmen. Eine Essenz für mich daraus zu ziehen und es für mich umzusetzen. Ich "verliebe" mich in Figuren auch oft nicht, weil sie gut aussehen oder der Hauptcharakter sind, sondern wegen ihren Wesenszügen.


Findest du das bedenklich/normal/herrlich?

Unsere Gesellschaft finde ich total bedenklich. Allerdings weiß ich auch nicht, wie man das noch ändern soll. Die Welt ist schlecht und wird es immer bleiben.... das finde ich normal.
Herrlich finde ich es, das zu wissen und damit umgehen zu können, mehr oder minder gut.
Wow, aus Buch Fantasie vs Realität ist bei mir Gesellschaftskritik geworden. Krass...
Also, der Versuch nochmal zurück zu Büchern zu kommen. Klar ist das irgendwie bedenklich, wie viel wir Menschen und gerne vormachen und vormachen lassen wollen. Aber so sind wir, Menschen sind Träumer. Wir müssen nur immer aufpassen, dass wir unseren Kopf benutzen. Ich kann nichts dafür, wie jemand mein Buch interpretiert oder kann ich es doch und ich trage die Verantwortun, wenn ich jemandem damit schade? Ich glaube, das wäre eine krasse philosophie Diskussion, wo es kein klares Ergebnis gibt, deswegen lass ich das jetzt. Ich bin für: Augen auf, beim Eierkauf! Pass auf dich selber auf, dann muss es kein anderer für dich tun, der vielleicht nicht da ist oder es nicht richtig macht.

Andererseits kann ich sehr gut den Kopf abschalten mit Büchern und Filmen. Ich bin eine von denen, die mitweinen, mitfreuen, mitfiebern und das nicht zu knapp. Man entflieht der Realität für eine Weile und hat Ruhe vor dem, was einen gerade stresst, nervt., was auch immer oder man macht einfach nur einen Ausflug, wenn einen eben nichts nervt. Es ist Entspannug für den Kopf. Während man in einer Geschichte ist, wie auch immer sie geartet ist, vergisst man die Realität um sich herum. Zeitvertreib. Man muss nur aufpassen, das für einen die Grenzen nicht verschwimmen.

von Liyah

Re: Realität VS Fantasie

 
Erst einmal freu ich mich gerade kuglig über die vielen und ausführlichen Antworten und freue mich schon auf mehr :D

Weil die Frage jetzt schon zweimal kam:
Wissen VS bewusst sein.

Ich kann wissen, dass Schokolade dick macht.
Trotzdem kann ich sie essen, nach ihr lechzen, sie ansehen, ohne, dass mir dieses Wissen in dem Moment bewusst ist. (Ich esse sie also ohne schlechtes Gewissen).

Öhm ... verständlich?

lg
Jacky ;)

von Jacky

Re: Realität VS Fantasie

 
Ist es den Lesern auch bewusst?

Was ist der Unterschied zur Frage davor? Wenn ich etwas weiß, wie kann es mir nicht bewusst sein?


Es gibt ein bewusstes Wissen. Aber auch ein unbewusstes Verdrängen. Ich denke die Frage zielt hier mehr auf die Gefühlsebene. Einerseits weiß ich bewusst, dass es so nicht sein kann. Doch weiß es auch mein Herz?

Arius

von Arius

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich denke auch, dass es im Unterbewusstsein durchaus Anklang findet. Man schüttelt vielleicht den Kopf und denkt sich, so wird es in der Realität nicht ablaufen, doch mit einer permanenten Wiederholung werden gewisse Erinnerungen wach gehalten, die man dann natürlich auch im realen Leben auf sein Gegenüber versucht zu projezieren. Deswegen wäre es vielleicht von Vorteil, wenn man in gewissen Maßen auch Macken einbauen würde, 1. weil Leser sich dann ein bisschen besser damit identifizieren kann und 2. weil man nicht "manipuliert" wird. Denn im Fernsehen passiert ja sehr ähnliches, was dann eine verquere Realität schafft, die so in Wahrheit gar nicht existiert.

von Fargurd

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich kann Kitschschmonzetten auf den Tod nicht ausstehen. Weder in der Literatur noch in der Musik (hört mal aufmerksam zu um was es in 98% aller Lieder geht die so im Radio gespielt werden :evil: )

Ich fühle mich einfach nur verarscht von sowas, spätestens nach hundert Seiten fängt es einfach an mich einfach nur zu langweilen. Ich mag in Büchern gerne zwischenmenschliche Beziehungen die gerne besonders oder poetisch sein können, aber mit Zwischentönen, Humor und Subtilität.

Und im Fernsehen/Kino kann ich es schon überhaupt nicht ertragen.

von schreiberling

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich hab nicht alle Beiträge ganz durchgelesen, aber ich möchte trotzdem hier meinen Senf dazu geben.

Was sagst du zu dem Thema?
Super, sehr interessant und ungewöhnlich.

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Erwartungen? Ich weiß nicht. Bezieht sich das nur auf zwischenmenschliche Beziehungen oder auch auf anderes?
Ich bin erst fünfzehn, aber in den letzten...hm...drei Jahren habe ich mich ziemlich verändert. In der Zeit, als ich zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt war, war ich sozusagen in der "Twilight-Phase" und hatte hoffnungslos romantische Vorstellungen von der Liebe, soll heißen: Wenn ich gerade nicht verliebt war, habe ich mir quasi den perfekten Menschen ausgemalt und wie wir uns begegnen etc., und davon tagelang geträumt, perfekte Welt. Aber das hat mir nicht geschadet.
Mittlerweile weiß ich, dass ich mit einem solchen Menschen (wenn es ihn/sie gäbe) nie zusammen sein wollen würde. Wie könnte eine Beziehung auch auf Geben/Nehmen basieren, wenn eineR der PartnerInnen einfach perfekt ist? Und ich hätte außerdem Angst, mich vor einem Menschen mit einem perfekten Körper auszuziehen, was mich in meinem Sexualleben sehr einschränken und hemmen würde.
Wenn ich verliebt bin, ist das alles anders, und das war immer schon so. Das ist gut und richtig. Und mittlerweile bin ich sogar meine eigene fixe Vorstellung vom "verliebt-sein" losgeworden.
Mein Freund ist für ein beliebiges Mädchen aus meiner Klasse nicht perfekt, aber für mich ist er es, weil die Dinge stimmen, die für mich tatsächlich wichtig sind. Ich liebe ihn für seine Persönlichkeit, seine Art, und außerdem hat er dieselbe oder zumindest eine ähnliche politische Einstellung wie ich. Den idealen Menschen gibt es nicht. Ich brauche jemanden, der/die politisch engagiert und gebildet ist, überhaupt eine gewisse Allgemeinbildung besitzt (was sich nicht auf irgendwas bezieht, das man in der Schule lernt) und in einer Beziehung einfach da ist, wirklich da, und nicht wie jemand Fremdes, von dem mich eine tiefe Schlucht trennt und dem ich nicht wirklich nahe bin, jemand, der/die mit mir über Dinge spricht, über die zumindest eineR von uns sprechen will, und eins ist ganz wichtig: Ich will einen Menschen kennen lernen. Mit all seinen/ihren besonderen EIgenschaften, Facetten, Talenten, Macken usw. Wenn ich eine fixe Vorstellung von jemandem habe, kann ich das nicht.
Jemand anderes braucht einen anderen Menschen. Viele andere Frauen und Männer würden die Menschen, die ich interessant finde, keines weiteren Blickes würdigen, und umgekehrt. Weil sie an den einen Menschen absolut nichts reizvoll finden und ich an den anderen. Das gilt oft sogar für Äußerlichkeiten. Deshalb sind wir alle unterschiedlich, und brauchen unterschiedliche PartnerInnen. Und deshalb wird ein perfekter Mensch, den alle Frauen/Männer gern haben würden, in der realen Welt nie Liebe finden (glaube ich), weil er eben kein Mensch ist und jemand, der/die zu allen passt, weil ihn/sie alle gern hätten, passt in WIrklichkeit zu niemandem.
Außerdem hat sich mein Verständnis von Liebe/Sexualität/Romantik enorm verändert, seit ich weiß, dass ich bisexuell bin. Im Übrigen ist es ein großes Abenteuer, und wenn wir glücklich werden wollen, werfen wir irgendwann einfach alle unsere Vorstellungen und Erwartungen über den Haufen und lassen es auf seine Art passieren.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?
Hoffentlich.

Ist es den Lesern auch bewusst?

Manchen vielleicht.

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?
Ich finde es sehr wichtig, darüber nachzudenken.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Nein, definitiv nicht. Und das bezieht sich jetzt für mich weniger darauf, dass Charaktere und Beziehungen perfekt sind (was sie nicht in allen Liebesschnulzen sind), als darauf, dass sie alle heterosexuell sind. Für mich ist die sehr niedrige Akzeptanz der Gesellschaft für alles, was nicht der heterosexuellen "Norm" entspricht, ein sehr wesentliches Thema, mit dem ich mich intensiv beschäftige. Ich glaube, die wirkliche Akzeptanz wird erst dann zu erreichen sein, wenn viele Menschen sich eine romantische (in massentauglicher Hinsicht romantisch...falls dass irgendwie verständlich ist, bin grade leicht verwirrt) Beziehung zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts vorstellen können. Deshalb hoffe ich, dass kitschig/romantische Liebesschnulzen vielleicht sogar eine Chance sind - sobald mal eine geschrieben wird, die von einem homosexuellen Paar handelt.
Aber naja...wenn ich mir eine klassische, "romantische" Liebesgeschichte vorstelle, dann assoziire ich damit auch (sexistische) Vorurteile und Rollenbilder, wie Männer und Frauen zu sein haben und wie ihre Beziehungen zueinander aussehen sollen. Und sonst ist es unromantisch oder unideal? Im Bezug auf Twilight fällt mir dazu ein Mann mit unglaublicher Kraft, Mut und Treue ein, der die schwache, schutzbedürftige Liebe seines Lebens vor allen Gefahren beschützt. Sowas macht mich wütend. Und auf so einen Mann kann ich gut verzichten. Ich will keinen Superhelden, der mein Leben regelt, ich will jemanden, der/die zuhört und für mich da ist, und für den/die ich da sein kann, wenn er/sie mich braucht.

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Was ist Realität? Sie kann langweilig, interessant, grausam und spannend und schön sein. (wobei mein Begriff von "schön" vermutlich unter langweilig fällt.) Geschichten sind, wie sie sind. Es gibt solche und solche.

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?

Verliebt? Ab wann ist man verliebt?

Findest du das bedenklich/normal/herrlich?
Solange es nicht heißt, dass ich mich in echte Menschen nicht mehr verlieben kann und mich auf diese nicht existente Person total fixiere, ist es doch in Ordnung. Jedenfalls, wenn man dreizehn ist und sich einfach keine Beziehung einstellen will ;-) Davon abgesehen habe ich so vieles aus Büchern gelernt. Fakten, teilweise, Dinge über andere Kulturen, Dinge über die menschliche Natur, Dinge über Sexualität und über Beziehungen. Was kann daran schlecht sein? Es hilft mir, mein eigenes Leben zu reflektieren, und mir zu überlegen: "Was waren meine Erwartungen, was denkt die Gesellschaft, und wie ist das Leben?"

von naemi

Re: Realität VS Fantasie

 
Hm. Ich bin ein bisschen ins Grübeln gekommen. Ich versuch mal, meine Gedanken zu zügeln. :)

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Das tun sie, sogar wenn wir wissen, dass es den "Märchenprinz" nicht gibt. Unbewusst fängt man an zu suchen, nach dem perfekten Mann, dem einzig wahren Moment, dem Kuss. Im Extremfall kann das zu einem richtigen Problem werden. Man analysiert und vergleicht mit dem Bild, dass man im Kopf hat. Ich denke, dass etwas mit den vielbemühten Schubladen zu tun. Unsere Erwartungen bezüglich eines perfekten Partners lagern in einer davon und wir vergleichen alle Menschen ganz automatisch mit diesem Bild. Wenn ich meine "Lebenserfahrung" nur aus Büchern oder der Glotze habe wo einem der Perfektionismus serviert wird wie eine Currywurst, wird das Bild in der Schublade schnell "unerreichbar".

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt? Ist es den Lesern auch bewusst?
Die meisten wissen es bestimmt. Ich glaube, dass bei einem Großteil (gilt auch für mich, wenn die Geschichte mitgerissen hat) nachhallt, was man gelesen hat und das es uns für ein Weile beeinflusst.

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?
Unser Umwelt beeinflusst uns, daran können wir gar nichts ändern und für gewöhnlich sammeln wir im Lauf unseres Lebens genügend Erfahrung um auf einem für uns passenden Kurs zu bleiben. Für Menschen, für die sich das zum Problem entwickelt (Extremfans von Twilight z. B. die sich beim Anblick von R. Patt. in den Hals ritzen etc.) bietet die ganze Umwelt Ablenkungen dieser Art.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Ja. Wenn sie in uns nicht den Wunsch wecken würden, Teil der Geschichte zu sein oder dem Charakter mal zu begegnen, würden wir sie kaum lesen wollen. Sie würden uns eben nicht mitreißen und die ganze Welt bestünde aus Sachbüchern (Die wissenschaftliche Erforschung des Hummelflugverhaltens... :D )

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Ich glaube, dass ist davon abhängig, wer die Geschichte im Endeffekt lesen soll. Einen durchschnittlichen zehnjährigen Jungen werde ich kaum damit begeistern, dass der Held seiner Bücher (übertrieben gesagt) Alkoholiker ist. Andererseits könnte ich ihm vermitteln, dass der Held ein Streber mit Brille, Zahnspange und eine Sportniete ist und trotzdem cool.
Es ist vor alllem auch für uns Schreiberlinge wichtig. Meine ersten Helden (da war ich zehn) waren perfekt, hübsch und konnten schlicht alles. Wenn ich das heute noch mal in die Hand nehme, lache ich bestenfalls drüber und schäme mich oft in Grund und Boden.
Man lernt seine Charaktere kennen, wenn man über sie schreibt. Sie zeigen einem ihre Schwächen, Fehler und Macken. Und wie sagt man so schön "Der Himmel wird erst schön durch ein paar Wolken."

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?
Findest du das bedenklich/normal/herrlich?

In eine Figur, dass ist schon lange her und so ein bisschen Verliebtheit ist in meinen Augen normal. In den allermeisten Fällen verflüchtigt sie sich schnell wieder ins Nichts denke ich.

In meine Figuren schon eher. Ich liebe sie alle. Ich glaub, das geht gar nicht anders, immerhin sind sie ein Teil von einem selbst. Selbst die, die so richtig böse sind. :twisted:

Hmpf. Hoffentlich kommt rüber, was ich dazu denke
Liebe Grüße
Gela

von Gela

Re: Realität VS Fantasie

 
Hi,

Was sagst du zu dem Thema?

Bücher müssen nicht realistisch sein. Bücher sind eine andere Welt, in der die Gesetze gelten, die wir gelten lassen wollen. Bücher sind für mich Trostspender, wenn ich mal richtig down bin, sie sind Ratgeber, wenn ich mal nicht weiter weiß, sie sind kleine Wunder. Eigene Welten, in die wir eintauchen können, um unsere Probleme für kurze Zeit zu verdrängen. Um es mal wie Schiller zu sagen, der eine ähnliche Formulierung benutzte, um das Drama zu beschreiben:
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, ihr stehen Realität und Mythologie Spalier, die Historie, die Vernunft und die Moral salutieren vor ihrem mächtigen Antlitz.

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?

Natürlich wecken Bücher Hoffnungen in uns. Und genau diese Hoffnung ist es, die uns unsere Traurigkeit vergessen lässt, uns aus schwarzen Löchern hinaus hilft. Geschichten helfen uns zu träumen, die Welt zu sehen, ohne unser muckelig warmes Bett zu verlassen.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?

Ich glaube, die meisten wissen es, aber wollen sie es überhaupt wissen?


Ist es den Lesern auch bewusst?

Nein, weil es ihnen nicht bewusst sein will. Wenn ich mir mich selbst anschaue, dann denke ich auch lieber an eine annähernd perfekte Figur aus einem Roman, um mir selbst die schwarze, teilweise recht sinnlose Realität nicht eingestehen zu müssen. Träume sind eben sehr viel schöner.

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?

Man darf sie über alles Gedanken machen. Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Aber ich finde, man muss sich entscheiden: Will man wirklich nur die harte, kalte Realität und seine eigenen Illusionen zerstören, oder will man zwischendurch in eine andere Welt flüchten können, in der soviel passieren kann, was in der Realität nicht passieren kann.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?

Ja. Ansonsten hätten Geschichten keinen Nutzen. Welchen Mist die Welt verzapft, kann ich jeden Tag sehen.

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?

Kommt drauf an. Eine ganz glatte Figur, die rein perfekt ist, nehm ich dem Autor nicht ab, ebenso ein zu glattes Ende. Kleine Macken müssen drin sein. Denn wenn wir mal ehrlich sind, wird ein Charakter nicht erst durch seine Macken geprägt? Durch seine Ticks, die in einzigartig machen und durch seine Ängste, Hoffnungen, Träume? Ist ein traumloser Charakter überhaupt einer?

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?

Puuh... ich glaube, nein. Selbst verliebt, nein. Mit meinen Figuren verliebt und gelebt, ja. Bei Harry Potter war ich zum Beispiel so in der Geschichte drin, das auch ich so über Ginny Weasley gedacht habe, wie Harry selbst. Auch irgendwie so gefühlt habe. Das hat sich aber nach zwei, drei Tagen gelegt.

Bei eigenen Figuren? Mhhhmmm... eher nein: Ich habe zwar schon Charaktere entworfen, die ein menschliches Ebenbild haben, in das ich verliebt war/bin. Und die hab ich auch dann versucht, so zu konzipieren, das sie in meinem Auge perfekt waren. Aber dann merkte ich, das ich durch da Ausbügeln der kleinen Falten, der Fehler einer Person, eine ganz andere Persönlichkeit schuf.
Und die anderen Charaktere sind ja alle ein Teil von mir selbst. Irgendwo in meinem Geiste.

Findest du das bedenklich/normal/herrlich?

Ich finde es normal, das man mit seinen Figuren fühlt, teilweise sogar wie sie fühlt.





Ich muss dich mal wieder loben, Jacky, ein wirklich gelungener Beitrag, der wirklich zum Nachdenken anregt.

LG Sofian

von Sofian

Re: Realität VS Fantasie

 
Was sagst du zu dem Thema?
Ich finde es ganz toll, dass du es in deinem Block erwähnst. :D Da ich momentan endlich mein Projekt beende, dass ich mit 16 Jahren angefangen habe, fällt mir krass auf, dass die Charaktere von damals auch richtige Traum-Frauen/Männer sind, zumindest wenn es um die äußere Erscheinung geht :oops: Zumindest fühle ich mich von meinen Hauptchara (gäbe es ihn wirklich) über alle Maßen angezogen. Würde er einen Raum betreten, könnte ich den Blick nicht von ihm abwenden. Er hat zwar definitiv auch Schwächen, schlechte Laune, blöde Eigenschaften etc. und ist kein Gary-Stue (als Pendant zu Mary Sue), aber auf körperlicher Ebene habe ich es damals echt nicht hingekriegt ihm Fehler zuzugestehen. Shame on me!
Bei meinem neuen Projekt werde ich es aber anders machen. Da ist der Prota nicht übermäßig attraktiv, gebildet etc. Und seine Liebe zur Ich-Erzählerin wird nicht perfekt sein. Sie soll ein genauso harter Kampf (nicht negativ gemeint) sein wie im echten Leben. Denn hey, sechs Jahre und eine Beziehung später bin ich in der Realität angekommen. Und das ist nicht schlecht, nein das ist gut! Früher habe ich auch nach dem Traum-Mann gesucht. Oh einer hatte nicht den gleichem Musikgeschmack wie ich, ging ja gar nicht. Wie schon erwähnt wurde, es muss nicht zu 100% alles stimmen. Das wäre ja langweilig. Solange die Grundwerte / Überzeugungen passen, die restlichen Prozent machen eine Beziehung doch erst reizvoll.

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Definitiv. Ich denke, dass macht sie auch so erfolgreich (siehe die Biss-Reihe). Dort kriegen wir eben Dinge präsentiert (Traum-Männer etc.) die wir im echten Leben nicht haben können.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?
Ja schon, aber ich glaube, dass ein bisschen mehr Realität nicht schaden könnte. Charaktere wie Edward erwecken gerade bei den jungen Lesern falsche Hoffnungen.

Ist es den Lesern auch bewusst?
Ich glaube Jugendlichen ist das nicht immer sofort klar. Zumindest hätte ich das in dem Alter nicht vollendens gecheckt und mich vermutlich irgendwelchen Traumbildern hingegeben. Aber das ist wohl von Mensch zu Mensch verschieden.

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?
Ne, das habe ich mich auch schon oft gefragt. Ich denke die Einstellung dazu verändert sich auch je nach Lebenserfahrung.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Ja und nein. Einerseits wollen viele Leser ja keine alltäglichen Charaktere und gleichzeitig wollen sie an die eine wahre Liebe glauben. Doch das muss ja nicht unbedingt die kitsch Liebe aus der größten Schnulze sein. Ich denke auch eine realistische Liebe kann eine wahre Liebe sein. Mit Höhen und Tiefen kann sie doch auch die einzig wahre für einen sein. Ich habe beschlossen in meinen nächsten Projekt dürfen die Charas auch zweifeln, sie dürfen streiten und von mir aus sich auch mal Trennen. Solange sie am Ende wieder zusammenfinden, ist es doch richtig. Und spannender als "Edward du bist so schön, perfekt und toll." und "Bella oh meine Geliebte ich werde dich für immer Lieben." ist es auf jeden Fall :wink:
Man sollte sich auch mal fragen: Sollte das wahre Leben so sein? Ich glaube nicht. Denn mit meinem Traum-Mann würde ich mich ganz schnell langweilen. Wenn er zu 100% zu mir passen sollte, müsste er ja quasi eine Kopie von mir sein. Will ich mit mir selbst zusammen sein? Nein! :twisted:
Fazit: ich denke man kann die ewige Liebe auch auf einer etwas realistischeren Basis aufbauen.

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Ich werde es zumindest versuchen. Kann gut sein, dass ich scheitere, aber es ist einen Versuch wert.

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?
Bekenne mich schuldig. Meine Figur hatte damals viel von einer realen Person in die ich verliebt war, also war der Schritt nicht so schwer. Ich denke es ist auch okay, solange man nicht zu viele Mary Sue Eigenschaften in einem Chara vereint. Wenn man sich sofort auf den ersten Blick unwiderruflich und unsterblich in den Chara verliebt, ist das ein ungünstiges Anzeichen. 8) Entdeck man aber nach und nach wie vielleicht der Prota auch die liebenswerten Eigenschaften des Charas, dann ist das wohl okay, vermute ich.

Findest du das bedenklich/normal/herrlich?
Ehrlich gesagt alles gleichzeitig. Das gephotoshoppe ist auf jeden Fall bedenklich und ich finde es auch nicht gut. Aber ich muss gestehen, manchmal brauche ich (zumindest im TV, bei Büchern langweilt mich das schnell) die totale Schnulze mit dem perfekten Mann. Ich weiß, dass es ihn nicht gibt, habe mich damit abgefunden und lebe seitdem glücklich und zufrieden, selbst unperfekt mit meinem unperfekten (imperfekt?) Freund den ich sehr liebe. Trotzdem sehe ich den perfekten Typen ab und an gern, nicht um mich in Schwärmereien zu flüchten, sondern weil es unterhaltsam ist und seien wir ehrlich schöne /(in den eigenen Augen) perfekte Dinge, sieht man sich nun mal gerne an :!: Daran ist doch nichts falsches.

von Brianna

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich muss zugeben, dass ich erst einmal eine Weile darüber nachdenken musste, was genau ich zu diesem Artikel schreiben möchte. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich mir schlichtweg nicht sicher bin was genau ich von 'perfekten Menschen' und 'Traum-Menschen' halte. Von den Protagonisten in Perfektion.
Tatsächlich ist es mir noch gar nicht so untergekommen, wie du es beschrieben hast - nicht im Extrem zumindest. Das kann zum Einen daran liegen, dass ich absolut kein Fan von 'Schnulzenlektüre' bin. Und gleichzeitig (was das erste schon mit sich führt) meine Bücher eher nach anderen Kriterien aussuche. Nach Kriterien, bei denen Probleme und Uneinigkeiten schon vorprogrammiert sind.

Ein wundervolles Beispiel (und das erste was mir zu deinem Artikel eingefallen ist) sind die Black Dagger Romane von J. R. Ward. Ich liebe diese Reihe - das muss gesagt werden. Und ich liebe sie vorallem wegen der Charaktere, auf die ziemlich eindeutig jeder Schwerpunkt gerichtet ist. So ähnlich schreibe ich auch, denn für mich gibt es in einer Geschichte nichts wichtigeres als die Charaktere und ich bin sicher, dass es so ziemlich jedem so geht.
Ward beschreibt ihre Bruderschaft der Vampire auf eine wundervolle Art und Weise. Jeder von ihnen ist auf seine eigene Art und Weise so perfekt wie es nur geht und ausnahmslos sind sie stark und rau, hören harte Musik und tragen Leder. Sie kämpfen für das Gute gehören zu jenen, denen man gerne 'hinterhersabbert' während man gleichzeitig einen großen Bogen um sie machen würde, wenn man ihnen auf der Straße begegnet.
In ihren Charakterbögen, wie wir sie von dir kennen, würde unter dem Punkt 'Erstes Eindruck' vermutlich etwas stehen wie:
Stark, geheimnisvoll, gutaussehend (abgesehen natürlich von dem Bruder Zadist, bei dem zweifellos eher 'Angst einflößend, gefährlich, ungemütlich' stehen würde.
Tatsächlich beschreibt Ward ihren großen König Wrath im ersten Band der Reihe wie folgt:

"Zwei Meter purer Terror in schwarzem Leder. Das war Wrath. Sein Haar war lang und schwarz und fiel von einem spitz zulaufenden Haaransatz gerade herunter. Eine große, gewölbte Sonnenbrille verbarg seine Augen,, die er niemals zeigte. Die Schultern waren doppelt so breit, wie die der meisten anderen Männer. Sein Gesicht wirkte aristokratisch und brutal zugleich. Er war ein König per Geburtsrecht, aber das Schicksal hatte ihn zu einem Soldaten gemacht."


Für den einen ist das gnadenloses Klischee, für den anderen die Perfektion in Persona und für wieder andere vielleicht einfach nur abstoßend. Tatsache ist aber, dass es für Beth - seine Frau der Bücherreihe - alles ist was sie sich je erträumt hat. Er ist perfekt für sie und sie für ihn. Der Unterschied zu deiner Beschreibung von Perfektion ist allerdings der, dass sie sich auch gerne Mal etwas kappeln. Er ist es nicht gewohnt, dass es Leute gibt, die sich nicht von ihm herumkommandieren lassen und sie hat ziemlich deutlich die Hosen an, was diese Beziehung angeht.
Was ich damit sagen will ist, dass Perfektion Probleme beinhaltet. So sehe ich das und so scheint Ward es auch zu sehen. Und das spiegelt sich nicht nur in den Beziehungen der Charaktere wieder, sondern auch in den Charakteren selbst.
Jeder dieser scheinbar perfekten Vampire hat seinen ganz besonderen Makel.
Wrath zum Beispiel zeigt seine Augen nicht, weil er blind ist und sie eine hellgrüne Farbe haben. Er verbirgt gewissermaßen seine Schwäche also unter der Sonnenbrille und es dauert sogar eine ganze Weile bis Beth endlich herausfindet, dass er so gut wie gar nichts sieht.

Ein anderer ist von einem Fluch besessen, der ihn bei Verlust seiner Beherrschung in eine grauenvolle Bestie verwandelt. Wieder ein anderer kann die Zukunft sehen, was wohl auch mehr ein Fluch als alles andere ist - wer will schon wissen wann und wie seine Brüder und Freunde sterben?

Jeder Charakter ihrer Bücher hat seinen ganz eigenen Makel. Die Frauen und auch die Männer. Für mich allerdings machen gerade diese Makel, diese Fehler und Probleme, die sie mit sich selbst haben, sie erst wirklich Perfekt. Was wäre an Wrath schon besonders, wenn er nicht halb blind wäre? Und Rage wäre ohne seine innere Bestie ein stinknormaler Playboy mit schönen Augen. Und das soll perfekt sein? Nein... Nicht für mich.

In der Kurzfassung möchte ich eigentlich nur eines sagen:
Für mich machen Fehler Perfektion aus. Ohne Fehler, kann gar nichts perfekt sein. Denn Fehlerlose Perfektion ist schlicht und ergreifend nur eines: unbeschreiblich langweilig.

Aber nun noch einmal zu deinen hier gestellten Fragen, weil ich sie nicht außer Acht lassen möchte. Trotz meines beträchtlichen Vorwots :shock:

Wecken Geschichten in uns unerfüllbare Erwartungen?
Manchmal schon.. Ja. Aber in meinem Fall liegt es wohl eher daran, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es bei der Vielzahl an Menschen auf diesem Planeten keinen gibt, der nicht für irgendwen tatsächlich perfekt ist. Ob man nun an die Vampire glaubt, von denen man liest (ich bleibe bei meinem Black Dagger Beispiel) oder nicht. Wieso sollte es einen Wrath-ähnlichen Mann geben? Ward sagte selber: "In meinem Kopf existieren sie (die Brüder) tatsächlich - ich bin nie einsam."
Wieso also sollten diese Wesen, diese Männer und Frauen, die für irgendwen die große und perfekte Liebe sind, nicht auch in Wirklichkeit existieren? Diese Hoffnungen und Erwartungen habe ich selber, wenn ich an meiner Geschichte arbeite. Mir gefällt der Gedanke, dass es meine Charaktere tatsächlich gibt, zumindest im übertragenen Sinne.

Wissen die Leser, dass es solche Menschen nicht gibt?
...oder glauben sie vielleicht daran, dass es sie im gewissen Maße doch gibt? :)
Ist es den Lesern auch bewusst?

Oder ist das alles völliger Humbug, über den man sich keine Gedanken machen sollte?
In meinen Augen gibt es nicht, worüber man sich keine Gedanken machen sollte. In wie weit man den Gedanken nachhängt und sich von ihnen beeinflussen oder gar blockieren lässt, ist wieder etwas anderes.

Sollten Geschichten und Charaktere genau so sein?
Wenn für meinen Charakter Perfektion nichts mit Aussehen zu tun hat, wen kümmert es dann, dass seine/r Partner/in Wundmale am ganzen Körper hat, von ihren/seinen vielen Arztbehandlungen? Und wenn mein Charakter taub ist, wen kümmert es dann, dass sein Gegenpart stumm ist?
Ein gewisses Maß an Perfektion MUSS da sein, wie sollten sie sonst zueinander finden können? Und wenn es nur das Gefühl ist, das der eine im anderen auslöste. Passen muss es deswegen natürlich nicht, aber wer möchte schon eine Liebesgeschichte lesen, in der die Protagonisten sich nicht kriegen? *grins*

Oder sollten wir mehr Realität in unsere Geschichten einbauen?
Schon wieder eine Gegenfrage: Haben wir nicht alle genug Realität den ganzen Tag? Also ich will davon nicht auch noch schreiben und noch weniger will ich davon lesen. Meine Büchersammlung beträgt nicht umsonst rund 200 Werke zum Thema Fantasy.

Hast du dich schon einmal in (d)eine Romanfigur verliebt?
Was das angeht, verweigere ich die Aussage :oops:

von T.K.

Re: Realität VS Fantasie

 
Ich bin baff, komplett sprachlos, überwältigt von eurer Resonanz und eurem kreativen Input. Ich bin vor allem hingerissen davon wie unterschiedlich und doch ähnlich die Meinungen sind. Und ich fühle mich durch und durch geehrt, dass fast jede eurer Antworten fast noch einmal so lang wie mein Artikel ist (das soll die kürzeren Antworten keinesfalls in den Schatten stellen).

Ich bin einfach nur ...

Auch deshalb hab ich keine Ahnung, wie ich auf all diese Beiträge so antworten soll, wie sie es verdient haben, deshalb möchte ich an diese Stelle einfach ganz dreist behaupten, das jeder Einzelne von ihnen auf seine Art "perfekt" ist :D

Und jedesmal wenn ich eine neue Nachricht über einen weiteren Beitrag bekomme, kann ich es gar nicht erwarten drauf zu klicken und nachzusehen, was hier wieder geschrieben wurde (das geht mir eigentlich bei allen Artikeln so, aber heute und hier irgendwie besonders).

Danke :D

Ganz liebe Grüße
Jacky ;)

PS: Ein kleiner Einwurf, es ging mir in meiner philosophischen Betrachtung wirklich hauptsächlich um perfekte (im Sinne von "fehlerlose/makellose") Charaktere und Paare, die sich niemals, niemals streiten (bzw. davon wurde der Artikel inspiriert).

PPS: Ich glaube, dass das Leben auch ohne Perfektion funktioniert und wahre Liebe für mich nur existiert, wenn es Fehler gibt (schließlich wäre es ja nicht gerade eine Herausforderung, jemanden zu lieben der wirklich fehlerlos perfekt ist, und Liebe ohne Herausforderung ist irgendwie ... langweilig?)

von Jacky

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