[Thrill]reloaded: 1. Teil der Anfangsszene meines Thrillers

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[Thrill]reloaded: 1. Teil der Anfangsszene meines Thrillers

Beitragvon George2307 » 25.01.2015, 00:55

Ich schon wieder!

Wie heißt es doch so schön? Aller guten Dinge sind drei! :mrgreen:
Und so stelle ich nun zum 3. Mal den Prolog meines Romans hier ein. An alle, die sich den Text bisher
noch nicht angetan haben: Es gibt auch einen 2. Teil, den ich ebenfalls in der Version 3.0 eingestellt habe. Bitte ebenfalls lesen und kommentieren!

Viel Spaß beim Ausschlachten ... :reading:

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Als sie von einem kurzen, heftigen Ruck erfasst wurde und ihr Kopf unvermittelt auf dem harten Untergrund aufschlug, kehrte Sarahs Bewusstsein auf schmerzliche Weise zurück.
Wo bin ich?
Sie riss die Augen weit auf und erschrak, denn sie bemerkte sofort, dass sie mit dem Gesicht nach unten lag. Das Erste, was sie im schummrigen, rötlichen Licht erkennen konnte, war das geriffelte Bodenblech, mit dem sie gerade eben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Ein dumpfes Motorengeräusch erfüllte den Raum, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Und als sie anschließend versuchte, sich zu bewegen, lief es ihr wie ein eiskalter Schauer den Rücken herunter, denn sie spürte, dass ein dicker Stoffknebel durch ihren Mund führte, während ihre Hände hinter dem Rücken zusammengebunden und ihre Füße mit einer weiteren Fessel fixiert waren. Fassungslos und von diffuser Angst überrannt, hob Sarah den Kopf und blickte hastig um sich, um dann ein gepeinigtes Stöhnen hinter dem stramm sitzenden Stück Stoff hervorzubringen, das den Laut vollständig verschluckte.
Ein Lieferwagen? Wie kann das sein?
Doch kaum hatten diese Fragen ihren benebelten Verstand erreicht, drängte sich eine neue, schreckliche Erkenntnis in ihr Bewusstsein:
Oh Gott, ich wurde entführt!
Auch der nächste Versuch, Arme und Beine zu bewegen, erwies sich als zwecklos. Stattdessen versuchte sie, sich umzudrehen, und nach einigen missglückten Anläufen landete sie schließlich auf ihrer rechten Schulter. Ein höllischer, stechender Schmerz fuhr ihr plötzlich durch Mark und Bein und ließ sie zusammenfahren. Es fühlte sich an, als sei die Nadel einer Spritze dort stecken geblieben, und ihre Haut fühlte sich an der Stelle seltsam taub an.
Was ist nur passiert?
Sie hoffte, jemand würde den Widerhall ihrer Gedanken hören und ihr - wenn schon keine Antwort - zumindest etwas Klarheit darüber verschaffen, was hier eigentlich vor sich ging. Aber nichts dergleichen geschah. Sie war allein.
Denk nach Sarah, denk nach! Woran erinnerst du dich?
Obwohl der Wagen nicht schnell zu fahren schien, machte ihr das Wechselspiel aus Beschleunigungs- und Fliehkräften, dem sie so gut wie nichts entgegenzusetzen hatte, so sehr zu schaffen, dass sie sich kaum konzentrieren konnte. Ihre auf Hochtouren arbeitenden Sinne taten ihr Übriges.
Komm schon, reiß dich zusammen!
Sie hatte das seltsame Gefühl, dass es sie beruhigte, sich selbst Anweisungen zu geben. Schließlich durchzuckte sie ein Geistesblitz, der einer Erlösung gleichkam:
Chloe! Du hast dich von Chloe verabschiedet!
Sie atmete erleichtert auf.
Gut Sarah. Weiter so. Was ist danach passiert?
Sie überlegte.
Du bist die Treppe hinunter ins Parkhaus gegangen, hast deine Tasche in den Kofferraum gelegt und bist ins Auto gestiegen. Dad wird sich bestimmt freuen, zum Unabhängigkeitstag nicht allein zu sein - das hast du doch gedacht, als du ...
Ihre Gedanken kamen ins Stocken. Ihr Blick verfinsterte sich.
Als du den Motor gestartet hast. Das hast du doch, oder?
Ihre Erinnerung verblasste allmählich, während sich der Schmerz an ihrer Schulter zurückmeldete und die Frage aufwarf, ob er Teil ihrer Erinnerung war.
Wurdest du betäubt? Womit?
Sie musste schlucken.
Eine Spritze? Ein Elektroschocker? Oh Gott, warum ausgerechnet ich?
Sie fand keine Antwort auf diese Fragen. Zumindest keine, die sie an sich heranlassen wollte. In einem Punkt jedoch war sie sich inzwischen sicher: Ihre Erinnerung endete genau dort, wo ihr Wochenende hätte beginnen sollen.
Was auch immer geschehen ist, es ist in deinem Auto geschehen.
Sarah wurde bewusst, was das bedeutete: Jemand musste das alles geplant und dort auf sie gewartet haben. Und wer auch immer das war, war noch nicht fertig mit ihr.
Ich muss hier raus!
Mit aller Kraft versuchte sie aufs Neue, sich von den Fesseln zu lösen und brüllte hemmungslos, während ihr Körper hin und her schlug wie ein Fisch, der gerade aus dem Wasser gezogen wurde.
"Hilfe!", schrie sie ein ums andere Mal, brachte hinter dem Knebel aber nur undeutliche Laute hervor, die an den kalten Blechwänden des Lieferwagens zerschellten. Dann gab sie erschöpft auf. Ihr Herz raste wie wild, ihre Lunge verlangte hastig nach Sauerstoff. Das Schlucken fiel ihr immer schwerer. Sie merkte, dass sie nass geschwitzt war. Ihr T-Shirt klebte an ihrem Rücken, ihre Jeans hatte sich an ihren Beinen festgesaugt und fühlte sich wie feuchtes Papier auf ihrer Haut an.
Hilf mir, lieber Gott ...
Sie bereute, in ihrem Leben nicht häufiger gebetet zu haben. Nie zuvor hatte sie eine so tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit empfunden. Es war wie ein schrecklicher Albtraum, der einfach nicht enden wollte - so verbissen sie auch die Augen zukniff und hoffte, unversehrt in ihrem kleinen, vertrauten Studentenzimmer in Hyde Park aufzuwachen. Sarah konnte nur noch an eins denken:
Ich will nicht sterben ...
Zuletzt geändert von George2307 am 20.02.2015, 22:26, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Prolog meines Psychothrillers (Teil 1)

Beitragvon truluc » 25.01.2015, 21:24

hallo George2307,

vielen Dank für diesen spannenden Einblick in dein Buchprojekt. Also erst einmal finde ich grundsätzlich deine Schreibe sehr ansprechend. Ich konnte an der Situation von Sarah teilhaben und zusammen mit ihr versuchen, mich in dieser finsteren, befremdlichen Umgebung zu orientieren. Sehr spannend.

Hier meine Anregungen:

Mir kam während des Lesens deines Ausschnittes einwenig das Gefühl, dass sich die Beschreibungen von Sarahs Versuchen sich zu orientieren bzw. sich ihren Zustand bewusst zu werden zu oft wiederholen und damit den Spannungsbogen zu sehr ausreizen. Also zum Beispiel die visuelle Orientierung:

Langsam, beinahe widerstrebend begannen Sarahs Augenlider, sich voneinander zu lösen, und einige verschwommene Konturen wurden in der Dunkelheit sichtbar.

--> das finde ich gut - ein schöner Einstieg. Dann:
Sie riss die Augen weit auf und blickte hastig um sich. Im schummrigen Licht, in dem sie sich wiederfand, nahm sie zunächst das geriffelte Bodenblech wahr, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Es sah stark abgenutzt aus

--> jetzt hat sie schon die Augen aufgerissen - ist hellwach. Dann:
Sie versuchte, sich in dieser finsteren, befremdlichen Umgebung umzusehen

--> jetzt versucht sie sich wieder umzusehen - fühlt sich jetzt aber träge - also nicht mehr hellwach Und nachdem sie sich über ihre sonstigen somatischen Empfindungen klarer wird:
Und spätestens als sie den Kopf hob und um sich blickte, begriff sie, dass sie allein war.

--> hat sie das nicht auch schon vorher registrieren können?

Also weißt du, was ich meine? Klar - das alles stellt einen Prozess dar - also ein langsames sich immer mehr bewusst werden -und orientieren. Aber so beim Lesen kam mir das etwas gedoppelt/ wiederholend vor. Das nimmt das Tempo raus und die Spannung steigt nicht, sondern dreht sich etwas im Kreis - meines Empfindens.
Kannst du das nicht in kleine Pakete packen? Also zum Beispiel am Anfang erst einmal das Visuelle abarbeiten - vielleicht als ersten Versuch Sarahs, sich zu orientieren:

Wo bin ich?
Sie riss die Augen weit auf und blickte hastig um sich. Im schummrigen Licht, in dem sie sich wiederfand, nahm sie zunächst das geriffelte Bodenblech wahr, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Es sah stark abgenutzt aus, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase.
Sie versuchte, sich in dieser finsteren, befremdlichen Umgebung umzusehen, kam sich aber seltsam träge, beinahe wie gelähmt vor.(Da könnte ja jetzt noch eine Beschreibung von dir rein, dass sie noch nicht fähig war den Kopf zu heben, und nur den Bereich zu scannen, den ihre Augen erfassen konnten.) Und dann:
Und spätestens als sie den Kopf hob und um sich blickte, begriff sie, dass sie allein war.

Und wenn sie sich dessen halbwegs bewusst geworden ist, könnte ja ihr Bewusstsein an ihrem Körper abwärts wandern und so weiter. Damit würdest du - denke ich - auch eine sichere Steigerung der Spannung erreichen. Also dadurch, dass Sarah nicht nur in irgendeinen Wagen liegt, sondern auch noch geknebelt und gefesselt ist. Angst - Luftnot - Schmerzen - Panik.

Was ich mich auch gefragt habe ist, warum sie sich nicht einfach auf den Rücken drehen kann. Also ich kenne mich wirklich nicht mit Autos aus, aber wenn sie in einem Lieferwagen liegt, dann sollte da doch genug Platz sein, sich von der schmerzenden Schulter auf den Rücken zu drehen. Klar, ihre Hände sind da zusammengebunden, aber bevor ich einen stechenden Schmerz aushalte, drehe ich mich doch wenigstens kurz auf den Rücken, bzw. evtl. sogar auf die andere Seite, damit ich mich noch mehr orientieren kann. Vielleicht war sie einfach zu schwach dafür, dann sollte das da noch einmal rein, denke ich.
Es war nicht irgendeine mysteriöse Lähmung, sondern Fesseln an Händen und Füßen, die sie bewegungsunfähig machten.
--> oder heißt das, dass die Hände mit den Füßen verbunden waren? Dann ist es nachvollziehbarer. Aber dann könntest du auch noch einmal beschreiben, dass sie sich zwar drehen wollte, aber nicht konnte. Denn wenn "nur" die Hände und die Füße gefesselt sind, kann man sich ja trotzdem drehen. Sorry wenn ich da zu kleinlich bin. :roll:

Wie konnte das nur passieren? Sie hoffte, jemand könnte den Widerhall dieser Frage hören und ihr - wenn schon keine Antwort - zumindest etwas Klarheit darüber verschaffen, was hier eigentlich vor sich ging. Doch nichts dergleichen geschah.

--> Die Frage hat sie durch den Knebel geschrieben, oder? Wie auch immer - was wäre denn genau der Unterschied zwischen einer Antwort und etwas Klarheit? - Diese Frage stelle ich eher an mich, als an dich. :wink: Also könnte es ein Mitgefangener im selben Wagen - oder ein Entführer sein, der ihr dann etwas über ihren Zustand verraten könnte, oder Gott?

Also das wären meine Anmerkungen/ Fragen. Ich finde - zusammenfassend - dass die Spannung und das Mit- Entdecken der Situation von Sarah noch geschickter gesteigert werden könnte. Die Idee und die Wortwahl - und der Detailreichtum der Beschreibungen über die körperlichen Empfindungen der Sarah, ist wirklich bemerkenswert!

Ich bin gespannt auf eine Fortsetzung und hoffe dir etwas helfen zu können.

Lieben Gruß!


truluc
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Re: Prolog meines Psychothrillers (Teil 1)

Beitragvon George2307 » 25.01.2015, 22:11

Hallo truluc,

zunächst einmal möchte ich mich bei dir für die wirklich konstruktive Kritik bedanken - und die Zeit, die
du dafür investiert hast.

Zu deinen Anregungen:

Die sich teilweise wiederholenden Beschreibungen sind mir aufgefallen - ein guter Tipp! :)
Werde den Text diesbezüglich überarbeiten.

Deine Frage, warum Sarah sich "nicht einfach auf den Rücken drehen" kann, möchte ich auf eine etwas unkonventionelle Art beantworten. Dazu möchte ich dich bitten, Folgendes zu tun:

    Leg dich auf den Boden und tue dabei so, als ob deine Hände auf dem Rücken gefesselt sind. Versuche dabei, dir vorzustellen, du hättest höllische Schmerzen an deinem Schulterblatt. Fällt dir was auf? :wink:
    Übrigens: Sarah ist sowohl an den Händen als auch an den Beinen gefesselt - jeweils.

Die Frage
Wie konnte das nur passieren?
spielt sich in Sarahs Gedanken ab. Diese habe ich im Text durch kursive Schreibweise hervorzuheben versucht. Dennoch ist deine Frage, worin denn eigentlich der Unterschied zwischen einer Antwort und Klarheit besteht, durchaus berechtigt! :wink:

Ich hoffe, dass ich dir Antworten auf offene Fragen liefern konnte. Jetzt gilt es, diese auch in meinen Text einzubauen. Insofern war dein Beitrag für mich wirklich hilfreich, und ich hoffe, dass du mich und meine Arbeit hier ein wenig im Auge behälst! :D

Schönen Gruß
George
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Re: Prolog meines Psychothrillers (Teil 1)

Beitragvon Sasskia » 27.01.2015, 10:22

Hallo Georg2307!

Dein Schreibstil spricht mich an, ist sehr lebendig und anschaulich, weil du es verstehst, Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
Allerdings hat mich die fehlende Spannung dazu verleitet, nach Logikfehlern zu suchen, und DIE Zeit solltest du einem Leser nicht geben!

Sie riss die Augen weit auf und blickte hastig um sich. Im schummrigen Licht, in dem sie sich wiederfand, nahm sie zunächst das geriffelte Bodenblech wahr, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Es sah stark abgenutzt aus, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Ein dumpfes Motorengeräusch drang zur ihr durch und brachte die beunruhigende Erkenntnis mit sich, dass hier etwas nicht stimmte. Sie befand sich offenbar auf der Ladefläche eines Lieferwagens, und der Gedanke ließ sie zusammenzucken, sodass sie mit einem Mal hellwach war.


Woher kommt das schummrige Licht, dass sie genau erkennen lässt, wie abgenutzt das Bodenblech ist? In weiterer Folge kann sie auch erkennen, dass die Wände des Lieferwagens weiß sind, was mich doch beeindruckt hat! Vor allem aber möchte ich wissen, ob das dumpfe Motorengeräusch vom Lieferwagen kommt, der ... steht? ... fährt?
Anlässlich eines "Ritterspieles" hab ich mich knebeln und fesseln lassen, wobei es mir nicht möglich war, durch den Stoffknebel zu atmen, sondern nur durch die Nase, aber das mag an meinem mangelnden Talent liegen :nod:

Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, weshalb sie so verzweifelt versucht, die letzten Stunden zu rekonstruieren, anstatt ihre Lage zu analysieren, wie das so gerne in den Filmen "empfohlen" wird.
Natürlich könnte sie das "Anfangsopfer" sein, das sich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen lässt, aber spätestens, wenn mir als Leser DIESER Gedanke kommt, blättere ich weiter und "genieße" ihr Ende :twisted:

Mir ist klar, dass gerade Psychothriller von "Bildern" leben, die den Leser in die Tiefen seiner Abgründe und Ängste führen sollen ... und dein Schreibstil verspricht genau DAS ... deshalb, bitte, nicht zu detailliert beschreiben, was für die Szene unter Umständen überhaupt nicht wichtig ist!

Auf jeden Fall interessiert mich, was Sarah noch bevorsteht und hoffe inständig, sie ist NICHT das "Anfangsopfer". :nosad:
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Re: Prolog meines Psychothrillers (Teil 1)

Beitragvon George2307 » 27.01.2015, 22:24

Hallo Sasskia,

schönen Dank für die Blumen! :P
Freut mich, dass ich dich mit meinem Text ein wenig unterhalten konnte.

Ich finde, dass deine Hinweise meist Hand und Fuß haben. Das gefällt mir, denn ich finde, dass sowas einen als Schreiber weiterbringt. Auf einen deiner Hinweise möchte ich dennoch hier eingehen:
Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, weshalb sie so verzweifelt versucht, die letzten Stunden zu rekonstruieren, anstatt ihre Lage zu analysieren (...).

Sarahs Versuch, die letzten Stunden zu rekonstruieren, findet erst statt, nachdem sie realisiert hat, dass sie entführt worden ist und sich außer ihr niemand im Laderaum des Lieferwagens befindet. Zu diesem Zeitpunkt ist ihr somit klar, was ihre Lage ist.

Zum Thema "Anfangsopfer" nur soviel:
Ich bin kein großer Fan von Anfangsopfern - das ist zu sehr Klischee. :wink:
Was aber nicht bedeutet, dass es in meinem Roman kein Opfer geben wird ... 8)

Vielen Dank für deinen Beitrag und ich hoffe, du stöberst auch in meinen künftigen Texten herum!

Gruß
George
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Re: Prolog meines Psychothrillers (Teil 1)

Beitragvon AuroraBorealis » 29.01.2015, 13:48

Hallo George,

anbei mein Kommentar zu deinem Text. Verwende was dir sinnvoll erscheint, den Rest vergess wieder.

George hat geschrieben:Langsam, beinahe widerstrebend begannen Sarahs Augenlider, sich voneinander zu lösen, und einige verschwommene Konturen wurden in der Dunkelheit sichtbar.

Beinahe ist ein böses Wort, das in den seltensten Fällen wirklich passt. ;-) In dem Fall nicht.
Entweder es ist so, oder nicht.
Warum eigentlich überhaupt widerstrebend? Dafür müsste sie entweder noch total fertig sein, was hier nicht hervor geht, oder die Schmerzen schon spüren (was nebenbei bemerkt für mich realistischer ist).

George hat geschrieben:Habe ich geschlafen?
Sie dachte an die zahllosen Nächte, in denen die Erschöpfung sie beim Büffeln für Professor Caldwells Vorlesungen übermannt hatte - und wie sie durch den stechenden Schmerz an ihrem Nacken aufgewacht war, weil ihr Kopf im Schlaf haltlos nach unten gehangen hatte. Diesmal jedoch schien der Schmerz nicht nur ihren Nacken, sondern den gesamten Körper befallen zu haben. Und als sie durch einen plötzlichen, starken Ruck aus ihrem Halbschlaf gerissen und ihr Kopf ungefedert auf den harten Untergrund geschleudert wurde, wusste sie, dass sie sich nicht in ihrem Studentenzimmer in Hyde Park befand.

Obwohl sie schon Konturen sieht, fragt sie sich immer noch, ob sie geschlafen hat und erinnert sich daran wie oft sie zuvor beim Lernen eingeschlafen ist.
Für mich wäre folgender Ablauf realistischer: Betäubung lässt nach => sie hat die Augen noch zu, spürt aber die Schmerzen => denkt dann darüber nach, ob sie vielleicht schon wieder eingeschlafen ist => entscheidet sich dann die Augen zu öffnen => Konturen => Verwirrtheit( warum war alles so fremd?) => Ruck (nebenbei sehe ich einen Ruck immer als plötzlich und stark an, was die beiden Worte überflüssig macht) => Panik (Wo bin ich?!?)

George hat geschrieben:Wo bin ich?
Sie riss die Augen weit auf und blickte hastig um sich. Im schummrigen Licht, in dem sie sich wiederfand, nahm sie zunächst das geriffelte Bodenblech wahr, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Es sah stark abgenutzt aus, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Ein dumpfes Motorengeräusch drang zur ihr durch und brachte die beunruhigende Erkenntnis mit sich, dass hier etwas nicht stimmte (erst das Motorengeräusch bringt ihr die Erkenntnis?). Sie befand sich offenbar auf der Ladefläche eines Lieferwagens, (Streichen, der Leser weiß das hier schon und später denkt sie aktiv darüber nach, von daher ist das an der Stelle vollkommen überflüssig) und der Gedanke ließ sie zusammenzucken (zum einen- jetzt zuckt sie erst zusammen? Und zum anderen eine wie ich finde unpassende Reaktion, da die Erkenntnis eben nicht gerade jetzt plötzlich kommt, sondern sich „langsam aufgebaut hat“.), sodass sie mit einem Mal hellwach war (jetzt erst? Ist jemand der seine Augen weit aufreißt und sich hastig umblickt nicht hellwach?).


George hat geschrieben:Ein Lieferwagen(hier passt es)? Wie ist das möglich?
Sie atmete schwer, ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Sie versuchte, sich in dieser finsteren, befremdlichen Umgebung umzusehen, kam sich aber seltsam träge, beinahe wie gelähmt vor. Sie spürte ihren eigenen, heißen Atem, auch wenn sie sich nicht erklären konnte, warum. Und als die nächsten Fahrbahnunebenheiten sie aufs Neue durchschüttelten, dämmerte ihr die schreckliche Wahrheit: Es war nicht irgendeine mysteriöse Lähmung, sondern Fesseln an Händen und Füßen, die sie bewegungsunfähig machten. Und im gleichen Moment begriff sie, dass sie ihren Atem nur deshalb spüren konnte, weil ein Knebel durch ihren Mund führte. Fassungslos und von einer diffusen Angst erfüllt, stöhnte sie schließlich hinter dem mehrlagigen Stück Stoff hervor, das den Laut fast vollständig verschluckte.

Wieder das „beinahe“. Das „fast“ geht in die gleiche Richtung. Entweder es ist so, oder nicht.
Die Fesseln bemerkt sie erst jetzt?

George hat geschrieben:Was geschieht mit mir? (Die Frage hätte sich vermutlich schon vorher aufgedrängt)
Ihr kamen plötzlich allerhand schreckliche Antworten in den Sinn, die sie sonst nur aus der sicheren, akademischen Perspektive des Jura-Studiums kannte. Und mit ihnen schlich sich ein Gedanke in ihr Bewusstsein, den sie am liebsten nicht zu Ende geführt hätte:
Ich bin entführt worden! (diese Erkenntnis ebenfalls)
Auch der nächste Versuch, Arme und Beine zu bewegen, erwies sich als zwecklos (eher den Versuch den Fesseln zu entkommen). Sie ermahnte sich, so gut es ging in ihren Körper hineinzuhören (zeigen – tief durchatmen, bleib ruhig/denk nach!), konnte die Fahrgeräusche des Wagens dabei aber kaum ausblenden. Sie lag auf ihrer rechten Schulter, von der ein höllischer, stechender Schmerz ausging. Es fühlte sich an, als stecke dort die Nadel einer Spritze fest, die ihr bis zum Knochen ins Fleisch gestoßen worden war. Vorsichtig rieb sie ihr Schulterblatt über das vibrierende Bodenblech, um ihre Vermutung zu überprüfen. Die Erleichterung darüber, dass sie falsch gelegen hatte, überwog für einen kurzen Augenblick den heftigen Druckschmerz, der sich durch ihre Schulter bohrte. Ihre Haut fühlte sich dort jedoch seltsam taub an.

Wenn sie wirklich so höllische Schmerzen hat, warum bewegt sie dann noch die Schulter? In dem Fall können die Schmerzen nicht ssooo höllisch sein. Ganz davon abgesehen, dass sie den Unterschied, ob etwas in der Schulter steckt oder nicht, nicht fühlen würde, da besagte höllische Schmerzen alles überstrahlen.

George hat geschrieben:Sie spürte, wie die Fesseln ihr in die Gelenke schnitten (das spürt sie, wenn sie höllische Schmerzen in der Schulter hat? … streich das höllisch…). Sie kamen ihr so fest vor, als ob sie ihr nicht nur das Blut, sondern auch die Luft zum Atmen abschnürten. Ihre Zunge war durch den Knebel regelrecht ausgetrocknet, und als sie versuchte zu schlucken, meldeten die scheinbar letzten noch funktionierenden Knospen den Geschmack von Baumwoll-Bettlaken oder etwas Ähnlichem, das nun einen anderen, grausamen Zweck erfüllte.


George hat geschrieben:Ihre Hände waren hinter dem Rücken zusammengebunden, sodass sich die Haut an ihrer Brust spannte - so sehr, dass Sarah das Gefühl hatte, ihr wild pochendes Herz würde sie jeden Moment zerreißen.

Dass die Kleidung spannt, ok. Dass die Arme schmerzen auch ok. Aber der Haut würde es hierbei noch am besten gehen.

George hat geschrieben:Wie konnte das nur passieren?
Sie hoffte, jemand könnte den Widerhall dieser Frage hören und ihr - wenn schon keine Antwort - zumindest etwas Klarheit darüber verschaffen, was hier eigentlich vor sich ging. Doch nichts dergleichen geschah. Und spätestens als sie den Kopf hob und um sich blickte, begriff sie, dass sie allein war. (jetzt erst?)
Denk nach Sarah, denk nach! Was ist passiert? Woran erinnerst du dich?
Der Geruch des rostigen, ölverschmierten Wagenbodens (den Geruch hattest du schon erwähnt- doppelt/überflüssig) machte es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Sie musste schlucken. Einen Moment lang wünschte sie sich, ihre fünf Sinne würden nicht auf Hochtouren arbeiten, denn sie störten sie dabei, ihre Gedanken zu sortieren.
Reiß dich zusammen, Sarah!
Sie hatte das Gefühl, dass es sie irgendwie beruhigte, sich selbst Anweisungen zu geben. Schließlich hatte sie einen Geistesblitz, der fast einer Erlösung gleichkam:


George hat geschrieben:Sie spürte die Erleichterung durch sie hindurchfegen.

Unangebrachtes Gefühl an dieser Stelle.

George hat geschrieben:Ihr Blick verfinsterte sich.

Auf ihrer Stirn bildeten sich Falten/ sie kniff die Augen zusammen.

George hat geschrieben:Sie spürte, wie ihre Erinnerung allmählich verblasste.

Spürt man Erinnerungen wirklich verblassen? Ist das wirklich eine Emotion? Eher nicht.

George hat geschrieben: Ein Kribbeln überkam sie plötzlich, und sie versuchte abzuschätzen, ob das Taubheitsgefühl auf ihrer Haut und der pulsierende Schmerz darunter irgendwie dazu passten.

Kann man das erkennen, wenn man so etwas noch nie zuvor gefühlt hat? – unwahrscheinlich. Das sie durchgeht, wie genau ihr Zustand zu erklären ist, ist ebenso unwahrscheinlich. Daher würde ich den ganzen Absatz dazu streichen.

George hat geschrieben: Sarah wurde auf erschreckende Weise bewusst, was das bedeutete: Jemand musste das alles geplant und dort auf sie gewartet haben (das jemand das Ganze geplant hat ist natürlich viel erschreckender, als die Tatsache, dass sie entführt wurde …eher nicht). Und wer auch immer das war - er war noch nicht fertig mit ihr. Sie spürte, wie die Panik sie vollständig ergriff (gute Selbstbeherrschung, wenn die Panik sie jetzt erst vollständig ergreift).
Ich muss hier raus!
Mit aller Kraft versuchte sie, sich von den Fesseln zu befreien (jetzt erst?). Sie brüllte hemmungslos, während ihr Körper hin und her schlug wie ein Fisch, der gerade aus dem Wasser gezogen wurde.
"Hilfe!", schrie sie abgekämpft ein ums andere Mal, brachte hinter dem Knebel aber nur undeutliche Laute hervor, die an den weißen Blechwänden des Lieferwagens zerschellten. Dann sackte sie erschöpft zu Boden (sie ist schon auf dem Boden). Ihr Herz raste wie wild. Ihre Lunge verlangte hastig nach Sauerstoff, musste aber Schwerstarbeit leisten, um genügend Luft durch den Stoff zu saugen, der über mehrere Lagen zusammengeknüllt durch ihren Mund führte. (Nase?)


George hat geschrieben:Hilf mir, lieber Gott ...
Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie eine so tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit empfunden. Der schreckliche Albtraum (ein Alptraum hat die Angewohnheit schrecklich zu sein), in dem sie sich gefangen sah, wollte einfach nicht enden - so verbissen sie auch die Augen zukniff und hoffte, unversehrt in ihrem kleinen, vertrauten Zimmer wieder aufzuwachen. Sarah konnte nur noch an eins denken:
Ich will nicht sterben ...

Den Abschluss finde ich gut gelungen.

Du hast viele Adjektive, die dir den Text „kaputt“ machen z.B. höllisch, grausam, schrecklich. Klar kann sie das so empfinden, aber allein, dass es ständig betont wird, verliert die Aussage ihre Bedeutung. Außerdem relativiert du gerne, beinahe, fast, als ob … das nimmt Spannung.

Insgesamt empfinde ich den Abschnitt für die Situation zu lange. Unter solchen Umständen dürften sich die Gedanken überschlagen und viele Erkenntnisse gleichzeitig stattfinden (nicht erst brav nacheinander). Alternativ können die Gedanken durch die Betäubung verworren + wesentlich langsamer sein.
Selbstverständlich entspricht das nur meiner Wahrnehmung.

Liebe Grüße
Aurora Borealis
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Re: ÜBERARBEITET: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 1)

Beitragvon unkompliziert » 15.02.2015, 16:51

Hallo George,

ich möchte mich gern revanchieren und dir meine Eindrücke von deinem Text schildern.

Sarah wacht gefesselt in fremder Umgebung auf, und sofort kriecht Gänsehaut meinen Rücken hinauf, denn ich rieche förmlich, dass sie in ernster Gefahr ist.
Wenn dein Psychothriller richtig Fahrt aufnimmt, kann es sein, dass ich als Kommentator wieder abspringen muss, denn mich gruselt es bei solchen Büchern viel schlimmer als bei Filmen. :shock: Ich kann die normalerweise auch bei voller Zimmerbeleuchtung nicht lesen. Da geht die Fantasie mit mir durch. :oops:

George2307 hat geschrieben:
Als sie allmählich wieder zu sich kam, konnte Sarah noch nicht ahnen, was mit ihr geschehen war. Langsam, beinahe widerstrebend begannen ihre Augenlider, sich voneinander zu lösen, und einige verschwommene Konturen wurden in der Dunkelheit sichtbar.
Habe ich geschlafen?
Im ersten Moment kam es ihr vor, als ob sie wieder einmal nach stundenlangem Büffeln für die Semesterklausuren an ihrem Schreibtisch eingenickt war. Für gewöhnlich war es ein stechender Schmerz am Nacken, der sie irgendwann aufwachen ließ, wenn ihr Kopf eine Weile haltlos nach unten hing. Doch diesmal fühlte es sich anders an.
Müsste ihr Gleichgewichtsorgan ihr nicht melden, dass sie liegt?

Denn der Schmerz schien ihren gesamten Körper befallen zu haben. Und spätestens als sie von einem plötzlichen, starken Ruck erfasst wurde und ihr Kopf ungefedert auf dem harten Untergrund aufschlug, war sie hellwach und begriff, dass hier etwas nicht stimmte.
Gut, Angsthase der ich bin, wäre ich bereits in heller Panik. -- Wenn ich an diverse Nachtbusreisen denke, meine ich auch, dass man das zarte Vibrieren eines fahrenden Autos von Anfang an spürt und nicht nur die Kurven.

Wo bin ich?
Im schummrigen, rötlichen Licht dieser befremdlichen Umgebung konnte sie zunächst das geriffelte Bodenblech erkennen, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Ein dumpfes Motorengeräusch drang zur ihr durch, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Sie registrierte, dass sie auf der Seite lag und fasste kurzerhand den Entschluss, sich aufzurichten.
Soweit ist noch alles klar.
Ich hatte im Flugzeug mal vergessen, dass ich mich angeschnallt hatte. Als ich dann aufstehen wollte und das so gar nicht ging, war das natürlich ein Schreck. Eine halbe Sekunde das Nicht-Können-Gefühl und dann spürte ich sofort den Druck der Gurte.

Wenn sie sich wie gelähmt fühlt, dann spürt sie keinen Druck von ihrendwelchen Riemen, sondern ihre Gliedmaßen bewegen sich einfach nicht, obwohl sie sich sonst normal anfühlen.

Leserin Unki argwöhnt, dass da noch Drogen wirken.


Doch als sie versuchte, sich zu bewegen, kam sie sich plötzlich wie gelähmt vor. Und als sie ihren eigenen, heißen Atem spürte, lief ihr die Erkenntnis wie ein eiskalter Schauer den Rücken herunter: Ein dicker Stoffknebel führte durch ihren Mund, während ihre Hände fest hinter dem Rücken zusammengebunden und ihre Füße mit einer weiteren Fessel fixiert waren.
Ich glaube, das haben andere schon angemerkt. Aber damit komme ich auch nicht zurecht: Das Einschneiden von Fesseln und einen Knebel um den Kopf spürt man sofort. Wenigstens an den Lippen und am Kiefer. Das ist eine viel härtere Stimulation als das Vorbeistreichen des eigenen Atems.

Will sagen: Gelähmt-sein Gefühl ist deutlich anders als gefesselt-sein Gefühl.


Fassungslos und von einer diffusen Angst überrannt, hob Sarah den Kopf und blickte hastig um sich, um schließlich ein gepeinigtes Stöhnen hinter dem mehrlagigen Stück Stoff hervorzubringen, das den Laut vollständig verschluckte.
Dieser Absatz gefällt mir sehr gut!

Ein Lieferwagen? Wie kann das sein?
Man wacht gefesselt und allein auf. Es ist kein Schlafzimmer, keine Polizeizelle und kein Operationssaal. Wie kann man da so umständlich überlegen?
Es sei denn, sie ist ein Partygirl, dessen Freunde einen groben Humor haben. Oder sie hat sich in einem BDSM Club betrunken.
Aber gefesselt sein. Dieses Gefühl von Machtlosigkeit. Dürfte allen Normalmenschen große Angst machen.
Man ist dann nicht nur fiesen Streichen hilflos ausgeliefert, sondern kann sich auch im Fall eines Versehens oder Unfalls nicht helfen.

Ihr kamen allerhand mögliche Antworten in den Sinn, die sie bisher nur aus der sicheren, akademischen Perspektive des Jura-Studiums kannte.
Ich kann mir als Mensch von der Straße nicht vorstellen, wie es da verschiedene Möglichkeiten geben kann.

Und mit ihnen drängte sich ein weiterer, schrecklicher Gedanke in ihr Bewusstsein:
Ich bin entführt worden!
Auch der nächste verbissene Versuch, Arme und Beine zu bewegen, erwies sich als zwecklos. Stattdessen unternahm sie einige Anläufe, um sich auf die andere Seite zu drehen und landete schließlich auf ihrer rechten Schulter. Ein höllischer, stechender Schmerz fuhr ihr plötzlich durch Mark und Bein. Es war, als sei dort die Nadel einer Spritze stecken geblieben, und ihre Haut fühlte sich an der Stelle irgendwie taub an.
Der Teil gefällt mir sehr gut. :mrgreen: Auch wenn "gut" fehl am Platz ist, denn die Vorstellung gruselt mich.

Wie konnte dir das nur passieren?
Mein persönliches Sprachgefühl zeigt an, dass man soetwas sagt, wenn man sich oder anderen Vorwürfe macht. Und etwas aus Versehen passiert ist.
Aber das mag jetzt mein persönliches Problem sein.

Mein Vorschlag: Was ist mit mir passiert?
Alternativ: Wer ist das gewesen und warum?

Sie hoffte, jemand würde den Widerhall ihrer Gedanken hören und ihr - wenn schon keine Antwort - zumindest etwas Klarheit darüber verschaffen, was hier eigentlich vor sich ging.

Das würde ich von einem Menschen erwarten, der schon sehr lange im Unklaren über seine Situation ist und die Nerven sind schon so Matsch, dass jeder Schritt in irgendeine Richtung eine Erleichterung wäre.
Aber das ist eine psychisch gesunde junge Frau, die gerade mal 5 Minunten wach ist.
Von der würde ich erwarten, dass sie 1. Angst hat und 2. hofft das ganze lebend zu überstehen.


Doch nichts dergleichen geschah. Sie war allein.
Denk nach Sarah, denk nach! Was ist passiert? Woran erinnerst du dich?

Ich mag es nicht so gern, wenn Protas in Gedanken Selbstgespräche führen oder sich sogar selbst anfeuern. -- Aber allein von der Struktur ist es natürlich eine Abwechslung von der indirekten Gedankenrede.

Das Wechselspiel aus Beschleunigungs-, Brems- und Fliehkräften, dem sie praktisch nichts entgegenzusetzen hatte, machte es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Ihre auf Hochtouren arbeitenden Sinne taten ihr Übriges.
Reiß dich zusammen, verdammt!
Bei dem Absatz war ich wieder voll dabei.

Sie hatte das Gefühl, dass es sie irgendwie beruhigte, sich selbst Anweisungen zu geben. Und dann, als sie schon nicht mehr damit rechnete, durchzuckte sie ein Geistesblitz:
Chloe!
Der Name kam fast einer Erlösung gleich.
Du hast dich von Chloe verabschiedet!
Diesen Moment der Erleichterung kann ich sehr gut nachvollziehen!

Sie spürte die Erleichterung durch sie hindurchfegen.
"Durchfegen" finde ich für ein entspannendes Gefühl wie Erleichterung zu wild.
Es nimmt auch das Tempo raus, weil ich als Leser die Info, dass sie enorm erleichtert ist bereits verarbeitet habe und ungeduldig werde, wenn du es jetzt noch ausbaust, anstatt weiter zu machen.

Abgesehen davon ist die Situation in der sie ist unverändert schrecklich.
Ich würd den Satz komplett streichen.


Gut Sarah. Weiter so. Was ist danach passiert?
Sie überlegte.
Du bist die Treppe hinunter zum Parkhaus, hast deine Tasche in den Kofferraum gelegt und bist ins Auto gestiegen. Dad wird sich bestimmt freuen, zum Unabhängigkeitstag nicht allein zu sein - das hast du doch gedacht, als du ...

:mrgreen: Cinco de Mayo!! Du meinst sicher den mexikanischen Unabhängigkeitstag! :lol:

Tschuldigung. Nein. Schon klar. Es ist sicher der Vierte July.
Wir wollen uns nicht streiten. Aber wenn es im Plot keine zwingenden Gründe gibt, und es deiner Zielgruppe nicht gerade mega gehyped wird, möchte ich einfach nur still und friedlich meine Wählerstimme dafür abgeben, dass dein Thriller in einem deutschsprachigen Land spielt.
Und wenn das nicht geht, bevor ist USA oder GB wird, dann noch lieber Indien oder dass sie nach der Scheidung ihrer Eltern ihren ausländischen Papa in Mexiko besucht hat. - Und dabei entführt wurde.

Bei uns in der Kleinstadt gibt es drei Polizisten. Einer davon muss am Telefon der Wache bleiben.
Wenn die grad in einem Dorf patrollieren und die Fenster der Stadthalle von Besoffenen eingeschlagen werden, hat es schon einmal ne halbe Stunde gedauert, bis sie endlich da waren. *grusel*
Man kann nur hoffen, dass Verbrecherbanden nicht klar ist, was in Deutschland alles möglich wäre.


Sie stockte.
Als du den Motor gestartet hast.
Ihr Blick verfinsterte sich.

:shock: :shock: Uuaahh... mein ultimativer Albtraum. *heul*
Danke. Die Rückfahrt heute abend bei Dunkelheit wird der Horror...


Das hast du doch, oder? ...
Doch ihre Erinnerung verblasste allmählich, während sich ihre schmerzende Schulter zurückmeldete und die Frage aufwarf, ob er Teil ihrer Erinnerung war.
Wer ist "er"?

Wurdest du betäubt?
Sie musste schlucken.
Womit? Mit einer Spritze? Einem Elektroschocker?
Was für eine Frage, wenn man die Nadel doch noch in der Schulter stechen spürt?
Es wäre eine Recherche wert, ob Schlafmittel dazuführen, dass die Schulter um die Einstichstelle herum taub wird. Das sind ja andere Substanzen als die beim Zahnarzt.
Gut. Vielleicht hat er einfach einen Nerv getroffen.


Sie fand darauf keine Antwort. Jedenfalls keine, die sie an sich heranlassen wollte. In einem Punkt war sie sich jedoch sicher: Ihre Erinnerung endete genau dort, wo ihr Wochenende hätte beginnen sollen.
Was auch immer geschehen ist, es ist in deinem Auto geschehen.
Sarah wurde auf erschreckende Weise bewusst, was das bedeutete: Jemand musste all das geplant und dort auf sie gewartet haben. Und wer auch immer das war - er war noch nicht fertig mit ihr.

Warum erfordert es mehr Planung eine Frau in einem Parkhaus zu überfallen, als in einem Park?

Ich muss hier raus!
Mit aller Kraft versuchte sie aufs Neue, sich von den Fesseln zu lösen und brüllte hemmungslos, während ihr Körper hin und her schlug wie ein Fisch, der gerade aus dem Wasser gezogen wurde.
"Hilfe!", schrie sie abgekämpft ein ums andere Mal, brachte hinter dem Knebel aber nur undeutliche Laute hervor,
Das Herumzappeln mit einem Fisch zu vergleichen ist ein Klassiker. Aber noch in Ordnung, finde ich.

die an den Blechwänden des Lieferwagens zerschellten.
Mit dem "zerschellten" habe ich ein Problem. Denn das würde ich für harte Gegenstände verwenden, die beim Aufprall Lärm machen und auseinander brechen.
Aber das, was durch ihren Knebel noch kommt, wird schon arg gedämpft sein. Ich bin nicht sehr zuversichtlich, ob ein Kleinbus groß genug ist um ein Echo zu haben. Aber irgendwelche Bruchstücke sollte von dem Laut beim "zerschellen" schon zurückkommen.


Dann gab sie erschöpft auf. Ihr Herz raste wie wild, ihre Lunge verlangte hastig nach Sauerstoff.
Etwas "hastig tun" = "etwas mit fahrigen, hektischen Bewegungen tun"
Vorschlag: "dringend". Auch wenn es etwas abgegriffener ist.


Das Schlucken fiel ihr immer schwerer.
schwillt ihr Hals an?

Sie merkte, dass sie nass geschwitzt war. Ihre Bluse klebte an ihrem Rücken, ihre Jeans hatte sich an ihren Beinen festgesaugt und fühlte sich wie feuchtes Papier auf ihrer Haut an.
Hilf mir, lieber Gott ...
Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie eine so tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit empfunden. Es war wie ein schrecklicher Albtraum, der einfach nicht enden wollte - so verbissen sie auch die Augen zukniff und hoffte, unversehrt in ihrem kleinen, vertrauten Studentenzimmer in Hyde Park aufzuwachen. Sarah konnte nur noch an eins denken:
Ich will nicht sterben ...

Diese letzten Absätze finde ich sehr nachfühlbar, sehr flüssig zu lesen und sehr berührend!


An Rechtschreibung und Grammatik konnte ich beim besten Willen keinen Tadel finden.
Ansonsten habe ich einfach mal niedergeschrieben, was mir beim Lesen so durch den Kopf ging.
Manches ist vielleicht etwas grob und burschikos formuliert, aber keinesfalls böse gemeint.

Von dem kurzen Textabschnitt kann ich noch nicht viel dazu sagen, was ich von der Geschichte und den Charaktären halten würde. Aber ich hoffe schon, noch mehr davon zu lesen!

In einem Buchladen würde ich zusätzlich zu dem Prolog noch den Klappentext lesen um zu entscheiden, ob das ein Buch für mich ist. Oder mit jemandem sprechen, der es gelesen hat und dessen Nervenstärke ich einschätzen kann.
Normalerweise sind pure Psychothriller zu heftig für mich :girl:

Viele Grüße
Unki
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Re: ÜBERARBEITET: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 1)

Beitragvon Quixotiz » 16.02.2015, 17:38

Hallo George,

dein Text hat zwar schon einige Kommentare erhalten, aber, auf der Suche nach Kritikerfutter, stolpere ich doch immer wieder über ihn, deshalb mache ich mich mal ran.

Auf den ersten Blick macht dein Text keinen schlechten Eindruck. Man merkt, dass du dich beim Schreiben darum bemüht hast, dem Leser eine gut ausstaffierte, spannende Geschichte zu liefern. Das ist gut.

Ich bin mir wegen der Länge nicht sicher. Rein vom Gefühl her, empfinde ich die Szene jetzt schon als zu lang (sie geht dann auch noch weiter oder?). Wie stark sie gekürzt werden sollte/könnte, hängt aber auch vom Kontext ab.

An einigen deiner Formulierungen könnte man noch etwas drehen, um den Text dichter und geschmeidiger zu gestalten.

Ich lege einfach mal los:

Als sie allmählich wieder zu sich kam, konnte Sarah noch nicht ahnen, was mit ihr geschehen war. Langsam, beinahe widerstrebend begannen ihre Augenlider, sich voneinander zu lösen, und einige verschwommene Konturen wurden in der Dunkelheit sichtbar.
Habe ich geschlafen?


Ob mich das „beinahe“ stört (ich habe diesen Kritikpunkt in einem der Kommentare beiläufig aufgeschnappt), weiß ich nicht. Man könnte es kritisieren, aber wenn ich nicht mit der Nase drauf gestoßen worden wäre, wäre es mir vermutlich nicht aufgefallen. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Da ich die Formulierung „sich voneinander zu lösen“ als zu schwerfällig empfinde, würde ich den Satz abkürzen „Langsam, beinahe widerstrebend begannen ihre Augenlider sich zu öffnen“ oder „Langsam, beinahe widerstrebend öffneten sich ihre Augenlider“ oder „Langsam, beinahe widerstrebend, öffnete sie ihre Augenlider“ – perfekt ist keiner dieser Vorschläge. Was mich an deinem Satz stört, ist diese Eigenmacht, die den Augenlidern zugeschrieben wird, aber das muss nichts bedeuten.

„und einige“ – „einige“ ist eines dieser Worte, die ich vermeiden würde, es ist zu unbestimmt bestimmt und bremst aus.

Im ersten Moment kam es ihr vor, als ob sie wieder einmal nach stundenlangem Büffeln für die Semesterklausuren an ihrem Schreibtisch eingenickt war. Für gewöhnlich war es ein stechender Schmerz am Nacken, der sie irgendwann aufwachen ließ, wenn ihr Kopf eine Weile haltlos nach unten hing. Doch diesmal fühlte es sich anders an. Denn der Schmerz schien ihren gesamten Körper befallen zu haben. Und spätestens als sie von einem plötzlichen, starken Ruck erfasst wurde und ihr Kopf ungefedert auf dem harten Untergrund aufschlug, war sie hellwach und begriff, dass hier etwas nicht stimmte.
Wo bin ich?


Den „ersten Moment“ sehe ich kritisch, weil es keinen zweiten Moment gibt und der eigentliche „erste Moment“ schon vorüber zu sein scheint. Vielleicht würde der Moment funktionieren, wenn er sich auf die Konturen beziehen würde, da er das nicht tut und er mir wie ein Füllsel erscheint, würde ich ihn weglassen. „Es kam ihr vor“ Punkt. Ende. Ob nun im ersten, zweiten oder fünften Moment, spielt keine Rolle.
Das mit der nachfolgenden Beschreibung, empfinde ich nicht als perfekt gelöst. Ich finde den Vergleich zu harmlos, wenn er nicht mit einem Ton der Verwirrung einhergeht. Was ich meine ist, es könnte ihr eigentlich nicht nur so vorkommen als ob, sie könnte tatsächlich nach Anhaltspunkten suchen, mithilfe derer sie sich versucht zu vergewissern, ob sie sich in der Bibliothek oder wo auch immer befindet.
Was mir fehlt ist ihr Versuch, sich zu orientieren, der parallel zu der Schilderung ihres körperlichen Befindens ablaufen müsste/sollte. Ansonsten bricht die Spannung gemeinsam mit den Bildern ab.

„dass hier etwas nicht stimmte“ – frag mich nicht warum, aber diese Feststellung empfand ich als zu „flapsig“ vom Tonfall her, vielleicht auch inhaltlich, weil sie dem Leser vorkaut, was er eh schon weiß/hofft.

Im schummrigen, rötlichen Licht dieser befremdlichen Umgebung konnte sie zunächst das geriffelte Bodenblech erkennen, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Ein dumpfes Motorengeräusch drang zur ihr durch, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Sie registrierte, dass sie auf der Seite lag und fasste kurzerhand den Entschluss, sich aufzurichten. Doch als sie versuchte, sich zu bewegen, kam sie sich plötzlich wie gelähmt vor. Und als sie ihren eigenen, heißen Atem spürte, lief ihr die Erkenntnis wie ein eiskalter Schauer den Rücken herunter: Ein dicker Stoffknebel führte durch ihren Mund, während ihre Hände fest hinter dem Rücken zusammengebunden und ihre Füße mit einer weiteren Fessel fixiert waren. Fassungslos und von einer diffusen Angst überrannt, hob Sarah den Kopf und blickte hastig um sich, um schließlich ein gepeinigtes Stöhnen hinter dem mehrlagigen Stück Stoff hervorzubringen, das den Laut vollständig verschluckte.


In diesem Absatz befinden sich zu viele „unds“ (7 Stück, wenn ich mich nicht verzählt habe)

Der erste Satz klingt sehr gestelzt, was vor allem an „dieser befremdlichen Umgebung“ liegt. Ich bin mir nicht sicher, welche Grundstimmung du erzeugen willst. Für einen Psychothriller erscheint mir dein Tonfall als zu wenig dramatisch und zu weich.
Es sind einzelne Worte (Füllworte) oder Satzteile, die den Tonfall (m.E.) zu stark anheben, so dass er ein bisschen hm! klingt: „dieser befremdlichen Umgebung“ – „soeben unangenehme Bekanntschaft“ – „stieg ihr in die Nase“ – „fasste kurzerhand“ – „kam sie sich plötzlich“ – „fassungslos“ – „gepeinigt“ usw.
Es sind wirklich nur Kleinigkeiten. Nichts Großes.


Dass sie den Stoffknebel „erkennt“ hat mich irritiert. Aber mehr noch hat mich verwirrt, dass er durch ihren Mund „führt“. Mir ist diese Formulierung nicht geläufig (muss nichts heißen). Ernsthaft gestört hat mich die Erwähnung, dass der Stoff mehrlagig ist. Du hast es gut gemeint, das ist klar, aber diese Info ist mehr als überflüssig ;)

Ich habe mich darüber gewundert, dass sie erst so spät feststellt, dass sie gefesselt ist (schwer zu beschreiben so eine Situation) ;)

Ein Lieferwagen? Wie kann das sein?
Ihr kamen allerhand mögliche Antworten in den Sinn, die sie bisher nur aus der sicheren, akademischen Perspektive des Jura-Studiums kannte. Und mit ihnen drängte sich ein weiterer, schrecklicher Gedanke in ihr Bewusstsein:
Ich bin entführt worden!
Auch der nächste verbissene Versuch, Arme und Beine zu bewegen, erwies sich als zwecklos. Stattdessen unternahm sie einige Anläufe, um sich auf die andere Seite zu drehen und landete schließlich auf ihrer rechten Schulter. Ein höllischer, stechender Schmerz fuhr ihr plötzlich durch Mark und Bein. Es war, als sei dort die Nadel einer Spritze stecken geblieben, und ihre Haut fühlte sich an der Stelle irgendwie taub an.
Wie konnte dir das nur passieren?
Sie hoffte, jemand würde den Widerhall ihrer Gedanken hören und ihr - wenn schon keine Antwort - zumindest etwas Klarheit darüber verschaffen, was hier eigentlich vor sich ging. Doch nichts dergleichen geschah. Sie war allein.


„allerhand“ ist wieder eines dieser Worte, die den Tonfall unnötig verzerren. Wenn Sarah selbst Jura studiert, solltest du auch „ihres Jura-Studiums“ schreiben, um den Bezug zum klingen zu bringen (sozusagen) Ansonsten fand ich den Satz irgendwie witzig. Ich weiß nur nicht, ob er das sein sollte. Wenn ja, gut :)

Wie sie zu der Schlussfolgerung gelangt, entführt worden zu sein, kann ich nicht nachvollziehen. Den Gedanken schon, aber die Formulierung ist sehr klar. Könnte später aber noch einen Sinn ergeben.

„Stattdessen“ – das Wort würde ich streichen, Füllwort, nimmt Spannung raus.

Das sie direkt auf die Nadel einer Spritze kommt, hat mich auch irritiert, da gäbe es so viele andere Möglichkeiten.

„Wie konnte das nur passieren“ – verstehe ich nicht, weil das „das“ zu spezifisch ist. Dafür gefällt mir der darauffolgende Satz sehr gut ;) Schöne Idee!


Denk nach Sarah, denk nach! Was ist passiert? Woran erinnerst du dich?
Das Wechselspiel aus Beschleunigungs-, Brems- und Fliehkräften, dem sie praktisch nichts entgegenzusetzen hatte, machte es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Ihre auf Hochtouren arbeitenden Sinne taten ihr Übriges.
Reiß dich zusammen, verdammt!
Sie hatte das Gefühl, dass es sie irgendwie beruhigte, sich selbst Anweisungen zu geben. Und dann, als sie schon nicht mehr damit rechnete, durchzuckte sie ein Geistesblitz:
Chloe!
Der Name kam fast einer Erlösung gleich.
Du hast dich von Chloe verabschiedet!
Sie spürte die Erleichterung durch sie hindurchfegen.
Gut Sarah. Weiter so. Was ist danach passiert?
Sie überlegte.


Hm … Das mit dem „Wechselspiel“ finde ich übertrieben. Es sei denn der Lieferwagen fährt bei einer Rallye mit. Aber das lasse ich hier mal außen vor. Ich übergehe auch, dass du das „praktisch“ streichen solltest ;)
Dieser ganze kleine Absatz bis zum „Übriges“ ist inhaltlich (in seiner jetzigen Form), meines Erachtens, nämlich vollkommen irrelevant.

„Sie hatte das Gefühl, dass … „ 1. Streich das „irgendwie“ 2. Stell zwischen diesem Satz und ihrem vorherigen Gedanken einen Bezug her – „Es beruhigte sie, sich selbst Anweisungen zu geben.“
Wie würde ein Satz auf dich wirken, der so lautet: „Ihre Leser hatten das Gefühl, dass diese Geschichte sie irgendwie interessierte.“ ;) Klingt ganz schön nichtssagend und unbefriedigend, findest du nicht?

„Und dann, als sie schon nicht mehr damit rechnete …“ – hier würde ich mir etwas besseres überlegen, es scheint mir als Leser nämlich nicht so, als würde sie schon so lange über ihre Situation nachdenken, dass man schon gar nicht mehr mit einem Geistesblitz rechnen durfte ;)

„kam fast einer Erlösung gleich“ – warum fast?

„Sie spürte die Erleichterung durch sie hindurchfegen“ – Die Erleichterung fegte durch sie hindurch“ (wenn man das „fegen“ beibehalten möchte)

Du bist die Treppe hinunter zum Parkhaus, hast deine Tasche in den Kofferraum gelegt und bist ins Auto gestiegen. Dad wird sich bestimmt freuen, zum Unabhängigkeitstag nicht allein zu sein - das hast du doch gedacht, als du ...
Sie stockte.
Als du den Motor gestartet hast
Ihr Blick verfinsterte sich.
Das hast du doch, oder? ...
Doch ihre Erinnerung verblasste allmählich, während sich ihre schmerzende Schulter zurückmeldete und die Frage aufwarf, ob er Teil ihrer Erinnerung war.
Wurdest du betäubt?
Sie musste schlucken.
Womit? Mit einer Spritze? Einem Elektroschocker?
Sie fand darauf keine Antwort. Jedenfalls keine, die sie an sich heranlassen wollte. In einem Punkt war sie sich jedoch sicher: Ihre Erinnerung endete genau dort, wo ihr Wochenende hätte beginnen sollen.


Prinzipiell gefällt mir diese Selbstbefragung, aber in diesem Abschnitt verstecken sich einige Fehler. Ich schreibe ihn mal ins Reine (sofern mir das gelingt :lol:)

Du bist die Treppe hinunter ins Parkhaus gegangen, hast deine Tasche in den Koffer gelegt und bist ins Auto gestiegen. Dad wird sich bestimmt darüber freuen, am Unabhängigkeitstag nicht allein zu sein/allein sein zu müssen/den Unabhängigkeitstag nicht allein verbringen zu müssen, hast du gedacht. Das hast du doch gedacht, als du …
Sie stockte.
Als du den Motor gestartet hast ...
Ihr Blick verfinsterte sich.
Du hast ihn doch gestartet?
[ - den nachfolgenden Einschub verstehe ich nicht, deshalb lasse ich ihn außen vor, er müsste grundsaniert werden ;)]
Wurdest du betäubt?
Sie schluckte.
Womit? Mit einer Spritze? Einem Elektroschocker?
Sarah schüttelte den Kopf. Sie kannte die Antwort auf diese Fragen nicht. Nur in einem Punkt war sie sich absolut sicher: Ihre Erinnerung endete genau dort, wo ihr Wochenende hätte beginnen sollen.

So oder so ähnlich – schwierig, so aus dem Stegreif.


Was auch immer geschehen ist, es ist in deinem Auto geschehen.
Sarah wurde auf erschreckende Weise bewusst, was das bedeutete: Jemand musste all das geplant und dort auf sie gewartet haben. Und wer auch immer das war - er war noch nicht fertig mit ihr.
Ich muss hier raus!
Mit aller Kraft versuchte sie aufs Neue, sich von den Fesseln zu lösen und brüllte hemmungslos, während ihr Körper hin und her schlug wie ein Fisch, der gerade aus dem Wasser gezogen wurde.
"Hilfe!", schrie sie abgekämpft ein ums andere Mal, brachte hinter dem Knebel aber nur undeutliche Laute hervor, die an den Blechwänden des Lieferwagens zerschellten. Dann gab sie erschöpft auf. Ihr Herz raste wie wild, ihre Lunge verlangte hastig nach Sauerstoff. Das Schlucken fiel ihr immer schwerer. Sie merkte, dass sie nass geschwitzt war. Ihre Bluse klebte an ihrem Rücken, ihre Jeans hatte sich an ihren Beinen festgesaugt und fühlte sich wie feuchtes Papier auf ihrer Haut an.
Hilf mir, lieber Gott ...
Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie eine so tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit empfunden. Es war wie ein schrecklicher Albtraum, der einfach nicht enden wollte - so verbissen sie auch die Augen zukniff und hoffte, unversehrt in ihrem kleinen, vertrauten Studentenzimmer in Hyde Park aufzuwachen. Sarah konnte nur noch an eins denken:
Ich will nicht sterben ...


„Was auch immer geschehen ist“ = „Was auch immer danach geschehen ist…“ – Ich würde diesen Satz allerdings komplett ändern, da sie nicht wissen kann, dass „es“ in einem Auto geschehen ist.

Den nachfolgenden Satz verstehe ich wieder nicht. Er hat eine seltsame Logik. Ich würde auf jeden Fall dazu raten, dass „erschreckend“ zu streichen. Dieses „Erschreckende“ geht aus dem Text hervor. Betonst du es noch mal extra, verliert der Text seine Wirkung.

Die nachfolgende Reaktion verstehe ich nicht. Studiert sie wirklich Jura? Ich meine, ist doch klar, dass sie niemand hört, wenn das Auto derart wild durch die Gegend rast, dass sie ständig hin und hergeschleudert wird und wo will sie denn hin?

„ihr Herz rast wie wild“ – Oder raste es einfach nur wild?


Was mich am meisten an diesem Text kritisiere ist seine „unordentliche Ordnung“ und der nicht nachvollziehbare Wechsel, von relativ rationalen Gedankengängen in die pure Verzweiflung. Ich sage nicht, die Reaktionen an sich wären unglaubwürdig, aber du hast sie noch nicht perfekt umgesetzt bzw. eingearbeitet. Der Text liest sich, was die Emotionen der Protagonistin angeht, nicht eben, sondern sehr holperig.

Mit „unordentlicher Ordnung“ meine ich, dass die Szene bzw. die Umgebung nicht logisch aufgebaut wird. Meiner Meinung nach, funktioniert es zum Beispiel nicht, sie erst so spät bemerken zu lassen, dass sie gefesselt wurde. Sie hätte das aller spätestens dann merken müssen, als ihr Kopf auf den harten Untergrund aufschlug. Da uns unser Kopf nicht ganz unwichtig ist, versuchen wir immer ihn (instinktiv) zu schützen.
Ein anderes Beispiel wäre der schlechte Fahrstil des Fahrers. Wenn das Auto so wild von links nach rechts geht, hätte das früher erwähnt werden müssen. Das ist allerdings auch eines dieser Dinge, die du getrost streichen könntest. Es ist überflüssiges Füllmaterial.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Anregungen irgendwie weiterhelfen :)

Grüße von
Quixotiz
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Re: ÜBERARBEITET: PROLOG MEINES PSYCHOTHRILLERS (TEIL 1)

Beitragvon George2307 » 17.02.2015, 21:36

Hallo Quixotiz,

auch Dir vielen Dank für den umfangreichen und äußerst nützlichen Beitrag zu meinem Text! :P

Im Folgenden einige Bemerkungen zu einzelnen Punkten Deines Kommentars:

Ich bin mir wegen der Länge nicht sicher. Rein vom Gefühl her, empfinde ich die Szene jetzt schon als zu lang (sie geht dann auch noch weiter oder?).

Ich habe die Szene in zwei Teilen hier hochgeladen. Insgesamt nimmt sie acht Normseiten des Manuskripts in Anspruch. Das geht für einen Prolog gerade noch in Ordnung.

Was mich stört, ist diese Eigenmacht, die den Augenlidern zugeschrieben wird.

Ich glaube jeder von uns kennt das Gefühl, wenn man aus einem tiefen Schlaf aufwacht und in den ersten paar Sekunden gegen die Schwerfälligkeit der Augen ankämpfen muss. Genau dieses Gefühl möchte ich in den Text transportieren.


Im schummrigen, rötlichen Licht dieser befremdlichen Umgebung konnte sie zunächst das geriffelte Bodenblech erkennen, mit dem sie soeben unangenehme Bekanntschaft gemacht hatte. Ein dumpfes Motorengeräusch drang zur ihr durch, und ein penetranter Geruch von Schmieröl und rostigem Metall stieg ihr in die Nase. Sie registrierte, dass sie auf der Seite lag und fasste kurzerhand den Entschluss, sich aufzurichten. Doch als sie versuchte, sich zu bewegen, kam sie sich plötzlich wie gelähmt vor. Und als sie ihren eigenen, heißen Atem spürte, lief ihr die Erkenntnis wie ein eiskalter Schauer den Rücken herunter: Ein dicker Stoffknebel führte durch ihren Mund, während ihre Hände fest hinter dem Rücken zusammengebunden und ihre Füße mit einer weiteren Fessel fixiert waren. Fassungslos und von einer diffusen Angst überrannt, hob Sarah den Kopf und blickte hastig um sich, um schließlich ein gepeinigtes Stöhnen hinter dem mehrlagigen Stück Stoff hervorzubringen, das den Laut vollständig verschluckte.


In diesem Absatz befinden sich zu viele „unds“ (7 Stück, wenn ich mich nicht verzählt habe)

Dein Hinweis ist zwar recht aufmerksam, dennoch muss ich Dir in diesem Punkt leider widersprechen:
1. Der Absatz ist insgesamt recht lang, füllt im Manuskript mehr als eine halbe Normseite;
2. Ich habe schon einige Romane in der Hand gehabt, bei denen das "und" stellenweise noch häufiger vorkam.
Trotzdem danke ich Dir für den Hinweis - werde künftig versuchen, zu häufige Wortwiederholungen zu vermeiden.

Dass sie den Stoffknebel „erkennt“ hat mich irritiert.

Im Text ist nicht von einer optischen Erkennung die Rede, sondern davon, dass ihr die Erkenntnis, geknebelt zu sein, wie ein eiskalter Schauer den Rücken herunterläuft.

Ernsthaft gestört hat mich die Erwähnung, dass der Stoff mehrlagig ist. Du hast es gut gemeint, das ist klar, aber diese Info ist mehr als überflüssig ;)

Sehr guter Tipp, danke! :wink:

Das sie direkt auf die Nadel einer Spritze kommt, hat mich auch irritiert, da gäbe es so viele andere Möglichkeiten.

Ich wollte damit eine Metapher für einen punktuellen, stechenden Schmerz einbringen, um beim Leser Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Der Gedanke an eine Spritzennadel kam dem m. E. am nächsten. Sofern du eine bessere Idee hast, bin ich für jeden Vorschlag dankbar! :P

„Sie hatte das Gefühl, dass … „ 1. Streich das „irgendwie“ 2. Stell zwischen diesem Satz und ihrem vorherigen Gedanken einen Bezug her – „Es beruhigte sie, sich selbst Anweisungen zu geben.“
Wie würde ein Satz auf dich wirken, der so lautet: „Ihre Leser hatten das Gefühl, dass diese Geschichte sie irgendwie interessierte.“ ;) Klingt ganz schön nichtssagend und unbefriedigend, findest du nicht?

Der Punkt geht an dich! :P

„Was auch immer geschehen ist“ = „Was auch immer danach geschehen ist…“ – Ich würde diesen Satz allerdings komplett ändern, da sie nicht wissen kann, dass „es“ in einem Auto geschehen ist.

Das Letzte, woran sich Sarah erinnern kann, ist, dass sie ins Auto gestiegen war, um ihren Dad zu besuchen. Sie ist sich nicht einmal sicher, ob sie den Motor gestartet hatte. Ab diesem Punkt setzt ihre Erinnerung aus. Wäre ich selbst in Sarahs Lage, würde ich wahrscheinlich auch denken, dass "es" in ihrem Auto passiert ist, dass sie jemand außer Gefecht gesetzt hatte.

Insgesamt finden sich auch in Deinem Kommentar zahlreiche wichtige Hinweise, die es zumindest wert sind, darüber nachzudenken. Und dafür danke ich Dir!

Herzlichen Gruß
George
George2307
 
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