Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

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Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Thatch » 08.10.2015, 00:26

Hallo,

Nach etwas Recherche, liest/Hört man ziemlich oft, dass der Hauptplot (quasi die Grundinformation um, was es eigentlich genau in dem Buch geht) immer eher am Anfang vorgestellt werden sollte.

Hier meine Frage:

Was ist wenn ich das aber nicht wirklich will ?
In meiner Geschichte lernen sich am Anfang Protagonist A und Protagonist B kennen.
Der Hauptplot geht von A' s Vergangenheit aus. Diese Vergangenheit soll aber B erst etwas später erfahren (somit erfährt auch der Leser erst später davon)
Quasi geht es (unter anderem) darum, dass A eine bestimmte Tür öffnen will, der Leser weiß am Anfang aber nicht warum A diese Tür öffnen will.

Das Problem, dass ich hier sehe ist, das die Leser am Anfang (ca. bis Seite 20-30) nicht erfahren um was es denn genau im Hauptplot gehen soll.

Ist dieser "Fehler" wirklich so gravierend, wie man so liest?
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Re: Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Ankh » 08.10.2015, 08:23

So, wie du das schilderst, ist das kein Fehler.

A will die Tür öffnen. Damit bist du bereits mitten im Hauptplot, falls es dabei um die Tür (oder was dahinter ist) geht. Sobald du die Tür erwähnst, ist das Thema auf dem Tisch, und der Hauptplot beginnt. Warum er sie eigentlich öffnen will, könntest du theoretisch auch erst auf der letzten Seite enthüllen, so lange sonst genug um die Tür herum passiert.

Wenn du meinst, dass die Tür erst auf Seite 25 überhaupt auftaucht bzw erwähnt wird, finde ich das auch noch in Ordnung, so lange die Handlung bis dahin zumindest auf sie zusteuert. Wenn du die ersten 20 Seiten beschreibst, wie der Protagonist unterwegs ist, vom Regen überrascht wird, sich in einem verlassenen Haus unterstellt, durch einen seltsamen Lichtschein in den Keller gelockt wird und da dann schließlich die Tür findet, dann gehört dieser Weg dorthin ja auch schon zur Tür.

Das Einzige, was ich vermeiden würde, ist 20 Seiten "er stand auf, machte sich 'nen Kaffee, stellte sich unter die Dusche, rief seinen Steuerberater an ..." etc, also Zeug, was völlig irrelevant ist für die Geschichte. Wenn du die ersten 20 Seiten streichen könntest, ohne dass die Geschichte Informationen verliert, die du später brauchst - dann streiche sie.

Falls du befürchtest, dass der Leser nicht weiß, worauf er sich bei deiner Geschichte einlässt: Dafür gibt es den Klappentext eines Buches. Der soll zwar nicht zuviel vorwegnehmen, aber ob hinter der Tür dann eher eine Leiche oder eine Fantasywelt liegt, kann man auf dem Wege schonmal klarstellen.
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Re: Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Neee » 08.10.2015, 12:52

Ankh hat ein paar sehr gute Punkte genannt, finde ich.
Zusätzlich fällt mir noch ein, die Perspektive zu überprüfen.

Welche Erzählweise nutzt du denn?
Ist der Erzähler ein Ich-Erzähler, perspektivisch, allwissend?

Falls du die Perspektive von B nutzt und die ersten zwanzig Seiten keine Relevanz für die spätere Geschichte haben sondern nur für B, sind sie dann wichtig? Ist die Perspektive von B (oder die Erzählweise, die du nutzt) diejenige, die die Geschichte am interessantesten und spannendsten präsentiert oder wäre eine andere womöglich besser geeignet?
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Re: Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Kari » 08.10.2015, 13:43

Ich sehe es wie Ankh, es kommt darauf an, was du auf den ersten Seiten "stattdessen" machst.
Du kannst während des Kennenlernens durchaus schon auf den Hauptplot zuarbeiten. Merkwürdige Dinge geschehen, A antwortet bei der ein oder anderen Frage zu seiner Vergangenheit nicht ganz so frei heraus, wie man erwarten würde oder wirkt ausgesprochen vorsichtig? Es sind in aller Regel Kleinigkeiten, mit denen es losgeht.

Am Rande bemerkt kann man auch argumentieren, dass das Zusammentreffen von A und B schon relavant für den Hauptplot ist, falls B darin eine tragende Rolle spielt. :wink:

Kurz gesagt: Ich denke, du kannst das auf jeden Fall so machen. Falls du etwas für später Relevantes schon einflechten kannst, nutz' die Gelegenheit, falls nicht, ist es auch nicht schlimm.
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Re: Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Thatch » 08.10.2015, 19:47

Danke für die schnellen Antworten!!!

Neee hat geschrieben:
Welche Erzählweise nutzt du denn?
Ist der Erzähler ein Ich-Erzähler, perspektivisch, allwissend?


Ich nutze die Perspektiven der einzielen Charaktere. Am Anfang aus der Sicht von A und kurz später aus der Sicht von B.

Ich glaube eure Ratschläge haben mir ganz gut geholfen :D
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Re: Richtiger Zeitpunkt um den Hauptplot vorzustellen

Beitragvon Kelpie » 14.10.2015, 23:34

An sich finde ich das nicht tragisch. Teilweise ist es vielleicht verpönt, weil es für den Leser ungewohnt ist, aber so schlecht ist es gar nicht. Ich würde es einfach mal ausprobieren und schauen, wie die Wirkung ist und die Reaktion der Leserschaft ausfällt. Mitunter gibt es ja viele Möglichkeiten, um zum Hauptplot hinzuarbeiten und wenn der Übergang flüssig ist, fällt auch gar nicht auf, dass der richtige Plot erst viel später kommt.
Derweilen ist auf dem Feld schon alles gewachsen, bevor die wussten, warum und wie genau es gedeiht. (Franziska Alber)
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