Rollstuhl - und wieder gehen können

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Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon Dingelchen » 08.11.2015, 20:50

Hallo,

ich habe gerade folgendes Szenario:
Meine Prota sitzt für ca. vier bis fünf Monate permanent im Rollstuhl - körperlich fehlt ihr nichts, es handelt sich dabei ausschließlich um psychische Gründe. Ihre Eltern stecken sie natürlich in Physiotherapie, aber auch da weigert sie sich, aktiv mitzuarbeiten (sie hat sich selbst total aufgegeben und lässt quasi willenlos alles über sich ergehen, als sei sie eine Puppe).
Ich kenn mich mit Physiotherapie dahingehend nicht aus hab keinen Plan, was sie da machen würden und ob/was das infolge bringen würde (mein Freund meinte, es wäre evtl. etwas Elektromäßiges [ich meine jetzt nicht das Musikgenre xD], aber inwieweit da die Muskelfunktionen aufrechterhalten werden könnten, konnte er auch nicht sagen).

Jedenfalls beschließt sie nach 4, 5 Monaten mal eben so, aufzustehen. Und jetzt weiß ich nicht, ob sie da noch gehen könnte? Mein Freund meinte, er konnte nach nem Bänderriss schon nach 3 Wochen Bett kaum mehr gehen. Aber meine Prota hat ja Physiotherapie gehabt (wo sie wie gesagt aktiv nicht mitgearbeitet hat).
Könnte sie also auf wackligen Beinen iiirgendwie durch die Gegend schlurfen? Oder hat sie bereits trotz Therapie vermutlich eher Muskelschwund und kann keinen Schritt mehr gehen? Und falls Zweiteres: Könnte sie gehen, wenn jemand sie dabei stützt? Oder fliegt sie so oder so auf die Nase?
Und falls man nach 4, 5 Monaten permanenten Sitzens tatsächlich so geschwächt ist, dass man nicht mehr gehen kann: Wie kann man das OHNE jegliche Therapie wieder hinkriegen? -- Ihr Partner würde sie im Falle des Falles zwar gerne zu Therapien hinkutschieren, aber sie hat leider ne Krankenhausphobie und lässt generell keine Menschen mehr an sich ran. Jetzt müsste er sie, falls sie nicht mehr gehen kann, wieder zum Gehen kriegen. (Sein Vater ist btw. Arzt, aber Gynäkologe - kennen sich die auch mit sowas aus?^^ - Was würde ein Arzt denn da raten?)
Was stellt mein armer überforderter Prota also am besten mit ihr an? Wendet er sich an seinen Papa oder krieg er das auch selber hin? Oder muss er nix groß machen, weil sie - wenn auch dank passiv geduldeter Physiotherapie - ohnehin noch halbwegs gehen kann?

Körperlich fehlt ihr wie gesagt nichts; zumindest nichts in den Beinen und auch sonst nichts dramatisches.

Liebe Grüße
Dingelchen

PS: Ich hab echt schon versucht, im Alleingang zu recherchieren. Aber ich fand nie Passendes dazu - weil meine Prota ja nicht aus körperlichen Gründen im Rollstuhl sitzt und bei Therapien eben auch nichts dazu tut. :-/
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Re: Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon Ankh » 08.11.2015, 22:29

Vielleicht hilft es dir, über Patienten zu recherchieren, die für längere Zeit aufgrund eienr Krankheit bettlägrig waren, vielleicht im Koma? Jedenfalls haben die große Schwierigkeiten zu laufen und brauchen unbedingt Therapie, um wieder auf die Beine zu kommen. Schon im Liegen dürfte daher ein Krankengymnast ihre Beine bewegen, damit sich die Gelenke nicht verhärten und die Bänder nicht verkürzen, das geht auch passiv. Den Rückgang der Muskeln kann man aber so nicht verhindern, und auch Elektrostimulation wird das nicht ganz aufhalten, dazu müsste man ja jeden einzelnen Muskel, der für den Gehapparat notwendig ist, behandeln.

Das Problem, das ich bei deiner Szene sehe ist, dass sie wahrscheinlich stürzen wird, weil sie sich überschätzt, und außer ihrem Rollstuhl womöglich auch nichts zum Abstützen in der Nähe hat. Wenn sie aber erstmal am Boden liegt, hat sie mit zurückgebildeten Muskeln praktisch keine Chance, allein wieder hochzukommen. Es geht ja nicht nur um ihre Beine, sondern auch die Arme und die Rumpfmuskulatur.

Wie weit soll sie denn kommen? Und warum rollt sie da nicht im Rollstuhl hin?

Ganz ohne Therapie wird das wohl auch nicht besser. Aber es gibt natürlich noch die Option, dass ein Therapeut ins Haus kommt. Und wenn sich ihr Partner informiert, kann er unterstützend einige Übungen selbst mit ihr durchführen.
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Re: Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon Dingelchen » 08.11.2015, 23:32

Danke für deine ausführliche Antwort :)

Oh, speziell Komapatienten hatte ich irgendwie ausgelassen. Wird noch nachgeholt, danke für den Wink :)
Ansonsten wie gesagt bin ich dann immer nur auf genetische Erkrankungen oder Querschnittslähmung u.ä. gestoßen - aber meine Prota hat ja nix, ihr Problem ist nur die Psyche und ihr Lebensunwille - und eben die Frage, wie ihr Körper, speziell ihre Beine, sich da zurückentwickeln. Aber das mit dem Koma ist schon mal ein guter Tipp!

Nein, sie hat keinen Rollstuhl mehr^^. Daher kann sie auch mitm Rollstuhl nirgends hinrollen.
Ausgangslage: Monate nach der Ursache für ihre Situation wird sie wieder zu ihrem Partner gebracht. Der ist manchmal etwas ... ähem ... sehr optimistisch drauf^^ und verbannt als erstes den Rollstuhl.
Sie ist ohnehin noch immer kaum ansprechbar und ihr ist alles ziemlich egal, also lässt sie sich halt überall hintragen und hinplatzieren usw.
Tja, und jetzt ist er endlich zu ihr vorgedrungen, sie ist wieder ansatzweise ansprechbar, sitzt grad am Sofa, er erhebt sich und will in die Küche, sie hat ihm was Wichtiges zu sagen und will ihm spontan nachgehen. Und jetzt ist halt die Frage: Plumpst sie gleich auf den Boden, kann sie sich am Sofa mühsam entlanghandeln oder würde sie ihm eher auf allen vieren nachkrabbeln, ...?
Je nachdem, würde die Szene total unterschiedlich weitergehen^^. Aufheben würde er sie natürlich schon, so ein Ar*** ist er nicht :XD:
(Oh verdammt, die Arme!!! Ähm ... Aber ein Glas heben und so ist schon noch drin, oder? :shock: )

Liebe Grüße
Dingelchen
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Re: Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon RebeccaMaria » 09.11.2015, 00:15

Hallo Dingelchen,

ich kenne mich nicht damit aus, wie es ist, vier Monate lang im Rollstuhl zu sitzen und ob man danach schnell wieder die nötige Kraft hat.

Was ich aber sagen kann, ist, dass man auch die fehlende Koordination nicht unterschätzen darf. Die Muskeln "verlernen" quasi, was sie tun sollen, man "weiß" nicht mehr, wie es ist, zu gehen.
Einfach aufstehen und losmarschieren funktioniert da nicht. Da nützt auch passive Physiotherapie nichts, denn dabei wird die Muskulatur nicht aktiv genutzt.
Und das ist auch nichts, was man innerhalb kurzer Zeit wieder lernt.

Ich hoff, ich konnte dir weiterhelfen.

Liebe Grüße,
RebeccaMaria
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Re: Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon Aridia » 10.11.2015, 01:43

Hi Dingelchen,

das wird hier wohl erst mal einer meiner letzten Beiträge, *schnüff*.

Ich antworte dir aus der Sicht einer Krankenschwester.

1. Ist deine Prota völlig immobil? Bewegt sie sich überhaupt nicht mehr, also liegt sie auch völlig apathisch im Bett? Wenn ja, solltest du weitere Faktoren beachten, z.B. Gefahr der Pneumonie, des Dekubitus, der Kontraktur, ... Dafür gäbe es dann spezielle Prophylaxen. Kannste einfach googeln unter z.B. "Pneumonieprophylaxe", ... Je höher der Grad der Immobilität, desto größer die Gefahr der möglichen Folgeschäden.
Ein Link dazu: http://www.pflegewiki.de/wiki/Immobilit%C3%A4t

2. Muskelatrophie in Verbindung mit dem Stoffwechsel: http://www.trainingsworld.com/sportmedi ... 78545.html

3. Physiotherapie, auch wenn sie z.B. bei Komapatienten durchgeführt wird, hilft in jedem Falle, die Folgeschäden, z.B. Kontrakturen, zu vermindern. Ganz konkret kann ich dir dazu leider keine Tipps geben, da ich kein Physiotherapeut bin, aber stell doch mal deine Frage in einem Physiotherapie-Forum. Da kann dir sicher jemand weiterhelfen, z.B. http://www.physiowissen.de/disc-index.html

4. Je nach Konstitution, Vorerkrankung, jetziger psychiatrischer oder psychischer Erkrankung und Grad der Immobilität der Prota kann das Gehvermögen nach viermonatiger "Pause" erheblich variieren. Sicher auf den Beinen stehen wird sie sicher nicht. Ob bereits Kontrakturen in den Beinen vorhanden sind, die das Laufen unmöglich machen, hängt ebenfalls davon ab. Da deine Prota jedoch (wenn ich das richtig verstanden habe) physiotherapeutisch, ärztlich und pflegerisch gut versorgt wird, ist davon nicht auszugehen. Auch die Muskelatrophie sollte sich dann in Grenzen halten. Wie ein junges Reh wird sie, bei aller Versorgung, sicher nicht herumhüpfen.

LG Aridia
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Re: Rollstuhl - und wieder gehen können

Beitragvon MissPelled » 11.11.2015, 10:18

Nein wenn sei 4 bis 5 Monate nicht gelaufen ist, ist die Muskulatur komplett weg. Sie fängt bei Null an. Schon nach 6 Wochen ist die Muskulatur in den Beinen so abgebaut, dass man keine Kraft mehr darin hat.

Ich selber lag nach einem schweren Unfall 8 Monate im Koma und musste wirklich alles neu lernen. Ich bin jetzt gerade mal auf dem Weg, wieder das Laufen zu erlernen. Laufe seit zwei Jahren an Gehilfen und das nur sehr mühsam. Allerdings hängt das bei mir mit dem gesamten Verletzungsbild zusammen und hat auch etwas mit dem Alter zu tun. Ich bin ja nun keine zwanzig mehr.

Ein junger Mensch könnte das schneller lernen, aber nach 4 Monaten, ich hab meinen Chefarzt gerade mal gefragt, steht auch ein junger Mensch nicht auf und läuft sofort wieder.

Lg Missy
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