[NonFik] Roma, - Zigeuner in Rumänien

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[NonFik] Roma, - Zigeuner in Rumänien

Beitragvon taff » 22.06.2009, 12:03

-In Rumänien bezeichnen sich Roma selbst als Tigani, haben also im Gespräch nichts dagegen, wenn sie Zigeuner genannt werden. In den Medien nennt man sie aber Roma, in rumänisch mit Doppel-r Rroma. Sie wanderten im 4. Jahrhundert in das heutige rumänische Gebiet ein und kamen vermutlich aus Nordindien. Das dortige Kastensystem haben sie auch übernommen, welches durch die Berufe gekennzeichent ist.
Ofenzigeuner waren die ersten, die sesshaft wurden. Sie arbeiteten für ungarische Bojaren, Großbauern, auf dessen Grund sie Stroh gedeckte Hütten aus Lehm bauten und einen Ofen mauerten. Die Waldzigeuner nennen sich so, weil sie im Wald in Fellzelten lebten. Sie stellen aus Kupferplatten Vasen, Destilliergeräte, Kannen, Kessel, Ringe und Reifern her. Sie sind relativ wohlhabend. Die Männer tragen eine eigene Tracht, die Alten lange Backenbärte und alle Hüte, die Melonen gleichen. Sie gelten als ehrlich, aber auch als harte Geschäftsleute.
Blechzigeuner verarbeiten Zinkbleche zu Eimern, Kannen, Gießkannen, stellen Dachplatten, Regenrohre, Wannen und Trichter her. Sie ziehen von Dorf zu Dorf, die Männer mit breitrandigen Hüten und holen Aufträge herein. Ihnen geht es relativ gut. Die reichste Kaste sind die Blumenhändler. Die Kaste der Goldgräber ist abgestiegen, nachdem große Konzerne Gold auswaschen. Sie stellen nun einfache Holzgeräte her, wie Löffel, Küchenschaber, Stiefelknechte, etc. Eine andere Kaste hat sich auf die Herstellung von Stielen aller Art und Rechen spezialisiert. Sie fahren mit Planwaren von Dorf zu Dorf und auf die Märkte, um ihre Ware anzubieten. Eine weitere Kaste spezalisiert sich auf die Herstellung von Spielzeugen, Schnitzwaren und Schachbrettern. Die Weber, Lehmziegelhersteller und Korbflechter befinden sich auf dem absteigenden Ast. Schirmmacher, Kesselflicker und Scherenschleifer findet man nicht mehr. Köhler und Ofenbauer erleben einen Aufschwung wegen guter Nachfrage. Altmetallsammler sind eine neue Kaste, ebenso wie die Schnecken- und Nüsse-aufkäufer, welche als Zwischenhändler fungieren. Getrennt sind die Textil- und Blechhaushaltswarenhändler, die von Haus zu Haus gehen und auf Märkten zu finden sind.
Eine andere Kaste verkauft Chinawaren auf Märkten oder in eigenen Geschäften.
Die bei Nichtzigeunern bekannteste Kaste sind die Gitari, die Musiker. Sie spielen auf Hochzeiten auf und bei traditionellen Festen. Einige sind bekannte Stars und täglich auf den Sendern präsent. Die meisten Gitari betreiben ihren Beruf als Nebengewerbe, nachdem Medien überwiegend elektronische Musik verbreiten. Es gibt in der Zigeuner musik zwei Richtungen. Die einen halten an traditioneller Musik fest, andere verschreiben sich der populären Musik die als "Manele", Zigeunermusik mit Pop-Rythmen vermischt. Die Texte von Manele sind überwiegend erotischer oder sozialkritischer Art.
Viele Roma sind durch Heirat mit Nichtroma oder durch andere Berufe nicht mehr in einer Kaste, halten aber an der Sippe fest.
Hochzeiten zwischen Sippen verschiedener Kasten sind nicht üblich. Die Heirat wird schon in der Kindheit versprochen, wie im Orient.
Schwerkriminelle, solche die Menschenhandel betreiben, oder junge Frauen und Kinder zum Betteln zwingen, sind aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.
Jeder Großsippe steht ein Bulabasi, eine Art Zigeunerbaraon vor, der eine Art Steuer eintreibt, einen Teil davon für sich abzweigen kann, einen Teil dem selbst ernannten König der Roma abgibt und den Rest für soziale Zwecke verwendet.
Der König der Roma vertritt die Angelegenheiten seiner Minderheit im Parlament und derzeit für vier Jahre auch vor dem Europäischen Parlament für alle europäischen Roma und Sinti.
Jedem Roma steht das rumänische Bildungssystem offen. Nur wenige Roma nehmen es wahr. Diejenigen, die höhere Schulen besuchen oder studieren, können höhere Positionen in der rumänischen Gesellschaft erreichen. Etliche von ihnen gründen größere Betriebe. In der Regel ist jedoch der Schulbesuch bei Roma unregelmäßig und sie scheiden frühestmöglich aus, um ihren Eltern bei der Arbeit zu helfen.
Geschäfte schließen Roma in bar oder gegen Tauschhandel ab. Überschüsse tauschen sie in Gold um, da sie Banken so wenig wie dem Fiskus trauen.
Die meisten Roma leben mit Sozialhilfe.
Offizeill wird ihre Anzahl mit 1,5 Millionen angegeben. Experten kommen auf 1 Million mehr.
Zuletzt geändert von taff am 26.07.2009, 14:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Roma, - Zigeuner in Rumänien

Beitragvon anna-roma » 22.06.2009, 12:28

Servus Taff,
da ich letztes Jahr eine Tour durch Rumänien gemacht und die Bilder noch lebendig vor Augen habe, finde ich Deinen Artikel über die Zigeuner in Rumänien besonders interessant.
Bemerkenswert ist auch, dass er ohne die sonst übliche herablassend-distanzierte Art geschrieben ist. Du beschreibst anschaulich ihre Herkundt, die einzelnen Berufsgruppen, das Kasten bzw. Sippen-system und Ihre Stellung und Chancen im heutigen Rumänien.
Man erfährt auf kurzem Raum viel Neues.

Nur zwei Frage hätt ich da noch:
taff hat geschrieben:Die reichste Kaste sind die Blumenhändler.
.
... warum gerade die?
taff hat geschrieben:Jedem Roma steht das rumänische Bildungssystem offen. Nur wenige Roma neghmen es wahr.

... warum nicht: Kein Geld, kein Interesse, werden sie von ihren Familien daran gehindert?

Liebe Grüße von anna-roma
P.S.: Das roma kommt bei mir allerdings von einer meiner Lieblingsstädte in Italien :wink:
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Re: Roma, - Zigeuner in Rumänien

Beitragvon Meggie » 22.06.2009, 14:04

Hallo.
Der Artikel ist sehr intressant. Ich habe vor kurzem "Zoli" gelesen. Das Buch handelt von einem Roma-Mädchen, dessen Familie bis auf den Großvater umgebracht wird. Sie schreibt Gedichte auch für Nichtroma,aber als die Roma gezwungen werden sesshaft zu werden, wird ihr die Schuld gegeben und ausgestoßen und dann wird eben von ihrem Leben als ausgestoßene und unreine geschrieben. Für Roma-Intressierte ist es wirklich lesenswert.

Woher hast du deine Quellen?

Ich fand den Artikel gut, aber insgesamt sehr einfach geschrieben. Die Fragen von anna-roma sind hilfreich denke ich. Vielleicht könntest du die Zusammenhänge auch noch besser darstellen.Aber das Thema ist sehr intressant und ich hoffe ich war nicht zu hart mit meiner Kritik...

Ganz liebe Grüße Meggie
Meggie
 
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Re: Roma, - Zigeuner in Rumänien

Beitragvon taff » 22.06.2009, 16:11

Hallo, anna-roma und meggie, Danke für Euer Interesse, Lob und Kritik.
Mit diesem Beitrag wollte ich herqusfinden, ob überhaupt Interesse an diesem Thema besteht. Wenn ja, werde ich von Zeit zu Zeit Artikel liefern, die mehr ins Detail gehen.
Die Frage bezüglich der Blumenhändler:
In Ungarn leben auch sehr viele Roma. Die Kaste arbetet grenzübergreifend. Da in Ungarn der Verkauf und die Preise von Blumen sehr hoch liegen. (Ungarn haben eine Faible für Vasenblumen und Gebinde), kaufen die rumänischen Roma in Moldawien, Bulgarien und Rumänien billig ein und erzielen bei der Übergabe an ihre ungarischen Kastenmitglieder
einen überdurchschnittlichen Preis, der auf ungarischer Seite nochmals einen kräftigen Aufschlag erfährt. In Rumänien gibt es vier große Feiertage, an denen jeder Blumen kauft.
Frage bezüglich der Bildung:
Von allem ist etwas dabei: Oft sind die Eltern nicht zur Schule gegangen und halten es nicht nötig, dass die Kinder mehr lernen. Ein weiterer Grund ist, dass durch die Schule und Mitschüler Einflüsse befürchtet werden, die Romakinder der Sippe entfremden und die Traditionen vergessen lassen. Geldmangel ist nur ein Grund, wenn Kinder höhere Schulen besuchen könnten. Der Unterricht ist kostenlos, aber da die höheren Schulen meist in Städten liegen und schwer zu erreichen sind ist für Internate eine Summe von etwa 70,-- Euro monatlich fällig, was viele nicht aufbringen können, wenn der Gesamtverdienst der
Familie bei 150,-- bis 300,-- Euro liegt. Sozialhilfen liegen zwischen 40 und 80 Euro monatlich.
Woher ich meine Quelle habe?
Ich lebe und arbeite seit 10 Jahren in Rumänien, mitten in Siebenbürgen / Transsylvanien, kenne viele Roma, habe Roma als 2. Nachbarn, betreue teilw. Romakinder, arbeite aber ansonsten hier mit deutschen Jugendlichen, seit einiger Zeit in Teilzeit.
Ich hoffe, Euch für´s Erste ausreichend Erklärungen geliefert zu haben, wie gesagt, wird mehr folgen und danke Euch nochmals für Euer Interesse, Tschüss, taff
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