Rückblenden

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Rückblenden

Beitragvon Thatch » 15.10.2015, 19:21

Hallo Leute...

Ich habe gelesen, dass man mit Rückblenden sparsam umgehen sollte, da dies anscheinend den Lesefluss zerstört.
Mein Problem ist das ich eher viele Rückblenden habe. Ist es klüger kleinere Rückblenden immer wieder in die Geschichte einzubauen, oder eine relativ große Rückblende eher am Beginn?
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Re: Rückblenden

Beitragvon Padrion » 15.10.2015, 20:46

Das lässt sich schwer pauschal beantworten, ohne den konkreten Text zu kennen. Tendenziell würde ich eher wenige lange als viele kurze Rückblenden machen, wichtiger ist aber: stehen die Rückblenden in einem erkennbaren Bezug zur fortlaufenden Handlung (kommen dieselben Personen, Schauplätze, Ereignisse vor) oder wird der Leser einfach im finsteren Wald ausgesetzt und muss sich zurechtfinden?
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Re: Rückblenden

Beitragvon brehb » 15.10.2015, 20:47

Hallo Thatch,

die Antwort ist einfach. Jede Rückblende (auch kurze) werfen den Leser aus der Geschichte heraus, in der er eigentlich voran kommen möchte (seine Frage lautet: wie geht es weiter mit den Protas, was geschieht als nächstes, in welche neue Verstrickungen kommen die)
Und ist die Rückblende zu Ende, muss er sich wieder in die eigentliche Geschichte reinfinden.
Zwei unliebsame Unterbrechungen.
Besonders ärgerlich empfindet man Rückblenden, die gleich kurz nach dem Start eines Textes, eines Kapitels "aufgezogen" werden.

Ergo: Rückblenden möglichst selten.

Ein zweiter Grund, sie zu vermeiden ist die sprachliche Holperigkeit in der sie daherkommen. Erzählst du deine Geschichte (sehr typisch) im flüssigen Imperfekt, dann müssen Rückblenden im Plusquamperfekt stehen.
Sie hatte... gehabt, er war... gewesen. Das liest sich blöd, produziert zu viele Silben und ist wegen der Verbspreizung (im Deutschen)
Er hatte, obwohl noch nie dort gewesen, spontan eine Suite gebucht.
für Fremdsprachler sehr schwer und mitunter, bei Schachtelsätzen, auch für Muttersprachler schwer zu decodieren.

LG brehb
[SigNat] Zu spät. Sich sputen bringst nichts
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Re: Rückblenden

Beitragvon Ankh » 15.10.2015, 21:27

Kommt drauf an, wie die Rückblenden eingebaut sind. Was ich mir zum Beispiel ganz gut vorstellen kann ist, dass du praktisch zwei Erzählstränge draus machst. Ein Handlungsstrang in der Gegenwart, einer in der Vergangenheit, genauso, wie du vielleicht zwischen zwei Perspektiven hin- und herwechseln würdest. Nach 2-3 Wechseln hat der Leser das kapiert und kann sich schnell darauf einlassen, wann er sich gerade befindet.
Wenn die Szenen aus der Vergangenheit häufig, aber kurz sind, könntest du sie auch kursiv absetzen, widerum als eigenes Kapitel.
Wenn du die Rückblenden dagegen in den laufenden Text einbinden möchstest, dann würde ich zur Einleitung Plusquamperfekt verwenden, zusammen mit einer Zeitangabe, dann auf Präteritum umschwenken. Das kapiert man schon, wenn der Zusammenhang weiterhin gegeben ist. Wenn du dann in die Gegenwart deiner eigentlichen Geschichte zurückkehrst, würde ich einen Absatz machen.
Oder du lässt eine Figur von der Vergangeheit erzählen und machst alles in wörtlicher Rede.

Prinzipiell musst du dir überlegen, ob all diese Rückblenden wirklich wichtig sind, denn sie unterbrechen jedesmal die aktuelle Handlung. Ich würde sie auch auf ein bestimmtest Ereignis oder (chronologisch) auf die Vergangenheit eines Protagonisten beschränken. Wenn alle naselang irgendwer irgendwelche Assoziationen zu irgendwelchen Ereignissen in der Vergangenheit bekommt, und dann erstmal darüber nachsinniert, ohne dass das die aktuelle Handlung sichtbar voranbringt, dann würde mich das als Leser eher nerven. Wenn die Lebensgeschichte eines Protagonisten wichtig ist, dann schreib seine Lebensgeschichte, von Anfang an, und nicht nur seine Erinnerungen daran.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Milch » 16.10.2015, 13:40

brehb hat geschrieben:Hallo Thatch,

die Antwort ist einfach. Jede Rückblende (auch kurze) werfen den Leser aus der Geschichte heraus, in der er eigentlich voran kommen möchte (seine Frage lautet: wie geht es weiter mit den Protas, was geschieht als nächstes, in welche neue Verstrickungen kommen die)
Und ist die Rückblende zu Ende, muss er sich wieder in die eigentliche Geschichte reinfinden.
Zwei unliebsame Unterbrechungen.
Besonders ärgerlich empfindet man Rückblenden, die gleich kurz nach dem Start eines Textes, eines Kapitels "aufgezogen" werden.


Vielleicht vertiefen die Rückblenden das Geschehen in der Jetztzeit und geben ihm einen neuen Dreh. Ach ja, deswegen handelt die Person so. Deswegen wird die Geschichte nicht immer unterbrochen.

Außerdem kann es ein Kontrast zwischen den Rückblenden und der Jetztzeit geben, aus dieser Diskrepanz kann auch Spannung entstehen, damals ein Partymädchen und heute eine Nonne, wie ist es dazu gekommen?

Rückblenden müssen nicht per Se schlecht sein. Alles von Anfang an zu beschreiben, kann manchmal ziemlich nervig und langweilig sein, da können Rückblenden schon sehr hilfreich sein, um den Leser mit einem interessanten Anfang zum Lesen zu verleiten.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Davebones » 16.10.2015, 13:45

Ich hatte auch das Problem mit zu vielen Rückblenden. Ich fasste sie hinterher einfach als Prolog Usancen, verband die lösen enden und Zack! Ein 100 seitiger Prolog. Daraus wurde bzw. wird dann mein erster Roman. Ich erweitere den "Prolog" (der ja keiner mehr ist) füge spannungspitzen hinzu und so entsteht mein erster Roman. Vielleicht solltest du sie auch als Prolog zusammenfassen?
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Re: Rückblenden

Beitragvon SkyeFantasy » 16.10.2015, 16:05

Davebones hat geschrieben:Ich hatte auch das Problem mit zu vielen Rückblenden. Ich fasste sie hinterher einfach als Prolog Usancen, verband die lösen enden und Zack! Ein 100 seitiger Prolog. Daraus wurde bzw. wird dann mein erster Roman. Ich erweitere den "Prolog" (der ja keiner mehr ist) füge spannungspitzen hinzu und so entsteht mein erster Roman. Vielleicht solltest du sie auch als Prolog zusammenfassen?


Bei mir war es ein bisschen ähnlich. Ich hatte eine kleine Rückblende in meinem ersten Kapitel, die ich brauchte, weil sie ein wichtiges Ereignis aus der Vorgeschichte beschrieb, das auch Einfluss auf die Gegenwart hatte. Ich habe die Rückblende extra kurz gehalten, damit sie nicht aus dem Geschehen rauswirft. Dazu bekam ich von einem Probleleser die Rückmeldung: wenn das so ein wichtiges Ereignis ist, geht das nicht als Rückblende, dann will ich es erleben. Tja. Also wurde aus der Rückblende ein ganzes Kapitel. Ein sehr gutes Kapitel übrigens, das der Geschichte viel mehr Tiefe gegeben hat.

LG
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Re: Rückblenden

Beitragvon Maggi1417 » 16.10.2015, 16:42

Ich bin auch kein großer Fan von Rückblenden. Nicht als Leser. Ehrlicherweise interessiert mich die Vergangenheit der Figuren nur in den seltensten Fällen genug, um eine ganze Szene dazu lesen zu wollen.

Und ja, wie brehb schon schreibt, es reißt einen aus der Story. Ich mag Joe Abercrombie sehr gerne, aber in Racheklingen hat er mich ständig mit Rückblenden geärgert, die mich 0 interessiert haben und das hat mich sehr gestört. Ich wollte einfach nur wissen, wie die Story weitergeht und stattdessen musste ich mir Seitenweise durchlesen, wie die Protagonisten sich vor 15 Jahren kennen gelernt haben.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Hark » 16.10.2015, 18:41

Mir reicht es als Leser, wenn ich genau das weiß, was ich in der Situation wissen sollte, um sie zu verstehen. In der Regel ist das gar nicht so viel. Man muss wirklich nicht jeden Fuxx erklären.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Thatch » 17.10.2015, 22:50

Danke Leute, ihr seit der Hammer!
Anfangs dachte ich noch: " Gut meldest dich hald Mal an. Schlechter wird es nicht werden".
Aber die Kommentare hier sind extrem konstruktiv und haben mir enorm weitergeholfen.

In meinem "Roman" sind die Rückblenden dazu da um die Vorgeschichte des Protagonisten erst zu erzählen, warum er so ist , warum er über Dies und jenes nicht reden will und warum die Situation jetzt so ist wie sie in der Gegenwart eben ist.

Die Vorgeschichten werden in eigenen Kapiteln erzählt also ist die Schreibweise quasi die selbe wie in der Gegenwart handelnden Gesichte.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Julestrel » 18.10.2015, 07:43

Meiner Erfahrung nach wird die wichtige der Rückblenden und damit die Wichtigkeit der Vergangenheit des Protas oft überschätzt. Hier und da eine Andeutung, die die Fantasie des Lesers anregt, ist meist besser als eine ausführliche Erklärung, warum das jetzt genau so ist. Kleinere Details zur Vergangenheit kann man auch gut in kurzen Rückblicken, d.h. ein bis zwei Absätze, in denen der Prota aufgrund eines Triggers zurückdenkt, einbringen.


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Re: Rückblenden

Beitragvon Anchesa » 18.10.2015, 09:37

Ich kann Julestrel nur zustimmen. Rückblenden nehmen einfach die Geschwindigkeit und die Spannung raus. Andeutungen hingegen sind einfach viel interessanter :)
Mein Selbstprojekt: Einen Roman schreiben in 6 Monaten!
Ich würde mich über eure Unterstützung freuen!
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Re: Rückblenden

Beitragvon Dingelchen » 18.10.2015, 17:33

Kommt drauf an, wie und weshalb Rückblenden eingesetzt werden - wenn sie z.B. Vergangenes im Zeitraffer wiedergeben, weil man dadurch in der Gegenwart nicht weiterkämfe, das Vergangene aber auch zu unwichtig/zu lange her/wasauchimmer ist, um die Geschichte generell von dort an zu erzählen, sind sie schon sinnvoll.


Und wenn Rückblenden bzgl. Spannungs- oder Überraschungseffekt gesetzt werden, find ich sie ebenso spannend. Wenn z.B. erst am Ende des Romans irgendeine Erinnerung wiederkehrt, die etliche Ungereimtheiten aufklärt, oder wenn zwischen zwei spannenden Kapiteln urplötzlich ein Rückblende-Kapitel eingebaut wird. :twisted: - Das mag ich.

Ich persönlich bevorzuge eher kleinere Rückblenden (so ein paar Sätze) im jeweiligen passenden Kontext. Und wenn größere Rückblenden, dann ein eigenes Kapitel. Auf Rückblenden ganz am Anfang stehe ich eigentlch weniger, außer evtl. im Prolog ...
Abe das ist, wie so vieles, Geschmacksache.
"Im Mondlicht drehten sich die Paare. Die Feigheit mit der Tugend, die Lüge mit der Gerechtigkeit, die Erbärmlichkeit mit der Kraft, die Tücke mit dem Mut.
Nur die Vernunft tanzte nicht mit."

(Horváth - Jugend ohne Gott)
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Re: Rückblenden

Beitragvon Padrion » 18.10.2015, 18:49

Anchesa hat geschrieben:Ich kann Julestrel nur zustimmen. Rückblenden nehmen einfach die Geschwindigkeit und die Spannung raus. Andeutungen hingegen sind einfach viel interessanter :)


Das trifft zwar bisweilen zu aber ich habe auch schon den sehr gut gelungenen Einsatz von Rückblenden erlebt. Wichtig ist, dass beide Handlungsebenen sich ergänzen und nicht einfach nur nebeneinander stehen. Idealerweise sind beide Erzählstränge für sich schon interessant, gewinnen aber durch die Kombination noch an Tiefe.
Zuletzt geändert von Padrion am 18.10.2015, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rückblenden

Beitragvon Julestrel » 18.10.2015, 19:06

Natürlich gibt es gelungene Rückblenden, das will ich auch nicht abstreiten. Gut gemacht funktioniert alles :) Trotzdem ist es bei den Texten hier in der SWS so, dass so gut wie alle Rückblenden unwichtig und meistens überflüssig sind. Es ist gerade bei Anfängern eine Art des Infodumps, weil man glaubt, dem Leser gleich den ganzen Lebenslauf inkl. aller Begründungen des Handels liefern zu müssen.


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