So, dies ist der vorletzte Teil meiner Geschichte. Wie auch bei den ersten drei Teilen, dürft ihr den Text auseinandernehmen und mir eure Meinungen und Ratschläge mitteilen.
Hier findet ihr den dritten Tei:
sachsenblut-teil-t15085.html
»Wer hat dir das angetan?«, eine Frage, deren Antwort ich mir schon vorstellen konnte und doch wollte ich es aus dem Munde des meines Freundes hören. »Wer? Du weißt genau wer es war, Dena. Gestern Abend hat er mich zur Seite genommen, mich geschlagen und mir verboten ins Dorf zurückzukehren. Er würde mich töten, wenn er mich das nächste Mal zu Gesicht bekäme.«, seine Stimme zitterte und zum ersten Mal zeigte er offen seine Furcht. Ich schlang meine Arme um ihn und versuchte ihn zu trösten, doch wie sollte ich das tun? Worte waren fehl am Platz und für seinen Schutz sorgen konnte ich auch nicht. Ich war ein zehnjähriges Mädchen, die Tochter des Königs und doch ohne Macht, um meinen Freund vor Leofan zu schützen. »Was hast du nun vor? Du kannst nicht hier im Wald bleiben und hoffen, dass Leofan dich nicht bemerkt.«. Auf den Knien saß ich neben ihm und versuchte an seinem Gesicht abzulesen, was er dachte. »Ich werde von hier fliehen. An der Grenze habe ich ein Lager von keltischen Speerkämpfern entdeckt und genau diese werde ich aufsuchen. Vielleicht nehmen sie mich auf.«, seine Tränen waren noch nicht getrocknet, als er mir von seinem Plan erzählte. Er war davon überzeugt, dass er genau diesen Weg wählen würde. Auf seine Worte konnte ich im ersten Moment Nichts erwidern. Ich hielt seinen Plan für den sicheren Weg in den Tod. »Wirst du mir helfen? Ich weiß, dass du Ärger bekommen könntest, aber ich würde dich nicht fragen, wenn es mir nicht so viel bedeuten würde. «, in seiner Stimme lag ein Hauch von Verlegenheit. Ich wusste, dass ich ihn nicht mehr umstimmen konnte und vielleicht war es meine kindliche Naivität, die mich dazu brachte seiner Bitte nachzukommen. »Wenn ich könnte würde ich dich begleiten.«. Mein Blick wanderte über die Quelle, hinauf zu der Bergkette, die unser Land von jenem der Kelten trennte. Dankbar schloss Liam mich in seine Arme, versprach mir, dass wir uns eines Tages wiedersehen würden. Ich zweifelte an seinem Versprechen. Für mich würde es ein Abschied für immer sein. Einige Stunden blieb ich noch bei ihm, ehe ich mich auf den Heimweg machte, mit dem Versprechen, dass ich am nächsten morgen mit Proviant wieder zurückkehren würde. Bereits am nächsten Tag wollte Liam aufbrechen und sein Glück auf der anderen Seite der Grenze suchen.
Unachtsam warf ich meinen Mantel auf den Boden, ehe ich mich anschickte, die Hütte nach Dingen abzusuchen, die Liam für die Durchführung seines Planes gebrauchen könnte. Aus meinem Lager zog ich einen dicken, wärmenden Wolfspelz, einen Dolch fand ich in einer alten Truhe. Wasser würde er sich selbst besorgen können. Auf seinem Weg, zur Grenze, käme er an einigen Quellen und Flussarmen vorbei, und so legte ich lediglich einen Trinkschlauch zu all den anderen nützlichen Gegenständen. Gewissenhaft steckte ich Pelz, Dolch und Trinkschlauch in einen Beutel, verschnürte diesen und setzte mich für einen kurzen Augenblick auf mein Strohlager. Woher könnte ich Nahrungsmittel beschaffen? Die Vorratskammer zu plündern könnte mich meinen Kopf kosten und doch war dies die einzige Möglichkeit, die ich hatte. Grübelnd, einen Plan zurechtlegend, wie ich ins Innere der Kammer kommen würde, verließ ich zum zweiten Mal an diesem Tag meine Hütte und schlenderte Richtung Vorratskammer. Aus der Ferne sah ich, dass meine gehegten Sorgen unberechtigt waren, denn der Mann, der an diesem Tag die Kammer bewachte, war Dero. Fünfzehn Jahre alt und einer der Wenigen, mit denen mich eine tiefe Freundschaft verband. »Lady Maydena, ...Es ist immer wieder schön Euch zu sehen.«, seine Worte brachten mich zum Lächeln. Trotz meines jungen Alters vermochte ich zu beurteilen, dass dieser junge Mann durchaus attraktiv war. Sein, mit Ton gefärbtes, Haar hatte er sich zu einem Zopf gebunden. Seine stahlblauen Augen vermittelten ein Gefühl von Sicherheit. Ich musste mich auf die Zehenspitzen stellen, um ihm einen sanften Kuss auf die Wange zu drücken und ihm anschließend mein Anliegen ins Ohr zu flüstern. Geduldig lauschte er meiner Bitte, während er sich umsah und mich in einem unbeobachteten Moment in die Kammer ließ. Ich war nicht zum ersten Mal hier und doch war ich überrascht, wie hoch sich die Lebensmittel türmten. Äpfel, Mais, hartes Brot und getrocknetes Fleisch breiteten sich vor mir aus und ließen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Am liebsten hätte ich mir selbst den Bauch voll geschlagen, aber ich konnte nicht, ich hatte ein Versprechen zu erfüllen. Schnell packte ich diverse Nahrungsmittel in meine Taschen und kurze Zeit später war ich schon wieder im Freien. Dero schloss die Türe hinter mir und schenkte mir ein weiteres Lächeln. Schnellen Schrittes machte ich mich wieder davon. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich an Dero dachte und mir ausmalte, wie es wohl sein würde, mit ihm zusammen zu sein. Als mir jedoch wieder bewusst wurde, dass ich einen Auftrag zu erfüllen hatte, verscheuchte ich die schönen Gedanken und kehrte in die Hütte zurück.
