[Spannung]Scherben(3/3)

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung]Scherben(3/3)

Beitragvon Erich » 19.11.2014, 00:15

Hallo, hier nun der dritte Teil. Ich freue mich über Kritik. :)

LG Erich :D

Scherben

Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen. Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen. Lars merkte, wie ihn die Kraft verließ und er nach Atem rang. Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks. Endlich konnte er sich die Ohren zuhalten.
Doch … Es hatte aufgehört! Lars konnte es nicht fassen. Er ging einen Schritt zurück, lehnte sich mit dem Rücken an die Kacheln der Badezimmerwand und atmete zwei Mal tief durch. Er blickte auf die umgedrehte Scherbe, lächelte und schüttelte den Kopf.
Plötzlich hatte er das Gesicht seines schlafenden Vaters vor Augen und verschloss rasch die Badezimmertür.
Er drehte das kalte Wasser auf und begann sich sein Gesicht zu waschen. Er würde die Scherbe später wieder in das Papier wickeln und dann irgendwo vergraben. Lars fuhr sich mit den nassen Händen über das Gesicht und griff nach einem der Handtücher. Plötzlich durchzog ein reißendes Geräusch die Luft im Badezimmer. Lars fuhr zusammen. Er musste augenblicklich an das Geräusch denken, das Frau Berth bei ihrem Erscheinen im Spiegel erzeugt hatte.
Hektisch blickte er sich im Raum um, doch da war nichts, es hatte sich nichts verändert. Dann blickte er in den Badezimmerspiegel und sah, dass die Gestalt hinter ihm stand. Er fuhr herum, doch da war niemand ... Sie war im Spiegel. Zusammen mit seinem Spiegelbild!
Sie wirkte jetzt unsagbar deformiert. Die Konturen ihres Gesichts schienen zu zerfließen und ihr gesamter Körper war mit braunem Schleim überzogen. Lars dachte plötzlich an geschmolzenes Fleisch und er spürte, wie sich sein Magen verkrampfte.
Die Gestalt grinste ihn an, fixierte ihn mit den Augen und packte sein Spiegelbild seitlich am Hals. Lars merkte, wie ihm die Luft wegblieb. Er schlug nach hinten, doch die Schläge gingen ins Leere. Niemand stand hinter ihm.
Das Ding legte nun die zweite Hand um den Hals von Lars' Spiegelbild und hob es ein Stück in die Luft. Lars selbst blieb am Boden, er merkte nur, wie er immer weniger Luft bekam. Er und sein Spiegelbild bewegten sich nicht mehr synchron.
Die Gestalt kicherte und fletschte die Zähne. Sein Spiegelbild begann blau anzulaufen und Lars wusste, dass er genauso aussah. Er sank zu Boden, packte die Scherbe vom Badezimmerschrank und hoffte, er würde dort irgendetwas finden, das er anbetteln könnte, mit dem Irrsinn aufzuhören. Er drehte die Scherbe um und der Gestank raubte ihm die Sinne.
Das Ding in der Scherbe hatte nur noch die Form eines Schädels und Schultern, über die immer wieder neues Fleisch floss, das auf dem Körper zu zirkulieren schien.
Lars wusste, in ein paar Sekunden war es um ihn geschehen. Er blickte zum Badezimmerspiegel und sein Spiegelbild war nicht mehr zu sehen. Die Gestalt hatte es mit beiden Händen unter das Waschbecken gedrückt und presste nun ihr Gesicht gegen die Innenseite des Spiegels. Sie kicherte wie wahnsinnig und schnitt Grimassen.
Lars schloss seine Finger um die Scherbe, dann stand er auf und hämmerte die Scherbe gegen das Gesicht der Gestalt im Badezimmerspiegel. Blut schoss ins Waschbecken, der Schmerz machte Lars munter und er merkte noch etwas anderes, er konnte wieder atmen. Er blickte in den Spiegel, den ein gewaltiger Sprung durchzog und sah, wie die Gestalt zurück torkelte. Ihr Schädel … Mein Gott, dachte Lars. Es sah aus, als hätte er ihr mit einer Axt den Schädel gespalten. Die Gestalt blickte wirr um sich und brach schließlich auf dem Badezimmerboden zusammen.
“Lars?!“ Dunkel nahm Lars ein Geräusch wahr. Ein Pochen. Es wurde lauter und Lars begriff, dass sein Vater gegen die Badezimmertür schlug. „LARS!“ Lars blickte die Tür an, die sich mit jedem Schlag bewegte und schließlich aufsprang. Sein Vater stand in der Tür. Sein Blick wanderte ruckartig durchs Bad. Der zerbrochene Spiegel, das Waschbecken mit Scherben und Blut, Lars' Hand, von der das Blut auf die Kacheln tropfte.
„Lars? Wolltest du dich …?“ Er brauchte es nicht auszusprechen. Lars war klar, für was man das mit etwas Fantasie halten konnte. Sein Vater nahm eines der Handtücher, wickelte es ihm um die Wunde und brachte ihn ins Krankenhaus.

Zusammen saßen sie im Krankenhaus und Lars betrachte das Gesicht seiner Mutter. Wie friedlich, dachte Lars. Er hoffte, sie würde etwas schönes träumen, keine Albträume haben. Sein Albtraum war nun schon fast verblasst. Sein Vater erhob sich aus dem Stuhl, blickte Lars an und lächelte. „Ich lasse euch alleine.“ Lars dachte über die Worte nach, dann schenkte auch er seinem Vater ein Lächeln.
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Einsiedler » 20.11.2014, 00:16

Hallo Erich,

Teil II habe ich einfach einmal an mir vorüber ziehen lassen. Einige Andeutungen beantworteten meine Fragen und nun wende ich mich Teil III zu.
Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen.
Hier sträubt sich mir das Gefieder. "Das Kichern dröhnte" - Irgendwie finde ich das keinen so guten Satzanfang. Wie wäre es mit "grässliches Kichern" oder "hinterhältiges Kichern"?
Wenn du es so ähnlich formulierst könntest du auf "Gackern und Schmatzen" verzichten - ich jedenfalls finde es unnötig, für mich ist es auch keine Steigerung, sondern zieht es die Grausamkeit des "Kicherns" ins Lächerliche.

Auch der Gestank soll die Sache verschlimmern, doch wird er wirklich gebraucht? Genügt es nicht, dass Lars nach alldem einem Kreisklaufkollaps nahe ist?
Plötzlich hatte er das Gesicht seines schlafenden Vaters vor Augen und verschloss rasch die Badezimmertür. Er drehte das kalte Wasser auf und begann sich sein Gesicht zu waschen.

zweimal Gesicht, wenn auch je in einer anderen Bedeutung. Bzw. sogar dreimal, wobei das dritte Mal auch nicht nötig ist, da er ja das Gesicht schon gewaschen hatte. Da würde es genügen wenn du schreibst:
"Lars griff nach einem Handtuch und trocknete sich ab."
Plötzlich durchzog ein reißendes Geräusch die Luft im Badezimmer.

Meinst du hier vielleicht ein "pfeifendes Geräusch"? Oder vielleicht:
"Plötzlich zerriss ein pfeifendes Geräusch die Luft im Badezimmer."

Und dann die Wortdoppelung mit Geräusch - "Er musste an den Lärm denken, den Frau Berth bei ihrem Erscheinen im Spiegel erzeugt hatte."
doch da war nichts, es hatte sich nichts verändert. Dann blickte er in den Badezimmerspiegel und sah, dass die Gestalt hinter ihm stand. Er fuhr herum, doch da war niemand ... Sie war im Spiegel. Zusammen mit seinem Spiegelbild!
Zweimal "doch da"
Sie wirkte jetzt unsagbar deformiert. Die Konturen ihres Gesichts schienen zu zerfließen

Den ersten Satz würde ich weg lassen, denn deformiert sagt etwas völlig anderes aus, als zerfließen.
Das Bild vom "zerfließen" finde ich sowieso schöner, da muss es nicht erste deformiert sein.
Er sank zu Boden, packte die Scherbe vom Badezimmerschrank
Das ist für mich unlogisch, wenn jemand, in einer Art Ohnmacht, zu Boden sinkt, dann kann er keine Scherbe vom Badezimmerschrank packen.
Er blickte zum Badezimmerspiegel
Badezimmerschrank - Badezimmerspiegel
"Er blickte zum Spiegel" - das müsste eigentlich genügen, denn jeder weiß, dass sich Lars im Badezimmer befindet.
und sein Spiegelbild war nicht mehr zu sehen.
Hier vielleicht: "Er sah sich nicht mehr"
denn auch die Spiegel häufen sich.
Es sah aus, als hätte er ihr mit einer Axt den Schädel gespalten.
Hier müsste man einen Deutschlehrer fragen, doch mir ist, als müsste es "als hätte er ihr mit einer Axt den Schädel gespaltet"
Die Gestalt blickte wirr um sich und brach schließlich auf dem Badezimmerboden zusammen.

Hier könnte man denken, es müsste heißen: "und Ralf brach schließlich auf dem Badezimmerboden zusammen"

Wenn das nicht so gedacht ist, dann würde ich vorschlagen so zu formulieren:
"Die Gestalt blickte wirr umsich und brach zusammen."
von der das Blut auf die Kacheln tropfte.
Kacheln hatten wir auch schon einmal, wie wäre es hier mit Fließen?
und brachte ihn ins Krankenhaus.
Hier denkt man doch erst einmal, dass der Vater ihn zur Wundbehandlung ins Krankenhaus brachte, irgendwie könnte das ausgesprochen werden.
Dass sie dann bei der Mutter sitzen und sich ein Lächeln schenken, gibt der Geschichte ein kleines Licht, nach allem Düsternen und ein Zeichen der Hoffnung, dass die Scherben sogar einen Neuanfang ermöglichen, wenn sie es denn wollten.

Lieben Gruß vom Einsiedler

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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Erich » 20.11.2014, 01:05

Hallo Einsiedler!

Danke für deine Kritik ... :)


Hier sträubt sich mir das Gefieder. "Das Kichern dröhnte" - Irgendwie finde ich das keinen so guten Satzanfang. Wie wäre es mit "grässliches Kichern" oder "hinterhältiges Kichern"?


Hier würde ich eine Begründung schön finden, auch wenn es wirklich okay ist, dass du mir halt einfach dein Empfinden schilderst.

Auch der Gestank soll die Sache verschlimmern, doch wird er wirklich gebraucht? Genügt es nicht, dass Lars nach alldem einem Kreisklaufkollaps nahe ist?


Der Gestank war mir sehr wichtig, da der Spiegel zuerst ja den Geruch der Mutter einsetzt und jetzt halt den Gestank.

Meinst du hier vielleicht ein "pfeifendes Geräusch"? Oder vielleicht:
"Plötzlich zerriss ein pfeifendes Geräusch die Luft im Badezimmer."


Nein, es war schon bei Frau Berths Erscheinen ein reißendes Geräusch und es sollte das gleiche Geräusch sein.

Und dann die Wortdoppelung mit Geräusch - "Er musste an den Lärm denken, den Frau Berth bei ihrem Erscheinen im Spiegel erzeugt hatte."


Kann man gerne überdenken, aber Lärm ist etwas ganz anderes, als ein (einzelnes) Geräusch.

Den ersten Satz würde ich weg lassen, denn deformiert sagt etwas völlig anderes aus, als zerfließen.


Zu deformieren: aus der Form geraten, die Form verlieren, sich verformen, verformt werden
http://www.duden.de/rechtschreibung/deformieren

Das ist für mich unlogisch, wenn jemand, in einer Art Ohnmacht, zu Boden sinkt, dann kann er keine Scherbe vom Badezimmerschrank packen.


Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks.

Hier schreibe ich, dass sie auf der Ablage liegt. Die Ablage ist normalerweise in Hüfthöhe. Außerdem schreibe ich nichts von einer Ohnmacht. Ich denke, er kann sie, während er zu Boden sinkt, greifen. Ich werde deinen Einwand aber natürlich überdenken.

Hier könnte man denken, es müsste heißen: "und Ralf brach schließlich auf dem Badezimmerboden zusammen"


Okay, werde ich überdenken. Übrigens, er heißt Lars. ;)

Hier denkt man doch erst einmal, dass der Vater ihn zur Wundbehandlung ins Krankenhaus brachte, irgendwie könnte das ausgesprochen werden.


Kann man machen. Ist Geschmackssache finde ich.

Danke für deinen Kommentar.

LG Erich :D
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Einsiedler » 20.11.2014, 16:19

Hallo Erich,

danke für Deine Antwort auf meinen Kommentar.
Bei dem Kichern hatte ich den 2. Teil nicht dazu gelesen und habe jetzt einmal den Zusammenhang hergestellt. Da ist mir aber gleich noch etwas aufgefallen.
Die Gestalt wirkte verblüfft und runzelte die Stirn. Dann konnte Lars erkennen, wie sich langsam die Mundwinkel nach oben zogen und das Ding in der Scherbe in ein gutturales, glucksendes Kichern verfiel. Lars begriff, dass es sich hier weder um seine Mutter noch um Frau Berth handelte. Es krümmte und wand sich nun wie von Sinnen und Lars war sich sicher, dass es sich erneut verwandelte.

Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen.
Erst ist es ein gutturales (hier müsste ich googlen, um heraus zu finden was du damit meinst), glucksendes Kichern. Dieses geht dann in dröhnen über und schwankt zwischen Gackern und Schmatzen.
Das ist ja alles sehr bildlich hörbar beschrieben, aber sind das nicht auch zu viele Eindrücke zu Kichern?

Am meisten hat mich "das" Kichern negativ beeindruckt, darum mein Vorschlag "grässliches oder hinterhältiges Kichern" zu schreiben. Nachdem ich den Zusammenhang beachtet habe merke ich, dass dies da nicht angebracht ist. Das "das" stört mich aber immer noch. Es ist irgendwie zu neutral, fast geschlechtsneutral, trotz der vielen Beschreibungen.
Bei allem fällt mir dann ein - es ist ja "ihr" Kichern, so dass ich bestimmt nicht drüber gestolpert wäre wenn da stehen würde:
Ihr Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich.

Ok, wenn der Gestank gebraucht wird, dann soll er stinken. Vielleicht lag mein Einwand daran, dass man sich Gestank nicht so gut vorstellen kann.

Vieles ist tatsächlich eine Frage ob man es sich vorstellen kann. Mit einem "reißenen" Geräusch kann ich nämlich nicht viel anfangen und wenn ich mir dabei z.B. dass anreißen eines Streichholzes vorstelle, dann wäre das eine "reißendes", aber ein sehr kurzes Geräusch. Das was Du beschreibst liest sich aber so, als wäre es ein anhaltendes Geräusch, darum kam ich auf "pfeifendes" Geräusch.

Sicher ist Lärm etwas anderes als ein einzelnes Geräusch, wobei ich die Geräusche in Deiner Geschichte als Läum empfinde.

Danke für den Link zu deformieren. Auch hier ist es letztlich eine Frage der Vorstellung. Ich stelle mir schon vor, was im Duden beschrieben ist, sehe es aber mehr so, dass sich "nur" die Form verändert, aber nicht der Agregatzustand, denn wenn etwas zerfließt wird es flüssig, was vorher fest war.
So unterschiedlich sind eben die Gedankengäng zu eine Beschreibung.

Ja, du schreibst nichts von einer Ohnmacht, aber du beschreibst es so plastisch dazu der Gestank, dass ich in meiner Fantasie und aus den Erfahrungen wodurch ich immer mal in Ohnmacht gefallen bin, mir schon vorgestellt habe, dass er dabei ist wegzutreten.
Dass Lars in Ohnmacht gefallen ist, wird mir auch dadurch suggeriert:
Dunkel nahm Lars ein Geräusch wahr.
Da meine Ohnmachterlebnisse oft so waren, dass ich Geräusche und Stimmen hörte, sie aber erst zuordnen konnte wenn ich wieder zu mir gekommen war.

Und sonst bleibt es Deine Geschichte, egal was ich dazu sage und denke gefällt sie mir, sonst hätte ich sie nicht kommentiert.

Lieben Gruß vom Einsiedler

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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon RoseParker » 21.11.2014, 11:49

Hallo Erich,

Danke für das Einstellen des nächsten Teils Deiner Geschichte und Deine Antwort auf meinen letzten Kommentar.

Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen. (...) Sie wirkte jetzt unsagbar deformiert.

Mir persönlich gefällt der Begriff "unsagbar" nicht so gut da er wenig präzise ist, das ist aber natürlich Geschmacksache - die Doppelung würde ich aber in jedem Falle vermeiden.

Lars merkte, wie ihn die Kraft verließ und er nach Atem rang. Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks.

Hier kling für mein Empfinden "er legte die Scherbe" zu kontrolliert. Lars hat keine Kraft mehr, muss sich abstützen - besser gefallen würde mir da z.B. "die Scherbe glitt ihm aus der Hand und blieb verkehrt herum auf der Ablage liegen".

Die Gestalt wirkte verblüfft und runzelte die Stirn. Dann konnte Lars erkennen, wie sich langsam die Mundwinkel nach oben zogen und das Ding in der Scherbe in ein gutturales, glucksendes Kichern verfiel. Lars begriff, dass es sich hier weder um seine Mutter noch um Frau Berth handelte. Es krümmte und wand sich nun wie von Sinnen und Lars war sich sicher, dass es sich erneut verwandelte. -- Ende Teil 2, Beginn Teil 3 -- Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen. Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen.

Du hast ja schon erwähnt, dass Du ein großer Freund von "Show, don't tell" bist - was mir grundsätzlich gut gefällt. Allerdings schreibst Du streckenweise so detailliert, dass der Lesefluss für meinen Geschmack recht langsam wird. Das finde ich schade, gerade im spannenden dritten Teil würde sich ein hohes Lesetempo gut machen.

Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen.

Nach meinem Verständnis kann man ein Strömen immer unmittelbar erkennen - einen Luftstrom spüren, einen Wasserstrom sehen, etc. Daher hier vielleicht eher "schien aus der Scherbe zu strömen" oder "es kam ein fauliger Gestank von der Scherbe" (nicht die perfekte Formulierung, aber Du weißt sicher, was ich meine).

My two pennies worth. ;) Insgesamt übrigens eine feine, runde Geschichte - hat mir sehr gut gefallen. :)

Dir auch weiterhin frohes Schaffen,

Viele Grüße
Rose
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Erich » 21.11.2014, 14:10

Hallo RoseParker! :D

Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen. (...) Sie wirkte jetzt unsagbardeformiert.

Mir persönlich gefällt der Begriff "unsagbar" nicht so gut da er wenig präzise ist, das ist aber natürlich Geschmacksache - die Doppelung würde ich aber in jedem Falle vermeiden.

Okay, wobei die Doppelung ja jetzt nicht gerade hintereinander kommt. ;) Aber das kann man sicher machen, es ist mir einfach nicht aufgefallen.

Lars merkte, wie ihn die Kraft verließ und er nach Atem rang. Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks.

Hier kling für mein Empfinden "er legte die Scherbe" zu kontrolliert. Lars hat keine Kraft mehr, muss sich abstützen - besser gefallen würde mir da z.B. "die Scherbe glitt ihm aus der Hand und blieb verkehrt herum auf der Ablage liegen".

Find ich wirklich sehr gut, gefällt mir auch viel besser.

Die Gestalt wirkte verblüfft und runzelte die Stirn. Dann konnte Lars erkennen, wie sich langsam die Mundwinkel nach oben zogen und das Ding in der Scherbe in ein gutturales, glucksendes Kichern verfiel. Lars begriff, dass es sich hier weder um seine Mutter noch um Frau Berth handelte. Es krümmte und wand sich nun wie von Sinnen und Lars war sich sicher, dass es sich erneut verwandelte.-- Ende Teil 2, Beginn Teil 3 -- Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen. Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen.


Ich muss mal sagen, dass ich die Texte natürlich so geschrieben habe, weil der Leser sie nacheinander liest und nicht in einem. Sonst hätte ich z. B. ja nicht mit einem Cliffhanger gearbeitet und hätte mir auch nicht die Frage nach Übergängen stellen müssen.

Du hast ja schon erwähnt, dass Du ein großer Freund von "Show, don't tell" bist - was mir grundsätzlich gut gefällt. Allerdings schreibst Du streckenweise so detailliert, dass der Lesefluss für meinen Geschmack recht langsam wird. Das finde ich schade, gerade im spannenden dritten Teil würde sich ein hohes Lesetempo gut machen.


Ich mein das nicht so böse, wie es klingt, aber ich habe das Gefühl, dass die Wenigsten hier Show, don't tell wirklich erklären können oder wissen, was das ist. Show, don't tell hat nichts damit zu tun, dass man detailliert beschreibt. Es bedeutet einfach, dass man das, was man ausdrücken will, die Figuren tun lässt.

Beispiel:
Lars war schrecklich müde. - tell
Lars gähnte, streckte sich und merkte, wie ihm die Augen zufielen. -show
„Ich kann nicht mehr, ich werde mich hinlegen." - show

 
gerade im spannenden dritten Teil würde sich ein hohes Lesetempo gut machen.


Dafür hätte ich gern ein Beispiel, denn natürlich habe ich das Lesetempo rauf gedreht. :thinking:

Die Gestalt grinste ihn an, fixierte ihn mit den Augen und packte sein Spiegelbild seitlich am Hals. Lars merkte, wie ihm die Luft wegblieb. Er schlug nach hinten, doch die Schläge gingen ins Leere. Niemand stand hinter ihm.

Blut schoss ins Waschbecken, der Schmerz machte Lars munter und er merkte noch etwas anderes, er konnte wieder atmen. Er blickte in den Spiegel, den ein gewaltiger Sprung durchzog und sah, wie die Gestalt zurück torkelte. Ihr Schädel … Mein Gott, dachte Lars. Es sah aus, als hätte er ihr mit einer Axt den Schädel gespalten.

Lars blickte die Tür an, die sich mit jedem Schlag bewegte und schließlich aufsprang. Sein Vater stand in der Tür. Sein Blick wanderte ruckartig durchs Bad. Der zerbrochene Spiegel, das Waschbecken mit Scherben und Blut, Lars' Hand, von der das Blut auf die Kacheln tropfte.


Sicher, ich hätte jetzt die Sätze noch kürzer und abgehackter schreiben können, aber ich fand das stimmig ...

Nach meinem Verständnis kann man ein Strömen immer unmittelbar erkennen - einen Luftstrom spüren, einen Wasserstrom sehen, etc. Daher hier vielleicht eher "schien aus der Scherbe zu strömen" oder "es kam ein fauliger Gestank von der Scherbe" (nicht die perfekte Formulierung, aber Du weißt sicher, was ich meine).


Kann man sich überlegen. Wobei mir schien zu wenig ist, weil der Gestank ja wirklich aus der Scherbe kommt.

Danke für deine Kritik :)

LG Erich :D
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon RoseParker » 21.11.2014, 17:16

Hi Erich,

Danke für Deine Reaktion.

Ich muss mal sagen, dass ich die Texte natürlich so geschrieben habe, weil der Leser sie nacheinander liest und nicht in einem. Sonst hätte ich z. B. ja nicht mit einem Cliffhanger gearbeitet und hätte mir auch nicht die Frage nach Übergängen stellen müssen.

Das zum Beispiel war mir nicht bewusst, ich hatte die drei Texte als Teile einer Geschichte verstanden, die am besten am Stück serviert wird.

Ich mein das nicht so böse wie es klingt, aber ich habe das Gefühl, dass die Wenigsten hier Show, don't tell wirklich erklären können oder wissen, was das ist. Show, don't tell hat nichts damit zu tun, dass man detailliert beschreibt. Es bedeutet einfach, dass man das, was man ausdrücken will, die Figuren tun lässt.

Beispiel:
Lars war schrecklich müde. - tell
Lars gähnte, streckte sich und merkte, wie ihm die Augen zufielen. -show
„Ich kann nicht mehr, ich werde mich hinlegen." - show

Danke für die Erklärungen, aber ich weiß schon, was sich hinter dem Satz versteckt. ;) Ich hatte auf detaillierte Beschreibungen der Handlungen, Gerüche, Geräusche angespielt. Lass mich versuchen, meinen Kritikpunkt auch mit einem Beispiel zu verdeutlichen:
Der Eigentümer war nicht zu sehen, also stieg ich über den niedrigen Zaun und huschte gebückt an einem Gebäude entlang. Bereits nach wenigen Metern ahnte ich, dass ich besser auf die Abkürzung verzichtet hätte. Hinter mir hörte ich ein dunkles, kehliges Knurren. Ich fuhr herum und blickte einem riesigen Rottweiler direkt in die Augen. Goldene und rote Sprenkel in seiner Regenbogenhaut ließen sie wie lodernde Flammen leuchten. Das rotbraune Fell des Hundes hob sich deutlich vom frischen Grün des Rasens ab. Er fletschte die Zähne, zwischen denen ich die Reste seiner letzten, blutigen Mahlzeit zu erkennen glaubte. Sein Hecheln hinterließ kleine, faulig stinkende Dampfwölkchen in der kalten Luft, die mich an gammeliges Fleisch denken ließen. Wieder begann er zu knurren, blies mir seinen modrigen Atem ins Gesicht. Ich würgte und wich zurück.

Das kann man natürlich so machen, aber es zieht die Sequenz stark in die Länge und die Schere zwischen der Dauer des Geschehens (ein, zwei Sekunden) und der Lesezeit wird ziemlich groß. Das lässt sich sicherlich gut als Stilmittel einsetzen um die Szene in Zeitlupe zu zeigen, aber es kommt dann eben kein Gefühl für die Hektik des Moments auf. Für's Protokoll - so extrem war das jetzt in Deinem Text natürlich gar nicht. Da ich einen direkten Übergang von Teil 2 zu Teil 3 angenommen habe fand ich lediglich das Kichern ein wenig arg farbenfroh geschildert - und damit das Lesetempo drückend.

Darüber hinaus, der übliche Disclaimer: Geschmacksache, alles Geschmacksache. Bitte daher meine Kritik auch nicht allzu ernst nehmen. ;)

Best
Rose
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Avunculus » 21.11.2014, 20:09

Hallo Erich!

Ein spannend geschriebener Text. Der Handlungsverlauf ist weiterhin klar und logisch.
Die Bilder sind drastisch, unappetitlich – richtig gut gezeichnet.


Erich, der Kommentar zeigt dir meine Sicht auf deinen Text. Wenn du Brauchbares darin findest, freut mich das, ansonsten, ab damit in die Tonne.




Die farblich markierten Worte im Text sind m.E. entbehrlich.


Das Kichern dröhnte Lars in den Ohren, wurde unerträglich. Es hatte jeden menschlichen Zug verloren, schwankte zwischen einem Gackern und einem Schmatzen. Ein unsagbarer Gestank begann aus der Scherbe zu strömen.
'Ein unsagbarer Gestank'
Hier könntest du vielleicht noch ein aussagekräftigeres Adjektiv finden.



Lars merkte, wie ihn die Kraft verließ und er nach Atem rang.
Lars merkte, wie er … nach Atem rang.
Das liest sich m.E. so, als ob Lars' Geist und Körper irgendwie getrennt wären. Wenn er kurz darauf ohnmächtig würde, fände ich die Aussage sehr passend. Aber das ist ja nicht der Fall.
Vielleicht solltest du 'merkte' einfach weglassen?
Zum Beispiel:
Lars fühlte sich schwach. Er rang Luft …




Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks. Endlich konnte er sich die Ohren zuhalten.
Hier sehe ich ein kleines Logikproblem:
Lars ist sowohl dem unerträglichen Kichern, als auch dem unerträglichen Geruch dieser Kreatur ausgesetzt. Er reagiert jedoch nur auf das unerträgliche Kichern.
Vorschlag:
Er könnte sich doch den Ärmel seines Schlafanzuges oder ein Handtuch oder sonst etwas auf die Nase halten?




Plötzlich hatte er das Gesicht seines schlafenden Vaters vor Augen und verschloss rasch die Badezimmertür.
Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?


Er drehte das kalte Wasser auf und begann sich sein Gesicht zu waschen. Er würde die Scherbe später wieder in das Papier wickeln und dann irgendwo vergraben. Lars fuhr sich mit den nassen Händen über das Gesicht und griff nach einem der Handtücher. Plötzlich durchzog ein reißendes Geräusch die Luft im Badezimmer. Lars fuhr zusammen.

Er musste augenblicklich an das Geräusch denken, das Frau Berth bei ihrem Erscheinen im Spiegel erzeugt hatte.
Nur so 'ne Idee:
Du könntest ihn mal in wörtlicher Rede denken lassen?
Vorschlag:
Mit genau dem gleichen Radau war Frau Berth erschienen, erinnerte sich Lars … oder so.



Hektisch blickte er sich im Raum um, doch da war nichts, es hatte sich nichts verändert. Dann blickte er in den Badezimmerspiegel und sah, dass die Gestalt hinter ihm stand. Er fuhr herum, doch da war niemand ... Sie war im Spiegel. Zusammen mit seinem Spiegelbild!
Sie wirkte jetzt unsagbar deformiert.
'unsagbar'
Siehe oben



Die Konturen ihres Gesichts schienen zu zerfließen und ihr gesamter Körper war mit braunem Schleim überzogen. Lars dachte plötzlich an geschmolzenes Fleisch und er spürte, wie sich sein Magen verkrampfte.
Die Gestalt grinste ihn an, fixierte ihn mit den Augen und packte sein Spiegelbild seitlich am Hals.
'fixierte ihn mit den Augen'
Hm – ich meine, womit den sonst? :wink:



Lars merkte, wie ihm die Luft wegblieb.
'merkte'
Siehe oben



Er schlug nach hinten, doch die Schläge gingen ins Leere. Niemand stand hinter ihm.
Das Ding [Vorschlag: Die Kreatur] legte nun die zweite Hand um den Hals von Lars' Spiegelbild und hob es ein Stück in die Luft. Lars selbst blieb am Boden, er merkte nur,
'merkte'
Siehe oben

wie er immer weniger Luft bekam. Er und sein Spiegelbild bewegten sich nicht mehr synchron.
Den letzten Satz könntest du eigentlich weglassen. Du hast ja sehr anschaulich gezeigt, dass Lars und sein Spiegelbild nicht synchron laufen.



Die Gestalt kicherte und fletschte die Zähne. Sein Spiegelbild begann blau anzulaufen und Lars wusste, dass er genauso aussah. Er sank zu Boden, packte die Scherbe vom Badezimmerschrank
Dieser Ablauf ist m.E. ein bisschen kniffelig:
Zuerst sinkt er zu Boden, dann greift er die Scherbe, die in dem Schrank liegt.
Vorschlag:
'…, dass er genauso aussah.' Seine Knie wurden weich. Wütend versuchte er, sie wieder durchzudrücken, vergebens. Bevor er vollends zu Boden sank, griff er schnell nach der Scherbe … oder so.




Lars schloss seine Finger um die Scherbe, dann stand er auf
Ich meine, hier sollte Lars ein wenig mehr Mühe beim Aufstehen haben. Er hat doch mit einigen Problemen (Atemnot, Übelkeit etc.) zu kämpfen?




und hämmerte die Scherbe gegen das Gesicht der Gestalt im Badezimmerspiegel. Blut schoss ins Waschbecken, der Schmerz machte Lars munter und er merkte noch etwas anderes, er konnte wieder atmen.
Geschmackssache:
Ich meine, dieser Satz informiert mit hohem Tempo über drei aufeinanderfolgende Ereignisse. Du könntest dir da etwas mehr Zeit lassen.
Zum Beispiel:
… Blut floss aus einer tiefen Schnittwunde an seiner Hand , tropfte ins Waschbecken, verschmierte den Spiegel und – tat höllisch weh.
„Verdammter Mist!“ Erschrocken saugte Lars Luft durch seine Zähne. Luft! Gute frische Badezimmer-Luft. Nochmal füllte er seine Lungen - und nochmal. Er konnte wieder atmen … oder so.




Er blickte in den Spiegel, den ein gewaltiger Sprung durchzog und sah, wie die Gestalt zurück torkelte. Ihr Schädel … Mein Gott, dachte Lars. Es sah aus, als hätte er ihr mit einer Axt den Schädel gespalten.
Nur so 'ne Idee:
Ihr Schädel … Mein Gott, dachte Lars … als hätte ich ihn mit einer Axt gespalten.



Die Gestalt blickte wirr um sich und brach schließlich auf dem Badezimmerboden zusammen.

“Lars?!“ Dunkel nahm Lars ein Geräusch wahr. Ein Pochen.
Pingelig:
Lars hört, wie der Vater seinen Namen ruft. Das Pochen an der Tür hört er jedoch nur 'dunkel'.
Vorschlag:
Jemand brüllte. Und da war ein Geräusch: ein Pochen. War das sein Vater, der da brüllte? Warum machte er solch einen Krach? ...



Es wurde lauter und Lars begriff, dass sein Vater gegen die Badezimmertür schlug. „LARS!“ Lars blickte die Tür an, die sich mit jedem Schlag bewegte und schließlich aufsprang.
Hier fände ich es gut, wenn die Tür nicht 'geräuschlos' aufspringt.
… und schließlich krachend aufsprang … oder sonst wie.



Sein Vater stand in der Tür. Sein Blick wanderte ruckartig durchs Bad. Der zerbrochene Spiegel, das Waschbecken mit Scherben und Blut, Lars' Hand, von der das Blut auf die Kacheln tropfte.
„Lars? Wolltest du dich …?“ Er brauchte es nicht auszusprechen. Lars war klar, für was man das mit etwas Fantasie halten konnte. Sein Vater nahm eines der Handtücher, wickelte es ihm um die Wunde und brachte ihn ins Krankenhaus.
Auch für mich als Leser ist klar, was für eine Befürchtung Lars' Vater hegt. - Ich meine, du könntest den blau markierten Teil problemlos weglassen.



Zusammen saßen sie im Krankenhaus und Lars betrachte das Gesicht seiner Mutter.
Nachdem du im vorigen Satz bereits gesagt hast, wohin die Reise geht, könntest du hier ein wenig genauer sagen, wo sich Lars und sein Vater befinden.

Zum Beispiel:
… am Krankenbett der Mutter.

Auch wenn du es nicht geschrieben hast, sehe ich Lars hier (in meiner Fantasie) mit einem dicken, weißen Verband um die Hand – es ist ja auch sehr naheliegend. :wink:



Wie friedlich, dachte Lars. Er hoffte, sie würde etwas schönes träumen, keine Albträume haben. Sein Albtraum war nun schon fast verblasst. Sein Vater erhob sich aus dem Stuhl, blickte Lars an und lächelte. „Ich lasse euch alleine.“ Lars dachte über die Worte nach, dann schenkte auch er seinem Vater ein Lächeln.
Ein sehr sympathischer Schlusssatz.


Dein Text lässt Raum für Interpretationen. Der Schluss ist versöhnlich, ansonsten jedoch offen. Auf Erklärungen verzichtest du. - Leider, denn ich hätte schon gerne gewusst, was es mit dieser geheimnisvollen Scherbe auf sich hat. :)

Fazit:
Eine richtig gute, spannende Geschichte

LG Avunculus
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Erich » 21.11.2014, 20:46

@RoseParker

Danke für die Erklärungen, aber ich weiß schon, was sich hinter dem Satz versteckt. ;) Ich hatte auf detaillierte Beschreibungen der Handlungen, Gerüche, Geräusche angespielt. Lass mich versuchen, meinen Kritikpunkt auch mit einem Beispiel zu verdeutlichen:
Der Eigentümer war nicht zu sehen, also stieg ich über den niedrigen Zaun und huschte gebückt an einem Gebäude entlang. Bereits nach wenigen Metern ahnte ich, dass ich besser auf die Abkürzung verzichtet hätte. Hinter mir hörte ich ein dunkles, kehliges Knurren. Ich fuhr herum und blickte einem riesigen Rottweiler direkt in die Augen. Goldene und rote Sprenkel in seiner Regenbogenhaut ließen sie wie lodernde Flammen leuchten. Das rotbraune Fell des Hundes hob sich deutlich vom frischen Grün des Rasens ab. Er fletschte die Zähne, zwischen denen ich die Reste seiner letzten, blutigen Mahlzeit zu erkennen glaubte. Sein Hecheln hinterließ kleine, faulig stinkende Dampfwölkchen in der kalten Luft, die mich an gammeliges Fleisch denken ließen. Wieder begann er zu knurren, blies mir seinen modrigen Atem ins Gesicht. Ich würgte und wich zurück.


Ich find das gar nicht schlecht ... :D Nur ein paar Adverbien und Adjektive könnte man herausnehmen und ein paar Absätze rein.

Das kann man natürlich so machen, aber es zieht die Sequenz stark in die Länge und die Schere zwischen der Dauer des Geschehens (ein, zwei Sekunden) und der Lesezeit wird ziemlich groß. Das lässt sich sicherlich gut als Stilmittel einsetzen um die Szene in Zeitlupe zu zeigen, aber es kommt dann eben kein Gefühl für die Hektik des Moments auf.


Natürlich ist in so einem Moment die Erzählzeit länger als die erzählte Zeit ... Das geht ja gar nicht anders und soll auch so sein. Der Prot. wird es nicht anders erleben. Wenn man Angst hat, hat man das Gefühl, die Zeit bleibt stehen, bzw. wenn er dem Hund in die Augen schaut.

aber es kommt dann eben kein Gefühl für die Hektik des Moments auf.


Bei deinem Beispiel kommt auch keine Hektik auf. Es wird eine Spannung aufgebaut, sprich der Prot beschreibt die Situation(ist angespannt) ... Der Leser fragt sich, ob der Hund jetzt angreifen wird oder nicht. Da passt doch alles. :2thumbs: Die Hektik kommt dann auf, wenn der Prot. vor dem Hund flieht und er ihn verfolgt. :wink:

Darüber hinaus, der übliche Disclaimer: Geschmacksache, alles Geschmacksache. Bitte daher meine Kritik auch nicht allzu ernst nehmen. ;)


Ich nehme deine Kritik ernst und finde sie interessant ... :wink:

LG Erich :D
Zuletzt geändert von Erich am 21.11.2014, 21:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Scherben(3/3)

Beitragvon Erich » 21.11.2014, 21:45

Hallo Avunculus!

Danke für deine Kritik. :)

Ein unsagbarer Gestank'
Hier könntest du vielleicht noch ein aussagekräftigeres Adjektiv finden.


Ja, da hätte sich sicher ein aussagekräftigeres gefunden.

Lars merkte, wie ihn die Kraft verließ und er nach Atem rang.
Lars merkte, wie er … nach Atem rang.
Das liest sich m.E. so, als ob Lars' Geist und Körper irgendwie getrennt wären. Wenn er kurz darauf ohnmächtig würde, fände ich die Aussage sehr passend. Aber das ist ja nicht der Fall.
Vielleicht solltest du 'merkte' einfach weglassen?
Zum Beispiel:
Lars fühlte sich schwach. Er rang Luft …


Ich hab das so geschrieben, weil er ja nur die Auswirkungen der Tortur spürt, die sein Spiegelbild erleidet, aber z. B. nicht spürt, wie sich die Hände der Gestalt um seine Kehle legen.

Er stützte sich mit einer Hand am Waschbecken ab und legte die Scherbe verkehrt auf die Ablage des Badezimmerschranks. Endlich konnte er sich die Ohren zuhalten.
Hier sehe ich ein kleines Logikproblem:
Lars ist sowohl dem unerträglichen Kichern, als auch dem unerträglichen Geruch dieser Kreatur ausgesetzt. Er reagiert jedoch nur auf das unerträgliche Kichern.
Vorschlag:
Er könnte sich doch den Ärmel seines Schlafanzuges oder ein Handtuch oder sonst etwas auf die Nase halten?


Daran hab ich einfach nicht gedacht. Sicher könnte man das noch einbauen, um das Ganze noch mehr zu veranschaulichen.

Plötzlich hatte er das Gesicht seines schlafenden Vaters vor Augen und verschloss rasch die Badezimmertür.
Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?


Ich hätte das vielleicht noch ausschmücken können, so dass es besser in die Handlung passt. Ich hab vor allem einen Grund gebraucht, warum er die Türe versperrt.

Er musste augenblicklich an das Geräusch denken, das Frau Berth bei ihrem Erscheinen im Spiegel erzeugt hatte.
Nur so 'ne Idee:
Du könntest ihn mal in wörtlicher Rede denken lassen?
Vorschlag:
Mit genau dem gleichen Radau war Frau Berth erschienen, erinnerte sich Lars … oder so.


Nur muss ich hier nicht das Präsens nehmen? Bzw. hier das Perfekt?
Mit genau dem gleichen Radau ist Frau Berth erschienen, dachte Lars. Oder: Sie ist wunderschön, dachte Lars.
Darum hab ich das nicht so gern verwendet oder halt ohne Verb: Wie friedlich, dachte Lars.

Lars merkte, wie ihm die Luft wegblieb.
'merkte'
Siehe oben


Das ist für mich wieder das Gleiche, er spürt nur die Auswirkung ...

Den letzten Satz könntest du eigentlich weglassen. Du hast ja sehr anschaulich gezeigt, dass Lars und sein Spiegelbild nicht synchron laufen.


Okay, ich war mir da nicht sicher, welches Bild der Leser da vor Augen hat.

und hämmerte die Scherbe gegen das Gesicht der Gestalt im Badezimmerspiegel. Blut schoss ins Waschbecken, der Schmerz machte Lars munter und er merkte noch etwas anderes, er konnte wieder atmen.
Geschmackssache:
Ich meine, dieser Satz informiert mit hohem Tempo über drei aufeinanderfolgende Ereignisse. Du könntest dir da etwas mehr Zeit lassen.
Zum Beispiel:
… Blut floss aus einer tiefen Schnittwunde an seiner Hand , tropfte ins Waschbecken, verschmierte den Spiegel und – tat höllisch weh.
„Verdammter Mist!“ Erschrocken saugte Lars Luft durch seine Zähne. Luft! Gute frische Badezimmer-Luft. Nochmal füllte er seine Lungen - und nochmal. Er konnte wieder atmen … oder so.


Hier möchte ich offen gesagt das Tempo drinnen haben, da es ein Moment ist, an dem sich Lars mit letzter Kraft wehrt und kaum noch bei Sinnen ist.

Es wurde lauter und Lars begriff, dass sein Vater gegen die Badezimmertür schlug. „LARS!“ Lars blickte die Tür an, die sich mit jedem Schlag bewegte und schließlich aufsprang.
Hier fände ich es gut, wenn die Tür nicht 'geräuschlos' aufspringt.
… und schließlich krachend aufsprang … oder sonst wie.


Ja, den Vorschlag finde ich wirklich gut.

Sein Vater stand in der Tür. Sein Blick wanderte ruckartig durchs Bad. Der zerbrochene Spiegel, das Waschbecken mit Scherben und Blut, Lars' Hand, von der das Blut auf die Kacheln tropfte.
„Lars? Wolltest du dich …?“ Er brauchte es nicht auszusprechen. Lars war klar, für was man das mit etwas Fantasie halten konnte. Sein Vater nahm eines der Handtücher, wickelte es ihm um die Wunde und brachte ihn ins Krankenhaus.
Auch für mich als Leser ist klar, was für eine Befürchtung Lars' Vater hegt. - Ich meine, du könntest den blau markierten Teil problemlos weglassen.


Okay, weil hier war ich mir überhaupt nicht sicher, ob das so aufgenommen wird. Ich dachte eher, dass man schreiben wird: "Wieso Selbstmord? Es ist doch nur die Hand verletzt ...", darum habe ich auch noch extra "mit etwas Fantasie" eingefügt.

Dein Text lässt Raum für Interpretationen. Der Schluss ist versöhnlich, ansonsten jedoch offen. Auf Erklärungen verzichtest du. - Leider, denn ich hätte schon gerne gewusst, was es mit dieser geheimnisvollen Scherbe auf sich hat.


Es ist halt eine Kurzgeschichte ... Es wird nur ein Ausschnitt gezeigt, so sind Kurzgeschichten halt. :wink:

LG Erich :D

PS: Ich hab mir die ganze Zeit gedacht, dass man es wahrscheinlich für unglaubwürdig halten wird, dass jemand mit einer Scherbe, die er in die Hand nimmt, einen Spiegel zerschlägt. :mrgreen: Aber na ja ...
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