Schreibratgeber Kinderbuch

Tipps, Ratschläge und Hilfen zum Schreiben. Wie machst du das? Hilfe bei Blockaden, Hemmungen und Anfangsschwierigkeiten

Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon LadySnake » 11.11.2015, 19:33

Hi,

mein nächstes Projekt soll ein Kinderbuch werden. Jedoch habe ich kaum Erfahrungen mit kindgerechtem Schreiben :twiddlethumbs: , möchte mich aber gerne daran versuchen? Kennt jemand hier gute Schreibratgeber hierzu? Oder hat persönliche Tipps & Erfahrungen?

Egal was davon, ihr würdet mir auf jeden Fall mächtig helfen! :2thumbs:

Vielen dank schon einmal im Voraus!
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Re: Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon Velvet Huhn » 19.11.2015, 13:59

Hallo!

Einen Ratgeber dazu kenne ich zwar nicht aber ich kenne mich da ein bisschen aus. Habe früher beruflich viel mit Kindern gearbeitet.

Folgende Tipps:

1. Du solltest dir vorher überlegen für welche Altersgruppe du das Buch schreiben willst. Da Kinder sich sehr schnell entwickeln was die Lesefähigkeiten und die kognitiven Leistungen angeht. Ein buch für achtjährige sollte schon anders gestrickt sein als ein Buch für zehnjährige.
2. Je jünger die Altersgruppe desto überschaubarer sollten die "Textportionen" sein. Also nicht zu viele Nebensatzkonstruktionen.
3. Es sollten Kinder oder kindliche Figuren im Buch vorkommen, damit die Kinder sich damit Identifizieren können.

Was soll es denn werden? Ein Roman, eine Sammlung in sich abgeschlossener Geschichten oder eine Art Bilderbuch mit längerem Text dazu?
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Re: Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon Tinki » 20.11.2015, 13:00

Moieeen,

Ich kenn auch keinen Kinderbuch Ratgeber. Wie Velvet schon sagt, gibts je nach Alter große Unterschiede. Je kleiner das Kind, umso weniger Text sollte vorhanden sein. Ich kenne war keine Richtlinien - weiß nicht einmal, ob es da welche gibt. Nur wenn ich mir die Bücher von meinem Knirbel anschaue ... (etwas über 1 1/2 Jahre) die sind stellenweise schon arg knapp. Meist nur 4 ganz einfache Sätze, pro Seite. (Geht wohl eher in die Richtung Bilderbuch..^^)
Am besten schaust du dich im Bücherladen deines Vertrauens in der Kinderabteilung um. Da findest du am ehesten "Richtwerte" für deine gewünschte Zielgruppe.
Ich bin ein Kühlschrank-Zwilling!

Mich zu verstehen ist so, als würde man versuchen Wackelpudding an die Wand zu nageln.
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Re: Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon LadySnake » 27.11.2015, 19:45

Hallo,

1. vielen Dank für die Antworten.
2. Entschuldigung, dass ich erst so spät darauf eingehe.

Es soll ein Märchen werden. Ich stelle mir ein Bilderbuch mit längerem Text vor. Ich kenne zwar viele Bilder- und Kinderbücher, was mir Sorge bereitet, ist, ob ich den richtigen Ton treffe (mir graut es beim schreiben Umgangssprache zu verwenden, überhaupt bin ich sehr wählerisch bei Worten, sie emüssen sehr präzise und treffend sein und dabei möglichst malen. Aber bei Kindern sollte es einfach und verständlich sein, da sehe ich einen "kleinen" Konflikt... Faszinierend finde ich bei Kinder-/Jugendbüchern den Schreibstil von Jutta Richter, die kriegt den Spagat super hin).
Und ich neige sehr zu Beschreibungen. Wobei man die bei Bilderbüchern sicher durch die Bilder kompensieren kann.
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Re: Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon Badabumm » 28.11.2015, 04:29

... Märchenbücher sind zum Vorlesen da. ;-) ;-) *Ironiemodus* Da müssen nur so viel Bilder rein, dass das Kind beim Über-die-Schulter-Schauen was zu sehen bekommt. Was man als Vergleich heranziehen mag, sind Bibeln für Kinder, die einen umfangreicheren - meist relativ naiv gemalten - Bildteil vorweisen, und wo ja der Text für sich schon so schwer verdaulich ist, dass er für Kinder gut zubereitet (äh... aufbereitet...) werden muss. Die echten Kinderbuch-Dauerbrenner haben leichte, aber perfekt auf die Situation zugeschnittene Bilder, die sowohl witzig als auch angemessen detailreich sein sollten. Die ganz kleinen Kinder freuen sich, wenn sie die Spinne oder den Wolf oder den Drachen entdecken können.

Für mich ein großer Nachteil von sogenannten bibliophilen, bebilderten Märchenbücher ist, dass die Bilder zwar genial sind - aber eben für uns Erwachsene. Da sind perfekte Aquarelle, Holzschnitte oder Bleistiftzeichnungen drin, die jedes für sich gut im Museum hängen könnten. Kinder mögen's aber eher kindgerecht. Die Farben, die Proportionen oder die Komposition sind nicht das wichtigste. Wer selbst blaue Kühe und roten Himmel malt, kann das auch in einem Buch gut finden.

Zu viel Umgangssprache ist gar nicht das Hauptproblem. Grimms Märchen, die ja nun überhaupt keine heutige Sprache mehr haben, werden von Kindern auch abstrahiert und im Kopf "übersetzt". Wenn sich die Sprache zu sehr anbiedert, wird das ebenfalls schnell gemerkt. Ich weiß da auch kein Patenrezept. Wenigstens die Protagonisten sollten in der Lebenswelt der Kinder vorstellbar sein. Aber z.B. komplett auf Imperfekt zu verzichten und nur noch "Erich, was der Freund vom Tony ist, hatte gesagt, weil der Bach tief ist, darf der da nicht rein, also der Tony, und überhaupt, das kommt nun davon, dass der ausgerutscht ist und nass geworden ist und beinahe ertrunken wäre und dass die Feuerwehr kommen musste und ihn rausholen und so...." zu verwenden, finde ich sozusagen prollig gestelzt und zu dick aufgetragen. Abgesehen davon soll ein Buch ja ein bisschen was von Kultur zurückbringen, mies gesprochen wird auf der Straße schon genung...

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Re: Schreibratgeber Kinderbuch

Beitragvon Minna » 28.11.2015, 13:35

Hallo,

Dann gebe ich mal meine :2cents: dazu.

1. Auf jeden Fall musst du dir klar machen, für welche Altersgruppe du schreiben willst.

2. Willst du ein Buch zum Vorlesen oder zum Selberlesen schreiben?

3. Wir neigen als Erwachsene viel zu oft dazu Kinder zu unterschätzen. Ich kenne 10jährige, welche die tollsten philosophischen Diskussionen mit dir führen. Ich kenne sechsjährige, deren liebstes Hörspiel Harry Potter ist und die ab Klasse zwei die Bücher auch selber lesen. Und auch Kinder im Kindergarten ab 4 oder 5 Jahren wissen schöne Sprache und Geschichten mit Interpretationsraum zu schätzen. Manche fangen mit sechs an Minecraft zu spielen und lieben Star Wars. Schau mal die Kinderbücher von Neil Gaiman an zum Beispiel.

4. Die Geschichte sollte Elemente aus der Erfahrungswelt der Kinder enthalten, dass müssen nicht unbedingt Kinder sein, auch Tiere oder ab etwa fünf Jahren Fabelwesen oder Aliens können Identifikationsfiguren abgeben.

5. Erwachsene neigen dazu Kindern ihre Version dessen was kindgerecht ist überstülpen zu wollen.

6. Auch Kinder sind Individuen mit eigenem Entwicklungsstand und Geschmack. Auch da versuchen die Verlage Modetrends im Buchbereich zu kreieren und zu bedienen. Das heißt nur weil es im Buchladen der große Renner ist, muss es den Kindern nicht unbedingt gefallen. Oft gefällt es dann aber den Erwachsenen.

7. Hast du Kinder? Arbeitest du mit Kindern? Dann probieren deine Ideen mit ihnen aus. Wenn nicht dann stelle dir als erstes eine ganz wichtige Frage: Willst du dieses Märchen für dich oder für Kinder schreiben? Ich finde auch Erwachsene haben ein recht darauf solche Bücher zu mögen. Wenn also deine eigentliche Zielgruppe Erwachsene sind, dann steh dazu und schreibe ein Buch das dir gefallen würde.

Wenn du magst, dann schicke mir deine Idee und ich gebe dir ein Feedback dazu. Ich bin Erzieherin und habe auch selber schon ein Kinderbuch geschrieben und von einer Freundin illustrieren lassen. Ich werde im Dezember in Sofian's Schreibstube überwechseln, wir können uns also auch gerne dort weiter austauschen.

Liebe Grüße
Minna
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