[Spannung]Schröders Bruder und die Nordwand

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[Spannung]Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon Heribertpolta » 09.06.2014, 16:33

Mein Freund Schröder sagte, dass sein Bruder Norbert, der ja Bergsteiger aus voller Leidenschaft gewesen sein soll, von einem Hubschrauber aus der Eigernordwand geholt werden musste; aus dem Grund nämlich, weil er dort oben seinen Verstand gelassen hat, so Schröder wörtlich.

Schon vor dem Klettergang, also unten am Fuße der Eigerwand, erzählte Schröder, habe sein Bruder mehrmals merkwürdige Rufe aus der Höhe her tönen hören; Rufe, die man, nach Norberts späteren Bericht, nicht hätte genau beschreiben können.

Später konnte Schröder seinen Bruder nur noch antreffen, wenn er ihn in der Klapsmühle in Oberhausen besuchte. Dort erzählte ihm Norbert, dass er nach schon wenigen Höhenmetern gesehen hätte, wie plötzlich ein Tau neben ihm abgelassen wurde, ganz so, als wollte sich jemand an ihm vorbei, hinab und zurück ins Tal abseilen. Aber nach Sekunden pendelte der Strick aus und verharrte. Das Tau war aber nicht etwa aus Kunststoff; nein, Norbert habe sich gewundert, dass dieses Exemplar aus Flachs oder Hanf gedreht war; auf die alte Art.

Schröder erzählte, dass wenn er früher, in Kindertagen, nachts Furcht vor der Dunkelheit hatte, er einfach ins Bett des großen Bruders gesprungen sei. Das beruhigte ihn; denn Norbert hatte niemals Angst – erinnerte sich Schröder. Aber als er ihn in Oberhausen besuchte, sah er in den Augen des Bruders dieses unvorstellbare Grausen, eine Angst, die Norberts Gesicht trübte und sich im ganzen Raum verteilte. Nie, sagte mir Schröder, habe er einen verängstigteren Menschen gesehen, als seinen armen Bruder Norbert.

Etwa auf Höhe des so genannten Bügeleisens - so bezeichnet man ein Teilstück der Heckmair-Route in der Nordwand - soll ein Körper in besagtes Seil verheddert gehangen haben. Die Kleidung, in der der nach allem Anschein nach männliche Leichnam steckte, war angeblich nach der Bergsteiger-Mode der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts geschnitten, beteuerte Norbert später in Oberhausen. Von schweren Erfrierungen lilaschwarz verfärbt soll er gewesen sein. Außerdem waren in den Gliedern deutlich Brüche zu erkennen. Ein Arm der Gestalt war so verrenkt, als hätte ihn jemand verkehrt herum an den Rumpf gesteckt, und der Kopf war zu allem Entsetzen Norberts völlig verdreht.

„Und stell dir vor“, sagte mein Freund Schröder zu mir, „Norbert behauptete im Ernst später in Oberhausen, dass der geschundene Leib sich plötzlich bewegt habe“.

Ich fragte weiter nach, weil ich ja wissen wollte, wie es ausging und Schröder fuhr fort in seinem Bericht, dass der Bruder einfach nicht mehr hingesehen hätte; dass er resignierte: „Mein Bruder sagte, dass er einfach weggesehen hat“, berichtete Schröder und fügte hinzu: „Und kletterte schematisch weiter“ Und erst auf etwa der Höhe zwischen Drittem Eisfeld und Rampe, sah er sich wieder um und erkannte, dass der Erfrorene weg war. Verschwunden.

Dann aber, ganz plötzlich, soll das Monstrum wieder aufgetaucht sein; und zwar etwa in Höhe der als solches bezeichneten Spinne, die einen recht zerklüfteten Teil der Felswand darstellt. Dort nämlich, soll das Gespenst offenbar waagerecht über die Wand gelaufen sein. Ja, so wie ein Normalsterblicher alltäglich den Bürgersteig benutzt, so soll die Kreatur angeblich die steil abfallende Eigerwand als Fußweg benutzt haben… Verrückt!

Und damit nicht genug: Um den armen Norbert herum, der, nach eigener Aussage schon halb wahninnig geworden war vor Angst, soll dieses Ding nun wie ein Käfer über die Wand gekrabbelt sein; dabei habe es Schreie „Nicht von dieser Welt“ fahren lassen.

Das Letzte, was mir mein Bruder sagte, erzählte mir Schröder später, war, dass er nie etwas widerwärtigeres gesehen hätte, als die Art, wie das Biest, trotz seiner zahlreichen Knochenbrüche, an Norbert vorbei, in der Wand herumgekrochen und gebuckelt sei. Schief, krumm, röchelnd und ständig Blut und Sekret absondernd, ist das Ungeheuer gegen alle Regeln der Schwerkraft, und seiner verdrehten Knochen wegen knackend und knirschend umhergekrebst, und es soll dabei immer wieder außerirdisch gekreischt haben.

Norbert habe sich in Oberhausen, in der psychiatrischen Abteilung des Klinikums, weinend an seinem Bruder festgehalten und geklagt, dass er nichts weiter hatte mehr tun können, als sich in der Wand mit Kletterseilen festzubinden, sich festzuhaken; also sich in ihr mehr oder weniger festzukrallen.

Gegenüber der Eigernordwand, von der Kleinen Scheidegg aus, verfolgten mit starken Ferngläsern ausgerüstete Touristen das norbertinische Drama und forderten einen Bergungshubschrauber an. Ein Mann aus Norditalien beschwor später, dass er eine weitere Person dort oben habe klettern sehen; allein alle anderen Augenzeugen berichteten, nur Norbert gesichtet zu haben.

Der Arzt des Klinikums in Oberhausen, der Schröder am Telefon vom Tode seines Bruders berichtete, sagte, dass alles mit dem Rettungshubschrauber begonnen hätte, der gerade im Anflug auf das Dach der Klinik gewesen ist, während sich der Bruder mit einigen Mitpazienten im Garten der Anstalt aufgehalten hatte. Das war etwa zweieinhalb Wochen nach Norberts Einlieferung. Norbert habe ständig auf den Hubschrauber gezeigt und aufgeregt behauptet, dass an einem Seil, das am Helikopter befestigt gewesen sein soll, eine Gestalt hinge und winke. Durchgedreht soll er geschrien haben, ob denn niemand den Kerl da oben sehen könne. Niemand sah ihn. Sind denn hier alle blind?!, waren seine letzten Worte und im nächsten Moment schon, sei er mit allem, was in seinen Beinen steckte, losgelaufen; genau auf die Mauer zu, die den Gartenbereich des Klinikums umgibt.

Jede Hilfe kam zu spät, sagte der Arzt, sagte Schröder.

Norbert sei so heftig gegen die Begrenzung gelaufen, dass sein Schädel förmlich aufplatzte. Das Gehirn soll, nachdem Norberts Leib schon längst aufgeschlagen ist, noch Sekundenbruchteile an der Wand haften geblieben sein, bevor es herab rutschte.
Zuletzt geändert von Heribertpolta am 12.06.2014, 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon TaraLuna » 10.06.2014, 08:36

Hallo, wollte mal meine Meinung zu deinem Text da lassen.

Der erste Satz ist etwas abschreckend da er so lang und verschachtelt ist.

Schröder erzählte, dass wenn er früher, in Kindertagen, nachts Furcht vor der Dunkelheit hatte, er einfach ins Bett des großen Bruders gesprungen sei. Das beruhigte ihn; denn Norbert hatte niemals Angst – erinnerte sich Schröder. Aber als er ihn in Oberhausen besuchte, sah er in den Augen des Bruders dieses unvorstellbare Grausen, eine Angst, die Norberts Gesicht trübte und sich im ganzen Raum verteilte. Nie, sagte mir Schröder, habe er einen verängstigteren Menschen gesehen, als seinen armen Bruder Norbert.
Bei der Stelle hab ich mich erst kurz gefragt warum das jetzt wichtig ist, dass Schröder als Kind zu seinem Bruder ins Bett krabbelte. Wenn der Satz "Nie, sagte mir Schröder, habe er einen verängstigteren Menschen gesehen, als seinen armen Bruder Norbert." Zuerst kommen würde, wirkt es meiner Meinung nach besser und verwirrt (zumindest mich) nicht.

Der Arzt des Klinikums in Oberhausen, der Schröder am Telefon vom Tode seines Bruders berichtete, sagte, dass alles mit dem Rettungshubschrauber begonnen hätte, der gerade im Anflug auf das Dach der Klinik gewesen ist, während sich der Bruder mit einigen Mitpazienten im Garten der Anstalt aufgehalten hatte. Das war etwa zweieinhalb Wochen nach Norberts Einlieferung. Norbert habe ständig auf den Hubschrauber gezeigt und aufgeregt behauptet, dass an einem Seil, das am Helikopter befestigt gewesen sein soll, eine Gestalt hinge und winke. Durchgedreht soll er geschrien haben, ob denn niemand den Kerl da oben sehen könne. Niemand sah ihn. Sind denn hier alle blind?!, waren seine letzten Worte und im nächsten Moment schon, sei er mit allem, was in seinen Beinen steckte, losgelaufen; genau auf die Mauer zu, die den Gartenbereich des Klinikums umgibt.
Hier haben sich mir gleich mehrere Fragen gestellt. Warum hängt der Geist ausgerechnet an dem Hubschrauber der zwei Wochen später kommt? Oder war es einfach das erste mal seither das Norbert wieder im freien war und einen Hubschrauber sah. Warum hat ihn keiner rein gebracht wenn er wegen dem Hubschrauber plötzlich durchgedreht ist, er ist ja nicht sofort los gerannt.

Jede Hilfe kam zu spät, sagte der Arzt, sagte Schröder. Norbert sei so heftig gegen die Begrenzung gelaufen, dass sein Schädel förmlich aufplatzte. Das Gehirn soll, nachdem Norberts Leib schon längst aufgeschlagen ist, noch Sekundenbruchteile an der Wand haften geblieben sein, bevor es herab rutschte.
Den Teil finde ich unrealistisch. Durch rennen eine dazu nötige Geschwindigkeit zu erreichen, ist kaum möglich. Vielleicht für einen Profiläufer, aber ein Bergsteiger ist das nicht unbedingt. (Sonst hätten meine Kinder das auch schon geschafft. Die rennen häufig mit vollem Karacho gegen Schilder und sonstiges. Schauen einfach nie nach vorne.

Bis auf die erwähnten Punkte fand ich den Text sehr interessant und ansprechend.
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon dadazinga » 11.06.2014, 01:18

Mein Freund Schröder sagte, dass sein Bruder Norbert, der ja Bergsteiger aus voller Leidenschaft gewesen sein soll, von einem Hubschrauber aus der Eigernordwand geholt werden musste. Aus dem Grund nämlich, weil er "dort oben seinen Verstand gelassen hat", so Schröder wörtlich.


Anders als mein Vorredner gfällt mir der satz ganz gut. Das Semikolon kannst du ganz einfach in einen Punkt umandeln. Und ¨So Shröder wörtlich¨ ist auch überflüssig. Das gleiche wird auch mit Anführungszeichen ausgedrückt.

Dein Stil gefällt mir hier seht gut. Ich werde sofort mit einer Situation konfrontiert, ohne unnötige Exposition. Außerdem habe ich das Gefühl eine recht unterhaltsameGechichte zu lesen. Mal sehen ob ich Recht habe...

Weiter im Text:
Schon vor dem Klettergang, also unten am Fuße der Eigerwand, erzählte Schröder, habe sein Bruder mehrmals merkwürdige Rufe aus der Höhe her tönen hören; Rufe, die man, nach Norberts späteren Bericht, nicht hätte genau beschreiben können.

Später konnte Schröder seinen Bruder nur noch antreffen, wenn er ihn in der Klapsmühle in Oberhausen besuchte. Dort erzählte ihm Norbert, dass er nach schon wenigen Höhenmetern gesehen hätte, wie plötzlich ein Tau neben ihm abgelassen wurde, ganz so, als wollte sich jemand an ihm vorbei, hinab und zurück ins Tal abseilen. Aber nach Sekunden pendelte der Strick aus und verharrte. Das Tau war aber nicht etwa aus Kunststoff; nein, Norbert habe sich gewundert, dass dieses Exemplar aus Flachs oder Hanf gedreht war; auf die alte Art.


Du scheinst es mit Semikolons zu haben, wenn en Punk viel besser wäre ;) Tatsächlich sind deine Sätze auch sehr verchachtelt, aber da du dafür sparsam mit Adjektiven und Attriuten bist, geht das. Es liest sich wie ein Theatrmonolog, der eigentlich von einem Schauspieler interpretiert werden müsste.

Nur aus Neugier, warum hast du dich für einen Erzähler entschiedenen, der erzählt, was ihm jemand über jemand Drittes erzählt hat? Also, warum nicht Schröder selbst erzählen lassen?

Schröder erzählte, dass wenn er früher, in Kindertagen, nachts Furcht vor der Dunkelheit hatte, er einfach ins Bett des großen Bruders gesprungen sei.


Komma overload :D Ich glaube das Komma nach ¨früher¨, ¨Kindertagen¨ kann weg. Oder besser: Schröder erzählte, dass er nachts in das Bett des großen Bruders gesprungen sei, wenn er in Kindertagen Furcht vor der Dunkelheut gehabt hatte.

unvorstellbare Grausen, eine Angst, die Norberts Gesicht trübte und sich im ganzen Raum verteilte


Grausen und ein getrübtes Gesicht wollen bei mir im Kopf nicht so ganz zusammen passen. Das eine verbinde ich mit entgleisten Gesichtszügen, das andere eher mit einem ausdrucksärmeren Gesicht, eben betrübt, oder apathisch. Mag vielleicht aber nur mir so gehen.

soll ein Körper in besagtes Seil verheddert gehangen haben.


¨Soll ein Körper in einem Seil gehangen haben - volkommen verheddert.¨ Oder sogar ohne as verheddert. Dass da ein Körper hängt ist chon für sich ein starkes Bild.

Die Kleidung, in der der nach allem Anschein nach männliche Leichnam steckte, war angeblich nach der Bergsteiger-Mode der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts geschnitten, beteuerte Norbert später in Oberhausen.


Kann man aber noch kürzer und prägnanter ausdrücken. Ich will dir aber auch nicht zu sehr in deinem Stil rumpfuschen. Aber: ¨Die Kleidung des männlichen Leichnams war nach der Bergsteiger-Mode der Dreißgerjahre geschnitten. Das beteuerte Norbert zumindest.¨

Armder Gestalt war so verrenkt, als hätte ihn jemand verkehrt herum an den Rumpf gesteckt, und der Kopf war zu allem Entsetzen Norberts Norberts Entsetzen völlig verdreht.


Starke Bilder, kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich bleibe gespannt bei der Stange.

dass er resignierte


Wer jetzt? Norbert oder der Bruder, also Schröder? Bin verwirrt.

schematisch


Überflüssig in wörtlicher Rede. Weiß auch nicht, wass der Erzähler mit schematisch meint.

in Höhe der als solches bezeichneten Spinne


Überflüssig. Diese kleinen Erklärungen brauchst du nicht. Ich kann auch so folgen. Deine Geschichte ist bis dahin stark genug.

Ja, so wie ein Normalsterblicher alltäglich den Bürgersteig benutzt, so soll die Kreatur angeblich die steil abfallende Eigerwand als Fußweg benutzt haben… Verrückt!


Guter Vergleich!

Schreie „Nicht von dieser Welt“ fahren lassen


Die Formulierung Schreie fahren lassen, ist mir nicht geläufig. Sagt man das so?

Das Letzte, was mir mein Bruder sagte, erzählte mir Schröder später, war, dass er nie etwas widerwärtigeres gesehen hätte, als die Art, wie das Biest, trotz seiner zahlreichen Knochenbrüche, an Norbert vorbei, in der Wand herumgekrochen und gebuckelt sei


Uiuiui, sehr schachtelig geraten. Vielleicht kannst du den Satz in mehrere aufteilen.

Schief, krumm, röchelnd und ständig Blut und Sekret absondernd, ist das Ungeheuer gegen alle Regeln der Schwerkraft, und seiner verdrehten Knochen wegen knackend und knirschend umhergekrebst, und es soll dabei immer wieder außerirdisch gekreischt haben.


Sehr schön :) (Obwohl das sich etwas mit dem Bild des Fußgängers widerspricht)

Norbert habe sich in Oberhausen, in der psychiatrischen Abteilung des Klinikums, weinend an seinem Bruder festgehalten und geklagt, dass er nichts weiter hatte mehr tun können, als sich in der Wand mit Kletterseilen festzubinden, sich festzuhaken; also sich in ihr mehr oder weniger festzukrallen


Schachtelsatz!!

beschwor


Schwor

dass dort an einem Seil, das am Helikopter befestigt gewesen sein soll,


--------------------------------------------
Dadurch, dass dein Erzähler keinerlei emotionale Bindung zu Norbert und Schröder hat, wirkt deine Geschichte recht lakonisch. Wenn das so gewollt war, gut :) MIrgefiel der plaudernde Ton ganz gut. Du hast an manchen Stellen zu viel erklären wollen, was der Leser entweder schon weiß oder sich denken kann. Wenn du das alles rauskürzt und die Schachtelsätze in mehrere Sätze aufteilst, hast du ne recht runde Sache, würd ich behauten. :)
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon Heribertpolta » 19.06.2014, 11:57

Hallo Taraluna und hallo Dadazinga,

ich habe mich sehr gefreut, als ich sah, dass es antworten auf meine Geschichte gibt; mal sehen, was es so zu verbessern gibt.

Von Taraluna:

Der erste Satz ist etwas abschreckend da er so lang und verschachtelt ist.


Ja, es freut mich immer wieder, wenn ich Leser mit langen Schachtelsätzen verschrecken kann. Allerdings haben wir es hier mit einem dermaßen harmlosen Exemplar zu tun, dass ich mich doch etwas wundern muss. Ich lese zur Zeit meinen Kindern vorm Schlafengehen die deutsche Version von Pinoccio vor - "Zäpfel Kerns Abenteuer" - ein Kinderbuch. Es ist erstaunlich, was die Kinder vor etwa 120 Jahren an Schachtelsätzen ertragen mussten - und - ertragen haben! Da kann es schon sein, dass es heutzutage ein harmloser Einstiegssatz schon mal als "Schachtelsatz" bezeichnet wird. So ändern sich halt die Zeiten. Alles immer weiter schön vereinfachen. Mundgerecht für den modernen Konsumenten...

Schröder erzählte, dass wenn er früher, in Kindertagen, nachts Furcht vor der Dunkelheit hatte, er einfach ins Bett des großen Bruders gesprungen sei. Das beruhigte ihn; denn Norbert hatte niemals Angst – erinnerte sich Schröder. Aber als er ihn in Oberhausen besuchte, sah er in den Augen des Bruders dieses unvorstellbare Grausen, eine Angst, die Norberts Gesicht trübte und sich im ganzen Raum verteilte. Nie, sagte mir Schröder, habe er einen verängstigteren Menschen gesehen, als seinen armen Bruder Norbert.


Bei der Stelle hab ich mich erst kurz gefragt warum das jetzt wichtig ist, dass Schröder als Kind zu seinem Bruder ins Bett krabbelte. Wenn der Satz "Nie, sagte mir Schröder, habe er einen verängstigteren Menschen gesehen, als seinen armen Bruder Norbert." Zuerst kommen würde, wirkt es meiner Meinung nach besser und verwirrt (zumindest mich) nicht.


Ich glaube du hast recht. Ich habe schon überlegt, ob ich den ganzen Absatz rausnehmen soll. Wenn es überhaupt keine Zusammenhänge gibt, dann werde ich ihn löschen.

Hier haben sich mir gleich mehrere Fragen gestellt. Warum hängt der Geist ausgerechnet an dem Hubschrauber der zwei Wochen später kommt? Oder war es einfach das erste mal seither das Norbert wieder im freien war und einen Hubschrauber sah. Warum hat ihn keiner rein gebracht wenn er wegen dem Hubschrauber plötzlich durchgedreht ist, er ist ja nicht sofort los gerannt.


Ich weiß nicht. Der Zusammenhang mit den Hubschrauber, dem Seil und der Wand hat mir einfach gefallen. Wo soll er sonst hängen? An einem Stapel Wäschetrockner?

Den Teil finde ich unrealistisch. Durch rennen eine dazu nötige Geschwindigkeit zu erreichen, ist kaum möglich. Vielleicht für einen Profiläufer, aber ein Bergsteiger ist das nicht unbedingt. (Sonst hätten meine Kinder das auch schon geschafft. Die rennen häufig mit vollem Karacho gegen Schilder und sonstiges. Schauen einfach nie nach vorne.


Sich den Schädel an einer Wand einzurennen, war früher eine ganz gängige Selbstmordmethode. Sogar für schwächliche Frauen und Männer. Das ist nicht unrealistisch. Ich setze übrigens meinen Kindern Stirnbänder mit angebauten Rückspiegeln auf. :XD:

Hallo Dadazinga!

Du scheinst es mit Semikolons zu haben, wenn en Punk viel besser wäre ;) Tatsächlich sind deine Sätze auch sehr verchachtelt, aber da du dafür sparsam mit Adjektiven und Attriuten bist, geht das. Es liest sich wie ein Theatrmonolog, der eigentlich von einem Schauspieler interpretiert werden müsste.


Ja, ich finde tatsächlich, dass das Semikolon als das alte Satzzeichen, das es nämlich ist, durchaus seine Berechtigung hat. Man hat es vermutlich entstehen lassen, um nicht ständig Absätze durch einen Punkt aus dem Zusammenhang zu reißen. Ich finde es teilweise schrecklich, wie inflationär heute Punkte eingesetzt werden. Die Sätze und Absätze werden zerhackt und zersägt, sie stocken und werden klumpig.

Wenn ich eine bestimmte Spannung aufbauen will, dann setzte ich Punkte. Und wenn der Spannungsbogen erreicht ist - dann höre ich damit auf und verlasse mich wieder öfter aufs Semikolon. Außerdem zeigt der Punkt das Ende vom Lied an und das Semikolon ist das Metronom, das anzeigt, dass der Song noch weiter geht. So viel zur Rhythmik eines Textes.

Ich kann einem Erzähler, der gern flüssig redet, nicht ständig diese beschissenen Punkte ins Getriebe werfen; er klingt sonst wie ein Idiot.

Nur aus Neugier, warum hast du dich für einen Erzähler entschiedenen, der erzählt, was ihm jemand über jemand Drittes erzählt hat? Also, warum nicht Schröder selbst erzählen lassen?


Eine gute Frage.
Es ist eine Herausforderung, finde ich - und die besteht darin, den Text trotz der verschachtelten Beziehungen der Protas, übersichtlich zu gestalten. Außerdem kommt dabei automatisch der Konjunktiv heraus und ich liebe die indirekte Rede! Direkte Rede kann jeder.


Grausen und ein getrübtes Gesicht wollen bei mir im Kopf nicht so ganz zusammen passen. Das eine verbinde ich mit entgleisten Gesichtszügen, das andere eher mit einem ausdrucksärmeren Gesicht, eben betrübt, oder apathisch. Mag vielleicht aber nur mir so gehen.


Ich glaub schon, dass permanente Angst einen blass und trübe werden lässt. Also eine gesunde Gesichtsfarbe behält man auf Dauer nicht...

soll ein Körper in besagtes Seil verheddert gehangen haben.



¨Soll ein Körper in einem Seil gehangen haben - volkommen verheddert.¨ Oder sogar ohne as verheddert. Dass da ein Körper hängt ist chon für sich ein starkes Bild.


Ich finde gerade diesen Satz hervorragend! Gerade den habe ich mir einige Male selbst vorgelesen und ihn mir auf der Zunge zergehen lassen! :)
Man sollte bescheiden sein und sich nicht selbst loben --- aber hier sage ich: dieser Satz ist mein Stolz in diesem Text und ich würde ihn nie, nie, nie verändern. :wink:

Armder Gestalt war so verrenkt, als hätte ihn jemand verkehrt herum an den Rumpf gesteckt, und der Kopf war zu allem Entsetzen Norberts Norberts Entsetzen völlig verdreht.


Hier hast du vollkommen recht. Das klingt aus deiner Feder besser. Das werde ich ändern, bei Gelegenheit.

schematisch




Überflüssig in wörtlicher Rede. Weiß auch nicht, wass der Erzähler mit schematisch meint.


Hab ich aus dem Synonymwörterbuch. Es beschreibt, dass der Kerl robotisch weitersteigt.

in Höhe der als solches bezeichneten Spinne



Überflüssig. Diese kleinen Erklärungen brauchst du nicht. Ich kann auch so folgen. Deine Geschichte ist bis dahin stark genug.


Das habe ich dem Rhythmus halber gemacht. Und weils schön klingt.

Schreie „Nicht von dieser Welt“ fahren lassen




Die Formulierung Schreie fahren lassen, ist mir nicht geläufig. Sagt man das so?


Du kennst nicht den Begriff Einen Schrei fahren lassen?

Das Letzte, was mir mein Bruder sagte, erzählte mir Schröder später, war, dass er nie etwas widerwärtigeres gesehen hätte, als die Art, wie das Biest, trotz seiner zahlreichen Knochenbrüche, an Norbert vorbei, in der Wand herumgekrochen und gebuckelt sei




Uiuiui, sehr schachtelig geraten. Vielleicht kannst du den Satz in mehrere aufteilen.


Niemals! Es lebe der Schachtelsatz! Ich will Herausforderungen liefern und keine glattgebügelten, albernen 13-Wort-Sätze... Die Schriftstellerei ist ein ernstzunehmendes Hobby voller Experimente und Herausforderungen. Es ist mir zu einfach, nur darauf zu achten, dass ja kein Satz zu lang wird. Da wird mir übel dabei.

Schief, krumm, röchelnd und ständig Blut und Sekret absondernd, ist das Ungeheuer gegen alle Regeln der Schwerkraft, und seiner verdrehten Knochen wegen knackend und knirschend umhergekrebst, und es soll dabei immer wieder außerirdisch gekreischt haben.




Sehr schön :) (Obwohl das sich etwas mit dem Bild des Fußgängers widerspricht)


Ja, da hast du eigentlich recht.

Ich danke euch beiden noch einmal für die hilfreichen Kommentare. Aber kommt mal aus eurer Schachtelsatz-Verschrockenheit raus. Lest Pinoccio und wundert euch. Lest Thomas Bernhard und quält euch, sonst wird das nichts mit dem schreiben.

Ich wünsche euch noch eine schöne Woche.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon rental » 15.07.2014, 03:09

Hallo Heribertpolta,

erstmal muss ich dir meinen Respekt dafür aussprechen, dass ich deinen Text, trotz der Schachtelsätze, sehr flüssig habe lesen können. Ich selbst, bei meiner eigenen Schreibe, bevorzuge eher kürzere und einfachere Sätze, lese aber auch gerne H.P. Lovecraft, C.A. Smith oder Robert E. Howard, die zum Teil ähnliche Sätze produzierten. Also ich kann mich den anderen Kommentatoren nicht anschliessen, was die Kritik an den verschachtelten Sätzen angeht.

Beim ersten Lesen gefiel mir deine Geschichte, doch beim zweiten und dritten Lesen gefiel sie mir noch besser. Ich habe trotzdem ein paar Stellen gefunden, nur Details, die ich gerne anmerken möchte, um neben dem Lob vielleicht auch etwas konstruktives beitragen zu können.

Der Einstiegssatz gefällt mir gut, er erzeugt direkt Spannung auf mehr.

Schon vor dem Klettergang, also unten am Fuße der Eigerwand, erzählte Schröder, habe sein Bruder mehrmals merkwürdige Rufe aus der Höhe her tönen hören; Rufe, die man, nach Norberts späteren Bericht, nicht hätte genau beschreiben können.

Das Wort "also" ist meiner Meinung nach hier nicht nötig, ich würde es rauslöschen.

Später konnte Schröder seinen Bruder nur noch antreffen, wenn er ihn in der Klapsmühle in Oberhausen besuchte.

Ich finde, das Wort "Klapsmühle" beisst sich irgendwie mit der restlichen Ausdrucksweise. Ich würde es mit einem Synonym wie Irrenhaus, Nervenheilanstalt oder Geschlossene Abteilung ersetzen. Wobei mir hier letzteres am besten gefallen würde.

Die Kleidung, in der der nach allem Anschein nach männliche Leichnam steckte, war angeblich nach der Bergsteiger-Mode der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts geschnitten, beteuerte Norbert später in Oberhausen.

Das "der der" stört mich hier gar nicht mal gross, aber über dreimal nacheinander "nach" bin ich drübergestolpert. Das erste "nach" kannst du sicher getrost auslassen, es wird da nicht gebraucht.

sagte mein Freund Schröder zu mir,

Kann man sicher drüber streiten, ich hätte da aber einen Punkt gesetzt.

Und damit nicht genug: Um den armen Norbert herum, der, nach eigener Aussage schon halb wahnsinnig geworden war vor Angst,

Kleiner Tippfehler, bei "wahnsinnig" hast du das "s" vergessen.

Ja, so wie ein Normalsterblicher alltäglich den Bürgersteig benutzt

soll dieses Ding nun wie ein Käfer über die Wand gekrabbelt sein

trotz seiner zahlreichen Knochenbrüche, an Norbert vorbei, in der Wand herumgekrochen und gebuckelt sei. Schief, krumm, röchelnd

Da stelle ich mir jeweils was anderes vor, also drei unterschiedliche Weisen, wie das Monstrum dort an der Felswand rumkrabbelt (oder was jetzt genau? :wink: ). Glaube, jemand hatte das auch schon so oder so ähnlich angemerkt gehabt. Will damit nicht sagen, dass du das ändern sollst, es ist aber auch mir aufgefallen.

dabei habe es Schreie „Nicht von dieser Welt“ fahren lassen.

einen Absatz später:
es soll dabei immer wieder außerirdisch gekreischt haben.

Finde, das ist eine Wiederholung, die eigentlich nicht nötig ist.

Norbert habe sich in Oberhausen, in der psychiatrischen Abteilung des Klinikums, weinend an seinem Bruder festgehalten und geklagt, dass er nichts weiter hatte mehr tun können, als sich in der Wand mit Kletterseilen festzubinden, sich festzuhaken; also sich in ihr mehr oder weniger festzukrallen.

Etwas viel "fest" :wink: Finde zweimal ginge noch, doch das dritte Mal störte es mich dann etwas.

Ein Mann aus Norditalien beschwor später, dass er eine weitere Person dort oben habe klettern sehen; allein alle anderen Augenzeugen berichteten, nur Norbert gesichtet zu haben

Wieso steht das Wort da? Ich finde, es passt dort nicht hin und ohne es würde der Satz ein Klitzekleinesbisschen runder klingen.

Norbert sei so heftig gegen die Begrenzung gelaufen, dass sein Schädel förmlich aufplatzte. Das Gehirn soll, nachdem Norberts Leib schon längst aufgeschlagen ist, noch Sekundenbruchteile an der Wand haften geblieben sein, bevor es herab rutschte.

Das klingt tatsächlich etwas unwahrscheinlich, aber wenn's möglich ist, wie du schreibst ... :D

Nochmal: Mir gefällt deine Geschichte ausgesprochen gut.

LG rental
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon Heribertpolta » 15.07.2014, 16:23

Hallo rental,

du hast mich hier wirklich auf einige Sachen aufmerksam gemacht, die ich komplett übersehen habe. Danke dafür. Normalerweise bin ich sehr, sehr streng mit mir, was das Korrigieren meiner Texte betrifft, aber hier habe ich wirklich einigen Stuss geschrieben, und den Stuss auch noch übersehen.

Sehr gut.

Danke!
Grüße,

Heribert Polta
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon Beast » 23.07.2015, 11:09

Hallo Heribert,
Deine Geschichte hat mir wirklich gut gefallen. Die komplexen Sätze und Dein Ansatz die Geschichte von jemandem erzählen zu lassen, der sie selbst von einem Freund erzählt bekam, welcher sich wiederum auf seinen Bruder und dessen Arzt berief, schaffen, für mich, eine dichte Atmosphäre und verleihen der Erzählung einen regelrechten Sog. Es könnte eine dieser Gruselgeschichten sein, die nachts am Lagerfeuer erzählt werden und die jemand, den man kennt, angeblich brühwarm erlebt hat... :wink:

Obwohl Deine Sätze virtuos geschliffen sind, hat die Geschichte, für mich, dennoch einen lakonischen Zug. Ein vermeintlicher Widerspruch, der mir aber beim Lesen viel Freude bereitet hat. Diese Art zu erzählen, macht die Story, in meinen Augen, zu einer richtigen "Männergeschichte".

Am packendsten und atmosphärisch unglaublich dicht, ist die Geschichte in der Beschreibung der unseligen Klettertour. Das ungute Gefühl, das einen schon bei den Rufen und dem alten Seil beschleicht... Dann die fürchterlich zugerichtete Leiche in der Wand. Zuerst denkt man vielleicht daran, daß ja tatsächlich immer mal wieder verunglückte Bergsteiger z.B. durch schmelzende Gletscher frei gegeben werden. Aber dann wird einem klar, daß es doch höchst unwahrscheinlich ist, dort in der Nordwand einen Toten an so prominenter Stelle zu finden. Und tatsächlich, das Grauen wird übernatürlich, der tote Leib bewegt sich.
Ich war hier ganz bei Norbert, fragte mich, was wohl weiter geschehen würde. Der Horror erfährt eine weitere Steigerung, als der Leichnam plötzlich verschwunden ist und man sicher sein kann, daß das kein gutes Zeichen ist.

Sehr gelungen fand ich diesen Teil der Beschreibung des erneuten Auftauchen des Monsters!
Das Letzte, was mir mein Bruder sagte, erzählte mir Schröder später, war, dass er nie etwas widerwärtigeres gesehen hätte, als die Art, wie das Biest, trotz seiner zahlreichen Knochenbrüche, an Norbert vorbei, in der Wand herumgekrochen und gebuckelt sei. Schief, krumm, röchelnd und ständig Blut und Sekret absondernd, ist das Ungeheuer gegen alle Regeln der Schwerkraft, und seiner verdrehten Knochen wegen knackend und knirschend umhergekrebst, und es soll dabei immer wieder außerirdisch gekreischt haben.

Ich wäre bei diesem Anblick wahrscheinlich aus der Wand gesprungen...
Leider steht dieser Gänsehaut verursachende Part in direktem Widerspruch zu der Beschreibung des "Fußgängers". Der ist zwar auch ein starkes Bild, aber er löst nicht dieses Grauen, des kriechenden Monsters, aus. Läßt man beide Beschreibungen im Text, widersprechen sie sich. Für sich allein ist der Kriecher stärker als der Fußgänger. Ich würde den Fußgänger darum herausnehmen.

Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie realistisch es heutzutage wohl ist, daß Norbert sich ganz allein in der Wand befindet. Sogar im Himalaja gibt es regelrechte Warteschlangen und regen Kletterverkehr. Müßten da nicht auch in der Nordwand ein paar mehr Leute unterwegs sein?
Aber wie gesagt, dieser Gedanke ist mir erst hinterher gekommen, beim Lesen störte mich der Alleingang nicht.

Was ich unfreiwillig komisch fand, war die Formulierung "Schreie fahren lassen". Möglich, daß das in Teilen des deutschen Sprachraums gebräuchlich ist, hier bei uns läßt man etwas anderes fahren... Die Vorstellung eines Untoten, der laut furzend sein Opfer umkreist, war schon etwas bizarr. :lol:
Hier würde ich wirklich überlegen, das Biest "Schreie ausstoßen" zu lassen. Denn neben der Assoziation mit fahrenden Winden, sagt die Formulierung "fahren lassen" für mich auch aus, daß einem etwas eher unfreiwillig entweicht.

Der Part in der Psychiatrie ist für mich noch ein wenig unrund.
Später konnte Schröder seinen Bruder nur noch antreffen, wenn er ihn in der Klapsmühle in Oberhausen besuchte.

Anfangs dachte ich, Norbert sei nun schon lange Jahre in Oberhausen. Später stellt sich heraus, daß er sich nur knapp zwei Wochen dort befand.

Der Hubschrauber als Auslöser für Norberts Suizid erscheint mir etwas zu sehr als Mittel zum Zweck. Er verfestigt zudem die Lesart der Geschichte, daß Norbert tatsächlich einen psychotischen Schub hatte und sich die Geschehnisse in der Wand nur eingebildet hat. Bis dahin ist ebenso eine Deutung als Spuk möglich, gerade auch durch den Augenzeugen, der als einziger eine zweite Person bei Norbert gesehen haben will.

Das Norbert am Ende erneut von dem "Bergkameraden" heimgesucht wird und sich daraufhin tötet, ist ein stimmiges Ende - aber vielleicht läßt sich das noch atmosphärischer und doppeldeutiger gestalten?

Norbert sei so heftig gegen die Begrenzung gelaufen, dass sein Schädel förmlich aufplatzte. Das Gehirn soll, nachdem Norberts Leib schon längst aufgeschlagen ist, noch Sekundenbruchteile an der Wand haften geblieben sein, bevor es herab rutschte.

Das fand ich leider komplett unglaubwürdig!
Es steht natürlich außer Frage, daß man sich töten kann, indem man, "Volldampf voraus" gegen eine Wand läuft. Man wird sich dabei auch sicher offene Kopfverletzungen zuziehen. Aber never ever platzt dabei der Schädel derart, daß das Hirn danach an der Wand klebt...
So gesehen, ist der Schluß der schwächste Part der Geschichte, was ich sehr schade finde.
Vielleicht magst Du da noch mal dran feilen? Der Rest ist nämlich eine großartige Spukgeschichte!
Etwas Besseres als den Tod findest Du überall.
Beast
 
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Re: Schröders Bruder und die Nordwand

Beitragvon Heribertpolta » 23.07.2015, 20:29

Hallo Beast,

ich hätte ja nie gedacht, dass sich noch einmal jemand über diese Geschichte hermacht! Ich habe gerade in meine Benachrichtigungen gesehen und da dein Kommentar so schlüssig ist, möchte ich auch gleich antworten.

Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie realistisch es heutzutage wohl ist, daß Norbert sich ganz allein in der Wand befindet. Sogar im Himalaja gibt es regelrechte Warteschlangen und regen Kletterverkehr. Müßten da nicht auch in der Nordwand ein paar mehr Leute unterwegs sein?
Aber wie gesagt, dieser Gedanke ist mir erst hinterher gekommen, beim Lesen störte mich der Alleingang nicht.


Siehst du, das wäre mir so schnell nicht aufgefallen. Tatsächlich habe ich letztens gelesen, dass neuerdings immer mehr Solo-Alpinisten unterwegs sein sollen. Aber das war, nachdem ich den Text geschrieben habe. Die Wahrheit ist, dass ich hier beschissen recherchiert habe. Nie hätte ich den Prota allein schicken sollen/können. Ein ganz schön fehlerhafter Text von mir...

So, und nun möchte ich dir zeigen, warum ich jetzt am Abend, jetzt an Feierabend, nicht mehr damit gerechnet habe, einen solchen Lachanfall zu bekommen:

Die Vorstellung eines Untoten, der laut furzend sein Opfer umkreist, war schon etwas bizarr. :lol:


Hier konnte ich nicht mehr...
Leider bin ich dazu verdammt, mir solche Dinge gleich bildlich vorzustellen, und was dann darauf folgt, ist ein schreckliches Gefeixe, begleitet von asthmatischem Lungenpfeifen. Meine Frau, die gerade hinter mir auf der Couch sitzt, schüttelt bei sowas nur den Kopf. Ich versuche ja, nicht zu lachen, allein es gelingt mir nicht.

Das fand ich leider komplett unglaubwürdig!
Es steht natürlich außer Frage, daß man sich töten kann, indem man, "Volldampf voraus" gegen eine Wand läuft. Man wird sich dabei auch sicher offene Kopfverletzungen zuziehen. Aber never ever platzt dabei der Schädel derart, daß das Hirn danach an der Wand klebt...


Hier hast du natürlich recht. Auch die anderen haben den Teil schon bemängelt, - und was solls, stimmt ja auch.

Soll ich mich wirklich noch einmal an diese Geschichte wagen? Es ist alles so lange her und sie ist schrecklich reparaturbedürftig...

Vielen Dank für deinen Kommentar und vor allem für den schmerzhaften Lachanfall!
Grüße,

Heribert Polta
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