[Liebe]Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Beitragvon wayne » 06.01.2014, 19:54

Wenn man die beiden Menschen dort unten anschaut, fragt man sich, warum sie so nah und doch so fern sind.

Sie schaut ihn an und fragt sich, wie wohl diese Lippen schmecken. Genau in dem Moment, wo er den Blick hebt, senkt sie ihren. Er fragt sich, wie sich ihre Haut wohl anfühlen mag. Beide reden aneinander vorbei, obwohl die Gedanken dieselben sind. Beide reden sich ein, was sie sagen und doch wissen sie, dass sie nicht richtig zuhören.
Sie sagt, dass er ein Idiot ist, wenn er seine Freundin verlässt. Im Kopf schwirrt ihr nur der Gedanke, was wäre wenn.
Er schaut sie an, sagt, ich weiß. Auch wenn er gerne sagen würde, ich liebe aber dich.
Seine Mutter ruft an, er geht mit einem Hallo dran. Ihre Mutter ruft an, sie geht mit einem Merhaba dran.
Er würde gerne über ihre braunen Haare streichen, sie ihm über seine blonden.
Er würde sich gerne in ihren tiefbraunen Augen verlieren und sie gerne in seinen grünen.
Sie sagt, dass sie gehen muss. Er sagt, dass es okay wäre. Auch wenn er gerne mehr Zeit mit ihr gehabt hätte.
Sie merken erst jetzt, dass sie kaum den Kaffee leer getrunken haben. Sie will zahlen, er jedoch erklärt ihr, dass er nie wieder mit ihr ausgehen würde, wenn sie das nicht als Einladung sieht. Sie stimmt widerwillig zu. Was für ein Gentleman.
Sie umarmen sich, er sagt danke, sie sagt danke. Am Ende weiß keiner, wofür sie sich bedankt haben. Sie drehen sich den Rücken zu und entfernen sich. Die Entfernung wird stärker, doch der Gedanke an den jeweils anderen steigt.
Wie er wohl schmeckt? Wie sie wohl riecht? Wie er sich wohl anfühlt? Wie weich ihre Haare wohl sind?
Sie ruft ihn an, fragt ihn, wo er sei. Er sei in fünf Minuten zu Hause. ich komm zu dir.
Er öffnet die Türe und sie schaut ihn an. Keiner sagt was, beide haben Angst vorm Gesagten.
Sie legt ihm die Hände um den Nacken, er eine um ihre Taille, mit der anderen umfasst er ihr Kinn. Er zieht sie nah sich ran, hebt ihren Kopf und beugt sich vor. Kein klarer Gedanke mehr zu finden. Bei keinem von beiden.
Sie küssen sich, ein sehr langer intensiver Kuss. Für beide bleibt die Zeit stehen. Keinen interessieren mehr die Tabus. Ihre Ungleichheit. Ihre Unterschiede. Sie sind nur noch zwei Menschen, die sich lieben.
Aus dem Kuss wird Leidenschaft, brennende Leidenschaft. Sie zieht ihm das T-Shirt aus, er ihre Jacke, bis beide sich endlich die Fragen beantworten können, die sie sich selbst immer zu gestellt haben.
Er trägt sie auf sein Bett, legt sie langsam drauf, er legt sich auf sie, bis sie eins sind. Sie sind nicht mehr er und sie, sie sind eine Liebe. Eins.

Sie müssen sich trennen. Sie zieht sich wortlos an, er zieht sich wortlos an. Keiner sagt was keiner denkt was. Jeder wünscht sich nur ein: Toleranz, Akzeptanz, Integration, Liebe.
... denk dran, dass jeder Tag eine Möglichkeit ist, die Welt zu verändern.
wayne
 
Beiträge: 50
Registriert: 18.12.2012, 17:10

Re: Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Beitragvon tajmahal » 08.01.2014, 16:40

Hallo, Wayne,

nach langer Zeit wieder einmal einige Texte von dir. Du hast das Schreiben nicht verlernt. Ich habe nur einige Kleinigkeiten, die man vielleicht verbessern könnte.

wayne hat geschrieben:Wenn man die beiden Menschen dort unten anschaut, fragt man sich, warum sie so nah und doch so fern sind.


Mit diesem Satz fängst du an und gibst dem Leser schon eine kleine Zusammenfassung für das, was noch folgen wird, eine Spannung aus Nähe und Ferne. Das finde ich gut. Unklar bleibt, wer dort schaut, aber es ist vermutlich der Erzähler, jedenfalls jemand, der sich das Geschehen (von oben) betrachtet.

wayne hat geschrieben:Sie schaut ihn an und fragt sich, wie wohl diese Lippen schmecken.


Hier stört mich etwas die Wortwiederholung mit dem ersten Satz, das zweifache 'Anschauen'. Vielleicht sollte man einfach ein anderes Wort wählen, zb. 'Sie sieht ihn an.. '

wayne hat geschrieben:Sie sagt, dass er ein Idiot ist, wenn er seine Freundin verlässt. Im Kopf schwirrt ihr nur der Gedanke, was wäre wenn.


Hier sollte man, streng genommen, den Konjunktiv wählen: "Sie sagt, dass er ein Idiot wäre, wenn er seine Freundin verlassen würde", denn er hat diese Freundin ja noch nicht (ganz) verlassen.
Sehr gut finde ich, dass du die gemischten Gefühle von ihr beschreibst: einerseits will sie ihm einen guten Rat geben, andererseits will sie, dass er sich von der Anderen trennt.

wayne hat geschrieben:Er schaut sie an, sagt, ich weiß. Auch wenn er gerne sagen würde, ich liebe aber dich.
Seine Mutter ruft an, er geht mit einem Hallo dran. Ihre Mutter ruft an, sie geht mit einem Merhaba dran.
Er würde gerne über ihre braunen Haare streichen, sie ihm über seine blonden.
Er würde sich gerne in ihren tiefbraunen Augen verlieren und sie gerne in seinen grünen.


Hier beschreibst du - wie oft in deiner Geschichte - die ähnlichen Gefühle der beiden, zugleich ihre Scheu, darüber zu sprechen. Man kann es gut nachfühlen.

wayne hat geschrieben:Sie merken erst jetzt, dass sie kaum den Kaffee leer getrunken haben. Sie will zahlen, er jedoch erklärt ihr, dass er nie wieder mit ihr ausgehen würde, wenn sie das nicht als Einladung sieht. Sie stimmt widerwillig zu. Was für ein Gentleman.


Auch hier gibt es nur eine Kleinigkeit: "sie stimmt widerwillig zu" gefällt mir nicht optimal, denn sie hat ja keinen Widerwillen, sondern findet es eigentlich gut ("Gentleman"). Wie wäre es mit "widerstrebend", also: "Sie stimmt widerstrebend zu"?

wayne hat geschrieben:Er öffnet die Türe und sie schaut ihn an. Keiner sagt was, beide haben Angst vorm Gesagten.


Gefällt mir gut. Einerseits hast du es ganz neutral formuliert, andererseits kann man es auch hier nachfühlen.

wayne hat geschrieben:Kein klarer Gedanke mehr zu finden. Bei keinem von beiden.


Die beiden kommen sich näher, die Herzen klopfen und du änderst deinen Schreibstil. Er wird schneller. Das passt gut zu der Situation!

wayne hat geschrieben:Er trägt sie auf sein Bett, legt sie langsam drauf, er legt sich auf sie, bis sie eins sind. Sie sind nicht mehr er und sie, sie sind eine Liebe. Eins.


Die Wortwiederholung könnte man vielleicht vermeiden: "Er trägt sie auf ein Bett, legt sich langsam auf sie, bis sie eins sind".

wayne hat geschrieben:Keiner sagt was keiner denkt was


Hier fehlt ein Komma: "Keiner sagt was, keiner denkt was".

wayne hat geschrieben: Jeder wünscht sich nur ein: Toleranz, Akzeptanz, Integration, Liebe.


Du meinst wahrscheinlich "Jeder wünscht sich nur eines:..." Da dann aber vier Wörter folgen, sollte man "ein" oder "eines" weglassen. Also: "Jeder wünscht sich nur Toleranz, Akzeptanz, Integration, Liebe".

Fazit: ich finde, du hast die suchenden Gefühle der beiden gut beschrieben. Alles im Präsens, das wirkt authentisch. Es ist ein sachlicher Ton. Die Romantik fehlt zwar ein wenig, aber das hat mich nicht gestört. Liebe Grüße, Tajmahal
tajmahal
 
Beiträge: 568
Registriert: 29.08.2012, 23:54
Blog: Blog ansehen (22)

Re: Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Beitragvon Andalie » 11.01.2014, 14:15

Hallo,
ich möchte mich gerne an meinem ersten Kommentar wagen.

Ich finde, in deiner Geschichte kommen die Emotionen sehr gut zum Ausdruck. Obwohl ich nichts von den Protas weiss, fühle ich mich gleich in ihre Geschichte hinein versetzt und kann ihre Verzweifelung spüren.

wayne hat geschrieben:Beide reden sich ein, was sie sagen und doch wissen sie, dass sie nicht richtig zuhören.

Diesen Satz fand ich etwas schwierig zu verstehen und musste ihn zweimal lesen.

wayne hat geschrieben:Im Kopf schwirrt ihr nur der Gedanke, was wäre wenn.

Hier spürt man sehr schön die gemischten Gefühle, allerdings vom Klang her hört es sich für mich etwas komisch an. Evtl das "Ihr" weglassen oder "In ihrem Kopf schwirrt nur der Gedanke..."

wayne hat geschrieben:Seine Mutter ruft an, er geht mit einem Hallo dran. Ihre Mutter ruft an, sie geht mit einem Merhaba dran.
Er würde gerne über ihre braunen Haare streichen, sie ihm über seine blonden.
Er würde sich gerne in ihren tiefbraunen Augen verlieren und sie gerne in seinen grünen.

Du hast sehr gut das Problem der beiden zum Ausdruck gebracht, ohne viel zu erklären. Gefällt mir.

wayne hat geschrieben:Sie stimmt widerwillig zu. Was für ein Gentleman.

Ich bin der gleichen Meinung wie tajmahal, "widerstrebend" würde mir besser gefallen.

wayne hat geschrieben:Sie küssen sich, ein sehr langer intensiver Kuss. Für beide bleibt die Zeit stehen. Keinen interessieren mehr die Tabus. Ihre Ungleichheit. Ihre Unterschiede. Sie sind nur noch zwei Menschen, die sich lieben.

Auch hier wieder toll die Gefühle zum Ausdruck gebracht.

wayne hat geschrieben:Sie zieht sich wortlos an, er zieht sich wortlos an. Keiner sagt was keiner denkt was.

Durch die Wortwiederholung ist hier sehr gut zum Ausdruck gekommen, dass sie wieder getrennt sind, nicht mehr eins, obwohl sie gleich empfinden.

wayne hat geschrieben:Jeder wünscht sich nur ein: Toleranz, Akzeptanz, Integration, Liebe.

Hier schliesse ich mich wieder an und finde das "ein" störend.

Liebe Grüße
Andalie
Andalie
 
Beiträge: 10
Registriert: 10.01.2014, 23:17

Re: Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Beitragvon wayne » 26.01.2014, 16:05

Hey,

Ich danke euch beiden für eure Kritik.
Es freut mich zu hören, dass ihr meine Geschichte doch verstanden habt. Ich hatte ANgst, dass man mich fragt was ich damit eigentlich sagen will^^ :)

Lg Wayne
... denk dran, dass jeder Tag eine Möglichkeit ist, die Welt zu verändern.
wayne
 
Beiträge: 50
Registriert: 18.12.2012, 17:10

Re: Schwarz und Weiß, Luft und Erde, Eins und Zwei

Beitragvon Coprophage » 15.06.2014, 02:02

Hallo wayne,

mir gefällt Deine Geschichte, aber nicht ihr Ende.
wayne hat geschrieben:Seine Mutter ruft an, er geht mit einem Hallo dran. Ihre Mutter ruft an, sie geht mit einem Merhaba dran.
Die vorherigen Sätze sind kurz und effizient, hier bekommt man den Eindruck, Du möchtest es genau betonen. Vielleicht eher: Seine Mutter ruft an, sagt ''Hallo''. Ihre Mutter ruft an, sagt ''Merhaba''.
wayne hat geschrieben:Die Entfernung wird stärker, doch der Gedanke an den jeweils anderen steigt.
Die Entfernung wird größer, doch der Gedanke an den anderen immer stärker.Wirkt als hättest Du die Adjektive vertauscht. Das jeweils ist entbehrlich.
wayne hat geschrieben:Aus dem Kuss wird Leidenschaft, brennende Leidenschaft.
Der Satz ist sehr verbraucht. Vielleicht eher: Es war nicht nur ein Kuss. Oder einfach weglassen. Die Schilderungen vor diesem Satz sind mitreißend, bildhaft und erzeugen Atmosphäre. Beim Sex wirst Du plötzlich sehr sachlich. Fast mathematisch: Er+Sie = 1x Liebe = 1
wayne hat geschrieben:Sie müssen sich trennen. Sie zieht sich wortlos an, er zieht sich wortlos an. Keiner sagt was keiner denkt was. Jeder wünscht sich nur ein: Toleranz, Akzeptanz, Integration, Liebe.
Der letzte Absatz passt in meinen Augen nicht. Keine Worte - in Ordnung. Keine Gedanken? Was ist passiert? Ist es nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben? Fühlen sie sich jetzt leer? Das werte die Liebe der beiden ab oder hinterlässt zumindest den Eindruck.
Der letzte Satz (Wünsche sind demnach keine Gedanken) reißt einen aus der Geschichte raus und präsentiert die Aussage wie ein Werbespot für Toleranz! Akzeptanz! Integration! Liebe!
Für mich vier unterschiedliche Begriffe. Toleranz ist ein derzeit sehr verbrauchtes Wort. Beschreibt eigentlich nur das Dulden oder Gewähren. Aber aus einer höher gestellten Position. Akzeptanz wird oft und vor allem in diesem Zusammenhang mit Toleranz gleichgesetzt. Darunter wird auch eine Art praktizierte Toleranz verstanden. Integration stellt etwas dar, dem Toleranz und Akzeptanz wahrscheinlich vorausgegangen sind. Liebe ist wieder etwas ganz anderes. Aber in diesem Zusammenhang wirkt es wie eine Einkaufsliste: Toleranz (abgehakt!), Akzeptanz (abgehakt!), Integration (abgehakt!), Liebe (abgehakt!). Eine Einkaufsliste, die aufzeigt welche Instanzen Deine Geschichte abgearbeitet hat. Das ist auf keinen Fall Deine Intention gewesen.
Du könntest einen letzten Satz ans Ende stellen, sie denken beispielsweise daran, wie tolerant all die Menschen sind, die immer behaupten tolerant zu sein und das Umfeld der beiden bilden.
Es könnte auch damit enden, dass beide nur denken: Wie?
Oder sie wünschen sich nur, dass ihnen das niemand kaputt macht.

Bei dem von mir geschrieben Text ist nicht so richtig deutlich geworden, dass mir Deine Geschichte gefallen hat - hat sie aber! Nur das Ende wurmt mich.

Liebe Grüße,
Coprophage
Coprophage
 
Beiträge: 98
Registriert: 03.03.2013, 22:20


Zurück zu Romanzen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste