Schweizerdeutsche Ausdrücke

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Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon Nion » 25.03.2011, 16:32

An die Schweizer unter uns,

ich bin auf der Suche nach ein paar netten, (allgemein) verständlichen aber doch typischen schweizerdeutschen Ausdrücken. Zum Hintergrund: In meiner Geschichte tauchen zwei Schweizer auf (kleine Nebenrolle), die im Umgang mit ihren deutschen Freunden jedoch hochdeutsch sprechen. Ich würde ihren Schweizer Ursprung jedoch gern in der ein oder anderen Dialogzeile durchklingen lassen. Nicht mit der Holzhammer-Methode, also kein "Grüezi"; ich vermute, solche Grußformeln gewöhnt man sich als aller erstes um, wenn man sich in einem anderen Land aufhält. Aber vielleicht gibt es ja doch einen weniger prominenten Ausdruck, den ich ihnen unterschieben könnte - vielleicht fällt Euch ein Ausdruck ein, den Schweizer relativ oft im lockeren Umgang mit anderen fallenlassen?

Ich freu mich über jeden Vorschlag. Schon jetzt vielen Dank dafür und liebe Grüße,

Nion
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Re: Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon Bernar LeSton » 25.03.2011, 16:54

Servus Nion,

wie wäre es mit "ebä"?


Einen immerwährenden Quell wunderbarer Einlassungen wünschen, Bernd
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Re: Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon claire-de-lune » 25.03.2011, 17:04

Hallo,

ich glaube, die sagen oft "schlussendlich". Sonst google Dir mal ein Interview mit dem Ex-Schiri Urs Maier (Meier?). Klingt lustig.

LG
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Re: Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon anby77 » 25.03.2011, 17:41

Hallo Nion,

Sehr typisch ist das schweizer "oddr?" am Satzende. Das wird wie das Englische "isn't it?" verwendet.
Dann gibt es so ein paar Sachen, bei denen Schweizern das Hochdeutsche Wort nicht unbedingt sofort einfällt. Zum Beispiel werden Schweizer recht lange "Velo" sagen, wenn sie ein Fahrrad meinen. Dann parken Schweizer ihre Autos nicht, sie "parkieren" ihre Autos. Auch wird ein Schweizer morgens niemals "Müsli" essen sondern "Müesli" (Müsli, wie wir es aussprechen, bedeutet im Schweizerischen "Mäuslein" wohingegen Müesli eine kleine Portion "Ge- oder Zermustes" ist). "Schümli" für den Morgenkaffeewürden sich Schweizer aber schnell abgewöhnen, weil es das hier nur selten gibt; Schümli ist ein schwarzer Kaffee mit Crema und ohne Milch, aber auch kein Espresso, also eine echte Schweizer Besonderheit. Das Croissant, das es bei uns zu dem Kaffee gibt, heißt in der Schweiz "Gipfel" oder auch "Gipfeli"
Abends könnten Schweizer ihre Freunde auf einen "Apéro", das ist ein Umtrunk könnte auch eine Apéritif vor dem Essen sein. Wenn es edel zu geht, werden "Cüpli" serviert (Champagner). Beim Essen wird der Deutsche etwas verwundert gucken, wenn "Thon" mit "Peperoni" (Thunfisch mit Paprika) oder "Güggeli" (Hühnchen) mit Teigwaren (Nudeln) serviert wird. Noch verwunderter guckt der Deutsche, wenn der Schweizer anfängt, von seiner (gesprochen) "Nazi" zu schwärmen. Dahinter steckt jedoch keine Partei, die mit brauner Farbe assoziiert wird, sondern einfach die Schweizer Nationaléquipe, btw. -mannschaft.
Und wenn der Abend sehr feucht-fröhlich war kotzt der Schweizer nicht auf einen Gehweg sondern auf ein "Trottoir"; da ist er allerdings nicht alleine, das wird in einigen Regionen des bundesdeutschen Südwestaates genauso gehandhabt. Nicht jedoch, dass er, wenn er denn erwischt wird, für die "Umtriebe" (den Aufwand) des "Abwartes" (Hausmeisters) bezahlen muss, auf dessen Gehweg er sich den Alkohol ein zweites Mal hat durch den Kopf gehen lassen.

Mehr fällt mir so aus dem Stegreif nicht ein, aber Du kannst ja mal wikipedia nach "Helvetismus" befragen. Da bekommst Du eine ganze Menge Beispiele für Schweizerische Wendungen, die es im "Bundesdeutschen" nicht gibt (die Schweizer unterscheiden zwischen Dialekt (also Bärndütsch, Züridütsch...) "Hochdeutsch" (Das was im Schweizer Radio oder Fernsehen gesprochen wird und nördlich des Rheins "Schwyzerdütsch" genannt wird) und "Bundes(republikanisches)deutsch" also unserem Hochdeutsch; allerdings haben die meisten Schweizer auch da einen leicht allemannischen/südbadischen Zungenschlag drin; wobei allerdings zwischen Letzteren nicht immer so klar getrennt wird).

Gruß

Anby, der in der Zeit, die er für die Antwort gebraucht hat, locker in die Schweiz und wieder zurück hätte laufen können...
Für die Toten Wein, für die Lebenden Wasser; das ist eine Vorschrift für Fische. (Martin Luther, Reformator)
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Re: Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon Tikita » 25.03.2011, 22:16

Hi :)

Also, ich bin Schweizerin, wohnhaft zur Zeit jedoch in Bonn.

Worüber bei mir oft geschmunzelt wird, ist das *Nastuch*, womit ich ein Taschentuch meine.
Velo und Trottoire sind bei mir immernoch sehr verankert.
Was mir im Zusammenhang mit Kindern einfällt, die 2rädrigen Fahrräder werden hierzulande Laufrad genannt, wir Schweizer sagen i.d. R. jedoch LikeaBike (Leikerbeik) ausgesprochen, was die gängige Firma der Räder ist.

Was mir zu Beginn seehr schwer viel, waren die schweizer Rituale.

Also wenn ich Zuhause Brötchen beim Bäcker einkaufe, lauft das etwa so ab:

Bedienung; Wer ist drann?
Die Kunden sehen sich lächelnd an und meist wird auf einen gezeigt der am längsten wartet, ist jemand da der es offenbar eilig hat, wird er gerne vorgelassen. Nachdem die Frage geklärt ist:
Bedienung: Was hätten sie gerne?
Kunde: Zwei Gipfeli.
Bedienung holt zwei Gipfeli und packt sie ein.
Bedienung: Darf es noch etwas sein?
Kunde: Ja, 3 Mohnbrötchen bitte.
Bedienung: In dieselbe Tüte?
Kunde: Ja gerne.
Bedieunung: Haben sie noch einen Wunsch?
Kunde: Nein Danke, das wär alles.
Bedieungung: Das macht dann 3.20.-
Kunde reicht eine Zehner Note rüber
Kunde: Tut mir leid, habs nicht kleiner.
Bedienung: Keine Ursache, einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch
Kunde: Danke, ihnen auch.
Kunde lächelt alle freundlich an und verabschiedet sich.

Hier in DE fühlte ich mich zu beginn seeehr....unwillkommen...empfand alle als sehr unfreundlich weil mir einfach die Rituale fehlten....das ist auch heute, nach über nem Jahr, noch so......Schweizer lächeln oft, sind sehr auf Höflichkeit bedacht und stets Respektvoll.

Das mit dem oder find ich gut, das ist wirklich so...wird oft einfach als Floskel ans Satzende gesetzt.

Was mir auch noch einfällt, wir sagen nicht *Schemie* sondern Chemie..... die Strassenbahn nennen wir Tram, Uhbahnen an sich gibts nicht. Ein Bus, mehrere Busse....in der Schweiz ist es ein Bus, mehrere Büss :XD: manchmal klingen unsere Sätze komisch, da wir einen etwas anderen aufbau haben da uns in der Sprache der Genitiv fehlt...

Ich nenne den Hahn meist Gockel, da wir Schweizer ihn *Güggel* nennen...zur Ziege sage ich i.d.R. Geiss, weil das hier der übliche Begriff ist.

Hm...es gibt bestimmt noch tausende kleine Dinge die uns ausmachen....aber mir fällt gerade nicht mehr ein 8)
Jeden Morgen entscheide ich, wer ich den Rest meines Lebens sein möchte.
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Re: Schweizerdeutsche Ausdrücke

Beitragvon Nion » 25.03.2011, 23:05

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten. Ich habe ja auch ein paar Schweizer Freunde, und Ausdrücke wie parkieren / grillieren / Müesli / Merci sind mir beim Überlegen auch gekommen. Müesli eignet sich nicht so gut, weil man es auch für einen Tippfehler halten könnte (und ich keine Frühstücksszene drin habe ^^). Parkieren / grillieren - ja wenn ich es irgendwie unterbrächte. Auch das Velo werde ich leider, leider nicht verwenden können - das wäre in der Tat ein perfektes Wort gewesen.
Aber solche "kleinen Wörter" bzw. typischen Wendungen sind genau das, was ich gesucht habe, und da hattet ihr ja auch ein paar im Angebot. :D

"Ebä" ist gut, "oddr" fast noch besser, vielen Dank dafür! Der gehäufte Einsatz von "schlussendlich" ist mir ehrlich gesagt nicht aufgefallen - ist das vielleicht regionsspezifisch?
Das "Nastuch" gefällt mir, mal sehen, ob ich wenigstens das (wenn schon keinen Straßenverkehr) irgendwo unterbringe.
"Sch" vs. "Ch" ist wiederum schwierig. Zum einen ist das nicht unbedingt schweizerisch, könnte auch bayrisch sein. Zum anderen lässt sich Aussprache nur schwer oder umständlich beschreiben.

Also, nochmal vielen Dank zusammen! Und liebe Grüße, Nion

EDIT: @anby

anby77 hat geschrieben:Anby, der in der Zeit, die er für die Antwort gebraucht hat, locker in die Schweiz und wieder zurück hätte laufen können...

Ehrlich? Und ich dachte immer, tippen geht bei Dir schneller als reden. ;) Also entweder wohnst Du SEHR nah an der Grenze, oder aber Du hast so ein Zeitglas. ^^
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