[Liebe] Seepromenade

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe] Seepromenade

Beitragvon CraX » 11.09.2014, 01:21

Meine Schwester hat gemeint, es wäre romantisch, ich würde da wiedersprechen, tatsächlich wusste ich aber nicht, in welche Sparte ich dies hier stellen könnte, aber es geht immerhin um Beziehung, aber eigentlich ging es nur um einen Gag, denn nach einer Diskussion über Kurz- und Schachtelsätze hatte ich mir gedacht, probiere doch mal eine einzige Story, die eine einzige Szene beschreibt, in einem einzigen Satz unterzubringen, deshalb bitte ich nicht, den Schachtelsatz an sich zu kritisieren, sondern lediglich seine Fehler aufzudecken und sich daüber zu amüsieren!
neu überarbeitete Version vom 12.10.14

:groggy:



Seepromenade

Von der gegenüberliegenden Halbinsel kommend, die vollständig von der Raffinerie in Beschlag genommen wurde, deren dunkelgelbe Feuer und Lichter sich im nächtlichen Meer spiegelten, über die davor liegenden Tanker hinweg, streifte eine leichte Briese quer über das Hafengewässer von Milazzo, vorbei an den wetterfest verpackten Segelschiffen, die sich an den weißen Jachten stießen, trug sich hinauf auf die Seepromenade, auf der junge Paare Hand in Hand flanierten, zwischen streunenden Hunden und Männern, die rauchend und gestikulierend beieinander standen, wehte hinein in die ausladende Terrasse des Restaurants, verfing sich dort in Sabrinas langen und offenen Locken, ließ die braungoldene Haarpracht wolkengleich aufsteigen, legte dabei eine wellige Strähne schräg über ihr Antlitz, und verlieh dieser Frau, die soeben von ihrem Stuhl aufgesprungen war und alle fünf Finger ihrer rechten Hand sternförmig abspreizte, gleichzeitig leicht schwankend im Begriff war, in Anbetracht des Ringens mit ihrer Fassung sogleich auf den Stuhl zurück zu fallen, den sie soeben verlassen hatte, das Aussehen einer verstört Entrückten, was noch verstärkt wurde durch den leuchtend rot geschminkten Mund – die Winkel nach unten gezogen und die Grübchen zu feinen Falten gestreckt – der keine Worte mehr fand und stattdessen leicht zu zittern begann, während unter den dicht bewachsenen, gleichsam wie Gewitterwolken herabgesenkten Brauen zwischen betonten, pechschwarzen Wimpern, die sich in aller Bitternis zu schmalen Schlitzen zusammengezogenen hatten, die Lichter der Terrassenbeleuchtung in der sich bildende Tränennässe spiegelten, wie keimende Feuer in ihrem dunklen Blick glühten und den ihr gegenüber sitzenden Mann in einer Mischung aus Fassungslosigkeit und glühendem Zorn anfunkelten, jenen Mann, mit dem sie ihre besten Jahre verbracht hatte, mit dem sie sich gerade noch relativ vernünftig, wenn auch unter zunehmender Lautstärke unterhalten hatte, der sie in eben jenes Restaurant geführt hatte, in welchem Sabrina vor fünf Jahren an einem warmen Spätsommerabend ihn als den hübschen, netten jungen Maurizio aus der Bank kennen gelernt hatte, diesen ihr mittlerweile angetrauten Ehemann, der mit ihr heute den Jahrestag darüber zu feiern gedachte und über den bevorstehenden Urlaub und die weitere Zukunft plaudern wollte, Sabrina aber dann zu seinem Leidwesen zur Sprache gebracht hatte, dass er einstmals von Kindern geredet hatte – mindestens fünf hätte er sich gewünscht – mehr noch als sie selbst –, sich seit ihres Zusammenseins jedoch auffällig mürrisch gegenüber Kindern in seiner Nähe verhielte und Sabrina das gemeinsame Vorhaben immer weiter in die Zukunft verschoben sah, bis ihr allmählich klar geworden war, dass sie niemals eine Familie mit diesem Mann haben würde und aus diesem Grund beschlossen hatte, die Verhütungsmaßnahmen ohne sein Wissen einzustellen, sie aber dennoch nicht schwanger wurde und ihm dies soeben gleichermaßen gestanden als auch zum Vorwurf gemacht hatte, ihren Ohren jedoch nicht traute, als er ihr entgegnete, dass er gewissermaßen als vorausahnenden Gegenzug bereits Wochen vor ihrer Hochzeit, als er zu diesem angeblichen Fortbildungskurs nach Rom gereist war, sich in Wahrheit hatte sterilisieren lassen, und nun, als Folge ihrer Reaktion auf diese Offenbarung auf seine linke Hand starrte, die flach auf dem Tisch lag, und die er nicht zurückgezogen hatte, weil er die Geste seiner Frau als leere Drohung missverstanden und sie noch überlegen angelächelt hatte, nun aber auf den Schmerz wartete, der sich jeden Moment bemerkbar machen würde, verursacht durch das spitze Messer, das eigentlich zum Zerlegen der Seezunge gedacht war, die kurz zuvor noch zusammen mit kleinen Kartoffeln und einer dezenten Gemüseauswahl in zweifacher Ausfertigung serviert worden war, jetzt jedoch seine Hand auf den Tisch genagelt hatte, während sein ungläubiger Blick zu Sabrinas Kleid wanderte – jenes mit den unzähligen roten Herzen auf weißem Untergrund und dass er so an ihr liebte – und welches in diesem Moment, aufgewühlt durch die Seebriese, wie eine Fahne flatterte und die Herzen mit sich trug, zusammen mit dem wahren und einzigem Herzen seiner Frau, die sich, so ahnte er nun, sogleich umdrehen und ihn hier bis zum Ende aller Tage sitzen lassen würde.


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Von der gegenüberliegenden Halbinsel kommend, auf der sich die Raffinerie befand, deren dunkelgelbe Lichter sich im nächtlichen Gewässer spiegelten und ihm trotz der industriellen Herkunft einen Anstrich von Romantik verliehen, über die davor liegenden Tanker hinweg, streifte eine leichte Briese quer über das Wasser der Hafenbucht, vorbei an den wetterfest verpackten Segelschiffen, die sich an den weißen Jachten stießen, trug sich hinauf auf die Seepromenade, verfing sich dort in Sabrinas langen und offenen Locken, ließ die braungoldene Haarpracht wolkengleich aufsteigen und legte dabei eine wellige Strähne schräg über ihr Antlitz, in dem der leuchtend rot geschminkte Mund – die Winkel nach unten gezogen und die Grübchen zu feinen Falten gestreckt – soeben leicht zu zittern begonnen hatte, während unter den dunklen, gleichsam wie Gewitterwolken herabgesenkten Brauen zwischen den betonten, pechschwarzen Wimpern, die sich in aller Bitternis zu schmalen Schlitzen zusammengezogenen hatten, die Lichter der Terrassenbeleuchtung im Weiß ihrer Augen durch die sich bildende Tränennässe aufblitzten, - und verlieh dieser Frau, die soeben von ihrem Stuhl aufgesprungen war und alle fünf Finger ihrer rechten Hand sternförmig abspreizte, gleichzeitig leicht schwankend im Begriff war, in Anbetracht des Ringens mit ihrer Fassung sogleich auf den Stuhl zurück zu fallen, den sie soeben verlassen hatte, das Aussehen einer fassungslos Entrückten, die sich gerade noch relativ vernünftig, wenn auch unter zunehmender Lautstärke mit Maurizio unterhalten hatte, der sie in eben jenes Restaurant mit der ausladenden Uferterrasse geführt hatte, in welchem Sabrina vor fünf Jahren an einem warmen Spätsommerabend ihn als den hübschen, netten jungen Mann aus der Bank kennen gelernt hatte, diesen ihr mittlerweile angetrauten Ehemann, der mit ihr heute den Jahrestag darüber zu feiern gedachte und über den bevorstehenden Urlaub und die weitere Zukunft plaudern wollte, Sabrina aber dann zu seinem Leidwesen zur Sprache gebracht hatte, dass er einstmals von Kindern geredet hatte – mindestens fünf hätte er sich gewünscht – mehr noch als sie selbst –, sich seit ihres Zusammenseins jedoch auffällig mürrisch gegenüber Kindern in seiner Nähe verhielte und Sabrina das gemeinsame Vorhaben immer weiter in die Zukunft verschoben sah, bis ihr allmählich klar geworden war, dass sie niemals eine Familie mit diesem Mann haben würde und aus diesem Grund beschlossen hatte, die Verhütungsmaßnahmen ohne sein Wissen einzustellen, sie aber dennoch nicht schwanger wurde und ihm dies soeben gleichermaßen gestanden als auch zum Vorwurf gemacht hatte, ihren Ohren jedoch nicht traute, als er ihr entgegnete, dass er gewissermaßen als vorausahnenden Gegenzug bereits Wochen vor ihrer Hochzeit sich hatte sterilisieren lassen, und nun, als Folge ihrer Reaktion auf diese Offenbarung auf seine linke Hand starrte, die flach auf dem Tisch lag, und die er nicht zurückgezogen hatte, weil er die Geste seiner Frau als leere Drohung missverstanden und sie noch überlegen angelächelt hatte, nun aber auf den Schmerz wartete, der sich jeden Moment bemerkbar machen würde, verursacht durch das spitze Messer, das eigentlich zum Zerlegen der Seezunge gedacht war, die kurz zuvor noch zusammen mit kleinen Kartoffeln und einer dezenten Gemüseauswahl in zweifacher Ausfertigung serviert worden war, jetzt jedoch seine Hand auf den Tisch genagelt hatte, während sein ungläubiger Blick zu Sabrinas Kleid wanderte – jenes mit den unzähligen roten Herzen auf weißem Untergrund und dass er so an ihr liebte – und welches in diesem Moment, aufgewühlt durch die Seebriese, wie eine Fahne flatterte und die Herzen mit sich trug, zusammen mit dem wahren und einzigem Herzen seiner Frau, die sich, so ahnte er nun, sogleich umdrehen und ihn hier bis zum Ende aller Tage sitzen lassen würde.
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Zuletzt geändert von CraX am 12.10.2014, 13:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Seepromenade

Beitragvon Jenniviolet » 28.09.2014, 15:21

Wow, was für ein Satz! Keine Angst, ich werde ihn wegen seine Länge wie gewünscht nicht kritisieren.
Ehrlich gesagt finde ich ihn recht gelungen. Da habe ich schon schlimmere gelesen, in denen ich mich komplett verirrt hatte. Nur zu Beginn bin ich etwas gestolpert, aber je mehr ich von dem Satz las, desto leichter fand ich das Lesen, da die Aneinanderreihung der Geschehnisse in meinen Augen gut gelungen ist.
wie gesagt, am Anfang bin ich ins Stolpern gekommen.
Von der gegenüberliegenden Halbinsel kommend, auf der sich die Raffinerie befand, deren dunkelgelbe Lichter sich im nächtlichen Gewässer spiegelten und ihm trotz der industriellen Herkunft einen Anstrich von Romantik verliehen, über die davor liegenden Tanker hinweg, streifte eine leichte Briese quer über das Wasser der Hafenbucht, vorbei an den wetterfest verpackten Segelschiffen, die sich an den weißen Jachten stießen, trug sich hinauf auf die Seepromenade

Ich finde, das hätte kürzer sein können. Vielleicht so: Von der gegenüberliegenden Halbinseln kommend,streifte eine leichte Briese quer über das Wasser der Hafenbucht, vorbei an den wetterfest verpackten Segelschiffen, die sich an den weißen Jachten stießen, trug sich hinauf auf die Seepromenade Ich persönlich finde in der Szene die Raffinerie eher im Lesefluss störend. Eine Seepromenade mit Restaurant verschafft in meinen Gedanken schon einen sehr romantischen Anblick.

Ob der Text jetzt romantisch ist, kann man drüber streiten. Ich finde ihn auch schwer ein zu ordnen. Vielleicht auch "Nachdenklich" oder "Traurig". Ich tendiere aber eher zu nachdenklich. Es regt mich dazu an, über so eine Situation zu grübeln, wenn sie mir passieren würde. Was würde ich tun. Die Scheidung einreichen ist da nur das Offensichtliche. Immerhin ist er die Ehe mit Sabrina eingegangen unter Vortäuschung falscher Tatsachen.
Da komme ich auch dem einem Punkt, den ich recht unlogisch finde. Er wollte Kinder und hat sich sterilisieren lassen. Das ist ein Widerspruch, wie ich finde. Eine Sterilisation ist keine einfache Entscheidung, die man mal eben aus einer Bierlaune heraus macht. Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist ob die beiden sich vor der Hochzeit, also zum Zeitpunkt der vermeintlichen Sterilisation gesehen haben. Weil wenn ja, dann hätte sie definitiv was merken müssen. Dieser Eingriff ist für Männer nicht unbedingt schön und bedeutet eine sorgfältige Nachbehandlung, die zumindest dem Lebenspartner auffallen wird.
Den restlichen Text konnte ich, wie auch schon gesagt, leichter lesen. ich kann durch deine Wortwahl und deine Beschreibungen gut nach empfinden, wie sich Sabrina fühlen muss. Ich glaube, ich hätte ihm auch das Messer in die Hand gerammt.
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Re: Seepromenade

Beitragvon Amalasuntha » 08.10.2014, 13:11

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es sehr gewagt und mutig ist, einen Schachtelsatz über diese Länge zu formen. Wenn ich mich recht erinnere, hat Hemingway in "Midnight in Paris" einen Schachtelsatz geschrieben mit einer Länge von knapp 1,5 Seiten. Und niemand hatte dies je zu kritisieren gewagt. Ein Schachtelsatz ist also im Prinzip auch ein Stilmittel, das man allerdings gekonnt einsetzen muss und das ist nicht einfach. Das Problem dabei ist, dass man sehr ausschweifend werden und vom eigentlichen Punkt, den man damit ausdrücken möchte, abkommt. Grundsätzlich bin ich kein Fan davon.

Den Anfang fand ich gut verständlich, allerdings konnte ich mittendrin nicht immer folgen. Das fing genau hier an:
CraX hat geschrieben:Terrassenbeleuchtung im Weiß ihrer Augen durch die sich bildende Tränennässe aufblitzten, - und verlieh dieser Frau, die soeben von ihrem Stuhl aufgesprungen war und alle fünf Finger ihrer rechten Hand sternförmig abspreizte, gleichzeitig leicht schwankend im Begriff war, in Anbetracht des Ringens mit ihrer Fassung sogleich auf den Stuhl zurück zu fallen,


Die Terrassenbeleuchtung kann schlecht in Tränen aufblitzen. :wink:
Was wäre damit, dass die Beleuchtung sich in den aufkommenden Tränen der Frau sich glänzend spiegelten?

Dann suchte ich verzweifelt nach einer Antwort auf die Aussage:
CraX hat geschrieben:und verlieh dieser Frau


Darauf habe ich bisher keine Antwort gefunden, auch nicht im wiederholten Lesen. Wie oben geschrieben, verschachtelt man sich oft in solchen langen Sätzen. Deshalb sind sie sehr schwierig zu schreiben. Gerade wenn man viel in sie hinein packt, muss kurz darauf auf solche Aussagen eine Antwort zu finden sein, damit diese Szene abgeschlossen ist und eine Neue begonnen werden kann, im Schachtelsatz. Wie gesagt, das ist nicht leicht und erfordert Übung.
Wenn Du dich gerne mit großen Schachtelsätzen beschäftigst, dann ist das bestimmt eine sehr gute Möglichkeit, weiterzumachen!

Von der Interpunktion her betrachtet, fiel mir bisweilen kein Fehler auf.

Ich würde es in das Genre Drama einordnen, denn das scheint sich offensichtlich anzubahnen. Ich würde nämlich nicht davon ausgehen, dass der Mann sich das gefallen lassen wird, ein scharfes Messer durch seine Hand gestochen zu bekommen. :wink: Mal ganz abgesehen von der Frau, die selbst belog und jetzt erfuhr, selbst belogen worden zu sein.

Unlogisch finde ich das in keiner Art und Weise, schließlich ist das kein kompletter Roman, sondern lediglich ein Auszug davon. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Es gibt Frauen, die verstecken eine Schwangerschaft bis zur Geburt. Das ist, meiner Meinung nach, eindeutig schwieriger als eine Vasektomie zu verheimlichen, inkl. Nachsorge. :wink:
Einfach so tun, als wäre man gestresst oder gereizt, dadurch keine Ambitionen auf Zärtlichkeit, nötigenfalls ein Zutun mit Schlafmittel in das Getränk der Frau, zu regelmäßigen Zeiten, dass sie früh schlafen geht und gar nicht erst auf die Gedanken kommt, Nähe zu suchen... Also da gibt es viele Möglichkeiten, das zu verstecken. Manche Menschen pumpen sich derart mit Schmerzmitteln voll, um bloß nichts zu offenbaren.

Der Spannungsbogen ist am Anfang nicht gegeben. Aber das ist logisch, da es lediglich auf die Beschreibung der romantischen Umgebung bezieht. Aber als die Frau erwähnt wird, wird allmählich Spannung erzeugt. Der Spannungsbogen, den man wie eine Maus betrachten soll, wird m.M.n eingehalten. Das dicke Ende, wo die Spannung vertikal absackt, ist eben die, in der aufgelöst wird, warum die Frau aufgesprungen ist. Also da kann ich volle Punktzahl geben. :)

Was ich jedoch zu bemängeln habe ist die Tatsache, dass gerade im Handrücken viele Nerven verlaufen. Deshalb tut eine Spritze bzw. ein intravenöser Zugang im Handrücken ganz schön weh, statt in der Armbeuge. Dass der Mann da offenbar seelenruhig zu sitzen scheint, trotz dass da gerade ein Messer seine Hand festnagelt, ist unglaubwürdig. Stattdessen hätte ich gerne gelesen, wie er sein Gesicht vor Schmerzen verzieht, vielleicht mit der anderen Hand zitternd versucht, sich dabei auf die Zunge oder Lippe beißt, um den Schmerz zu unterdrücken oder erträglicher werden zu lassen, das Messer mit einem Ruck aus dem Handrücken zu ziehen. Vielleicht wirft er seiner Frau einen wütenden Blick zu, will aufbrausen oder toben.

Im Ganzen aber gut ausgeführt! Ich würde mich freuen, wenn Du das noch einmal etwas überarbeitest und Dir das nochmal anschaust. :)
Wenn Du Spaß an Schachtelsätzen hast, lass dich daran auf keinen Fall hindern!

Liebe Grüße,
Amala
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Re: Seepromenade

Beitragvon CraX » 12.10.2014, 13:35

Hallo Jenniviolet & Amalasuntha

Danke für eure Anregungen,

Ich persönlich finde in der Szene die Raffinerie eher im Lesefluss störend. Eine Seepromenade mit Restaurant verschafft in meinen Gedanken schon einen sehr romantischen Anblick.

Die Raffinerie gehört für mich einfach dazu. Sie gibt dieser Promenade immerhin einen eigenwilligen Anstrich als eine bloße See. Außerdem soll sie unbewusst vermitteln, dass Sabrina und Maurizio hier leben und dies kein Urlaubsort ist. Ich habe den Beginn sogar noch mal erweitert (auch mit der Erwähnung der Stadt Milazzo, da war ich mal vor Jahrzehnten und genau diese Promenade hatte ich vor Augen).

Er wollte Kinder und hat sich sterilisieren lassen. Das ist ein Widerspruch, wie ich finde.

Er hat sie von Anfang an belogen, er wollte tatsächlich nie Kinder.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist ob die beiden sich vor der Hochzeit, also zum Zeitpunkt der vermeintlichen Sterilisation gesehen haben. Weil wenn ja, dann hätte sie definitiv was merken müssen. Dieser Eingriff ist für Männer nicht unbedingt schön und bedeutet eine sorgfältige Nachbehandlung, die zumindest dem Lebenspartner auffallen wird.

Männer können sicher eine Sterilisation wegtäuschen – er muss sich nur für 2-3 Wochen was ausdenken (siehe Anm. von Amalasuntha). Ich hab jetzt eine kleine Einfügung gemacht, das er es anstelle einer vorgetäuschten Fortbildungsreise machen hat lassen.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es sehr gewagt und mutig ist, einen Schachtelsatz über diese Länge zu formen.

Danke – Es war ein Experiment, ich wollte sehen, ob ich so etwas überhaupt hinbekomme.

Die Terrassenbeleuchtung kann schlecht in Tränen aufblitzen.

Ich will, dass sich das Licht in ihren Augen bewegt, eben blitzt oder funkelt, auch etwas Agressives beherbergt - nur einfach spiegeln ist mir zu statisch. Ich habe diese Stelle mit dem Hauptproblem des ganzen Satzes umgeschrieben:
Dann suchte ich verzweifelt nach einer Antwort auf die Aussage:
:und verlieh dieser Frau

so wars gedacht:
streifte eine Briese, (...) verfing sich dort in Sabrinas Locken (...), - und verlieh dieser Frau, (...) das Aussehen einer fassungslos Entrückten, die sich gerade noch (...) mit Maurizio unterhalten hatte (...)
Doch das ist genau die Stelle, die mir die ganze Zeit schon Kopfzerbrechen gemacht hat. Möglicherweise ist sie sogar grammatisch richtig, aber der Leser verliert hier einfach den Faden. Ich habe den ganzen Mittelteil umgestellt und versuche jetzt über die spiegelnden Lichter und funkelnden Augen die Überleitung zu ihrem Partner hinzubekommen.


Was ich jedoch zu bemängeln habe ist die Tatsache, dass gerade im Handrücken viele Nerven verlaufen. Deshalb tut eine Spritze bzw. ein intravenöser Zugang im Handrücken ganz schön weh, statt in der Armbeuge. Dass der Mann da offenbar seelenruhig zu sitzen scheint, trotz dass da gerade ein Messer seine Hand festnagelt, ist unglaubwürdig. Stattdessen hätte ich gerne gelesen, wie er sein Gesicht vor Schmerzen verzieht, vielleicht mit der anderen Hand zitternd versucht, sich dabei auf die Zunge oder Lippe beißt, um den Schmerz zu unterdrücken oder erträglicher werden zu lassen, das Messer mit einem Ruck aus dem Handrücken zu ziehen. Vielleicht wirft er seiner Frau einen wütenden Blick zu, will aufbrausen oder toben.

Mit der Hand magst du recht haben, wäre auch eine Überlegung wert. Auf der anderes Seite driftet das Ganze ja mit den davonfliegenden Herzen sowieso in Surreale ab, von daher gefällt mir das etwas wirklichkeitsfremde Bild, dass er (noch) ruhig sitzt (und auf den Schmerz wartet).

Wenn Du Spaß an Schachtelsätzen hast, lass dich daran auf keinen Fall hindern!

Das hier war ein ganzes Stück harte Arbeit und außerdem habe ich gehört, dass sich der moderne Mensch kaum mehr wie 7 Wörter in einem Satz merken kann. Naja, Spaß hats natürlich auch gemacht. :XD:
Aber ich glaube, ich mache so was so schnell nicht wieder, trotzdem es hat doch meinen Blick auf „normale“ Sätze geschärft, ihr Verhältnis von manchmal zu kurz (und manchmal auch zu lang).


Viele Grüße
CraX
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