[Tragik]Shortcut: "Venedig"

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Weltliebende » 10.03.2015, 11:48

Nach einer langen Schreibblockade, habe ich es endlich wieder geschafft etwas (zwar ziemlich kurzes, aber hey, immerhin etwas) zu schreiben.
Kritik ist sehr erwünscht! :)


Sie schlendert wieder durch die engen Gassen der Lagunenstadt. Verliert sich, endlich getrennt von dem Menschentrubel, in einem Innenhof. Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken. Die warme Sonne streift ihr Gesicht zur Hälfte und lässt eine angenehme Wärme zurück. Fast so wie seine Finger damals. Fast so, wie seine Lippen. Der salzige Geruch des Wassers. Die hellen, gedämpften Farben der bröckelnden Fassaden. Die Tauben auf den Brückenpfeilern.

Erinnerungen.

Es hat Jahre gedauert, bis sie den Mut aufbrachte wieder hierher zu kommen. In diese Stadt, die einmal ein Teil von ihr war. In die sie sich verliebt hatte. In der sie sich das erste Mal verliebt hatte.
Sie schließt die Augen, genießt die sanfte Berührung des Lichts. Vielleicht, denkt sie, kann man nie für immer weglaufen. Irgendwann kommt man doch wieder. Irgendwann holt einen der Schmerz doch vollends ein. Ihre Beine fühlen sich schwer an. Beinahe so, als wäre sie verwachsen mit dem Kopfsteinpflaster. Als müsse sie um jeden Preis hier bleiben, sich ihrem Schicksal stellen.
Wer hätte gedacht, dass loslassen so viel anstrengender ist, als sich mit aller Kraft festzuklammern. Drei Tränen entfliehen ihren Augen und laufen ihren Hals entlang. Ich bin zurück, flüstert sie. Langsam, mit zitternden Knien, lässt sie sich auf den Boden sinken. Liegt auf den harten Steinen, ohne sie wirklich zu spüren. Ganz alleine, ganz in Ruhe, in diesem leeren Innenhof. Sie blickt in die Sonne. Sie gibt sich dem Schmerz hin. Und. lässt. los.
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Sasskia » 10.03.2015, 13:03

Huhu Weltenliebende!

Vielen Dank für deinen Kommentar :girl:

Aber das war nicht der Grund, weshalb ich deine Geschichte voller Erwartung gelesen habe.

Ich mag Italien und ich liebe Venedig!

Verliert sich, endlich getrennt von dem Menschentrubel, in einem Innenhof.


"Menschentrubel" gefällt mir hier nicht so gut. Vielleicht, endlich abseits des Gedränges ?
Sie verliert sich in einem Innenhof? Hm, in die Stille eines Innenhofes?

Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken.


jaaaaa :love:

Die warme Sonne streift ihr Gesicht zur Hälfte und lässt eine angenehme Wärme zurück.


Da würde ich "zur Hälfte" streichen, weil es die sanfte Sprache stört.

Fast so wie seine Finger damals. Fast so, wie seine Lippen. Der salzige Geruch des Wassers. Die hellen, gedämpften Farben der bröckelnden Fassaden. Die Tauben auf den Brückenpfeilern.


Fast so, wie seine Finger damals. Fast so, wie seine Lippen auf den ihren.
Dann würde ich einen Absatz machen.
Der salzige Geruch des Wassers, die verwaschenen Farben der bröckelnden Fassaden, die Tauben auf den Brückenpfeilern.
Erinnerungen.


Bei "hellen, gedämpften Farben" war ich überfordert. Entweder sind sie hell oder gedämpft.

Vielleicht, denkt sie, kann man nie für immer weglaufen


"denkt sie" bitte streichen. All das sind doch ihre Gedanken!

Wer hätte gedacht, ...


Nie hätte sie gedacht, Bleib bitte bei "ihr", das ist viel persönlicher, direkter.

Und. lässt. los.


Nach dem Punkt müsstest du groß weiterschreiben.
Ich spüre, was du vermitteln willst und doch, es fehlt etwas.


Fazit:

Ich mag deine Geschichte und deinen Schreibstil. 8)


Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Weltliebende » 18.03.2015, 15:26

Sasskia hat geschrieben:Fazit:

Ich mag deine Geschichte und deinen Schreibstil. 8)


Liebe Grüße aus Wien

Sasskia :girl:


Danke, auch für eine Änderungsvorschläge, einige davon nehme ich mir auf jeden Fall zu Herzen.
Vielleicht schreibe ich auch irgendwann weiter. :)

Hat sonst noch jemand Kritik für mich?
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon kaline » 02.04.2015, 23:45

Ja, ich!
Dein Text hat mich sehr berührt, ich war sofort mittendrin.

Verliert sich, endlich getrennt von dem Menschentrubel, in einem Innenhof. Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken.


Diese beiden Sätze finde ich wunderschön! Ganz sicher meine Lieblingsstelle.

Der salzige Geruch des Wassers. Die hellen, gedämpften Farben der bröckelnden Fassaden. Die Tauben auf den Brückenpfeilern.


Hier hast du die Eindrücke sehr schön eingefangen. Mir geht allerdings ein Verb ab. Ich verstehe zwar, dass du die Eindrücke einfach aufzählen wolltest, stolpere beim Lesen aber trotzdem darüber.

Wer hätte gedacht, dass Loslassen so viel anstrengender ist, als sich mit aller Kraft festzuklammern.

Wegen der Substantivierung brauchst du hier einen großen Anfangsbuchstaben.

Und. lässt. los.


Hier finde ich die Betonung schön, den langsamen Ausklang. Allerdings müsstest du "Lässt" sowie "Los" auch groß schreiben, wenn du Punkte dazwischen setzt. Meiner Meinung nach braucht man die Trennung durch Punkte auch nicht unbedingt, der Satz ist sowieso ein sehr ausklingender, der eher sanft davon schwebt als mich herauszureißen.

Jedenfalls sehr schöne Eindrücke! Dein Text, obwohl so kurz, macht mir Lust, nach Venedig zu fahren! Obwohl das Thema traurig ist, oder zumindest sentimental, finde ich den Text nicht deprimierend. Beim Lesen bin ich richtig zur Ruhe gekommen. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Text! :D

Liebe Grüße,
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon HERZallerliebst » 04.04.2015, 15:41

Hallo Weltliebende,

Schreibblockaden sind der letzte Mist (hatte auch gerade eine längere Durststrecke), aber umso schöner ist es, wenn die Muse endlich wieder zuschlägt. Du hast ja schon viele Verbesserungsvorschläge bekommen - sei mir nicht böse, wenn sich etwas wiederholt, habe mir nicht alle durchgelesen. Ich schreibe dir einfach meine Eindrücke zu deinem Text.

Weltliebende hat geschrieben:Sie schlendert wieder durch die engen Gassen der Lagunenstadt.


Abrupter Einstieg, gut. Durch den Begriff 'Lagunenstadt' weiß man sofort, wo man sich befindet. Selbst wenn du einen anderen Titel gewählt hättest, wäre es mehr oder weniger offensichtlich. Das Verb 'schlendern' versetzt mich in eine entspannte Szene in der die Hauptfigur sich offensichtlich wohl fühlt.

Verliert sich, endlich getrennt von dem Menschentrubel, in einem Innenhof.


Die Formulierung 'getrennt von dem Menschentrubel' mag mir nicht so gefallen. Aber das hat meine Vorposterin ja bereits ebenfalls bemängelt und dir einen anderen Lösungsvorschlag angeboten.

Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken.


Auch hier muss ich meiner Vorrednerin Recht geben. Ein sehr schöner, poetischer Satz.

Die warme Sonne streift ihr Gesicht zur Hälfte


"zur Hälfte" kannst du ruhig weglassen.

und lässt eine angenehme Wärme zurück.


Du wiederholst dich in diesem Satz. "warme Sonne" und "Wärme" - sozusagen doppelt gemoppelt.

Fast so Komma wie seine Finger damals.


Gekonnte Überleitung.

Fast so, wie seine Lippen. Der salzige Geruch des Wassers.


Dieser Gedankensprung ist für mich hier zu groß. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, was es mit dem Geruch des Wassers jetzt auf sich hat. Ebenso verhält es sich mit den anderen beiden Sätzen.
Du schreibst oben, die Sonne hinterlässt eine Wärme auf ihrem Gesicht. Eine Wärme, die der von seinen Lippen und seinen Fingern ähnelt. Eine Wärme die dem salzigen Geruch des Wassers ähnelt? Eine Wärme die den hellen, gedämpften Farben der Fassaden ähnelt? Weißt du, was ich meine?

Erinnerungen.


Das Wort für sich, so alleinstehend, ist sehr wirkungsvoll.

Es hat Jahre gedauert, bis sie den Mut aufbrachte wieder hierher zu kommen. In diese Stadt, die einmal ein Teil von ihr gewesenwar.


In die sie sich verliebt hatte. In der sie sich das erste Mal verliebt hatte.


Schöne Satzkonstruktion.

Irgendwann holt einen der Schmerz doch vollends ein.


Das "vollends" lässt den Satz flach wirken. Ohne diesen Zusatz ist der Satz prägnanter.

Ihre Beine fühlen sich schwer an. Beinahe so, als wäre sie verwachsen mit dem Kopfsteinpflaster. Als müsse sie um jeden Preis hier bleiben, sich ihrem Schicksal stellen.


Schönes Bild, das du da malst.

Drei Tränen entfliehen ihren Augen und laufen ihren Hals entlang.


Hat das 'drei' hier eine Symbolik?

Ich bin zurück, flüstert sie. Langsam, mit zitternden Knien, lässt sie sich auf den Boden sinken. Liegt auf den harten Steinen, ohne sie wirklich zu spüren.


Vor 'ohne' kein Komma.

Ganz alleine, ganz in Ruhe, in diesem leeren Innenhof. Sie blickt in die Sonne. Sie gibt sich dem Schmerz hin. Und. lässt. los.


Schöner Abschluss. Aber mir würde es besser gefallen, wenn du es so ausklingen lassen würdest: "Und lässt los." Diese Worte sind für sich schon ein schöner Ausklang.

Dein Text hat mir wirklich gefallen, hat auch mein Kopfkino in Gang gesetzt. Was ist passiert? Was ist zwischen ihr und ihm vorgefallen? Wie geht es weiter?
Vielleicht schreibst du ja weiter. Ich bin auf alle Fälle dann wieder dabei.

Liebe Grüße und schöne Ostertage,
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Weltliebende » 07.04.2015, 08:19

kaline hat geschrieben:Ja, ich!
Dein Text hat mich sehr berührt, ich war sofort mittendrin.

Jedenfalls sehr schöne Eindrücke! Dein Text, obwohl so kurz, macht mir Lust, nach Venedig zu fahren! Obwohl das Thema traurig ist, oder zumindest sentimental, finde ich den Text nicht deprimierend. Beim Lesen bin ich richtig zur Ruhe gekommen. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Text! :D

Liebe Grüße,
kaline

P.S.: Übrigens mag ich deine Signatur. Ich nehme an, du zitierst aus der "Bücherdiebin"?


Danke für deine lieben Worte, du hast mir grad ein Lächeln ins Gesicht gezaubert!
Und das Zitat stammt aus "Der Joker" :)
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Weltliebende » 07.04.2015, 08:27

HERZallerliebst hat geschrieben:Hallo Weltliebende,

Schreibblockaden sind der letzte Mist (hatte auch gerade eine längere Durststrecke), aber umso schöner ist es, wenn die Muse endlich wieder zuschlägt. Du hast ja schon viele Verbesserungsvorschläge bekommen - sei mir nicht böse, wenn sich etwas wiederholt, habe mir nicht alle durchgelesen. Ich schreibe dir einfach meine Eindrücke zu deinem Text.

Dein Text hat mir wirklich gefallen, hat auch mein Kopfkino in Gang gesetzt. Was ist passiert? Was ist zwischen ihr und ihm vorgefallen? Wie geht es weiter?
Vielleicht schreibst du ja weiter. Ich bin auf alle Fälle dann wieder dabei.

Liebe Grüße und schöne Ostertage,
HERZallerliebst


Hallo HERZallerliebst! Danke für deine Kritik, es ist wirklich schön so ausführliches Feedback zu bekommen.
Dass Kommasetzung meine Schwäche ist, ist dir sicher aufgefallen: Danke fürs Korrigieren!
Ich nehme mir deine Vorschläge auf jeden Fall zu Herzen. :)
Die drei Tränen haben nicht konkret eine symbolische Bedeutung, ich fand es nur schön, den Satz präzise sein zu lassen. Hätte ich nur "Tränen" geschrieben, könnte man denken, sie weint bis ans ende des Textes.

Liebe Grüße! :)
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Ratsherr » 05.05.2015, 22:06

Hallo Weltliebende,

ich habe mich mit deiner Geschichte beschäftigt, da ich Venedig liebe und mich der Titel daher sogleich angesprochen hat. Die Kommentare meiner Vorposter habe ich nicht gelesen, da ich mich der Geschichte unbefangen widmen will, sollten sich Aspekte aus diesem Grund wiederholen, bitte ich dies zu entschuldigen. :P
Komma- und Rechtschreibfehler habe ich mit Blau in den Zitaten markiert.



Weltliebende hat geschrieben:Sie schlendert wieder durch die engen Gassen der Lagunenstadt. Verliert sich, endlich getrennt von dem Menschentrubel, in einem Innenhof. Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken.


Ein interessanter Einstieg, in dem sogleich der Handlungsort genannt wird, ohne dem Leser aber gleich ein Schild "Hallo! Die Geschichte spielt in Venedig!" vor die Nase zu halten. Wir wissen das bereits durch den Titel, weshalb ich die Umschreibung "Lagunenstadt" sehr schön finde. Schließlich weiß jeder sofort, was mit dieser Stadt gemeint ist.
Die Anapher hast du schön eingebaut; man tendiert zwar als Autor immer dazu, solche rhetorischen Mittel zu vermeiden, weil man in Schulaufsätzen immer lernt, nie den gleichen Satzanfang in aufeinander folgenden Sätzen zu verwenden, aber es verdeutlicht sehr gelungen den Gegensatz zwischen dem äußeren und inneren "Verlieren".
Getrennt von dem Menschentrubel wirkt dennoch nicht wirklich gelungen auf mich. Vielleicht :arrow: abseits des Menschentrubels?

Die warme Sonne streift ihr Gesicht zur Hälfte und lässt eine angenehme Wärme zurück. Fast so wie seine Finger damals. Fast so, ohne Komma wie seine Lippen. Der salzige Geruch des Wassers. Die hellen, gedämpften Farben der bröckelnden Fassaden. Die Tauben auf den Brückenpfeilern.


Das "zur Hälfte" würde ich weglassen, es wirkt beim Lesen überflüssig.
Den Übergang zwischen seinen Lippen und dem salzigen Geruch des Wassers habe ich nicht wirklich verstanden, auch wenn mir die Ellipsen hier gut gefallen. Vielleicht:
"Ihre Sinne sogen den salzigen Geruch des Wassers in sich auf. Die hellen, gedämpften Farben der [usw.].
Oder so ähnlich. :wink:


Es hat Jahre gedauert, bis sie den Mut aufbrachte Komma (laut neuer Rechtschreibung nicht mehr verpflichtend, soweit ich weiß, aber ich würde es dennoch setzen) wieder hierher zu kommen. In diese Stadt, die einmal ein Teil von ihr war. In die sie sich verliebt hatte. In der sie sich das erste Mal verliebt hatte.


Gefällt mir sehr gut. Ein recht melancholischer Einstieg, aber ich schaffe es sogleich, mit der Protagonistin mitzufühlen, ohne auch nur ihren Namen zu kennen.

Sie schließt die Augen, genießt die sanfte Berührung des Lichts. Vielleicht, denkt sie, kann man nie für immer weglaufen. Irgendwann kommt man doch wieder. Irgendwann holt einen der Schmerz doch vollends ein. Ihre Beine fühlen sich schwer an. Beinahe so, als wären (Plural!) sie verwachsen mit dem Kopfsteinpflaster. Als müsse sie um jeden Preis hier bleiben, sich ihrem Schicksal stellen.

Wer hätte gedacht, dass Loslassen (Großschreibung, da Nominalisierung) so viel anstrengender ist, als sich mit aller Kraft festzuklammern. Drei Tränen entfliehen ihren Augen und laufen ihren Hals entlang.


Vielleicht "und rinnen ihren Hals entlang"? Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass Tränen laufen können.

Ich bin zurück, flüstert sie. Langsam, mit zitternden Knien, lässt sie sich auf den Boden sinken. Liegt auf den harten Steinen, ohne sie wirklich zu spüren. Ganz alleine, ganz in Ruhe, in diesem leeren Innenhof. Sie blickt in die Sonne. Sie gibt sich dem Schmerz hin. Und. lässt. los.


Wow. Sehr schönes Ende. :dasheye: Mir gefällt das ungewöhnlich "abgehackte" Ende, ist mal was Neues.


Ich fasse mich kurz: Mir gefällt die Geschichte sehr. Bis auf die kleinen Änderungsvorschläge gibt es nichts auszusetzen; dein malerischer Schreibstil hat mich gleich in die Geschichte gesogen und es geschafft, mir die Protagonistin sympathisch werden zu lassen, ohne wirklich viel über sie zu wissen. Du lässt vieles offen, schaffst es aber dennoch, Interesse zu wecken.




Liebe Grüße,
Ratsherr
Zuletzt geändert von Ratsherr am 07.05.2015, 09:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Shortcut: "Venedig"

Beitragvon Saeculamaho » 06.05.2015, 23:33

Hallo Weltliebende,
ich kann mich den Anderen nur anschließen, dass deine Geschichte mehr als gelungen ist.

Zunächst als weiterer Vorschlag für "endlich getrennt von dem Menschentrubel": du könntest den Wortteil "trubel" durch "menge" ersetzen und "dem" mit "der" tauschen, was nicht viel ändert, aber das Ganze irgendwie schöner klingen lässt.

Weltliebende hat geschrieben:Verliert sich, langsam aber sicher, in ihren Gedanken. Die warme Sonne streift ihr Gesicht zur Hälfte und lässt eine angenehme Wärme zurück.

Hier würde ich eine neue Zeile beginnen, weil es ein kleiner inhaltlicher Sprung ist und wie bereits gesagt würde ich die Dopplung ("Die warme Sonnen streift" vielleicht einfach durch "Sonnenstrahlen streifen" auswechseln) und "zur Hälfte" weglassen.

Was das Problem mit dem Übergang an dieser Stelle angeht:
Weltliebende hat geschrieben:Fast so wie seine Finger damals. Fast so, wie seine Lippen. Der salzige Geruch des Wassers. Die hellen, gedämpften Farben der bröckelnden Fassaden. Die Tauben auf den Brückenpfeilern.

Ich würde nach "seine Lippen" eine neue Zeile anfangen und am Ende des Absatzes etwas dazuschreiben, wie:
-Alles Erinnerungen, die sie mit ihm verbindet/verbinden. (Erinnerungen, die zugleich brennen und Trost spenden. ; hier müsstest du dann natürlich den nächsten Absatz "Erinnerungen" weglassen, sonst würde sich das doppeln)
-Als wäre er immer noch da. Als wäre all das nicht passiert.
-Als würde die Uhr sich zurückdrehen und die Zeit mit ihm wieder aufleben lassen.
...

Weltliebende hat geschrieben:Irgendwann kommt man doch wieder.

Hier würde ich das "doch" durch "dennoch" ersetzen, da es irgendwie den Sprachfluss erleichtert. Und im nächsten Satz würde ich das "doch" ganz weglassen und "Ihre Beine..." in eine neue Zeile schreiben.

Weltliebende hat geschrieben:Drei Tränen entfliehen ihren Augen und laufen ihren Hals entlang.

"Drei Tränen" finde ich vielleicht ein wenig zu detailliert. "Tränen" würden ausreichen, zumal, es unwahrscheinlich ist, dass drei einzelne Tränen es bis zum Hals schaffen. :lol:
Ich würde daher lieber "Wange" statt "Hals" schreiben. Aber im Gegensatz zu Ratsherr würde ich "laufen" beibehalten, da diese Personifikation durchaus passt.

Weltliebende hat geschrieben:Ganz alleine, ganz in Ruhe, in diesem leeren Innenhof. Sie blickt in die Sonne. Sie gibt sich dem Schmerz hin. Und. lässt. los.

Ich würde "ganz in Ruhe" als eigenen Satz schreiben, also: "Ganz alleine. Ganz in Ruhe. In diesem leeren Innenhof.

Kritik Ende. :D


Dir gelingt es, obwohl man nichts über die Situation oder die Person weiß, dass man dennoch ein genaues Bild vor Augen hat und sich in die Person hineinversetzen kann.
Das schaffst du vor allem wegen dem Vergleich der Sonne mit der Berührung der verlorenen Liebe, wegen der Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit durch Venedig ("In diese Stadt, die einmal ein Teil von ihr war. In die sie sich verliebt hatte. In der sie sich das erste Mal verliebt hatte.") und dem Loslassen, welches du wunderbar ausdrückst (meine absolute Lieblingsstelle :XD: ).

Obwohl ein paar Peanuts zu bemängeln sind, ist deine Geschichte richtig gut, weshalb ich mich auch über eine Fortsetzung sehr freuen würde.

Also, mach auf jeden Fall weiter so, denn du schreibst große Klasse! :D
Gibt es ein Leben nach der Geburt?
Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“
von Henry Nouwen
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