Show, don't tell!

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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Rhagrim » 07.04.2015, 10:11

Tell: Auf seinem Hemd konnte man die Speisekarte des Vortages ablesen.

Die monotone Stimme des Vortragenden zog an ihr vorüber, während sie wie gebannt auf die Flecken starrte, die mehr oder weniger auffällig aus dem Grau seines Hemdes hervorstachen.
Ob all seine Hemden gleich aussahen? Oder besaß er tatsächlich nur das eine, in der Hoffnung, dass Schweiß und Dreck durch die hässliche, schmutzgraue Farbe des Stoffes getarnt würden?
Ob das Hemd überhaupt grau ist?, fragte sie sich unwillkürlich und verzog angewidert den Mund.
Sie versuchte den Gedanken zu verdrängen, indem sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Vortrag lenkte, von dem sie sich zuvor versucht hatte abzulenken. Doch bereits nach wenigen Minuten spürte sie, wie ihre Augenlieder wieder schwer wurden und sie unterdrückte nur mit Mühe ein Gähnen.
Ihr Blick wanderte zurück zu dem Hemd. Ob der braune Fleck am Ärmel vom Kaffee stammte, den er jeden Morgen mit sich herumtrug? Und der kleine, rote... vielleicht von der Tomatensuppe, die es gestern in der Kantine gegeben hatte?
Sie runzelte die Stirn und stieß ihren Sitznachbarn leicht mit dem Ellbogen an. "Sag mal... was denkst du?", fragte sie mit gedämpfter Stimme. "Der rote Fleck da, am Hemdkragen. Von der Suppe gestern?"
"Nein, nein..." Ihr Sitznachbar warf einen Blick auf eine kleine, verwischte Strichliste, die er mit Bleistift auf den Tisch gekritzelt hatte. "Der war gestern Nachmittag noch nicht da. Muss wohl neu sein."

Show: Der Mutter einen Streich spielen, der allerdings nach hinten losgeht
"Seit langem sind wir eine Gesellschaft, die ihre Enkel tötet, um ihre Kinder zu nähren."
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon TallyLC » 10.04.2015, 16:17

Tell: Der Mutter einen Streich spielen, der allerdings nach hinten losgeht.

Show: Verzweifelt versuchte sie ein Kichern zu unterdrücken, als sie auf dem kühlen Boden lag und durch die Schlitze unter der Tür sah. Wie frustriert war sie gewesen, als sie bemerkt hatte, dass der Schlüssel noch im Schlüsselloch steckte und die Sicht ins Abreitszimmer ihrer Mutter verhinderte.
Dabei gab es ja noch eine Möglichkeit.
Die Stöckelschuhe ihrer Mutter gingen bereits auf den Schreibtischstuhl zu, hervorragend.
Immer noch war Minna unglaublich stolz auf ihren Einfallsreichtum.
Doch... was war das? Ein Klopfen lies Minnas Mutter kehrt machen, und zur Terassentür gehen.
Mist! Welcher Vollpfosten zerstörte denn gerade ihren wundervollen Plan?
Die Terassentür wurde geöffnet und eine Männerstimme erklang.
"Entschuldigen Sie die Störungen Frau Roth. Ich wollte ja eigentlich an der Haustür klingeln, doch nun ja, ich äh... leide unter einer Angst und... ähm, als ich dann dieses Bellen gehört habe dachte ich... Nun ja"
Ein Lachen von Seiten Minnas Mutter erklang.
"Oh Entschuldige bitte. Das hatte ich vergessen. Nun, aber ich wäre erfreut wenn du mich ebenfalls dutzen würdest, Dorian"
Verwundert runzelte Minna die Stirn. Wer war das?
"Gerne, Helena. Ich bin gekommen um dir deine Strickjacke zu bringen, welche du vergessen hattest als wir einen Kaffee getrunken haben"
"Natürlich, aber setz dich doch Dorian"
Alamiert hob Minna den Kopf. Wer auch immer das war, es wäre gar nicht gut wenn...
Zu spät. Der provokante Laut, wenn sich jemand auf ein Furzkissen setzte erklang.
Peinliches Schweigen folgte. Minna schloss resigniert die Augen.
Ihre Mutter ging bereits zügig auf die Tür zu, und Minna ahnte, dass sie schnellstens verschwinden solte. Das war ja ganz schön nach hinten losgegangen...

Neuer Tell: Ich stand unter dem Galgen.
Man erkennt den Autor aus der Schrift vielleicht deutlicher als aus dem Leben. -Johann Wolfgang von Goethe
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Becca » 23.04.2015, 22:48

Tell: Ich stand unter dem Galgen.

Show:
Unsanft riss mir jemand den Sack vom Kopf. Meine Augen brannten von der grellen Sonne und ich versuchte auszumachen, wo ich mich befand. Zu meinen Füßen hatten sich ein paar Bauern versammelt. In dreckige Lumpen gehüllt, standen sie mit ihren bloßen Füßen im Schlamm. Ihre aufgequollenen Gesichter starrten zu mir hinauf. Einer der Männer zeigte lachend auf einen Punkt über mir. Ich folgte seinem Fingerzeig. Doch er meinte nicht die glitzernden Sterne, die gerade aufgegangen waren, sondern die simple braune Schlinge, mein Todesurteil.
So würde ich also sterben, im Kreise des pestverseuchten Abschaums.

Neues Tell: Die Kugel traf ihn.
Der Grund, warum Vögel fliegen können und wir nicht, ist der, dass sie voller Zuversicht sind und wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel.

Sir James Matthew Barrie
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon TallyLC » 28.04.2015, 19:33

Tell: Die Kugel traf ihn.

Show: Ein scheinbar unerträglicher Schmerz schoss ihm durch jeden Centimeter seines Körpers, als sich die Kugel in seine Schulter bohrte.
Automatisch fasste er sich mit der Hand an die Schulter, was ihm jedoch nur noch mehr des sengenden Schmerz bereitete.
Als er sich seine Hand vor die Augen hielt, war sie getränkt von seinem Blut.
Sein weßes Hemd verfärbte sich zunehmend rot.
Doch er lief weiter, wobei jeder Schritt ihn vor Schmerz keuchen lies.

Neuer Tell: Sie war wütend.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Freigeborene » 30.04.2015, 19:49

Tell:Sie war wütend

Show: "Arrgh!" Sie hatte geschrien. So laut und aggressiv sie konnte. Sie marschierte quer durch die Wohnung ins Wohnzimmer. Ohne nachzudenken griff sie nach der Fernbedienung und schmiss sie gegen die Wand. Mit einem Knall zersprang diese in mehrere Einzelteile. Das tat gut! Schnell griff sie nach ihrem nächsten Opfer und beförderte das Telefon mit einer gezielten Bewegung gegen die Tür. Gerade noch rechtzeitig verschwand ihr Freund wieder dahinter. "Ey, was soll das?", fragte er sie verwundert.
"Was soll, was? Was willst du hier?", schrie sie an. Was hatte er nochmal getan? Ihr war egal, was er getan hatte. Hatte er überhaupt etwas getan? Sie wusste es nicht. Aber all das spielte keine Rolle. Der rote Schleier der Wut versperrte ihr die Sicht und sie schrie erneut. Der Schrei einer Kämpferin. Die wollte sie jetzt sein. Eine Kämpferin. Schnell hob sie die Hand und schlug ihrem Freund mit der Faust auf die Nase. Nun hallte ein Siegesschrei durch die Wohnung. Sie fühlte sich besser und wollte erneut zuschlagen, doch ihr Freund hatte sie zu Boden gerungen. Er war ihr körperlich überlegen, egal wie viel sie zappelte, schrie oder spuckte.
"Beruhige dich, Nele!" Nun war er es, der schrie. Seine Stimme übertönte ihre, doch erst beim dritten Mal verstand sie ihn. Erst da bemerkte sie, das Blut, das von seiner Nase auf sie tropfte.
Sie ist wütend gewesen. Ohne Grund. Und das schon wieder.

Neues Tell: Er kocht Mittagessen.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon schreiberling » 30.04.2015, 22:24

Tell: Er kochte Mittagessen

Show:
Lustlos rührte er in der Brühe die in dem Kessel vor sich hinblubberte. Der durchdringende Geruch von Kohl hing in der Luft, hatte sich in seinen Kleidern, seinen Haaren festgesetzt, ja, er war sicher daß er sich schon so in den Wänden festgesetzt hatte, dass selbst stundenlanges Lüften ihn nicht mehr zu vertreiben vermochte. Obwohl natürlich keiner der Männer, geschwächt wie sie waren, auf die Idee kam in dem einzigen beheizten Raum den sie hatten die Fenster aufzureissen.

Kohl war seit Wochen das einzige was sie noch hatten. Und auch der ging langsam aber sicher zur Neige. Und was das bedeutete, das war allen klar.


Tell:

Morgen ist Weihnachten
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon TallyLC » 01.05.2015, 11:06

Tell: Morgen ist Weihnachten.

Show: Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen blickte Leana auf den geschmückten Tannenbaum, der in ihrem Dorf stand.
Es war zwar erst morgen der 24. Dezember, aber dennoch stand er bereits seit zwei Wochen dort.
Und immer, wenn es zu dämmern begann, wurden die Lichter angemacht.
Dann saß Leana immer vor dem selben Fenster, auf dem selben Sessel, mit dem selben Kissen im Arm.
Aber wer konnte es ihr bei diesem Anblick verübeln?
Die bunten Lichter, die die Nacht erhellten, und sogar durch den Schneesturm leuchteten.
Sie selbst besaß keinen Weihnachtsbaum.
Doch es kümmerte Leana nicht.
Ihr reichte dieser Anblick.

Neuer Tell:

Er lachte, das erste mal seit zwei Monaten.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Bronzegolem » 06.05.2015, 18:06

Tell: Er lachte, das erste mal seit zwei Monaten.

Show: Er hörte die Schreie, aber er ignorierte sie als er langsam die Straße hinunterging, die einst glänzenden Lederstiefel nun gesprenkelt vom Dreck. Wer da wohl schrie? Die Stimmen kannte er nicht, aber er hatte kein Mitleid, keine Abscheu für die Patrouillen welche mit unnachgiebiger Gewalt das Kriegsrecht vollstrecken. Alles was er fühlte war Leere. Nein, da war noch etwas. Neid.
Bitter lachte er in seinen gestutzten Bart während er mit mit hörbaren Geräuschen durch den durchnässten Pflasterstein pflügte. Schmerz ließ einen wissen, dass man lebte. Dasselbe was auch er wissen wollte. Seit zwei Monaten hatte er nichts mehr gespürt, nicht seit Elenor ...
Nein, er schwor sich nicht daran zu denken und das tat er auch. Sobald er an das silberne Aufblitzen des Fallbeils dachte würden andere, noch unangenehmere Bilder folgen und sie könnte er nicht mehr fortjagen. Zwei Monate hatte er schon nichts mehr gefühlt, zwei Monate tot.
Man kann nichts töten, was schon tot ist, sagte er sich grimmig und zog die Pistolen, welche er bis jetzt verborgen gehalten hatte. Er würde sie rächen, selbst wenn es ihn das Leben kosten sollte. Tatsächlich hoffte er sogar darauf. Für ihn gab es ihn dieser Welt nichts mehr und es drängte ihn, in die nächste aufzubrechen.
In einer dunklen, verregneten Gasse hörte er sich lachen wie ein Wahnsinniger und in seinem Echo, das ihm vorauswehte glaubte er sogar, so etwas wie Vorfreude zu hören ...

Neuer Tell:

Hinter drei verschlossenen Türen fand er den Chirurgen und den schrecklichen Dienst, den er anbot
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Freigeborene » 10.05.2015, 13:26

Tell: Hinter drei verschlossenen Türen fand er den Chirurgen und den schrecklichen Dienst, den er anbot

Show: Er folgte dem Mann, in dem grünen OP-Kittel nun schon lange. Es fröstelte ihn. Der Wind pfiff durch jede Ritze in dieses alte Gebäude. Draußen schien die Juli und die Vögel zwitscherten, doch davon bemerkte man hier drinnen nicht das Geringste. Es roch vermodert, da die Wände an einigen Stellen Schimmel aufwiesen, und es war düster, weil alle Fenster mit Ruß geschwärzt worden waren.
Als sein Begleiter erneut vor einer verschlossenen Tür hielt, keimten die Zweifel erneut in ihm auf. Sollte er es wirklich tun? Dabei war es gar keine Frage des Sollens, eher musste er. Er hatte ja nichts mehr und konnte sie nicht auch noch verlieren. Eine eisige Hand ergriff sein Herz. Er musste es tun. Das konnte er ihr nicht auch noch antun.
"Wir sind da", ertönte das erste Mal die Stimme seines Begleiters. Sie war rau und jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Doch er hatte eine Entscheidung getroffen.
Entschlossen trat er über die Türschwelle in den OP-Saal. Er musste die Augen zusammen kneifen, um von dem grellen Licht nicht geblendet zu werden. Er schirmte die Augen nun mit der Hand ab und entdeckte einen Mann in einem weißen Artzkittel an einem Schreibtisch in der hinteren Ecke.
"Herr Grever?", fragte dieser und zog einen Zettel aus dem Papierhaufen neben dem Tisch.
"Ja."
"Sie sind also hier, um eine von ihren Nieren zu verkaufen?"
"Ja."

Neues Tell: Sie hob das Messer, bereit sich und ihre Tochter zu verteidigen.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon TallyLC » 10.05.2015, 18:51

Tell: Sie hob das Messer, bereit sich und ihre Tochter zu verteidigen.

Show: Kalter Schweiß brach auf ihrer Stirn aus, während sie das blitzende Messer fest umklammerte.
Sie würde es nicht schaffen. Was, wenn sie ihn töten musste? Niemals, niemals könnte Lolita sich verzeihen, einen Menschen umgebracht zu haben, und sei es auch aus Notwehr.
Doch als sie hinter sich das bitterliche weinen ihrer kleinen Tochter hörte, fuhr Adrenalin durch ihre Adern.
Für sie!, dachte Lolita, und hob das Messer.

Neuer Tell: Es war ein kalter, unfreundlicher Herbsttag.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon szymzicke » 19.05.2015, 20:29

Tell: Es war ein kalter, unfreundlicher Herbsttag.

Show: Der kalte Wind trieb feuchtes Blattwerk und Regentropfen vor sich her, bis sie zu schwer wurden und auf den Boden fielen. Dort hatte sich ein Teppich aus roten, braunen, gelben Blättern gebildet.
Kahle Äste ragten in den Himmel, durch dessen dunklen Wolkendecke kein Lichtstrahl drang. In der Ferne grollte der Donner und ein Lichblitz zuckte durch die Luft, schlug in die große Eiche ein, die schon alle Blätter verloren hatte.

Neuer Tell: Heftig erbrach er sich auf den neuen Perserteppich.

(Hoffe, dass ich das jetzt richtig gemacht habe, ist mein erstes Mal in diesem Thread :) )
Liebe Grüße!
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Rhagrim » 28.05.2015, 08:11

Tell: Heftig erbrach er sich auf den neuen Perserteppich.

Hatte er einen Augenblick zuvor noch erschrocken nach Luft geschnappt, merkte er nun, wie sich der Reflex schlagartig umkehrte und in Übelkeit umschlug. Entsetzt presste er sich die Hand vor den Mund, doch noch bevor er einen Schritt in Richtung Klo schaffte, erbrach er sich auf den Boden – und auf den herrlichen Perserteppich vor ihm, den ihm seine Mutter soeben zum Geburtstag überreicht hatte.
„Aber, aber… Toni“, zitterte ihn die Stimme seiner Mutter an und sie strich ihm mit ihrer ledrigen, von Altersflecken übersäten Hand zärtlich über den Rücken. „Gefällt dir der Teppich denn nicht?“
„Ich…“ Das Erbrochene tropfte zwischen Tonis Fingern auf den Boden, als er gequält abbrach und einen weiteren Schwall halbverdauter Spaghetti mit Tomatensauce hervorwürgte. „Mutter, ich- ich wollte einen Teppich, aber… aber… ich meinte doch nicht…“
Der Blick seiner Mutter wanderte von ihm zu dem stark in Mitleidenschaft gezogenen, ehemals flauschig weißen Fellteppich. Sie runzelte verwirrt die Stirn. „Du hast gesagt Perserteppich… ich dachte, du vermisst deine Katze.“

Show: Ein angehender Mörder geht einkaufen und überlegt, was er für seine erste Tat so alles brauchen könnte
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Himbeere » 26.07.2015, 12:18

" Ein angehender Mörder geht einkaufen und überlegt, was er für seine erste Tat so alles brauchen könnte"


Niemals hätter er gedacht so etwas fühlen zu können. Freude, pure Freude, nicht wie gewohnt beim Bewegen seines lebendigen Körpers im Morgentau oder beim Kampf mit den Wellen auf seinem heissgeliebten Segelboot, sondern Freude beim Ausblick dem Leben seines Partners beim Aushauchen desselben zusehen zu können.
Dementsprechend begeistert bereitete er sich vor, hatte mit Bedacht einen kleinen Laden für Segelbedarf ausgewählt und spielte beim Anblick all des Zubehörs mögliche lebensgefährliche Schwachstellen eines Segeltrips durch.
Musste er überhaupt selber tätig werden, daß seinem Partner der Atem endgültig schwand ?
Reichte es nicht aus, hier etwas in den Weg zu legen, dort ein ungeschicktes Manöver einzubauen und schon würde die Schwerkraft den Kopf des Partners mit Urgewalt an eine kleine, scharfe Kante der Reling werfen ?
Könnte er so geschickt sein - oder sollte er doch eine der schwereren Kurbelwellen erstehen , die er wunderbar als "Ersatz" lagern könnte um sie dann zu geeignetem Zeitpunkt auf seinen Kopf niedersausen zu lassen ?
Um das ganze dann als Unfall zu tarnen ? Er müsste nur einen stürmischen Tag nutzen - dann könnte er ihn einfach über Board gehen lassen, nachdem er ihn ausgiebig beobachtet hatte in den letzten Sekunden seines Lebens.
Nein, viel würde er nicht brauchen, um diese eine Freude erleben zu dürfen.

Show : "Anna hat sich einen alten Koffer gekauft. "
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon PinkPelican » 29.07.2015, 20:20

"Anna hat sich einen alten Koffer gekauft."


Er ist zwar ein wenig verbeult, dachte Anna bei sich, als sie ihn in die Hand nahm, aber er ist leicht. Trotzdem nahm sie auch noch einen dunkelblauen aus Stoff in die Hand, denn er war etwas groesser. Sie stellte ihn aber gleich wieder zurueck. Hässlich, dachte sie. Nochmal der aus Alu mit den markanten Rillen. Doch, doch, er ist recht leicht. Die vergilbten Aufkleber von KLM und Iberia wuerde man leicht entfernen koennen. Nicht wirklich schmutzig sinnierte sie, diese Patina werde ich abwaschen, das Material ist ja robust. Jetzt öffnete sie ihn an den metallischen Hebelzugschlössern. Sergio hatte genau so einen ähnlichen, erinnerte sie sich und der elende Stich der Trauer flackerte hoch. Selbstvergessen atmete sie weiter, immer weiter. Das Leben geht immer weiter. Er war geräumig und im inneren mit einem rötlich karierten Stoff verkleidet, der ebenfalls bessere Tage gesehen hatte. Zwei beigefarbene Riemen zum festzurren der Klamotten waren vorhanden. Nicht zu zerschlissen, entschied sie. Sie verschloss ihn sorgsam, hob ihn nochmals und begutachtete ihn von allen Seiten. Dann wandte sie sich an den Mann im Rollstuhl, dem Inhaber des kleinen Bazaars: "Wieviel wollen Sie fuer den?"




Was soll man im Juli an einem stürmischen Tag mit heftigem Regen tun?
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon EmmaR » 24.08.2015, 16:24

Was soll man im Juli an einem stürmischen Tag mit heftigem Regen tun?

Missmutig schaute Klara aus dem Fenster. „Ein toller Start in die Sommerferien“, maulte sie. Sophia und sie hatten beschlossen so oft wie möglich an den kleinen See im Wald zu fahren. Aber bei dem Wetter ist man ja schon nass, bevor man das Fahrrad aus der Gartentüre geschoben hat. Regen von allen Seiten. Sie trat ans Fenster und hauchte auf die Scheibe. Mit dem Zeigefinger malte sie ein Herz auf das beschlagene Glas. Sie könnte Jens anrufen. Der ist so süß. Schnell verwarf sie den Gedanken wieder. Der hatte ja sowieso nur Augen für Julia. Die mit ihren dicken Brüsten. Ekelhaft! Solche dicken Dinger wollte Klara nie bekommen. Und wie die immer geschminkt ist. Ihre Mutter nannte solche Mädchen „Pflasterliesel“.
Klara benutzte nur Wimperntusche und etwas Lipgloss. Mehr durfte sie nicht. Ihre Mam hatte es ihr verboten. Einen tiefen Seufzer später griff sie nach ihrem Handy. „Hey Sophia, lass uns ins Einkaufszentrum gehen. Bei dem Wetter können wir den See vergessen. Ich möchte mir den blauen Lidschatten und einen Lippenstift holen“.

Er fand einen blutverschmierten Schuh.
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