Show, don't tell!

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Re: Show, don't tell!

Beitragvon RebeccaMaria » 24.08.2015, 16:47

Er fand einen blutverschmierten Schuh.

"Noch zwei Kilometer!", redete er sich selbst zu. "Die schaffst du noch!"
Das war immer so. Ab Kilometer 10 wurden seine Füße plötzlich schwer wie Blei und er musste sich zwingen, nicht ins Gehen zurückzufallen. Er dachte an das leckere Frühstück, das ihn daheim erwartete, in der Hoffnung, dieser Gedanke würde ihn antreiben. Gerade überlegte er, ob er noch beim Bäcker vorbeijoggen sollte, um Croissants mitzunehmen, da erregte ein kleiner Gegenstand im Gebüsch seine Aufmerksamkeit. Er sah genauer hin und erkannte einen weißen Turnschuh.
"Wieso liegt da ein einzelner Schuh?", dachte er, während er weiterlief. "Wie kann man so etwas denn verlieren? Man muss doch beim Gehen merken, dass da was fehlt?"
Irgendwie ließ ihn der Gedanke nicht los und so drehte er um und joggte die paar Meter zurück. Er blieb stehen und zog den Schuh aus dem Gebüsch hervot. Laub klebte daran. Als er es wegwischte, setzte sein Herz einen Moment lang aus: dunkelrote Spritzer, verteilt über den ganzen Schuh. Blut.

Sie war so wütend wie noch nie in ihrem Leben.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon EmmaR » 24.08.2015, 20:09

Sie war so wütend wie noch nie in ihrem Leben.

Sie stieg aus ihrer Ente (die Älteren werden sich erinnern, für die Jungen, citroen 2cv ) und stapfte wütend, mit geballten Fäusten, ein paar Schritte um in ihrem Zorn nicht ihr geliebtes Auto zu treten. Dieser Idiot! Markus hatte ihr fest versprochen, dass er ihren Oldtimer durchsehen wolle. Ständig verlor ihr bunt lackiertes Gefährt Öl. In der Werkstatt hatte man ihr gesagt, die Reparaturkosten übersteigen den Wert der ganzen Karre.
„Karre!“ Unverschämtheit!
Markus hatte ihr gönnerhaft die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt, „ich kümmer mich drum.“ Der Oberkümmerer! Ständig versprach er Dinge zu erledigen und tat es dann doch nicht. Sie war den Tränen nahe. Hier, mitten in der Pampa, schien ihr Auto nach einem letzten Ruckeln und Keuchen sein Leben auszuhauchen.
Weit und breit nur Viehweiden. Ein zorniger Schrei entfuhr ihr, der die friedlich grasenden Kühe verdutzt beim Kauen inne halten ließ. Sie glotzen ein paar Sekunden verständnislos auf diesen eigenartigen Menschen, und widmeten sich dann wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung.
Gestern hatte sie ihn gefragt, ob er die Ente schon repariert hat. „Ja, doch, war nur ein wenig Schweißarbeit“ hatte er geantwortet und sich dann mit seinem blöden Fußballmagazin für eine Stunde im Klo verschanzt. Ihre Stimme überschlug sich als sie brüllte „den schmeiß ich raus, diesen unnötigen Fresser!“


Als er das eigenartige Ei aus dem See gefischt hatte, spürte er, dass sich im Inneren etwas bewegte.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon PinkPelican » 14.09.2015, 03:35

Als er das eigenartige Ei aus dem See gefischt hatte, spürte er, dass sich im Inneren etwas bewegte.

Das mit dem Ei.
Was ein Kopfzerbrechen, mir einen Kontext auszudenken. Leider ein Fluss, kein See.

(Zwei Indianerjungen. Mayagebiet, 3 Stunden Fussmarsch von der Fürstenstadt Yaxchilan entfernt. Im Urwald der Lacandonia im Jahr 1476 n.C.)

Show:

"Das Wasser fiel mächtig, gestern zur Nacht," sagte der junge Canek ('Schwarze Schlange') zu seinem Freund Iktan ('Geist der Erfindung'). "Der Sturmgott Hurakan zürnt," meinte der jüngere Iktan lakonisch, streckte sich, um grösser zu wirken und hob seine rechte ebenmässige Schulter und neigte dabei seinen Kopf. Schwarze Wimpern blinzelten etwas unsicher.
Sie stapften seit geraumer Zeit am Flussufer entlang. Die kleinen Buchten am Ufer waren transparent, gesäumt von Urgestein und winzige Fischlein kühlten sich darin. Der Tag brach an, wie soeben erst erschaffen. Dunkle Philodendronblätter, gross wie die Jaguarfelle, die ihre Hütten schmückten, wechselten sich ab mit Gummibäumen, deren Luftwurzeln vom Himmel fielen, und mit Farnen und Schachtelhalmen, Natternzungen und Gabelblattgewächsen. An den bemoosten Baumstämmen wucherten urwüchsige Bromeliaceae mit rötlichen Säbelblättern. Glasklare Tautropfen hingen unzählig am Laub und spiegelten das Licht und brachen es wie winzige Linsen aus Kristall.
"Die Kiesel müssen klein und bunt sein," wies Canek den unerfahreneren Iktan zurecht, der sich gebückt hatte und einen grösseren, eiförmigen weissen Stein aus dem Wasser fischte.
"Das ist kein Stein," trotzte Iktan, “Er ist viel zu leicht... und er zittert und klopft..." Grad als er's sagte und Canek "Du lügst!" rufen wollte, begann es zu brechen. Dünne Risse durchzogen die dünne Kalkschale.
Augenblicke später, lugte aus der gebrochenen Schale ein kleiner schwarzer länglicher Kopf mit gelben blinzelnden Glubschaugen. Als die staunenden Jungen ein lautes Platschen hörten, rissen beide ihre Oberkörper herum. Ein baumstammgrosser Alligator preschte aus dem Fluss kommend auf sie zu. "Die Mutter," schrie Canek, "Lauf, Iktan, lauf!" rief er in Todesangst.


Ein verzweifelter Hacker auf der Flucht, drang in ein Computernetz ein.
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon Deirdre » 21.09.2015, 23:04

Ein verzweifelter Hacker auf der Flucht, drang in ein Computernetz ein.


Ich weiß nicht wirklich, wie man ein Computernetzwerk hackt, but here it goes:

Heftig keuchend ließ er sich hinter eine Mülltonne fallen und zog die Beine nah an den Körper, um sich so klein wie möglich zu machen. Mit etwas Glück würde er für einige Momente unentdeckt bleiben. Er presste sein Gesicht gegen seine Knie und zwang sich zu tiefen Atemzügen.
Als die schwarzen Flecken vor seinen Augen zu verblassen begannen, blickte er auf das Telefon in seiner Hand. Der Bildschirm zeigte noch den Log-in Screen. Benutzer: Administrator. Passwort: **********. PIN: _______ Er war beinah drin. Seine Finger hinterließen feuchte Spuren auf dem Display. 3 ... 8 ... Konzentrier dich! Die Augen zusammengekniffen, blendete er alles andere aus - Die verdächtig bekannten Stimmen auf der Straße, den Gestank der Mülltonne, seinen rasenden Herzschlag - und dann erinnerte er sich. 0 ... 2 ... Er sprang auf die Füße, als er Schritte am Eingang der Gasse hörte. Ohne einen weiteren Blick nach hinten oder auf sein Telefon tippte er die letzte Ziffer und rannte los. Er hörte den keuchenden Atem seiner Verfolger dicht hinter sich, doch auf seinem Gesicht lag ein wildes Grinsen. Er war drin. Er wusste, er war drin.


Sie konnte ihr Glück kaum fassen, dass sie ihren Traumjob bekommen hatte.
Für alle, die einen Hafen suchen, wenn die Werkstatt schließt: http://die-schreibstube.phpbb8.de/forum
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Re: Show, don't tell!

Beitragvon PinkPelican » 10.10.2015, 19:07

Sie konnte ihr Glück kaum fassen, dass sie ihren Traumjob bekommen hatte.

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Malena schlitzte den Umschlag ungeduldig auf. Sie überflog den Inhalt und das Wort 'Acceptance' flog ihr entgegen. Mick lehnte beobachtend im Türrahmen. "Was," fragte er schmunzelnd. Sie wandte sich zu ihm um, riss ihre Arme mit geschlossenen Fäusten im Siegestaumel nach oben. Sie sprang in die Luft und ihre weissen Zähne blitzten, ihre rubinroten vollen Lippen lachten: "Ab nächsten Mittwoch bin ich am New Yorker MoMa 'Chief Curator'!" und warf sich selig um seinen Hals.

***********


Sie zogen ihre Mäntel und Hüte an und verabschiedeten sich.
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