Hallo ihr Lieben,
Das hier ist nicht wirklich Science Fiction im Sinne zukuneftiger Technologien. Trotzdem finde ich, dass diese postapokalyptische Vision hier am besten passt, falls jemand eine bessere Rubrik weiss - bitte gebt bescheid. Ansonsten bin ich schon gespannt, wie sie euch gefaellt. Jesse.
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Sie kamen zu fuenft. Manfred war alleine, denn sie waeren sonst nicht gekommen. Es hatte endlose Versicherungen via Funk gebraucht um sie davon zu ueberzeugen, dass ihnen hier niemand auflauern wuerde. Die meisten Banden waren aus guten Gruenden ein wenig paranoid, aber die Gripps? Sie als 'ein wenig' paranoid zu bezeichnen waere in etwas so, als wuere man sagen, der Papst sei 'ein wenig' religioes.
Wenn es noch einen Papst geben wuerde, natuerlich. Oder Rom. Oder Italien. Suedlich der Alpen war nichts ausser verstrahlter Wueste uebriggeblieben, das wusste jeder.
Auch in der kargen Steppe, in der er jetzt stand, wuerden nie wieder Weinreben wachsen. Aber immerhin war es sauberer Sand, den ihm der allgegenwaertige Wind in seine Augen blies. Guter sauberer Sand.
Und so stand er da, waehrend sie in ihrem Pickup Runden um ihn drehten. Laut schreiend schwenkten sie ihre Stahlstangen, sogar der Typ hinter dem Steuer. Manfred verdrehte die Augen und hoffte dass sie es nicht sehen wuerden, aber das Beduerfnis war zu gross. Sie waren offensichtlich Idioten. Beschraenkte, primitive, stinkende und wahrscheinlich betrunkene Idioten. Mit dem einzigen Benzin weit und breit. Also wuerde er mit ihnen verhandeln, die Ruhe bewaren und ihnen ein paar Kanister fuer die Station abnehmen, irgendwie.
Wie er das hasste. Immer verlor er beim Pokern, jedes verdammte Mal. Zumindest kam ihm das so vor. Die ganze Chancenrechnerei nuetzte nichts gegen das Pik As, mit dem Antoine sein eigenes Full House zu einer Laecherlichkeit degradiert hatte. Er haette nicht All-In gehen sollen, das wusste er jetzt. Aber er war sicher gewesen das Antoine bluffte, so sicher. Scheiss Franzose.
Und jetzt schlug er sich mit den Gripps herum. Die Gripps. Was fuer ein laecherlicher Name. Und dann erst dieses selbst aufgezeichnete, schon wieder abblaetternde Bandenzeichen auf dem Pickup.
Jetzt hatten sie einen Drift hingelegt, standen mit dem Heck des Autos zu ihm und sprangen ab. Manfred war sicher das sie das trainiert hatten, denn standen jetzt in einem unfertigen V da. Sie warteten auf den Fahrer, der ohne Zweifel ihr Anfuehrer war und die Spitze uebernehmen wuerde. Wie unangemessen theatralisch. Wie laecherlich pathetisch. Und jetzt liessen sie auch noch diese Stangen in ihre Handschuhe klatschen. Manfred widerstand dem Drang seine Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger zu massieren, wartete, und sah sich die Truppe an.
Das Leben unter freiem Himmel hatten den Gripps nicht allzu gut getan. Ihre ausgemergelten Gesichter zeigten deutliche Spuren von allerhand Ausschlaegen. Links vorne stand ein Junge von vielleicht 20 Jahren, die Haare zu einem Irokesen rasiert. Er hatte einige haessliche Pusteln am Hals, an denen er sich unentwegt kratzte. Inzwischen war der Anfuehrer an die Spitze getreten, mit Abstand der haesslichste der fuenf. Er war ziemlich gross, knappe zwei Meter, ein pockennarbiger, vierschroetiger Kerl wie aus einem Eastwoodwestern mit dem armseligen Versuch eines Vollbarts. Er trug einen Hut und einen knielangen Trenchcoat, der im Wind flatterte. Von der Stirn ueber das rechte Auge bis zum Hals zog sich eine lange, zart rosafarbene Narbe.
Manfred malte sich die naechsten paar Minuten aus. Der Anfuehrer wuerde ihn boese anstarren, irgend etwas ueberfluessiges wie ‘Wir sind die Gripps’ von sich geben und ihm ausfuehrlich beschreiben, warum es eine schlechte Idee waere sie zu hintergehen. Vermutlich wuerde er ihm von Anderen erzaehlen, denen es sehr, sehr schlecht ergangen war, eben weil sie es so etwas versucht hatten. Sie wuerden auf jeden Fall ueber sein Moped lachen, aber das wuerden die einfachen Bandenmitglieder uebernehmen. Der Anfuehrer selbst wuerde nach wie vor grimmig dreinsehen und bestenfalls den Schatten eines Laechelns auf seine Lippen lassen. Danach wuerden sie viel weniger Benzin als vereinbart anbieten, zu einem mehrfachen des Preises verstand sich, und ihm sagen das er ‘froh sein solle, dass sie ihn nicht einfach totschlugen und ihm die Medikamente einfach wegnahmen’. Es war immer dasselbe.
Er war es so leid, mit diesen Narren Katz und Maus zu spielen, aber sie brauchten den Strom. Es ging nicht immer genug Wind fuer die Kuehlanlagen.
‘Wir sind die Gripps’, sagte der Anfuehrer und verbeugte sich spoettisch.
‘Du meine Guete’, dachte Manfred, ‘der haelt sich auch noch fuer gewitzt.’ Das waren die schlimmsten. Vermutlich wuerde er irgendwann Shakespeare zitieren. Falsch natuerlich.
‘Ich bin Alex.’ sprach der Huehne weiter, laechelte breit und entbloesste dabei eine schwarzbraune Ruine von Zahnreihe. ‘Komm nich auf die Idee uns bescheissen zu wollen, Arschloch. Das ham schon andere probiert und es is ihnen nich gut bekommen. Isses nicht so, Jungs?’.
Von den anderen erhob sich nun zustimmendes Gemurmel.
‘Gar nich gut bekommen.’
‘Haben sie spueren lassen was es heisst uns zu hintergehen.’
‘Jaa, wir ham ihnen die Koepfe eingeschlagen!’
‘Scheiss Futter fuer die Raben.'
'Haben den Viechern zugesehen wie sie die Haut von ihnen pickten nachdem wir sie aufgeknuepft hatten.’
‘Gar nich gut bekommen, nein.’
Und so weiter. Manfred hatte grosse Muehe nicht mit der Hand zu wedeln um ihnen zu bedeuten weiter zu machen.
‘Wir Gripps’, sprach der Anfuehrer nun weiter, ‘halten unsere Versprechen, und du solltest das auch machen. Sonst knipsen wir dich aus.’, und schnippte mit den Fingern um anzuzeigen, wie leicht es ihnen fallen wuerde. Die anderen murmelten zustimmendes ‘einfach so’ und ‘bloss so’, und machten angemessen Handbewegungen. Es war zum Verzweifeln.
‘Johnny, hol die Kanister’ wies Alex nun den Jungen mit dem Irokesen an. Johnny sagte nur knapp ‘Ja, Boss’ und ging zum Wagen zurueck. Kurz darauf kehrte er mit zwei Zehnliterkanistern zurueck. Natuerlich war das nur ein Drittel der ausgemachten Menge. Vermutlich wuerden Alex nun sagen, dass der Benzin schwerer zu besorgen gewesen war und daher natuerlich auch teurer.
‘Das hier ist beste Ware. Feinster Benzin aus ‘ner alten Esso Tankstelle, richtig gutes Zeug. Ham wir selbst aus dem Boden gepumpt. Ich sag dir, das war nich einfach, ‘ne Menge anderer Leute wollten auch was davon haben. Johnny musste einen mit dem Benzinschlauch erwuergen, sonst haetten die nie Ruhe gegeben. Er hat jetz grosse Gewissensbisse deshalb, nicht wahr, Johnny?’.
Johnny nickte eifrig, und Alex bleckte seine Zaehne.
‘Ihr werdet uns die Unkosten ersetzen muessen. Ihr bekommt nur zwei Kanister’. Nach Unkosten hatte eine kurze Pause gemacht, als haette er etwas besonders Kluges gesagt. Schwachkopf.
‘Wir hatten sechs Kanister ausgemacht.’ sagte Manfred ruhig.
‘Der Preis hat sich erhoeht, sagt der Boss.’ stiess Johnny hervor, und Alex sah ihn zornig an.
‘Ich rede hier!’ zischte er.
Manfred zuckte die Achseln, und ging zu seinem Anhaenger. Hinter sich hoerte er die Rufe.
‘Was isn das?’
‘Der Kerl faehrt ‘nen Roller’
‘Die ham sich ‘nen Anhaenger drangeschweisst.’
‘Koennen sich wohl kein Auto leisten’
Alles war immer wieder von Gekichere durchsetzt. Manfred nahm die oberste Steige Konserven, ging zurueck und stellte sie vor sich auf den Boden.
‘Für zwei Kanister bekommt ihr nicht mehr, das wisst ihr.’
‘Allwissend bin ich nich, aber ich weiss viel.’ knurrte Alex. ‘Aber ich will nicht so sein. Johnny, hol noch einen Kanister.’ Ein Goethezitat also. Manfred fand das durchaus beeindruckend, so falsch musste man den mal zitieren.
‘Aber Boss, du hast doch gesagt gesagt dass...’ begehrte Johnny auf, bevor Alex ihm scharf das Wort abschnitt: ‘Hol jetzt noch einen Kanister verdammt.’
Manfred laechelte innerlich. Jetzt sah er den Riss in der Gruppe. Er musste ihn nur noch ein wenig aufweiten.
