[Tragik] Sieben Rosen

Tragödien, Tragisches

[Tragik] Sieben Rosen

Beitragvon lilomartha » 09.10.2015, 22:27

Hallo ihr Lieben,
ich dachte ich zeige euch auch mal etwas von mir. Hier also ein Outake aus meinem Roman "Yavuz".
Ich bin mir noch nicht sicher, ob der Abschnitt am Ende tatsächlich im Roman bleibt aber ich dachte ich zeig ihn euch trotzdem mal und hoffe dass ihr dann idealer Weise Lust auf mehr bekommt, freue mich aber auch wirklich an Kritik sowohl Inhalt als auch Formulierungen!

Dann mal los:
Sieben Rosen

„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Sie behaupten, die Liebe sei unantastbar aber gleichzeitig sei sie überall. In unseren Häusern, Familien, auf der Straße, ja selbst in den nach Alkohol stinkenden U-Bahnen würde man sie finden können. Sie sagen, die Liebe wärme unsere Herzen auf, sodass wir selbst im Regen tanzen könnten ohne zu frieren. Sie mache uns verrückt, behaupten sie, ja sogar blind. Dennoch warnen sie mich vor dieser Liebe. Denn wenn wir sie vermissen, dann würden wir uns selbst in einer Menschenmenge einsam fühlen. Sie behaupten, wenn die Liebe geht, dann könne unser Herz so kalt werden, dass es aufhört zu schlagen. Die Liebe sei eine Waffe, mit der wir Menschen, die uns nahe stehen verletzen könnten, oder die uns selbst verletzten wird. Liebe verändere uns, so dass wenn wir in den Spiegel schauen, das Gesicht uns gegenüber nichtmehr erkennen würden.
Sie sagen, dass ich dich geliebt hätte. Vom ganzen Herzen hätte ich es getan, dass ich es noch heute tun würde, dass ich dich immer lieben werde. In meinen Augen, so behaupten sie, können sie dich noch heute sehen. Doch wenn ich mich im Spiegel anstarre, da sehe ich dich nie. Viel zu oft stand ich dort stundenlang, in der Hoffnung dein Lächeln noch einmal wieder sehen zu können. Doch ich sah nichts, außer dem tiefen Blau, welches du immer so schön gefunden hast.
Wenn du heute noch bei mir wärst, würde ich dir sagen, dass sie Unrecht haben. Als du in mein Leben kamst, da habe ich nicht im Regen getanzt und selbst wenn ich es getan hätte, so hätte ich bestimmt gefroren, du weißt doch ich friere immer so schnell. Ich bin auch nicht erblindet, als sich unsere Lippen das erste Mal berührt haben, nicht einmal eine Brille brauchte ich danach. Als du von uns gegangen bist, da gab es keine Menschenmenge, in der ich mich allein hätte fühlen können. Denn als du gingst, da haben sie sich alle von mir abgewandt, weil sie den Schmerz nicht ertragen konnten. Das behaupten sie zumindest heute.

Vielleicht war es auch einfach keine Liebe, nein, ich glaube, es war viel mehr als das. Viel mehr als nur ein Wort, das jeder anders zu beschreiben scheint. Als du gingst, da hat mein Herz nicht aufgehört zu schlagen. Vielleicht hat es ein paar Sekunden lang gestoppt, aber nur, um von dort an in einer anderen Melodie weiter zu schlagen. Eine Melodie, die viel schöner ist als die Alte, denn es ist die Melodie deines Herzens. In mir lebst du weiter, denn es ist, wie gesagt, viel mehr als nur ein Wort gewesen. Du warst mein Leben. Und als du diese Welt verlassen hast, da hat mein Herz begonnen, für dich zu leben. Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil ich weiß, dass du es nicht trinken wollen würdest. Ich tue es nicht für dich, ich denke einfach anders, seitdem du in mein Herz eingezogen bist. Vielleicht bin ich einfach nur ein Stück erwachsener geworden. Aber das ändert nichts daran, dass du mich zu dem gemacht hast, was ich jetzt bin.
Ich bin in die Türkei gereist und lerne hier deine Muttersprache, damit du dich wohl fühlst in meinem Herzen. Manchmal reise ich an dein Grab und bringe dir Rosen. Ganz rot sind sie, mit schönen großen Blütenblättern, die ganz toll duften. Nur die Dornen lasse ich vorher abschneiden, sie sollen dich nicht piksen. Sieben Stück kaufe ich immer, weil du mich so oft fragtest, was die Welt wohl kosten würde und dass du sie mir sieben Mal kaufen wollen würdest. Ich habe nicht genug Geld, um dir die Welt ans Grab legen zu können, wahrscheinlich wäre das rein geografisch gesehen auch gar nicht möglich. Und so stehen die sieben Rosen nicht für unsere Liebe, nein. Denn es war viel mehr zwischen uns. Sie stehen für unser Leben, für dein Leben, welches ich ohne dich und doch auch irgendwie mit dir lebe.
Manchmal, wenn ich allein durch die Nacht laufe, dann wird die Sehnsucht so groß, dass ich stehen bleibe und die Arme vor meiner Brust verschränke, während ich meine Jacke enger um mich schlinge, weil der Nachtwind mich zum Frieren bringt. Dann schließe ich meine Augen und spüre, wie du mich von hinten umarmst und meine Wange küsst. Ich bin nicht einsam, wie sie sagen. Du wirst immer bei mir bleiben, mit dir bin ich nicht allein.
„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Manchmal wünsche ich mir, es wäre Liebe gewesen. Vielleicht hätte sie uns retten können. Vielleicht hätte sie dich gesund machen können. Doch es war mehr als das. Es war Leben.
lilomartha
 
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Re: [Tragik] Sieben Rosen

Beitragvon Asieral » 10.10.2015, 13:52

Hallo Lilomartha

so dann versuche ich mal ein paar Sachen anzumerken, die mir aufgefallen sind
.
lilomartha hat geschrieben:Sie mache uns verrückt, behaupten sie, ja sogar blind. Dennoch warnen sie mich vor dieser Liebe.


Wäre die "Blindheit" nicht gerade ein Grund, davor zu warnen? Da erscheint mir das "dennoch" etwas eigenartig. Außer Blindheit wäre etwas Gutes oder die Protagonistin würde sich diese wünschen.

Viel zu oft stand ich dort stundenlang, in der Hoffnung, dein Lächeln noch einmal wieder sehen zu können.

Das "viel zu oft" am Satzanfang stört mich ein klein wenig. Vll einfach nur "oft". Denn oft genug wäre es doch erst dann, wenn sie endlich das Lächeln sähe. Solange sie dieses aber nicht gesehen hat, wie kann es da zu viele Versuche gegeben haben? Natürlich ist so ein Versuch im Endeffekt auch eine Qual, aber ist das nicht eine Qual, die sie "gerne" auf sich nimmt. Ich würde jetzt auch sicherlich ein paar Argumente dafür finden können, wieso das "viel zu" eigentlich auch passt.. aber ich persönlich würde das "oft" preferieren. Zumal es dann auch weniger "überladen" wirkt, was bei vielen Füllwörtern oft mal vorkommen kann.

du weißt doch ich würde hier ein Komma setzen, um den Leser ein bisschen zu lenken, mit einer kurzen Pause klingt es meiner Einschätzung einfach besser^^ ich friere immer so schnell.


Ich bin auch nicht erblindet, als sich unsere Lippen das erste Mal berührt haben, nicht einmal eine Brille brauchte ich danach. Als du von uns gegangen bist, da gab es keine Menschenmenge, in der ich mich allein hätte fühlen können.

Du benutzt das Wort "Liebe" in unterschiedlicher Funktion, einmal als Liebe im Sinne des metaphysischen Begriffs und einmal als Liebe im Sinne einer Person. Das kann verwirrend sein, muss aber nicht zwangsläufig. Manche Leser mögen so etwas, andere nicht. Ich finde es ganz interessant, wollte aber nur mal darauf hinweisen, dass es da unterschiedliche Meinungen geben kann.

Vielleicht hat es ein paar Sekunden lang gestoppt, aber nur, um von dort /da (anstatt dort) an in einer anderen Melodie weiter zu schlagen. Eine Melodie, die viel schöner ist als die alte, denn es ist die Melodie deines Herzens


„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Manchmal wünsche ich mir, es wäre Liebe gewesen. Vielleicht hätte sie uns retten können. Vielleicht hätte sie dich gesund machen können. Doch es war mehr als das. Es war Leben.

Philosophisch interessant (auch wenn ich eine allgemein eine andere Haltung einnehmen und die Gleichung Liebe=Leben setze^^), aber eine Sache irritiert vll.. Wenn das, was zwischen den beiden mehr als Liebe war, dann.. na ja, wieso ist es dann weniger "mächtig".

Zum Inhalt allgemein.. das Thema finde ich persönlich recht schön und in vielerlei Hinsicht (philosophisch, psychologisch) interessant.
Auch deine Entscheidung, dass die Protagonistin mit "sie sagen/behaupten etc" anfängt, finde ich gut gewählt. Es unterstützt eine gewissse melancholische Stimmung und lässt ein Bild von auf der einen Seite wir(die Protagonistin und ihr verstorbener Freund) und die anderen, die Gesellschaft oder wie auch immer man das nennen möchte.

Liebe Grüße
Asieral
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Re: [Tragik] Sieben Rosen

Beitragvon Zukunftsträumer » 11.10.2015, 20:04

Guten Abend, lilomartha!

Wenn ich das richtig gelesen habe, bist du noch recht neu hier und heiße dich erst einmal herzlich Willkommen hier bei uns in der Schreibwerkstatt! :flowers:

Dies ist also dein Erstlingswerk hier! Nun denn ... ich habe es gelesen und werde dir mal mitteilen, was ich davon halte und was mir aufgefallen ist.

lilomartha hat geschrieben:„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Sie behaupten, die Liebe sei unantastbar aber gleichzeitig sei sie überall.


Hier würde ich gleich nach dem ersten Satz einen Absatz machen. So wie ich das sehe, soll doch gleich dieser erste Satz eine gewissen "Wirkung" auf den Leser haben, ihn auf das zentrale Thema der Geschichte einstellen, sag ich mal. Da erzielt dieser Satz, wenn er "alleine" dasteht eine viel bessere Stimmung, finde ich.
Was mir beim zweiten Satz aufgefallen ist, dass ich die Formulierung oder besser der Vergleich von der Unanstastbarkeit der Liebe und ihrer gleichzeitigen, ständigen Anwesenheit ein wenig unglücklich formuliert finde. Wie wäre es als Alternative damit:

Sie behaupten, die Liebe sei unantastbar, aber gleichzeitig sei sie einem so nah.

lilomartha hat geschrieben:Sie sagen, die Liebe wärme unsere Herzen auf, sodass wir selbst im Regen tanzen könnten ohne zu frieren.


Oje, diesen Satz finde ich furchtbar. Der Anfang ist noch recht gut gemacht, aber die Sache mit dem Regen finde ich, ehrlich gesagt, etwas zu albern und habe ich so noch nicht gelesen. Das ist natürlich Geschmackssache, aber da würde ich den Satz an deiner Stelle anders formulieren. Sorry!

lilomartha hat geschrieben:Sie mache uns verrückt, behaupten sie, ja sogar blind. Dennoch warnen sie mich vor dieser Liebe.


Ja, ist denn die Tatsache, dass sie einen verrückt macht oder gar blind nicht Grund genug, dass man da einen vor warnen muss? Da passt das "dennoch" nicht wirklich im nächsten Satz. Wie wäre es mit "deswegen" oder "daher" als gelungenere Alternative?

lilomartha hat geschrieben: Denn wenn wir sie vermissen, dann würden wir uns selbst in einer Menschenmenge einsam fühlen. Sie behaupten, wenn die Liebe geht, dann könne unser Herz so kalt werden, dass es aufhört zu schlagen.


Hier stört mich in den beiden Sätze die Doppelung mit dem "Dann". Entweder beide weg oder zumindest eines. Wenn du nur eins wegnimmst, dann würde ich das aus dem ersten Satz nehmen, dann fällt dieser "Denn-Dann-Effekt" weg - verstehst du?

lilomartha hat geschrieben:Die Liebe sei eine Waffe, mit der wir Menschen, die uns nahe stehen verletzen könnten, oder die uns selbst verletzten wird.


...verletzen könnten oder gar uns selbst.
Komma vor "oder" weg und kürzen. Wenn du den Satz allerdings so stehen lassen willst, dann heißt es "verletzen" und nicht "verletzTen", okay? :)

lilomartha hat geschrieben: Liebe verändere uns, so dass wenn wir in den Spiegel schauen, das Gesicht uns gegenüber nichtmehr erkennen würden.


"nichtmehr" auseinander.

lilomartha hat geschrieben:Vom ganzen Herzen hätte ich es getan, dass ich es noch heute tun würde, dass ich dich immer lieben werde.


Hier würde ich die drei Aussagen jeweils durch einen Punkt abtrennen anstatt eines Kommas. Manch einer wird zwar sagen, dass es abgehakt klingen mag, für mich allerdings hebt es die Dramatik der Wörter, des ganzen Textes an dieser Stelle ungemein.

lilomartha hat geschrieben:Doch ich sah nichts, außer dem tiefen Blau, welches du immer so schön gefunden hast.


Hier würde ich vor "außer dem tiefen Blau" auch wieder ein Punkt setzen.

lilomartha hat geschrieben:Denn als du gingst, da haben sie sich alle von mir abgewandt, weil sie den Schmerz nicht ertragen konnten. Das behaupten sie zumindest heute.


Das war so die erste Stelle in deinem Text, wo ich mich gefragt habe, wer diese "Sie" wären. Und warum wendeten sie sich ab, wo doch der Schmerz scheinbar so groß war? Ist nicht normalerweise genau das Gegenteil der Fall? Ich habe jetzt mehrmals diese Stelle gelesen und darüber gegrübelt und bin zu dem Schluss gekommen, dass man als Leser dieses Textes, der ja ein Ausschnitt deines Romans ist, nicht wirklich nachvollziehen kann, wie das geschehen konnte, wenn man nicht die ganze Geschichte gelesen hat oder zumindest das, was sich davor ereignet hat. Es ist halt nur ein Ausschnitt, nicht wahr?

lilomartha hat geschrieben:...aber nur, um von dort an in einer anderen Melodie weiter zu schlagen


Hier meine ich, dass das Wort "Melodie" nicht wirklich zum Schlag eines Herzens passt. Wie wäre es mit dem "Rhythmus"?

lilomartha hat geschrieben:Eine Melodie, die viel schöner ist als die Alte, denn es ist die Melodie deines Herzens.


Hier wäre die Sache mit der "Melodie" natürlich dementsprechend zu ändern. Äh ... wenn du möchtest natürlich!

lilomartha hat geschrieben:...da hat mein Herz begonnen, für dich zu leben.


Nicht begonnen zu "schlagen"?

lilomartha hat geschrieben:Nur die Dornen lasse ich vorher abschneiden, sie sollen dich nicht piksen.


Streng genommen haben Rosen gar keine Dornen, wie so oft fälschlicherweise angenommen, sondern Stacheln. Aber darum soll es hier nicht gehen... :mrgreen:

lilomartha hat geschrieben: Ich habe nicht genug Geld, um dir die Welt ans Grab legen zu können, wahrscheinlich wäre das rein geografisch gesehen auch gar nicht möglich.


Den zweiten Teil des Satzes würde ich weglassen! Er nimmt ihm die gewisse Ernsthaftigkeit und auch eine gewisse Schönheit, zieht ihn beinahe ins Lächerliche! Weg damit!

lilomartha hat geschrieben:Und so stehen die sieben Rosen nicht für unsere Liebe, nein


"Und" am Satzanfang ... geht gar nicht. Ein absolutes No-Go! Brauchst dich aber deswegen nicht grämen, kriege ich auch ständig hier zu hören. :mrgreen:
lilomartha hat geschrieben:Sie stehen für unser Leben, für dein Leben, welches ich ohne dich und doch auch irgendwie mit dir lebe.


Und doch auch "für dich" oder?

lilomartha hat geschrieben:„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Manchmal wünsche ich mir, es wäre Liebe gewesen. Vielleicht hätte sie uns retten können. Vielleicht hätte sie dich gesund machen können. Doch es war mehr als das. Es war Leben.


Ein schöner Schluss. Ich weiß jetzt aber nicht, wie dieser nun gemeint war, ob du da einen Sinn mit eingebaut hast, aber so wie ich das lese und interpretiere, wird hier ja und überhaupt im gesamten Text die Liebe überwiegend als das Schönste der Welt gepriesen. Als ein Gefühl, das mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist und alles bunt und schön macht. Aber in Bezug auf die Geschichte war all das Geschehene mehr als Liebe, es war Leben. Und Leben bedeutet halt, dass nicht alles schön und bunt und Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es scheint deinen Prota auch nicht zu stören. Es freut ihn natürlich auch nicht, aber er nimmt es wie es ist und er ist glücklich über die Zeit, die er mit seiner Liebe verbracht hat, die ihn noch jetzt nach dem Tod mit dem Leben erfüllt. Mit dem Leben, das so viel mehr ist als nur die Liebe. Das Leben, das Freud und Leid untrennbar vereint.


Mein allgemeines Fazit: ein schöner Text mit einem gewissen Tiefgang, den man aber und das erwähnte ich weiter oben schon, an einigen Stellen so geschrieben nicht wirklich nachvollziehen kann, weil es halt nur ein Ausschnitt ist und man sich manchmal wünscht, mehr zu erfahren. Mehr zu erfahren über die Umstände und das Umfeld des Protagonisten, um dem Text wirklich folgen zu können, ihn zu verstehen. Eine bestimmte Sache ist auch die mit dem Titel. Schön gewählt ist er und hat mich neugierig gemacht. Rosen als das Symbol der Liebe diesmal ganz anders interpretiert. Aber was ich in diesem Fall meine, ist, warum wollte der/die Tote dem Partner die Welt ausgerechnet sieben Mal kaufen? Weil die Zahl Sieben Glück bringt?
Anfangs, beim ersten Lesen hatte ich mir gesagt, dass ich dir die Sache mit dem ständigen "Sie" als nervig darstellen wollte, aber beim zweiten und dritten Lesen fand ich es nicht mehr schlimm, nein eher im Gegenteil. Es zeigt doch nur, das Menschen, die scheinbar alles zu wissen scheinen, niemals wirklich wissen, wie es einem bestimmten Mensch geht, der sie nicht selbst sind.


Alles in allem habe ich deinen Text gerne gelesen und kommentiert. Ich hoffe, ich konnte dir irgendwie helfen! :mrgreen:

Ach so! Zwei Fragen noch: Was bedeutet "Yavuz" und was steckt dahinter?
Und an welcher Stelle deines Romans "spielt" diese Szene? Am Anfang, Mitte oder Ende?



Ein schönes Restwochenende
wünscht,

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Re: [Tragik] Sieben Rosen

Beitragvon lilomartha » 12.10.2015, 12:55

Hallo ihr Beiden,
erst einmal wirklichen vielen lieben Dank an euch Beide! Eure Kritiken waren sehr ausführlich und ich weiß, wie viel Arbeit sowas macht und einfach Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!
Viele eurer Verbesserungsvorschläge habe ich als sinnvoll empfunden und werde sie mit in die Überarbeitung aufnehmen! :)

Nun zu den Fragen:

Wer und was ist Yavuz?
Yavuz ist ein türkischer, männlicher Vorname und es ist gleichzeitig die verstorbene Person, an die dieses Buch auch gewidmet ist.
Das Prota nennt Yavuz "Yaz". Zunächst einfach so, später nach seinem Tod, assoziiert das Prota Folgenes:
Vu = (französisch) sehen : Sie sieht Yavuz nicht mehr und streicht deshalb das vu aus seinem Namen
Über bleibt Yaz = (türkisch) Sommer
Deshalb auch der Buchtitel "Yavuz - Mein verlorener Sommer"

Die Zahl 7:
Yavuz sagt den Satz "Was kostet die Welt Baby, ich kauf sie dir 7. Mal!" zunächst in witzigen, entspannten Situationen zum Prota, sozsagen aus Spaß. Diesen Satz beginnt er dann immer mal wieder zu sagen und schließlich auch in traurigen Momenten, die die Beiden zusammen durchleben. Nach seinem Tod, ist es eben der Satz, den das Prota mit Yavuz direkt in Verbindung setzt. Später dann, als das Prota in der Türkei ist erfährt sie von einem Kaffesatz- und Handlinienleser, dass ihre Glückszahl 7 sein soll. Natürlich kommt ihr sofort wieder der Satz in den Sinn. Also hat die Zahl 7 keine besonders hohe Bedeutung, aber eine gewisse Verbindung, die das Prota zu Yavuz hat.

Wo im Buch steht dieser Textabschnitt:
Am Ende. Er soll sozusagen den Epilog des Buches darstellen. Dementsprechend, müssten die Fragen, die du dir gestellt hast, im Buch zuvor geklärt werden (Falls ich alles richtig mache. :D)

Ich hoffe alle Fragen sind geklärt :)
Und nochmals vielen vielen lieben Dank!
lilomartha
 
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Re: [Tragik] Sieben Rosen

Beitragvon Heribertpolta » 13.10.2015, 08:27

Hallo Lilomarta,

auch erst einmal von mir ein Willkommen in der Werkstatt. Es lässt sich ganz gut leben hier; und man wird auch lebend gelassen. Hähä.
Ich persönlich sehe immer ganz gern in den Avatar, mit wem ich es in etwa zu tun habe; das gibt mir stets eine Art Gewissheit. Leider gibt es über dich keinerlei Infos. Du bist also eines der Gespenster im Forum.

Nun zum Text:
Meine Art zu kommentieren ist, dass ich überflüssiges rot markiere und Vorschläge blau. Doppelungen mache ich meist eher rosa oder so...

„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Sie behaupten, die Liebe sei unantastbar aber gleichzeitig sei sie überall. In unseren Häusern, Familien, auf der Straße, ja selbst in den nach Alkohol stinkenden U-Bahnen würde man sie finden können. Sie sagen, die Liebe wärme unsere Herzen auf, sodass wir selbst im Regen tanzen könnten ohne zu frieren. Sie mache uns verrückt, behaupten sie, ja sogar blind. Dennoch warnen sie mich vor dieser Liebe (Komma?) Denn wenn wir sie vermissen, dann würden wir uns selbst in einer Menschenmenge einsam fühlen. Sie behaupten, wenn die Liebe geht, dann könne unser Herz so kalt werden, dass es aufhört zu schlagen. Die Liebe sei eine Waffe, mit der wir Menschen, die uns nahe stehen (Komma) verletzen könnten, oder die uns selbst verletzten wird. Liebe verändere uns, so dass wenn wir in den Spiegel schauen, das Gesicht uns gegenüber nichtmehr erkennen würden.


Der Einstieg in den Text ist gelungen. Jedenfalls für Leserinnen. Der eine oder andere Mann wird nun das Buch zuklappen, weil er dieses Thema als typisch weiblich empfindet und nach mehr Komplexizität (habe ich das jetzt richtig geschrieben?) sucht.
Es gibt am Absatz nichts auszusetzen. Das viele "sagen sie" und die Verwendung der Wörter "sei" und "wäre" gefällt mir. Das gibt dem Text eine schöne Farbe.

Sie sagen, dass ich dich geliebt hätte. Vom ganzen (Von ganzem?) Herzen hätte ich es getan, dass ich es noch heute tun würde, dass ich dich immer lieben werde. In meinen Augen, so behaupten sie, können sie dich noch heute sehen. Doch wenn ich mich im Spiegel anstarre (betrachte?), da sehe ich dich nie. Viel zu oft stand ich dort stundenlang, in der Hoffnung dein Lächeln noch einmal wieder sehen zu können. Doch ich sah nichts, außer dem tiefen Blau, welches du immer so schön gefunden hast.
Wenn du heute noch bei mir wärst, würde ich dir sagen, dass sie Unrecht haben. Als du in mein Leben kamst, da habe ich nicht im Regen getanzt und selbst wenn ich es getan hätte, so hätte ich bestimmt gefroren, du weißt doch (Komma) ich friere immer so schnell. Ich bin auch nicht erblindet, als sich unsere Lippen das erste Mal berührt haben, nicht einmal eine Brille brauchte ich danach. Als du von uns gegangen bist, da gab es keine Menschenmenge, in der ich mich allein hätte fühlen können. Denn als du gingst, da haben sie sich alle von mir abgewandt, weil sie den Schmerz nicht ertragen konnten. Das behaupten sie zumindest heute.


Du rundest hiermit den 1. Absatz inhaltlich schön ab. Alles, was Sie sagten traf zwar ein, aber irgendwie auch nicht. Sie hatten unrecht.

Vielleicht war es auch einfach keine Liebe, nein, ich glaube, es war viel mehr als das. Viel mehr als nur ein Wort, das jeder anders zu beschreiben scheint. Als du gingst, da hat mein Herz nicht aufgehört zu schlagen. Vielleicht hat es ein paar Sekunden lang gestoppt, aber nur, um von dort an in einer anderen Melodie (und Rhythmus?) weiter zu schlagen. Eine Melodie, die viel schöner ist als die Alte, denn es ist die Melodie deines Herzens. In mir lebst du weiter, denn es ist, wie gesagt, viel mehr als nur ein Wort gewesen. Du warst mein Leben. Und als du diese Welt verlassen hast, da hat mein Herz begonnen, für dich zu leben. Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil ich weiß, dass du es nicht trinken wollen würdest. Ich tue es nicht für dich, ich denke einfach anders, seitdem du in mein Herz eingezogen bist. Vielleicht bin ich einfach nur ein Stück erwachsener geworden. Aber das ändert nichts daran, dass du mich zu dem gemacht hast, was ich jetzt bin.


Es gibt ja eigentlich gar nichts auszusetzen. Die paar Farbtupfer, die ich dir hier setze, sind etwas überflüssig. Es lässt sich wirklich gut lesen.

Ich bin in die Türkei gereist und lerne hier deine Muttersprache, damit du dich wohl fühlst in meinem Herzen. Manchmal reise ich an dein Grab und bringe dir Rosen. Ganz rot sind sie, mit schönen großen Blütenblättern, die ganz toll duften. (Semikolon?) Nur die Dornen lasse ich vorher abschneiden, sie sollen dich nicht piksen. Sieben Stück kaufe ich immer, weil du mich so oft fragtest, was die Welt wohl kosten würde und dass du sie mir sieben Mal kaufen wollen würdest. Ich habe nicht genug Geld, um dir die Welt ans Grab legen zu können, wahrscheinlich wäre das rein geografisch gesehen auch gar nicht möglich. Und so stehen die sieben Rosen nicht für unsere Liebe, nein. Denn es war viel mehr zwischen uns. Sie stehen für unser Leben, für dein Leben, welches ich ohne dich und doch auch irgendwie mit dir lebe.


Schön.

Manchmal, wenn ich allein durch die Nacht laufe, dann wird die Sehnsucht so groß, dass ich stehen bleibe und die Arme vor meiner Brust verschränke, während ich meine Jacke enger um mich schlinge, weil der Nachtwind mich zum Frieren bringt. Dann schließe ich meine Augen und spüre, wie du mich von hinten umarmst und meine Wange küsst. Ich bin nicht einsam, wie sie sagen. Du wirst immer bei mir bleiben, mit dir bin ich nicht allein.
„Liebe ist mächtig“, sagen sie. Manchmal wünsche ich mir, es wäre Liebe gewesen. Vielleicht hätte sie uns retten können. Vielleicht hätte sie dich gesund machen können. Doch es war mehr als das. Es war Leben.


Ein schöner, runder Text, gut zu lesen und kurzweilig.
Zur Liebe muss ich ganz nüchtern sagen, dass sie wahrscheinlich nur ein Wort ist. Ist das Gefühl noch vorhanden, wenn der Geliebte aus dem Leben scheidet, dann wird sie auch ewig bleiben. Scheidet die Liebe aus dem Leben, während der andere noch ist, dann bleibt nur das Leben. Liebe ist ein Begriff, der im 16. Jh. mit der Erfindung des Theaters geprägt wurde. In anderen Kulturen gibt es diesen Begriff nicht. Im Normalfall hält sie nur so lange, wie die Glückshormone schießen, dann geht sie. Vielleicht kommt sie nach Jahrzehnten in anderer Form zurück, ganz pragmatisch, weil beide sich das Leben zusammen so eingerichtet haben, dass es ohne den anderen nicht mehr funktioniert. Aber das ist nicht mehr die heiße Liebe, sondern eine etwas kühlere, altersgemäßere. Aber nicht weniger schön. Wahre Liebe gibt es meiner Meinung nach nur zwischen Eltern und Kindern. Stirbt ein Kind, dann ist man ab diesem Zeitpunkt selbst gestorben.

Gern gelesen!
Grüße,

Heribert Polta
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