[Krimi]Silver's End

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Krimi]Silver's End

Beitragvon Enfant » 27.06.2013, 00:45

Osmund blickte gedankenverloren in sein Bier. Dieses Mal, fällt es mir schwerer als sonst, dachte er. Anderer Name, andere Geschichte, so hatte er sich das vorgestellt. So war es jedes Mal, wenn er verdeckt ermittelte. Aber diesmal war etwas passiert, schon nach den ersten paar Wochen. Er wurde zu diesem Anderen. Naja, nicht so richtig, dachte er. Nicht auf die Art und Weise, wie er das in Hitchcock-Filmen gesehen hatte. Da verschwimmen dann die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung, Fiktion und Realität. So war es nicht, dachte Osmund. So etwas gab es nur im Film. Es war vielmehr so, dass Osmund sich wohl fühlte, in der Rolle des Anderen. Und er war neugierig. Natürlich sprach er wie der andere, er nahm seine Haltung ein und er lachte wie er. Doch manchmal ertappte er sich dabei, wie er vor dem Spiegel stand und sich fragte, wie sich der Andere wohl rasieren würde. Ob er Gesichtscreme verwenden würde. Ob er auf dem Bauch oder auf dem Rücken schlief. Er wollte dieser Mann sein. Er wollte der Spielzeugvertreter sein, der zwei Kinder hatte, und durch sie seine Leidenschaft für Spielzeug entdeckt hat. Der schrullige, aber sympathische Kerl, der quer durch England reiste und überall Kontakte knüpfte und sich nun in dem Städtchen Silver‘s End für eine Weile niederlassen möchte, um an seinen Ideen für neues Spielzeug zu feilen, weil hier die Luft so gut war. Der herzensgute Revoluzzer-Typ, der glaubt, Spielzeug könne die Welt erobern. Anstatt zu seufzen, denn das hätte wahrlich nicht zu dem Spielzeugvertreter Edwin Michaels gepasst, nahm er einen großen Schluck warmen Bier in den Mund und ließ es schluckweise seine Kehle hinunterlaufen. Er mochte Bier nicht - im Gegensatz zu Edwin Michaels.
Osmund blickte sich um, der Pub war besser besucht als sonst. Der Alte Abe saß wie immer direkt an der Bar und wippte ununterbrochen mit seinem linken Bein, dem "schlechten Bein", wie er es nannte. Wird wohl bald Regen geben, dachte Osmund.
Gleich vor dem Tresen, an den kleinen Tischen für zwei saß der immer fein gekleidete Lester Chapman, mit einem Glas Wein in der Hand und diskutierte mit Jonathan Smith, dem Möchtegern-Galeristen, wie Osmund ihn in Gedanken oft bezeichnete. Er hatte eine Bezeichnung für jeden einzelnen Stadtbewohner, eingeschlossen sich selbst und seinem alter ego.
Überraschenderweise waren auch Pete und Lara Sixsmith da, die beiden aus dem Buchhandel, Osmund hatte sie noch nie zuvor im Pub gesehen. Die rothaarige Mrs. Sixsmith, ihre Augen waren stärker geschminkt als sonst, bemerkte seinen Blick und nickte ihm zu. "Steht ihr gut", dachte Osmund, tippte sich mit zwei Fingern an die Schläfe und lächelte – Edwin Michaels war der Typ für solche Gesten – und ließ seinen Blick weiter schweifen.
Am großen Tisch saß eine Familie, deren Mitglieder allesamt blass und sommersprossig waren. Der Vater erzählte etwas in starkem Northern English-Akzent und hämmerte zweimal auf den Tisch, woraufhin der Rest der Familie lachte. "Touristen", dachte Osmund und wendete seinen Blick ab.
In der dunkelsten Ecke des Pubs, unter dem fleckigen Schwarzweiß-Bild von Patsy Cline, saß ein bulliger Glatzkopf, den Osmund nicht kannte, aß Oliven, und versuchte, mit den Kernen den Aschenbecher am Nebentisch zu treffen. Was für ein ekelhaftes Verhalten. Aber er schien nicht der Typ zu sein, nachdem Osmund suchte. Zumindest stellte sich Osmund ihn anders vor.
„Ich denke, ich rede einfach zu viel. Verstehst du, was ich sagen will, Eddy?“ Oh natürlich, er hatte Reginald vergessen, der ihm gegenüber saß und aufgeregt mit den Händen fuchtelte. Reginald hatte diese seltsame Fähigkeit, in einem Raum völlig unterzugehen, egal was er machte. Er sollte Geheimagent werden. Oder Undercover-Cop. „Manchmal trifft dieser Moment ein, in dem ich rede und rede und rede, und mitten im Reden fällt mir auf, dass der Mensch neben mir schon gar nicht mehr zuhört. Er nickt und nickt, aber seine Augen sind völlig glasig, so als wäre er schon ganz woanders!“
Osmund nickte und nahm einen letzten Schluck Bier, den schaumlosen, lauwarmen Rest ganz unten im Glas, von dem ihm immer etwas schlecht wurde. „Klar“, sagte er dann, als ihn Reginald erwartungsvoll ansah. „Das kenn ich. Das darfst du nicht so ernst nehmen, so ein Verhalten. Das sind Leute mit seelischen Problemen, die können anderen einfach nicht zuhören, ohne ständig an ihren eigenen Kram zu denken.“
„Nein, Eddy! Ich wusste doch, dass du mich nicht verstehst. Es liegt an mir. Ich würde ja gern aufhören zu reden, aber die Wörter und Sätze verselbständigen sich. Ein Satz führt zum nächsten und der zum nächsten und immer so weiter. Ich kann nicht einfach auf der Stelle anhalten, bloß so mitten im Satz. Ich kann’s einfach nicht, das wäre in etwa so, wie…“
Osmund konnte nicht aufhören den Glatzkopf anzustarren. Warum zum Teufel machte er das mit den Olivenkernen? War dem Typen langweilig? Wartete er auf irgendwas? Und seit wann konnte man sich im Auntie’s Goblet Oliven bestellen? Er wippte unruhig mit dem rechten Bein, genauso wie der alte Abe, nur, dass es bei Osmund nicht wegen dem bevorstehenden Regen war. Irgendetwas war mit dem Typen. Er war nicht der, auf den Osmund wartete, und doch …
„…und wenn dann mal ein Dominosteinchen umgefallen ist, müssen auch all die anderen fallen. Genau so geht’s mir mit meinen Sätzen. Verstehst du’s jetzt Eddy?“
„Natürlich. Ich sagte doch, das sind Leute mit seelischen Problemen, die können nicht anders.“
Der Glatzköpfige hatte seine Oliven aufgegessen. Er winkte die Kellnerin zu sich und deutete ihr, sich zu ihm hinunter zu beugen. Sally, die Kellnerin, kam seiner Aufforderung zögerlich nach, hielt aber einen gewissen Abstand zu ihm. Der Glatzkopf zog sie zu sich und fasste ihr an den Hintern. Osmund war schon beinahe aufgestanden, hielt sich aber zurück. Sally wurde für gewöhnlich alleine mit solchen Sachen fertig. Sie riss sich mit einem Ruck los und schmetterte dem Typen ein paar, wahrscheinlich eher unfreundliche Worte ins Gesicht. Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und kehrte zur Schank zurück. Seine nächste Portion Oliven konnte der Glatzkopf wohl vergessen. Brent, der Besitzer des Auntie’s Goblet, hatte den Vorfall anscheinend nicht beobachtet, denn Sally sprach auf ihn ein, während sie immer wieder auf den Tisch mit dem Glatzkopf deutete.
„Entschuldige mich einen Moment, Reginald“, sagte Osmund und stand auf. Ob er nun etwas mit dem Anruf der letzten Nacht zu tun hatte, oder nicht, Osmund wollte ein paar Worte mit dem Mann wechseln. Er ging zu dem Tisch des Glatzköpfigen und setzte sich ohne zu fragen, ihm gegenüber.
„Sie sind nicht von hier, oder?“, sagte er mit seiner ungezwungenen und legeren Stimme.
Der Mann stierte Osmund an und kaute auf einem der Olivenkerne herum, sämtliche Muskeln in seinem Gesicht bewegten sich dabei.
„Sie auch nicht“, sagte er schließlich.
„Nun, da haben Sie richtig geraten.“, lächelte Osmund. „Oder hört man etwa so deutlich, dass ich aus London komme?“
Der Glatzkopf sagte nichts. Er kaute weiterhin auf dem Kern herum, wie ein Pferd auf einem harten Stück Brot. Nur, dass es bei ihm bedrohlich aussah.
„Hören Sie“, Osmund schlug seine versöhnliche „Jetzt seien Sie doch vernünftig“-Stimme an. „Wenn Sie hierhergekommen sind, um Unruhe zu stiften, sollten Sie besser gehen. Brent wird Sie nicht rauswerfen, dazu ist er zu gutmütig. Aber wir anderen Leute von Silver End, möchten nicht, dass sich jemand hier so benimmt wie sie.“
„Sie gehören nicht in dieses Kaff.“
„Nun, nein. Aber ich gedenke, bald hier zu wohnen. Gestatten, ich bin Edwin Rob-„
„Sie sind ein Cop.“
„Bitte?“
„Sie sind ein elender Cop. Ich kenne Sie. Ich kenne Ihre ganze verdammte Lebensgeschichte, wenn Sie so wollen. Sie haben den Auftrag etwas herauszufinden, hier in diesem Rattenloch von Stadt. Einen hohen Auftrag, von ganz oben, nicht? Und jetzt sind Sie schon, fast ein halbes Jahr hier, und haben gar nichts, rein gar nichts, in der Hand. Sie kratzen noch nicht mal an der Oberfläche. Sie sind ein Spinner, die haben Sie ausgewählt, weil Sie irgendwelche speziellen Methoden haben, Sachen rauszufinden. Irgendeinen übernatürlichen Scheiß. Aber wissen Sie was? Das einzige, was Ihnen dabei helfen kann, diese Mordgeschichte zu lösen, habe ich. Und zwar hier, in meinem Mund.“
Osmunds Kehle war trocken geworden während der Mann gesprochen hatte, so trocken, dass er den schalen Rest des Biers von vorhin, gerne noch ein zweites Mal getrunken hätte. Seine Gedanken kreisten um die Frage, ob er seine Tarnung einfach fallen lassen sollte, oder ob er weiterhin den nicht verstehenden, leicht verwirrten Edwin Robertson spielen sollte. Er wollte etwas Unverbindliches sagen, etwas Cleveres, Zweideutiges. Er sah sich erst um, ob irgendjemand auf sie aufmerksam geworden war, ob Sally und Brent immer noch zu ihnen rüber sahen. Dann lehnte er sich vor und leckte sich nervös über die Lippen. Das was er sagte, war: „Was in drei Teufels Namen haben Sie in Ihrem Mund?“
Zuletzt geändert von Enfant am 16.07.2013, 22:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Silver's End

Beitragvon Christine3000 » 05.07.2013, 13:22

Bonjour enfant,

Dein Text gefällt mir gut, ich war praktisch sofort dabei im Pub....und frage mich, warum “gibt" Osmund den verdeckten Ermittler? Wen sucht er und warum?
Es ist schon sehr merkwürdig einen Undercover-Cop zu mimen...denn normalerweise ist ein Undercover-Cop ja schon ein Fake....aber ein Fake zu faken....nun ja. Bin gespannt, wo das hinführt.

Nun zum Text.

Osmund blickte gedankenverloren in sein Bier

Super-Anfang. Gibt gleich eine Idee der Situation und eine prima Einleitung zu den folgenden Gedanken.
Es kommen dann aber ein paar Ungereimtheiten.

Zuerst mal: Du beschreibst, was Osmund denkt. Führst den Leser in seine Gedankenwelt ein. In deiner Beschreibung lässt du aber immer wieder Kommentare einfliessen, die direkt die wörtliche Rede von Osmund sein müssten. Dann will Osmund "irgendwie der Andere werden", wünscht sich, dass er wirklich der Spielzeugvertreter ist, aber er ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch mit seiner Rolle zu verschmelzen und "sie nur zu spielen". Das ist so unklar formuliert, dass ich als Leser aussteige. Ich glaube,das geht besser.
Es war gar nicht einfach, den Undercover-Cop zu geben, gar nicht so einfach. Anderer Name, andere Geschichte, so hatte er sich das vorgestellt. Aber etwas war passiert, schon nach den ersten paar Wochen. Er wurde zu diesem Anderen. Na ja nicht so richtig, nicht auf die Art und Weise, wie das in Hitchcock-Filmen zu sehen ist. Da verschwinden die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung, Fiktion und Realität und so ein Schwachsinn. So war es nicht. Aber Osmund wünschte sich das irgendwie.Er wollte der Spielzeuvertreter sein....


Ich denke, da musst du dich entscheiden.
Entweder es ist klar, dass Osmund selber spricht, dann kannst du Kommentare wie " so ein Schwachsinn" benutzen. Oder du beschränkst dich darauf zu erzählen, wie er die Welt wahrnimmt, ohne zu kommentieren.
Ich geb mal ein Beispiel:

"Es ist nicht so einfach, den Undercover-Cop zu geben, gar nicht so einfach," dachte er.
Anderer Name, andere Geschichte, so hatte er sich das vorgestellt. Aber es funktionierte nicht.
Schon in den ersten paar Wochen war ihm das irgendwie entglitten.
Er dachte an einen dieser Hitchcock -Filme, wo Fiktion und Realität verschwimmen. So war es nicht. Er hatte eher das Gefühl, wirklich zu diesem "Anderen" zu werden. Und auch wieder nicht.
Es war, als beobachte er sich ständig. Wie von selbst kamen ihm Ideen, wie "der Andere" wohl reagieren würde, was er jetzt wohl sagen könnte, sogar welche Körperhaltungen er einnehmen sollte. Das war verwirrend. Als wäre er nicht mehr einer, sondern zwei.
Er wollte wirklich dieser Kerl sein. Der schrullige, aber sympathische Kerl, der quer durch England reist.....

Natürlich war der alte Abe da, wie immer saß er direkt an der Bar und wippte ununterbrochen mit seinem schlechten Bein. Wahrscheinlich würde es bald Regen geben.


Da weiß ich, was du meinst. Osmund kennt den Pub und der alte Abe ist ein vertrautes Bild an der Bar. Jeder weiß, dass er mit dem" schlechten" Bein wippt, wenn das Wetter umschlägt.
Ansich ein schönes Bild. Aber wieder stimmt es nicht ganz, daß du "natürlich" schreibst und gleichzeitig aus dem Off eine Szene schilderst.
Besser wäre es, das einfach nur zu beschreiben ohne den Kommentar. Lass die Szene für sich sprechen, denn das tut sie. Unsicher bin ich mir bei "schlechtes Bein". Kann sein dass der alte Abe sein Bein als ein "schlechtes" bezeichnet...aber kann ein Bein tatsächlich schlecht sein?
Entweder du stellst es in Anführungszeichen, oder du benutzt eine neutrale Bezeichnung wie
verletztes, verkürztes, kriegsversehrtes, Holz-Bein, rheumatisches...
Dass es ein "Wetterzeichen" ist, wenn der alte Abe mit dem Bein wippt, könntest du wieder besser in die wörtliche Rede (bzw. den wörtlichen Gedanken ) kleiden.

Vorschlag:
Der alte Abe, saß wie immer direkt an der Bar und wippte ununterbrochen mit seinem "schlechten Bein". "Wird wohl Regen geben" dachte Osmund .

Gleich vor der Schank, an den kleinen Tischen für Zwei, saß der - wie immer- fein gekleidete Lester Chapman_ mit einem Glas Wein in der Hand und diskutierte mit Jonathan Smith, dem Möchtegern-Galeristen.


"Die Schank" kenne ich nicht als Begriff. Kann sein daß ich mich irre, aber ich meine es müsste "am Ausschank" "am Tresen" "am Zapfhahn" heißen...
Der Ausdruck "Möchtegern-Galerist" ist wieder eine Meinung von Osmund. Sollte also auch so gekennzeichnet sein.

Zum Beispiel so... diskutiert mit J.S. "Dieser Möchtegern-Galerist" dachte Osmund und spürte, wie sich sein Mundwinkel unwillkürlich nach unten verzog.

Die rothaarige Mrs. Sixsmith, ihre Augen waren stärker geschminkt als sonst, was ihr außerordentlich gut stand, bemerkte seinen Blick und nickte ihm zu.

Hier ist wieder eine Bewertung Osmunds in die Beschreibung eingeflossen...." was ihr außerordentlich gut stand". Das macht den Satz insgesamt zu sperrig und nicht in sich stimmig.
Besser: Die rothaarige Mrs Sixsmith- ihre Augen waren stärker geschminkt, als sonst - bemerkte seinen Blick und nickt ihm zu. " Steht ihr gut" dachte Osmund. (ich glaube nach Mrs muss kein Punkt gesetzt werden, bin mir aber auch nicht ganz sicher)

Am grpßen Tisch saß eine Familie, deren Mitglieder allesamt blass und sommersprossig waren, möglicherweise Touristen.


Da würde ich was weglassen. Am großen Tisch saß eine blasse, sommersprossige Familie. Der Vater erzählte..... "Touristen" dachte Osmund.

Wunderbar, wie du den Leser alle markanten Punkte der Kneipe sehen lässt. Den Zweiertisch, den großen Tisch, den Tresen....die Stammgäste. Ich höre förmlich das Stimmengewirr, das Gläserklirren. Ah ja, dabei fällt mir auf. Lautmalerische Beschreibungen, wie eben Geräuscheindrücke schaffen auch gut Atmosphäre. Das nutzt du nicht aus. Musst du auch nicht, ist nur eine Anregung.

So und jetzt wird´s interessant.
In der dunkelsten Ecke des Pubs, unter dem fleckigen Schwarzweiß-Bild von Patsy Cline, saß ein bulliger Glatzkopf, den Osmund nicht kannte, aß Oliven, und versuchte, mit den Kernen den Aschenbecher am Nebentisch zu treffen. Was für ein ekelhaftes Verhalten. Aber er schien nicht der Typ zu sein, nach dem Osmund suchte. Zumindest stellte Osmund ihn sich anders vor.


Da bin ich auch etwas irritiert, wie der Typ auf Osmund wirkt." Bulliger Glatzkopf mit schlechten Manieren" kann lächerlich wirken, aber auch gefährlich. Meiner Meinung nach verdient er noch etwas mehr Aufmerksamkeit. Welche Gefühle löst er in Osmund aus? Findet er ihn einfach nur prollig? Das beraubt die Szene etwas ihrer Spannung. Oder ist der Mann gar nicht so wichtig?

Ansonsten ist der Satz für mich zu lang. Zu viele Kommas zu viele Reihungen. "stellte ihn sich vor" finde ich immer etwas unglücklich als Formulierung. Warum nicht etwas übersichtlicher?
In der dunkelsten Ecke des Pubs unter dem fleckigen Schwarz-Weiß-Bild von Patsy Cline
(hab ich eben gegoogelt und höre gerade " Crazy."...toll, kannte den Namen nicht, aber das Lied schon, habe jetzt aber eine noch besseren Eindruck vom Pub...läuft da eigentlich Musik?)
saß ein bulliger Glatzkopf. ("den Osmund nicht kannte" würde ich weglassen) Er aß Oliven und versuchte mit dem Kernen den Aschenbecher vom Nebentisch zu treffen. "Ekelhaft" dachte Osmund. "Könnte das der Kerl sein, den ich suche? Hab ich mir ganz anders vorgestellt ..."

"Ich denke, ich rede einfach zu viel. Verstehst du, was ich sagen will, Eddy?" Oh natürlich, er hatte Reginald vergessen, der ihm gegenübersaß und aufgeregt mit den Händen fuchtelte. Reginald hatte diese seltsame Fähigkeit, in einem Raum völlig unterzugehen, egal, was er machte. Er sollte Geheimagent werden. Oder Undercover-Cop. " Manchmal trifft dieser Moment ein, in dem ich rede und rede und rede, und mitten im Reden fällt mir auf, daß der Mensch neben mir schon gar nicht mehr zuhört. Er nickt und nickt, aber seine Augen sind völlig glasig, so als wäre er schon ganz woanders." Osmund nickte und nahm einen letzten Schluck Bier, den schaumlosen.lauwarmen Rest, ganz unten im Glas, von dem ihm immer schlecht wurde.
"Klar "sagte er dann, als Reginald ihn erwartungsvoll ansah. "Das kenn Ich. das darfst du nicht so ernst nehmen, so ein Verhalten. das sind Leute mit seelischen Problemen, die können anderen einfach nicht zuhören, ohne ständig an ihren eigenen Kram zu denken."


Das ist eigentlich brilliant. Du beschreibst einen Menschen, dem man einfach nicht zuhört und der eigentlich der perfekte Undercover-Typ ist, weil er so unauffällig ist.
Das machst du aber doppelt. Du lässt diesen Reginald genau das erzählen, was Osmund denkt.
Warum?

Es würde doch vollkommen ausreichen, wenn Reginald redet und Osmund mit glasigen Augen nickt.
Dann hast du den Witz nicht für die ganz Doofen erklärt, sondern der Leser kann ihn selbst entdecken und sich freuen.
"Manchmal trifft dieser Moment ein" ist eine Formulierung, die sich anhört wie eine schlechte Übersetzung....
Besser wäre : "Manchmal rede ich und rede und rede...."
Das mit dem Bierrest ist ein schönes Detail, das ich aber auch gerne anders formuliert hätte.
Etwa so:
Osmund nickte und versuchte unauffällig, seinen glasigen Blick loszuwerden. Er bemerkte, dass er soeben wie auf Autopilot den letzten schaumlosen, lauwarmen Bierrest ausgetrunken hatte. Eine leichte Übelkeit stieg in ihm auf.
Er unterdrückte ein Rülpsen und sah Reginald an: "Das darfst du nicht so ernst nehmen....das sind Leute mit seelischen Problemen....die können einfach nicht zuhören. Denken nur an ihren eigenen Kram..."

So, das war jetzt echt ausführlich. Wahrscheinlich viel zu viel.
Nimm,was du gebrauchen kannst. Ich hoffe, es ist zu verstehen, worum es mir geht. :)

Insgesamt bin ich sehr angetan von deinem Anfang. Spielt die Szene in England? Vieles deutet darauf hin.
Wobei Silver´s End sehr amerikanisch klingt. Patsy Cline ist auch amerikanisch und nicht sooo bekannt, oder? Vielleicht bin ich da auch nicht so bewandert.

Bin auf jeden Fall ein wenig hin und hergerissen...klingt insgesamt vom Ton her amerikanisch, vom setting her eindeutig englisch.

Vielleicht ist das ja Absicht.
Okay! Ich hoffe, geholfen zu haben. Freu mich auf die Fortsetzung.
Christine3000
 
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Re: Silver's End

Beitragvon Enfant » 16.07.2013, 22:05

Hallo liebe Christine!

Vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist ein sehr seltsames und interessantes Gefühl, wenn sich jemand fremdes die Zeit nimmt, mein Geschreibsel durchzulesen. Aber auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

Dein Text gefällt mir gut, ich war praktisch sofort dabei im Pub....und frage mich, warum “gibt" Osmund den verdeckten Ermittler? Wen sucht er und warum?
Es ist schon sehr merkwürdig einen Undercover-Cop zu mimen...denn normalerweise ist ein Undercover-Cop ja schon ein Fake....aber ein Fake zu faken....nun ja. Bin gespannt, wo das hinführt.


Ja, da hab ich schon mal meinen ersten Fehler im Ausdruck. Er „gibt“ keinen Undercover-Typen, so wie ich geschrieben habe, sondern er ist einer. Also er ist Polizist, schlüpfte aber in die Rolle eines Spielzeughändlers. Ich kann aber deine Verwirrung verstehen, ich hab das falsch formuliert. Ich hoffe du bist trotzdem noch gespannt…

Ich denke, da musst du dich entscheiden.
Entweder es ist klar, dass Osmund selber spricht, dann kannst du Kommentare wie " so ein Schwachsinn" benutzen. Oder du beschränkst dich darauf zu erzählen, wie er die Welt wahrnimmt, ohne zu kommentieren.


Ja, da hast du wohl recht. Dein Vorschlag, das ganze anders zu formulieren, gefällt mir ganz gut und ich denke, ich werde da wohl etwas übernehmen. Dankeschön!

Da weiß ich, was du meinst. Osmund kennt den Pub und der alte Abe ist ein vertrautes Bild an der Bar. Jeder weiß, dass er mit dem" schlechten" Bein wippt, wenn das Wetter umschlägt.
Ansich ein schönes Bild. Aber wieder stimmt es nicht ganz, daß du "natürlich" schreibst und gleichzeitig aus dem Off eine Szene schilderst.
Besser wäre es, das einfach nur zu beschreiben ohne den Kommentar. Lass die Szene für sich sprechen, denn das tut sie. Unsicher bin ich mir bei "schlechtes Bein". Kann sein dass der alte Abe sein Bein als ein "schlechtes" bezeichnet...aber kann ein Bein tatsächlich schlecht sein?
Entweder du stellst es in Anführungszeichen, oder du benutzt eine neutrale Bezeichnung wie
verletztes, verkürztes, kriegsversehrtes, Holz-Bein, rheumatisches...
Dass es ein "Wetterzeichen" ist, wenn der alte Abe mit dem Bein wippt, könntest du wieder besser in die wörtliche Rede (bzw. den wörtlichen Gedanken ) kleiden.

Vorschlag:
Der alte Abe, saß wie immer direkt an der Bar und wippte ununterbrochen mit seinem "schlechten Bein". "Wird wohl Regen geben" dachte Osmund .


Jap, das klingt nicht schlecht und weitaus verständlicher. Ich werde darüber nachdenken. Schon komisch, dass mir gar nicht auffällt, wie unverständlich mein Text teilweise für andere sein muss.

"Die Schank" kenne ich nicht als Begriff. Kann sein daß ich mich irre, aber ich meine es müsste "am Ausschank" "am Tresen" "am Zapfhahn" heißen...
Der Ausdruck "Möchtegern-Galerist" ist wieder eine Meinung von Osmund. Sollte also auch so gekennzeichnet sein.


„Schank“ ist wohl ein österreichischer Begriff. Das werde ich dann auch umändern, man soll schließlich Standard-deutsch verwenden!!! :wink:

Zum Beispiel so... diskutiert mit J.S. "Dieser Möchtegern-Galerist" dachte Osmund und spürte, wie sich sein Mundwinkel unwillkürlich nach unten verzog.

Hier ist wieder eine Bewertung Osmunds in die Beschreibung eingeflossen...." was ihr außerordentlich gut stand". Das macht den Satz insgesamt zu sperrig und nicht in sich stimmig.
Besser: Die rothaarige Mrs Sixsmith- ihre Augen waren stärker geschminkt, als sonst - bemerkte seinen Blick und nickt ihm zu. " Steht ihr gut" dachte Osmund. (ich glaube nach Mrs muss kein Punkt gesetzt werden, bin mir aber auch nicht ganz sicher)

Da würde ich was weglassen. Am großen Tisch saß eine blasse, sommersprossige Familie. Der Vater erzählte..... "Touristen" dachte Osmund.


Geb ich dir auch recht, in nahezu jedem Punkt. Danke, Christine!

Wunderbar, wie du den Leser alle markanten Punkte der Kneipe sehen lässt. Den Zweiertisch, den großen Tisch, den Tresen....die Stammgäste. Ich höre förmlich das Stimmengewirr, das Gläserklirren. Ah ja, dabei fällt mir auf. Lautmalerische Beschreibungen, wie eben Geräuscheindrücke schaffen auch gut Atmosphäre. Das nutzt du nicht aus. Musst du auch nicht, ist nur eine Anregung.


Das freut mich, dass ein paar Sachen nach deinem Geschmack geraten sind. Ja, ich denke, ich werde mal wo ein Gläserklirren einbauen.

Da bin ich auch etwas irritiert, wie der Typ auf Osmund wirkt." Bulliger Glatzkopf mit schlechten Manieren" kann lächerlich wirken, aber auch gefährlich. Meiner Meinung nach verdient er noch etwas mehr Aufmerksamkeit. Welche Gefühle löst er in Osmund aus? Findet er ihn einfach nur prollig? Das beraubt die Szene etwas ihrer Spannung. Oder ist der Mann gar nicht so wichtig?


Oh ja, der Mann ist wichtig. Aber reicht es nicht aus, dass man im Verlauf der Geschichte erfährt, wie wichtig er ist. Man lest ja oft, wie etwas in Romanen nur nebenbei angedeutet wird, und dann später aufeinmal wichtig wird. Dann blättert man zutück und lest nach. „War das wirklich so?“ „Wie ist das nochmal da gestanden?“ etc. So was, wollte ich glaube ich, erreichen.

Ansonsten ist der Satz für mich zu lang. Zu viele Kommas zu viele Reihungen. "stellte ihn sich vor" finde ich immer etwas unglücklich als Formulierung. Warum nicht etwas übersichtlicher?
In der dunkelsten Ecke des Pubs unter dem fleckigen Schwarz-Weiß-Bild von Patsy Cline
(hab ich eben gegoogelt und höre gerade " Crazy."...toll, kannte den Namen nicht, aber das Lied schon, habe jetzt aber eine noch besseren Eindruck vom Pub...läuft da eigentlich Musik?)


Ja, Crazy ist echt super. Ich hab ihr Bild deswegen eingebaut, weil ich während des Schreibens einen Ohrwurm von Crazy hatte. Der kanadische Film C.R.A.Z.Y von Jean-Marc Vallée ist übrigens ein echt guter Film in dem das Lied eine kleine Rolle spielt.
Es läuft auch Musik, aber eher nicht Patsy Cline. Aber gute Idee, vielleicht sollte ich da noch irgendeinen Song einbauen, der gerade läuft.

Das ist eigentlich brilliant. Du beschreibst einen Menschen, dem man einfach nicht zuhört und der eigentlich der perfekte Undercover-Typ ist, weil er so unauffällig ist.
Das machst du aber doppelt. Du lässt diesen Reginald genau das erzählen, was Osmund denkt.
Warum?

Es würde doch vollkommen ausreichen, wenn Reginald redet und Osmund mit glasigen Augen nickt.
Dann hast du den Witz nicht für die ganz Doofen erklärt, sondern der Leser kann ihn selbst entdecken und sich freuen.


Okay, damit, wie der Leser denkt, was er versteht und was nicht, habe ich noch echte Probleme. Glaubst du würde man das verstehen, wenn ich es so mache wie du? Vielleich hast du recht, vielleicht hast aber auch nur du den „Witz“ so schnell bemerkt, und jeder andere fragt sich: Okay, was soll das jetzt?

So, das war jetzt echt ausführlich. Wahrscheinlich viel zu viel.
Nimm,was du gebrauchen kannst. Ich hoffe, es ist zu verstehen, worum es mir geht.


Oh nein, es ist alles andere als zu viel. Es kann gar nicht genug sein.

Insgesamt bin ich sehr angetan von deinem Anfang. Spielt die Szene in England? Vieles deutet darauf hin.
Wobei Silver´s End sehr amerikanisch klingt. Patsy Cline ist auch amerikanisch und nicht sooo bekannt, oder? Vielleicht bin ich da auch nicht so bewandert.

Bin auf jeden Fall ein wenig hin und hergerissen...klingt insgesamt vom Ton her amerikanisch, vom setting her eindeutig englisch.

Vielleicht ist das ja Absicht.


Ja, es spielt in England. Das mit Patsy Cline ist vielleicht nicht so gelungen, da das möglicherweise nicht das ist, was normalerweise so in Pubs gehört wird, geschweige denn was in Bildform an den Wänden rumhängt. Aber mir ist es nicht so wichtig, wie das normalerweise ist. Es kann doch sein, dass der Pubbesitzer Patsy Cline-Fan ist. Vielleicht war er auf einem Konzert von ihr, irgendwann als er noch in den USA gelebt hat. Oder es war ein Geschenk, von einer amerikanischen Cousine. Vielleicht hat er das Bild auch nur aufgehängt, weil er es irgendwo gefunden hat und ihm die Frau gefiel? Wer weiß?

Eins macht mir aber Sorgen: Meine Geschichte klingt vom Ton her amerikanisch? Wie soll ich das verstehen? Liegt es daran, dass ich zu viele amerikanische Bücher gelesen habe und nun unbewusst deren Stil kopiere? Neeeeiiin! ! !

Okay! Ich hoffe, geholfen zu haben. Freu mich auf die Fortsetzung.


Du hast mir allemal geholfen, vielen Dank!
Enfant
 
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Re: Silver's End

Beitragvon Sturmvogel » 22.04.2015, 10:40

Heyo,

ich schreibe dir zu dieser Geschichte mal meinen ersten Kommentar. Ich hoffe
du hast nichts dagegen ;)

Die Geschichte ist sehr spannend und interessant geschrieben, da es keine Hintergrundinformationen
gibt. Man weiß weder von wem Osmund engagiert wurde bzw. in welchem Fall er ermittelt noch was
überhaupt passiert ist.
Der Beginn
Enfant hat geschrieben:Osmund blickte gedankenverloren in sein Bier.
ist dabei besonders gut gelungen, da man direkt in die Geschichte einsteigen kann. Man bekommt dieses "was ist überhaupt los"-Gefühl.

Enfant hat geschrieben:Er wollte der Spielzeugvertreter sein, der zwei Kinder hatte, und durch sie seine Leidenschaft für Spielzeug entdeckt hat. Der schrullige, aber sympathische Kerl, der quer durch England reiste und überall Kontakte knüpfte und sich nun in dem Städtchen Silver‘s End für eine Weile niederlassen möchte, um an seinen Ideen für neues Spielzeug zu feilen, weil hier die Luft so gut war. Der herzensgute Revoluzzer-Typ, der glaubt, Spielzeug könne die Welt erobern. Anstatt zu seufzen, denn das hätte wahrlich nicht zu dem Spielzeugvertreter Edwin Michaels gepasst, nahm er einen großen Schluck warmen Bier in den Mund und ließ es schluckweise seine Kehle hinunterlaufen. Er mochte Bier nicht - im Gegensatz zu Edwin Michaels.

In diesem Abschnitt beschreibst du den "Anderen" ziemlich genau. Mir fehlt hier ein bisschen der Kontrast zu Osmund. Beispielsweise in dem du mehr Vergleiche wie den mit dem Bier einbaust. Durch die Unterschiede zwischen den Persönlichkeiten bekommt man - oder ich zumindest - ein besseres Gefühl bzw. Verständnis für die seelische Situation des Protagonisten. Man kann dann seine Verwirrtheit besser nachvollziehen, denke ich. Wenn allerdings eine längere Geschichte daraus wird - das Potential dazu ist vorhanden - kannst du das Stück für Stück langsam aufbauen.
Auf jeden Fall ist dieser innere Zwist eine originelle Idee in einem Krimi. Auch die Interaktion zwischen den Charakteren (Osmund/Edwin und Reginald z.B.) finde ich ist dir gut gelungen.
Wenn ich irgendwann eine Fortsetzung dazu kommentieren darf, würde ich mich sehr freuen ;)

mbG Sturmvogel
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Re: Silver's End

Beitragvon beatrice » 03.06.2015, 15:27

Hallo enfant,

Obwohl ich kaum Krimis lese, hat mich deine Geschichte gefesselt. Du wählst eine interessante Perspektive, beschreibst einen Charakter dadurch, dass du genau nicht auf seine eigenen Merkmale eingehst, sondern indem du ihn einen Anderen spielen lässt. Osmund ist dir meiner Meinung nach gelungen und wirkt glaubwürdig.
Mich hat es neugierig gemacht, die Hintergründe zu erfahren. Du deckst Schicht um Schicht auf, wahnsinnig gerne würde ich weiterlesen. Oder ist der Text als Kurzgeschichte gedacht? Dann hat er mich definitiv zum Nachdenken angeregt und ich könnte mir vorstellen, dass er mich noch eine Weile beschäftigen wird.

Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass der Text mit der Zeit an Tiefe gewinnt, immer besser konnte ich mich in die Situation hineinversetzen, bis ich am Ende wirklich in der Bar saß. Allerdings hat mich der Anfang an einer Stelle ein wenig verwirrt, aber ich habe unten geschrieben, warum. Dass du schreiben kannst, hast du mit dem Rest des Textes aber bewiesen.

Auf ein paar Dinge will ich noch genauer eingehen:

Anderer Name, andere Geschichte, so hatte er sich das vorgestellt. So war es jedes Mal, wenn er verdeckt ermittelte.


Ich finde die Sätze an sich nicht ganz so schlüssig. Du definierst nicht, was oder wie er sich das vorgestellt hat. Anscheinend hat er sich das Ganze ja einfacher oder zumindest anders vorgestellt. Er war es gewohnt auf die Sitation anders zu reagieren, zu seiner Rolle immernoch einen gewissen Abstand zu erhalten und sich nicht selbst in der Rolle zu verlieren.

Ich habe mir überlegt, dass du diesen Abschnitt einfach herauslassen könntest. So bleibst du bei deinem System in Ruhe eine Schicht nach der Anderen von der Zwiebel abzuziehen und den Leser dadurch in die Geschichte zu holen. Er wird nicht irritiert, sondern lernt Osmund langsam und gemählich kennen, bis er sich komplett in ihn hineinversetzen kann. Das dir das mit dem Rest der Geschichte gelungen ist, finde ich übrigens beeindruckend!

Also in etwa so:
     "Osmund blickte gedankenverloren in sein Bier. Dieses Mal, fällt es mir schwerer als sonst, dachte er. Diesmal war etwas passiert, schon nach den ersten paar Wochen. Er wurde zu diesem Anderen. Naja, nicht so richtig, dachte er. Nicht auf die Art und Weise, wie er das in Hitchcock-Filmen gesehen hatte. Da verschwimmen dann die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung, Fiktion und Realität. So war es nicht, dachte Osmund. So etwas gab es nur im Film. Es war vielmehr so, dass Osmund sich wohl fühlte, in der Rolle des Anderen."


Ich denke der Leser würde trotzdem darauf kommen, dass Osmund ein verdeckter Ermittler ist, auch wenn du es anfangs nicht erwähnst. Deine Beschreibung, wie sehr ihm Edwins Rolle zusagt, ist schließlich wirklich gut. Interessant dabei: Du charakterisierst Osmund gleich mit, alleine dadurch, dass du aufzählst, was er alles nicht ist.

Der schrullige, aber sympathische Kerl, der quer durch England reiste und überall Kontakte knüpfte und sich nun in dem Städtchen Silver‘s End für eine Weile niederlassen möchte, um an seinen Ideen für neues Spielzeug zu feilen, weil hier die Luft so gut war.


Den Satz finde ich persönlich ein wenig zu lang. Du presst hier ganz schön viel Information mit hinein. Vielleicht könntest du den Satz einfach teilen?

     Der schrullige, aber sympathische Kerl, der quer durch England reiste und überall Kontakte knüpfte, um an seinen Ideen für neues Spielzeug zu feilen. Und der sich nun im Städtchen Silver's End niederlassen wollte, weil hier die Luft so gut war.

Obwohl das eigentlich keine Hauptsätze, sondern nur Nebensätze sind, liest sich der Abschnitt gut, denn es spiegelt die Gedanken von Osmund wieder, die Art und Weise, wie er spricht.

Anstatt zu seufzen, denn das hätte wahrlich nicht zu dem Spielzeugvertreter Edwin Michaels gepasst, nahm er einen großen Schluck warmen Bier in den Mund und ließ es schluckweise seine Kehle hinunterlaufen.


Inhaltlich toll, denn du stellst sein schauspielerisches Talent dar; ein paar sprachliche Feinheiten:
     "nahm er einen großen Schluck des warmen Biers in den Mund"

außerdem verwendest du "schluck" doppelt, das "schluckweise" würde ich herausstreichen.

Gleich vor dem Tresen, an den kleinen Tischen für zwei[,] saß der immer fein gekleidete Lester Chapman, mit einem Glas Wein in der Hand und diskutierte mit Jonathan Smith, dem Möchtegern-Galeristen, wie Osmund ihn in Gedanken oft bezeichnete.


Ein kleiner Kommafehler, ansonsten anschaulich und gut! Auch gefällt mir die Namenswahl deiner Charaktere!

Er hatte eine Bezeichnung für jeden einzelnen Stadtbewohner, eingeschlossen sich selbst und seinem alter ego.


Ich könnte mich auch täuschen, aber ich denke, Alter Ego wird groß geschrieben.

Aber er schien nicht der Typ zu sein, nachdem Osmund suchte. Zumindest stellte sich Osmund ihn anders vor.


Da du zwei Mal seinen Namen verwendest, würde ich ihn einmal mit "er" ersetzen.

Das darfst du nicht so ernst nehmen, so ein Verhalten. Das sind Leute mit seelischen Problemen, die können anderen einfach nicht zuhören, ohne ständig an ihren eigenen Kram zu denken.“


Die Dialogpassage hat mich amüsiert! Ist dir gut gelungen! Gerade durch deine Pubbeschreibung konnte ich mich gut in das Geschehen hineinversetzen.
Hier glaube ich wird "Anderen" groß geschrieben.

Sally wurde für gewöhnlich alleine mit solchen Sachen fertig. Sie riss sich mit einem Ruck los und schmetterte dem Typen ein paar, wahrscheinlich eher unfreundliche[,] Worte ins Gesicht.


Wieder bloß ein Kommafehler. Ich habe hier immer schneller zu lesen begonnen, Spannung hat sich aufgebaut! Bei dem "wahrscheinlich eher unfreundliche" würde ich vielleicht sogar das "wahrscheinlich eher" herauslassen, dann bräuchtest du das Komma doch nicht!

Er ging zu dem Tisch des Glatzköpfigen und setzte sich ohne zu fragen, ihm gegenüber.

Ich glaube der Satz müsste umgestellt werden:
     "und setzte sich ihm gegenüber, ohne zu fragen."

Und jetzt sind Sie schon, fast ein halbes Jahr hier, und haben gar nichts, rein gar nichts, in der Hand.


Hier sind die Kommas zu viel!
Ich habe mich am Ende des Textes gefragt, wie er es eigentlich bewerkstelligt so lange in der Stadt zu wohnen, hat er dann auch eine komplette Undercover-Familie? Schließlich hast du davon gesprochen, dass er zwei Kinder hat. Das würde doch auffallen, falls sie nicht mit ihm da sind, wenn er schon sechs Monate in der Stadt ist. Außerdem war ich kurz irritiert, denn am Anfang schreibst du, der beschließt sich in Silver's End niederzulassen, da dachte ich er sei noch nicht so lange da. Vielleicht erst ein paar Woohen, obwohl er dafür die Bewohner eigentlich schon zu gut einschätzen konnte. Vielleicht ist es oben besser wenn du schreibst "sesshaft zu werden"
Aber das sind jetzt nur ein paar Dinge, die mich gar nicht mal so sehr gestört haben, sondern die mir einfach aufgefallen sind.

"Irgendeinen übernatürlichen Scheiß."

Und ich dachte erst, es ist ein realistischer Krimi. Spannend, spannend. Hat meine Neugier geweckt!

Das einzige, was Ihnen dabei helfen kann, diese Mordgeschichte zu lösen, habe ich.


"Einzige" wird groß geschrieben.

Das was er sagte, war:


Ich habe den Satz beim Lesen übersprungen. Schon durch den Inhalt wird deutlich, das Osmund spricht, du könntest den Satz also einfach streichen.

Alles in allem bin ich wirklich gespannt darauf, wie du das ganze auflöst, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Ich würde supergerne noch mehr lösen! Dein Schreibstil ist toll und du hast mich in die Geschichte hineingezogen! Weiter so :wink:

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Liebe Grüße,
Bea
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
beatrice
 
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