Skelette / Teil 1

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

Skelette / Teil 1

 
So - hier meine erste eigene Geschichte. Sie ist in vier Teile gegliedert.

Skelette - Teil 1

Es war über Nacht gekommen: Mitten am Dorfplatz zwischen den alten Hainbuchen lag am Morgen ein Skelett. Es war eindeutig ein menschliches Skelett und die Hunde des Dorfes hatten es als Erste entdeckt. Aufgeregt daran schnuppernd und laut bellend gaben sie Laut von ihrem Fund.

Herr Holm, der Briefträger des kleinen Dorfes, hatte die bellenden Hunde schon gehört, als er zur Post gegangen war um dort sein Fahrrad mit der Posttasche zu beladen. Als er kurz darauf über den Dorfplatz fuhr, sah er das Skelett dort liegen. Nachdem er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, fuhr er eilends ins Bürgermeisterbüro und erstattete dort Mitteilung von seinem Fund.

Herr Holm war als zuverlässig bekannt und kein Mensch konnte ihm nachsagen, dass er jemals Lügen erzählt hätte, trotzdem ging der Bürgermeister höchstpersönlich mit ihm auf den Dorfplatz, um sich von der Richtigkeit dieser Neuigkeit zu überzeugen.

Tatsächlich: Mitten am Dorfplatz lag es - zwischen den ordentlich zusammengekehrten Laubhaufen des letzten Herbstes: Ein menschliches Skelett.

Der Bürgermeister zog sein Mobiltelefon heraus und meldete dies postwendend in der zuständigen Polizeibehörde der nächsten grösseren Stadt.

Polizeiinspektor Müller wusste nicht mehr ein noch aus, als dieser Anruf hereinkam:

Es war nun schon der Siebzehnte an diesem Tag , der aus einem der umliegenden Dörfer anrief und vom Fund eines menschlichen Skelettes berichtet hatte. Sein Kopf schwirrte, aber das Schreiben der Berichte unterdrückte die Panik, die sich in ihm ausbreitete.
Er funktionierte wie er es in langen Dienstjahren routiniert gelernt hatte und schrieb Bericht über Bericht:

Ein Skelett - gefunden in Gundertshausen - Fundort Dorfplatz unter den Hainbuchen - Fundzeit 5.43.
Ein Skelett - gefunden in Masserdingen - Fundort Scheune von Bauer Habereder - Fundzeit 4.21
Ein Skelett - gefunden in Hammersberg - Fundort Am Alten Torplatz - Fundzeit 7.01
Ein Skelett ....

Skelett um Skelett wurde in den nächsten Morgenstunden gemeldet. Während PI Müller damit beschäftigt war, wechselweise die Fundorte aufzunehmen und telefonisch nach Verstärkung durch zusätzliche Polizeistreifen anzufragen (Seiner eigenen Polizeiinspektion waren außer ihm nur 4 Männer zugeordnet), hatte er das Gefühl, seine Welt kippte aus den Angeln. Den aufkommenden Schwindel und die Panik unterdrückte er mit einigen Schnäpsen und blieb weiterhin in seiner Routine.

Wie in außergewöhnlichen Fällen üblich, wollte er den Vorgesetzten in der Mittleren Kreisbehörde informieren, um seine Hilflosigkeit nach oben zu delegieren. Der Telefonanschluss dort war jedoch ununterbrochen besetzt und so konnte er zu seinen zwei Streifenwagen keine Verstärkung bekommen.
Seine Männer mussten also alles alleine erledigen: alle Dörfer anfahren, die Fundorte absichern und genaue Notizen zu den Fundzeiten, zur Lage der Skelette etc. aufnehmen.

Bis um 15.00 Uhr hatte Herr Müller Meldung aus fast allen Dörfern und Weilern erhalten, die seiner Inspektion zugeordnet waren.
In jeder Ortschaft war ein Skelett gefunden worden.

Zermürbt von der nervlichen Anstrengung, die es ihm gekostet hatte, diesen Irrsinn von sich fernzuhalten und gleichzeitig seine dienstliche Routine aufrechtzuerhalten, ging Müller am Nachmittag nach Hause um sich kurz auszuruhen und um zu sich zu finden.

Seine vier Männer waren weiterhin ununterbrochen von einem Ort in den anderen unterwegs.

Er beschloss, wenn er bis gegen 18.00 Uhr nicht die Mittlere Kreisbehörde erreicht hatte, dort persönlich vorbeizufahren. Das unvermittelte Auftauchen dieser vielen Skelette erforderte Aufklärung und zwar schnell.

Etliche Bauern aus den umliegenden Dörfern waren im Laufe des Tages schon bei der PI 1 vorgefahren, um persönlich zu berichten.
Die Reaktionen der Bauern reichten von heller Aufregung, kurz davor ins Hysterische überzugehen, bis hin zu mehr geerdetem und pfeiferauchendem Abwarten.

Bevor Müller etwas erholt wieder zurück zu seiner Dienststelle ging, die nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt lag, kippte er zum wiederholten Male an diesem Tage einen Cognac, um seine flatternden Nerven zu beruhigen.

Gegen 17.00 Uhr kamen seine vier Kollegen zurück. Erschöpft und totenbleich betraten sie das gemeinsame Büro.

Einer von ihnen ging gleich an den PC und begann die Berichte zu erfassen; die anderen drei schwiegen .

"In allen Dörfern?" fragte Müller nur kurz.

Die Männer nickten betroffen. Einer antwortete mit einem kurzen "Ja".

von Narziss u Goldmund

Re: Skelette

 
Deine Geschichte finde ich sprachlich und stilistisch gelungen. Den Leser wirfst du zunächst ohne Vorwarnung in eine beklemmende Situation, dann baust du sie in eine erschreckende Größenordnung aus und löst sie am Ende nicht auf. Als Leser beschäftigen mich dann solche profanen Fragen wie: "Warum liegen die Skelette da?", "Wie kommen sie da hin?" oder "Welchen Zweck erfüllen sie?". Deine Erzählung gibt darauf keine Antwort, ich schließe daraus, dass es nicht um die Lösung des Problems geht, sondern um das Problem selbst. Welche Aussage hat also das Problem an sich für den Leser bereit? Ich persönlich würde denken, dass du dich mit Extremsituationen/Ausnahmezuständen beschäftigen wolltest. Möchtest du dem nachgehen, wie Menschen in Ausnahmesituationen aus ihren normalen Verhaltensmustern ausbrechen und die Situationen meistern, oder eben daran scheitern?

Nach den vielen Fragen an dich noch eine kurze inhaltliche Anmerkung: Im ersten Beitrag kippt Müller bereits einige Schnäpse und im zweiten dann
- ganz gegen seine Gewohnheit - einen Cognac um die flatternden Nerven zu beruhigen.

Wenn er kein gewohnheitsmäßiger Trinker in der Dienstzeit ist, würde ich die ersten Schnäpse streichen und durch ein für ihn sehr ungewöhnliches Verlangen nach Alkohol ersetzen, dem er dann erst am Ende nachgibt.


Soweit.

Toerless

von Der_Junge_Toerless

Re: Skelette

 
Dankeschön Junger_Toerless

die Geschichte ist eigentlich noch gar nicht zuende :D ; aber nach Deinem Kommentar bin ich am Überlegen, ob ich sie nicht zuende sein lasse hier an dieser Stelle.

Den Polizeiinspektor habe ich nun zum Gewohnheitstrinker gewandelt - Danke für Deinen Hinweis.

Ich habe jetzt einfach zwei Versionen von "Skelette" erstellt.
Diese hier, die Du so freundlich gewürdigt hast ist die VErsion 1
und im nächsten Thread werde ich die Version 2 erstellen ; das ist die GEschichte, die weitergeht.

Herzliche Grüße

Narzissundgoldmund

von Narziss u Goldmund

Re: Skelette / Teil 1

 
Liebe Narziss u Goldmund,

am Ende der Geschichte (im Thread von Teil 4) habe ich ja bereits einen Kommentar abgegeben.
Jetzt gehe ich mal wie versprochen deine Geschichte Teil für Teil durch, je nachdem, wie meine Zeit es zulässt.
Satzzeichen-Fehler sind rot, Rechtschreib-Korrekturen sind blau, Ausdruck-Korrekturen sind grün. Zumindest versuche ich es so ;-)

Es war über Nacht gekommen: Mitten am Dorfplatz zwischen den alten Hainbuchen lag am Morgen ein Skelett Punkt Es war eindeutig ein menschliches Skelett und die Hunde des Dorfes hatten es als Erste entdeckt. Aufgeregt daran schnuppernd und laut bellend gaben sie Laut von ihrem Fund.


Hier fehlt mir die Anmerkung, dass niemand die Hunde merkt bzw. niemand ihrem Laut Aufmerksamkeit zollt. Es hatte mich im nächsten Absatz verwirrt, dass Herr Holm nichts von den Hunden mitgekriegt hat. Vielleicht kannst du das besser verbinden.

Als Herr Holm später die Post ausfuhr, sah er es dort liegen Punkt ("und"<-löschen) Nachdem er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, fuhr er eilends ins Bürgermeisterbüro und erstattete dort Mitteilung von seinem Fund.


Herr Holm war zwar als zuverlässig bekannt und kein Mensch konnte ihm nachsagen, dass er jemals Lügen erzählt hätte;<-Komma trotzdem ging der Bürgermeister höchstpersönlich mit ihm auf den Dorfplatz Komma um sich von der Richtigkeit dieser Neuigkeit zu überzeugen.


Der Bürgermeister zog sein Mobiltelefon heraus und meldete dies postwendend in der zuständigen Polizeibehörde der nächsten größeren Stadt.


Polizeiinspektor Müller wusste nicht mehr ein noch aus, als dieser Anruf hereinkam:

Es war nun schon der Siebzehnte an diesem Tag fehlerhaftes Leerzeichen, der aus einem der umliegenden Dörfer anrief und vom Fund eines menschlichen Skelettes berichtet hatte. Sein Kopf schwirrte, aber das Schreiben der Berichte unterdrückte die Panik, die sich ihn ihm ausbreitete. Er funktionierte Komma wie er es in langen Dienstjahren routiniert gelernt hatte und schrieb Bericht für Bericht:


Skelett um Skelett wurden in den nächsten Morgenstunden gemeldet. Während PI Müller damit beschäftigt war, wechselweise die Fundorte aufzunehmen und telefonisch nach Verstärkung durch Polizeistreifen anzufragen (Seiner eigenen Polizeiinspektion waren außer ihm nur 4 Männer zugeordnet), hatte er das Gefühl, seine Welt kippte aus den Angeln. Den aufkommenden Schwindel und die Panik unterdrückte er mit einigen Schnäpsen und blieb weiterhin in seiner Routine.


Das mit der Verstärkung habe ich geändert, da es so geschrieben war, als hätte er Verstärkung schon angeordert. Aber damit hat er ja Probleme, was der Leser überraschend im nächsten Absatz erfährt.

Wie in außergewöhnlichen Fällen üblich wollte er den Vorgesetzten in der Mittleren Kreisbehörde informieren, um seine Hilflosigkeit nach oben delegieren zu können;<-Punkt Der Telefonanschluss dort war jedoch ununterbrochen besetzt und so konnte er zu seinen zwei Streifenwagen keine Verstärkung gewinnen.
Seine Männer mussten also alles allein erledigen Doppelpunkt "und"<-löschen alle Dörfer anfahren, die Fundorte absichern Komma und sich<-löschen genaue Notizen über die Fundzeiten, Lage der Skelette etc. aufnehmen.


Bis um 15.00 Uhr hatte Herr Müller Meldung aus fast allen Dörfern und Weilern erhalten, die seiner Inspektion zugeordnet waren, erhalten<-löschen.


Zermürbt von der nervlichen Anstrengung, die es ihn gekostet hatte, diesen Irrsinn von sich fernzuhalten und gleichzeitig seine dienstliche Routine aufrechtzuerhalten, völlig zermürbt,<-löschen ging Müller am Nachmittag nach Hause Komma um sich kurz auszuruhen und um zu sich zu finden.


Seine vier Männer waren weiterhin ununterbrochen von einem Ort in den anderen unterwegs.


Er beschloss, wenn er bis gegen 18.00 Uhr nicht die Mittlere Kreisbehörde erreicht hatte, dort persönlich vorbeizufahren Punkt Das unvermittelte Auftauchen dieser vielen Skelette erforderte Aufklärung und zwar schnell.


Etliche Bauern aus den umliegenden Dörfern waren im Laufe des Tages schon bei der PI 1 vorgefahren Komma um persönlich zu berichten.
Die Reaktionen der Bauern reichten von heller Aufregung - kurz davor Komma ins Hysterische überzugehen - bis hin zu mehr geerdetem und pfeiferauchendem Abwarten.


Bevor Müller etwas erholt wieder zurück zu seiner Dienststelle ging, die nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt lag, kippte er zum wiederholten Male an diesem Tage einen Cognac runter Komma um seine flatternden Nerven zu beruhigen.


Die beiden Sätze deiner Version habe ich zu Einem verbunden, denn die Einleitung "Müller ruhte sich kurz aus" ist doppelt. Das hast du weiter oben ja schon erwähnt, dass er zuhause ist, um sich auszuruhen.

So, das hat richtig Spaß gemacht. :-D

herzlich
mayanan

von mayanan

Re: Skelette / Teil 1

 
Liebe mayanan,

herzlichen Dank für Deine Arbeit hier - umso schöner, wenn es Dir Spass gemacht hat.
Wie ich ja am Ende von Teil 4 schon schrieb, ist diese Geschichte nun zu meinem Kind geworden :D - auch dadurch, daß Toerless und Du darüber mit mir sprechen und andere sie gelesen haben.

Und ich merke meine schludrige Haltung zu meinen "Werken", nämlich dem Kind nun nicht die Schuhe zu kaufen, die es braucht um laufen zu lernen.

Aber so wird nie was werden aus meinem Wunsch, das Schreiben auszubauen und daher werde ich in den nächsten Tagen Deine Anmerkungen in rot, blau und grün gerne näher sichten und tw. übernehmen :D .

Habe nämlich vor, die Erzählung einer Zeitung hier bei mir vorzustellen und wer weiß, vielleicht wird sie ja veröffentlich.

Dann habt Ihr beide Toerless und Du mayanan, eine Herzkirsche gut :D

Narzissundgoldmund

von Narziss u Goldmund

Re: Skelette / Teil 1

 
Sodale liebe mayanan,

hier folgt nun der Teil 1 von Skelette - oben eingestellt.

Ich habe fast alle Vorschläge von Dir übernommen. Ich bin kein sehr strukturierter Arbeiter, merke ich gerade. Schreiben sollte leicht gehen und am Besten wäre ich gleich Romanautorin. Dieses sehr sorgfältige Sichtung der Feinheiten, die Du hier getan hast, ist eine Wohltat.

Das liegt wohl einerseits an der mangelnden Kenntnis der "Aktuellen Version" der deutschen Rechtschreibung :| ; andererseits bin ich einfach auch zu oberflächlich bzw. habe ich zu wenig Abstand zu meinen Werken.

Ich darf da wohl meine innere Haltung mal gründlich durchleuchten bzw. ändern.

Liebe Grüße

Narzissundgoldmund

von Narziss u Goldmund