[Nachdenk]So allerlei Fragen

Gesellschaft, Kritik, Philosophisches

[Nachdenk]So allerlei Fragen

Beitragvon Heribertpolta » 08.03.2015, 15:31

Ich kann das nicht, das mit dem gut sein, mit dem politisch korrekt sein, mit dem nett und freundlich erscheinen und fair; und ich möchte auch nicht für alles Verständnis aufbringen. Ich möchte einfach manchmal schlecht sein und nicht darauf achten müssen, ob ich im Augenblick unfair bin und vielleicht gerade eine der zahlreichen Minderheiten mitten ins Herz treffe. Gutmenschen nennt man ja diese Leute, die am liebsten die ganze Welt umarmen würden und die für jeden Lumpen ein entschuldigendes Wort finden.

Kann denn ein Mensch überhaupt gut sein?

Wer stellt denn klar, wer legt denn fest, was gut ist und was verwerflich? Was, zum Teufel, ist denn schlecht und was zur Hölle böse? Wo ist Hölle; ist sie im Tierlabor? Ist es gerechter, wenn ein Labor-Affe bis zu seinem Experimenten-Tod artgerecht gehalten wird, oder ist das nicht einfach völlig wurscht, weil der Primat so oder so ein beschissenes Leben hat? Nützt es etwas, wenn man aus Mitleid zu den Tieren zum Pflanzenfresser wird; werden wirklich weniger Viecher getötet, wenn mehr Menschen zu Vegetariern werden? Warum frisst das Säugetier Mensch schon seit Jahrmillionen Fleisch? Und – warum erschießen sich Tierschützer nicht einfach? – Denn: weniger Mensch, mehr Tier...

Warum darf man sich über fette Kinder nicht lustig machen? Warum sperrt man Fette nicht einfach zusammen mit einem Ratgeber über richtige Ernährung in eine Kammer; bei Wasser und Vollkornbrot? Wie viel Tiere sind schon wegen eines fetten Menschen gestorben? Wieso sterben in anderen Regionen der Welt Menschen den Hungertot, währen sich bei uns einige Arschlochinnen und Arschlöcher darum streiten, ob man Fleisch essen sollte oder nicht? Sollte man in Zukunft Veganer keulen, zerlegen und einfrieren, um sie an hungernde Kinder in Afrika zu schicken? Würde ein hungerndes Kind überhaupt von einem Veganer satt? Wie viele Zelte für Flüchtlingslager könnte man aus der Kleidung von westlichen Fettsäcken nähen?
Wie viele Laborratten könnte ein Tierschützer erretten, wenn er sich an ihrer statt für Experimente zur Verfügung stellen würde? Wie viele Wirtschaftsflüchtlinge könnte die Bundeskanzlerin in ihrer Wohnung aufnehmen und wie stellt sich der Bürgermeister von Kitzbühel das Leben eines Hartz IV-Empfängers vor?

Wie viel Hirn braucht es, um Gott hinterfragen zu können? Wie viel Herz und Seele braucht es, um Gott hinterfragen zu wollen? Wie viel Hinterfragung braucht es, um Gott endlich für tot erklären zu können? Ist Gott nur für Arme und – hat Gott überhaupt Arme? Ist Gott nur für Dumme, nur für blöde, blökende Schäfchen? Hat Gott die fröhlichen Heiden-Götter umgebracht? Ist Gott ein sadistisches Arschloch oder vielleicht sogar eine zickige Schlampe? Wer hat sich die Hölle ausgedacht? Ist die Hölle vielleicht sogar hier bei uns auf Erden? Gibt es im Himmel Toiletten, oder, müssen Engel auch scheißen? Interessiert sich Gott für die Unterschicht? Spielt die Oberschicht Gott?
Warum geht die Oberschicht nicht mit der Mode? Warum haben Menschen aus der Unterschicht keine Frisuren? Warum tragen Männer keine Hüte mehr? Und Frauen? Ist Mode nur etwas für Blöde? Warum will die Mittelschicht immerzu Oberschicht spielen? Warum sind Menschen aus prekären Verhältnissen meist fett und hässlich? Und warum essen diese Leute mit offenem Mund? Warum husten sie, ohne sich die Hand vorzuhalten? Warum riechen sie oft? Wer war der erste Unterschichtler? Wann hat sich die Menschheit in Ober- und Untertanen aufgeteilt? Liegen die Dummheit der Akademiker, die Verblödung der Mittelschicht und der Schwachsinn des Prekariats im Bildungssystem begründet, oder am schlechten Fernsehen? Warum schätzen sich die Dummen meist selbst als klug ein? Warum merken die Doofen oft nicht, dass sie doof sind? Weil sie doof sind?

Sind Tiere in der Lage, sich zu überschätzen? Lachen uns Tiere vielleicht permanent aus, und wir bemerken es nicht? Unterscheiden wir uns überhaupt grundlegend vom Tier? Hören männliche Tiere ebenfalls nur auf ihre Pimmel? Warum sind die Weibchen in der Tierwelt meist farblos? Würden die farblosen Weibchen, zum Beispiel die der Vogelwelt, auch dem Modewahn verfallen, wenn sie die Möglichkeit hätten, kunterbunte Versandhauskataloge zu beziehen? Würden Schäferhund-Rüden Atombomben auf Perser-Kater werfen?

Kennen Sie sich gut mit Atomenergie aus? Kennen Sie sich sehr gut mit Atomenergie aus? Und wenn nicht: sind Sie Atomkraft-Gegner? Und überhaupt: reden und diskutieren Sie über Sachen, von denen Sie nicht Hundertprozent Bescheid wissen? Finden Sie es richtig, dass Menschen über Dinge reden und streiten, von denen sie keine Ahnung haben? Wissen Sie, wie lange Tibet schon Teil Chinas ist? Vierzig Jahre, Vierhundert, mehr? Wissen Sie, wie eine Revolution entsteht? Glauben Sie, dass eine Revolution im eigenen Land beschlossen wird?

Warum reden Frauen in der Regel mehr als Männer und warum laufen sie eher Gefahr, ins Geschwafel abzugleiten? Warum handeln Männer schneller? Sind deshalb 99,9% aller Erfindungen der Menschheitsgeschichte von Männern gemacht worden? Warum gibt es unter Frauen praktisch keine Genies? Sind Frauen in der Lage, einen Jungen zu erziehen? Werden vaterlose Söhne beziehungsunfähig oder/und gefühlskrank? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte fast ausschließlich Muttersöhne gewesen sind? Finden Sie auch, dass Mütter im Kaufhaus den Eindruck machen, ihren kleinen Söhnen völlig ausgeliefert zu sein?

Gehen Ihnen diese Fragen an die Nieren, oder ins Herz? Sind diese Fragen ungerechtfertigt? Denken Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder glauben Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin?

Bitte schreiben Sie mir. Ich stehe gerne zur Verfügung.
Zuletzt geändert von Heribertpolta am 25.03.2015, 06:53, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon Zukunftsträumer » 08.03.2015, 19:05

Guten Tag, Heribert!

Ich habe deinen Text gelesen und möchte dir gerne mitteilen, was ich davon halte. Und ich möchte auch gleich einige deiner Fragen beantworten.

Zuerst möchte ich dir aber sagen, dass mir dein Text sehr, sehr gut gefallen hat. In erster Linie aus dem Grund, weil er...so...ähm...wahr ist! Ich will mich jetzt nicht selbst besonders hervorheben, aber viele deiner Fragen schießen mir selbst immer wieder durch den Kopf, lassen mich grübeln, zweifeln, hadern, trauern...Aber, wie gesagt, da bin ich sicher nicht der einzige.

Arbeiten wir uns nun durch deinen Text. Eventuelle Verbesserungsvorschläge erwähne ich logischerweise gleich mit.

Heribertpolta hat geschrieben:Ich kann das nicht, das mit dem gut sein, mit dem politisch korrekt sein, mit dem nett und freundlich erscheinen und fair;


Hier, gleich zu Anfang hätte ich es anders gemacht. Ich hätte "Ich kann das nicht" ganz allein hingestellt. Und dann noch ein Ausrufezeichen drangehängt.

Ich kann das nicht!
Das mit dem gut sein (bin mir nicht sicher, aber kann/muss man in diesem Fall nicht "Gutsein" schreiben?), mit dem...

Auch stört mich hier das "fair" am Ende. Es wirkt so alleine. Kann man da nicht irgendwas hinzufügen?

...und fair sein oder und immer fair handeln etc. Auch das Semikolon würde ich durch einen Punkt ersetzen. Sonst wird gleich der Anfangssatz ein wenig zu lang, meines Erachtens nach.

Heribertpolta hat geschrieben:Kann denn ein Mensch überhaupt gut sein?


Eine schöne Frage! Und meine Antwort: im Sinne des menschlichen Verständnisses und seiner allgemeinen Auffassung von Gut und Böse: NEIN!

Heribertpolta hat geschrieben:Wo ist Hölle; ist sie im Tierlabor?


Wo ist die Hölle? Zum Beispiel in einem Tierlabor?

Heribertpolta hat geschrieben: Ist es gerechter, wenn ein Labor-Affe bis zu seinem Experimenten-Tod artgerecht gehalten wird,...


Hier hast du mit "gerecht" eine unschöne Wortwiederholung.
Als Alternative: Ist es angemessener/rechtmäßiger/richtiger etc., wenn ein Labor-Affe...

Heribertpolta hat geschrieben:oder ist das nicht einfach völlig wurscht, weil der Primat so oder so ein beschissenes Leben hat?


Wer sagt, dass der Primat ein beschissenes Leben hat? In der Regel doch der Mensch. Denn der Affe ist in der Regel zufrieden mit seinem Leben. Vielleicht abgesehen mal vom Leben in einem Labor. Ohne dem Tier seine Intelligenz abzusprechen, aber er lebt in der Regel doch besser als der Mensch, weil er nicht alles hinterfragt. Wie du in diesem Stück Prosa, wie wir alle in unserem Leben! :twisted:

Heribertpolta hat geschrieben:Nützt es etwas, wenn man aus Mitleid zu den Tieren zum Pflanzenfresser wird; werden wirklich weniger Viecher getötet, wenn mehr Menschen zu Vegetariern werden? Warum frisst das Säugetier Mensch schon seit Jahrmillionen Fleisch? Und – warum erschießen sich Tierschützer nicht einfach?


Jaja, diese Vegetarier! Ähnliche Fragen hatte ich mal eine Mitschülerin gestellt, die ebenfalls Vegetarierin war. Und was kam als Antwort? Ein stummes Achselzucken nebst stupidem Grinsen!
Aber der Satz mit den Tierschützern ist gut! :XD:

Heribertpolta hat geschrieben:Arschlochinnen


Ist das eins vom Duden akzeptiertes Wort :?:

Heribertpolta hat geschrieben:Sollte man in Zukunft Veganer keulen, zerlegen und einfrieren, um sie an hungernde Kinder in Afrika zu schicken? Würde ein hungerndes Kind überhaupt von einem Veganer satt?


Ohne Worte! :XD:

Heribertpolta hat geschrieben:Wie viel Hirn braucht es, um Gott hinterfragen zu können? Wie viel Herz und Seele braucht es, um Gott hinterfragen zu wollen? Wie viel Hinterfragung braucht es, um Gott endlich für tot erklären zu können? Ja, wie wenig Hirn bedarf es, um überhaupt an Gott zu glauben? Ist Gott nur für Arme und – hat Gott überhaupt Arme? Ist Gott nur für Dumme, nur für blöde, blökende Schäfchen? Ist Gott eigentlich Christ? Oder Moslem? Hat Gott die fröhlichen Heiden-Götter umgebracht? Ist Gott ein sadistisches Arschloch oder vielleicht sogar eine zickige Schlampe? Wer hat sich die Hölle ausgedacht? Ist die Hölle vielleicht sogar hier bei uns auf Erden? Gibt es im Himmel Toiletten, oder, müssen Engel auch scheißen? Interessiert sich Gott für die Unterschicht? Spielt die Oberschicht Gott?


Oha, oha...heißes Pflaster. Fragen zum Thema Glauben...im Moment wohl eher weniger gern gelesen :mrgreen: :nolaugh:
Aber wenn ich irgendwann noch mal ein Gottesdienst besuchen sollte, werde ich dem Pastor deine Zeilen als Anregung für seine nächste Predigt vorschlagen. :lol:

Heribertpolta hat geschrieben:Warum schätzen sich die Dummen meist selbst als klug ein?


O ja, davon kann ich ein Lied singen...ach was, ein ganzes Album von aufnehmen oder gar eine ganze Albenserie!

Heribertpolta hat geschrieben:Und Sie, wie schätzen Sie sich ein?


Uh, schwierig. Wie gesagt, viele deiner, pardon, Ihrer Fragen habe ich mir auch schon des Öfteren gestellt, bin zumeist nicht zufrieden und empört über Dinge, die der Mensch anderen Lebewesen, ja sogar sich selbst zufügt. Aber ich bin schon zu sehr ein Opfer unseres Systems geworden, als das ich was ändern könnte oder gar wollte. Denn...seien wir mal realistisch...ein Einzelner kann nichts ändern.

Heribertpolta hat geschrieben:Erscheint Ihnen die Existenz von Gott logisch?


Jein! Die Existenz ein wenig, die Darstellung seiner Existenz und des Glaubens allgemein auf keinen Fall!

Heribertpolta hat geschrieben: Halten Sie Sich für klüger, als eine Ameise?


Kommt drauf an, wie man es sieht. Die Ameise ist klüger was ihre Art und Weise des Überlebens angeht. Ich bin wiederum, im Hinblick auf mein Tun, klüger als sie. Alles eine Frage der Perspektiven.

Heribertpolta hat geschrieben:Ich bin Lagerarbeiter – halten Sie sich für klüger, als ich es bin?


Kann ich nicht sagen, dafür kenne ich Sie nicht gut genug. Aber...wer so was schreibt, kann in meinen Augen nicht dumm sein, um es mal so zu sagen.

Heribertpolta hat geschrieben:Denken Sie, dass meine Fragen dumm sind?


Jein. Einerseits nein, weil sie im Großen und Ganzen berechtigt sind, andererseits sind sie am Ende nichts als Zeitverschwendung, weil man durch sie nichts erreicht.

Heribertpolta hat geschrieben:Denken Sie überhaupt? Glauben Sie, dass Sie denken? Gehören Sie zu den Menschen, die sagen: ich denke, dass..., oder zu denen, die meinen: ich glaube, dass...

Oha, schwere Fragen! Von beidem etwas. Aber meistens zu denen, die Dinge glauben zu wissen.

Heribertpolta hat geschrieben:Und überhaupt: reden und diskutieren Sie über Sachen, von denen Sie nicht Hundertprozent Bescheid wissen?


Reden ja, zum diskutieren fehlen dann meist die hundert Prozent.

Heribertpolta hat geschrieben:Finden Sie es richtig, dass Menschen über Dinge reden und streiten, von denen sie keine Ahnung haben?


Nein und nicht nur das. Es nervt. Es nervt ungemein und manchmal möchte man dann einfach nur die Faust ballen und... :x

Heribertpolta hat geschrieben:Warum reden Frauen in der Regel mehr als Männer und warum laufen sie eher Gefahr, ins Geschwafel abzugleiten? Warum handeln Männer schneller? Sind deshalb 99,9% aller Erfindungen der Menschheitsgeschichte von Männern gemacht worden? Warum gibt es unter Frauen praktisch keine Genies? Sind Frauen in der Lage, einen Jungen zu erziehen? Werden vaterlose Söhne beziehungsunfähig oder/und gefühlskrank? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte fast ausschließlich Muttersöhne gewesen sind? Finden Sie auch, dass Mütter im Kaufhaus den Eindruck machen, ihren kleinen Söhnen völlig ausgeliefert zu sein?


Oha, solche Fragen am Weltfrauentag. :mrgreen:

Aber interessante Fakten, die Sie da preisgeben. Und noch interessantere Fragen.

Heribertpolta hat geschrieben:Gehen Ihnen diese Fragen an die Nieren, oder ins Herz?


Weder noch. Sie gehen in meinen Kopf...

Heribertpolta hat geschrieben:Sind diese Fragen ungerechtfertigt?


Nein, aber das sagte...äh schrieb ich ja schon.

Heribertpolta hat geschrieben:Denken Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder glauben Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin?


Weder noch. Ich denke eher und glaube vielleicht auch, dass Sie ein ehrlicher Mensch sind, der sagt oder schreibt, was Sache ist, sich Gedanken macht und seine ohnehin kurze Zeit auf diesem Planeten damit verschwendet, in dem Handeln und Tun von uns Menschen einen Sinn zu finden. Den Sinn des Lebens vielleicht?

(Aber unter uns: ich bin mir nicht sicher, aber ich meine in einem deiner/Ihrer anderen Werke mal die Äußerung von deinerseits/Ihrerseits gelesen zu haben, dass es gar keinen Sinn des Lebens gibt. Oder irre ich mich da?)


Zum Abschluss bleibt mir nur zu sagen, dass ich deinen (ich duze Sie jetzt mal wieder :mrgreen: ) gerne gelesen und kommentiert zu haben. Dabei muss ich gestehen, dass ich vielmehr nur auf den Inhalt geschaut habe und eingegangen bin und nicht mehr auf eventuelle Fehler. Ich meine aber auch, keine weiteren, störenden Fehler gefunden zu haben. Naja, vielleicht meldet sich dazu ja noch einer anderer SWS-User!

Ich weiß nicht, ob du jetzt so einen Kommentar von einem deiner Leser erwartet hast und ob das geplant war, daraus ein Frage-und-Antwort-Spiel zu machen. Ich glaube, ( :mrgreen: ) ich habe mich dazu ein wenig hinreißen lassen und hoffe, dass mein Kommentar daher nicht wertlos geworden ist.

Ein schönes Stück Schreibgut voller Wahrheit und Spott und schwarzem Humor!


In dem Sinne
ein schönes Restwochenende,


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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon JimPhrasenlaus » 12.03.2015, 02:29

Hallo Heribert,

Ein schwerer Text. Viele Fragen, auf die ich keine Antworten geben möchte. Aber mir sind ein paar Sachen aufgefallen, für die ich schon Verbesserungsvorschläge hätte.

Was, zum Teufel, ist denn schlecht und was zur Hölle böse? Wo ist Hölle; ist sie im Tierlabor?


Da würde ich eine der Formen beibehalten. entweder die beiden Teile "zum Teufel" und "zur Hölle" mit Kommas abtrennen, oder bei beiden diese weglassen. Ich finde es ohne anschaulicher. Der Hölle würde ich den Artikel schon zusprechen wollen, da im nächsten Teil nach dem Semikolon auf von "sie" die Rede ist:
"Wo ist die Hölle; ist sie im Tierlabor?"

Wie viele Zelte für Flüchtlingslager könnte man aus der Kleidung von westlichen Fettsäcken nähen?


Ich weiß zwar, wie es gemeint ist, aber aus der Kleidung von sehr großen Menschen (wie bei mir) kann man bestimmt auch Zelte nähen.

Wie viel Hirn braucht es, um Gott hinterfragen zu können? Wie viel Herz und Seele braucht es, um Gott hinterfragen zu wollen? Wie viel Hinterfragung braucht es, um Gott endlich für tot erklären zu können? Ja, wie wenig Hirn bedarf es, um überhaupt an Gott zu glauben? Ist Gott nur für Arme und – hat Gott überhaupt Arme? Ist Gott nur für Dumme, nur für blöde, blökende Schäfchen? Ist Gott eigentlich Christ? Oder Moslem? Hat Gott die fröhlichen Heiden-Götter umgebracht?


Wenn es Gott zu hinterfragen gilt, würde ich die Seele raus lassen. Das kommt ursprünglich aus der Theologie, dass der Mensch eine Seele hat. Und wenn man Gott hinterfragt, warum dann gerade einen Begriff nutzen, der durch eben dieses Wissensgebiet um Gott geprägt wurde? Erscheint mir ein wenig paradox.
Zu fragen, ob Gott Christ oder Moslem ist, trifft den Kern der Sache nicht ganz. Eher würde ich fragen, ob Gott Christen oder Muslimen zugehörog sein soll. Ich finde, man kann nicht fragen, ob das "Objekt" des Glaubens ein Anhänger seiner selbst ist... Erscheint mir auch paradox. Man fragt ja auch nicht einen Lehrer ob er durch seinen eigenen Unterrichtsstoff etwas neues in dem Gebiet gelernt hat.

Warum tragen Männer keine Hüte mehr?


Die Frage kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe viele Männer, die noch immer Hüte tragen, und trage sie selbst auch gerne.

Liegen die Dummheit der Akademiker, die Verblödung der Mittelschicht und der Schwachsinn des Prekariats im Bildungssystem begründet, oder am schlechten Fernsehen?


Den Satz hingegen finde ich gut. Provokant und auf den Punkt gebracht.

Ich bin Lagerarbeiter – halten Sie sich für klüger, als ich es bin?


DIe Frage gibt für mich keinen Sinn. Was hat Intelligenz und Klugheit mit dem Berufsstand zu tun? Ich finde nicht, dass Studierte klüger sind, als Ausgebildete Arbeiter, nur anders klug, in anderen Bereichen. Immerhin, welcher BWL Student weiß wie man eine "Ameise" oder einen Hubwagen bedient? Und welcher Klempner weiß, was in manchen chemischen Reaktionen geschieht, welche der Chemiker täglich durchführt?

Wissen Sie, dass jeder Mensch auf irgendeine Weise bekloppt ist, die er selbst nicht bemerkt?


"Bekloppt" oder verrückt liegt immer nur im Auge des Betrachters oder der Gesellschaft. Natürlich kann man nicht jede Gesellschaft kennen. Ich finde den Satz also zu verallgemeinernd. Ohne den Sinn des Satzes anzuzweifeln, würde ich ihn anders formulieren:

"Wissen Sie, dass jeder Mensch auf irgendeine Weise bekloppt ist, ohne zu wissen für wen er so scheint?"

Ich finde dadurch wird deutlich, dass es sowohl auf das Nicht-kennen, als auch auf das Nicht-wissen bezogen wird.

Würden Schäferhund-Rüden Atombomben auf Perser-Kater werfen?


Den Satz finde ich gut formuliert! Ich konnte mich da eines Lächelns nicht erwehren.

reden und diskutieren Sie über Sachen, von denen Sie nicht Hundertprozent Bescheid wissen?


Wer nicht hundertprozentig über etwas Bescheid weiß braucht nicht zu diskutieren. Das finde ich unglücklich formuliert.

Denken Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder glauben Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin?


Diese letzte Frage finde ich doch ein wenig irritierend. Sind Sie von sich überzeugt ein schlechter Mensch zu sein? Da möchte ich gerne Ihre erste Frage einfach umdrehen: "Kann denn ein Mensch überhaupt schlecht sein?" Was macht einen schlechten Menschen aus?

Und nun habe ich doch wieder versucht eine Frage zu beantworten, unverhofft kommt oft. :wink:

Ich hoffe ja, Sie finden keinen Anstoß an meinem Kommentar, da ich eigentlich gar nicht auf die Fragen eingehe. Aber ich habe mit Spannung weiter gelesen, obwohl ich mir bei einigen Fragen doch die Haare gerauft habe. Also ja, der Text geht wirklich in den Kopf. :wink:

Liebe Grüße,
Jim
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon Heribertpolta » 12.03.2015, 12:05

Hallo, liebe Kommentatoren,

danke für die ausführlichen Kommentare zu meinem Text; es wird mir eine Freude sein, Euch zu antworten. Ich werde jetzt allerdings ins DU übergehen, da sonst alles zu gestelzt daher kommt. Ich wollte den Text eben nur etwas höflicher gestalten.

Zu Zukunftsträumer

Auch stört mich hier das "fair" am Ende. Es wirkt so alleine. Kann man da nicht irgendwas hinzufügen?


Hier muss ich sagen, dass mir es ganz gut gefallen hat, dass ich "fair" ans Ende gesetzt habe. Ich habe mir den Satz länger angesehen und es für gut befunden. Menschen reden oft so und ich wollte, dass es etwas dahingeredet wirkt.

Hier hast du mit "gerecht" eine unschöne Wortwiederholung.
Als Alternative: Ist es angemessener/rechtmäßiger/richtiger etc., wenn ein Labor-Affe...


Du hast vollkommen recht.

Heribertpolta hat geschrieben:Arschlochinnen


Ist das eins vom Duden akzeptiertes Wort :?:


Das war Absicht, hinsichtlich dessen, wie man heute die Geschlechter-Anrede einteilt. Es gibt Doktorinnen und Doktoren, aber keine Verbrecherinnen sondern nur Verbrecher, und da Frauen auch immer zuerst genannt werden wollen...
Ich möchte dazu sagen, dass ich mich hier völlig davon distanzieren möchte, frauenfeindlich zu sein. Ich bin glücklich verheiratet und liebe Frauen im Allgemeinen. Nur Frauenrechtlerinnen und Hardcore-Emanzen, die wahrscheinlich und hoffentlich nur einen kleinen Teil der Bevölkerung darstellen mögen, gehen mir total auf den Sack!

Heribertpolta hat geschrieben:Denken Sie, dass meine Fragen dumm sind?


Jein. Einerseits nein, weil sie im Großen und Ganzen berechtigt sind, andererseits sind sie am Ende nichts als Zeitverschwendung, weil man durch sie nichts erreicht.


Das stimmt. Diese FRagen sind größtenteils totale Zeitverschwendung. Und schon abgedroschen. Zum Teil.

Warum reden Frauen in der Regel mehr als Männer und warum laufen sie eher Gefahr, ins Geschwafel abzugleiten? Warum handeln Männer schneller? Sind deshalb 99,9% aller Erfindungen der Menschheitsgeschichte von Männern gemacht worden? Warum gibt es unter Frauen praktisch keine Genies? Sind Frauen in der Lage, einen Jungen zu erziehen? Werden vaterlose Söhne beziehungsunfähig oder/und gefühlskrank? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte fast ausschließlich Muttersöhne gewesen sind? Finden Sie auch, dass Mütter im Kaufhaus den Eindruck machen, ihren kleinen Söhnen völlig ausgeliefert zu sein?


Oha, solche Fragen am Weltfrauentag. :mrgreen:


Ja, den Zeitpunkt habe ich unglücklich gewählt. Wollte nur ein paar Dinge aufzählen, die auch der härtesten, wie soll ich sagen, Männerfeindin FRagen eröffnet. Die Geschlechterrolle in der Gesellschaft ist mit ein persönliches Anliegen, sicher deswegen, weil ich zwei Söhne habe. In meinen Texten kann man sowas oft herauslesen. Das Gleichgewicht ist eben gestört.

Ich weiß nicht, ob du jetzt so einen Kommentar von einem deiner Leser erwartet hast und ob das geplant war, daraus ein Frage-und-Antwort-Spiel zu machen. Ich glaube, ( :mrgreen: ) ich habe mich dazu ein wenig hinreißen lassen und hoffe, dass mein Kommentar daher nicht wertlos geworden ist.


Das ist völlig in Ordnung. Das ist ja schließlich eine Schreibwerkstatt und kein Diskusionsforum.



Hallo, JimPhrasenlaus

Wenn es Gott zu hinterfragen gilt, würde ich die Seele raus lassen. Das kommt ursprünglich aus der Theologie, dass der Mensch eine Seele hat. Und wenn man Gott hinterfragt, warum dann gerade einen Begriff nutzen, der durch eben dieses Wissensgebiet um Gott geprägt wurde? Erscheint mir ein wenig paradox.
Zu fragen, ob Gott Christ oder Moslem ist, trifft den Kern der Sache nicht ganz. Eher würde ich fragen, ob Gott Christen oder Muslimen zugehörog sein soll. Ich finde, man kann nicht fragen, ob das "Objekt" des Glaubens ein Anhänger seiner selbst ist... Erscheint mir auch paradox. Man fragt ja auch nicht einen Lehrer ob er durch seinen eigenen Unterrichtsstoff etwas neues in dem Gebiet gelernt hat.


Diese Gott-Diskusion ist eigentlich sowieso nicht zu halten. Jeder Kommentar darüber ist überflüssig. Aber dennoch wollte ich die paar Fragen darüber in meinem Text unterbringen. Du glaubst also nicht, dass schon die antiken Götter den Begriff Seele kannten?
Ich kann wirklich nicht schreiben und fragen, ob Gott Christ oder Moslem ist, da hast Du vollkommen recht. Zu wenig nachgedacht.

Warum tragen Männer keine Hüte mehr?


Die Frage kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe viele Männer, die noch immer Hüte tragen, und trage sie selbst auch gerne.


Oh, ich hatte eigentlich gemeint, warum Männer kaum noch Hüte tragen. Sieht man sich alte Fotos oder Filmaufnahmen an, dann stellt man fest, dass niemand ohne Hut war früher. Du zählst hoffentlich nicht Basecaps zu den Hüten. Eine Unart ist das, solche Deckel zu tragen. Ich hoffe, ich trete jetzt nicht bei Dir in einen Fettnapf, aber ich finde, dass diese Dinger ihren Träger sofort in einen Idioten verwandeln - optisch.

"Wissen Sie, dass jeder Mensch auf irgendeine Weise bekloppt ist, ohne zu wissen für wen er so scheint?"


Da ist Deine Lösung eindeutig die bessere!

Ich hoffe ja, Sie finden keinen Anstoß an meinem Kommentar, da ich eigentlich gar nicht auf die Fragen eingehe. Aber ich habe mit Spannung weiter gelesen, obwohl ich mir bei einigen Fragen doch die Haare gerauft habe. Also ja, der Text geht wirklich in den Kopf. :wink:


Nein, Jim, ich finde es nur gut, dass Du auf die Fragen selbst nicht eingehst. Das würde mir ja selbst zu viel. Die FRagen kennt jeder, hat man sich selbst schon gestellt oder zu oft gehört. Trotzdem hoffe ich, dass die eine oder andere für ordentlich Aufregung sorgt.

Danke für Eute Kommentare!
Grüße,

Heribert Polta
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon JimPhrasenlaus » 12.03.2015, 13:59

Hallo noch einmal,

danke auch für deine Antwort. Mir scheint in einem Punkt habe ich mich selber unglücklich ausgedrückt:

Diese Gott-Diskusion ist eigentlich sowieso nicht zu halten. Jeder Kommentar darüber ist überflüssig. Aber dennoch wollte ich die paar Fragen darüber in meinem Text unterbringen. Du glaubst also nicht, dass schon die antiken Götter den Begriff Seele kannten?


Mir liegt es fern in einem Forum, wo der Fokuss auf das Schreiben liegt, eine Diskussion über Gott starten zu wollen. Da sind wir hier falsch, das wäre doch besser in einem Forum für genau diese Frage aufgehoben.
Eigentlich wollte ich auch nicht aussagen, dass die antiken Götter den Begriff der Seele nicht kannten, da habe ich zu sehr nur den christlichen Gott einbezogen. Lediglich wollte ich anmerken, dass mir der Begriff der Seele immer nur in Verbindung mit Gott/Allah/Wotan/Thor oder sonst irgendwelchen Göttern untergekommen ist.

Du zählst hoffentlich nicht Basecaps zu den Hüten. Eine Unart ist das, solche Deckel zu tragen.


Nein, nein. Hüte sind Hüte und Basecaps sind Basecaps. Ich meine wirklich die Hüte, meiner ist ein lederner Schlapphut. :mrgreen:

Nein, Jim, ich finde es nur gut, dass Du auf die Fragen selbst nicht eingehst. Das würde mir ja selbst zu viel. Die FRagen kennt jeder, hat man sich selbst schon gestellt oder zu oft gehört. Trotzdem hoffe ich, dass die eine oder andere für ordentlich Aufregung sorgt.


Danke auch für deinen letzten Absatz, es war doch schon sehr anstrengend auf die Sprache einzugehen ohne die Fragen zu beachten. Und ja, ich denke auch, dass die eine oder andere für Aufregung sorgen wird.

Liebe Grüße,
Jim
"Hast du Spaß?"
"Ja..."
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon magico » 12.03.2015, 15:57

Hallo Heribert,

da es sich hier ja um ein Schreibforum handelt, versuche ich, nicht jede einzelne Frage zu beantworten, sondern meine Meinung ebenfalls inhaltlich, technisch und im Kontext wiederzugeben.

das mit dem gut sein


Hier hat mein Vorredner recht und es muss "Gutsein" heißen.

und die für jeden Lumpen ein entschuldigendes Wort finden.


Da du es später im Text noch einmal konkretisierst, empfinde ich "den Lumpen" ziemlich einseitig "männlich" behaftet, obwohl "der Lump" ein herrlich ungewöhnlich gewordenes Wort ist.

Wer stellt denn klar, wer legt denn fest, was gut ist und was verwerflich?


Das liegt im Auge des Betrachters. Die Bösen sehen sich selbst ja auch eher selten als Böse. Allgemein legt so etwas die Gesellschaft fest. Natürlich nicht jedes Jahr neu. :lol: Das sind gewachsene Strukturen.
Jedenfalls ist klar, dass wir keine Religion benötigen, die uns das erklärt.

Warum frisst das Säugetier Mensch schon seit Jahrmillionen Fleisch?


Damit sein Hirn wachsen konnte.

Und – warum erschießen sich Tierschützer nicht einfach? – Denn: weniger Mensch, mehr Tier...


Das würde wohl nur im globalen Massenexodus einen Sinn ergeben und dann hätten sie keinen Nachlassverwalter.

Warum wirft man Verbrecher nicht einfach fleischfressenden Tieren vor, die vom Aussterben bedroht sind?


Weil "Hungersnot" nicht unbedingt die Bedrohung ist.

Wie viele Laborratten könnte ein Tierschützer erretten, wenn er sich an ihrer statt für Experimente zur Verfügung stellen würde?


Die Denkweise eines Tierschützers geht in diesem Fall wohl etwas weiter. Er möchte Tiere schützen, dass ist klar. Aber er ist generell gegen diese Experimente. Und - wie du schon erwähnt hast - ist der Mensch ja auch ein Tier.

Wie viel Hirn braucht es, um Gott hinterfragen zu können?


Das hat zunächst nichts mit Hirn zu tun, sondern mit der Erziehung und der Indoktrination. Wie sagte es Richard Dawkins so schön: Es gibt keine christlichen oder muslimischen Kinder. Es gibt nur Kinder christlicher oder muslimischer Eltern.

Ist Gott ein sadistisches Arschloch oder vielleicht sogar eine zickige Schlampe?


Laut Richard Dawkins ist der Gott aus dem alten Testament tatsächlich ein kranker Sadist.

Warum geht die Oberschicht nicht mit der Mode?


Tut sie das nicht? Und wenn schon ... die Unterschicht ja auch nicht und jeder Anhänger einer bestimmten Szene ebenfalls nicht. Ich auch nicht, aber das wäre wieder die "blökende Schäfchen-Geschichte".

Wann hat sich die Menschheit in Ober- und Untertanen aufgeteilt?


Meines Erachtens gibt es das Wort "Obertan" nicht, aber der Sinn ist klar.

Glauben Sie, dass Sie denken?


Oder denken Sie, dass Sie glauben?

Warum reden Frauen in der Regel mehr als Männer


Evolutionär bedingt. Männer mussten sich auf der Jagd mit wenigen Worten, in kürzester Zeit verständigen. Frauen mussten sich bei der langweiligen Arbeit "Sammeln" ja irgendwie ablenken/vergnügen.

Sind Frauen in der Lage, einen Jungen zu erziehen?


Natürlich. Die Frage ist zu unkonkret gestellt. Du möchtest sicher wissen, ob Frauen einen Jungen genauso erziehen können, wie ein Mann bzw. Mann und Frau gemeinsam. Darauf würde die Antwort sicher "nein" lauten, ohne dem Ganzen jetzt eine Wertung zu geben.

Finden Sie auch, dass Mütter im Kaufhaus den Eindruck machen, ihren kleinen Söhnen völlig ausgeliefert zu sein?


Ja, das ist oft der Fall, aber umgekehrt sind Väter ihren Töchtern auch ausgeliefert. Nur die Methode des Kindes ist eine andere. :wink:

Sind diese Fragen ungerechtfertigt?


Ich weiß nicht, ob es so etwas wie "ungerechtfertigte Fragen" überhaupt gibt.

Denken Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder glauben Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin?


Weder, noch. Höchstens von Zeit zu Zeit ein wenig pessimistisch und verbittert. :mrgreen:

----------------------------

Ich muss sagen, dass du einen interessanten, flüssigen Text abgeliefert hast, der wirklich ein paar Fragen stellt, über die man sonst nicht nachdenken würde. Konfliktpotential ist definitiv da und sicher auch beabsichtigt.
Ich hatte jedenfalls viel Spaß mit diesem Stück.


Danke und Grüße - magico
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon Heribertpolta » 22.03.2015, 17:28

Hallo magic magico!

Da du es später im Text noch einmal konkretisierst, empfinde ich "den Lumpen" ziemlich einseitig "männlich" behaftet, obwohl "der Lump" ein herrlich ungewöhnlich gewordenes Wort ist.


Ja, hatte ich vergessen. Wir müssen aufpassen, dass unsere Wörter nicht verloren gehen. Ist schwierig; der Feind lauert vor allem auch hier im Forum.

Warum frisst das Säugetier Mensch schon seit Jahrmillionen Fleisch?


Damit sein Hirn wachsen konnte.


Ja, genau deswegen. Ich schätze, dass man in wenigen hunderttausend Jahren erkennen kann, wessen Vorfahren Vegetarier waren. Schätze, dass die wieder auf allen Vieren gehen werden.

Weil "Hungersnot" nicht unbedingt die Bedrohung ist.


Das war die Antwort im Zusammenhang mit den Verbrechern. Schätze, du hast recht.

Warum geht die Oberschicht nicht mit der Mode?


Tut sie das nicht? Und wenn schon ... die Unterschicht ja auch nicht und jeder Anhänger einer bestimmten Szene ebenfalls nicht. Ich auch nicht, aber das wäre wieder die "blökende Schäfchen-Geschichte".


Tut sie tatsächlich nicht, am allerwenigsten der Adel. Neureiche Spinner erkennen die eben schon an ihrem peinlich modischen Klamotten-"Stil". "Die da oben" machens genau richtig: kaufen sich einen Mantel für 20 000 Euro und vererben ihn an die Ururenkel weiter. Im Laufe eines Lebens hat hingegen der kleine Modefuzzi und vor allem die kleinen Modefuzzinnen, hunderttausende Euro für Müll aus, der ohnehin schon auf der Halde oder in der KLeidersammlung gelandet ist. So ist das.

Wann hat sich die Menschheit in Ober- und Untertanen aufgeteilt?


Meines Erachtens gibt es das Wort "Obertan" nicht, aber der Sinn ist klar.


Oh, ich schätze, den Begriff gibt es doch.

Magico, danke für deinen Kommentar. Ich mag deine Antworten sehr, genau wie deine Geschichten. Sie stecken voller Humor.
Grüße,

Heribert Polta
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Re: So allerlei Fragen

Beitragvon HERZallerliebst » 04.04.2015, 15:28

Hallo Heribertpolta,

schon bin ich über ein weiteres Werk von dir gestolpert, dass ich, um es vorweg zu nehmen, sehr gerne mag und das mich wirklich angeregt hat. Kritiken hast du ja schon bekommen, ich werde also versuchen, prägnant zu bleiben.

Heribertpolta hat geschrieben:Ich kann das nicht, das mit dem gut sein, mit dem politisch korrekt sein, mit dem nett und freundlich erscheinen und fair; und ich möchte auch nicht für alles Verständnis aufbringen .


Der Einleitungssatz allein ist so aussagekräftig, dass ich nicht umhin kam, weiterzulesen ;) Einzig fiel mir auf, dass ein "müssen" am Ende noch eindringlicher wirken würde.

Ich möchte einfach manchmal schlecht sein und nicht darauf achten müssen, ob ich im Augenblick unfair bin und vielleicht gerade eine der zahlreichen Minderheiten mitten ins Herz treffe. Gutmenschen nennt man ja diese Leute, die am liebsten die ganze Welt umarmen würden und die für jeden Lumpen ein entschuldigendes Wort finden.

Kann denn ein Mensch überhaupt gut sein?


Schön, dass diese Frage so abgesondert steht, das macht sie noch wichtiger.

Wer stellt denn klar, wer legt denn fest, was gut ist und was verwerflich? Was, zum Teufel, ist denn schlecht und was zur Hölle böse?


Diese Wortspielerei mag mir sehr gut gefallen - ein Daumen hoch dafür.

Wo ist Hölle; ist sie im Tierlabor?


Warum hier ein Strichpunkt? Warum nicht "Wo ist Hölle? Ist sie im Tierlabor? Auf jeden Fall aber ein sehr interessanter Gedankensprung.

Ist es gerechter, wenn ein Labor-Affe bis zu seinem Experimenten-Tod artgerecht gehalten wird,


Stolpere hier über die Schreibweise. Wäre "Laboraffe" und "Experimententod" nicht richtiger? Habe im Duden nachgeschlagen, aber nichts dazu gefunden. Vielleicht war ich aber auch nur zu unaufmerksam...

oder ist das nicht einfach völlig wurscht, weil der Primat so oder so ein beschissenes Leben hat? Nützt es etwas, wenn man aus Mitleid zu den Tieren zum Pflanzenfresser wird;


Warum am Satzende kein Fragezeichen?

werden wirklich weniger Viecher getötet, wenn mehr Menschen zu Vegetariern werden? Warum frisst das Säugetier Mensch schon seit Jahrmillionen Fleisch? Und – warum erschießen sich Tierschützer nicht einfach? – Denn: weniger Mensch, mehr Tier...


Wirklich sehr komplexe Gedanken, die einen zum Nachdenken anregen und ja, auch irgendwie provozieren.

Warum darf man sich über fette Kinder nicht lustig machen?


Hier springt einem die Provokation ja förmlich ins Gesicht. Wer schreibt vor, wie Humor zu funktionieren hat? Ich will hier die Fragen gar nicht beantworten, weil ich das ganz für mich selbst im Kopf mache. Aber auf jeden Fall hast du mich dazu gebracht, darüber nachzudenken.

Warum sperrt man Fette nicht einfach zusammen mit einem Ratgeber über richtige Ernährung in eine Kammer; bei Wasser und Vollkornbrot?


Nach "Kammer" würde ein einfaches Komma genügen.

Wie viel Tiere sind schon wegen eines fetten Menschen gestorben? Wieso sterben in anderen Regionen der Welt Menschen den Hungertot,


den "Hungertod"

während sich bei uns einige Arschlochinnen und Arschlöcher darum streiten, ob man Fleisch essen sollte oder nicht?


"Arschlochinnen" - sehr passend!

Sollte man in Zukunft Veganer keulen, zerlegen und einfrieren, um sie an hungernde Kinder in Afrika zu schicken? Würde ein hungerndes Kind überhaupt von einem Veganer satt? Wie viele Zelte für Flüchtlingslager könnte man aus der Kleidung von westlichen Fettsäcken nähen?


Dieser Absatz gefällt mir auch sehr gut.

Wie viele Laborratten könnte ein Tierschützer erretten, wenn er sich an ihrer statt für Experimente zur Verfügung stellen würde?


Da du hier "Laborratten" schreibst, müsste es oben dann folgerichtig auch "Laboraffen" heißen.

Wie viel Hirn braucht es, um Gott hinterfragen zu können? Wie viel Herz und Seele braucht es, um Gott hinterfragen zu wollen?


Das Satzgefüge finde ich sehr schön, bewegt mich irgendwie.

Wie viel Hinterfragung braucht es, um Gott endlich für tot erklären zu können? Ist Gott nur für Arme und – hat Gott überhaupt Arme?


Hier wirkt der Text fast humoresk. Eine willkommene Auflockerung.

Ist Gott nur für Dumme, nur für blöde, blökende Schäfchen?


Das fällt etwas aus dem Text, weil es - im Gegensatz zum Rest - eher flach und plakativ daherkommt.

Ist Gott ein sadistisches Arschloch oder vielleicht sogar eine zickige Schlampe?


Vermutlich liegt das immer im Auge des Betrachters...

Gibt es im Himmel Toiletten, oder, müssen Engel auch scheißen?


Der Satz erschließt sich mir nicht ganz, bzw. die Zeichensetzung irritiert mich.

Interessiert sich Gott für die Unterschicht? Spielt die Oberschicht Gott?


Schönes, rundes Ende für diesen Gedankenstrang.

Warum sind Menschen aus prekären Verhältnissen meist fett und hässlich? Und warum essen diese Leute mit offenem Mund? Warum husten sie, ohne sich die Hand vorzuhalten? Warum riechen sie oft?


Oh, ekliges, stereotypes Denken. Passt meines Erachtens nicht zu der Tiefsinnigkeit des Restes.

Wer war der erste Unterschichtler?


Diese Frage hingegen passt wieder sehr gut zum Stil des Textes.

Wann hat sich die Menschheit in Ober- und Untertanen aufgeteilt? Liegen die Dummheit der Akademiker, die Verblödung der Mittelschicht und der Schwachsinn des Prekariats im Bildungssystem begründet, oder am schlechten Fernsehen?


Ob dieser Satz grammatikalisch ganz korrekt ist, weiß ich nicht. Der erste Teilsatz klingt rund, vor dem 'oder' wird kein Komma gesetzt und eigentlich müsste es dann heißen: "oder liegt es am schlechten Fernsehen"

Warum schätzen sich die Dummen meist selbst als klug ein? Warum merken die Doofen oft nicht, dass sie doof sind? Weil sie doof sind?


Entlockt mir ein Schmunzeln... weil sie doof sind?... hervorragend...

Lachen uns Tiere vielleicht permanent aus, und wir bemerken es nicht?


Vor 'und' keine Kommasetzung.

Hören männliche Tiere ebenfalls nur auf ihre Pimmel?


Ich weiß, das 'ihre' ist hier auf den Plural bezogen, aber 'ihren' klingt für mich hier irgendwie korrekter.

Warum sind die Weibchen in der Tierwelt meist farblos?


Um ebenfalls ein bisschen zu sticheln: Weil sie für den Arterhalt wichtiger sind ;)

Würden Schäferhund-Rüden Atombomben auf Perser-Kater werfen?

"Schäferhundrüden" und "Perserkater".

Diese Metapher finde ich sehr gut.

Kennen Sie sich gut mit Atomenergie aus? Kennen Sie sich sehr gut mit Atomenergie aus? Und wenn nicht: sind Sie Atomkraft-Gegner? Und überhaupt: reden und diskutieren Sie über Sachen, von denen Sie nicht Hundertprozent Bescheid wissen? Finden Sie es richtig, dass Menschen über Dinge reden und streiten, von denen sie keine Ahnung haben? Wissen Sie, wie lange Tibet schon Teil Chinas ist? Vierzig Jahre, Vierhundert, mehr? Wissen Sie, wie eine Revolution entsteht? Glauben Sie, dass eine Revolution im eigenen Land beschlossen wird?


Dass du den Leser hier persönlich miteinbeziehst, halte ich für sehr gelungen.
Generell müsste es aber wohl "hundertprozentig Bescheid wissen" heißen. Und "vierhundert", also klein geschrieben. Wie gesagt, zu den Fragen an sich möchte ich hier gar nicht so direkt eingehen, weil ich darüber gerne auch für mich nachdenke.

Warum reden Frauen in der Regel mehr als Männer und warum laufen sie eher Gefahr, ins Geschwafel abzugleiten? Warum handeln Männer schneller? Sind deshalb 99,9% aller Erfindungen der Menschheitsgeschichte von Männern gemacht worden? Warum gibt es unter Frauen praktisch keine Genies?


Hier wieder sehr stereotyp, gewollt wie ich vermute, um besser zu provozieren. Aber du solltest aufpassen, nicht zu oberflächlich zu werden. Das stößt einem sauer auf und mich persönlich reißt es irgendwie aus dem Text.

Sind Frauen in der Lage, einen Jungen zu erziehen?


Diese Frage stelle ich mir auch, seit ich Mutter einer Tochter bin.

Werden vaterlose Söhne beziehungsunfähig oder/und gefühlskrank?


Dazu gibt es so viele Studien, die sich darüber aber niemals klar artikulieren. Aber auf jeden Fall eine hochinteressante Frage.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte fast ausschließlich Muttersöhne gewesen sind?


Ehrlich gesagt - nein!

Finden Sie auch, dass Mütter im Kaufhaus den Eindruck machen, ihren kleinen Söhnen völlig ausgeliefert zu sein?


Das ist aber, glaube ich, nicht vordergründig eine Frage des Geschlechts, sondern generell der Art von Erziehung, die man heute für 'richtig' und 'gut' befindet.

Gehen Ihnen diese Fragen an die Nieren, oder ins Herz?


Vor 'oder' keine Kommasetzung. Ich denke mal, das 'ins' wurde hier absichtlich gesetzt, um nochmal den Unterschied zu verdeutlichen von Kopf und Seele. Aber korrekter wäre 'ans Herz'.

Sind diese Fragen ungerechtfertigt?


Fragen sind nie ungerechtfertigt.

Denken Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder glauben Sie, dass ich ein schlechter Mensch bin?


Ein sehr schönes Ende, wieder sehr tiefgründig, perfekte Wortwahl dafür gefunden, aber auch hier: Vor 'oder' kein Komma.

Bitte schreiben Sie mir. Ich stehe gerne zur Verfügung.


Auch das eher geschäftsmäßige Gebaren im abschließenden Satz finde ich für den ganzen Text sehr gut gewählt, denn so distanziert sich der Autor doch einerseits von den Gedanken des Lesers, andererseits verdeutlicht er aber, dass er sehr wohl an den Antworten interessiert wäre.


Alles in allem finde ich diesen Text sehr gut, sehr kreativ, ich habe ihn mit Freude gelesen und hoffe, dass noch mehr Texte dieser Art aus deiner Feder fließen.

Schöne Ostertage,
HERZallerliebst
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