[Spannung/Roman]Sommeralbtraum 13 von X

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung/Roman]Sommeralbtraum 13 von X

Beitragvon Samis » 23.10.2015, 15:37

Sonntag, 30. July, hereinbrechende Nacht

Samuel konnte den Wirbel um Butterfly gut nachvollziehen. Ein Glück bevorzugte er Männer, dennoch fühlte auch er sich zu ihr hingezogen. Was aus dem großspurig auftretenden Engländer werden würde, war ihm egal, lediglich um Kyla, der ihm auf anhieb gefiel, tat es ihm ein wenig leid. Butterfly wusste, dass er schwul war, deswegen vertraue sie ihm, hatte sie gesagt. Samuel verstand nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hatte. Samuel vertraute ihr nicht. Er vertraute ohnehin kaum jemandem und nach allem, was er über sie gehört hatte, tat er gut daran, auf der Hut zu bleiben.
Nachdem sie das Lager aufgeschlagen und Feuer gemacht hatten, bemerkte er beiläufig, dass ihm nicht gut sei und verzog sich in sein Zelt. Unbemerkt wieder daraus zu verschwinden, war ihm nicht schwer gefallen, nun wartete er in ausreichender Entfernung auf Butterfly.

»Pass auf, wo du hinstarrst!«, sagte der Engländer scharf und Kyla senkte zögerlich den Blick. »Ich bezahle dich fürs Aufspüren der Mantas, nicht damit du meinem Mädchen nachschaust!«
Kyla wandte sich ab und stocherte im Feuer. Was glaubt der Arsch, wer er ist?, dachte Kyla. Die macht dir nur deines Geldes wegen schöne Augen, du aufgeblasener Schmock!
Das Mädchen hatte für jedermann hörbar verkündet, dass sie eben mal für Königskatzen müsse und sich noch vor dem Erreichen des in der Finsternis befindlichen Gestrüpps demonstrativ an ihrem Kleid zu schaffen gemacht. Schon den gesamten Tag über hatte sie Kyla angelächelt und war ihm mehr als einmal näher gekommen, als es nötig gewesen wäre. Dem Engländer war nichts davon verborgen geblieben und er hatte sich nicht eben erfreut darüber gezeigt.

»Das läuft ja wie am Schnürchen!«, meinte Butterfly amüsiert und Samuel fuhr erschrocken herum. Er hatte sie nicht kommen sehen, urplötzlich stand sie neben ihm.
»Wenn ich es darauf anlege, schlagen sie sich noch heute die Köpfe ein«, bemerkte sie grinsend und Samuel verkrampfte sich innerlich.
»Aber wir bleiben doch beim Plan?«, erkundigte er sich vorsichtig und trat ein Stück von ihr zurück.
»Sicher. Sie du nur zu, dass du rechtzeitig parat stehst. Alles andere kannst du getrost mir überlassen.«


Mittwoch, 02. August, mittags

Die restliche Nacht hatten wir auf dem Felsplateau neben der Mündung zugebracht und uns bei erstem Tageslicht sogleich an den Aufstieg flussaufwärts gemacht. Endlich ausreichend trinken zu können war eine große Erleichterung und solange die Sonne tief stand, kamen wir erstaunlich gut voran. In unmittelbarer Nähe zu den herabstürzenden Wassern gestaltete sich unser Weg verhältnismäßig einfach, lediglich die rasch ansteigenden Temperaturen verlangsamten unser Vorankommen. Als die Sonne nahezu senkrecht vom erneut wolkenlosen Himmel stach, erreichten wir den bis dato höchsten Punkt. Von da an erstreckte sich zu beiden Seiten des Flusses nur mehr mäßig ansteigender, spärlich bewachsener Steinboden.
»Ich habe hunger«, bemerkte Natalie bereits zum zweiten Mal, auch mir knurrte seit geraumer Zeit der Magen. Liam lief schon den gesamten Vormittag über ein gutes Stück vor uns, er sprach wenig, genau genommen hatte er heute noch überhaupt nichts gesagt. Mehrfach hatte ich versucht, zu ihm aufzuschließen, doch jedesmal, wenn er es bemerkt hatte, war er schneller gegangen. Am Morgen war er ohne Erklärung oder Absprache losgelaufen und Natalie und ich waren ihm wortlos gefolgt. Im Grunde war, mangels Alternativen, keine größere Absprache vonnöten gewesen, dennoch hatte ich sein Verhalten recht eigenartig empfunden. Da jedoch Natalie nichts dazu gesagt hatte, war auch ich ihm kommentarlos gefolgt.
Keiner von beiden hatte bisher ein Wort zu vergangener Nacht verloren. Ich konnte das gut verstehen, auch mir war nicht im Geringsten danach, darüber zu sprechen. Seit wir uns jedoch hier oben auf offenem Gelände bewegten, wuchs der Wunsch in mir, zu erfahren, wohin wir gingen, was Liams Plan war.
»Ich kann nicht mehr!«, sagte Natalie plötzlich und blieb abrupt stehen. »Ich habe hunger! Und ich kann nicht mehr!« Sie setzte sich auf den Boden, schlang trotzig die Arme um ihre Beine und ließ den Kopf auf ihre Knie sinken.
»Liam«, rief ich und blieb ebenfalls stehen, »warte bitte.«
Er reagierte nicht, ging unbeeindruckt weiter.
»Liam!«, rief ich noch einmal, deutlich lauter und zorniger als beabsichtigt.
»Was?«, brüllte er und blieb stehen, drehte sich jedoch nicht zu uns um.
»Natalie«, begann ich, »wir brauchen eine Pause.«
Er wandte uns weiterhin den Rücken zu, sagte kein Wort aber seine Schultern begannen zu beben.
»Wo gehen wir denn hin?«, erkundigte ich mich vorsichtig, »Was hast du vor?«
Da schnellte er herum, starrte uns aus zornigen, weit aufgerissenen Augen an und schrie: »Was erwartete ihr von mir? Dass ich etwas aus der Hosentasche zaubere? Dass ich für alles eine Lösung parat habe?«
»Aber nein«, entgegnete ich beschwichtigend, »ich möchte doch nur wissen –«
»Was?«, schrie er wieder.
»Wieso schreist du mich an?«, brüllte nun auch ich und er zuckte zusammen. Sein gesamter Oberkörper zitterte und seine Kiefer mahlten.
»Liam«, begann ich, nun wieder ruhiger, aber er fuhr herum und rannte los.
»Liam!«
»Lass ihn!«, mischte Natalie sich ein. Ich wollte ihm nachsetzen, aber Natalie hielt mich zurück. »Lass ihn!«, wiederholte sie und sah ihm mit traurigem Blick nach, »Siehst du denn nicht, dass er am Ende ist?«


Montag, 31. Juli, 11.32 Uhr

Als Flug HU7704 vom Radar verschwand, glaubte Nathan zunächst an eine Fehlfunktion. Nachdem er jedoch das Kontrollprozedere nach Vorschrift abgearbeitet hatte, meldete er den Vorfall sofort weiter. Dreißig Minuten lang war darauf hin erfolglos versucht worden, Kontakt mit den Piloten aufzunehmen. Von da an galt HU7704 offiziell als vermisst.
Im weiteren Verlauf wurden Daten abgeglichen und festgestellt, dass zur Zeit des Verschwindens ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet für starke Unwetter in der relevanten Flugzone gesorgt hatte. Als nächstes wurde die Fluggesellschaft verständigt und erstmals leise die Möglichkeit eines Absturzes in Betracht gezogen. Letztlich kam man überein, Erkundungsflüge durchzuführen, sobald die Wetterlage dies zulassen würde.
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