[Spannung/Roman]Sommeralptraum 3 von X

Krimi, Thriller, Horror, Geistergeschichten, Abenteuer und alles andere, was die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

[Spannung/Roman]Sommeralptraum 3 von X

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 00:43

[Spannung/Roman]Sommeralptraum 3 von X


Mittwoch, 26. Juli, abends

Barnetbees Chocolate Wonder stand seit dem Brand vor vier Jahren leer, beziehungsweise diente die alte Süßigkeitenfabrik seitdem als Treffpunkt für allerlei zwielichtige Zeitgenossen. Tagsüber warfen Kinder Scheiben ein und veranstalteten Mutproben, nach Einbruch der Dunkelheit wagten sich jedoch nur mehr wenige hierher. Nachts gehörte Barnetbees dem Auswurf der Gesellschaft: Obdachlose, Junkies, Prostituierte und schlimmeres. Tagsüber konnte man ihre Spuren finden und Witze darüber machen. Ihnen tatsächlich begegnen wollte jedoch niemand. Zumindest niemand, den ich kannte.
Wenig nach dem Brand war auch ich mit Freunden öfter hier gewesen, jetzt erkannte ich das Gelände kaum wieder. Damals war Barnetbees ein echt cooler Treffpunkt gewesen. Hier hatte ich meinen ersten Joint geraucht, noch heute erinnerte ich mich gern an die Zeit zurück.
Jetzt allerdings machte mir der Ort Angst. Was um alles in der Welt hatte ich hier verloren?
Unschlüssig blieb ich stehen. Ich wusste ja noch nicht einmal, wo genau der Kampf stattfinden sollte. Und begegnet war mir bisher auch noch niemand. Ebenso wenig wusste ich, wann genau sie sich treffen wollten – und am Abend, ist eine verdammt ungenaue Zeitangabe.
Ich wandte mich um und blickte zurück zum Loch im Zaun. Mach kehrt, Mädchen! Sieh zu, dass du von hier verschwindest!
Von einem auf den anderen Fuß tappend verblieb ich an Ort und Stelle, als plötzlich Stimmen zu hören waren.
»Los, rüber zum Kesselhaus, da kriegen wir ihn!«
»Marc, du bleibst hier! Falls er durch den Zaun abhauen will.«
Augenblick versteckte ich mich hinter einem Stapel Holzpaletten und hoffte, dass sie mich nicht bemerkt hatten. Dem Anschein nach hatte ich Glück, sie liefen weiter, nur einer blieb stehen. Das Herz schlug mir bis zum Hals, als der Verbliebene, Marc?, in meine Richtung sah und die Stirn kräuselte. Er zögerte, blickte sich nach allen Seiten um, dann kam er langsam auf mich zu.
Fuck, fuck, fuck! Was sollte ich jetzt machen?
Meine Hände zitterten wie blöd, unfähig mich zu bewegen kauerte ich auf dem Boden hinterm Holzstapel. Nur noch drei Schritte und er würde mich entdecken.
Tu doch etwas!
Noch zwei.
Verdammt, tu irgend etwas!
Noch einer.
Und endlich tat ich etwas. Ich kniff die Augen fest zu, legte die Hände über den Kopf und machte mich ganz klein.
»Marc!«, ertönte von weitem eine Stimme. Ich blickte auf und da stand er. Direkt über mir und sah mich an. Nur für eine Sekunde.
»Marc, der Arsch will durch den Zaun!«
Dann wandte er sich um und rannte los. Ich stand auf und schaute ihm durch einen Spalt im Palettenstapel nach. Mit schnellen, weit ausladenden Schritten lief er hinüber zum Zaun, wenig vor ihm rannte ein anderer. Ein paar Meter vor dem Loch holte er ihn ein und brachte ihn mit einem gezielten Tritt zu Fall. Wenig darauf trafen auch die anderen ein. Sie packten den am Boden liegenden Jungen und zerrten ihn ein gutes Stück vom Zaun weg. Er wehrte sich kaum und als sie ihn, nicht mehr all zu weit von mir entfernt, erneut zu Boden stießen, konnte ich sein Gesicht erkennen.
Kirk McDance.
Von den anderen, insgesamt waren es vier, kannte ich keinen. Mit Ausnahme von Marc und der sah ein ums andere Mal verstohlen zu mir rüber. Natürlich kannte ich auch ihn nicht, nur seinen Namen. Und seine Augen – seit er mich eben angesehen hatte.
»Was soll das werden, McDance? Dachtest du etwa, damit wäre es erledigt?«
McDance lag bäuchlings auf dem verwitterten Betonboden, stützte sich auf seine Ellbogen und schaute zu dem Jungen auf, der ihn angesprochen hatte. Tränen liefen über seine Wangen, sein Kinn zitterte und seine Augen sprachen eine unverkennbare Sprache. Kirk McDance hatte Angst. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Kirk McDance lag weinend am Boden und machte sich vor Angst schier in die Hose. Und dabei wirkten die Jungs, die ihn umzingelten, allesamt jünger als er. Ein bis zwei Jahre, schätzte ich, etwa mein Alter.
»McDance!« Ein anderer Junge mit langem, schlohweißem Haar sprach Kirk an. Er stand am weitesten von mir entfernt, in McDance’s Rücken. Kirk zögerte und sein Gesichtsausdruck änderte sich. Kurz ließ er den Kopf hängen und als er ihn wieder hob, konnte man klar von seinem Blick ablesen, was nun gleich geschehen würde. Kirk McDance drehte sich zu dem Jungen um und der trat ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Das widerwärtige Geräusch werde ich mein Leben lang nicht vergessen können. Kirk wurde herumgerissen und landete auf dem Rücken. Er stieß einen kurzen, gepressten Laut aus, seine Augenlider flatterten, er schien einer Ohnmacht nahe. Mir wurde speiübel.
»Komm schon, McDance, so schlimm war das nicht.« Der Junge mit den weißen Haaren beugte sich zu ihm runter und packte ihn am Kinn. »Du hast zwei Tage!«
Lächelnd betrachtete er Kirk’s blutüberströmtes Gesicht, mit dem Resultat seines Trittes scheinbar sehr zufrieden. Eines der Augen war bereits komplett zugeschwollen, die Nase erweckte den Eindruck, als wäre sie plötzlich knochenlos. Dann ließ er ihn los, wischte demonstrativ seine Finger an Kirks Jacke ab und richtete sich auf. »Brich ihm den Arm, Marc«, sagte er emotionslos, während er ein Stück zur Seite ging, in seinen Taschen kramte und eine Zigarette samt Feuerzeug zu Tage förderte. Augenblick erwachte Kirk McDance zum Leben. Er schrie und wehrte sich nach Kräften, aber zwei der Jungs stürzten sich auf ihn, hielten ihn unten.
Marc sah sich um, ging ein paar Schritte abseits und kehrte mit einem großen Ziegelstein wieder. Alles Zappeln und Schreien half nicht. Marc platzierte den Ziegelstein unter Kirks Ellbogen und die beiden anderen hielten ihn darauf fixiert. Dann richtete Marc sich auf und hob den rechten Fuß. Noch einmal sah er kurz zu mir rüber, dann trat er zu.
Ich presste beide Hände auf meinen Mund, aber es war bereits zu spät. Ein heller, quiekender Laut entrang sich meiner Kehle, weithin hörbar schallte er über den Platz. Alle Augenpaare waren sogleich auf den Palettenstapel gerichtet, hinter dem ich mich versteckt hielt. Vor Entsetzten biss ich mir auf die Unterlippe, bis ich Blut schmeckte.
Marc reagierte sofort. Augenblicklich stürmte er los und war Sekunden später bei mir. Er hielt den Zeigefinger vor seine Lippen, wieder sah er mich an. Leuchtend blaue Augen. Flüchtig berührte er mich sogar an der Schulter und ich schreckte zurück. Da wandte er sich abermals um und ging.
»Nichts, nur so ein dummes Katzenfieh!«, rief er hinüber und als er bei den anderen eintraf, schien niemand an seinen Worten zu zweifeln.
»Zwei Tage, McDance!«, sagte der Weißhaarige noch einmal, dann ließen sie ihn liegen und verschwanden.
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 3 von X

Beitragvon Jonas_dls » 15.10.2015, 15:59

Here we are again :)

Zunächst zu einem Problem, das mir erst beim nochmahligen Lesen des ersten Teils (zur Vorbereitung auf den neuen Teil) richtig auffiel: Die Protagonistin ist im ersten Teil garnicht und im zweiten Teil erst gegen Ende verortet. Damit meine zwei Dinge; erstens weiss ich als Leser nicht, wo sie sich befindet, ob sie steht, geht oder was auch immer. Zwar wird klar dass sie z.B. in der Turnhalle gewesen sein muss, da sie dort Dinge beobachtet hat, aber sie bleibt eine omnipräsente körperlose Beobachterin. Ist das so beabsichtigt? Zweitens gibt es im ersten Teil kaum internen Dialog der Protagonistin oder überhaupt Reaktionen ihrerseits auf ihre Umwelt, Bewertungen, oder Meinungen. Dabei sind das ja gerade die Mittel, die einen Leser nahe an den Protagonisten heranführen.
Ich will die beiden Punkte an einigen Stellen festmachen, bevor ich irgendwann noch zum neuen dritten Teil komme.

Samis hat geschrieben:Sarah gefiel es nicht und sie hatte längst beschlossen, zu gehen, somit folgten ihr die anderen.

Von wo will sie verschwinden? Du solltest frühzeitig einen Hinweis darauf geben, wo sich das ganze abspielt. etwas später heisst es, die drei würden richtung Ausgang verschwinden, das ist der erste Hinweis darauf, dass sie irgendwo drinnen sind. Übertrieben gesagt könnten sie aber bislang genauso gut in einem Zoo, im Einkaufszentrum oder in einer Schule sein.(ich gehe davon aus, dass das die erste Szene des Buches ist)
Samis hat geschrieben:»Das ist es? Sie schlagen sich?«
»Ja! Ist das nicht irre?«
»Das ist bescheuert!«
»Aber nein, das ist wie in dem Film, du weißt schon, der mit dem geilen Typen!«
Mel schien begeistert, ihre Augen funkelten und sie hüpfte beim Sprechen. Aber Sarah hatte bereits entschieden und Lisa ohnehin keine eigene Meinung.


Ist Mel diejenige, die das irre findet und mit dem Film vergleicht? Beim ersten Lesen ist mir das nicht bewusst gewesen.
Samis hat geschrieben:Ich fand es einerseits widerwärtig, andererseits faszinierte es mich

Zwar passt diese Reaktion durchaus auf einen Beobachter einer Schlägerei mit ungewöhnlichem Ausgang, aber da das der erste Punkt ist, an dem wir etwas über die Werte der Protagonisten erfahren, ist es etwas unglücklich. Du könntest an der Stelle ein zwei Sätze mehr investieren, um einen klareren ersten Eindruck von der Protagonistin zu vermitteln.
Samis hat geschrieben:Schon klar, dass Sarah Dickerson das nicht sonders gefallen hatte.

Hier bist du im Kopf der Prota, allerdings ohne zu sagen, was sie davon hält, dass Sarah darüber nicht glücklich ist. Da später herauskommt, dass sich die beiden in den selben Jungen verliebt haben, könntest du hier deutlich machen, dass sie sich darüber freut, das Sarah unglücklich ist. Vielleicht kann die Prota auch etwas dazu äussern, was sie von dem Schulsprecher und Opfer hält. Kann sie ihn nicht leiden? Dann hätte sie einen Grund mehr, sich über die Situation zu freuen. Aber ich schweife ab.

Samis hat geschrieben:Ich meine, ich kenne sie bereits mein halbes Leben und habe ihr nie etwas getan! Aber in Sarahs Augen war ich einfach nicht gut genug.

Mir persönlich fehlen hier noch ein zwei adjektive, die ihre Meinung zu Sarah näher beschreiben. Es wirkt noch recht unpersönlich, nur das Ausrufezeichen vermittelt den Eindruck, das sie sich sich unfair behandelt fühlt, mehr aber auch nicht.

Samis hat geschrieben:Die drei erreichten eben die Tür

Hier werden dritte Personen an der Tür verortet, die Prota hat aber bislang keinen konkreten Ort, oder eine Haltung. Lediglich dadurch, dass sie Sarahs Gesichtsausdruck sehen kann, als diese sich umdreht, wird deutlich, dass sie zumindest in die Richtung schaut, in die Sarahs Clique gegangen ist. Der Ort der eine Tür hat, bleibt ansonsten völlig unbekannt. Bereits ein "Tür des Klassenzimmers" oder "Tür der Turnhalle" würde helfen, auch wenn davor bereits ein allgemeiner Hinweis auf die Örtlichkeit Sinn machen würde.

Samis hat geschrieben:Spinnst du!, dachte auch ich. Niemand, absolut niemand legte sich freiwillig mit Kirk McDance an. Der Typ tickte nicht richtig! Kirk McDance war ein waschechter Irrer!

Hier fängst du an, der Prota leben ein zu hauchen, sie reagieren zu lassen und sie ihre Umwelt bewerten zu lassen. Im Präsens klingt das ganze aber noch eindringlicher.
Samis hat geschrieben:Ich hasste es, wenn er sie SQu nannte! Sie war keine verdammte SQu – aber wen interessierte das schon?

Hier könntest du deutlicher machen, dass es sich um internen Dialog handelt, indem du auf Präsens umschaltest. In der Vergangenheit klingt es mehr wie eine nacherzählung und damit distanzierter.
Samis hat geschrieben:die Mitte der alten, ausrangierten Sporthalle
Jetzt weiss ich wo wir sind, endlich. Soll die Sporthalle bewusst ausrangiert sein? Normalerweise würde ich sagen, dass sie dann abgeschlossen ist. Falls die Halle aber als Aufenthaltsraum genutzt werden darf, ist es in Ordnung, auch der Direktor macht später nicht den Eindruck als sei er davon überrascht, dass sich Schüler dort aufhalten.

Samis hat geschrieben:rund vierzig aufgebrachte Schüller und Schülerinnen einen Kreis von etwa sechs Meter Durchmesser


Ich bin kein Fan von exakten nummerischen Angaben, wenn dejenige der sie feststellt, keinen guten Grund dafür hat. "wo ein ganzer Haufen Schüler einen großen Kreis gebildet hatten" klingt natürlicher und ist als Beobachtung näher an der Protagonistin dran. Beide Formulierungen klingen aber so, als sei die Protagonistin nicht Teil dieses Kreises, da sie ihn von Aussen wahrnimmt. Gewollt?

Samis hat geschrieben:Fouley hatte die Seitentür mit so lautem Krachen aufgeschlagen

Hat die Prota die Tür beobachtet, trotz des bevorstehenden Kampfes? Oder ist es schlicht eine Vermutung, da der Rektor ihrer Meinung nach anders mit der Tür umgegangen wäre?

Samis hat geschrieben:Ich befand mich keine drei Meter entfernt und konnte mit ansehen, wie Kirk Liam kurz mit undurchschaubarer Miene fixierte, »Okay« zischte, ehe er sich losriss und endgültig verschwand. Gebannt beobachtete ich die Geschehnisse, bis auch Liam durch die Umkleiden verschwunden war, erst dann besann ich mich und konnte gerade noch rechtzeitig unerkannt entkommen.


Welche Geschehnisse sind das, die sie beobachtet? Die Unterhaltung der Beiden Streithähne ist an der Stelle beendet, alle verlassen nur noch die Turnhalle. Was tun der Rektor und der Hausmeister, so dass sie
nur " gerade noch" entkommen kann? Ist die Turnhalle doch kein offizieller Aufenthaltsort? s.o.

Samis hat geschrieben:Am nächsten Morgen verbreitete sich die Nachricht bereits vor der ersten Pause. Der Kampf sollte schon heute Abend nachgeholt werden, drüben in Barnetbees Choclate Wonder.


Hier wird deutlich, dass der ganze erste Teil ein Rückblick ist, verwirrend ist es aber dennoch. Der "nächste Morgen" ist bereits vergangenheit, üblicherweise wird so aber nicht über den aktuellen Tag berichtet, was hier aber der Fall ist. Das Ereignis "heute Abend" kommt erst noch, daher wird grob gesagt um die Mittagszeit herum berichtet. Was sich wiederum mit der Vergangenheitsform der nächsten beiden Teile beisst. Sinnvoller wäre eine Formulierung wie "Am Morgen verbreitete sich die Nachricht bereits vor der ersten Pause. Der Kampf sollte schon am Abend nachgeholt werden, drüben in Barnetbees Choclate Wonder."
Die wiederholung von "am" klingt noch etwas unglücklich, aber zumindest bleibst du in der Vergangenheit ohne dich auf einen Zeitpunkt fest zu legen, von dem aus die Geschichte erzählt wird und es wird deutlich, dass nur ein statt zwei Tage vergehen.
Soweit zum ersten Teil nochmal. Ich hoffe, du kannst mit der Rosinenpickerei etwas anfangen und ich habe nich an deinen Intentionen vorbei gemäkelt. 8)

Samis hat geschrieben:Barnetbees Chocolate Wonder stand seit dem Brand vor vier Jahren leer, beziehungsweise diente die alte Süßigkeitenfabrik seitdem als Treffpunkt für allerlei zwielichtige Zeitgenossen.

Das "Beziehungsweise" klingt wie ein entweder oder, was nicht zum Inhalt des Satzes passt. Nimm es raus und setze dort das seitdem ein.

Samis hat geschrieben:Wenig nach dem Brand war auch ich mit Freunden öfter hier gewesen, jetzt erkannte ich das Gelände kaum wieder.

Hier müsste es heißen "Kurz nach dem Brand", oder "In der Zeit nach dem Brand".
Dazu noch "kaum wieder" mit "kaum noch wieder" den zeitlichen Ablauf klarer machen.

Samis hat geschrieben:Tagsüber warfen Kinder Scheiben ein und veranstalteten Mutproben, nach Einbruch der Dunkelheit wagten sich jedoch nur mehr wenige hierher... Damals war Barnetbees ein echt cooler Treffpunkt gewesen. Hier hatte ich meinen ersten Joint geraucht, noch heute erinnerte ich mich gern an die Zeit zurück.

Da die Prota im jugendlichen Alter ist, gehe ich davon aus, dass sie ihren Joint "damals" als Kind geraucht hat. Ist das so beabsichtigt?
Barnetbees Chocolate Wonder klingt nach einer Eisdiele, Wörter wie Palletenstapel und Kesselhaus lassen mich dagegen eher an eine alte Industrieanlage denken.

Samis hat geschrieben:Ich wandte mich um und blickte zurück zum Loch im Zaun. Mach kehrt, Mädchen! Sieh zu, dass du von hier verschwindest!

Auch wenn interner Dialog nicht ideal dafür ist, solltest du die Gelegenheit nutzen, den Namen der Prota nochmal zu nennen, ich habe ihn erst einmal, von der Lehrerein, gehört. Zumal er auch in diesem Teil kein einziges Mal auftaucht. Ausserdem ist mir die Verortung wieder zu knapp. Sie ist da wo sie hin wollte und sieht ein Loch im Zaun. Sonst erfahren wir nichts über ihre Umgebung, ausser, dass es dort Palettenstapel und ein Kesselhaus gibt. Wenn du bewusst weiter in die Richtung gehst, wird es bald surreal, so aber habe ich keinerlei Eindruck von der Umgebung. Er macht ihr Zwar Angst, ob das aber an der bevorstehenden Schlägerei liegt, oder ob die Örtlichkeit von sich aus diesen Eindruck bei ihr hinterlässt, bleibt unklar.

Samis hat geschrieben:Er zögerte, blickte sich nach allen Seiten um, dann kam er langsam auf mich zu.

Soll er wirklich langsam sein, wenn er Jemanden sucht und etwas verdächtiges sucht, das sich zu verstecken scheint? Wenn er eigentlich den Zaun bewachen sollte? Das macht nur Sinn, wenn die anderen ihr Opfer im Blick haben.

Samis hat geschrieben:Nur noch drei Schritte und er würde mich entdecken.

Wenn sie ihn sehen kann und er nur noch drei Schritte weg ist, denke ich mir, dass er sie bereits gut sehen kann, ausser sie blickt durch einen tief liegenden Spalt auf seine Beine und sein Kopf ist verdeckt. Wenn du soch ein Detail einfügst, wird es runder, da sie ja ohnehin auf dem Boden kauert.

Samis hat geschrieben:Ich blickte auf und da stand er. Direkt über mir und sah mich an. Nur für eine Sekunde.
»Marc, der Arsch will durch den Zaun!«
Dann wandte er sich um und rannte los.

Sie hat Angst entdeckt zu werden, aber als sie tatsächlich entdeckt ist, kommt von ihr keine Raktion darauf, auch sein Wegrennen ohne auf sie Aufmerksam zu machen bleibt von ihr unkommentiert.

Samis hat geschrieben:Von den anderen, insgesamt waren es vier, kannte ich keinen.

Ein guter Grund, aus dem sie einige Details der Unbekannten bemerken könnte, auffällige Kleidung, ob sie in ihrem Alter sind(was ja der Fall ist, wie sich später herausstelt), laut herum schreien etc. Natürlich ohne an der Stelle eine Modeschau ala Karl May zu veranstalten.

Samis hat geschrieben:...kannte ich keinen.
Mit Ausnahme von Marc und der sah ein ums andere Mal verstohlen zu mir rüber.
Natürlich kannte ich auch ihn nicht, nur seinen Namen.
Und seine Augen – seit er mich eben angesehen hatte.

Ein recht verwirrendes Statement. Wenn du hier die Verwirrung der Protagonistin ausdrücken willst, solltest du es noch weiter in wörtliche Rede umwandeln.
Ihre Verwirrung durch ihn und der Fokus auf seine Augen klingen danach, als sei sie dabei sich in ihn zu verlieben?

Samis hat geschrieben:»Was soll das werden, McDance? Dachtest du etwa, damit wäre es erledigt?«

Klingt als ginge es tatsächlich um die angekündigte Schlägerei, aber warum erkennt die Prota dann niemanden der Beteiligten?

Samis hat geschrieben:»McDance!« Ein anderer Junge mit langem, schlohweißem Haar sprach Kirk an. Er stand am weitesten von mir entfernt, in McDance’s Rücken.

In wessen Rücken er steht ist klar, ein "er" genügt hier völlig.

Samis hat geschrieben:Der Junge mit den weißen Haaren beugte sich zu ihm runter und packte ihn am Kinn. »Du hast zwei Tage!«

Interessantes foreshadowing, dass Macdance in dem Zustand nicht darauf reagiert ist nachvollziehbar. Es bleibt aber völlig unklar, was diese Frist mit der Schlägerei zu tun hat. Auch die Protagonistin, die ja alles mithört, reagiert hier nicht.

Samis hat geschrieben:Augenblicklich stürmte er los und war Sekunden später bei mir. Er hielt den Zeigefinger vor seine Lippen, wieder sah er mich an. Leuchtend blaue Augen. Flüchtig berührte er mich sogar an der Schulter und ich schreckte zurück. Da wandte er sich abermals um und ging.
»Nichts, nur so ein dummes Katzenfieh!«,

Das macht ihn ja fast sympatisch, hat sich da etwa jemand beim ersten Anblick der Prota in sie verliebt? :oops:
Dabei kennen sich die beiden scheinbar nicht.

Alles in allem habe ich den Eindruck, dass die Prota, über alle Teile hinweg, noch zu konturlos ist, trotz ichperspektive. Gerade dadurch fällt es um so mehr auf, wenn ihre reaktionen fehlen. Im gesamten Text sagt sie nur elf Wörter, darunter viermal "bitte". In den ersten beiden Teilen wäre dafür mehr Raum. Vielleicht ist das ja auch ein bewusstes Stilmittel, dann hoffe ich dennoch, dass du mit einigen der Kommentare etwas anfangen kannst.
Jonas_dls
 
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Re: [Spannung/Roman]Sommeralptraum 3 von X

Beitragvon Samis » 15.10.2015, 16:59

Hallo Jonas,

du scheinst dich wirklich intensive mit meinem Text beschäftigt zu haben. Und da ich und jeder hier weiß, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt, möchte ich dir vorweg ganz besonders für deine Mühe danken.
Leider wird daneben immer deutlicher, dass unsere Vorstellungen, Herangehensweise und Gewichtungen gelinde gesagt voneinander abweichen, wenn nicht gar konträr sind. Hast du zwischenzeitlich meine Antwort zu den Kommentaren von Teil 1 gelesen? Falls nicht – das könnte helfen. Ich glaube, du ließt die Geschichte zu starr aus der Position des Kritikers. Du versteifst dich auf Details, die für sich genommen unstimmig erscheinen und es zuweilen vielleicht sogar sind. Aber das ist mir nicht wichtig. Hättest du die gesamte Geschichte vorliegen, oder zumindest 10, 20 Seiten mehr und würdest die in einem Rutsch lesen, so glaube ich, würdest du manches lockerer sehen und mir die ein oder andere Nachlässigkeit durchgehen lassen. All deine Anmerkungen und Hinweise sind richtig und mögen für andere Geschichten von Bedeutung sein; hier aber bin ich der Meinung, dass manches davon gänzlich unwichtig ist und sich der Großteil ohnehin im weiteren Verlauf der Geschichte von selbst klärt. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn du ein paar Kapitel abwartest und dich dann wieder zu Wort meldest. Das soll nun nicht heißen, dass ich auf deine Kommentare keinen Wert lege. Ganz im Gegenteil! Solltest du Spaß daran haben, würde es mich sehr freuen, wenn du weiterhin mit dieser Hingabe und in dieser Fülle auf mein Geschreibsel antwortest. Denn trotz unserer offensichtlich unterschiedlichen Meinungen – ein bisschen was geht immer. Sei dir gewiss, ich lege deine Anmerkungen nicht einfach so zur Seite – den ein oder anderen Gedankenanstoß bewirken sie allemal.
Abschließend noch die Bestätigung deiner Vermutung: Jep, zwischen Beth und Marc bahnt sich etwas an ...

Beste Grüße,
Samis
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